Spielzeug, Stoffe und die frische Luft

  • Eine gewisse Vorfreude machte sich in Venusia bereit. Sie musste nicht mehr darum kämpfen den Ausflug in ihre Heimat machen zu können. Natürlich wusste sie gefährlich Reisen waren, aber sie würden ihr nicht erspart bleiben. Im Frühjahr hinauf in den Norden und im Herbst spätestens wieder zurück. Venusia war dankbar dafür und zeugte ihm dafür ein seltenes Lächeln.


    Sevilla war natürlich total glücklich, dass ihr die beiden Puppen auch noch gekauft wurden.
    "Danke Onkel Massa. Du hast recht. Sie sollten zusammenbleiben. Sie freuen sich darüber."
    Sofort waren sie in ihr kleines Herz geschlossen.
    "Dann kann ich doch sicher die Reste bekommen, die von deinem Stoff übrig bleiben, oder? Die brauchst du doch nicht mehr."
    Sie würde tolle Kleider daraus nähen und sie ihrer Puppe anziehen. Sevilla hatte schon ganz genaue Pläne.


    Als Secundus an der Reihe war, besah er sich die beiden Gladiatoren. Dann nickte er.
    "Die sind toll. Danke."
    Dann nahm er sie sich und überlegte schon wie er sie am besten kämpfen ließ. Er war wie sein Vater kein Mann vieler Worte.
    "Onkel Massa. Kannst du mal mit mir zu Gladiatorenkämpfen gehen?"

  • Seine Bitte brachte mich in Verlegenheit. Wie zog ich mich am Besten aus der Affäre. " Seit ihr aus Germanien zurück, dann gehen wir ins Kolosseum und sehen uns nicht nur die Gladiatoren an. Du hast mein Wort." Eine Galgenfrist. Kinder vergaßen nie was man ihnen versprach. Ich hoffte, dass er bis dahin reifer war und Venusia nichts dagegen hatte.


    Der Stoff, genau. Aus dem sollten zwei Tunikae gemacht werden. Ich hatte keine Ahnung bei welchem Schneider ich das in Auftrag geben sollte. Eine Idee, eine sehr ...ob ich Venusia fragen durfte. Mit einem bisschen diplomatischem Geschick unter zu Hilfenahme von Sevilla. " Die Stoffreste? Sicher kannst du die Stoffreste bekommen. Ich habe aber noch keinen Schneider der mir die Tunikae näht. Kennst du einen guten Schneider ?" fragte ich Sevilla.

  • "Das wird sicher toll und wir werden viel erleben können und viel sehen. Onkel Massa du musst uns dann auch tolle Plätze besorgen. Machst du das?"
    Die Freude stand dem Jungen ins Gesicht geschrieben.


    Und Sevilla kannte natürlich einen guten Schneider. Viel mehr eine Schneiderin und das musste sie natürlich sofort kundtun ohne mit der Schneiderin vorher zu sprechen.
    "Mama ist eine gute Schneiderin. Sie kann das richtig gut. Sonst würde sie mir das ja nicht beibringen."
    Die Kleine grinste breit und Venusia stand unter Zugzwang. Das war wirklich geschickt gemacht.
    "Wenn meine Künste so gepreist werden, muss ich sie dir wohl auch mal unter Beweis stellen."
    Venusia zwinkerte Massa zu.
    "Du wirst mich dann in der Casa Mal aufsuchen müssen damit ich deine Maße nehmen kann. Die Tunika sollen ja auch ordentlich passen. Es wäre mir eine Ehre deine Schneiderin zu sein und Sevilla wird sich bestimmt ganz viel Mühe mit den Stickereien geben."
    Damit hatte Venusia nun auch Sevilla in die Pflicht genommen. Die kleine Rache der überfahrenen Mutter.

