Causa sacerdotum vestalis

  • Der Pontifex pro magistro Tiberius hatte während seiner Absenz Gracchus als seinen Vertreter bestimmt, so dass diesem oblag, für die alltäglichen, sowie außergewöhnlichen Angelegenheiten des Collegium Pontificum Sorge zu tragen, ob dessen dieser alsbald nach Durus' Aufbruch eine außerordentliche Contio einberief. Nach der rituellen Eröffnung, welche stets dem gleichen Muster folgte, erhob Gracchus sich.
    "Pontifices, wie ihr wisst ist vor kurzem die ehren..werte Vestalin Neratia verstorben. Nachdem die Tage tiefer Trauer hinter uns liegen - obgleich die Traurigkeit über ihre Abwesenheit wohl lange Zeit noch bestehen bleiben wird - und die Feierli'hkeiten ihrer Bestattung einige Tage zurück liegen, ist es Zeit in die Zukunft zu blicken und dafür Sorge zu tragen, dass die Lücke, welche sie unter den Sacerdotes Vestalis hinterlassen hat, wieder gefüllt wird."
    Er wandte seine Aufmerksamkeit den Vertreterinnen der Vesatlinnen zu.
    "Wurde in den zurückliegenden Monaten euch ein Mädchen zur Aufnahme ange..tragen, welches nun dem Pontifex Maximus vorgestellt werden kann?"

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    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Ja, das war wohl Romanas Moment. Normalerweise hätte sie das getan, was jede brave Vestalin in solch einer Situation getan hätte. Sie hätte sich zurückgelehnt und die Obervestalin reden lassen. Nun aber war die Situation eine gänzlich andere. Und zwar insofern, als dass die Obervestalin... hmm... indisponiert war. Aufgrund einer ziemlich üblen Verkühlung, die sie ihrer Stimme beraubt hatte. Schon seit Längerem hatte Romana die Vermutung, dass es mit Vestalis Maxima Pomponia begab ging. Dass sie gerade Romana ermächtigt hatte, in dieser Angelegenheit für sie zu sprechen, erstaunte die Vestalin, aber vermutlich lag der Sinn darin, dass es Romana sein würde, die die neue Vestalinnenschülerin bekommen würde.


    “Mitglieder des Collegium Pontificium, Pomponia Pia lässt sich entschuldigen, sie ist krank.“ Sie holte tief Luft. “Der Verlust von Calpurnia war wirklich ein schwerer Schlag.“ Sie überging—für sie wohl überraschend—taktvoll, dass Gracchus den Namen durcheinander gebracht hatte. “Wir haben dem Pontifex pro Magistro einen Brief geschrieben, doch er ist kurz darauf nach Syria aufgebrochen.“ Was so ein Pontifex auch immer in diesem grässlichen Land, voller exotischer Krankheiten, Läusen und widerwärtigen Kulten, das wohl auch nicht die Seleukiden zu kultivieren wussten, zu suchen hatte.


    Ob ein Mädchen an sie herangetragen wurde in letzter Zeit? Romana dachte nach. Da war ja diese Helvetia gewesen, doch diese schien aufgegeben zu haben. Letztendlich schüttelte sie ihren Kopf so energetisch, dass ihre Haare ringsum um sie geflogen wären, hätte sie nicht ihre traditionelle Haartracht getragen und ihre üppigen Locken zu den traditionellen Sex Crines aufgesteckt, wie immer, wenn etwas Kultisches passierte.


    “Nein. Da wir aber eine neue Vestalin brauchen, schlage ich vor, dass das Collegium Pontificium auf die traditionelle Art und Weise eine neue mittels des Losverfahrens auswählt“, machte sie.

