[Trans Tiberim] Insula XXI - die Wohnung des Lucius Petronius Crispus

  • Das zappelige Bündel erwischte Antias völlig unvorbereitet. Tief in Gedanken versunken war er die Stufen hinauf getappt, als plötzlich eine nachtschwarze Gestalt von oben auf ihn zu wuselte. In Ermangelung eines Scutums riss er sich mit der linken Hand Sack und Mantel vor die Brust, die rechte zuckte instinktiv zum Dolch. Doch die Attacke blieb aus. Unkoordiniert mit den Armen schlenkernd trat der vermeintliche Angreifer einen Schritt zurück und stieß ein verlegenes 'Ähm' aus. 'Ähm'? Antias nahm die Finger vom Dolch und ließ erleichtert die Deckung sinken.
    „Heilige Wolfsmutter .. Babila?“ Eiliges Nicken. Schnaufend stütze sich Antias einen Moment lang auf seinen Knien ab. Der Bursche würde ihn noch ins Grab bringen.
    „Jag mir noch einmal einen solchen Schreck ein, und ich nehm deine Ohren mit!“ Erschrocken drückte sich Babila gegen die Wand. Ach ja, richtig, Babila muss ja behutsam behandelt werden, besteht er doch fast ausschließlich aus bloß liegenden Nerven. Und was ist mit meinen Nerven?
    Besänftigend tätschelte er die zitternde Wange des Sklaven.
    „Schon gut, Babila .. ich mach' nur Spaß. Was wären wir ohne dich.“ Entspannt bis in die Haarwurzeln vermutlich.
    „Und jetzt nimm den Sack und führ mich zu Apolonia.“


    Wortlos erklommen sie die ächzende Treppe und standen schließlich vor einer halb geöffneten Tür. Flackernd und verheißungsvoll schimmerte warmes Kerzenlicht auf den Flur, ein lichter Nebel verlockender Gerüche umwehte Antias. Er hielt inne und sog tief die Luft ein. Frische Blumen, Öle und dazwischen betörend leicht und gleichsam schwer der vertraute Duft von Sandelholz und Narde und der unendlich sanfte Hauch des ewigen Ozeans. Babila wies ungeduldig tänzelnd auf die Tür und Antias trat ein.


    Da stand sie. Inmitten einer rührend liebevoll arrangierten Welt tiefsten Friedens. Die Hände ineinandergelegt, mit klarem Blick und stillem Lächeln. Antias keuchte unhörbar, denn als er sie dort stehen sah, nahm ihm plötzlich eine übermächtige Traurigkeit den Atem. Wie eine weißglühende Klinge fuhr im ein Bild in die Brust von einer Frau, die ihren Gemahl erwartete zwischen den unüberwindbaren Mauern eines gemeinsamen Lebens. Aber es gab nichts, gar nichts, was er in diesem Moment hätte dafür tun können. Gestern war tot und Morgen noch nicht geboren. Schweigend ging er auf sie zu, blieb einen Augenblick ruhig vor ihr stehen, und umschlang endlich ihre schmalen Hüften, hob sie lächelnd hoch, drehte sich mit ihr langsam durch den Raum und küsste sie.

  • Lauschend stand Apolonia mitten im Raum. Da waren doch Stimmen zu hören, ja und jetzt waren da nicht Schritte die sich näherten? Wie erstarrt stand sie da, die Hände ineinander verschlungen. Wie wenn alles nicht wahr war? Ein Trugbild was ihr vorgegaukelt wurde, nur um sie danach mit aller Wucht zu zerschmettern. Das brausen in den Ohren nahm zu, sie war nicht mehr sich ob sie wirklich etwas gehört hatte. In diesem Augenblick stand er in der Türe, groß, mächtig, stark.


    Sie schwebte, sie schwebte über Blumen bewachsenen, sonnenüberfluteten Wiesen. Der sanfte Wind wehte süßen Blütenduft zu ihr. Sie begehrte den Nektar der Liebe. Jene Liebe die sie bisher so schmählich in ihrem Leben vermisst hatte. Eben diese Liebe die gerade erst zu erblühen angefangen hatte. Sie wollte genährt, gepflegt werden, dazu war nur einer fähig ihr Antias.


    Sie wusste nicht wirklich wie sie auf ihr Bett gekommen war. Alles was geschehen war kam ihr wie ein Traum vor, nur schemenhafte Bilder zuckte vor ihr auf. Nun lag sie neben ihm, den Ellenbogen aufgestützt, den Kopf auf der Hand ruhend, versonnen lächelnd sein Gesicht anschauend.
    Es war kein Traum gewesen, es war Wirklichkeit, denn sie spürte ihn neben sich und sah seine zufrieden Gesichtszüge.
    Das Gefühl als ob ihr Herz zerspringen würde nahm zu und dennoch wollte sie es nicht missen.

  • Antias war wach und lebte, nichts geringeres. Das erste mal war er wirklich wach und am Leben. Mit geschlossenen Lidern lauschte er den leisen Atemzügen neben sich, ließ die Hand langsam über Apolonias noch schweißfeuchten Rücken streichen und lebte. Er hatte an etwas gerührt, das hinter allem war. Zuhören hatte er gewollt, sie fragen, ihr erzählen, einfach nur bei ihr sein. Aber der Fluss der verrinnenden Augenblicke hatte sie beide einfach fortgerissen in ein uferloses Meer aus unerfüllten Träumen auf dem Fragen und Antworten keine Rolle mehr spielten. Lachend hatten sie sich umbrandet wie aufgepeitschte Wellen, waren auf schäumenden Wogen in den sturmschwarzen Nachthimmel gehoben und von brodelnden Tälern wieder verschlungen worden. Das rauschenden Blut in ihren Adern hatte sie in einem Strudel aus blauem endlosen Nichts gezogen und wieder emporgetrieben in die flirrenden Strahlen des Spätsommermondes. Nun war der ewige Ozean unter ihnen dunkel und friedvoll geworden und wiegte sie sanft durch die Nacht. Lächelnd fühlte er ihren Blick auf sich ruhen und sah zu ihr auf.


