Cubiculum|Flavia Domitilla

  • Seltsam! Sehr, sehr seltsam, diese Sprache. Dennoch verfolgte ich fasziniert dem Gespräch, auch wenn ich kein einziges Wort verstand. Es war in der Tat ein Glücksfall, dass Samira ODER WIE auch immer sie hieß, diese Frau auswendig gemacht hatte. Umso mehr erhoffte ich mir nun ein paar Antworten.
    Endlich, Flaviana begann zu übersetzen. Jedoch kam nicht das, was ich mir erhofft hatte. Sie seien verschleppt worden und sie hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen. Herrje, wie furchtbar! Ich war schon nahe daran, mich erweichen zu lassen, sie einfach von dannen ziehen zu lassen. Weil ich doch ein gutes Herz hatte und ich doch nett sein wollte. Doch dann erinnerte ich mich der Worte meiner Mutter wieder, die sich nicht oft genug darüber ausgelassen hatte, sich nicht von den Sklaven und ihren jämmerlichen Geschichten beeindrucken zu lassen. Schon möglich, dass sie unschuldig waren, aber ich, äh pardon, mein Bruder hatte für sie gezahlt!
    "Ach ja wirklich?", fragte ich besorgt, allerdings war ich es keineswegs.
    "Nun, das kann schon sein. Dennoch gehören sie jetzt mir. Daran müssen sie sich jetzt gewöhnen!" Und das auf dem schnellsten Wege! So, und nun wollte ich die richtig wichtigen Dinge geklärt haben!
    "Frag sie doch gleich einmal nach ihren Fähigkeiten! Was können sie? Oder besser gesagt, wozu sind sie zu gebrauchen? Frag den Mann, ob er kämpfen kann. Und die Frau, frage die Frau, ob sie schminken und frisieren kann! Oder ob sie in der Küche besser aufgehoben ist."

  • Bridhe war nicht wohl in ihrer Rolle als Übermittler von Schreckensnachrichten. Aus dem einzigen Grund, weil sie selbst einmal in der Lage ihrer beiden Landsleute gewesen war. Damals war es ihr recht schnell klar gewesen, wie ausweglos ihre Lage war und das es nur eines gab, was sie noch retten konnte: sich zu beugen und das Schicksal anzunehmen, was die Götter für sie vorgesehen hatten. Niemand hatte behauptet, das dies einfach gewesen wäre und das tat sie auch jetzt nicht. Betroffen senkte sie ihr Haupt und nickte dem Mann zu. "Doch das hat sie. Und was noch schlimmer ist, sie kann alleine über euch bestimmen." Bridhe wollte ehrlich mit den beiden sein und wollte ihnen nichts vorenthalten. "Das einzige, was ihr tun könnt, ist zu gehorchen und zu hoffen. Hoffen, dass sie euch eines Tages gehen lässt."


    Die Hibernierin hatte bereits geahnt, dass sich die Flavia von der Geschichte der beiden nur wenig beeindrucken ließ. Warum auch hätte ausgerechnet diese Mädchen hier anders sein sollen? Sie waren alle gleich, wenn es um ihren Besitz und um ihre Macht ging. Da zählten keine Missverständnisse. Das Unrecht, was anderen zugefügt worden war, wog weniger in ihrer Denkweise. Ganz im Gegenteil, sie glaubten sogar, den so genannten Barbaren etwas Gutes zu tun, wenn sie sie unterdrückten und sie zu ihren Sklaven machten. Wie überheblich sie doch waren! Bridhe zügelte ihre aufkommende Wut. Sie hatte im Laufe der Jahre gelernt, in Gegenwart der Römer ihre eigenen Gedanken und Gefühle für sich zu behalten. Drum erwiderte sich nichts auf Domitilla Antwort, die eindeutig erahnen ließ, wie unreif doch dieses Kind noch war. Stattdessen begann sie wieder zu übersetzen und versuchte auch den beiden Hibernern gegenüber sachlich zu bleiben. Es nützte ihnen nichts, wenn sie sie nun bemitleidete und die beiden dann in ihrem eigenen Selbstmitleid ertranken.

  • Was? Wir GEHÖREN ihr? Was ist das für ein Unsinn! Das ist doch ein schlechter Traum! Man kann uns nicht einfach so besitzen! Ja, man kann die Leute für sich arbeiten lassen, wenn sie eine Schuld abzuzahlen haben, aber doch nicht etwas! Und schon gar nicht so ein unreifes und verwöhntes Ding, wie diese da! Aoife zeigte auf Domitilla und schüttelte energisch den Kopf. Sie konnte nicht verstehen, was Bridhe ihr da erzählen wollte.


    Aber an der Art, wie sich die junge Frau aufführte, welchen Ton sie an den Tag legte und vor allem, wie die andere, Semiramis und auch ihre Landsmännin reagierten, mußte Aoife das wohl als gegeben hinnehmen. Sie schaute Bridhe forschend an, hoffte, auf andere Worte, aber diese schaute zu Boden und sagte, Aoife und Aidan mußten gehorchen. Langsam fanden die Worte der anderen einen Weg in Aoifes Verstand und ihr wurde kurz schwarz vor Augen, als sich das Bewußtsein festigte, daß sie ihre Heimat vielleicht nie wieder sehen würde. Ihre Hände krallten sich in Aidans Arm, um nicht zu straucheln. Leise hauchte sie: Gibt es denn Hoffnung?, bevor sie die Augen verzweifelt schloß.


