Faustus Decimus Serapio

  • Wahrscheinlich hatte ich ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter gemacht, als mein neuer Dominus mir der Fesseln abgenommen hatte. Einer seiner Sklaven hatte sich dann meiner recht schnell angenommen. Er führte mich zum Sklaventrakt, wo ich zunächst auf die Villica traf und einigen anderen Sklaven begegnete. Nachdem ich einige Worte mit ihr gewechselt hatte, konnte ich mich endlich waschen. Doch bevor man mir neue Kleidung gab, wurde ich mit einem duftenden Öl eingerieben, so dass ich danach wie ein Moschusochse roch. Auch die Tunika, die ich erhielt und meinen Körperbau besonders zu betonen schien, ließ keinen Zweifel bestehen, was mich erwarten würde. Es war keine gewöhnliche Tunika, wie sie all die anderen Sklaven trugen, um ihr Tagwerk zu verrichten. Sie war mit feinen Borten besetzt auf denen ein fortlaufendes Muster zu erkennen war und machte einen sehr edlen Eindruck auf mich.


    Inzwischen war die Zeit vorangeschritten und der Tag neigte sich langsam seinem Ende zu. Nun war es an der Zeit, dem Decimer gegenüberzutreten. Ich musste zugeben, ich fühlte mich sehr beklommen, als ein Sklave, der mich zum Cubiculum meines Dominus bringen sollte, mich vor sich herschob, bis ich schließlich vor dessen Tür angelangt war. Bevor er mich verließ, klopfte er, öffnete vorsichtig die Tür und schob mich dann in den Raum hinein.


    Der Decimer saß auf der Fensterbank mit einem Weinkelch und las dabei aus einer Schriftrolle. Er schien sich dabei den Text selbst leise vorzulesen.

    Zunächst blieb ich an der Tür stehen und fühlte mich dort völlig fehl am Platz, denn er schien mich nicht zu beachten. Wenigstens blieb mir so ein wenig Zeit, um ihn mit ernster Miene zu mustern. Schließlich räusperte ich mich, um mich bemerkbar zu machen. Dann sprach ich ihn an. "Dominus?!"

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  • Anakreon, einer der ganz Großen! Noch schöner war der Klang natürlich im Original, doch das altertümliche Griechisch war sehr mühsam, da bevorzugte ich eine gelungene Übersetzung wie diese – oder konnte man schon von Nachdichtung sprechen?
    Tief versunken war ich in den Versen. Als Angus mich ansprach, sah ich auf. Und lächelte.
    Bei der purpurnen Kypris, was für ein bildschönes Schmuckstück hatte ich da erworben.
    "Salve! Komm, setz dich zu mir."
    Ich bedeutete ihm, auf der Bank neben mir Platz zu nehmen, und sah ihm voll Wohlgefallen entgegen, seinen Anblick mit den Augen trinkend. Es war schon etwas dämmrig draußen, die blaue Stunde. Einen Kandelaber hatte ich entzündet, um Licht zum Lesen zu haben. Es roch nach Bienenwachs und den fedrigen Hanfpfanzen, die in meinem Rücken auf dem Fensterbrett standen. Angus' Bewegung ließ einen leichten Luftzug entstehen, die Kerzenflammen schwankten, und das weiche Licht huschte über seine Statur, Schmelz und Schatten umspielten seine stolzen Züge. Es war ein herrlicher Anblick, bei dem ich unwillkürlich tiefer atmete.
    "Wie schön du bist. Trink einen Schluck mit mir."
    Ich griff nach der Karaffe, die neben mir auf dem Zitrusholztischchen stand. Einen Kelch, aus grünviolettem Flußspat geschliffen, füllte ich mit dem leichten Chier und reichte ihn Angus. Ich liebte diese Kelche, nur allzu fest anstoßen durfte man nicht mit ihnen.
    "Ja, ich." antwortete ich dann verspätet und trank ihm zu. "Also... auf unverhoffte Wiederbegegnungen."
    Nun nahm ich auch seinen Duft wahr, eine feine Moschusnote und ein wenig... Zeder wohl... dabei, sehr angenehm. Narcissus kannte eben meinen Geschmack.
    "Aber sag, wie bist du dort auf dem Mark gelandet? Eben warst du doch noch der Iulier Vorzeige-Custos." Ob die Gens in Geldnöten steckte? Oder war er zu oft Cervisia trinken in der Subura gegangen? Aber einen treuen Custos auf dem Markt zu verkaufen, nur im Lendentuch, ohne den geringsten persönlichen Besitz, wohl sogar ohne Peculium...? Das musste eine Vorgeschichte haben.
    "Sag die Wahrheit," forderte ich ihn auf, leichthin lächelnd doch mit einem stählernen Unterton, "rausfinden werde ich es sowieso."

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  • Endlich nahm er Notiz von mir, sah zu mir auf und lächelte. Gleich darauf bot er mir einen Platz neben sich an. Ich zögerte nicht lange und trat zu ihm ans Fenster und setzte mich neben ihn auf die Bank. Mir war, als beobachte er jeden einzelnen meiner Schritte. Ich musste ihm viel bedeuten, wenn er so viel Geld für mich ausgegeben hatte.

    Von meinem Platz aus begann ich mit meinen Blicken, meine Umgebung zu erkunden. Die feingearbeiteten Möbelstücke, der Kandelaber mit den flackernden Bienenwachskerzen, deren Licht dem Raum eine besondere Atmosphäre verlieh, fielen mir sofort auf. Dann die mit rotem Wein gefüllte Karaffe und die passenden grünvioletten Weinkelche dazu. Die waren sicher ein kleines Vermögen wert gewesen! Er schien eine besondere Vorliebe fürs Detail zu haben. Wäre ich sonst in einer solchen Tunika gekleidet gewesen und mit einem edlen Öl eingerieben worden? Nein, er sah in mir eine Art Kunstwerk. Den unbehauenen Stein hatte er heute erworben. Ihn nun zurecht zu schleifen, so dass aus mir sein Juwel wurde, würde die Aufgabe der kommenden Wochen und Monate sein.

    Nachdem er meine Schönheit bewundert hatte, bot er mir einen Kelch mit Wein an. Eigentlich hatte er es mir befohlen, doch noch klang es eher so, als wären wir ebenbürtige Freunde, die am Ende eines langen anstrengenden Tages sich einen guten Tropfen gönnen wollten. Ich nahm dankend den Kelch und wartete. Schließlich war ich kein tumber Barbar, der über keinerlei Anstand verfügte.

