Valetudinarium - Lazarett

  • Ocella trat ein und ging auf seinen Kumpel Dicax zu. Er war der leitende Optio Valetudinarii. Eigentlich hieß er Aulus Vescularius Luscinus, aber Dicax war sein Spitzname, weil er stets wohlwollend spöttisch seine Dinge zu regeln pflegte.

    Vexillarius Ocella, großer Vexillarius Ocella,...was treibt dich denn in diese Hallen? Bist du vom Pferd gefallen?

    Ocella winkte ab. Er wußte daß Dicax scharf auf den Posten gewesen war, weil er mehr Dienstjahre auf dem Buckel hatte. Jedoch gönnte dieser Ocella den Titel, denn er wußte warum man eher einen bewährten Krieger als einen Heiler zum Vexillarius ernannte.

    Heute noch nicht! entgegnete er grinsend. Nein, ich wollte fragen ob du es einrichten kannst mal in ein verfaultes Maul zu schauen und den einen oder anderen Zahn zu ziehen? Dicax sah Ocella zweifelnd an, denn an dessen Zahnstatus war nichts auszusetzen. Es konnte sich also nur um einen der Männer handeln. Doch warum kam der nicht selbst? Ocella bemerkte die Unschlüssigkeit und schoß vor Es handelt sich um einen Eques der IX Hispania. Er ist auf der Durchreise und hat hier Quartier bezogen,...es ist mein Bruder weißt du?!

    Dicax nickte und vollführte eine einladende Geste.

    Der Bruder des großen Vexillarius? Er sei willkommen um seine Läuterung zu erfahren!

    Ocella verzogen das Gesicht, einfach würde es Sabo bei seinen Zähnen hier nicht haben. Er bedankte sich und verließ Dicax wieder bevor er ihm den Schuh des großen Vexillarius in den Arsch rammte.

  • <- RE: Ausbildungsturma Ala II Numidia


    Sabaco war vermutlich der einzige Mensch im Lager, der sich darauf freute, sich die Hälfte der Zähne rausreißen zu lassen. Er trat ins Valetudinarium, während er mit der Faust an die offene Porta donnerte, und schaute sich um, ob einer Zeit für ihn hatte.

  • Nemo5.jpegLuscinus sah auf und blickte einen Mann an der auf den ersten Blick ein Verwandter von Ocella...da fiel es ihm ein. Matinius Sabaco nehme ich an? er machte eine großzügig einladende Geste in Richtung Behandlungsstuhl.

    Ocella meinte du hättest ein Problem mit den Zähnen?! Nun du hast Glück...ich habe gerade einen Lehrgang in CCAA hinter mir. Er nickte wichtigtuerisch. Sehr interessante Sache es wurde aus den Erkenntnissen des

    Aulus Cornelius Celsus unterrichtet. So, jetzt pflanz dich mal dahin , Kopf zurück und Maul auf! Mal sehen was es da...Hätte er geahnt was da auf ihn zukam, so hätte er mit Sicherheit Reißaus genommen.

  • "Ebender. Was ist CCAA?"


    Sabaco ließ sich so genussvoll in den Behandlungsstuhl niedersinken, als würde ihn eine Massage erwarten. Er öffnete seinen Rachen.


    Dem Optio valetudinarii quoll heißer Verwesungsgeruch entgegen. Das Zahnfleisch glühte dunkelrot und war geschwollen, einige der Backenzähne glichen nur noch schwarzen Resten. Warum Sabaco seine Zähne nicht mehr pflegte war nun klar - es bereitete ihm abartige Schmerzen, was das Problem noch verschlimmerte. An den abgesplitterten Kanten war ersichtlich, dass er entweder öfter Schläge auf den Mund erhielt oder jedes Mal aufs Gesicht stürzte, wenn er stolperte. Die Form seiner Nase ließ eher ersteres erahnen. Einige der Bruchkanten waren frisch, wie ihre weißen Flächen verrieten. Sie waren genau so neu wie die Wunde oberhalb seiner Braue, die allerdings keine nennenswerten Probleme machte und gut heilte.

  • Luscinus sah sich herausgefordert. Wieso kannte der Typ CCAA nicht? Wichtigtuerisch hob er den rechten Zeigefinger und näselte Coloniae Claudiae Arae Agrippinensum, ....die Provinzhauptstadt? Grober, ungebildeter Trottel! dachte er sich. Er beugte sich über Sabaco´s Höllenschlund und in seinem Schädel schlugen sämtliche Instrumente von den Pauken bis zu den Trompeten des Legionsmusikzuges Alarm.

    Dieser Wüstling wäre ein hervorragendes Praeparat für das Studium am toten Körper gewesen, weil er eben nur tot stank und nicht tot war. Luscinus hielt instiktiv den Atem an und wandte sich ein wenig ab um nach frischer Luft zu ringen.

    Vor seinem geistige Auge schwanden die vier Zeichen der lokalen Entzündung... Tumor (Schwellung), Calor (Überwärmung), Rubor (Rötung), Dolor (Schmerz). Alle vier stanken aus diesem Maul.