  • Was blieb mir anderes übrig und so schwer sollte es nicht sein, in der Zeit ihres Aufenthaltes in Germanien, gute Plätze zu bekommen. " Wird gemacht, junger Mann." sagte ich lächelnd und klopfte ihm nicht zu derb auf die Schulter.
    Sevilla hatte eine Lösung gefunden, wie sie am einfachsten an ihre Stoffreste kam. Venusia trug es mit Fassung. Ich schmunzelte und nickte Venusia zu. Einen besseren Schneider, eine Schneiderin, hätte ich nicht finden können. Vor allem im Haus der eigenen Familie. " Zwei Tage, dann muss ich zurück nach Misenum. Morgen wenn es dir passt und deinen täglichen Ablauf nicht durcheinander bringt. Bis dahin kann sich Sevilla überlegen was sie drauf stickt." So schnell war ein Problem gelöst ohne viel suchen zu müssen. Für mich von Vorteil und eine kleine Abwechslung für Venusia und eine richtige Aufgabe für Sevilla.
    " Wie sieht es aus Venusia, hast du noch einen Wunsch?" Die Kinder waren zufrieden. Ihre Wünsche waren erfüllt. Ich war um eine Erfahrung reicher. Eine eigene Familie zu haben war gar nicht mehr unvorstellbar.
    Auf der anderen Seite hatte ich Stände mit Schmuck gesehen, daneben wurde Kosmetika angeboten. Ich nahm Venusia's Hand und zog sie mit sanftem Nachdruck in deren Richtung. Auf eigene Faust hatte ich beschlossen, dass sie sich was gönnen sollte. " Secundus, Sevilla,kommt ihr mit ? Eure Mutter hat noch einen Wunsch." Mit einem um Verzeihung bittenden Lächeln sah ich zu Venusia.

  • "Morgen ist mir recht. Da finde ich ganz bestimmt noch Zeit zum Ausmessen."
    Eigentlich hatte sie keinen Wunsche mehr. Die Kinder hatten ihr neues Spielzeug bekommen, die Stoffe waren gekauft, sie hatte mehr Arbeit als erwartet und sie durfte nach Germania zu ihrer Familie. Mehr konnte sie sich gar nicht wünschen. Doch es kam anders. Massa nahm sie bei der Hamd und zog sie mit sich, ebenfalls die Kinder. Sie wollte protestieren und öffnete sogar für sämtliche Einwände den Mund. Ehe jedoch ein Wort diesen verlassen konnte, schloß sie ihn wieder. Sie meinten es ja nur gut. Ihre Gegenwehr löste sich in Wohlgefallen auf und ließ sich zu den Schmuckständen begleiten.
    Die Auswahl war wirklich groß. Mit Steinen, ohne Steine, verschiedene Farben, lange Ketten, kurze Ketten, auffällige Geschmeide, Armreife, Diademe, Ringe, Fibeln. Einfach Alles war dabei. Da stand sie nun und und wusste nicht was sie sich aussuchen sollte.
    "Ich glaube, hier müsst ihr mir alle helfen. Die Auswahl überfordert mich etwas."
    Sevilla hatte schon das ein oder andere gefunden und auch Secundus beäugte die Auswahl unauffällig. Schmuck kauften ja schließlich nur die Frauen. Irgendwann würde der Zeitpunkt kommen wo er es anders sah, doch im Moment missfiel ihm dieses Ziel. Aber auch er sah schließlich Massa an und machte das dritte Augenpaar komplett, das sich auf den Decimus richtete.

  • Die Augen von Legionären, die erwartungsvoll auf mich gerichtet waren, die störten mich wenig. Die Blicke der drei waren da etwas ...sie forderten regelrecht eine Reaktion, eine Entscheidung. Meine Hand fuhr durch den Bart, meine Aufmerksamkeit richtete sich nun ausnahmslos auf den Schmuck der vor uns ausgebreitet lag. Der Händler hielt sich zurück, überließ mir den ersten Versuch. Mir kam es so vor als wolle er meinen Geschmack testen.
    Ohrringe, genau Ohrringe. Welche ? Die mit den Perlen, mit den Rubinen oder die Ohrringe, mit dem goldgelben Bernstein. Brummend nahm ich die, mit den Rubinen. Der Händler schüttelte unmerklich mit dem Kopf. Gut, meine Hand lenkte ein zu den Perlen. Ein unmerkliches Nicken. Meine linke Augenbraue zog sich nach oben, ich drehte mich zu Venusia. " Mmmmhhhh..." Ein bisschen ungeschickt hielt ich ihr einen Ohrring an. " Puhhh...was denkt ihr? Sevilla? " Mit secundus rechnete ich nicht. Mädchenkram, ich verstand ihn in dem Fall sehr gut . Was sollte ich sagen? Außer Neriman hatte ich noch keiner Frau Schmuck gekauft oder geschenkt. Wobei Neriman immer etwas besonderes blieb. Den Kopf schräg gelegt, begutachtete ich den Ohrring und hielt einen mit Bernstein auf die andere Seite.

