bonis malisque temporibus

  • Es war schon einige Zeit her, dass Prisca jener Taverne einen Besuch abgestattet hatte. Den 16. Geburtstag ihrer Freundin Serrana hatten sie hier gefeiert und gerne erinnerte sich die Aurelia an die unbeschwerte Feier von damals zurück. Du meine Güte, wie jung wir damals waren und dabei war es doch gar nicht mal so lang her, oder täuschte die Aurelia sich da? Serrana und Calvena waren mittlerweile verheiratet und hatten Kinder, sie selbst war bereits Witwe und wie war es all den anderen Freundinnen von damals ergangen? Das Phänomen Zeit war schwer zu begreifen, umso greifbarer waren hingegen all die Veränderungen, welche die Zeit bewirkte. Vieles war geschehen, vieles war vergangen, für immer und ewig und zurück blieb einzig die Erinnerung an: gute wie an schlechte Zeiten


    Umso wichtiger erschien es Prisca, angesichts der schweren Zeiten die ihnen bevorstehen mochten, sich der Guten zu erinnern und wie könnte sie da bei ihre Freundinnen vergessen. Wie mag es ihnen gehen? Ihnen und ihren Familien. Ihren Kindern, dieser Tage? Diese und noch viele andere Fragen beschäftigten die Aurelia, die sich hier in Rom noch nie einsamer gefühlt hat nachdem sie hatte feststellen müssen, dass all ihre Verwandten die Hauptstadt verlassen hatten. Ob ihre Freundinnen und deren Familien überhaupt noch hier waren? Sie würde es hoffentlich bald heraus finden, denn sie hatte ihre Sklavin Mara los geschickt um ihre Freundinnen zu diesem Treffen hier in der Taverne einzuladen. Ein Wiedersehen in schlechten Zeiten, um sich vielleicht der guten Zeiten zu erinnern, oder was auch immer sie zu besprechen hätten wenn sie sich endlich wieder sehen würden.


    Diese Taverne schien (Priscas Meinung nach) jedenfalls der beste Ort für das Treffen zu sein, nachdem sie sich weder in der villa Aurelia noch in der villa Flavia sicher fühlte. Hier konnten sie sich unter die Allgemeinheit mischen und könnten sie sich ungestört und unbehelligt unterhalten. … Vorausgesetzt natürlich, ihre Freundinnen würden der Einladung folgen und sich hier in aller Öffentlichkeit mit ihr treffen wollen. Und so wartete Prisca voller Anspannung an einem Tisch in der hinteren Ecke der Gaststube, an dem außer ihr niemand saß, abgesehen von ihren Leibwächtern, die die Plätze frei hielten und ungebetene Gäste sofort abwimmelten, mit denen die Aurelia nichts zu tun haben wollte.

  • Priscas Sklavin war bei den Quintiliern wenig erfolgreich gewesen, aber dafür hatte sie dann Serrana und Calvena bei den Germanicern erreicht. Es hatte keine langen Diskussionen benötigt, schnell waren sich die Freundinnen einig gewesen, dass sie Prisca würden treffen wollen. Die Aurelia hatten sie lange nicht mehr gesehen. Viel zu lange. Es war so viel geschehen! Die Kinder hatten sie in der Obhut der Sklaven gelassen. Simplex und Adula begleiteten die beiden Frauen. Wirklich sicher war es auf den Straßen nicht. Zwar herrschten keine Unruhen mehr, aber es lag eine greifbare Spannung in der Luft. Man erwartete das etwas geschah. Man erwartete einen Machtkampf, einen Bürgerkrieg. Römer gegen Römer. Einige Senatoren hatten man verhaftet, andere waren geflüchtet, andere wiederum schafften ihre Familien fort.


    Unbehelligt gelangten sie zur Taverne. Schweigend waren sie nebeneinander her gegangen. Ein wenig aufgeregt, aber vor allem besorgt. Schließlich wurden vor allem die patrizischen Familien verdächtigt am Mordkomplott gegen den Kaiser beteiligt zu sein. Selbst wenn dem so wäre, konnte Calvena durchaus verstehen warum es so geschehen war. Wäre es in ihrer Macht gewesen, dann hätte sie wohl auch etwas unternommen. Nur hätte sie Salinator umbringen lassen.
    Gemeinsam traten sie ein und entdeckten einsam sitzend an einem Tisch Prisca. Sie ging schnellen Schrittes auf diese zu. „Prisca! Es tut gut dich in diesen Zeiten zu sehen“, begrüßte sie die Aurelia freundlich und auch ein wenig erleichtert. „Es tut mir so leid, dass dein Mann verunglückt ist.“ Calvena schloss Prisca in die Arme.