  • Doch war dies auch Pisos Moment? Der Flavier zauderte. Was die baumlange Vestalin hier sagte, klang ziemlich danach, als ob es keine besonderen Umstände gab, die die Sache besonders schwierig machen konnten. Ja, es war etwas, wo sich der junge Pontifex gleich einmal schon eine goldene Nase verdienen konnte, und das war eine gute Sache. Er kratzt sich unterm rechten Auge, und beschloss dann, seine Stimme zu erheben.
    “Wenn es dem Collegium recht ist, würde ich anbieten, dass ich die Aufgabe der Auswahl einer neuen Vestalin übernehme. Ich werde eine Liste von geeigneten Kandidatinnen erstellen und daraus dann eine herauswählen. Wenn die Obervestalin bis dahin krank ist, würde ich auch anbieten, sie nach Misenum zu begleiten... denn ich habe kaum Hoffnung, dass der Kaiser nach Rom kommt.“ Er versuchte, nicht zu grinsen, als er das sagte. Der Kaiser, wie lange war er jetzt schon in Misenum? Jahre? Ja, Jahre. Piso konnte sich eigentlich gar nicht mehr an eine Zeit erinnern, in welcher ein Zeichen von kaiserlicher Präsenz in Rom spürbar gewesen war.
    Er ließ seine Augen umherschweifen, um zu sehen, ob auch alle damit einverstanden wären.

  • Als Claudia den Namen der verstorbenen Vestalin nannte, bemerkte auch Gracchus seinen Fehler und war ob dessen für einen Moment ein wenig derangiert. Calpurnia - Neratia - bis auf die letzten beiden Buchstaben hatten beide nicht sonderlich viel miteinander gemein, wiewohl sich Gracchus diesen Augenblickes weder an Calpurnia entsann, noch an irgendeine Neratia. Allfällig hatte Sciurus ihm dies falsch mitgeteilt, doch daran mochte er kaum glauben, war sein Vilicus bei solcherlei Dingen doch überaus akkurat, geradezu infallibel, wiewohl Fehlbarkeit Gracchus selbst durchaus nahe lag. Indes entschied er diesen Fauxpas der Vestalin gleich zu ignorieren und seiner allgemeinen Vergesslichkeit zuzuschieben, welche als Ursache zweifelsohne am wahrscheinlichsten war. Pisos Vorschlag hatte indes niemand einen Einwand entgegen zu setzen und es erfreute Gracchus insgeheim, dass sein Vetter den gleichen Eifer zeigte wie bereits bei den Septemviri - so dass auch rückwirkend niemand mehr an der Güte der Entscheidung würde kritisieren können -, andererseits jedoch entsann er sich recht zwiespältig Pisos Eingabe, eine Frau zu den Epulonen aufzunehmen. Kurz wartete er auf etwaige Äußerungen, doch wollte niemand sonst diese Aufgabe freiwillig sich oktroyieren, so dass Gracchus schlussendlich Piso zunickte.
    "Sobald du eine engere Auswahl getroffen hast - etwa drei oder vier Kinder -, kannst du sie uns und den Vestalinnen vorstellen, den letzten Beschluss sollten wir gemeinsam treffen. Allfällig ist bis zu diesem Zeit..punkt auch Pontifex Tiberius zurückgekehrt, als Vertreter des Pontifex Maximus wäre es seine Aufgabe, sie nach Misenum zu gleiten. Wenn nicht, werden wir beizeiten darüber entscheiden."
    Als Vertreter des Vertreters wäre es im Grunde Gracchus' Aufgabe, doch als Praetor konnte er unmöglich Rom für eine Reise nach Misenum verlassen, wenn dies nicht unumgänglich war.

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  • Piso blickte auf Gracchus, dann nickte er schnell. “Vier Kinder. Das wird kein Problem sein. Ich werde es machen und sie euch vorstellen.“ Natürlich musste er sich in dieser Sache wohl wirklich auf sein Glück verlassen. Das Schlimmste war sowieso, dass er sich womöglich mit Vätern herumschlagen musste, die unzufrieden waren damit, dass er ihr jenes Mädchen, welches sie lukrativ zu verheiraten trachteten, wegnahm und sie zu den Vestalinnen steckte. Es war also klar, wie er die Mädchen auswählen musste—entweder die Töchter von notorisch durchsetzungsschwachen Vätern oder aber aus gentes, die sonder Zweifel darüber erfreut wären, eine Vestalin zu bekommen in ihrer Familie. Vorzugsweise Zweiteres. In seinem Kopf gingen schon die Namen von Gentes herum, die ihm einfallen würden. Cornelia sicherlich. Tiberia vielleicht. Claudia... halt, da gab es schon eine, die Lange da. Valeria möglicherweise. Fabia unter Vorbehalt. Vielleicht sollte er sich an no-name-Gentes versuchen. Ogulnia? Cadia? Opiternia? Digitia? Ja, so was in der Art. Er würde den Trick sicher raus bekommen. Er lächelte den Pontifices und auch den Vestalinnen siegessicher zu. Das würde schon werden.