    Leuchtend meergrün funkelte ihr Blick durch das Dunkel, weit und offen und endlos tief. Sie sah ihn schweigend an. Aber was sah sie? Sah sie was er sah? Sah sie auch etwas hinter allem? War sie auch so endgültig wach und so unumkehrbar am Leben wie er? Was wünschte sie sich? Wovon träumte sie? Was konnte er tun, um sie so glücklich zu machen, dass sie es bleiben würde? Sollte er ihr sagen, was er fühlte? Wusste sie das nicht bereits? Behutsam zog er sie an sich, küsste ihre Stirn und schlang seine Arme um sie. Den Blick haltlos in die Nacht gerichtet suchte er nach Worten. „Was auch immer aus uns werden wird .. du bist das Wasser auf meinen Wurzeln.“ Ein leichtes Schaudern lief über ihre Haut. Antias griff unter sich, bekam die zerwühlte Decke zu fassen und zog sie Apolonia vorsichtig über die Schultern.
    „Du frierst ja. Was kann so kalt sein, dass es dich an meiner Seite frieren lässt?“

  • Tatsächlich war Lucius tagsüber für seinen Patron unterwegs gewesen - der Festtag des Iuppiter Liber und der Iuno Regina war immerhin ein Dies fastus, an dem Rechtsakte vollzogen werden durften. Entsprechend müde war er, nachdem er sich durch die feiernde Menge gekämpft (hatten die alle keine Arbeit?) und die Stufen in den dritten Stock hinaufgeschleppt hatte. So warf er sich auf die Kline im Hauptraum und schickte Armin los, ihm ein Abendessen zu besorgen - einen Herd hatten sie ja nicht.


    Und während er dann so da lag, hörte er es nebenan klopfen. Ziemlich regelmäßig war das Wummern, das dann immer schneller wurde - was machte diese verrückte Nutte schon wieder nebenan? Schlug sie einen Nagel in die Wand? Aber irgendwie war die Regelmäßigkeit dann doch ein bisschen seltsam...


    Nach einer Weile zog er sich doch hoch. Direkt rüberzugehen hatte er gerade keine Lust - am Ende würde Apolonia ihn sowieso nur wieder verarschen - , also hämmerte er seinerseits ein paar Mal kräftig gegen die Wand. Einen Moment glaubte er, dass das Wummern tatsächlich leiser wurde - um dann aber nur noch heftiger zu werden und schließlich aufzuhören. Erst jetzt kam ihm langsam, dass das wohl doch kein Hämmern gewesen war. Wenn die Wohnung genauso geschnitten war wie sein, dann war direkt nebenan wohl auch die Schlafnische und dann...
    Der junge Petronier verzog angewidert das Gesicht - machte diese verdammte Nutte jetzt tatsächlich seine schöne Insula zu einem Lupanar? Das konnte ja wohl nicht sein! Am Ende würde er überhaupt nicht mehr zum Schlafen kommen, weil hier Tag und Nacht Freier ein- und ausgingen! Er musste dringend etwas unternehmen - und zwar sofort!


    Rasch suchte er seinen Gürtel, den er zum Dösen abgelegt hatte, schnallte ihn zu und ging zur Tür. Dabei bemerkte er, dass er auch seine Calcei ausgezogen hatte - barfuß wollte er auch nicht unbedingt aufkreuzen! Also ging er wieder zurück zur Kline, schlüpfte in die Schuhe, verschnürte sie und stand kurz darauf vor Apolonias Tür. Mit der Faust hämmerte nun er - wenn auch gegen das massive Holz der Eingangstür!

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  • Zitat

    Original von Titus Germanicus Antias
    Antias war wach und lebte, nichts geringeres. Das erste mal war er wirklich wach und am Leben. Mit geschlossenen Lidern lauschte er den leisen Atemzügen neben sich, ließ die Hand langsam über Apolonias noch schweißfeuchten Rücken streichen und lebte. Er hatte an etwas gerührt, das hinter allem war. Zuhören hatte er gewollt, sie fragen, ihr erzählen, einfach nur bei ihr sein. Aber der Fluss der verrinnenden Augenblicke hatte sie beide einfach fortgerissen in ein uferloses Meer aus unerfüllten Träumen auf dem Fragen und Antworten keine Rolle mehr spielten. Lachend hatten sie sich umbrandet wie aufgepeitschte Wellen, waren auf schäumenden Wogen in den sturmschwarzen Nachthimmel gehoben und von brodelnden Tälern wieder verschlungen worden. Das rauschenden Blut in ihren Adern hatte sie in einem Strudel aus blauem endlosen Nichts gezogen und wieder emporgetrieben in die flirrenden Strahlen des Spätsommermondes. Nun war der ewige Ozean unter ihnen dunkel und friedvoll geworden und wiegte sie sanft durch die Nacht. Lächelnd fühlte er ihren Blick auf sich ruhen und sah zu ihr auf.