  • Lange wartete Prisca zwar noch nicht, aber dennoch beschlichen sie bereits leise Zweifel ob ihre Freundinnen der Einladung tatsächlich folgen würden. Von ihrer Sklavin Mara wusste sie zwar wer von ihnen grundsätzlich zu- und wer abgesagt hatte, oder wen sie nicht angetroffen hatte, aber seitdem waren bereits ein paar Tage vergangenen und in dieser Zeit konnte viel passieren. Als die Aurelia jedoch ihre beiden Freundinnen erblickte waren die Zweifel wie weggewischt. "Calvena! Serrana!", rief Prisca freudig aus und kam den Beiden raschen Schrittes entgegen. "Ja die Zeiten sind wahrlich nicht die besten. Umso mehr freu ich mich Euch gesund wieder zu sehen" Mit glänzenden Augen erwiderte Prisca sogleich die folgenden Umarmungen und es tat ihr richtig gut, nach so langer Zeit, wieder die Nähe vertrauter Personen zu spüren. "Ich danke euch für euer Mitgefühl. Ja es war ein schrecklicher Tod und ich habe sehr darunter gelitten. Aber nun habe ich die Trauer um ihn beendet und werde ihn in bester Erinnerung behalten", entgegnete Prisca mit einem leicht gequälten Lächeln welches nicht verhehlen konnte, wie sehr sie ihren Mann geliebt hatte: "Aber lassen wir die Toten in Frieden ruhen und denken wir lieber an die Lebenden", meinte sie dann aufmunternd klingend, während sie Calvena und Serrana sanft mit sich an den Tisch zog: "Kommt setzt euch und erzählt mir wie es euch und euren Familien geht. Was machen eure Kinder. Sind sie schon sehr viel größer geworden, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe? … Und wisst ihr zufällig, ob es Clara, Calliphana, Octavia und den Anderen auch gut geht. Ich bin nämlich erst seit ein paar Tagen zurück in Rom", eröffnete die Aurelia das Gespräch lächelnd und mit einer ganzen Reihe von Fragen, aber es drängte sie einfach zu erfahren ob es Allen gut ging, nachdem sie sich so lange nicht mehr gesehen hatten.


    edit: Freundin übersehen *wie peinlich* ^^

  • Erst seit kurzem verweilte ich wieder in Rom und es schien mir fast so, als ob ich die Stadt für so lange Zeit gar nicht verlassen hätte. Ich fühlte mich sehr wohl in der Casa Sergia und ging fast nie aus, verbrachte aber die meiste Zeit im Garten und las sehr viel. So wie auch heute...


    Langsam wurde es kühl und ich wollte schon den Garten verlassen, als ich Makitros erblickte, der in Begleitung einer Sklavin auf mich zuging... Der nickte und sagte, die Sklavin wollte mich sprechen. Ich sah sie an und die Sklavin berichtete mir, dass ihre Herrin Prisca sie losschickte, um Domina Clara in die Taverna Apicia einzuladen. Ohne viele Fragen zu stellen nickte ich nur und entließ die Sklavin. Danach machte ich mich nach kurzer Vorbereitung sofort auf den Weg. Ich habe Prisca schon lange nicht mehr gesehen, um so mehr freute ich mich auf ihre Einladung!


    Bald erreichte ich auch die Taverna und ging hinein. Sofort erblickte ich meine liebe Freundin und auch Serrana und Calvena waren schon da. Ich eilte zum Tisch und umarmte alle drei, eine nach der anderen...


    "... Seid gegrüßt, meine Lieben, es ist so schön, Euch wieder zu sehen... Wie geht es Euch denn?..."


    Mit einem breitem Grinsen sah ich sie alle abwechselnd an, vor Freude überwältigt!


    "...Und danke Dir, liebe Prisca für die Einladung, ... aber woher wusstest Du, dass ich zurück bin?"

