[Officium] Marcus Iulius Dives

  • "Ein Brief ohne Absender?", fragte der wieder einmal hinter seinem Schreibtisch sitzende Iulier irritiert. "In der Tat, Dominus.", bestätigte daraufhin sein Sekretär mit einem entschuldigenden Schulterzucken. Mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis lehnte sich der Senator nach vorn, stützte sich mit seinen Unterarmen auf dem Schreibtisch ab und bedeutete seinem Bediensteten sodann, mit dem Lesen zu beginnen.


    "Deinen Brief habe ich erhalten. Aber leider ist die Zeit eines Tiros knapp bemessen, sodass ich jetzt erst dazu komme, dir zu antworten." Dives überlegte, ob es sich womöglich um ein Schreiben des Decimus Scipio handelte. Jener hatte schließlich davon gesprochen, dass der Consular Purgitius Macer sein Mentor war und im Umkehrschluss folglich er dessen Tiro fori sein musste. Einen Brief hatte der Iulier diesem Mann auch in der jüngsten Vergangenheit geschrieben, wenngleich es durchaus seltsam anmutete, sollte er sich nach dem persönlichen Gespräch in der Exedra Aedilium nun noch einmal auf das Einladungsschreiben dorthin beziehen.
    "Sicher, der bescheidene Lebenslauf meines Vaters hat mich dazu gezwungen, meine Karriere als einfacher Tiro zu beginnen. Aber da wusste ich auch noch nicht, dass es Verwandte gibt, die einen hohen Posten bekleiden. Natürlich wäre ich froh, auf meinem Weg zum Ritter Unterstützung zu erfahren. Aber den Großteil dieses Weges muss ich alleine gehen.", las der Sekretär weiter, während Dives zu dem sicheren Schluss gelangte, dass dieser Brief nicht aus der Feder des Decimus Scipio stammte. Mit einem Großvater, der Senator war und einen Triumph gefeiert hatte, würde der Decimer schließlich gewiss mehr anstreben als nur den Ritterstand.


    "Ein Wunder, dass mein Brief dich erreicht hat. Aus Erzählungen von meinem Großvater habe ich über deine Existenz erfahren und mich später daran erinnert. Trotzdem war es ein Blindflug. Aber gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin." Mit großen Augen starrte Dives ein Loch den Bauch seines Sekretärs. Denn welcher Großvater erzählte seinen Enkeln vom divitischen Senator? Sicher, gerade die neuerliche Öffnung der curulischen Aedilität auch für Plebeier mochte womöglich ei wenig Aufmerksamkeit auf den Iulier gelenkt haben. Doch die seither vergangene Zeit reichte wohl kaum aus, dass man diese Geschichte nurmehr durch den eigenen Großvater erfahren konnte. Oder war Dives tatsächlich schon so alt geworden? ...und womöglich gar zu alt? Kurz schweiften seine Gedanken ab zu einem überaus anziehenden jungen Duccier, der sich seinen Namen Callistus ohne Zweifel redlich verdient hatte.
    "... Leider muss ich wieder an die Arbeit gehen.", verpasste der Senator in der Folge einige Sätze des Briefes. "Ach ja, ich diene in der Cohors II, Centuria IV. Nicht dass der arme Praefectus sich noch eine Blase läuft." Da ging dem Iulier nun endlich ein Licht auf. "Iulius Babilus!", erinnerte er sich. "Mögen die Götter diesen Brief nach Rom kommen lassen und sie eine schützende Hand über dich halten. Vale.", beendete der Sekretär die Lesung. Der Aedil nickte. "Notiere den Namen auf dem Brief, damit ich ihn auch später noch weiß. Und dann leg ihn auf den Stapel der Schreiben, die ich diese Woche noch beantworten sollte.", bat der Iulier und bekam sodann ein bestätigendes Nicken seines Bediensteten zur Antwort.

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  • "Der nächste Brief trägt die Unterschrift einer Servilia Gemina.", kündigte der Sekretär anschließend an. "Aus Misenum?", erkundigte sich Dives nach kurzem Überlegen. "Aus Roma, steht hier. Abgeschickt am sechsten Tag vor den Nonen des October.", beantwortete der Unfreie. "Hm. Okay. Dann lies.", fiel dem Iulier in der Folge kaum mehr dazu ein.


    "... Der Kandidat aus dem Hause der Bavier, welcher meine geliebte Tochter Iulia Phoebe - du kennst sie vielleicht noch von damals, als sie ein Neugeborenes war - heiraten sollte, ist vor kurzem tödlich verunglückt.", las der Sklave, als der Senator hörbar aufstöhnte. "Das ist _doch_ die Servilia aus Misenum.", erklärte er dann. "Die gute Dame war nämlich bereits in ihren letzten Briefen stets davon überzeugt, ich müsste ihre Tochter kennen - obgleich ich meine eigene Kindheit und Jugend doch im fernen Asia und Achaia, nicht hier in Italia verlebte.", kritisierte Dives die Frau für ihr offenbar stures Festhalten an dieser offenkundig fehlerhaften Erzählung.
    "... Damit ist er schon der vierte Freier um Iulia - sie mag es ja nicht, wenn man sie bei ihrem Cognomen anspricht - der auf diese Weise in die Unterwelt hinabgestiegen ist.", kam der Sekretär nur unwesentlich weiter, bevor der Aedil ihn neuerlich unterbrach. "Da lügt sie sich wieder einmal nur selbst in die Tasche, sage ich dir. Denn dass sie nicht einmal ihre eigene _Tochter_ beim Cognomen nennen kann, sondern nur steif als 'Iulia' von ihr schreibt, liegt gewiss einzig an ihrer eigenen Abneigung gegen das iulische Geschlecht und nicht an der jungen Iulia.", welche der Senator seinerseits nur beim Gentilnomen nannte, da er sie bisherig nicht persönlich kannte - eine Entschuldigung, welche er für die Servilierin als Mutter selbstredend mitnichten gelten lassen würde.