    Ja, ich, hatte er mir nun endlich verspätet geantwortet. Dann nahm er seinen Kelch und postete mir zu. Sein Trinkspruch galt unserem unverhofften Wiedersehen. Meine Züge entspannten sich leicht, dennoch bereitete mir die Erinnerung an unsere letzte Zusammenkunft immer noch Bauchschmerzen. Denn er kannte nicht den wahren Grund weshalb ich ihn vor einigen Wochen auserkoren hatte. Doch ich führte nun auch den Kelch zu meine Mund und nahm einen Schluck Wein. Das war nicht der billige Fusel, den es in den Tabernae der Subura gab. Dieser Wein musste etwas besonderes sein. Das erkannte sogar ich, obwohl ich mir eigentlich nicht viel aus Wein machte.


    Bisher hatte ich kaum etwas gesprochen, dafür er umso mehr. Doch nun lenkte er den Fokus auf mich und den Grund, weshalb man mich auf dem Sklavenmarkt verkauft hatte. Als er mich dabei einen Vorzeige-Custos nannte, schoben sich meine Brauen nach oben. Er musste ein völlig falsches Bild von mir haben. Doch hatte ich ihm bei unserem letzten Treffen nicht suggeriert, ich sei im Personenschutz tätig? Wie dem auch sei, er verlangte nach einer Antwort und mit seinem nächsten Atemzug verlangte er von mir, bei der Wahrheit zu bleiben, denn natürlich hatte er Mittel und Wege, alles zu überprüfen, was ich ihm sagte.

    "Der Iulier, der vor einigen Wochen auf offener Straße ermordet wurde, war mein Dominus. Sein Erbe, der Senator Iulius Dives hatte keine Verwendung für mich. Und nein, ich bin nicht der Vorzeige-Custos der Iulier! Das Verhältnis zu meinem alten Dominus war nicht das Beste. Er hat mich nie als seinen Custos eingesetzt. Stattdessen ließ er mich am Brennofen des Hypokaustums arbeiten. Nur Domina Graecina... nachdem ich ihrer Sklavin, der kleinen Hebräerin, aus der Patsche geholfen hatte. Doch als es nun darum ging, was aus mir werden soll, hat sie mich einfach ver... äh, sie hat sich von mir abgewandt. Als ich mich ihr näherte um sie zu bitten, es sich noch einmal zu überlegen, empfand sie dies als Bedrohung. Doch ich schwöre, ich wollte ihr nichts antun! Daraufhin haben sie mich in Ketten gelegt und am nächsten Tag zum Sklavenmarkt gebracht. Den Rest kennst du." Ich hatte mich gerade noch zurückhalten können, um die Iulia nicht eine Verräterin zu nennen, denn der Decimer und sie waren miteinander bekannt. Die genauen Umstände dieser Bekanntschaft kannte ich natürlich nicht genau. Aus diesem Grund wollte ich mich nicht gleich am ersten Abend unbeliebt bei meinem neuen Dominus machen.

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  • Dass Angus nicht erst gestern eingefangen worden war, das sah man gleich. Für einen Barbaren hatte er gute Manieren, oder besser gesagt, konnte solche an den Tag legen, wenn er wollte, wusste zu unterscheiden zwischen dem was in einer Suburakneipe und was in bürgerlicher Behausung angebracht war.
    Aus dem Nachlass des Iulius Caesonius also... es wunderte mich, dass Dives, der doch einen hohen Sinn für das Schöne hatte, Angus nicht selbst behalten hatte. De gustibus non est disputandum. Gut für mich!
    Verwundert hörte ich, dass er eigentlich gar nicht Leibwächter der Iulier gewesen war. In den Hypokausten?
    "Was für eine Verschwendung." murmelte ich missbilligend. Ich persönlich ließ ja gerne die aufsässigen Sklaven zum Hypokaustendienst antreten. Seine Geschichte klang tragisch, doch dass Angus ein gewisses Potential zu plötzlicher Gewalt hatte, hatte ich selbst erlebt. Iulia Graecina würde die Ereignisse vielleicht anders erzählen.
    "Iulia hat ein gutes Herz, gewiss hast du sie erschreckt."
    Ich verbannte die leidigen Gedanken an meine Werbungswirren, verschob sie gekonnt auf später und genoss lieber wieder den schönen Moment.


    So ganz einfach war Angus gewiss nicht - aber das wäre ja auch langweilig - ich würde ihn mir schon zähmen, den feurigen Britannier. Ich trank noch einen Schluck, stellte den Kelch ab und legte dem Schönen die Hand aufs Knie.
    "Nun, dass ich dich nicht für die Hypokausten gekauft habe, kannst du dir ja denken. Ich lasse dich zum Gladiator ausbilden, du kannst dir Ruhm und Ehre in der Arena erkämpfen. Hmm... ob wohl ein Retiarius in dir steckt... oder vielleicht doch eher ein Thraex? Womöglich gar ein Essedarius!"
    Großmütig lächelnd machte ich eine Pause, um ihm Raum für Dankesbezeugungen zu lassen, denn bekanntlich lechzten Barbaren aus dem Norden allesamt nach Kampf und Ruhm. Ich merkte allerdings jetzt schon, dass es mir schwerfallen würde, ihn in die Arena zu schicken... es wäre zu schade, wenn er entstellt oder verstümmelt würde.
    "Wenn du gut bist, und treu, wirst du außerdem einer meiner Custodes. Und natürlich..." Ich streichelte sein Knie und den muskulösen Schenkel, ließ meine Hand an dessen Innenseite aufwärts gleiten, ganz langsam und genießerisch. "... wirst du mein Lager teilen." Was ihm ja wohl nicht so unwillkommen war, zumindest ging ich davon aus... verträumt erinnerte ich mich daran, wie gut sich seine Hände auf meinem Hintern angefühlt hatte.

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  • Natürlich verstand ich seinen Kommentar, auch wenn er nur so dahin gemurmelt worden war. Kurzzeitig musste ich sogar grinsen. Doch meine Züge nahmen recht bald wieder einen ernsteren Ausdruck an, als er fast schon entschuldigend Iulia Graecina in Schutz nahm. Wenn ich mich recht entsann, hatte sie in jener Nacht, als ich sie begleitet hatte, um ihre Sklavin zu retten, wesentlich forscher gewirkt. Doch ich konnte mich auch täuschen.