  • Zuerst hatte sich Serrana unsicher, ja beinahe unwohl bei dem Gedanken gefühlt, Prisca nach all der Zeit wieder zu treffen. Eine seltsame Scheu hatte sie angesichts des furchtbaren Unglücks der Freundin erfasst, doch kaum hatte sie diese in der Taberna entdeckt, da fiel sämtliches Zögern und Unbehagen von ihr ab und sie umarmte Prisca so innig wie vermutlich noch niemals zu.
    "Es tut mir so unendlich leid, Prisca. Du musst eine furchtbare Zeit durchgemacht haben." sagte sie leise. "Ich habe deinen Mann ja leider nie persönlich kennengelernt, aber sogar meine Großmutter war sehr von ihm angetan, und die mag sonst fast niemanden." Dankbar für die Ablenkung ließ Serrana sich neben Prisca und Calvena am Tisch nieder, doch bereits bei der nächsten Frage ballte sich ein eisiger kleiner Ball in ihrem Magen zusammen. Am liebsten hätte sie Calvena die Antwort überlassen, aber das wäre feige und darüber hinaus auch sinnlos gewesen, denn an den Tatsachen ließ sich durch totschweigen ohnehin nichts mehr ändern.
    "Nun, Septima geht es gut, aber das weißt du sicher selbst, schließlich bist du ja mit ihrem Mann verwandt. Über die Octavia weiß ich, ehrlich gesagt, nichts, ich glaub ich hab sie seit meinem Geburtstag damals hier in der Taverne nicht mehr gesehen. Und Calliphana...nun....Calliphana ist tot...sie...ähm ist gestorben im...Kindbett." Götter, wie sie dieses Thema hasste....Für Serrana war der ganze Bereich Niederkunft und Kindbett etwas, mit dem sie sich nur befasste, wenn es sich gar nicht anders einrichten ließ. Nach der glücklich überstandenen Geburt ihrer Zwillinge hatte ihre alten Ängste weitgehend zurückgedrängt, doch der unerwartete Tod der Freundin hatte diese wieder hervorgeholt, wenn auch nicht mehr so schlimm wie zu Beginn ihrer ersten Schwangerschaft. Fast automatisch glitt Serranas Hand hinunter zu ihrem bislang noch kaum wahrnehmbaren Babybauch, doch dann betrat mit Duccia Clara plötzlich eine mehr als willkommene Ablenkung den Raum und kam auf ihren Tisch zu. "Clara, wie schön, dass du auch gekommen bist." begrüßte sie die Duccia erfreut, hielt sich dann jedoch erstmal ein wenig im Hintergrund, immerhin hatte sie ja schon die Gelegenheit gehabt, sich mit Clara in aller Ruhe zu unterhalten.

  • Calvena, Serrana waren da und kurz darauf erschien auch Clara! … Es tat so gut, die "alten" Freundinnen nach langer Zeit wieder zu zu treffen. Prisca umarmte jede von ihnen liebevoll, dankte für die Beileidswünsche und zeigte sich schockiert ob der Nachricht von Calliphana´s Tod. "Oh nein, das ist ja schrecklich! Die arme Calliphana. Mögen die Freuden des Elysiums ihr wenigstens das Leid vergelten das ihr widerfahren ist. Und was ist mit dem Kind? Ist es am Leben?" Prisca wusste gar nicht recht wie sie darauf reagieren sollte und so ging es den Anderen wohl auch. Mit diesem Schicksal beschäftigte wohl jede Frau die Kinder haben wollte (oder musste), schließlich gehörte es zu ihren Pflichten ihren Männern möglichst viele Kinder zu schenken. Die Aurelia spürte die leicht bedrückte Stimmung und so gab sie dem Wirt schnell mit einem Wink zu verstehen, dass er Wein, Wasser und einen bunt gemischten Imbiss aus Obst, Wurst und Käse auftischen sollte. "Ich freue mich jedenfalls euch gesund wieder zu sehen und, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid. Verzeiht mir das bescheidene Mahl, das ich euch heute lediglich anbieten kann, aber bitte bedient euch! ... Ich hatte im übrigen keine Ahnung, ob ihr ebenfalls hier in Rom seid da ich selbst erst seit ein paar Tagen zurück aus Antium bin. Das war also reiner Zufall, Clara, dass meine Sklavin dich angetroffen hat", lud Prisca die drei Freundinnen nun zu Tisch ein und mit einem Augenzwinkern, auf Clara auf ihre Frage hin, versuchte sie die Stimmung wieder ein wenig zu heben.