  • Davon überzeugt, dass sein Vetter dieser Aufgabe mehr als gewachsen war, schloss Gracchus diese Angelegenheit damit vorerst ab. Das Collegium widmete sich noch einigen belangloseren Causae, ehedem die Sitzung dieses Tages beendet wurde.

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  • Die rituelle Eröffnung verlief wie üblich, es war kaum der Rede wert, sie hier zu erwähnen, denn Piso war ohnehin nicht mental dabei. Viel zu sehr konzentriert war er auf seine bevorstehende wichtige Aufgabe.


    Eingedenk dessen wurde ihm sofort auch das Wort erteilt. Er erhob sich und schritt herab, vor die Bänke des Collegium Pontificium. “Pontifices, werte Vestalinnen und Flamines! Wie mir aufgetragen wurde, so habe ich getan. Ich habe 4 Mädchen herausgesucht, Mädchen, die im Kult der Vesta zu dienen befähigt sind. Es liegt an uns, eine davon, die beste, herauszusuchen. Ich möchte euch die 4 Kandidatinnen kurz vorstellen.“


    Er drehte sich um und winkte die Mädchen, die schon drüben, bisher unbemerkt, standen, an sich heran. Herangeführt wurden sie vom dickbäuchigen Calator Lollius Tubulus, der eine ziemlich würdevolle Miene machte, die nicht ganz zu ihm passen wollte.


    Piso wartete, bis sich die 4 Mädchen in eine Linie aufgestellt hatten.


    “Dies hier ist Ogulnia Galla, aus ehremwertem suburanischem Geschlechte. Das ist Curatia Secunda, eine Patrizierin aus altem Hause. Das ist Duilia Vera, aus einer Gens, die schon zahlreiche tadellose Priester hervorgebracht hat. Und die hier ist Tiberia Caerellia, eine Nichte des geschätzten Pontifex Pro Magistro.“


    Er trat auf die Seite, sodass alle einen guten Blick auf die 4 bekommen konnten.