    Leuchtend meergrün funkelte ihr Blick durch das Dunkel, weit und offen und endlos tief. Sie sah ihn schweigend an. Aber was sah sie? Sah sie was er sah? Sah sie auch etwas hinter allem? War sie auch so endgültig wach und so unumkehrbar am Leben wie er? Was wünschte sie sich? Wovon träumte sie? Was konnte er tun, um sie so glücklich zu machen, dass sie es bleiben würde? Sollte er ihr sagen, was er fühlte? Wusste sie das nicht bereits? Behutsam zog er sie an sich, küsste ihre Stirn und schlang seine Arme um sie. Den Blick haltlos in die Nacht gerichtet suchte er nach Worten. „Was auch immer aus uns werden wird .. du bist das Wasser auf meinen Wurzeln.“ Ein leichtes Schaudern lief über ihre Haut. Antias griff unter sich, bekam die zerwühlte Decke zu fassen und zog sie Apolonia vorsichtig über die Schultern.
    „Du frierst ja. Was kann so kalt sein, dass es dich an meiner Seite frieren lässt?“



    Zufrieden, gesättigt, glücklich und geborgen in Antias Armen, wie noch nie in ihrem Leben, kostete Apolonia den süßen Nachgeschmack der vergangenen Stunden. Die Stunden der Erfüllung all ihrer Träume ihres Lebens. Sie hatte das gefunden, was sie sich nie zu erhoffen wagte. Sie spürte und wusste es, sie waren die Menschen die füreinander bestimmt waren. Er wusste es genau wie sie. Ihre Liebe zu ihm wurde erwidert. Glück was nicht vollkommener sein konnte.
    Worte drangen zu ihr vor, Worte deren Bedeutung sich langsam zu einer riesigen, dunklen, undurchdringbaren Wand von Angst vor ihr aufbauten. Das Gefühl des drohenden Unheils, was daraus erwuchs ließ sie erschauern. War es ihre Schuld, weil sie sich in sein Leben gedrängt hatte? Brachte sie Unheil, Gefahr über ihn? Musste sie ihn los lassen, sich von ihm trennen? Konnte sie ihn nur so schützen?
    Furcht gemischt mit Traurigkeit machten sich breit und trieb sie noch enger an ihn. „Angst dich für immer zu verlieren“, kam furchtsam aus ihrem Mund und es ist meine Schuld, fügte sie in Gedanken hinzu.
    Apolonia war sich sicher, sie würde alles tun um ihn zu beschützen. Sie die sich bisher immer, egal auf welche Art und Weise, genommen hatte was sie wollte, würde, wenn es sein musste, ihr Leben für Antias hergeben.
    Zum zweiten Mal überlegte sie, ob sie sich ihm anvertrauen sollte und ihm ihr Geheimnis beichten könne. Nein heute nicht, entschied sie. Sie wollte die Stimmung die gerade sowieso zu kippen drohte, nicht vollends zerstören.



    Es klopfte? Babila's Nerven hatte sich gerade etwas entspannt und schon waren sie wieder in Alarmbereitschaft. Wer wie was? Apolonia wäre über eine Störung jetzt sicher alles andere als... Also ging das Nervenbündel an die Tür öffnete dieses genau so weit, das er hinaussehen, man aber nicht ins Zimmer blicken konnte.
    Babila erkannte den Nachbarn was kam war sein fast schon obligatorisches „Ähm?“

  • Mich zu verlieren? stach es ihm ins Herz. Was redete sie denn da? Sie würde ihn nicht verlieren! Nicht wenn sie es nicht wollte. Ihre Zweifel würde sie verlieren, womöglich auch die Geduld und, wer weiß, eines fernen Tages vielleicht ein paar ihrer süßen kleinen Zähne, aber ihn nicht. Sicher, alles was geschehen war, war schnell geschehen, aber es hätte auch in einem Jahr passieren können, oder in zehn oder niemals. Wie oft muss man ins Feuer greifen, um festzustellen, dass es heiß ist? Sie mussten beide irgendwie in ihren Leben zurecht kommen, aber solange es da auch ein drittes Leben gab, das ihnen gehörte, würden sie sich nicht verlieren. Wirklich nicht? Und woher kam diese leise Traurigkeit, die ihn nie ganz verlassen wollte? Wusste er wirklich, was die Jahre mit ihnen anstellen würden? Konnte er wirklich alle Unwägbarkeiten der Zukunft erahnen? Natürlich nicht! riss er sich trotzig aus den trüben Gedanken. Sonst wären es ja schließlich keine Unwägbarkeiten. Dann würde er seiner Trauer eben entgegen treten müssen, und ihrer am besten gleich mit. Lächelnd drehte er sich zu ihr und strich liebevoll durch ihr Haar.


    „Jetzt hör mal .. mich verliert man nicht so einfach. Ich mach Krach, wenn man mich fallen lässt und leuchte im Dunkeln.“
    Sie schwieg. Das war gut. Alles war gut. Alles war still und friedlich um sie her. Bis zu dem Augenblick, als irgendein instinktloser nachtaktiver Störenfried gegen die Tür zu hämmern begann.
    „Haben wir Babila ausgesperrt? Dann wundert's mich allerdings, dass er sich schon meldet.“
    Aber nein, der Sklave kam hektisch aus einer dunklen Zimmerecke gehuscht. Hatte er die ganze Zeit … ? Kein Wunder, dass der Bursche so durch den Wind war. Umständlich fummelte Babila an der Tür. 'Ähm'? Verdammt richtig – Ähm? Das hätte Antias jetzt wirklich auch mal interessiert.

  • Zitat

    Original von Apolonia
    Es klopfte? Babila's Nerven hatte sich gerade etwas entspannt und schon waren sie wieder in Alarmbereitschaft. Wer wie was? Apolonia wäre über eine Störung jetzt sicher alles andere als... Also ging das Nervenbündel an die Tür öffnete dieses genau so weit, das er hinaussehen, man aber nicht ins Zimmer blicken konnte.
    Babila erkannte den Nachbarn was kam war sein fast schon obligatorisches „Ähm?“


    Wenigstens musste Lucius nicht sehr lange warten, bis endlich die Tür geöffnet wurde - allerdings nur einen Spalt. Wahrscheinlich hatte Apolonia Angst, dass die Cohortes Urbanae vor der Tür standen und ihren illegalen Puff dicht machten! Aber der junge Petronier ließ sich nicht einfach so abweisen. Das "Ähm" völlig überhörend versuchte er direkt die Tür aufzustoßen.
    "Deine Freier kannst du in deinem Lupanar empfangen, nicht hier!!!"
    brüllte er gleichzeitig voller Zorn - obwohl er insgeheim gespannt war, was ihn hinter der Tür erwartete. Eine Orgie mit zahlreichen Frauen und lüsternen alten Herren? Oder eine "Solovorstellung"?