    Nach dem vielen reden nahm ich auch noch einen weiteren Schluck. Ich musste gestehen, der Wein mundete mir sehr. Daher schluckte ich ihn nicht einfach so unbedacht hinunter, sondern genoss ihn. Beinahe hätte ich mich verschluckt, als der Decimer mir seine Hand auf mein Knie legte. Obwohl ich doch inzwischen eigentlich hätte wissen müssen, was seine Neigungen waren.

    Wie ich es fast schon erwartet hatte, eröffnete er mir nun, was er mit mir vorhatte. Es war gewiss keine Überraschung, dass ich in Zukunft nicht mehr irgendwelche Brennöfen befeuern würde. Doch eine Ausbildung als Gladiator schon! Auf dem Sklavenmarkt war ich noch davon überzeugt gewesen, er habe dies nur als einen Vorwand gesagt. Doch offenbar war es ihm ernst damit. Umso besser! Dann hatte ich es fast selbst in der Hand, falls ich eines Tages dieses widerliche Leben endgültig abschütteln wollte. Auch wenn man oft schon davon gehört hatte, dass so mancher Gladiator sich seine Freiheit erkämpft hatte.

    "Als Gladiator?" entgegnete ich, denn ich hatte so das Gefühl, er erwartete nun von mir, ich müsse ihm dafür unendlich dankbar sein. "Das ehrt mich, dass du mir das zutraust, Dominus!" Ich hatte mir bisher nicht viel aus diesen Kämpfen gemacht. Man sagte ja, der Blutdurst der Römer sei unersättlich! Viel lieber schaute ich mir da einen ehrlichen Kampf ohne Waffen und auf Augenhöhe an.

    Was er mir dann noch in Aussicht stellte, empfand ich als wesentlich erstrebenswerter. Als Custos hatte ich Erfahrung. Gerade noch wollte ich noch etwas darauf erwidern, da begann er mein Knie zu streicheln. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, wanderte seine Hand nun immer weiter an der Innenseite meines Oberschenkels nach oben unter meine Tunika.

    Als er mir nun den eigentlichen Grund für seinen Kauf genannt hatte, begann sich mein Gesicht zu verfinstern. Er hatte von mir verlangt, ehrlich zu sein und das wollte ich auch so beibehalten. Selbst dann, wenn mich diese Ehrlichkeit wieder zurück zu den Brennöfen bringen würde.

    "Ich muss dir etwas gestehen, Dominus...", begann ich und versucht mir nichts anmerken zu lassen, als seine Hand schon fast ihr Ziel erreicht hatte. "Eigentlich empfinde ich nichts für Männer... ich bin nicht... also ich... äh." Verdammt, was war nur mit mir los?

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  • Angus' Miene verdüsterte sich, und irritiert hielt ich inne. Ärger wallte in mir auf, bei seinem Geständnis, das mich allzu sehr an allerlei Abfuhren erinnerte, die ich im Laufe meines Lebens schon hatte einstecken müssen. Überhaupt, wie kam er darauf, es ginge hier um sein "Empfinden", anstatt um meines... immerhin war er mein Sklave.
    Leider ging es aber doch auch darum. Ich war einfach zu sentimental! Zwar fand ich nichts dabei, Sklaven zum Liebesdienst zu verpflichten, so war nun mal die Welt – doch mein ganz persönliches Problem war: ich hatte einfach wenig Freude an widerwilligen Gespielen. Vorwurfsvolle Blicke, gezwungene Hingabe – oder gar Tränen! - nein, so was verdarb mir die Lust.
    "Wie seltsam," antwortete ich sarkastisch, die Hand auf seinem Schenkel verharren lassend, "Dann muss das wohl dein lasterhafter Zwillingsbruder gewesen sein, mit dem zusammen ich neulich so viel Spaß hatte. Wirklich merkwürdig, ich hätte schwören können, dass du es warst. "
    Mit der freien Hand strich ich ihm das Haar zurück, ließ die goldenen Strähnen zwischen den Fingern hindurch gleiten und beugte mich zu seinem Ohr.
    "Wenn ich daran zurückdenke, welch verzückte Laute er von sich gab..." flüsterte ich ihm heiß ins Ohr, "mit Lippen, wirklich genau wie den deinen..." Mein Daumen glitt sacht am Rand seiner Unterlippe entlang, spürte die sinnliche Wölbung und die harten Bartstoppel. "...und mit was für einer Leidenschaft er mich gepackt hielt.... mit Armen genau wie den deinen... und wie begierig sich sein Phallus mir entgegenreckte... so schön und stolz wie der deine..." - Meine Hand an seinem Schenkel war weitergeglitten, fand den besagten und begann ihn leicht zu liebkosen. - "Dann frage ich mich, ob es nicht vielleicht doch du gewesen sein könntest!?"
    Ernster, doch die Hände nicht von ihm lassend, fügte ich hinzu: "Es ist nichts schändliches dabei, Angus." Barbaren hatten oft so extrem prüde Vorstellungen, ich erinnerte mich mit daran, mit welch schockierter Fassungslosigkeit Theseus, mein treuer Germane (ursprünglich 'Garulf' geheißen) auf den leisesten Verführungsversuch reagiert hatte. Und sogar ich selbst hatte ja früher ziemlich zu kämpfen gehabt, mit den engstirnigen Vorstellungen, die meine Mutter und meine (liebenden, aber erzkonservativen) iberischen Großeltern mir vermittelt hatten. Ich beneidete alle, die in einem gedanklich freieren Umfeld aufgewachsen waren... Griechen wie den herrlichen Marsyas, der so eine ungeheure Leichtigkeit dabei hatte.
    "Die Götter haben dir diesen Luxuskörper geschenkt, und dazu die Gabe, dich an beiderlei Geschlechtern zu erfreuen. Du schöner goldener Kelte, verschmäh nicht ihre Gaben, genieße sie...!"

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  • Mein gestammeltes Geständnis bewirkte zunächst, dass er mit seiner Hand innehielt. Ohne Frage, es musste ihn sehr verärgert haben. Doch diesen Ärger versteckte er geschickt hinter seinem Sarkasmus, mit dem er nun zu mir sprach. Ich versuchte, alles auszuhalten und mich nicht zu rühren, als er von ‚meinem lasterhaften Zwillingsbruder‘, den es natürlich nicht gab zu reden begann. Nur meine Augen verfolgten jeder seiner Bewegungen, die mit seinen Worten einhergingen. Sollte ich ihm nun auch noch den Rest gestehen? Dass ich ihn eigentlich ausrauben wollte, an jenem Abend? Dass ich von einer Räuberbande, von denen es in Rom duzende gab, unter Druck gesetzt worden war, weil ich von einem Hirngespinst geritten worden war, einer der Ihrigen zu werden? Und das alles nur, weil ich mich an den Flaviern rächen wollte? Wenn ich das tat, konnte ich mich auch gleich selbst ans nächste Kreuz nageln!