    Leider scheiterte der Versuch kläglich und ihre Miene verfinsterte sich sogleich wieder angesichts des ernsten Hintergrunds des Treffens. Diesbezüglich wollte die Aurelia gleich vorweg, ganz offen und ehrlich zu den Dreien sein: "Was ich noch sagen wollte ... Ihr habt es wahrscheinlich schon längst mit bekommen, dass viele Familien - darunter auch die Aurelier und Flavier - aus Rom geflohen sind und es gibt sogar Gerüchte, wonach einige meiner Angehörigen mit der Ermordung des Kaisers in Verbindung gebracht werden. Ich bin momentan ganz allein hier und früher oder später werden die Prätorianer sicher vor unserer Tür stehen. Deshalb habe ich bewusst diesen Ort hier gewählt um euch nicht in irgend etwas mit hinein zu ziehen." Prisca atmete tief durch und nagte kurz unbewusst an der Unterlippe während sie erwartungsvoll zwischen den drei Freundinnen hin und her sah: "Ihr müsst mir bitte glauben, dass ich absolut keine Ahnung habe was hier vor sich geht und ob an diesen Gerüchten etwas Wahres dran ist. Das versuche ich gerade heraus zu finden und dann, … dann werde ich wahrscheinlich Rom wieder verlassen müssen, da es für mich hier nicht mehr sicher ist. Es tut mir leid, dass ich davon anfange aber ich will euch nichts vormachen, dazu ist mir eure Freundschaft zu wichtig.", erklärte Prisca mit einem wagen Lächeln auf den Lippen, ehe sie nach ihrem Becher mit Wein griff und nervös daran nippte. Einerseits wollte sie die Wiedersehensfreude und die Stimmung nicht noch mehr belasten, doch andererseits brauchte sie Klarheit wie ihre Freundinnen über sie und diese Gerüchte dachten.

  • Es tat gut, Prisca wieder zu sehen. Irgendwie wurden die Treffen mit den lieben Freundinnen immer seltener. Viel zu selten. Das mussten sie ändern. Ein Anfang war ja nun gemacht, denn Prisca hatte sie ja eingeladen. „Es freut mich, dass es dir so gut geht. Ich hab mir Sorgen um dich gemacht. Wir haben uns Sorgen gemacht. Aber du hast recht, wir sollten die Toten ruhen lassen und ihrer Gedenken, indem wir das Leben genießen. Wenn du jedoch darüber reden willst, weißt du dass wir immer ein offenes Ohr haben!“ versicherte Calvena ihr und drückte sie erneut. Sie kam erst gar nicht dazu sich zu setzen, denn die nächste Freundin tauchte auf und musste sofort herzlich begrüßt werden. „Meine Güte, es ist lange her, Clara!“ umarmte sie die Duccia.
    „Meinem Sohn geht es prächtig“, antwortete sie dann auf die Frage Priscas. „Rufus stürmt durch das Haus und keine Vase ist vor ihm sicher“, schmunzelte sie. Ihr Lächeln verschwand, als Serrana vom Tod Calliphanas berichtete. Sie vermissten die Freundin schmerzlich. Die Parzen waren manchmal grausam. Der Wirt brachte ihnen Erfrischungen und Obst. Nun endlich setzte sie sich hin. So konnten sie sich viel besser unterhalten, auch wenn die Stimmung nun gedrückt war.


    Prisca kam dann auch auf das Thema zu sprechen, weshalb sie die Freundinnen eingeladen hatte. Calvenas Miene wurde noch eine Spur ernster. Sie hatte sich so etwas bereits gedacht. Schließlich konnte keine von ihnen die politische Lage ignorieren. Sie alle waren mehr oder weniger von den Umständen betroffen. Jede von ihnen hatte ihre eigenen Sorgen.
    Leicht nickte sie. Sie runzelte die Stirn, auf Priscas Erklärung hin. „Ich denke Salinator hat da seine Finger im Spiel. Ihm kam doch der Tod unseres Kaisers höchst gelegen. Nun kann er in aller Seelenruhe die Macht an sich reißen und die einflussreichsten Familien verdächtigen an dieser Verschwörung beteiligt zu sein“, meinte sie leise. „Ich glaube dir Prisca und ich vertraue auf dein Wort … ich glaube nicht, dass deine Familie damit etwas zu tun hat. Vielmehr müssen wir uns vor Salinator und seinen Plänen hüten … wer weiß was da noch kommt …“

  • Es lag etwas in der Luft und die Stimmung war trotz unseres Wiedersehens bedrückt ... Es musste eine Menge passiert sein, seitdem ich Rom verlassen habe. Denn alles, worüber sich meine Freundinnen unterhielten, war mir neu und, irgendwie beängstigend. Ich wusste nicht einmal, dass Prisca verheiratet war und nun ist sie schon Witwe! Calliphana tot... , die arme ... . Und das Kind? Und die Patrizier sind aus Rom geflohen, was sollte das alles bedeuten? Hatte das etwas mit der Verschwörung zu tun... Eigentlich hatte ich keine Ahnung von nichts, und blieb schweigsam ...