    "... Mein Mann, Kaeso Iulius, der Tartarus mögen ihm ewige Qualen bereiten" - "Ach, diese Frau.", ärgerte sich der Iulier grimmig. "hatte im Zuge einer weiteren seiner wirren Ideen, in seinem letzten Testament verfügt, dass Iulia nicht unter die Patria Potestas ihres nächsten männlichen Verwandten fallen würde, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach seinem Tode einen ihrer Freier heiraten würde.", bemühte sich der Sekretär, die divitischen Unterbrechungen nach Kräften zu ignorieren. "Das muss sie gewiss missverstanden haben.", kommentierte der Iulier einmal mehr mit einem Einwurf. "Vermutlich verwechselt sie da die Patria Potestas mit der Tutela Mulierum. Aber fahr fort.", bat er.
    "... Jedenfalls hatte Kaeso Iulius dies als seinen letzten Willen aufgesetzt. Er musste somit erfüllt werden. Ich schwöre vor den Göttern, wir haben alles in unserer Macht stehende versucht, doch niemals kam es zum ersehnten Hochzeitsfest. Die Frist ist verstrichen und damit der Wille meines weichlichen, toten Mannes erfüllt. Iulia befindet sich nun unter deiner Patria Potestas, als ihrem nächsten männlichen Verwandten." Mit großen Augen saß der Iulier hinter seinem Schreibtisch. Dann schüttelte er kurz seinen Kopf. "Notiere dir, dass ich dieses Testament unbedingt sehen muss, bevor ich mich auf das Wort dieser Frau verlasse, die gewiss nicht ganz unschuldig ist an dem frühen Ableben meines Verwandten Iuvenalis.", unterstellte Dives - der wohl selbst in einer vergleichbaren Ehe steckte und darob das größte Verständnis für den verblichenen Iulius Iuvenalis hatte - der Servilia.


    "Außerdem hat Marcus Iulius Proximus, der Besitzer der iulischen Villa in Misenum, seine Drohung wahr gemacht und uns die Tür gewiesen." Dives, der vor seinem Sklaven kein Geheimnis daraus machte, dass er keine allzu hohe Meinung von der Absenderin dieses Briefes hatte, konnte sich eines Kopfschüttelns nicht erwehren. "Und aus welchem Grund überrascht sie das?" So sie auch in Gegenwart seines Onkels Proximus derart abfällig über die Iulier und ein Mitglied der ihren gesprochen hatte, war diese Reaktion Proximus wohl nur eine Frage der Zeit gewesen.
    "... Ich bitte dich, Marcus Iulius, gewähre uns in deinem Domus zu wohnen.", hallte der Satz der Sätze dieses Schreibens dem fernen Donnergrollen eines langsam nahenden Unwetters mehrfach im Kopf des Senators nach, sodass er in der Folge den Rest des Briefes nur mit einem Ohr noch mitbekam. "Ihr Götter steht mir bei.", entwich es letztlich seinen entgeisterten Gesichtszügen. "Leg den Brief auf den gleichen Stapel wie jenen des Iulius Babilus und lass uns die restlichen Briefe morgen vornehmen.", bat er anschließend. "Diesen servilischen Schock muss ich erst einmal verarbeiten..."

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  • Macer hatte also Glück gehabt und Iulius Dives war tatsächlich anwesend. Das war keineswegs selbstverständlich, immerhin bekleidete er anders als Macer gerade ein öffentliches Amt, sogar eines im Cursus Honorum. Dementsprechend hatte Macer auch nicht vor, den Kollegen allzu lange aufzuhalten, aber andererseits wäre es ihm auch sehr unhöflich erschienen, nur eine schriftliche Notiz abzugeben, wenn man genauso gut miteinander sprechen konnte. "Salve, Iulius", grüßte er also beim Betreten des Officiums, nachdem der Ianitor ihn vorgelassen hatte. "Ich hoffe, ich störe nicht bei wichtigen Angelegenheiten."

  • Der divitische Aedilis Plebis saß gerade vor einer tabula rasa, einer leeren Wachstafel, welche er in der Ruhe und Stille seines Officium mit einer Nachricht an die Gattin seines befreundeten Mitsenators und Dominus Factionis Germanicus Sedulus zu füllen gedachte. Denn das im ersten Augenblick bereits als gelöst erhoffte Dilemma erforderte offenkundig doch weitere Schritte. Leider. Dabei konnte der Iulier nun natürlich einerseits eine Strafe verhängen, die im Zweifelsfall ebenso wenig beglichen wurde, wie die Strafe, die einer seiner Amtsvorgänger gegen die Iunia ausgesprochen hatte. Dies würde das Problem als solches folglich kaum lösen. Oder Dives marschierte zur Durchsetzung von Recht und Ordnung mit einer Delegation der Cohortes Urbanae vor der Casa Germanica auf, was allerdings ebenso wenig eine Lösung darstellen konnte, da auf diesem Weg sowohl die bereits belastete Freundschaft zu Sedulus als auch der eigene Ruf des Iuliers Schaden nehmen würden.