    Es dauerte einen Moment bis sich die Rothaarige wieder gefangen hatte. Sie war noch nie jemand gewesen, die sich lang mit dem Negativen aufhielt. Nun denn! Packen wirs an! Ich hoffe nur, sie erwartet nicht, daß ich krieche! DAS wird sie nie von mir bekommen! Stolz richtete sie sich zu voller Größe auf und schaute dem kleinerem Mädchen direkt in die Augen. Leicht neigte sie den Kopf: Domina, tá mé ar fáil duit!*


    Der Blick ging wieder zu Bridhe und sie beantwortete ihr das, was die Domina wohl wissen wollte: Ich bin Meisterin in der Verabeitung von Wolle aller Art! Ich kann die besten Stoffe weben und ich erkenne die besten Stoffe sofort! Frisieren? Ich kann mein Haar auf alle erdenkliche Arten knoten und flechten. Wahrscheinlich kann ich das auch bei ihr! Mit Schminken habe ich noch nie etwas zu tun gehabt. Sowas braucht man nicht! Das Gesicht Aoife´s war unbewegt, nur in den blauen Augen war zu sehen, wie sehr es in ihr arbeitete.



    Sim-Off:

    * Domina, ich stehe Dir zur Verfügung!

  • Aidan stand hinter Aoife und hörte ihre Worte. Es sprengte seine Vorstellungskraft das ein Mensch einen anderen Menschen besitzen könnte. In Ihm schwelgte ein Gefühl der Unmut und des Hasses auf. Aber er würde auch Aoife gefährden, wenn er jetzt etwas unüberlegtes tun würde.


    Das überhebliche Mädchen wollte wissen ob er kämpfen konnte. Ein abfälliges Lächeln legte sich auf seine Lippen. Für einen kurzen Augenblick schossen Ihm viele Bilder in den Kopf. Er legte die Trauben wieder auf die Schale zurück und nahm sich dafür 2 Äpfel in die Hand. Dann stellte er sich so in den Raum das Ihn jeder sehen konnte. Den ersten Apfel teilte er einfach so mit den Fingern in zwei Hälfen.


    Bridhe, sage deiner Domina das ich kämpfen kann. Mit bloßen Händen oder mit Speer und Bogen.


    Das Wort „deiner“ betonte er besonders und zerquetschte dabei den Apfel in der Faust. Er legte all seine Sehnsucht und Trauer hinein. Dann betrachtete er Domina. Wahrscheinlich wusste sie gar nicht was es bedeutete so fern der Heimat und der Familie zu sein. Diese Menschen hier hatten wohl die tieferen Werte bei all der Pracht vergessen.

  • Mir ging das alles zu langsam! Immer erst diese dumme Übersetzerei. Was redeten die so viel?Ob ich dieser Libertina vertrauen konnte? Sie konnte den beiden alles Mögliche erzählen. Niemand konnte überprüfen, was sie sagte und was die beiden ihr antworteten. Andererseits würde es die Libertina nicht wagen, sich gegen mich zu stellen. Sie hatte ihrer Familie etwas zu verdanken. Das würde sie nicht mit Füßen treten.
    Mir blieb also nur eines übrig, geduldig zu warten und das Minenspiel der drei zu beobachten. Mir schwante, als könne man Verzweiflung im Gesicht der Frau erkennen. Doch dann richtete sie sich noch einmal stolz auf, um schließlich eine Verneigung anzudeuten.
    Der Mann jedoch schien weitaus weniger fügsam zu sein. Er bediente sich einfach so, ohne zu fragen an meiner Obstschale und griff sich einen Apfel. Dos hatte er bereits schon einmal gemacht. Nur ich hatte ihn gewähren lassen, weil ich einfach zu angespannt gewesen war. Nun aber widerstrebte es mir. Was er aber dann mit dem Apfel anstellte, wirkte auf seltsame Weise bedrohlich auf mich. Er zerquetschte das Obststück in seiner Faust. Zweifellos sollte wohl ich der Apfel sein, so interpretierte ich es jedenfalls. Furcht überfiel mich. Sollte ich vorsichtshalber jemanden rufen lassen, der dem Kerl Einhalt gebieten konnte?
    "Was sagen sie? Nun sag schon! Lass mich hier nicht so lange schmoren!", bedrängte ich die Flaviana, so dass man unschwer meine Nervosität bemerken konnte. Mit solcherlei Sklaven hatte ich keinerlei Erfahrung. Sklaven, die aufbegehrten und es wagten, zu drohen.

  • Bridhe konnte nichts darauf erwidern, außer nur stumm und betroffen zu nicken. Die Reaktion der beiden auf die "Neuigkeiten", waren genau so ausgefallen, wie es sich Bridhe gedacht hatte. Diese fremde Welt war einfach so anders und vor allem so ungerecht. Die beiden konnten sich glücklich schätzen, dass sie einander hatten und nicht mutterseelenallein in Rom gestrandet waren, so wie Bridhe damals. Sie konnten sich einander Halt geben, den Halt den Bridhe damals bei Severus gefunden hatte. Ah, Severus! Die Erinnerung an ihn löste immer noch etwas aus. Sehnsucht, Trauer und auch Wut. Schnell schob sie das weit von sich. Sie hatte anderes zu tun, als in alten Wunden zu bohren.