  • Caerellia war nicht übermäßig nervös. Vielleicht ein kleines bisschen, aber nach außen hin trug sie die Auswahl mit patrizischer Gelassenheit. Ja, Caerellia war auf Bitten ihrer Familie hin tatsächlich einmal halbwegs würdevoll erschienen. Das Haar war geflochten, sie trug keinerlei Schmuck. Im Grunde genommen hatte man, allerdings verdeckt, darauf geachtet, dass sie schon jetzt aussah, wie eine Vestalin. Lediglich bei der Kleidung hatte man noch den kindlichen Schein gewahrt – oder eher den rein patrizischen. Sie fühlte sich in dem Kleidchen nicht so recht wohl, es war teuer gewesen. Roter Stoff war immer teuer. Und sie war ein Wirbelwind. Teuer und Quirlig vertrugen sich oftmals ganz und gar nicht.
    Aber heute hatte sie ohnehin darauf zu achten, nicht quirlig zu sein. Sie wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Wofür? Für die Familie. Wollte sie es? Sie wusste es nicht. Sie hatte mittlerweile einen Eindruck von dem Leben einer Vestalin erhalten. Und es schien sehr ernst und pflichtbehaftet zu sein. Vielleicht wurde sie ja auch gar nicht ausgewählt? Die Chance stand immerhin 3:4 aus der Sache wieder herauszukommen. Also würde sie einfach einen bestmöglichen Eindruck machen, um ihrer Pflicht nachgekommen zu sein.
    Sie beobachtete die anderen Mädchen aufmerksam. Sie wirkten recht verschüchtert. Sie blickten alle eher auf den Boden, während Caerellia geradeaus sah. Sie musterte hinter Lollius Tubulus Rücken hervor die ganzen wichtigen Menschen. Sie wollte wissen, wem sie gleich gegenüberstehen würde und sie konnte nicht nachvollziehen, dass es den anderen Mädchen nicht so ging. Dass diese vielleicht einfach nur nicht ganz so viel Mut hatten, ahnte die junge Tiberia nicht, die sich gerne klammheimlich davonschlich und Erkundungstouren durch Rom auf eigene Faust unternahm.
    Frech war sie heute allerdings nicht. Nur neugierig. Als die Mädchen endlich hervortreten durften, sah sie nur ernst drein, bis sie Piso entdeckte. Sollte sie ihm böse sein für seinen Besuch, der sie nun hierher geführt hatte, oder sollte sie ihn mögen – was sie tat. Der Besuch war irgendwie ulkig gewesen, er hatte einen verwirrten Eindruck auf sie gemacht. Die Erinnerung jedenfalls führte dazu, dass sie die Runde mit einem goldigen Lächeln und einem höflichen Knicks begrüßte, als sie genannt wurde. Das Lächeln wurde erfolgreich davor bewahrt, zu einem Grinsen zu entarten. Und - eine Seltenheit! - Caerellia hielt den Mund, solange man sie nicht zum Sprechen aufforderte.
    Sollte sie nun etwas tun? Etwas sagen? Was erwarteten die ehrwürdigen Herren – und Damen..? Sie musterte die anwesenden Vestalinnen einen kurzen Moment, noch immer lächelnd. Sie fühlte sich etwas wie bei einer Fleischbeschau. Sklaven mussten sich auf dem Markt genauso fühlen, oder? Ach, egal. Das war ja nicht für ewig – lächeln, freundlich und höflich sein und schon war bald wieder alles vorbei.
    Wenn sie nicht die Beste sein würde – würde ihre Familie ihr böse sein? Schließlich sollte sie immer die Beste sein, sie als Tiberia. Nur wollte sie es nicht. Und doch musste sie es. Ach, das war alles zu verwirrend für ein Kind. Einfach lächeln und die Familie Stolz machen.

  • Nachdenklich betrachtete Gracchus die jungen Mädchen, welche sich vor den Pontifices hatten aufgereiht, zwei davon aus plebejischem Hause, zwei aus patrizischem. Obgleich es per Gesetz und Gewohnheit durchaus mittlerweile nicht ungewöhnlich war, dass plebejische Mädchen Aufnahme in die Schwesternschaft der Vestalinnen fanden - bisweilen allein aus der Notwendigkeit heraus, dass gar patrizische Väter dies für ihre eigenen Töchter ablehnten -, so war Gracchus doch der Ansicht verhaftet, dass diese höchste für eine römische Frau mögliche Gunst eben den alten Geschlechtern zustand. Ogulnia Galla fiel allein bereits aus diesem Grunde aus seiner Wahl heraus, konnte er doch konkomitierend zu dieser Überlegung sich keines sonderlich vortrefflichen Mannes gleichen Geschlechtes entsinnen, dessen Tochter allfällig dieser Ehre ob der Verdienste seiner Familie mochte zuteilwerden. Im Falle der Duilia Vera hinwieder wurde der Stand durchaus ein wenig ausgeglichen durch die familiäre Herkunft, war sie doch die Tochter des Pontifex Duilius Verus, welcher sich des Öfteren bereits im Collegium mit Eifer hatte hervorgetan und welcher auch sonstig recht umgänglich war - allerdings war sie bereits einmal bei einer Captio zugunsten eines anderen Mädchens abgelehnt worden, wiewohl schlussendlich auch noch patrizische Mädchen zur Wahl standen. Unter diesen jedoch wiederum wurde Curatias Stand relativiert, in negativer Weise, denn den Pontifex Curatius mochte Gracchus nicht sonderlich leiden, war er doch stets nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, was Gracchus insbesondere in Hinblick auf den Cultus Deorum regelrecht abhorreszierte - wiewohl es dem Curatier vermutlich noch Recht würde sein, würde seine Verwandte abgelehnt, da sich dadurch die Möglichkeit bot, sie in profitable Ehe zu verheiraten. Die Nichte Tiberius Durus' schien Gracchus aus all diesen Gründen am geeignetsten von ihrer Herkunft, gleichwohl mochte er den Tiberiern diese große Ehre auch aus persönlicher Sicht durchaus gönnen.
    "Welcher Art war die Reaktion der Väter dieser Kandidatinnen als du ihnen die Nachricht überbra'htest?"
    fragte er seinen Vetter, denn schlussendlich mochte diese Reaktion gleichsam auf das kultische Verständnis schließen lassen, in welchem die Mädchen bisherig waren aufgewachsen.