    Womöglich also musste Dives einmal mehr einen neuen, alternativen Weg einschlagen, um diesen Fall von seinem Schreibtisch zu bekommen. Dazu wiederum müsste es ihm gelingen, das vorhandene Problem zu lösen, ohne zeitgleich dafür zu sorgen, dass neue Probleme Möglichkeit bekamen, überhaupt erst zu entstehen. Das bedeutete, dass er den Fernhandel der Iunia im Zweifel beschlagnahmen lassen musste, um den Kern des Problems zu beseitigen, wie er gleichzeitig jedoch keine Strafzahlungen verhängen konnte, um nicht durch die Möglichkeit, dass man dieser Zahlungen säumig blieb, nur den Grundstein für ein weiteres Verschleppen dieses Falls zu legen.
    Die spannende und gewiss nicht ganz leicht zu beantwortende Frage lautete nur, inwiefern sich ein derartiges Vorgehen auch gesetzlich begründen lassen würde. Mitunter konnte Dives die erste Anordnung eines Aedilen gegen die Iunia als ersten, seine eigene Anordnung als zweiten Verstoß zählen, um nun in einer dritten Anordnung - weiterhin ohne Verhängen einer Strafzahlung, da einerseits niemand in dem Betrieb produzierte und sich der Aedil andererseits als Freund betrachtete - die Beschlagnahmung des Fernhandels für einen Tag X anzudrohen. Reagierte sie auch darauf nicht, ließe sich möglicherweise unter Berufung auf den Paragraphen 8 Absatz 2 am Tag X der Lex Mercatus der Fernhandel zwangsweise staatlich einziehen...


    Konnte das funktionieren? Der amtierende Magistrat würde wohl noch einmal eingehend darüber nachdenken müssen - nachdem er den spontanen Besuch empfangen hatte.
    "Salve, Consular Purgitius.", erhob sich der Iulier von seinem Platz, um den Gast angemessen und mit einem erfreuten Lächeln zu begrüßen. "Für dich nehme ich mir gerne die Zeit.", umging er anschließend die indirekte Frage danach, ob der Purgitier ihn hier gerade störte. "Bitte, setz dich.", lud er stattdessen seinen Gegenüber ein. "Kann ich dir eine kleine Erfrischung anbieten?", erkundigte er sich weiter, während er sich auch selbst wieder setzte.
    "Wie geht es deiner kleinen Familia? Du hast eine Tochter, nicht wahr?", begann Dives im Anschluss das eigentliche Gespräch zunächst nur mit etwas Small-Talk. Denn er ging wohl davon aus, dass der Consular auch ohne eine direkte Nachfrage früher oder später darauf zu sprechen kommen würde, welches konkrete Anliegen ihn hierher führte.

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  • "Danke", nahm Macer das Angebot zum Sitzen ein, um gleich darauf die angebotene Erfrischung abzulehnen. "Nein, nur keine Umstände. Ich bin nur zu einem kurzen Abstecher von zu Hause her auf dem Weg zu den Thermen hier vorbeigekommen", betonte er noch einmal, den Kollegen nicht lange belästigen zu wollen, auch wenn dieser offenbar wirklich ein wenig Zeit zum Plaudern hatte. "Ja, eine Tochter. Uns geht es prima. Sie ist meistens brav und meistens fleißig. Ich kann mich nicht beklagen", gab er dann kurze Statusmeldung zu seiner Familie. "Vielleicht sollte ich sie zu deinem Wagenrennen mitnehmen, dann kannst du sie kennenlernen", lenkte er dann das Gespräch auf das Thema seines Besuchs.

  • Sim-Off:

    Btw: Setzdaten für die Finals sammle ich erst nach den Vorläufen nochmal ein. Um die brauchst du dir also noch keine Gedanken machen. ;)


    "Das freut mich.", kommentierte Dives die Aussage über die meist fleißige, meist brave Purgitia, bevor ihr Vater den Fokus in Richtung der nahenden Spiele lenkte. "Selbstredend wäre es mir eine Freude, deine Tochter bei dieser Gelegenheit einmal kennenzulernen.", äußerte er sich zunächst. "Ich nehme also an - wie ich es gewiss auch nicht anders vermutete -, dass die Factio Russata bei den Wagenrennen der kommenden Ludi Plebei ebenfalls mit an den Start gehen wird? Mit wie vielen roten Aurigae kann man denn rechnen?", erkundigte er sich interessiert, während er selbstredend auf die Maximalzahl von drei Teilnehmern hoffte. Nicht zuletzt sollte es sich schließlich auch lohnen, dass neben dem für die Ludi Plebei traditionell genutzten Circus Flaminius für zwei der vier Rennen auch der imposantere Circus Maximus genutzt werden sollte.

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  • "So ist es", bestätigte Macer die Vermutung bezüglich der Teilnahme der Factio Russata. "Die Russata wird selbstverständlich teilnehmen und mein kurzer Besuch hier dient vor allem dem Zweck, genau dies mitzuteilen und mich auf diesem Wege auch noch ganz herzlich für die Einladung zu bedanken! Wir möchten natürlich alle drei uns zur Verfügung gestellten Startplätze nutzen und drei Fahrer melden", nannte er dann auch die Zahl der Starter, von der Macer annahm, dass sie Iulius Dives nicht überraschen würde. Die wenigsten Factiones würden wohl weniger Starter ins Rennen schicken, als ihnen zustanden, nahm Macer an.