    Und obwohl ich so viele Fragen hätte, ließ ich meine Freundinnen untereinander unterhalten und hörte nun aufmerksam zu. Ich seufzte nur schwer und schüttelte ab und zu meinen Kopf leicht, dabei sah ich die drei bekümmert an...

  • "Ja, das Baby hat überlebt. Ein Junge, soweit ich weiß." Serrana fühlte sich bei diesem Thema zunehmend unwohl und war Prisca dankbar dafür, dass diese nun etwas ganz anderes ansprach, auch wenn der Inhalt kaum erfreulicher war. Da sie bei dieser Schwangerschaft bislang von Übelkeitsattacken verschont geblieben war stattdessen aber häufig unter Heisshunger litt, griff sie erfreut nach den aufgetragenen Speisen und gönnte sich einen großen Schluck Wasser mit sehr wenig Wein darin. "Mach dir keine Gedanken, Prisca, es schmeckt wunderbar." widersprach sie mit einem Lächeln, doch dann wurde ihr Gesicht recht schnell wieder Ernst. Die Aurelii also und die Flavii...Es hatte viele Nachrichten und Gerüchte seit der Ermordung des Kaisers gegeben, Mutmaßungen und Verdächtigungen in die unterschiedlichsten Richtungen, doch war das unterschwellige Gemurmel etwas ganz anderes gewesen als die Gewissheit, dass die Familie einer guten Freundin unmittelbar davon betroffen war. Serrana kannte, von Septimas Mann Ursus einmal abgesehen, keinen der anderen männlichen Aurelii persönlich, wusste aber, dass zwei von ihnen Senatoren und der eine darüber hinaus auch noch Haruspex war. Und auch unter den Flaviern gab es mehrere Senatoren und einen Pontifex, wenn auch der eine Senator immer wieder kränkelte und sich selten in Rom aufhielt. Und all diese ehrenwerten Mitglieder der römischen Gesellschaft sollten Verräter und Kaisermörder sein? Unvorstellbar!


    "Ich glaub das auch keine Minute lang, Prisca, allein der Gedanke ist ja schon absurd." stimmte Serrana Calvena zu und schüttelte vehement den Kopf. "Und was Salinator betrifft...."Serranas Stimme wurde automatisch deutlich leiser und sie beugte sich ein wenig näher zu den anderen Frauen hinüber, um an den Nebentischen nicht mehr hörbar zu sein. "..glaube ich auch, dass wir alle vor ihm auf der Hut sein sollten, er wird sich jetzt gerade die herauspicken, die am angreifbarsten sind." Die ohne Familie zum Beispiel. "Prisca, was hältst du davon, wenn du fürs erste mit zu uns in die Casa Germanica kommst? Dort wärst du sicher aufgehoben und nicht so allein wie in der Villa Flavia. Und wir könnten uns in aller Ruhe überlegen, wie es weitergeht. Platz genug gibt es allemal, Calvena und ihr Sohn leben zur Zeit auch dort, musst du wissen, da werden wir dich bestimmt auch unterbringen."

  • Ein großer Stein fiel Prisca vom Herzen. Zum einen, weil es wenigstens den Kindern gut ging und zum anderen, weil ihre Freundinnen zu ihr hielten und sie ihren Worten glauben schenkten. Wenigstens ein Trost, in dieser turbulenten, ungewissen und schweren Zeit die vor ihnen allen lag."Ich danke euch und vor allem dir, Serrana, für dein überaus freundliches Angebot. Es ehrt dich und ich weiß das wirklich sehr zu schätzen!", bedankte sich Prisca mit einem offenen und ehrlichem Lächeln, ehe sie wieder ernster wurde und ebenfalls die Stimme senkte, als sie unweigerlich auf diesen Vesculairer zu sprechen kamen.