  • Noch ehe Venusia etwas sagen konnte, war Sevilla vorgesprungen. Strahlend lächelte sie Massa an.
    "Mama braucht die Bernsteinohrringe. Die mit den gelben Steinen und nicht die mit den braunen. Weißt du, der Bernstein kommt von dort wo auch Mama herkommt. Aus Germanien."
    Venusia zuckte zusammen und sah sich scheu um. Ob das jemand zu Neugieriges mitbekommen hatte? Venusia stand natürlich zu ihrer Herkunft, doch wusste sie auch, dass es hier in Roma hin und wieder Schwierigkeiten gab wenn man dies zu laut sagte. Sevilla hingegen wollte natürlich mit ihrem Wissen glänzen, das Venusia ihr beibrachte.
    Sevilla sah noch etwas genauer hin und änderte sofort ihre Meinung zu den Ohrringen. In einem hatte sie etwas entdeckt. Es war ein Einschluß, eine kleine Mücke, die vor langer Zeit am Harz kleben geblieben war und schließlich vollständig umhüllt wurde und so die lange Zeit vom Einschluß bis zum Fund bestens konserviert überstanden hatte.
    "Massa, schau mal. Da ist etwas drin. Ich glaube wir nehmen die hellbraunen Ohrringe."
    Sie deutete auf das Schmuckstück in der Hand ihres "Onkels".
    "Die passen doch auch viel besser zu Mamas braunen Augen, oder?"
    Venusia selbst konnte nur schweigend dabei stehen und entschuldigend lächeln. IIhre Tochter ging grad richtig in ihrem Element der "Typberatung" auf. Secundus hingegen stand gelangweilt da und sah verschüchtert drein als Sevilla nicht nur Massa nach einer Antwort suchend ansah ob die Ringe seiner Mutter passten sondern auch ihn. Stotternd brachte er nur ein verschüchtertes "Ja." heraus.

  • Sehr überzeugend von Sevilla. " Germanien, wild, unzivilisiert. So steht es geschrieben. Man sollte nicht alles für bare Münze nehmen. Deine Mutter ist das ganze Gegenteil und sie würden gut zu ihr passen. Vor allem wegen ihrer braunen Augen. Du hast recht, Sevilla und einen außerordentlich guten Geschmack." Die Perlen gingen zurück an den Händler. Ich besah mir die Bernsteinohrringe näher. Die Kleine hatte gute Augen, da war eine Mücke eingeschlossen. " Die nehmen wir." Ich behielt sie in der Hand, handelte sie herunter. Nicht, dass sie dem Preis des Händlers nicht gerecht wurden. Sie waren wirklich schön. Nur hatte ich das Geld nicht in unbegrenzten Mengen. Ich hielt Venusia die Ohrringe hin. " Ein kleines Geschenk." Um es zu bekräftigen. " Nimm es als Dank." Der heutige Tag war für mich eine wertvolle Erfahrung. Das andere mögliche Leben. Abseits vom Militär. Für die, die es wollten.
    Die Legion war bisher für mich wie eine Familie. Mit einer Ausnahme. Ich spürte es auf der Brust, das Amulett von ihr. Es war noch da und es blieb für immer dort.


    Darüber nachgedacht hatte ich schon. Seitdem ich getrennt von Faustus meinen Dienst bei der Legion tat, hatte sich viel verändert. Die Flotte lag immer in Misenum, wenn sie nicht auf See war.
    Feste Standorte der Legion brachten Veränderungen mit sich. Beziehungen zur zivilen Bevölkerung blieben nicht aus. Abendliche Gänge in die Stadt taten ihr übriges. Konnte man den Männer nicht verdenken. Vielleicht ergab sich eines Tages mal was. Ich kannte einige Nautae, die eine Familie gegründet hatten. Geduldet, wie sollte man es auch unterbinden. Litt der Dienst nicht darunter, gab es keine Einwände.


    " Haben wir alles? " fragte ich in die Runde. " Sollte es so sein, dann können wir uns auf den Heimweg machen." Die Sonne kündete vom späten Nachmittag. Die Garküchen und Weinstände hatten erhöhten Zulauf.

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