  • "Das freut mich überaus.", überging der divitische Senator den Dank für die Einladung, da er es letztlich für eine Selbstverständlichkeit hielt, nicht nur als Aedil alle Factiones zu den Ludi Plebei einzuladen, sondern darüber hinaus auch als Vicarius der Factio Veneta gerade der in Fanfreundschaft verbundenen Russata eine Invitation nicht vorzuenthalten. "Denn leider sieht es wohl so aus, als würden die Factiones Aurata, Albata und Purpurea in diesem Jahr bedauerlicherweise nicht an den Ludi Plebei teilnehmen." Dives machte eine etwas unglückliche Miene. "Ich werde daher vermutlich auch noch einigen freien Aurigae die Möglichkeit geben müssen, ihr Können zu beweisen und sich bei den Ludi Plebei zu präsentieren." Ein Wagenrennen im großen Circus Maximus, bei dem letztlich nur drei Wagenlenker an den Start gingen, wollte in Roma schließlich gewiss niemand sehen...

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  • Bei der Aufzählung der Factiones, die keine Teilnahme zugesagt hatten, machte Macer einen wahrlich betroffenen Gesichtsausdruck. "Gleich drei Factiones haben abgesagt?" fragte er enttäuscht zurück. "Das ist aber wirklich bedauerlich!" Einen Moment überlegte er, was er sonst noch dazu sagen sollte, aber eigentlich gab es da nicht viel zu sagen. "Gab es Gründe? Grassiert eine Krankheit unter den Pferden? Gibt es weitere Rennen, an denen sie stattdessen teilnehmen?" fragte er dann aber dennoch.

  • "Nun, mir ist leider nichts Näheres über die Gründe bekannt.", beantwortete Dives die Frage des Purgitiers. "Stattdessen kann ich in der Tat nur selbst spekulieren, was hinter dieser vergleichsweise geringen Resonanz auf immerhin nicht irgendein Wagenrennen sondern ein Wagenrennen im Rahmen der Ludi Plebei stecken mag.", zeigte sich der Iulier ein wenig ratlos. "Denn gerade mit dem Vicarius der Aurata, Decimus Scipio, hatte ich vor einiger Zeit auch noch gesprochen. Er schien sich sehr auf die Spiele zu freuen, unterbreitete mir sogar die Idee von zusätzlichen athletischen Wettkämpfen und ich sagte ihm daraufhin zu, diese als Aedil vollumfänglich zu finanzieren.", erklärte er und überlegte, ob der Decimer bei der Vorbereitung der athletischen Wettkämpfe womöglich die Wagenrennen völlig vergessen hatte. Andererseits natürlich hatte auch der decimische Dominus Factionis keine Antwort geschickt...


    "Der Decimus ist dein Tiro fori, wie er erzählte, richtig?", kam dem Iulier dabei in den Sinn. "Wird er bei den nächsten Wahlen die Bekleidung des Vigintivirats anstreben?", erkundigte er sich dann aus purer Neugier.

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  • Macer konnte nur bestätigend nicken, als die Sprache auf Decimus Scipio kam. "Ja, in der Tat ist er mein Tiro Fori und wir sprachen auch schon über Wagenrennen. Mehr noch, wie haben sogar gemeinsame Trainingsrennen organisiert. Er hat mir gegenüber mit keiner Silbe erwähnt, dass die Factio Aurata nicht gedenkt, an den Ludi Plebi teilzunehmen", äußerte Macer auch in diesem Punkt große Enttäuschung. Freilich hatte er seinen Tiro auch nicht auf die Ludi angesprochen und explizit nachgefragt, aber daran sollte eine Teilnahme der Factio Aurata nun einmal wirklich nicht gescheitert sein.


    "Nein, zu den kommenden Wahlen tritt er noch nicht an", griff er dann den kleinen Themenschwenk auf. "Er hat das Thema nicht von sich aus aufgebracht und da er nun auch noch nicht so lange mein Tiro ist, wollte ich ihn auch nicht voreilig in die Kandidatenrolle drängen. Er sprach neulich bei einer Salutatio mal etwas länger mit dem jungen flavischen Viginitivir und hat sich da vielleicht noch einige Informationen geholt, die ihn bei seiner Entscheidung beeinflusst haben. Ich denke, im nächsten Jahr ist er dann soweit, dass er antreten wird", führte Macer dann im leichten Plauderton aus, so wie man sich eben unter Senatoren über seine Tirones unterhielt.

  • Servilia Gemina eilte zur Tür des Iulius Dives und schleifte ihre Tochter hinter ihr her. Bitte Mama, bitte blamier uns nicht, dachte sich Iulia immer unterwegs. Endlich kamen sie vor Dives' Officium. Servilia schritt heran und klopfte laut und pochend. "Oooh Marcus Iulius! Hallo, hallo! Wir sinds, die Verwandten aus Misenum! Marcus Iulius, hast du Zeit?! Juhu!"


    Iulia Phoebes Gesicht war zur Maske erstarrt. Fehlanzeige.. Mutter würde sie blamieren. Zum Glück war Iulia wohlerzogen genug, um die ihr angemessene Haltung zu bewahren.

  • | Antinoos


    Eine absolute Totenstille dröhnte aus dem divitischen Officium. Würde die Iulia dennoch einen Blick hinein wagen, würde sie erkennen, dass auch gar niemand dort war, der ihr hätte Antwort geben können. Denn der iulische Senator war nicht da.