    Seine andere Hand begann nun mir durchs Haar zu streichen und da dies alles noch keine Reaktion bei mir hervorgerufen hatte, beugte er sich dann zu meinem Ohr und flüstere mir weiter voller Inbrunst zu. Doch ich war wie erstarrt. Seine Worte konnten mir nicht viel anhaben. Selbst dann noch, als sein Daumen über meine Unterlippe strich. Wenn er mich verführen wollte, dann musste er mit größeren Geschützen aufwarten. Doch ich war inzwischen davon überzeugt, dass dies nur eine Frage der Zeit war! Wenn es soweit war, hoffte ich, ihm dieses Mal standhalten zu können. Zum Glück hatte ich noch nicht allzu viel Wein getrunken. Jedoch setzte sich nun auch noch seine andere Hand unter meiner Tunika wieder in Bewegung und erreichte, schneller als mir lieb sein konnte, ihr Ziel. Mein Herz begann schneller zu schlagen, denn natürlich begann sich wieder etwas bei mir zu regen, gegen das ich nicht viel tun konnte. Wie beim letzten Mal wusste er genau, was er zu tun hatte.


    Ich war einfach ratlos, was ich nun tun sollte. Oder sollte ich eher sagen, was ich tun wollte? Ich spürte, dass ich nun vor die Wahl gestellt worden war. Wollte ich weiterhin prüde sein und jede seiner Annäherungsversuche abwehren, so dass er mich letztlich seinen Zorn spüren lassen würde? Denn jedwede Gegenwehr würde mich noch tiefer ins Unglück stürzen.


    Oder sollte ich mich ihm freiwillig hingeben, wie es jede billige Lupa in der Subura tat? Er würde dann nur meinen Körper benutzen, doch meine wahren Gefühle würde er niemals erreichen. Die Belohnung dafür wäre ein gutes leichtes Leben.


    Er ließ nicht von mir ab, weder mit Worten noch mit Taten. Während ich versuchte, dagegen anzukämpfen, auch wenn mein Körper etwas anderes erwartete. Es sei nichts Schändliches dabei, meinte er. Doch ich war noch immer anderer Meinung. Eine Meinung, die hier nicht zählte, denn seit wenigen Stunden war ich sein Eigentum, mit dem er tun und lassen konnte, was er wollte. Und das tat er auch. Zunächst nur leicht und zart, bis das er ein erstes Aufflammen spüren konnte. Doch je länger er damit fortfuhr, umso intensiver begann es zu lodern. Dieser Luxuskörper, von dem er sprach, war kein Geschenk der Götter, sondern ein Fluch! Sie straften mich dafür, was ich alles an schändlichen Dingen getan hatte. Meine Strafe war es, diesem Römer bis in alle Ewigkeit als Hure zu dienen.


    „Ja, ich war es an jenem Abend, Dominus!“, antwortete ich und kurz darauf glaubte ich, mit diesem Geständnis würde es etwas leichter für mich werden. „Womit kann ich dir dienen, Dominus?“


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  • Dass er so schüchtern sein würde, das hätte ich nicht erwartet. Als wäre er zu einer Statue geworden... 'holder Kelte, bedrängt von Satyr, verwandelt sich in Mamor'... so saß er reglos erstarrt, nur sein Gemächt unter meiner Hand war dafür um so lebendiger und sprach zu mir klar, dass er dies wollte, obgleich er selbst es sich wohl noch nicht einzugestehen vermochte.

    Womit er mir dienen konnte? "Entspann dich..." Ich grub die Finger in sein Haar, ihm den Kopf in den Nacken drängend, und begann seinen Hals mit feurigen Küssen und kleinen Bissen zu bedecken, neckte ihn leicht mit den Zähnen an seinem Ohrläppchen, flüsterte... "... und lass uns einfach da anknüpfen, wo wir beim letzten Mal unterbrochen wurden! Es war so heiß... für gewöhnlich mache ich so was nicht, ich meine, ich mag es doch lieber etwas gediegener, aber du warst so heiß an jenem Abend, Angus, dir zu widerstehen ist ein Ding der Unmöglichkeit...! Du bist wie ein Feuerfunke in ausgedörrter Sommer-Macchia, du weißt gar nicht wie machtvoll du mich entflammst...!"
    Ich strich den Ausschnitt seiner Tunika zur Seite und küsste über die Ausläufer seiner interessanten Tätowierung, die mich schon auf dem Markt neugierig gemacht hatte. "...sag mir, was stellt das dar?"

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  • Nein, es wurde nicht leichter! Ich verabscheute mich selbst und insbesondere meinen Körper, der sich ihm so freimütig ergab und ich allmählig als Konsequenz daraus, die Hitze in mir aufsteigen fühlte. Dabei verlangte er von mir, mich zu entspannen. Entspannen?! Ich konnte mich nicht entspannen! Erst recht nicht, als die Finger seiner einen Hand sich in mein mein Haar gruben und dabei meinen Kopf nach hinten schob, damit er meinen Hals mit seinen Lippen und Zähnen malträtieren konnte. Ich spürte seine Körperwärme, denn er kam mir immer näher. Doch all das ließ ich über mich ergehen. Als er jedoch in mein Ohrläppchen biss und mir dann ins Ohr zu flüstern begann, lief mir ein heißkalter Schauer über den Rücken, der durch die rhythmischen Bemühungen seiner anderen Hand unter meiner Tunika noch verstärkt wurde. Mein Atem wurde schneller und ich konnte mich nur schwerlich zurückhalten. Da anknüpfen, wo wir beim letzten Mal unterbrochen wurden, echote es immer wieder durch meinen Kopf. Es dauerte nicht mehr lange, dann hatte er mich wieder an besagtem Punkt, an dem er anknüpfen wollte. Doch dann brachte er mich völlig aus der Fassung, indem er mich nach meiner Tätowierung fragte. "Was?", fragte ich etwas verdattert. Bisher hatte das noch niemanden interessiert. Die Römer sahen in dieser Kunst der permanenten Körperbemalung etwas barbarisches und verabscheuten es. Für mich aber hatte es eine besondere Bedeutung. Er hatte die obere Spirale einer Triskele gesehen, einer Tätowierung, die ich nach meiner Mannwerdung erhalten hatte. "Der Kreislauf des Lebens,... Vergangenheit, Gegenwart und.... Zukunft," antwortete ich knapp und musste zwischendurch immer wieder stöhnen.