  • Seufzend ließ Antias sich ins Kissen fallen. Auch das noch! Fortuna hatte offensichtlich ihre Tage. Ein hellhöriger Nachbar mit verletztem Sittlichkeitsempfinden. Diese scheinheiligen Vorstadtrömer und ihre Doppelmoral. Was glaubten die eigentlich? Dass es eine Lupa nur treiben durfte, wenn sie Geld dafür nahm? Ging ein Schuhmacher nach vollbrachtem Tagwerk etwa barfuß nachhause? Außerdem machte der Bursche da draußen mit seinem Gebrüll weit mehr Krach als es ein knarzendes Bettgestell je vermocht hätte.
    „Ein Freund von dir?“ füsterte er amüsiert zu Apolonia hinüber. Keine Antwort. Vielleicht wartete sie einfach, bis der Nachbar wieder ging. Oder war sie eingeschlafen? Bei dem Geschrei? Antias setzte sich vorsichtig auf und sah zur Tür. Babila schien mal wieder von der Situation völlig überfordert, denn die Tür wurde immer weiter aufgeschoben. Lass es, das geht dich nichts an! sagte er sich. Was stimmte. Allerdings hatte er für nächtliche Eindringlinge noch nie viel übrig gehabt. Egal wer der Schreihals da draußen auch war, er würde hier nicht mitten in der Nacht in ein Zimmer stürzen, das nicht seines war, und Apolonia aus ihrem eigenen Bett keifen. Genervt stand Antias auf und hielt nach seiner Tunica Ausschau? Wo hatte er den Fetzen nur hingeworfen? Da lag eine von Apolonias Sandalen, dort eine Caliga … dann eben nicht. Nackt wie er war ging er zu Babila an die Tür und schob das Nervenwrack behutsam zur Seite.
    „Lass gut sein, Baila.“
    Als er die Tür aufzog sah er sich wider Erwarten keinem alten schnaufenden Sack gegenüber, sondern einem jungen Burschen. Was bei allen Wettern machte ein Kerl wie der hier an Iuppiter Liber allein und blökend in einem dunklen Treppenhaus? Antias ließ seinen Blick schweifen. Der Knabe war nichtmal so unsympathisch, allerdings beschuht mit den albernsten Pantoffeln, die er je gesehen hatte. Sei's drum.
    „Salve Civis. Ich will ja nichts sagen, aber du machst einen ziemlichen Radau für die Tageszeit. Darf man den Grund erfahren?“

  • Mich verliert man nicht, ich mach Krach, klang es noch in Apolonias Ohren, als sie diesen erwähnten Krach meinte zu hören. Kein Irrtum, den Krach gab es wirklich, Antias hörte ihn auch. Nein, Babila würde nie solchen Lärm veranstalten. Sie erkannte sofort die Stimmen von ihrem unbefriedigten Nachbarn. Lustig fand sie es ganz und gar nicht: War er wieder auf seinem Trip, der ganzen Welt zu erzählen welchem Beruf sie nachging. Offensichtlich wollte er sie auf diese Art aus dem Haus vertreiben. Das eine Lupa auch ein Privatleben hatte, darauf kam sein verklemmtes Hirn wohl nicht. Sie war hin und her gerissen zwischen Kampfeinstellung und gelassenem zurücklehnen, denn Antias war inzwischen auf dem Weg zur Türe. Der Krawallmacher würde ihr Glück nicht zerstören, nicht der. Er konnte ihretwegen im Lupanar mit ihr veranstalten was er wollte, hier aber nicht. Hatte Antias eben gefragt ein Freund? Nein der ganz bestimmt nicht. Nicht der von der Fraktion Sittenstreng und dann nur einen hochbekommen wenn er die Frauen erniedrigte und misshandelte. Ein wenig Furcht überkam sie dann plötzlich doch. Hoffentlich ging alles gut, es sollte doch nicht zum Schaden für Antias sein. Jetzt saß Apolonia aufrecht im Bett uns lauschte in Richtung Türe.

  • Dieser komische Sklave schien Widerstand zu leisten, sodass Lucius fester drücken musste.
    "Ist heut' geschlossene Gesellschaft oder was?"
    rief er spöttisch, als die Tür sich doch endlich öffnete. Vor ihm stand - was konnte man auch anderes erwarten? - ein nackter Mann! Einen Moment blieb dem jungen Petronier die Spucke weg - der Typ sah ordentlich durchtrainiert aus und nicht unbedingt wie jemand, der nicht auch ohne Geld ein Mädchen ins Bett bekam. Aber egal - jetzt konnte er nicht zurück!
    "Die Frage ist, wer hier mit dem Radau angefangen hat!"
    gab er giftig zurück - was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Dass er hier einfach dieses Nebenlupanar besuchen konnte und sich nach Herzenslust vergnügte, während nebenan ehrbare Bürger schlafen wollten?
    "Ich dulde es nicht, dass jemand direkt nebenan ein Lupanar eröffnet!"
    fügte er schließlich hinzu und bedrohte den Kerl mit erhobenem Zeigefinger. Der glaubte wohl, nur weil er ein paar Felder mehr im Waschbrettbauch hatte als sein Gegenüber, könne er hier auf dicke Hose machen! Zwar hatte Lucius in der Zeit in Rom doch ein bisschen von seiner Sportlichkeit verloren - immerhin wurde er hier nicht vom Alten getriezt und hatte außerdem viel in der Schreibstube seines Patrons zu tun - aber er wusste, wie man auch mit nicht so viel Kraft einige Schmerzen zufügte! Und notfalls hatte er ja noch Pythagoras...