    Nach einer sicherlich als halbe Ewigkeit empfundenen Zeit kam jedoch zufällig Antinoos am Officium seines Herrn vorbei. Eigentlich im Vorübergehen begriffen, hielt er kurzentschlossen bei der jungen Dame.
    "Salve.", grüßte er freundlich distanziert und senkte leicht den Kopf, bevor er der hübschen Frau in ihre braunen Augen schaute. "Willst du zu Iulius Dives... Maior?", erkundigte er sich und schob das letzte Wort mit kleinem Abstand ein wenig verlegen nach, um den Senator eindeutig von dessen gleichnamigem Stammhalter zu unterscheiden. "Ich habe ihn gerade in der Bibliotheca sitzen sehen...", deutete er anschließend mit seiner linken Hand in Richtung der entsprechenden Räumlichkeit und wusste nicht, dass Wonga der jungen Dame an der Porta noch etwas anderes erzählt hatte.




    CUSTOS CORPORIS - MARCUS IULIUS DIVES
    CURSOR - MARCUS IULIUS DIVES

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  • "Und das hat der Orator Publicus gesagt?", zeigte sich Dives nach einem Bericht über die jüngsten Reden auf dem Forum Romanum äußerst überrascht - und auch durchaus ein wenig irritiert. "Nun, ich für meinen Teil vermag mir hinsichtlich der im ersten Part erwähnten Senatsdebatten keinerlei Vorwürfe machen zu können. Denn ich weilte nicht in Roma, als der Claudier zum Consul kandidierte und gewählt wurde. Ich weilte nicht in Roma, als er zur Lage des Staates sprach. Ich weilte nicht in Roma, als er mich in seine Kommission berief. Und ich weilte auch nicht in Roma, als er einen ersten Zwischenbericht dazu vorlegte.", reagierte der Iulier recht gelassen. Es wäre lächerlich, würde er, der er abwesend war, sich von einem dieser Vorwürfe tatsächlich angegriffen fühlen, wie es mindestens ebenso an Lächerlichkeit grenzen würde, wollte man hier tatsächlich irgendeinen Vorwurf gegen ihn konstruieren.


    "Darüber hinaus brauchst du dir auch hinsichtlich meiner Beteiligung an der Debatte zu einem Gesetz über Wagenrennen keine Sorgen machen, wie mir zudem auch meine Mitarbeit an der Reform des Senators Aurelius Lupus absolut unproblematisch erscheint.", beruhigte Dives seinen aufgeregten Informanten. "Frage dich, wie lange ich an jeder einzelnen meiner diversen Initiativen gearbeitet habe. Frage dich, wie viele meiner Vorhaben noch immer in meiner Schublade ruhen, weil ich noch nicht zufrieden mit ihnen bin und sie noch nicht als reif genug erachte, sie dem Senat zu präsentieren.", sprach der Iulier ruhig. "Wie lange der claudische Consul an seiner Initiative zu Wagenrennen gearbeitet hat, weißt du womöglich nicht. Aber in der Sitzung des Senats hat er es durchaus erwähnt.", war er wenig überrascht gewesen, dass ein binnen einer einzigen Nacht erstellter Gesetzentwurf schlussendlich vor allem kritische Stimmen auf den Plan gerufen hatte. "Dass der Senator Aurelius, der im Gegensatz dazu seinen Antrag äußerst akribisch von langer Hand vorbereitet, indem er beispielsweise auch um meine geringe Meinung bat, nun ausgerechnet dafür - für die akribische Vorbereitung seines Antrags - kritisiert wird, halte ich für absurd.", vermochte er lediglich hilflos mit den Schultern zu zucken, da ihm kein anderes Wort dafür in den Sinn kommen wollte.


    "Ich fühle mich beinahe ein wenig erinnert an die 'Umtriebigkeit', welche mir die Acta Diurna einst nach meinem Vigintivirat unterstellte - allein dafür, dass ich engagiert meine Amtspflichten wahrnahm.", schüttelte er den Kopf. "Gleichzeitig schrieben sie, dass ich damals nichts Besonderes geleistet hätte, - und mussten erst in einem Leserbrief meines Mitklienten Duccius Vala daran erinnert werden, dass nicht jeder Vigintivir im Rahmen seines Amtes bereits als Kläger vor Gericht steht.", dachte er zurück an die damalige Zeit und hielt es für keineswegs ausgeschlossen, dass der Aurelier bald ähnliches erfahren könnte. Seinen Einsatz legte man ihm dann als Umtriebigkeit aus, während man in seiner Reform der Lex Mercatus - so sie letztlich erfolgreich durch den Senat käme - keine besondere Leistung sähe, obgleich eine so tiefgreifende Reform des Gesetzes, auf dessen Grundlage am wohl häufigsten geklagt wurde, gewiss als andere als gewöhnlich war.