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  • Die erste Frage kaum auch gleich von Gracchus. Tja, typisch Gracchus; er war kaum jemand, der sich zurücklehnte und sich berieseln ließ. Piso blickte auf zu ihm und setzte zu einer Antwort an.
    “Alle waren sie sehr erfreut. Tiberias Vater habe ich per Brief angeschrieben, doch auch von ihm kam eine entsprechende Antwort.“
    So ökonomisch konnte man ausdrücken, was nur ein Teil der gänzlichen Wahrheit war. Ogulnias Vater hatte sich tierisch gefreut. Natürlich hatte er sich das! Ei freilich! Seine Tochter würde er nie so gut verheiraten können, dass es dem alten Ogulnius so viel Prestige bringen würde wie dass er eine Vestalin als Tochter hatte. Um ehrlich zu sein, Piso hätte es sich vielleicht überlegen sollen, ein etwas besser situiertes Geschlecht auszusuchen... aber hach, sonst hätte er nie den vergnügten Freundentanz des Ogulniers gesehen. Und Piso, stets auf der Suche nach Schöngeistigem, war begeistert gewesen über die Choreographie, die er sofort, nachdem er heimgekommen war, zu imitieren versuchte.
    Die beiden Pontifices hatten gute Laune zum bösen Spiel gemacht, und man konnte sie auch beide sehen, hier in der Kongregation, süß-säuerliche Mienen ziehend, und ihren Mund nicht aufbekommend. Tiberias Vater hingegen hatte nur in einem sehr unpersönlichen, kurzen Brief geantwortet, der sich im Grund mit „In Ordnung, wenn es sein muss“ zusammenfassen ließ.
    Hoffnungsfroh blickte er zu den Vestalinnen hin, er wollte sehen, ob von dort eine Reaktion kam. Oder hatte Gracchus noch eine Frage? oder ein anderer Pontifex?

  • Mit einem leichten Nicken quittierte Gracchus Pisos Antwort, war doch kaum eine andere Reaktion der Väter zu erwarten gewesen, wenn auch es durchaus ab und an einen Mann gab, welcher tatsächlich - dann oftmals gleich lauthals - gegen solch eine Ehre sich aussprach. Da Gracchus seine Entscheidung über eine Empfehlung bereits hatte getroffen, legte er seine Konzentration nurmehr auf eines der Mädchen, denn würde sich dieses als tauglich herausstellen, so würde eine nähere Betrachtung der anderen redundant sein.
    "Tiberia Caerellia, wie ist deine Einstellung dazu, deine Familie zu verlassen, um eine Sacerdos Vestalis zu werden? Sprich ganz offen, niemand hier wird dir deine Antwort verdenken, in welche Ri'htung sie auch gehen mag."