    "Hoffnung gibt es immer. Seht mich an! Man hat mich auch vor vielen hierher verschleppt und ich wurde freigelassen." Damals war sie nur freigelassen worden, weil sie von ihrem Herrn schwanger geworden war und sie ihn um die Freiheit für ihr Kind gebeten hatte. Warum Aquilius damals eingewilligt hatte, war ihr noch immer schleierhaft. Er hatte sie nicht geliebt. Aber vielleicht wollte er nicht Herr seines eigenen Fleisch und Blutes werden. Diarmuíd, ihr Sohn war auf vielerlei Weise ihr ganzes Glück.


    Ihre beiden Landsleute fingen sich wieder etwas, was es Bridhe auch etwas leichter machte, mit ihnen zu sprechen. Sie lächelte mild, als Aoife sich aufraffte und willens war, an ihrem Schicksal zu arbeiten. Nur so konnten sie beide die dunklen Tage hinter sich lassen und an eine hoffnungsvolle Zukunft denken.
    Sie wollte noch etwas aufmunterndes entgegnen, da wurde sie von dem ungeduldigen Mächen unterbrochen. Bridhe sah kurz zu ihr hinüber und begann wieder, zu übersetzen.
    "Sie sagen, sie wollen dir dienen." Auch wenn es Aidan vielleicht nicht anzusehen war, als er einen Apfel mit einer Faust zerquetschte. "Aoife sagt, sie war zu Hause Weberin. Sie kennt sich gut mit Wolle und Stoffen aus. Frisieren kann sie auch. Aber Schminken, das kann sie leider nicht." Sie verschwieg es besser, was Aoife alles über das Schminken gesagt hatte.
    "Und Aidan kann kämpfen. Mit seinen bloßen Händen aber auch mit Waffen. Du hast soeben sehen können, welche Kraft er besitzt."

  • Endlich! Es wurde auch Zeit, dass Flaviana mit der Sprache herausrückte und übersetzte, was meine Sklaven denn von sich gegeben hatten. Insbesondere Aidans Äußerungen interessierten mich, erschien er mir doch nun weitaus bedrohlicher, als zuvor auf dem Sklavenmarkt. Was so ein dummer kleiner Apfel doch alles bewirken konnte!
    Meine Bedenken aber waren wohl unbegründet, wie ich gleich feststellen durfte. Denn, wenn ich Flavianas Worten Glauben schenken durfte, so waren die beiden bereit, mir zu dienen. Na, wenn das kein guter Anfang war! Und die Libertina fuhr fort, um mir über die Fähigkeiten der Frau und des Mannes zu berichten. Eine Weberin, die sich mit Wolle und Stoffen auskannte – die konnte man sicher immer gut gebrauchen. Notfalls konnte man sie auch ausleihen. Und wenn sie auch noch frisieren konnte, dann war erst recht einsetzbar. Den Umgang mit Kosmetika aller Art musste sie einfach noch lernen. Ich jubelte innerlich, bis sich schließlich meine Freude auch nach außen bemerkbar machte. Wie ein unreifes Kind begann ich auf meinem Bett herum zu hüpfen und freudig zu klatschen, bis mir Amalthea und auch Flavianas weitere Erklärungen Einhalt geboten.
    "Ohhh, er kann kämpfen? Wie die Gladiatoren in der Arena? Mit wilden Tieren?" Richtig, ich hatte sehen können, welche Kraft er besaß. Warum diese also nicht für mich nutzen? Ich dachte kurz nach, winkte dann Amalthea zu mir her, die sich dann zu mir hinunter beugte, bis sie auf Augen- und Ohrenhöhe war. Ich flüsterte ihr etwas ins Ohr, was vorerst unter uns bleiben sollte. Erst einmal wollte ich Amalteas Urteil abwarten. Die alte Griechin zögerte einen Moment, nickte dann aber.
    "Gut, äh…" meinte ich dann wieder zu Flaviana und den Sklaven.
    "Sag ihnen, dass sie sich von nun an in unserer Sprache üben sollen. Das übernimmst du am Besten. Ich werde mit meinem Bruder darüber sprechen. Und dann wünsche ich, dass Aidan zu meinem custos ausgebildet wird. Einer der altgedienten custodes des Hauses soll diese Aufgabe übernehmen. Und um Aoife wird sich Amalthea, meine Leibsklavin kümmern. Sie wird sie zur ornatrix ausbilden. Und außerdem interessieren mich ihre Fähigkeiten mit den Stoffen. Ich habe heute hier einige besonders schöne Stoffe auf dem Markt gekauft. Sie soll mir eine aufwändige Tunika daraus schneidern!“ Ich deutete auf den Berg aus Stoffen, der auf dem Boden lag. Am besten, Aoife machte sich gleich an die Arbeit, um mir zu zeigen, was sie konnte.
    Ach ja, ich war wieder guter Dinge. Es kam doch noch alles zum Guten. Die beiden Sklaven, so hatte es den Anschein, waren doch keine Fehlinvestition gewesen.