    "Viel spannender und von zudem ungleich größerer Bedeutung wird etwas gänzlich anderes sein als die etwas hölzern erscheinenden Vorwürfe dieser Rede.", hob der Politiker in Dives mahnend den rechten Zeigefinger. "Denn das besondere an dieser Rede ist die Verknüpfung von Lob für den claudischen Consul mit den Schmähungen sowohl des Senators Aurelius als auch des Duccius Callistus. Hier wird es überaus spannend sein, zu beobachten, wie sich jeder einzelne Akteur, insbesondere jedoch der Consul dazu positioniert.", erklärte der Iulier. "Distanziert sich der Consul von dieser ihn preisenden Rede, verliert selbige zweifellos ihre Bedeutung. Vermeidet er es jedoch, sich öffentlich davon zu distanzieren, entsteht der Eindruck, dass er ihrem Inhalt zustimmt. Es wäre in der Folge ein Konflikt mit dem Senator Aurelius ebenso vorprogrammiert wie ein Konflikt mit dem Senator Flavius Scato, dessen Klient Duccius Callistus ist.", führte Dives aus. "Je nachdem, welche Verbindung der Flavier dann den größeren Stellenwert für sie hat - die Ehe mit einer Claudia oder das Patronat über den geschmähten Duccius Callistus -, besteht die Gefahr, dass schlussendlich die Claudier oder die Aurelier innerhalb der patrizischen Senatoren isoliert werden. Die dann gespaltenen Patrizier im Senat verlören in der Folge - sämtlichst - an Einfluss, da sie einzeln stärker als gemeinsam darauf angewiesen wären, für ihre Vorhaben und Initiativen bei ihren plebeischen Mitsenatoren zu werben.", dachte der plebeische Senator Iulius Dives laut, bevor er sich fragte, wie weitsichtig und wie eitel patrizische Senatoren wohl für gewöhnlich waren.

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  • Sim-Off:

    In Anbetracht dessen, dass ich zu langsam war, im SimOff-Thread zu antworten, bevor dieser geschlossen wurde, dann SimOn etwas geschrieben habe
    und das nach der neuerlichen Öffnung des Threads jetzt nicht wieder wegwerfen will, um stattdessen doch noch SimOff zu schreiben... ^^


    "Hast du die Wachstafel weggelegt?", erkundigte sich Dives, nachdem er in der Domus Iulia angekommen war, sich seiner Toga entledigt hatte und so, entspannt in seiner Tunica, mit einem Glasbecher frisch gepressten Orangennektar hinter seinem Schreibtisch saß und seine Gedanken ein wenig schweifen ließ. "Selbstverständlich.", antwortete Saras leicht zögerlich. "Was ist?!", wollte der Iulier folglich wissen. Hatte sein neuer Sklave sich abermals einen Fehler geleistet und die Tafel dabei irgendwie unbrauchbar gemacht, indem er ihren Inhalt gelöscht hatte?! "Nichts, Dominus...", behauptete der Iberer zunächst, "...ich frage mich nur, diese Kriminelle vorhin, der Soldat verhaftete sie wegen 'unlauteren Werbens und Belästigung', wenn ich mich nicht irre, oder?", nährte sich der Privatsekretär langsam dem Thema an. "Das... kann sein.", musste Dives eingestehen, dass er sich an den genauen Wortlaut in diesem Augenblick beim besten Willen nicht mehr so exakt erinnern konnte. "Wieso?", lenkte er darob die Aufmerksamkeit zurück auf seinen Sklaven. Der zögerte neuerlich. "Nun, ich fragte mich nur. Ich habe zuvor noch nie etwas von diesen beiden Dingen gehört - nicht im Zusammenhang mit einer Straftat. Ich frag mich also, gibt es hier in Roma besondere Gesetze, welche ich kennen sollte?", erkundigte er sich. Der Senator stellte sein nurmehr halbvolles Glas auf den Schreibtisch und sah nachdenklich zu seinem Untergebenen. "Denn falls nicht, so frage ich mich, warum man diese Kriminelle nicht einfach aufgrund ihrer echten Verbrechen verhaftet und mitgenommen hat.", ergänzte der Iberer dann. Dives seufzte. "Nun, gut.", entschied er.


    "Zunächst einmal solltest du wissen, dass es hier in Roma sowie in einem Umkreis von 100 Meilen um die Stadt für die Cohortes Urbanae ein permanentes Kriegsrecht gibt. Dieses bezieht sich zwar im engeren Sinne nur auf 'bewaffnete Feinde des Imperiums und deren aktive Helfer', doch im Zweifelsfall reicht es aus, dass die beiden verhaftenden Soldaten angeben, jemand wäre bewaffnet gewesen und sie hätten ihm die Waffen abgenommen - und schon bist du selbst in der Situation nachweisen zu müssen, dass dem nicht so war.", führte der Senator mit ernster Miene aus. "Deshalb lautet die Kurzantwort auf die Frage, was man in einer solchen Situation tut, im Allgemeinen wie folgt: Man sucht seinen Patron auf und bittet ihn um Hilfe.", unterstrich Dives mit einer Zäsur. Denn genau dafür gab es das römische Patronat: Eine Person verpflichtete sich der anderen zur Treue, und diese wiederum schützte seinen Klienten - vor finanziellen, iuristischen und ähnlichen Sorgen.


    "Denn ob mit oder ohne Patron, ein ziviles Vorgehen gegen eine solche Verhaftung ist nur sehr bedingt möglich.", erklärte der Iulier anschließend. "Sehr bedingt?", hakte sein Privatsekretär interessiert nach. "Sehr bedingt, ja. Als römischer Bürger plebeischen Standes - und ausschließlich als solcher - kann man einen der Tribuni Plebis aufsuchen und um seinen Beistand bitten. Und glaube mir, ein solcher Mann, der als sakrosankt gilt und den zu verhaften entsprechend eine ungleich größere Empörung über große Teile der Bevölkerung auslösen würde, kann ein sehr lauter Verbündeter sein, bei dem sich selbst ein Praefectus Urbi gewiss überlegen müsste, ob es sich tatsächlich lohnt, in Berufung auf das Kriegsrecht eine solche Anschuldigung der ungerechtfertigten Schikane bis zur nächsten Wahl auszusitzen, oder ob es nicht sinnvoller wäre, auf eben einen solchen Tribunus Plebis inhaltlich in der Sache zuzugehen.", führte Dives aus und atmete einmal tief durch. "Doch dies, wie gesagt, ist eine Option, welche so lediglich den römischen Bürgern plebeischen Standes sich eröffnet." Der Iberer nickte.