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  • Dass die Tendenz stark zu Caerellia ging, ahnte das junge Mädchen nicht. Natürlich hätte sie es machen können, aber da sie sich keine richtige Meinung zu allem gebildet hatte - oder viel eher eine, die zwiegespalten war - versuchte sie auch weniger die Wortwahl zu deuten, die hier fiel. Vielmehr begann sie sich ihre eigene Meinung zu den anwesenden Menschen zu bilden, das war aus ihrer Sicht viel wichtiger.
    Bis sie von dem Flavier angesprochen wurde, direkt. Sie wurde zum Sprechen aufgefordert. Verdammt! Verflixt! Sie war überhaupt nicht vorbereitet gewesen, den Mund öffnen zu müssen. Und, bei den Göttern, sie liebte es ihren Mund zu öffnen und zu plaudern. Sie erzählte allen furchtbar gerne von ihren Abenteuern und stellte haufenweise Fragen. Aber heute konnte sie furchtbar viel falsch machen, ihrer Familie Schande bereiten. Oder?
    Oder sollte sie einfach reden? Das, was ihr gerade einfiel. Sie war blass geworden, während sie dastand und hektisch ihre Gedanken von links nach rechts sortierte. Die Schubladen neu ordnete. Und es vergingen einige Momente, in denen sie immer wieder den Mund ein Stück aufmachte und wieder schloss. Dann sog sie einmal tief Luft ein und löste mühsam ihren Blick vom Boden um zu dem Flavier aufzusehen. Ab und zu suchte sie einen Punkt hinter ihm, um ihn nicht direkt ansehen zu müssen, aber insgesamt betrachtet hielt sie sich doch ganz gut. "Es... es wäre eine Ehre für mich. Meine Familie ist ja nicht für immer aus der Welt, ich kann sie ja trotzdem noch sehen. O..oder? Und wenn ich dann dem römischen Volk dienen kann, dann mache ich das gerne." Was sollte ein kleines Kind auch sagen? Sie hatte immer wieder nachgedacht, aber sich nicht gut vorbereitet. Ja, sie würde ihre Familie verlassen müssen. Viel schlimmer war, dass sie diese auch kaum würde besuchen können. Ihre entfernten Verwandten, ja. Aber ihre Eltern würde sie so schnell nicht wieder sehen. Aber sie wollte ihre Familie stolz machen - und das war für wahr ihr Wunsch. Und dies, das wurde ihr schon nahegelegt, war eine wirklich große Ehre. Was sollte sie sonst noch besseres erreichen können? Sie lächelte nervös zu Gracchus auf und ergänzte: "N.. natürlich wird es nicht leicht für mich werden. Aber ich werde es schaffen, ich bin schon groß genug für diese Aufgabe!" Das klang schon besser - fand zumindest die kleine Tiberia. Und gewann an Selbstbewusstsein. Sie blendete die vielen Mitglieder des Collegiums innerlich aus und wurde stolzer. Weniger verängstigt.



    Sim-Off:

    Verzeihung für die Verspätung, aus irgendeinem Grund hab ich mich nicht angesprochen gefühlt... mea culpa.

  • Einige Augenblicke sann Gracchus darüber nach, ob seine Schwester einst ebenso wie die junge Tiberia in dieser Halle hatte gestanden, doch waren die Zeiten damals wohl noch andere gewesen - sein Vater hatte Agrippina dem Imperator vorgeschlagen und dieser hatte selbst eine Entscheidung getroffen - und es betrübte Gracchus einerseits, dass diese Zeiten vergangen waren, andererseits dass er in eben dieser Weise dachte, einem alten, verbitterten Manne gleich, der sich nach vergangenen Zeiten sehnten. Letztlich indes war es nicht die Zeit, die schlecht war - gegenteilig -, sondern einzig die Abnegation und Lethargie des Kaisers, der so gut wie jede seiner Pflichten ignorierte. Es war die Art und Weise Caerellias, welche letztlich ihm dennoch ein schmales Lächeln um die Lippen legte, zeigte sie doch eben jene Haltung, welche er von einem Kind des tiberischen Hauses erwartete.
    "Selbstredend stünde es dir auch als Vestalin frei, deine Familie zu sehen"
    , beantwortete er ihre Frage und entließ sie hernach aus ihrer Verantwortung zu sprechen.
    "Ich danke dir für deine Worte, Tiberia."
    Sodann wandte Gracchus sich wieder den Pontifices zu, eine Entscheidung zu forcieren.
    "Tiberia Caerellia scheint mir am ad..äquatesten für diese Aufgabe, nicht zuletzt ihrer Herkunft wegen. Gibt es Einwände, welche dagegen sprechen, sie dem Pontifex Maximus zu empfehlen?"
    "Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass die Tiberia mehr als geeignet ist"
    , vermeldete Curatius Fistus und stimmte damit ganz offen gegen seine eigene Tochter. Gracchus musste an sich halten, nicht seine Braue in die Höhe empor zu heben, hatte er zwar nicht damit gerechnet, dass der Curatier sich für die Aufnahme seiner einzigen Tochter würde aussprechen, doch ebenso wenig, dass er so offen würde eingestehen, dass er im Grunde nicht mit Pisos Auswahl war einverstanden gewesen und seine Tochter lieber zu seinem eigenen politischen Vorteile verheiraten wollte, als sie in den Dienst Roms zu stellen.
    "Ich stimme ebenfalls für Caerellia"
    , bekannte auch Pontifex Cornelius, so dass allmählich jenen mit anderer Meinung der Wind aus den Segeln wurde genommen - welcher ohnehin nur recht flau konnte sein in Anbetracht, dass es um die Nichte des Pontifex pro magistro sich handelte. Letztlich indes fand sich niemand mehr, der eines der anderen Mädchen wollte favorisieren - Duilius Verus enthielt sich gänzlich -, so dass die Entscheidung für Tiberia Caerellia getroffen war.