  • Das Mädchen war ganz aufgekratzt, nachdem Bridhe übersetzt hatte, was Aidan über seine Fähigkeiten, zu kämpfen gesagt hatte. Sie hatte gleich dabei an Gladiatoren gedacht. Bridhe überlegte, wie als dieses Kind überhaupt war, denn es stand außer Frage, dass sie noch eines war. Ob man sie wirklich schon zu Gladiatorenkämpfen mitgenommen hatte? Nur ungern erinnerte sie sich, als sie vor einigen Jahren einem dieser Kämpfe beigewohnt hatte, nur um Severus noch einmal zu sehen. Es schauderte sie noch jetzt. Die Arena hatte ihn vollkommen verrohen lassen. Vielleicht war er schon längst tot. In all ihren Überlegungen vergas sie sich selbst, bis sie schließlich wieder die Stimme Domitillas vernahm, die sie unterschwellig daran erinnerte, weswegen sie eigentlich hier war.
    Die Flavia erläuterte, was sie mit ihren Sklaven vorhatte. Bridhe übersetzte Wort für Wort. Schließlich wandte sie sich noch einmal speziell an Aidan, denn sie hatte Domitillas Frage bezüglich des Kämpfens noch nicht gestellt.
    "Domitilla möchte wissen, ob du auch mit wilden Tieren kämpfen kannst, Aidan." Bridhe fand es für angemessen, ihn darüber in Kenntnis zu setzen, welche Sitten und Gebräuche hier herrschten und wie verrückt die Römer nach Gladiatorenkämpfen waren. "Du musst wissen, es gibt hier spezielle Stätten, wo solche Kämpfe stattfinden. Man nennt sie Arena. Dort wird Mann gegen Mann oder Mann gegen Tier gekämpft." Mehr sagte sie vorerst nicht.

  • Aoife beobachtete aufmerksam die Unterhaltung oder besser die Anweisungen der Domina gegenüber Bridhe. Sie sah auch, daß Domitilla auf den Berg Stoffe deutete. Noch bevor die Übersetzung kam, ging sie langsam dorthin und nahm die Tücher prüfend in die Hand. Ihr entging dabei nicht, was Bridhe Aidan sagen wollte. Leicht stockte ihr Atem, denn sie ahnte, was das bedeuten könnte.


    Langsam breitete sie das erste Tuch aus und ließ fast zärtlich ihre Hand über die Oberfläche fahren. Dabei folgten ihre Augen aufmerksam dem Faden. Die Webtechnik war gut, die Fehler versteckt, ein Stoff, der besser aussah, als er war. Das zweite Tuch folgte. Hier brauchte Aoife nicht lang, um so viele Fehler zu entdecken, daß sie daraus niemals ein Kleidungsstück fertigen würde. Das war Abfall und sie ließ es achtlos zu Boden gleiten. Auf dem ganzen Haufen fand sich nur ein Stoff, der Aoifes Bewunderung verdiente. Ein Hauch eines Tuches, leicht schillernd und vor allem ohne Fehler. Das war beste Qualität. Dieser Stoff war von einem Meister gefertigt. Der ist perfekt! Alles andere ist gute bis mittelmäßige Verarbeitung. Und der, Aoife tippte den Stoff am Boden leicht an, der ist absolut wertlos!


    Mit dieser Beurteilung der Stoffe wandt sie sich den anderen wieder zu. Sie schaute zu Aidan und betete zu den Göttern, daß er sich genau überlegte, welche Antwort er Bridhe gab.

  • Aidan hörte Bridhe Worte und musste wiederholt feststellen welch eigenartige Vorstellung die Menschen hier hatten. Warum sollte er gegen ein Tier kämpfen? Sicherlich würde er seine Frau und auch jeden anderen Menschen verteidigen die sich in seiner Gegenwart befanden. Auf der Jagd hatte er sogar schon mal einen Bären erlegt, aber doch nur um an das Fleisch und das Fell zu kommen.


    Er beschloss nicht alle seine Gedanken offen zu legen. Ein kurzer Blick auf Aoife und dann antwortete er. "Ich kann nicht gegen Tiere kämpfen. Als Leibwächter würde ich mich gut eignen und mit großer Freude das Leben der Domina beschützen. " Dabei dachte er an seine Frau Aoife und das sie auch immer bei der jungen Frau als Begleiterin dabei war.


    "Sag Ihr dass ich noch nie gegen ein Tier gekämpft habe und meine Fähigkeiten damit verschwendet würden. Als Handwerker verstehe ich mit darauf Gegenstände aus Holz herzustellen. "


    "Ich würde auch gern von Dir wissen was Du für deine Freiheit gegeben hast? Warum bist Du dann noch hier und nicht schon wieder in deiner Heimat? Aber bitte, verzeih mir wenn ich Dich so etwas persönliches Frage."

    Sklave - Flavia Domitilla

    Einmal editiert, zuletzt von Aidan ()

  • Kaum hatte Bridhe ihre Übersetzung beendet, hatte sich Aoife auch schon den Stoffen auf dem Boden zugewandt. Interessiert beobachtete sie ihre Landsmännin, die offensichtlich etwas von ihrem Handwerk verstand. Wenn sie Glück hatte und die kleine Flavia nicht verärgerte, dann gestattete sie ihr vielleicht auch hier diesem Handwerk nachzugehen. Und wenn sie irgendwann einmal frei kommen sollte, dann hatte sie ein einträgliches Geschäft, denn die wollenen Stoffe aus Britannien und westlich der hibernischen See waren hierzulande recht begehrt.
    Bridhe übersetzte, was Aoife sagte, Wort für Wort, auch wenn nicht alle Stoffe, die das Mädchen gekauft hatten, Aoifes geschultem Auge standgehalten hatten. Doch wenn die junge Flavia klug war, würde sie Aoife nicht für ihre Ehrlichkeit strafen.