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  • Antias sah noch einmal an dem wütenden Nachbarn hinab, dann an sich selbst. Nun ja, den aller sittsamsten Eindruck machte es vielleicht nicht gerade, hier nackt rumzustehen. Und was die Sache mit dem Radau betraf, war der aufgebrachte Bursche momentan zwar der einzige, der hier Lärm machte, aber wie Antias zugeben musste, nicht ganz ohne Grund. Dieses ständige Gefasel vom Lupanar würde er wohl besser ignorieren. Er kannte das, wenn irgend so ein passionierter Sittenwächter sich einmal in ein Vorurteil verbissen hatte, war ihm der Brocken nur brachial wieder zu entreißen, und dazu würde es heute nicht kommen, ein klein wenig erwachsener war er in den letzten Monaten immerhin geworden.
    „Du hast natürlich recht.“ begann Antias ruhig und höflich, „Es war äußerst unbedacht von mir, die schadhafte Truhe meiner Base zu dieser späten Stunde noch zu reparieren. Mea culpa, ich bitte um Verzeihung. Da ich morgen in aller Frühe wieder abreise, wollte ich das vor dem Schlafengehen noch erledigt wissen.“ Wirklich drollige Pantoffeln, nur das mit dem Zeigefinger sollte er besser nicht übertreiben. Sogar in seinem teilweise verständlichen Zorn würde sich der junge Kerl nach einigem Nachdenken eingestehen müssen, dass auch für die selbstgerechtesten Angriffe an der Wohnungstür Schluss war.
    „Wie du siehst, war ich gerade im Begriff, mich zur Ruhe zu begeben. Also kann ich dich nur bitten, die Entschuldigung anzunehmen und meine Base nicht zu wecken. Die Märkte öffnen früh und ich möchte am Abend wieder in Ostia sein.“
    Aus der Wohnung konnte er leises Rascheln hören. War Apolonia aufgewacht oder wuselte nur Babila ziellos umher? Vielleicht hatte er sich auch verhört, so langsam machte sich eine bleierne Müdigkeit in ihm breit und dämpfte ihm die Sinne. Wo war er stehen geblieben? Ach ja, Zeit für alle Beteiligten, sich formvollendet zurückzuziehen. Freundlich gähnte er den verstimmten Nachbarn an. „Nun, ich versichere dir, meine Abreise wird völlig lautlos vonstatten gehen. Möge Pax uns in friedlichen Schlaf wiegen. Gesegnete Nachtruhe Civis.“ Vorsichtig – um nicht etwa einen der aparten Pantoffeln einzuklemmen – schloss er die Tür.


    Als er sich wieder dem düsteren Raum zuwandte, wäre er beinahe über Babila gestolpert, der offensichtlich in der Zwischenzeit die verstreuten Kleidungsstücke zusammengesammelt hatte und ihm mit Tunica und Caligae entgegen gestolpert war. Antias nahm dem Sklaven die Kleidung dankbar ab und deutete mit einem fragenden Blick zum vom Halbdunkel verschatteten Lectus hinüber. Babila zuckte die Achseln. Keine Ahnung. Wie immer. Auf Zehenspitzen schlich er sich an Babila vorbei zum Bett.
    „Apolonia?“ Wieder antworteten ihm nur ihre sanften Atemstöße. Wenn sie bei dem Spektakel wirklich einschlafen konnte, war sie wahrlich von den Göttern gesegnet. Lächelnd zog sich Antias die Tunica über und beugte sich dann leise zu ihr hinab. „Dorcas, bist du wach? Es wird Zeit.“

  • Nein Apolonia schlief bestimmt nicht. Sie wollte nur nicht hören was jetzt kam. Schon waren sie da die Worte, die heimlich die ganze Zeit gelauert hatten um sie nun anzufallen.
    Abschied nehmen hatte sie sich einmal geschworen wollte sie nie mehr. Deshalb hatte sie alles auf Distanz zu sich gehalten. Hätte sie denn auch damals, als sie noch ein Kind war, ahnen können, dass sie einmal der Erfüllung ihres Lebensinhaltes begegnen würde.
    Sie hatte genau das Gespräch, welches an der Türe statt fand verfolgt und gehofft Antias würde schnell zu ihr zurückkommen und wieder neben ihr den Platz einnehmen.
    Schon kam er zurück, mit geschlossenen Augen wartet sie darauf das er neben ihr zu liegen kam, doch was sie dann hörte gefiel ihr nicht. Nicht jetzt schon, warum zog er sich schon an? Vergessen war in dem Augenblick die Sorge um ihn, sie wurde egoistisch. Er sollte bleiben, er durfte nicht gehen.
    Sie spürte seinen Atem, als er sich zu ihr hinabbeugte schon schlangen sich ihre schlanken Arme um seinen Hals, zogen ihn weiter abwärts zu sich hinunter. Ihr Herz hämmerte plötzlich wie wahnsinnig, Tränen schossen ihr in die Augen, deren Austritt sie mühsam unterdrückte. Ein Kloß steckte in ihrem Hals. Stoßweise stieß sie hervor: „Bleib, bitte bleib bei mir, geh nicht.“ Sein Dienst würde ihn hindern wieder zu ihr u kommen. Es gab doch noch so unendlich viel zu sagen.