    "Im Allgemeinen ist man hingegen darauf angewiesen, sich entweder mit den beteiligten Soldaten so gut zu stellen, dass sie dich nicht beziehungsweise nicht weiter schikanieren.", so hart war das Kriegsrecht. "Gelingt dies nicht, so kann man versuchen, den Vorgesetzten oder den Vorgesetzten des Vorgesetzten zu ermitteln und anschließend versuchen, ebendiese Person dazu zu bewegen, als Vorgesetzter die Untergebenen zur Ordnung zu rufen. Du verstehst in diesem Zusammenhang nun sicherlich, weshalb ein guter Patron so überaus wichtig ist.", strich der Iulier den bereits eingangs gemachten Punkt an dieser Stelle noch einmal heraus. "Je mächtiger und einflussreicher ein Patron ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, sein Anliegen auch an möglichst hoher Stelle vortragen zu können. Denn ein einfacher Peregrinus, dessen sei dir versichert, wird zum Beispiel gewiss nie in die Lage geraten, beim Praefectus Urbi einen Termin zu bekommen und persönlich vorsprechen zu dürfen. Bei einem Consular hingegen sieht das schon ganz anders aus. Oder nehmen wir an, mein Klient Petilius bräuchte Hilfe und wendete sich an mich. Dann könnte natürlich auch ich meinerseits, der ich selbst kein Consular bin, mich an meinen Patron wenden und ihn um seine Hilfe und seinen Beistand für meinen Klienten bitten. Auf diese Weise funktioniert das römische Patronat." Neuerlich nickte Saras verstehend. Denn zumindest den letzten Teil über das Patronat hatte er selbstredend bereits vorher gewusst. Er diente schließlich nicht erst seit gestern in einem römischen Haushalt. "Ich verstehe, Dominus. Und ich danke dir für deine geduldige Antwort.", bekundete er also.


    "Im Übrigen habe ich von einem Straftatbestand der Belästigung tatsächlich bisher nichts gehört - mag mich hier allerdings auch irren -, wie ich beim Werben lediglich mich zu erinnern meine, dass hier einer Dienstleistung oder einer Ware keine Eigenschaften angedichtet werden dürfen, die besagtes Produkt tatsächlich gar nicht hat. Einen gefärbten Wollstoff als gefärbte Seide zu verkaufen verstößt beispielsweise klar und eindeutig gegen das Gesetz.", ergänzte der Senator bei so viel Dankbarkeit gerne noch, bevor er seufzte. "Doch nun genug mit derlei Gedankenspielereien. Die Post, bitte.", wünschte der Senator und trank noch einen Schluck, bevor sein Privatsekretär den ersten Brief verlas... und schon kurz darauf das Diktat einer entsprechenden Reaktion aufnahm.

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    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • "Es stehen hier mehrere Punkte auf meiner Tafel, Dominus.", beantwortete der iberische Privatsekretär Saras eine entsprechende Frage des divitischen Senators, der es sich im selben Augenblick hinter seinem Schreibtisch bequem machte. "Da wäre zum einen die Frage deiner Kinder, der du dich annehmen wolltest. Konkret: Sollen sie in Bovillae verbleiben oder sollen sie nach Roma kommen? Und: Wer soll ihre Aufsicht übernehmen, solltest du dich für ihren Verbleib in Bovillae entscheiden?", führte der Iberer den ersten Punkt kurz aus und ließ anschließend eine Kunstpause. Dives brummte unverständlich in seinen nicht vorhandenen Bart, woraufhin Saras fortfuhr. "Ein weiterer Punkt, welchem du dich annehmen wolltest, betrifft die sogenannten 'kaiserlichen Manufakturen' zu Cremona. Hier hattest du vor einer guten Weile einen Brief an Aurelius Tigellinus, den Scriba Personalis des Augustus, geschrieben. Du wolltest dich im Sinne der ebenfalls in Cremona angesiedelten Betriebe deines Großonkels Iulius Licinus darum kümmern, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Leider gibt es bis jetzt noch keine Reaktion aus dem Hause Aurelia, sodass wohl eines von zwei Szenarien eingetreten ist: Entweder der Aurelius ignoriert dein Schreiben mutwillig in der Hoffnung, dass du die Sache vergisst - oder aber er fühlt sich nicht angesprochen davon. Denn wenn du dich erinnerst, es gab ja eine kleine Unsicherheit bezüglich der Frage, wer genau hier Eigentümer ist, der Aurelius oder der Augustus.", referierte Saras die wichtigsten Fakten über den zweiten großen Punkt auf seiner Liste. Dives brummte abermals und schüttelte dabei den Kopf. "Was haben wir noch?", wollte er wissen und hoffte auf ein etwas leichteres Thema zu Beginn des heutigen Tages...