    Als die Sprache auf Aidan kam, bemerkte sie bei den beiden eine berechtigte Art von Furcht, selbst Bridhe war es bei dieser Sache unwohl. Sie mochte die Arena nicht und konnte sich für diese Art von Unterhaltung nicht begeistern. Dennoch war es ihre Pflicht, zu übersetzen. Was sie dabei dachte, spielte keine Rolle.
    Bridhe nickte, als Aidan ihr erläuterte, was sie übersetzen sollte. Bevor sie aber damit anfangen konnte, fragte er sie etwas Persönliches, etwas vor dem sie sich selbst immer gefürchtet hatte. Sich eines Tages dafür rechtfertigen zu müssen, weshalb sie noch hier war und nicht mit dem ersten Schiff, dass in Richtung Hibernia ging, abgereist war.
    Sie schluckte, als ob sie damit den entstandenen Klos im Hals loswerden könne. "Wegen meinem Sohn", begann sie und schaute betreten zu Boden. "Mein ehemaliger dominus ist der Vater und ich habe ihm versprochen, dass er in Rom aufwächst. So sehr ich mich nach meiner Heimat zurück sehne, aber dieses Versprechen konnte ich nicht brechen. Außerdem..." Bridhe stockte, bevor sie das aussprach, vor dem sie wohl am meisten Angst gehabt hatte. "Er ist der Sohn eines Fremden, mit dunklen Augen. Ich hatte Angst, er sei nicht willkommen, zu Hause in Hibernia." Sie sah auf und ihre Augen, denen man ansah, wie sehr sie litt, trafen Aidans Gesicht. Nach einer Weile drehte sie sich wieder Domitilla zu, die sicher schon auf die weitere Übersetzung von Aidans Worten wartete.

  • Einige dienstbare Geister hatten binnen kürzester Zeit das Cubiculum der jungen Flavia wieder bewohnbar gemacht, so dass sie nach ihrem Bad ein ansprechendes Interieur vorfand. Zufrieden ließ sie sich auf ihr Bett fallen und begann die Ereignisse der letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen. Ihre frischgebackene Leibsklavin war die einzige, die ihr Gesellschaft leistete. Doch noch war ihr die Sklavin zu fremd, um ihre intimsten Geheimnisse mit ihr zu teilen. Domitilla aber hatte es bereits seitihrer Kindheit zu Eigen gemacht, ihre Gedanken in Form eines Tagebuches zu Papyrus zu bringen. Die letzten zwei Jahre hatte sie dazu keine Gelegenheit gefunden, doch was sprach dagegen, alte Gewohnheiten wieder aufleben zu lassen.
    Von Candace hatte sie sich Papyrus und Schreibzeug bringen lassen. Sie setze sich an den kleinen ebenhölzernen Tisch und begann zu schreiben:


    Tagebuch der Flavia Domitilla


    Wer unerlaubt dieses Tagebuch liest, der soll zur Salzsäule erstarren und anschließend an der tiefsten Stelle des tyrrhenischen Meeres versenkt werden!





  • Ein einziger Blick in Domitillas Kleidertruhe war von Nöten gewesen, um Gewissheit darüber zu erlangen, wie mangelhaft es um ihre Ausstattung bestellt war. Ein Großteil ihrer Garderobe war ebenfalls Opfer des schrecklichen Unfalls geworden. Nur einen kleinen Teil hatten durch die geschickten Hände Corinnas gerettet werden können.
    Unter den geretteten Accessoires war auch eine speziell für Domitilla angefertigte Perücke aus rotem Echthaar. Ihr Vater selbst hatte dafür eine kleine Schar von britannischen Sklavinnen gleicher Haarfarbe einkaufen lassen, die dafür ihren Kopfschmuck hatten opfern müssen. Hernach konnten diese, trotz der kurzfristigen Einschränkung, doch noch gewinnbringend an einige horizontale Etablissements in Ravenna weiterveräußert werden. Diese großzügige Geste seines guten Willens hatte Domitilla ihm groß angerechnet. Allerdings waren hier auch schon die Grenzen ihrer väterlichen Liebe erreicht.