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  • Ein freudvolles Lächeln trat auf ihr Gesicht, als der Flavier versicherte, dass es ihr auch als Vestalin jederzeit offen stünde, ihre Familie zu besuchen. Sie verneigte sich knapp und war froh, nun wieder schweigen zu dürfen. Wer hätte das gedacht, dass dies bei Caerellia jemals Erleichterung statt Beklemmung hervorrufen könnte?
    Nachdem sie also aus der Verpflichtung genommen wurde, konnte sie wieder beobachten. Nun würde sich das Gespräch um sie drehen, um das was sie gesagt hatte und was sich aus dem Gesagten für ihre Zukunft ergeben würde. Langsam verstand sie doch, dass sie in die engere Auswahl geraten war. Aber auch wenn die Männer alle distanziert wirkten, wirkten sie auch freundlich. Und das wiederum entspannte sie bei dem Gedanken, in diesen Dunstkreisen zu wirken.
    Was hinter den Abstimmungen stand, auch an politischen Beweggründen mit gesellschaftlichen Resultaten erahnte das junge Mädchen natürlich noch nicht. Aber immer mehr Stimmen erklangen zu ihren Gunsten und statt mit Nervosität, erfüllte es sie nun mit Stolz. Sie grinste die anderen Mädchen neben sich mit fröhlicher Mimik an. Aber sie sagte nichts Weiter und wartete lieber ab, was nun weiter geschehen würde.

  • Sim-Off:

    Ich erdreiste mich mal, mich wieder hier einzubringen. ;)


    Pisos Gedanken schweiften ab. In ein besseres Land, ein Land, wo der Mann von Welt, wo er auch hinging, nur über Schöngeistiges stolperte. Ja, das wäre eine feine Welt. Doch es war nicht diese hier. Die Regia, jede Pfiffe gründlich sauber geschrubbert von den Sklaven, welche hier arbeiteten, sofern man diese hundselende Schufterei als Arbeit bezeichnen konnte, bildete ein Refugium von den Straßen Roms, welche im Winter matschig, im Sommer staubig waren.


    Das Votum rüttelte ihn in die Realität zurück. Tiberia Caerellia? Nun gut. Wenn Manius es sagte, würde es schon passen. Er nickte also. Seine Stimme gab nicht den Ausschlag; fast einstimmig waren sie alle für die Tiberierin. Nun gut. Tiberia Caerellia würde die nächste Vestalinnenschülerin heißen.


    Piso erhob sich von dem Platz, wo er sich hingesetzt hatte. “Nun denn“, addressierte er die 3 anderen Mädchen. “Ihr dürft heimkehren. Vielen Dank, dass ihr hier teilgenommen habt. Mögen die Götter euch behüten.“ Der Dank war eine Floskel; wären die jungen Damen nicht hier aufgetaucht, hätte sich ein Weg finden lassen, ihre Obstinenz zu sanktionieren. Dies war aber nun nicht notwendig.


    Der Flavier wandte dann seinen Kopf zu Caerellia hin. “Nun, junge Tiberia, dir kommt die Ehre zu, Vestalin zu werden.“ Er nickte demonstrativ in die Richtung der Vestalinnen, in der Hoffnung auf ein schwesterlich-einträchtiges Lächeln.