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  • Wir hatten Zeit, herrlich viel Zeit, und die wollte ich genießen. Ich ließ den Rhythmus, in dem ich ihn aufstachelte, langsamer werden, und war sehr zufrieden mit mir, nun endlich seine Lust so sehr entfacht zu haben, dass wieder Leben in ihn gekommen war. Doch sie zu stillen würde ich ihm so schnell nicht erlauben. Grinsend zog ich meine Hand zurück, ihn mit den Fingernägeln dabei den Schenkel entlang noch etwas neckend, lehnte mich zurück und nahm einen Schluck Wein.
    "Dann hast du einen verschlungenen Lebensweg." kommentierte ich müßig, trank meinen Kelch leer und stellte ihn energisch beiseite. "Komm!" Ich erhob mich, ihm die Hand reichend, und als wir uns gegenüber standen, löste ich seinen Gürtel, mit vor Vorfreude ganz fahrigen Händen.... es war, wie ein heißersehntes Saturnaliengeschenk auszupacken. "...zieh das mal aus..." Auch ich streifte meine Tunika ab, und umfing seinen gestählten Leib mit den Armen, zog ihn an mich, presste mich an ihn, und ließ genießerisch die Hände über all die barbarische Muskelpracht schweifen, erforschend und besitzergreifend. Das Wissen, das dies alles mein war, mir und meinen Wünschen zur Verfügung stand, war berauschend... "... du darfst mich auch anfassen, Angus..." erlaubte – oder besser gebot – ich ihm mit lustverschleierter Stimme, und küsste wieder über seinen Hals, Schulter, und die exotische Tätowierung, die nun ganz frei lag. Ich fand das faszinierend, dass dieser Barbar so was tiefsinniges in seine Haut geschrieben trug, ich hätte gedacht, sie würden sich nur irgendwelche wilden Tiere tätowieren, um an deren Kraft teilzuhaben, oder Siegeszeichen, oder so was in der Art. "Was davon ist was?" Spielerisch verfolgte ich einen der Kringel mit der Zungenspitze. "An welcher Stelle bist du davon... jetzt gerade?"

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  • Er hatte mich fast schon dort, wo er mich haben wollte. Doch urplötzlich ließ er von mir ab und grinste mich an. Er spielte mit mir, um mir damit seine Macht über mich zu demonstrieren. Sollte er ruhig! Zum Spielen gehörten aber immer noch zwei und ich würde dafür sorgen, dass ihm der Spaß daran gründlich verging. Selbst dann, wenn es bedeutete, dass ich mit Repressalien zu rechnen hatte. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Wenn das hier mein zukünftiges Leben sein sollte, dann würde von nun an jeder Tag ein Alptraum sein!


    Als er sich zurücklehnte, um seinen Wein zu trinken, gelang es mir dann tatsächlich, mich etwas zu entspannen. Ich selbst rührte meinen Kelch nicht an. Dieses Mal wollte ich nicht völlig trunken sein, um mich besser unter Kontrolle zu halten. Nun ja, bisher war das zwar kläglich gescheitert, jedoch konnte ich ihm das verweigern, wonach er sich sehnte. Wenn er sich mit mir amüsieren wollte, würde er das mit einem leidenschaftslosen Körper tun müssen.


    Zunächst jedoch kam er wieder auf meine Tätowierung zu sprechen, die sich oberhalb meiner rechten Brust befand. Ich fragte mich, was er daran so besonders fand. Im Grunde war es eine Linie, die ineinander verschlungen war und am Ende wieder auf ihren Anfang traf. Genauso, wie das Leben eben war.


    Nachdem er den Kelch beiseite gestellt hatte und sich erhoben hatte, forderte er auch mich auf, aufzustehen. Dabei reichte er mir seine Hand, die ich dann auch ergriff. Wir standen uns gegenüber und er löste meinen Gürtel. In seinen Augen sah ich ein Glänzen, als habe er die ganze Zeit auf diesen Moment gewartet. Ich zog die Tunika über meinen Kopf, so dass wir uns beide nackt gegenüberstanden. Ihn hatte all das bereits schon sehr erregt, wie man unschwer erkennen konnte. Doch ihm genügte das noch nicht. So umarmte er mich und drückte seinen Körper an meinen. Ich gestattete ihm das, doch wirkte ich dabei nahezu teilnahmslos. Genau wie eine leblose Puppe. Sollte er sich nehmen was er wollte, doch meine Leidenschaft für ihn würde er in mir nicht entfachen können. Auch als er mir anbot, ihn anzufassen, hielt ich mich zurück. Es widert mich einfach am! Noch schien er das nicht zu ahnen, denn er war viel zu sehr damit beschäftigt, meinen Körper zu liebkosen. Ich wandte indessen meinen Blick ab, als mit seiner Zunge über die Tätowierung fuhr.


    "Hmm?", meinte ich und drehte meinen Kopf wieder zu ihm um. "Alles ist eins. Der Anfang ist zugleich auch das Ende. Daher ist es unerheblich, wo man ist," erklärte ich ihm stumpf.