    [Blockierte Grafik: http://imageshack.us/a/img51/84/d2q8.gif]
    Candace


    Domitilla blickte in ihren goldenen Handspiegel, um das Werk ihrer Leibsklavin zu begutachten. Candace hatte sich große Mühe gegeben, den Ansprüchen ihrer Domina zu entsprechen. Nun stand sie hinter ihrer Herrin in ihrer gewohnt demütigen Haltung, um auf das Urteil der Flavia zu warten. Deren Mine wirkte anfangs recht verschlossen, doch je länger sie in den Spiegel blickte stellte sich allmählich ein zufriedenes Lächeln ein.
    „Das hast du gut gemacht, Candace! Aber dieser Tunika bin ich langsam überdrüssig. Gibt es nichts anderes? Außerdem sieh dir den Stoff an, er ist schon ganz ausgewaschen! So kann ich mich doch nicht sehen lassen!“ Domitilla hatte den Spiegel auf ihrer Kommode abgelegt und sich ihrer Sklavin zugewandt. Ihr Lächeln war längst wieder einem eher vorwurfsvollen Blick gewichen, der bei der Sklavin ein merkliches Unbehagen auslöste. „Es tut mir leid, Domina. Doch dein Vorrat an Kleidung ist… sehr begrenzt.“ In ihrer Stimme klang ein Quäntchen Angst mit, als sie ihre Herrin über die Unzulänglichkeiten ihrer Garderobe informieren musste.
    „Nun, wenn dem so ist, müssen wir Abhilfe schaffen! Geh und veranlasse alles, damit wir uns in einer Stunde zum Markt begeben können.“ In der Stimme der jungen Flavia hatte ein gewisses Maß an Strenge mitgeschwungen, um bei ihrer Sklavin den gewünschten Eindruck zu hinterlassen. Candace, die ihre Herrin in allen Belangen zufriedenstellen wollte, eilte daraufhin aus deren Cubiculum, um alles Nötige zu veranlassen.

  • Lange hatte sie es aufgeschoben, hatte es vergessen oder redete sich ein, nicht in der passenden Stimmung zu sein, um den Brief an den Vater aufzusetzen. Aber nun gab es keinen weiteren Aufschub mehr. Domitilla hatte sich an ihren kleinen Tisch in ihrem Cubuiculum gesetzt, ihre Sklavin hatte ihr Papyrus, Tintenfass und Schreibfeder gereicht und nun spielte sie mit dem Schreibgerät, welches anfangs verkrampft, dann etwas lockerer in ihrer Hand lag. Beharrlich überlegte sie, wie sie ihren Brief beginnen sollte.

    Liebster Vater,… Nein! Auf keinen Fall, liebster Vater! Diese vertrauliche Anrede hatte Aetius einfach nicht verdient. Lieber Vater,… ach nein, auch das war keinesfalls passend. Aetius war nicht lieb! Nicht zu ihr jedenfalls.
    „Bei Iunos… wenn ich nur wüsste… wie ich beginnen soll!“ Wenn sie nur wenig mit ihrem Vater gemein hatte, so hatte sie zumindes das Fluchen von ihm gelernt. Und die letzten zwei Jahre auf dem Land hatten keinesfalls dazu beigetragen, dies wieder abzulegen. Ihre Malaise sankt auf den absoluten Tiefpunkt. Wenn ihr bereits die Anrede solche Schwierigkeiten bereitete, wie sollte sie da einen einigermaßen sinnvollen Brief zustande bringen?
    Ihre Sklavin, die sich bisher dezent im Hintergrund hielt, aber alles aufmerksam verfolgte, was ihre Herrin tat oder sagte, um sofort präsent zu sein, wenn sie gebraucht wurde, erlaubt sich, ihre ganz eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen. Da sie glaubte, der Flavia gute Dienste erweisen zu können, setzte sie sich über ein ganz wichtiges Gebot hinweg, die einen guten Sklaven ausmachten: Nur Antworten, wenn man gefragt wurde!


    „Wie wäre es mit ‚Mein liebster Papa‘, Domina?“, schlug sie arglos aus dem Hintergrund vor, ohne zu ahnen, dass sie damit den ganzen Unmut ihrer Herrin nun auf sich zog.
    Die Flavia ließ langsam die Feder sinken, dann wandte sie sich noch langsamer zu ihrer Sklavin um und taxierte Candace mit einem Blick der nichts Gutes vermuten ließ. Mein liebster Papa also…“, echote sie, noch recht beherrscht.
    „Du hast doch gar keine Ahnung davon, wie er ist! Wie er sein kann!“ Recht schnell hatte sich ihr Blick noch weiter verfinstert. „Sprich nicht von Dingen, von denen du nichts verstehst, dumme Gans!“, fauchte sie ungehalten und drehte der Sklavin wieder den Rücken zu.
    In der nur langsam abebbenden Rage, begann sie zu schreiben, recht knapp, ohne viel Schnörkel und mit noch weniger Emotionen:



    Ad
    Cnaeus Flavius Aetius
    Villa FlaviaRavenna
    Provincia Italia



    Salve Vater!


    Ich lebe und es geht mir gut. Nach dem Unfall, bei dem alle Sklaven zu Tode kamen, hatte ich das Glück, wenn auch schwerverletzt gerettet zu werden. Die letzten zwei Jahre verbrachte ich zurückgezogen unter Bauern im Apennin, wo ich vor Salinators Schergen sicher war. Bitte entschuldige, wenn diese Ereignisse deine Pläne, die Du mit mir vor hattest, zunichte gemacht wurden.