    “Hier ist der Plan. Ich möchte dich gerne in 3 Tagen von der Villa Tiberia abholen. Wir werden gemeinsam nach Misenum reisen, zum Kaiser, damit dieser die Captio vollziehen kann. Von dort aus bringe ich dich direkt zum Atrium Vestae. Dort kannst du dich dann mit deinen Mitschwestern anfreunden und gleich mit deiner Ausbildung beginnen.“, machte er mit einem freundlichen Gesichtsausdruck, den er eigentlich nur für Kinder reserviert hielt. Piso wollte sich nicht als Kinderfeind beschimpfen lassen, das Kindliche sagte ihm zu, steckte doch selber so viel von einem Kindskopf in ihm.

  • Dass dieser schrullige Flavier, den sie schon in der Villa gesehen hatte, nun wieder das Wort ergriff, freute sie irgendwie. Sie blickte ihn direkt an als er ihr das nun folgende Vorgehen näher erläuterte. Zu seinem Glück hatte sie seine geistigen Ausflüge nicht bemerkt, vielmehr war sie mit dem Votum beschäftigt gewesen.
    Sie ließ einen leichten Knicks sehen und erklärte: "Ich freue mich sehr über diese Entscheidung." Alles andere wäre als Meinungsäußerung ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Sie war noch nicht sonderlich gut erzogen, aber soviel Anstand gegenüber ihrer Familie besaß die junge Tiberia dann doch.
    Als Piso dann den Kaiser erwähnte, weiteten sich ihre Augen. Wahnsinn, sie würde ihn also nun tatsächlich zu Gesicht bekommen. Ein verhaltenes Grinsen schlich sich in ihr Gesicht, das bei ihren Beobachtern hoffentlich nicht zur Missbilligung führte. "Ich werde dich erwarten und freue mich schon sehr auf die Reise. Muss ich irgendetwas mitbringen? Wielange dauert die Reise?" rutschten ihr dann doch noch Fragen heraus, die aber durchaus berechtigt waren. Sie würde sich zwar nicht für die Reise vorbereiten, aber dennoch machte sie sich ihre eigenen Gedanken dazu.

  • Piso freute sich über den Knicks der Tiberierin. Wie entzückend mädchenhaft! Die Vestalinnen würden ihr noch beibringen, dass eine freie römische Frau, und vor allem eine Vestalin, vor nichts und niemanden buckelte. Weder vor anderen Leuten, noch vorm Kaiser, noch vor den Göttern.
    Als sie sagte, sie freute sich sehr, musste Piso schmunzeln. Er glaubte aufgrund der leicht gestelzten Antwort im Grunde nicht komplett, dass ihre Ansage mehr war als eine höfliche Floskel. Es war vielleicht wirklich nicht das Gelbe vom Ei, von jemandem gesagt zu bekommen, dass man sich jetzt gefälligst nach Misenum in Bewegung setzen soll, um dort vom Kaiser dorthin gesteckt zu werden, wo man nie die Ekstasen göttlichen Geschlechtsverkehrs kennen würde. Tja, so spielte es im Leben.
    “Ich werde dich abholen, wenn die Sonne am Höchsten steht. Wir reisen gemeinsam nach Ostia und schiffen uns nach Misenum ein. Wie lange wird das dauern? Hin und zurück 4 Tage, schätze ich. 5, falls die Captio nicht sofort klappt. Keine Sorge also, zuviel musst du nicht mitnehmen, einfach ein bisschen Kleidung. Für Kost und Logis ist gesorgt. Schließlich wirst du bald Vestalin werden, von da an wird der Staat die Verantwortung für dich haben.“
    Er lächelte sie abermals an.
    “Ich denke, das war nun alles. Du kannst jetzt nach Hause gehen. Du hast das alles sehr gut gemacht. Hier, als Entschädigung für die ganzen Reden...“ Er zog aus seiner Togenfalte ein Honiggebäck und hielt es zu Caerellia hin. Wir sehen uns in 3 Tagen!“ Ein Sklave stand schon bereit, sie heimzubringen—er würde den Beschluss des Collegiums auch den Tiberiern mitteilen.

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