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  • Das Zeichen erinnerte mich an das dreigestaltige Ungetüm zu Füßen des Ewigen Serapis, und an die Seelenwanderung. Wie kurios, dass diese Barbaren etwas – wenn auch sicher nur ganz entfernt – ähnliches zu glauben schienen...
    Doch noch viel kurioser war, dass der schöne Kelte, eben noch endlich zum Leben erwacht, mir mit einem Mal wieder die kalte Schulter zeigte.
    "Was ist denn?" fragte ich, im ersten Moment nur verwirrt, wich ein wenig von ihm zurück und musterte ihn fragend. Hätte ich ihn nicht nach dem Zeichen fragen sollen, war das irgendein Barbaren-Tabu oder hatte ich ihn mit der Frage in Schwermut und Heimweh gestürzt... oder versuchte er hier irgendein Spiel mit mir zu treiben?!
    "Wenn ich eine Mamorstatue möchte, gebe ich eine beim Bildhauer in Auftrag." Ich bemühte mich, um einen scherzhaften Ton, doch dieses ganze hin und her, heiß und kalt, begann mir auf die Nerven zu gehen.
    "Deine Sprödigkeit steht dir schlecht zu Gesicht, Angus. Wen soll das täuschen? Ich habe dich ganz anders kennengelernt, und dein Körper spricht auch eine andere Sprache." Ich packte ihn bei den Schultern und schob ihn gebieterisch rückwärts in Richtung meines Bettes. Ein Schritt. "Was brauchst du, hm?" Wie schade, dass es sich verbot, ihn mit Fellatio zu überzeugen... damit hätte ich ihn bestimmt im Handumdrehen rumgekriegt... aber ich konnte ja nicht vor meinem eigenen Sklaven auf die Knie gehen (höchstens an den Saturnalien). Noch ein Schritt. "Cervisia? - Oder die Gefahr, entdeckt zu werden?" Noch ein Schritt, und mit einem jähen Ruck drückte ich ihn rücklings auf das Bett, schwang mich über ihn, packte seine Handgelenke fest und presste ihn nach unten. Ich sah ihm in die Augen, versuchte seinen Blick mit meinem zu bezwingen, und verlangte unwirsch zu wissen: "Oder ist dir das alles nicht grob genug, hmm?!" So ungestüm, ja schon fast gewalttätig, wie er sich mir in diesem Hinterhof genähert hatte, lag die Vermutung nahe.

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  • Meine Abneigung gegen ihn, sie zeigte schon bald Wirkung. Endlich ließ er von mir ab, wich von mir zurück und schaute ziemlich ratlos. Was mit mir war? Das hatte ich ihm doch schon gesagt! Nur er wollte es nicht hören - oder wahrhaben? Ich schwieg und schenkte ihm lediglich einen leicht kritischen Blick. Noch scherzte er, doch konnte ich schon ein Fünkchen Unmut in seiner Stimme hören. Sein Spielzeug weigerte sich, zu funktionieren!

    Ja, es stimmte. Er hatte mich tatsächlich anders kennengelernt. Allerdings herrschten da ganz andere Voraussetzungen. Damals hatte ich mich tatsächlich dazu hinreißen lassen, mich auf seine Bedürfnisse einzulassen, weil er mich damals derart überfallen hatte und ich zum einen betrunken war und eigentlich etwas ganz anderes im Sinn gehabt hatte. Doch nun verlangte er von mir einen Sklavendienst, den ich nicht bereit war, ihm ihn einfach so zu geben.


    "Ich sagte doch, ich empfinde nichts für dich!", erwiderte ich gleichmütig, was im Grunde aber ein Schlag ins Gesicht meines Dominus war. Die Reaktion darauf folgte auf dem Fuße. Er packte mich brüsk bei den Schultern und schob mich nach hinten, zu seinem Bett. Was ich wollte, fragte er mich und sein Missmut ließ sich kaum noch verbergen. In gewisser Weise amüsierte es mich, ihn so in fast schon heller Aufregung zu sehen, wie er scheinbar alles versuchte, um mich fügig zu machen. Weder Cervisia noch sonst etwas würde das schaffen! Selbst wenn er mir nun Schläge angedrohte oder mich einsperren wollte, wäre er damit seinem Ziel nur noch um ein Vielfaches weiter entfernt.


    Schließlich hatte er mich zu seinem Bett zurückgedrängt und drückte mich darauf. Dann schwang er sich auf mich, griff nach meinen Handgelenken und presste die nach unten. Er hatte leichtes Spiel, denn ich wehrte mich nicht. Er schaute mir eindringlich in die Augen, doch ich widerstand seinem Blick. Im Gegenteil, ein leichtes abschätziges Grinsen deutete sich auf meinem Gesicht an. So hatte er sich gewiss nicht den Verlauf des Abends vorgestellt.

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  • "Und wie zum Hades," fauchte ich erbost, "kommst du darauf, dass dein ach so zartes Empfinden hier irgendeine Rolle spielen würde?!"
    Tat es aber leider eben doch. Ein Zug von Verachtung war auf seine schönen Lippen getreten, und urplötzlich kippte etwas in mir, und mir war, als sähe ich mich von außen, wie eine lächerliche Figur in irgendeinem Possenspiel, ein alternder Cinaedus, der den jungen Schönen nachstellt. Meine Lust sagte mir Adios, während die bittere Erkenntnis in mich einsickerte:
    Faustus, er steht einfach nicht auf dich.


    Ich ließ von ihm ab, rollte mich zur Seite und blieb frustriert neben ihm auf dem Rücken liegen, erregt und unerfüllt und im höchsten Maße gekränkt. So langsam verstand ich, wie dieses gleißnerische Schmuckstück es geschafft hatte, in den Hypokausten zu landen, und auf dem Sklavenmarkt. Leidig nahm ich den Arm vors Gesicht, fuhr mir über die Stirn, voll Enttäuschung über den schiefgelaufenen Abend, voll Ärger über den störrischen Kelten und vor allem über mich selbst, über meine verfluchte Sentimentalität, die mich daran hinderte, mir einfach zu nehmen was ich wollte. Oder... zu wollen was ich wollte, wenn das Wollen kein Echo fand. Tja, da hatte ich eben mal zweitausend Sesterzen in den Sand gesetzt.
    "Dir ist wohl alles egal." Er musste sich doch denken können, dass solche stumpfe Halsstarrigkeit ihn schleunigst zurück aufs Podest bringen würde. Ich sah ihn nicht an, mochte ihn nicht ansehen, blickte hinauf zur Decke, voll Unlust, irgendwelche Bestrafungen zu vollziehen. Mein Dienst war gewalttätig genug, zu Hause benötigte ich einen Gegenpol. Der junge Silas war immer noch eingesperrt, weil ich mich noch nicht entschieden hatte, welche Sanktionen angemessen waren. Ich hatte die Schnauze gestrichen voll von all diesen kapriziösen Blonden.
    "Geh mir aus den Augen. Ich zwinge niemanden zu seinem Glück. - Wenn du irgendwas davon ausplauderst, lasse ich dir Zunge und Schwanz abschneiden."