    "Nun, es gibt natürlich immer auch die Tagespost.", schlug der Privatsekretär motiviert vor. "Nun gut, so sei es denn.", gab sich der Iulier geschlagen in der Hoffnung, damit das geringste Übel gewählt zu haben. "Es beginnt heute mit einem Brief eines Marcus Helvetius Commodus.", kündigte Saras an und entrollte das Schreiben. Anschließend räusperte er sich kurz, bevor er zu lesen begann:
    "Salve Marcus Iulius Dives. Unsere Wege haben sich nur wenige Male gekreuzt. Ich hoffe, es ist inzwischen genug Zeit vergangen, dass eine weitere Begegnung mit mir bei dir kein Unbehagen auslöst. Zum Beispiel indem ich dich an deine verstorbene Frau erinnere, welche ja eine enge Verwandte von mir war. Darüber hinaus verband mich und Fausta ja eine verwandtschaftliche Freundschaft." Der Senator erinnerte sich vage an den Helvetier. Er war ein Cousin seiner Frau gewesen sowie darüber hinaus ein Enkel des Senators Helvetius Geminus... falls sich Dives recht entsann. "Nun, wie auch immer, dies ist Vergangenheit und ich würde mich gerne mit dir treffen, um über die Zukunft zu sprechen.", setzte der Iberer fort. "Aha.", kommentierte der Iulier diese vage Ankündigung nur ebenso vage. Denn er konnte sich nicht wirklich einen Reim darauf machen, von welcher Zukunft der Helvetier sprach. Doch bevor er unnötig spekulierte, hörte er lieber weiter zu... "Ich bitte dich daher darum mich zu empfangen oder, wenn es dir lieber ist, mir einen Termin zu nennen, an dem du eine Einladung in mein Haus annimmst..."


    "Auf gar keinen Fall!", unterbrach der Iulier seinen Privatsekretär unsanft. "Ich war EIN einziges Mal in der Casa Helvetia zu Ostia! Anschließend hatte ich eine im schlimmsten Sinne zu ALLEM fähige Verlobte am Hals! Und meinen guter Freund Helvetius Ocella hat es mich am Ende ebenfalls gekostet!", war Dives überzeugt. "Heute liegte er auf der Isola Sacra begraben.", hob der Iulier mahnend seinen rechten Zeigefinger. "Ich sage dir, Saras, ich ließe mich selbst von Apollo persönlich nicht überzeugen, auch nur ein einziges Mal noch in eine Casa Helvetia, eine Domus Helvetia, eine Villa Helvetia einen Fuß zu setzen! Nein.", stellte er wortreich klar, während sein iberischer Sklave mit erhobenen Augenbrauen ein recht überraschten Gesichtsausdruck machte. "Fahr fort.", winkte der Senator daraufhin ab. In der Sache jedoch stand sein Entschluss hier bereits fest. "Ähm... Wie es dir besser gefällt. Solltest du dich außerhalb aufhalten, bin ich gerne auch bereit mich dorthin zu begeben. Ein ordentlicher Ritt ist mir der endgültige Abschluss der Vergangenheit und vielleicht der Beginn etwas Neuem auf jeden Fall wert. Vale bene.", endete Saras mit dem Brief - wobei er eigenmächtig aus dem Plural der Abschiedsformel einen Singular machte. Wer im Singular mit einem Salve grüßte, der verabschiedete sich ja für gewöhnlich auch im selben Numerus mit einem Vale. Da musste dem Sekretär des Helvetius wohl eine kleine Unachtsamkeit passiert sein.


    "Nun, ich werde nicht ganz schlau aus diesem Brief, Saras.", begann der Iulier im Anschluss. "Will er nun über die Zukunft mit mir sprechen? Oder will er in irgendeiner Weise mit der Vergangenheit abschließen?", zeigte er dann auf. "Vielleicht spricht er von einem Patronat? ...also vielleicht möchte er mit der Vergangenheit als Verwandter deiner Ex-Frau abschließen, um stattdessen zukünftig lieber dein Klient zu sein?", schlug Saras eine Interpretation vor. "Und warum kommt er dann nicht direkt zur Salutatio vorbei und schreibt mir stattdessen diesen Brief?", wollte der Senator wissen. "Vielleicht weil du den Ianitor immer anweist, dass zur Salutatio nur Leute ins Haus gelassen werden, die bereits deine Klienten sind und nicht auch solche, die es erst noch werden wollen?", konterte der Iberer unbedacht und schneller als ihm selbst eigentlich gerade lieb gewesen war. "Und vielleicht auch, weil du noch gar keine Salutatio gehalten hast, seit du wieder hier in Roma bist, Dominus?", folgte anschließend sogar noch eine zweite Erklärung, die Saras nun jedoch ein bisschen vorsichtiger vorbrachte. Er wollte seinen Dominus schließlich nicht anklagen dafür. "Nein, Saras. Das überzeugt mich nicht. Da steckt noch irgendetwas anderes dahinter.", war sich der Iulier sicher. "Nichtsdestotrotz, gib ihm in meiner Antwort einen Termin am Ende der Woche. Zuvor werde ich alle Hände voll zu tun haben, das Treffen mit dem Centurio Octavius zu absolvieren und mich im Vorfeld des Equus October um die Factio Veneta zu kümmern.", entschied Dives und nickte bekräftigend. Sein Privatsekretär machte sich eine entsprechende Notiz... und bald darauf wurde das Antwortschreiben für den Helvetier mit einem divitischen Boten verschickt.

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

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