    "Ich denke auch, dass wir uns vor diesem Kerl und seinen Plänen hüten sollten", bestätigte Prisca die Worte von Calvena, " Auch wenn er mit dem Tod des Kaisers nichts zu tun haben sollte, so ist und bleibt er einfach unberechenbar und zweifellos wird er von dieser Verschwörungsgeschichte profitieren und seine Macht noch weiter ausbauen. Wahrscheinlich wird er sich sogar zum neuen Kaiser ausrufen lassen, nachdem nun die kaiserliche Familie tot ist und die meisten Senatoren aus Rom geflohen sind. Wer sollte ihn auch daran hindern wollen? ... Ach, hätten wir doch damals nur unseren Plan in die Tat umgesetzt, wer weiß, was dann heute wäre ... ", meinte die Aurelia resigniert klingend und unbeabsichtigt rutschte ihr eine Andeutung bezüglich des Planes heraus, den sie und Calvena ursprünglich einmal gesponnen hatten.


    Wobei 'Plan' und 'Vorhaben' eher übertriebene Bezeichnungen sind für die etwas blauäugige Annahme, dem Vescularier eine Konkubine ins Bett zu legen um ihn von dieser ausspionieren zu lassen. Als Prisca merkte worauf sie da gerade angespielt hatte, biss sie sich schnell auf die Zunge und warf einen entschuldigenden Blick in die Runde. Vor allem zu Clara, die ja von dieser Geschichte rein gar nichts wusste.


    "Ehm, was ich eigentlich gerade sagen wollte …", versuchte die Aurelia nun schnell wieder von dem eben Gesagten abzulenken: " Ich denke, dass wir Aurelii und die Flavii , nicht zuletzt wegen unseres Namens, in nächster Zeit einen besonders schweren Stand in Rom haben werden, so lange Salinator hier das Sagen hat. Von daher muss ich dein lieb gemeintes Angebot leider ablehnen, Serrana, so sehr es mich auch gefreut hätte ganz in eurer Nähe zu sein. Aber ich möchte nicht riskieren, dass deine Familie am Ende wegen mir in Schwierigkeiten kommt. Außerdem habe ich vor kurzem erst Nachricht von meinem Cousin Ursus erhalten. Wie ihr vielleicht wisst, leistet er gerade sein Tribunat in Mantua und er rät mir, umgehend die Stadt zu verlassen. Ich werde seinen Rat wohl befolgen werde ich Rom sehr wahrscheinlich bald wieder verlassen müsen und das war auch mit ein Grund weshalb ich euch heute hierher eingeladen habe, nämlich … um mich von euch zu verabschieden", eröffnete Prisca ihren Freundinnen was sie vor hatte und ihre Augen glänzten verräterisch dabei, da sie Calvena, Serrana und Clara schon jetzt sehr vermisste.



    occ: edit - Zeitschiene etwas verschoben, damit es besser ins weitere Geschehen passt.

  • Zustimmend nickte Calvena und untermalte Serranas Angebot. „In der Casa Germanica ist auch noch genügend Platz für dich.“ Sie würde sich freuen ihre Freundin bei sich zu haben. Diese unruhigen Zeiten ließen sich besser überstehen, wenn man die besten Freundinnen nah bei sich wusste. Es würde sie auch ein wenig von ihren eigenen Sorgen ablenken. Der ständigen Angst um ihren Mann, den sie derzeit nur wenig zu Gesicht bekam. Trotz der drohenden Gefahr, hatte sie aber nicht vor Rom zu verlassen. Sie würde bleiben.


    Sie waren alle der Meinung, dass Salinator gefährlich war. Sie hatten es bereits geahnt. Hätten sie doch nur etwas unternommen, als es ihnen noch möglich war. Die Zukunft sah wahrlich düster aus. Besonders als Prisca dann das Angebot ausschlug und verkündete, sie würde Rom verlassen. Das war zu erwarten gewesen. Prisca war hier in Rom nicht sicher, auch wenn sie Zuflucht bei den Germanici suchte. „Prisca, ich denke ich spreche für uns alle, wenn ich sage, das wir dich vermissen werden. Sei dir aber sicher, dass wir nicht glauben, was Salinator verkündet. Du wirst für uns immer eine Freundin sein und deiner Gens werden unfassbare Taten unterstellt. Solltest du jemals unsere Hilfe benötigen, so kannst du dich an uns wenden. Niemals wird Salinator von uns etwas erfahren“, sie griff nach der Hand der Aurelia und drückte sie leicht.
    Calvena würde Prisca vermissen, auch wenn es so wohl besser war. „Schreib uns, wenn du es für sicher hältst!“ bat sie diese dann noch.

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