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    Klient - Decima Lucilla

  • Für eine kurze Zeit empfand ich Schadenfreude. Es war wie ein Triumph, den ich über den Römer errungen hatte. Er hatte endlich von mir abgelassen und lag nun neben mir. Wie bei einem Kind, dass sich auf ein langersehntes Saturnaliengeschenk gefreut hatte und am Ende doch nur den Abklatsch von etwas bekommen hatte, was er sich doch so sehr gewünscht hatte, konnte man ihm seine Enttäuschung ansehen. Aus seinem Frust wurde Zorn und auch mein Gefühl der Genugtuung wich unaufhaltsam. Denn was hatte ich groß gewonnen? Der Moment eines zweifelhaften Sieges war so flüchtig, wie der Flügelschlag eines Vogels. Davon würde sich nichts in meinem Leben verbessern. Im Gegenteil! Denn was hatte ich nun als Konsequenz zu befürchten?

    Dir ist wohl alles egal, hatte er mir fast schon anklagend entgegengeworfen. Ja, es stimmte, mir war alles egal. Es gab nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnte. Mich konnte nichts mehr schrecken. Auch nicht, als er wich aus seinen Augen haben wollte und mir drohte. Im Gegensatz zu mir hatte er noch etwas zu verlieren!

    Wortlos erhob ich mich, Hob meine Tunika auf und wandte mich dann noch einmal zu ihm um. "Ja, mir ist alles egal! Mir ist es egal, ob du mich bestrafen lässt, oder ich wieder auf dem Sklavenmarkt lande, um danach in einem Bergewerk oder auf einer Galeere zugrunde gehe. Denn ich habe alles verloren, was einmal für mich wichtig war und wofür es sich gelohnt hat, zu leben. Und selbst den letzten Rest Selbstachtung, der mir geblieben ist, willst du mir nun auch noch nehmen," rief ich verbittert. Doch er lag noch immer da, mit sich und mir mir hadernd. Dabei hätte er mich vielleicht sogar haben können, wenn er es anders angestellt hätte. Er hatte die Gelegenheit dazu, jedoch hatte er sie nicht genutzt, weil zu selbstsüchtig gewesen war. Dann wäre dieser Abend anders verlaufen... Dann hätte mein Leben eine neue Richtung einschlagen können...


    Ich wollte mir schon wieder die Tunika überstreifen, als mich die fixe Idee überfiel, dass es vielleicht doch noch etwas gab, was mir nicht egal war. Etwas, was tief in mir verborgen war. Die Hoffnung. Ich nahm die Tunika, warf sie beiseite und sah an mir herab. Nichts erinnerte mehr an seine Bemühungen, mit denen er mich zu seinem Gespielen machen wollte. Statt sein Cubiculum zu verlassen, trat ich wieder an sein Bett. Diesmal war ich es, der sich auf ihn schwang und ihn an seinen Handgelenken packte und diese neben seinen Kopf presste. Mit meinem Gesicht beugte ich mich hinunter zu seinem, jedoch erreichten meine Lippen nicht die seinen. Stattdessen neckten ihn einige meiner Haarsträhnen. "Wenn du mich haben willst, musst du dich schon ein bisschen mehr anstrengen!", raunte ich ihm zu und näherte mich ein wenig mehr seinen Lippen. Doch bevor sie sich vereinigen konnten, wich ich wieder etwas zurück und grinste.


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  • Selbstachtung... ein großes Wort für einen Sklaven. Selbstüberschätzung wohl eher, dachte ich gehässig. Die meisten, die glaubten, bereits alles verloren zu haben, bemerkten erst, wenn sie wirklich bis zum Hals im Verderben steckten, was sie dann doch noch zu verlieren gehabt hatten. Doch wenn ihm wirklich alles gleichgültig wäre... dann war er nicht zu kontrollieren, dann taugte er nur noch für die Arena, wenn überhaupt. Ich würdigte die barbarische Fehlinvestition keiner Antwort, wartete auf das Geräusch der Tür, um diese niederschmetternde Erfahrung sodann allein in Wein zu ertränken. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund kam mir Hannibal in den Sinn... nicht länger sah ich die Decke meines Cubiculums, die Fresken im Kerzenlicht, sondern Hannibals Profil, ganz dunkel vor der leicht schimmernden Wasseroberfläche des Tibers... an dessen Ufer wir einmal zusammen gesessen hatten, nach einer Nacht voll Vinum, Infamia und Bacchatio. So lange war er schon tot, aber in meinen Gedanken immer noch lebendig.


    Es war jedoch nicht die Tür, die ich als nächstes vernahm, sondern ein Knarren des Bettes, und mit einem Mal war Angus über mir, hielt mich fest gepackt. Ein erschrockener Laut kam aus meinem Mund, ich verfluchte meinen Leichtsinn, keinen Custos neben dem Bett postiert zu haben, als ich mir einen Löwen zum Spielen in mein Cubiculum geholt hatte. Allerdings machte er keine Anstalten mich zu erwürgen, sondern... einen Augenblick schien es fast als wolle er mich küssen.... nein.... doch nicht....
    "Bist du wahnsinnig?!" japste ich verblüfft, vollkommen fassungslos über diese Ungeheuerlichkeit – mich erst auf das gröbste abzuservieren, jetzt noch zu verspotten. Sklaven taten sowas nicht. Nein, sie taten sowas einfach nicht. Steine fielen nach unten, wenn man sie losließ, nicht in den Himmel, und Sklaven taten sowas nicht.
    "Auf der Stelle lässt du mich los, Sklave!" kommandierte ich zornig, und bäumte mich gegen ihn auf, versuchte mit aller Kraft und Wut ihn abzuschütteln und meine Handgelenke aus seinen Barbarenpranken herauszuwinden.

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  • Na ja, vielleicht war ich ja wirklich wahnsinnig! Gerade noch war ich heilfroh gewesen, den Decimer nicht mehr an der Backe zu haben. Nun saß ich auf ihm und und hatte ihn sozusagen fest im Griff. Ich hatte den Spieß umgedreht und spielte nun das Spiel mit ihm? Ob ihm das schmecken würde?


    Zunächst war er ziemlich erschrocken gewesen, als ich ihm so nah gekommen war. Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet. Auch nicht, als ich ihn neckte, so wie er es zuvor mit mir getan hatte. Jedoch fand er das gar nicht witzig. Seltsam eigentlich. Aber gut, er hatte ja auch nicht nachvollziehen können, weshalb ich mich gegen seine Annäherungsversuche so gesträubt hatte. Im Gegensatz zu mir, begann er sich zu winden und versuchte, seine Arme zu befreien. Doch ich verstärkte weiter meinen Griff. Als das nichts half, begann er mich zornig zu kommandieren. Wahrscheinlich glitt gerade sein Weltbild aus seinen Fugen.