  • Es fiel ihm noch schwerer als er ohnehin schon befürchtet hatte. Er wollte nicht gehen. Alles in ihm sträubte sich dagegen, Apolonia zurück zu lassen und sei es auch nur für ein paar endlos lange Tage. Voll von Trauer bergrub er das Gesicht in ihrem Haar und küsste sie sanft.
    „Dorcas, ich komme wieder. Ich werde immer zu dir zurückkommen und eines Tages werde ich bei dir bleiben, vorausgesetzt, du willst mich dann noch. Würde ich jetzt bleiben, müssten wir beide von hier fort.“ Und warum eines Tages? Warum nicht gleich? Was bei den Göttern wäre so verkehrt daran, mit ihr fort zu gehen? Sie waren jung, er würde irgendwo eine Anstellung finden, sie konnten heiraten und mindestens eine Handvoll wunderbarer Kinder heranwachsen sehen. Wer sollte ihn schon wirklich vermissen? Hispo und die Kameraden vielleicht, aber sonst? Niemand würde eines einzelnen desertierten Tiros wegen das Reich umkrempeln. Die Jahre würden alle Spuren verwischen und sie in Frieden und Freiheit altern lassen. Sein Herz krampfte sich zusammen in Sehnsucht nach diesem Bild. Frieden? Freiheit? Wie viel davon würde er er ihr wirklich bieten können ohne Sicherheit? Wäre er nur verliebt in sie gewesen, er hätte der Verlockung wohl nachgegeben und sich mit ihr ins Dunkel gestürzt. Aber er war nicht verliebt. Er liebte sie, und weil das so war durfte er sie nicht ins Dunkel reißen, sondern musste mit allen Mitteln versuchen, das Dunkel zu lichten. Wenn er wirklich eine Zukunft mit Apolonia errichten wollte – und wahrhaftig das wollte er, mehr als alles andere – dann musste er jetzt gehen.


    Sich von ihr zu lösen fühlte sich an als hätte man ihm den Arm ausgerissen. Der feuchte Schimmer auf ihren Augen schnürte ihm den Atem ab. Es brauchte all seinen Willen, sich von ihr abzuwenden und Babila heranzuwinken.
    „Bring mir meine Sachen .“


    Mit ihrem unerträglich traurigen Schweigen im Rücken schnürte er sich die Caligae und steckte sich den Pugio in den Gürtel. Babila kam mit Sack und Mantel herbei geschaukelt. Antias hatte begonnen, diesen zappeligen Kerl zu mögen. Nicht nur weil er irgendwie zu Apolonia gehörte. So schattenhaft er sein Dasein auch zu fristen schien, unter den zuckenden Nervenenden trug er eine stille Würde durch das Chaos. Er erledigte seine Aufgaben ehrenhaft, so ehrenhaft wie eine Lupa die ihren. Nur eine Frage ging Antias nicht aus dem Kopf: Warum hat Babila dem Nachbarn die Tür geöffnet? Wer wusste schon, was wirklich in dem Burschen vorging.
    „Pass auf sie auf Babila.“ Antias nahm dem Sklaven seine Last ab, stellte sie auf den Boden und setzte sich noch einmal zu Apolonia auf die Bettkante.
    „Du weißt doch, dass ich wiederkomme, hm?“ Seine Hand suchte die Haarsträhne, fand sie und strich sie ihr zärtlich aus der Stirn. „Wir werden alle Scherben bis auf den letzten Splitter zusammentragen.“ Dann küsste er sie noch einmal und erhob sich. Wenn er jetzt nicht ging, würde ihn die Kraft dazu verlassen. Hastig warf er sich den Mantel über, schwang sich den Leinensack auf den Rücken und stellte fest, dass er keinen Fuß vor den anderen zu setzten fähig war. Aber er musste. Wenn schon nicht seinetwegen dann ihretwegen. Beherrscht drehte er sich noch einmal zu ihr um.
    „Gib auf dich acht, Dorcas. Bis bald.“

  • Der letzte Kuss und sein Lösen von ihr brachte die Veränderung. Apolonia lag da stocksteif wie eine Puppe, nur ihre Augen folgten jeder seiner Bewegungen im Halbdunkel des Zimmers. Was sie jetzt erlebte kannte sie schon aus ihren Träumen. Jenen nervenzerfetzenden Träumen, von denen man gequält aufwacht, sich wünscht, dass er wiederkehren würde um alles ändern zu können. Sie nahm an, dass jeder dies schon erlebte. Man spricht, redet, schreit in den Träumen, ohne das man gehört wird. Man rennt und kommt nicht von der Stelle. Einholen kann man niemanden, weglaufen vor keinem und nichts. Die Bedrohung nimmt genau wie das Herzklopfen zu. Man sieht sich selber und kann doch nichts ändern. Oder man erlebte Träume in den alles wunderbar lief, bis das Bild plötzlich verschwunden war und man sich an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit befand.
    Langsam zäh verrann die Zeit und dennoch wünschte Apolonia sich, sie möge nicht verrinnen, einfach stehen bleiben.
    Sie sah wie Babila ihm half und hätte ihn verwünschen können.
    Ja sie würden die Scherben stück für Stück zusammentragen und fügen. Mit großer Mühe nickte sie nur zu seinen Worten. Sie wollte sich etwas aufrichten um wenigstens seinen Weg bis zur Türe bis zum letzten Augenblick verfolgen zu können. Es gelang nicht. Wie teilnahmslos lag sie da. Reden wollte sie ihn zur Türe begleiten oder wenigstens winken.
    Etwas geschah dann doch, ihre Mundwinkel zuckten, Tränen bahnten sich ihren Weg nach draußen. Damit löste sich die Erstarrung und zuerst leise, wie für eine Probe kamen ihre Worte. „Ich liebe dich.“ Dann lauter, fester, selbstbewusster. „Hörtst du? Ich liebe dich.“