    Seit einigen Tagen nun bin ich zurück in Rom und weile bei unseren Verwandten in der Villa Flavia Felix. Wenn es dir deinem Willen entspricht, würde ich gerne noch für eine Weile in der urbs aeterna bleiben.
    Nach dem Sturz des Tyrannen findet das Leben langsam wieder zur Normalität zurück. Viele, die während dieser dunklen Zeit fliehen mussten, sind bereits wieder zurückgekehrt. Eigentlich hatte ich auch gehofft, meine Schwester Nigrina hier vorzufinden. Doch wie ich erfuhr, soll sie sich bei Dir in Ravenna aufhalten.
    Bitte sende ihr meine allerbesten Wünsche und teile ihr mit, wie sehr ich sie vermisse und mich freuen würde, sie bald wiederzusehen.
    Mögen die Götter Dich behüten.


    Vale bene,


    Domitilla


    Eine Weile starrte sie auf das Geschriebene, bis sie schließlich den Papyrus zusammenrollte und es ihrer Sklavin entgegenstreckte. „Sieh zu, dass dieser Brief zu meinem Vater nach Ravenna kommt!“

  • Am Morgen war eine Nachricht in Form einer Papyrusrolle für die junge Flavia abgegeben worden, deren Weg sich nun in den Gängen der flavischen Villa fortsetzte, bis sie schließlich in den Händen ihrer Leibsklavin landete, die wiederum die das Schriftstück ihrer Domina übergab, nachdem diese gefrühstückt hatte.






    SERGIA FAUSTA



    Ad Flaviam Domitillam
    Villa Flavia Felix
    Rom - Italia



    Sergia Fausta Flaviae Domitillae s.d.


    Ich schreibe dir, werte Flavia, nachdem ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass ich dies nach unserer netten Begegnung in den Agrippathermen einfach tun muss. Denn es war mir wirklich eine große Freude und eine noch viel größere Ehre dich, eine hohe Flavia, dort kennenlernen zu dürften!


    Aus diesem Grund nun möchte ich dich auch herzlich zu meiner feierlichen Eheschließung mit dem noch amtierenden Vigintivirn Marcus Iulius Dives am ANTE DIEM V KAL MAR DCCCLXIV A.U.C. (25.2.2014/111 n.Chr.) in der Casa Sergia einladen. Es wäre mir eine große Ehre und überwältigende Freude dich an jenem Tag als meinen Gast begrüßen zu dürfen! Natürlich sollst du auch nicht ganz allein kommen müssen, zumal ich mir nicht ganz sicher bin, inwieweit du mit den übrigen Gästen bereits bekannt sein wirst. Betrachte also gerne auch dir liebe Verwandte oder Freunde in einem angemessenen Rahmen als recht herzlich eingeladen dich zu begleiten.


    Ich verbleibe in positiver Erwartung deiner Antwort und brauche sicherlich nicht extra darauf hinzuweisen, dass es für die Planung schön wäre, wenn du mir rechtzeitig mitteilen würdest, in wie zahlreicher Begleitung du gegebenenfalls zu kommen gedenkst. Iuno schütze dich!
    Vale bene!


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    Sergia Fausta
    PRIDIE NON FEB DCCCLXIV A.U.C.
    Casa Sergia | Rom | Italia


    Neugierig öffnete sie das Siegel, da sie sich bereits schon zu wundern, was sie mit den Sergiern zu schaffen hatte. Doch nachdem sie das Papyrus entrollte und sie zu lesen begann, schien sie langsam zu begreifen. „Eine Einladung zur Hochzeit… aha… von Sergia Fausta…“ Sie sah kurz auf und überlegte. „Kennst du eine … Sergia Fausta?“, fragte sie schließlich ihre Sklavin.
    Candace wäre nicht Canndace gewesen, wenn sie hierbei hätte passen müssen. „Sergia Fausta ist eine der Damen, die du neulich in den Thermen kennengelernt hast, Domina,“ antwortete sie prompt. Langsam kehrte Domitillas Erinnerung wieder zurück, an die Dame mit der überaus scharfen Zunge und der taktlosen Freundinnen, die so über ziemlich jeden hergezogen waren, der in Reichweite gewesen war.
    „Aha,“ war vorerst ihr ganzer Kommentar. Doch je länger sie darüber nachdachte konnte sie sich immer mehr mit dem Gedanken anfreunden, diese Hochzeit mit ihrer Gegenwart zu beehren. Dies wäre sicher eine Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu machen. Schließlich war Faustas Zukünftiger Vigintivir…
    „Was meinst du, wer sollte mich dorthin begleiten?“, fragte sie Candace. Natürlich hätte sie sich nicht sehnlicheres gewünscht, als mit Claudius Centho dorthin zu gehen. Doch da sie noch nicht einmal verlobt waren, schickte sich dies natürlich nicht und würde auch nur zu ungewolltem Gesprächsstoff führen. Ein Verwandter wäre gut, vielleicht einer ihrer Neffen… Bloß welcher … oder alle vier?
    „Geh, und frage meine Neffen, ob sie mich begleiten wollen!“, befahl sie Candace, bevor sie antworten konnte.

  • Nur ein paar Türen weiter und schon stand ich vor dem Allerheiligsten der Flavia. Ehrfurchtsvoll klopfte ich an und wartete darauf, bis Candace mir öffnete. Und ich musste gar nicht lange warten, bis die Tür sich einen Spalt weit öffnete und das hübsche Gesicht der blonden Sklavin erschien. Fragend sah sie mich an und wartete darauf, was ich zu sagen hatte.
    „Salve Candace, ich … äh..“ Was sollte das denn jetzt? Die Leibsklavin war doch gar nicht mein Typ! „Scato schickt mich. Ich soll nach seiner Tante, also deiner Domina schicken lassen. Sie möchte bitte in sein cubiculum kommen.“ , brachte ich dann doch noch heraus.