    "Ich denke gar nicht dran, dich loszulassen! Sag bloß, du magst so etwas nicht? Wie hast du dich vorhin so schön ausgedrückt? Es war wohl dein Zwillingsbruder, der so viel Spaß dabei hatte, neulich in diesem Hinterhof." Jetzt saß er in seiner eigenen Falle und solange ich nicht locker ließ, hatte er kaum eine Chance, sich zu befreien. Ich wollte gar nicht daran denken, was mir blühte, wenn ihm es doch gelingen sollte. Aber was hatte ich noch groß zu verlieren?


    "Also, was bist du bereit zu tun, um mich zu bekommen, hmm? Und jetzt sag mir bloß nicht, ich würde dir eh schon gehören, weil ich dein Sklave bin!" Mit billigen Versprechungen, die er dann doch nicht einhielt, würde ich mich nicht abspeisen lassen.

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  • Nun verdrehte er mir auch noch meine eigenen Worte im Munde. Bodenlose Unverschämtheit! Ich stemmte mich erneut gegen seinen Griff, kam aber nicht dagegen an, es war als wäre ich in einem Schraubstock gefangen. Um Hilfe zur rufen, das war mir zu peinlich.
    "Du glaubst, ich würde dich noch wollen?" Desinteresse heucheln konnte ich auch. Ich lachte höhnisch: "Nach dieser Aktion? - Angus, ich habe genug Liebhaber, die wissen, wie sie mir Freude bereiten, und die mich zu schätzen wissen. Einen verrückten Kelten, zu hochmütig um sich verführen zu lassen, zu verklemmt um zu seiner Leidenschaft zu stehen... brauche ich nicht in meiner Kollektion."
    Das einzige Problem dabei war, dass er - aus dieser Perspektive ganz besonders! - so verdammt heiß war... sein muskelbepackter Oberkörper, das Blondhaar, das ihm wie eine Löwenmähne ums Gesicht fiel... die sehnigen Arme und Schenkel, die mich aufregend gefangen hielten, die Reibung, die bei meinem vergeblichen Kampf mich zu befreien zwischen uns entstand... nicht nur die Empörung ließ mich tiefer atmen und nicht nur mein Widerspruch bäumte sich gegen ihn auf. Ich biss mir auf die Lippen und fuhr mit rasant abnehmender Überzeugungskraft fort:
    "Was hast du denn zu bieten? Pure Schönheit bloß, hohle Fassade, keine Spur von Charme oder von Sinnlichkeit..." Eine Haarsträhne kitzelte mich, ich blies sie weg und fixierte ihn herausfordernd. "Ein lausiger Liebhaber bist du... nach allem was du mir... bisher.... gezeigt hast..."

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  • Da musste ich wirklich herzhaft lachen! Natürlich wollte er mich! Heute auf dem Sklavenmarkt hatte ich bereits die Gier in seinen Augen stehen sehen. Die gleiche Gier, die ich in seinem Blick gesehen hatte, als ich in sein Cubiculum eingetreten war.

    "Na sicher doch! Du willst mich nicht mehr, weil du mich nicht mehr brauchst! Denn du hast ja sooo viele Liebhaber! Wahrscheinlich drehen sich die Kerle reihenweise nach dir um, wenn du durch die Subura stiefelst. Hast du noch mehr Ammenmärchen auf Lager? Deine Augen haben dich verraten, Decimus Serapio! Und nicht nur die!" Wie ich unter mir feststellen konnte, regte sich dort wieder etwas. Je mehr er sich gegen mich wehrte um so vehementer wurde dieses Etwas. Dieses Aufbäumen gegen mich, es gefiel ihm scheinbar doch! Zu gerne hätte ich gewusst, was es war, was ihn an mir so reizte. Waren es die blonden Haare, die zumeist etwas wirr wirkten? Oder war es die Tätowierung auf meiner Brust? Oder einfach das Komplettpaket, wobei es doch in Rom blonde Sklaven, wie Sand am Meer gab.


    Der Protest meines Dominus begann Stück für Stück, einem Kartenhaus gleich, in sich zusammenzufallen. Dennoch dachte ich keine Sekunde daran, meinen Griff zu lockern. Vielmehr erheiterte er mich weiter mit seiner Empörung und seinem tiefen Atem, der ihn im Grunde Lügen strafte.


    "Also wenn ich mir es recht überlege, waren alle Frauen, die ich bisher hatte, von meinem Charme und meiner Sinnlichkeit einfach nur überwältigt. Na gut, bei den Männern liegt meine Quote etwas niedriger, was daran liegen muss, dass du mein erster und einziger warst! Aber vielleicht bin ich ja noch lernfähig!", entgegnete ich ihm grinsend und zwinkerte ihm bei meinem letzten Satz zu.

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  • "Ich kann mich jedenfalls nicht beklagen." erwiderte ich würdevoll - oder zumindest so würdevoll wie das in dieser Position möglich war - auf seinen groben Spott. "Die Subura ist allerdings nicht mein bevorzugtes Jagdrevier. Das mit dir war mehr ein Ausrutscher. Aber du lüsterner Sittenstrolch hattest mich ja auch zielsicher mit dieser heimtückischen Cervisia abgefüllt, da war ich dann wohl nicht mehr so wählerisch."
    Dass meine Glaubwürdigkeit rasant den Bach runterging, das merkte ich selbst, doch das Wortgefecht mit dem verrückten Kelten amüsierte mich, so sehr dass ich mir das Lachen verbeißen musste. Ihn bei seinem Stolz zu packen, das funktionierte offensichtlich!

    Zu hören, es sei sein erstes Mal gewesen, verblüffte mich. "Im Ernst?" staunte ich, "Oh." Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich sanfter mit ihm gewesen. Aber wer hätte das denn ahnen können, bei einem solch adonisgleichen Sklaven. All seine Herren mussten blind gewesen sein (die Iulier waren gewiss nicht seine ersten Herrschaften gewesen, so gut Latein lernte man nicht beim Hypokausten beheizen.)
    "Ach, Frauen, die können das doch gar nicht beurteilen." meinte ich wegwerfend. "Wahre Leidenschaft gibt es nur zwischen Männern." Sein Grinsen war hinreißend und ansteckend.
    "Vielleicht... Exercitatio artem parat*." lachte ich, und hob den Kopf, sehnsüchtig nach seinen Lippen haschend.




    * Übung macht den Meister.

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