  • Ja, er hörte sie. Selbst als Apolonias Stimme längst hinter der geschlossenen Tür verhallt und er durch das dunkle Treppenhaus hinunter zu der Pforte gelangt war, hörte er sie. Er hörte sie auf seinem Weg hinaus in die Nacht, hörte sie deutlicher je weiter er sich von ihr entfernte. Er nahm sie mit sich fort. Ihre Stimme, ihren Duft, ihre meergrünen Blicke. „Und ich dich, Dorcas ..“ sagte er leise vor sich hin während er auf den Tiberis zu stapfte. „..du weißt nicht, wie sehr.“ Er musste sie jetzt in ein stilles warmes Zimmer in seinem Herzen ziehen lassen, um sich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor ihm lagen. Und das war nicht nur der Rückweg durch die Stadt in die Castra. Er würde für sie da sein, aber das konnte er weder aus dem Carcer heraus noch als halbherziger Tiro. Wenn sein Weg wieder zu ihr führen sollte, durfte er ihn nicht aus den Augen verlieren.


    Kurz vor der Tiberisbrücke am nordöstlichen Rand des Trans Tiberim drückte er sich in einen dunklen Torbogen und wechselte erneut seine Kleidung. Die Ziviltunica verschwand im Sack und der Sack schließlich im Fluss. Dann überquerte er zügig die Brücke, wurde schneller und schneller und rannte schließlich als ginge es um sein Leben. Was so nicht ganz zutraf, denn es ging um ihrer beider Leben.

  • Zitat

    Original von Titus Germanicus Antias
    „Du hast natürlich recht.“ begann Antias ruhig und höflich, „Es war äußerst unbedacht von mir, die schadhafte Truhe meiner Base zu dieser späten Stunde noch zu reparieren. Mea culpa, ich bitte um Verzeihung. Da ich morgen in aller Frühe wieder abreise, wollte ich das vor dem Schlafengehen noch erledigt wissen.“ Wirklich drollige Pantoffeln, nur das mit dem Zeigefinger sollte er besser nicht übertreiben. Sogar in seinem teilweise verständlichen Zorn würde sich der junge Kerl nach einigem Nachdenken eingestehen müssen, dass auch für die selbstgerechtesten Angriffe an der Wohnungstür Schluss war.
    „Wie du siehst, war ich gerade im Begriff, mich zur Ruhe zu begeben. Also kann ich dich nur bitten, die Entschuldigung anzunehmen und meine Base nicht zu wecken. Die Märkte öffnen früh und ich möchte am Abend wieder in Ostia sein.“
    Aus der Wohnung konnte er leises Rascheln hören. War Apolonia aufgewacht oder wuselte nur Babila ziellos umher? Vielleicht hatte er sich auch verhört, so langsam machte sich eine bleierne Müdigkeit in ihm breit und dämpfte ihm die Sinne. Wo war er stehen geblieben? Ach ja, Zeit für alle Beteiligten, sich formvollendet zurückzuziehen. Freundlich gähnte er den verstimmten Nachbarn an. „Nun, ich versichere dir, meine Abreise wird völlig lautlos vonstatten gehen. Möge Pax uns in friedlichen Schlaf wiegen. Gesegnete Nachtruhe Civis.“ Vorsichtig – um nicht etwa einen der aparten Pantoffeln einzuklemmen – schloss er die Tür.


    "Ich wusste gar nicht, dass Base auch ein Synonym für Lupa ist!"
    kommentierte Lucius spöttisch die Ausrede der Kerls, der scheinbar noch nie einen Calceus gesehen hatte (was er natürlich nicht wusste). Die Geschichte, die er da erzählte, war absolut unlogisch - nachts eine Truhe reparieren? Und wie sollte diese Base bitte schlafen, wenn er hier herumhämmerte wie ein Bekloppter? Und warum zum Henker war er dabei nackt?
    "Das nächste Mal kannst du ein richtiges Lupanar aufsuchen - wenn das hier noch öfter passiert, werde ich persönlich dafür sorgen, dass diese Nutte hier herausfliegt!"
    war schließlich alles, was er noch dazusagen konnte, ehe der Typ in Seelenruhe die Tür wieder zuzog. Einen Moment überlegte der junge Petronier, ob er nochmal klopfen sollte, um auch Apolonia zur Rede zu stellen. Dann erinnerte er sich aber an die Muskeln des Typen und beschloss, es lieber erst einmal bei einem weniger durchtrainierten Kunden zu probieren... - also marschierte er wieder zurück in seine Wohnung und wartete weiter auf das Abendessen...

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    Klient - Herius Claudius Menecrates

    DECURIO - MOGONTIACUM

    MUNICEPS - MOGONTIACUM

  • Zitat

    Original von Titus Germanicus Antias
    Ja, er hörte sie. Selbst als Apolonias Stimme längst hinter der geschlossenen Tür verhallt und er durch das dunkle Treppenhaus hinunter zu der Pforte gelangt war, hörte er sie. Er hörte sie auf seinem Weg hinaus in die Nacht, hörte sie deutlicher je weiter er sich von ihr entfernte. Er nahm sie mit sich fort. Ihre Stimme, ihren Duft, ihre meergrünen Blicke. „Und ich dich, Dorcas ..“ sagte er leise vor sich hin während er auf den Tiberis zu stapfte. „..du weißt nicht, wie sehr.“ Er musste sie jetzt in ein stilles warmes Zimmer in seinem Herzen ziehen lassen, um sich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor ihm lagen. Und das war nicht nur der Rückweg durch die Stadt in die Castra. Er würde für sie da sein, aber das konnte er weder aus dem Carcer heraus noch als halbherziger Tiro. Wenn sein Weg wieder zu ihr führen sollte, durfte er ihn nicht aus den Augen verlieren.