  • Wie immer hielt sich Candace in der Nähe ihrer Herrin auf, damit sie sofort zur Stelle war, wenn sie gebraucht wurde. Die junge Flavia hatte es sich auf ihrer Kline gemütlich gemacht und las in einer Schriftrolle, die sie dem flavischen Bibliothekar hatte entlocken können.
    Als es klopfte, sah sie nur kurz auf und las dann weiter. Candace würde sich darum kümmern. Sie musste nicht einmal den Befehl dazu geben. Die Leibsklavin wusste um ihre Aufgaben und ging sofort zu Tür.


    Einen Spalt weit öffnete sie und erblickte den Sklaven, den sie von den Saturnalien her kannte. Etwas irritiert sah sie ihn an, als er nicht so recht mit der Sprache heraus wollte. „Was willst du Angus?“ Sie wollte ihn schon zurechtweisen, dass er hier nicht einfach so klopfen konnte. Doch dann überbrachte er seine Nachricht. „Gut,“ meinte Candace und sah dabei etwas versöhnlicher aus. „Ich werde es meiner Domina ausrichten.“ Dann schloss sie die Tür wieder und wandte sich der Flavia zu.
    „Domina, dein Neffe Flavius Scato lässt nach dir schicken. Du möchtest ihn bitte in seinem cubiculum aufsuchen.“


    Domitilla legte die Schriftrolle beiseite und sah auf. „Scato? Hat er gesagt, worum es geht?“ Die Sklavin verneinte. Es war ihr sichtlich peinlich, dass sie mit dieser Information nicht dienen konnte.
    „Nun gut, dann wollen wir den guten Scato nicht warten lassen!“ Die Flavia erhob sich, ließ von ihrer Sklavin die Tunika richten und verließ samt Anhang ihren Raum.

  • Es war schon am Abend, die Sklaven waren damit beschäftigt das Geschirr und die Reste der Cena abzuräumen, und Scato hatte sich den ganzen Tag schon rar gemacht, und sich auch bei eben jener Cena im Kreise der Familie mit Ankündigungen zurückgehalten.
    Noch immer in einer sehr feinen Tunika und einer Toga gekleidet, klopfte der Flavier an die Tür seiner Tante, er hatte ihr etwas mitzuteilen, doch er war sich nicht sicher was sie davon halten würde, auch wenn die Entscheidung bereits mehr oder weniger fest stand.

  • Nach der Cena hatte sich Domitilla in ihre Raum zurückgezogen. Ihre Sklavin Candace hatte damit begonnen, die Schminke aus dem Gesicht ihrer Domina zu entfernen. Nachdem dies geschehen war, machte sie sich an den Haarnadeln zu schaffen und zog eine nach der anderen aus ihrer Frisur heraus, so dass die kunstvoll aufgetürmte Frisur der Flavia langsam aber unaufhaltsam in sich zusammenfiel. Schließlich begann sie, das hüftlange dunkelbraune Haar noch mit einer Bürste immer und immer wieder durchzubürsten, bis es wieder glatt wurde. Währenddessen betrachtete sich die Flavia in ihrem Handspiegel. Ja, sie war schön, auch ganz ohne Schminke. Dennoch schien sie mit etwas unzufrieden zu sein.
    „Meinst du, ich sollte ihm einen Brief schreiben?“, fragte sie aus dem Zusammenhang heraus gerissen ihre Sklavin. Doch Candace kannte die Sorgen, die ihre Domina bewegten. „Ein Brief wäre eine gute Idee, Domina,“ entgegnete die Sklavin. Dann klopfte es plötzlich. Die Flavia sah auf. „Sieh nach, wer da klopft!“


    Die Sklavin legte die Bürste beiseite und eilte zur Tür, um sie zu öffnen. Sie fand den Neffen ihrer Domina vor und ließ ihn ein, nachdem Domitilla ihn gebeten hatte, einzutreten. Die Flavia hatte sich erhoben und einen Umhang übergestreift. „Caius, was führt dich zu mir?“ Mit einer freundlichen Geste bedeutete sie ihm, Platz zu nehmen.

  • Scato betrat mit einem kühlem Lächeln das Cubiculum und setzte sich umgehend hin. Seine Mimik war schwer zu lesen, eigentlich war es das Gesicht welches er stets außerhalb der Familie aufsetzte, denn Wissen war Macht, und Scato würde niemandem diesen Vorteil ihm gegenüber zugestehen.
    Domitilla hätte also ahnen können dass etwas ungewöhnliches kommen würde, denn diese recht karge Haltung war sie wohl von Scato so nicht gewohnt..
    "Domitilla, wie schön dass du mich empfängst." sagte Scato während er seine Arme auf die Lehnen legte, "Ich habe dir etwas mitzuteilen, ich habe eine Vereinbarung mit Tiberius Lepidus getroffen, zum Wohle unserer Familien und unseren Standes, wird er dich zur Frau nehmen." berichtete Scato recht unemotional und abgeklärt, während seine Augen darauf hofften Domitillas' Reaktion umgehend ablesen zu können..

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