    Kurz vor der Tiberisbrücke am nordöstlichen Rand des Trans Tiberim drückte er sich in einen dunklen Torbogen und wechselte erneut seine Kleidung. Die Ziviltunica verschwand im Sack und der Sack schließlich im Fluss. Dann überquerte er zügig die Brücke, wurde schneller und schneller und rannte schließlich als ginge es um sein Leben. Was so nicht ganz zutraf, denn es ging um ihrer beider Leben.



    Lauschend lag Apolonia im Bett, nichts außer den leisen Atemzüge von Babila und den nächtlichen Geräuschen des Hauses war zu hören. Unwiderruflich war Antias weg.
    Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie erfahren, dass ein Mensch sie meinte, nicht ihren Körper oder ihre Dienste die sie anbot. Er begehrte sie die Frau. Ausgerechnet er konnte so wenig über seine Zeit verfügen.
    Jetzt wo er weg war, fielen ihr die tausend Fragen ein, die sie ihm hatte stellen wollen, nichts davon war ihr beantwortet worden, da die Zeit so eng bemessen war.
    Plötzlich mit einem Ruck saß sie da und wenn sie zu ihm ging, wenn er nicht raus konnte. Schließlich war er ja nicht einkerkert. Wen aber sollte sie fragen, ob diese Möglichkeit bestehen würde? Sollte sie Babila wieder losschicken, der arme Kerl war aber eh schon mit den Nerven fertig.
    Es gäbe allerdings die Möglichkeit den ein oder anderen Kunden im Lupanar danach zu fragen.
    Jetzt konnte sie kaum noch die Morgenstunden abwarten um zu ihrem Arbeitsplatz zurück zu kehren. Sie stand auf und weckte die beiden Sklaven, damit die Wohnung aufgeräumt würde und sie sich anziehen konnte. Zwischendurch aß sie ein paar Häppchen und trank ein paar Schlucke sehr verdünnten Wein.
    Die Sklavin packte die restlichen Essensachen in einen Korb, Babila löschte alle Kerzen und sie verließen gemeinsam die Wohnung. Lauter wie nötig schloss Apolonia die Türe, schließlich sollte der Nachbar wissen, dass sie weg war.

  • Apolonia saß alleine in ihrem Zimmer und knabberte ganz in Gedanken an ihren Fingernägel rum. Etwas was sie schon seit Kindertagen nicht mehr gemacht hatte. Welche Frau wollte schon mit angenagten Fingernägeln herum rennen. Dies war jetzt jedoch zweitrangig für sie. Zu viel war in den letzten Tagen geschehen. Morrigan war verschwunden und Borkan war unterwegs gewesen um die Stadt nach ihr zu durchforsten.
    Wie er erfahren hatte war sie eingefangen worden. Apolonia wusste wie zäh und ausdauernd sie sein konnte, doch sie kannte auch die vielseitigen Möglichkeiten der Römer verstockte Sklaven zum reden zu bringen. Was wenn Morrigan ohne, dass Sies wollte verriet wo sie waren, Dracon und sie.
    Hinzu kam, Borkan hatte erfahren das die Urbaner in der Taberna `Rufo's Elysium' waren. Sie war nie dort gewesen, doch was war wenn das erst der Anfang nach der Suche war. Sie würde jedenfalls zunächst ihre Wohnung hier in der Insula XXI nicht verlassen. Babila würde sie mit allem nötigen versorgen. Es war wieso besser wenn er auch dem Lupanar fern blieb. Und Borkan würde die Verbindung zum Lupanar, der Außenwelt und hoffentlich Dracon aufrecht erhalten. Apolonia machte sich auch Sorgen um ihn. Warum wusste keiner wo der steckte?
    Lauschend hob Apolonia den Kopf, kamen sie da? Sie hatte alle die im Lupanar arbeiteten zu sich bestellt. Es musste abgesprochen werden wie es weiter ging. Welche Schritte sie nun übernehmen mussten.

  • Die ganze schlugen sie sich um die Ohren. Dracon fand keinen Schlaf, dafür sorgte Borkan. Er schwatzte wie ein Weib. Sobald sie sich niederließen um auszuruhen redete er auf Dracon ein. Wäre es irgendwelches Liebes und Gefühlsgefasel gewesen hätte Dracon ihm den Mund gestopft. Leider ging es um andere Dinge, die ihm gar nicht schmeckten. Morrigan war ihren Häschern nicht entkommen. Die Urbaner, der ganze Trubel ums Lupanar. An Schlaf war nicht zu denken. Borkan ging mit ihm auch nicht zum Lupanar. Diese Gegend hier war Dracon fremd. Wo brachte ihn Borkan hin? Borkan wusste nur diese Lösung. Apolonias Unterkunft in einer der Insulae. Mit gemischten Gefühlen folgte Dracon. Hatte Borkan hier einen Freund oder Liebhaber? Noch eine Straße, ein Hauseingang, die Treppe hinauf. Borkan blieb vor einer Tür stehen und klopfte. Dracon hatte sich hinter Borkan gestellt, nicht das er gleich von jemanden angefallen und umarmt wurde. Dreck ud Gestank waren für Borkan auch kein Hinderungsgrund gewesen.

  • Babila stand lauschend vor der Tür und zögerte noch diese nach dem Klopfen zu öffnen. Er würde alles für seine Frauen tun, wenn er nur mehr Mut hätte. Jetzt gerade drohte wieder das letzte Fünkchen zu verschwinden. Während er zauderte, sah er die Urbaner aber auch den wütenden Nachbarn im Geiste vor sich. Zitternd ging seine Hand langsam nach vorne und wie wenn wer anders Besitz davon übernommen hätte, riss er plötzlich, für sich selber auch völlig überraschen, die Türe auf. Von seinem Tun selber überwältig starrte er Dracon und Borkan an. Jeder andere hätte jetzt gesagt, kommt rein oder ähnliches, von ihm kam aber wieder ein Hilfloses: „Ähm“.

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