    Herrschaftszeiten Kerl,...du hast,...du bist,...du kannst...also... und so geschah es, daß der große Aulus Vescularius Luscinus nach dem rang was ihm am liebsten war, ...nach Worten und Fassung.Hier war es nicht mit dem Ausrupfen von ein paar Zähnen getan. Er würde wohl schneiden müssen. Der Ekel wich langsam der Faszination. Vor seinem geistigen Auge sah er was zu tun war.Nemo5.jpeg

  • "Ach, die Provinzhauptstadt", sagte Sabaco gedehnt, als er das Gefühl hatte, sprechen zu können, weil der Medicus den Eindruck verarbeiten musste. Der Mann hatte gut reden, er musste das Unheil nur sehen, Sabaco trug es im Maul mit sich herum. Die Abkürzung hatte er jedenfalls noch nicht gehört. Sabaco schaute ihm in die Augen, um herauszufinden, was ihn jetzt erwartete.


    "Und?", hakte er nach. "Ist noch was zu retten?"


    Die Zähne interessierten ihn wenig, aber er würde für Ocella gern erfahren, ob er durchkam oder an dem Scheiß tatsächlich krepieren musste. War er todgeweiht, würde er vorher dies und das noch organisieren wollen. Er sperrte den Rachen wieder auf und ließ den Medicus weiter das Unheil betrachten, das ihn quälte.

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    Luscinus war inzwischen nahezu euphorisch den Schaden im Maul des Sabaco zu definieren. Er rief sich einen weiteren Capsarius herbei und nachdem auch dieser seine Fassungslosigkeit überwunden hatte machten sie sich ans Werk.

    Also was du da hast ist ist eine wahre Verrottungsgrube!... hast du im Sommer keine Fliegen im Gesicht? fragte er kopfschüttelnd. Wir werden dir dein Maul ausspülen um zu sehen wo wir ansetzen. Deine Backenzähne sind im Grunde verfault, was den Geruch erklärt, wir müssen versuchen die Reste heraus zu bekommen. Dabei sah er Sabaco fast schon mitleidig an. Der Zustand der Zähne ließ auf große Schmerzen schließen, die Prozedur sie zu entfernen würde diese Schmerzen in den Schatten stellen...soviel war sicher. Er reichte ihm einen Becher mit warmer Flüssigkeit. Sie enthielt eine Tinktur aus verschiedenen Kräutern, die betäubend und säubernd wirkten.

    Nicht runterschlucken, nur ausspülen und dann in den Eimer zurück. Zweimal wurde der Spülvorgang wiederholt. Luscinus betrachtete die Wirkung und stellte fest, daß zwischen den Zähnen einige Fleischfasern des letzten Mahles mit anderen Speiseresten dabei waren ein Eiternest zu bilden. Naja, war bei dem Gestank auch nicht anders zu erwarten. Wenigstens tränten nach der Spülung die Augen nicht mehr und der Brechreiz war verschwunden. Wir werden dich zunächst einmal fixieren, damit wir in Ruhe arbeiten können ohne dich noch unnötig zu verletzen. Dann legte der andere Capsarius Sabaco einen Riemen über die Stirn und zog ihn am Stuhl stramm, so daß er sich nicht hin und her winden konnte, dann setzte er eine Maulsperre ein, welche den Unterkiefer soweit wie möglich vom Oberkiefer entfernt hielt. Danach band er Hände und Füße an den Stuhl. Als er seine Arbeit kontrolliert hatte nickte er Luscinus zu. Na schön! meinte dieser mit belegter Stimme, immerhin war dies ein Novum für ihn und vor ihm saß der Bruder von Ocella....ich kann dir nichts versprechen außer daß jetzt etwas für dich getan wird. Wenn die Götter dir gnädig sind, und das müssen sie, wirst du bald in Orpheus´Armen liegen. Was höchst wahrscheinlich war. Kein Mensch ertrug eine derartige Pein bei wachem Verstand.

    Er drückte von außen auf eine besonders aufgequollene Stelle.

  • Die Frage nach den Fliegen konnte Sabaco beantworten. "Die Scheißviecher versuchen es ... aber noch keine Maden. Danke für deine Hilfe, Mann."


    Sabaco spülte anweisungsgemäß seinen Mund und spürte, dass der Schmerz nachließ. Wann hatte er das letzte Mal schmerzfrei gelebt? Er konnte sich nicht erinnern. Irgendwann vor langer Zeit, bevor die Legio sein Leben wurde. Als man ihn festzurrte, entspannte er sich. Seine Muskeln erschlafften und sein Gesicht nahm einen friedlichen Ausdruck an. Was jetzt geschah, lag nicht länger in seiner Macht. Nun waren es andere, die kämpfen mussten. Er schaute den Medicus vertrauensvoll an, ehe er die Augen schloss, als würde er einschlafen.


    Sabaco erwartete den Schmerz.

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    So machten sich die beiden denn an die Arbeit. Sie reinigten die Stümpfe und den gesamten Rachenraum, dann, nachdem sie feststellten, daß sich kein weiterer Eiter im Zahnfleisch befand nickte Luscinus seinem Kameraden zu. Der Hielt daraufhin den Kopf Sabacos ein wenig schräg fest und Luscinus begann die Backenzähne zu ziehen. Sie hatten Glück, wenngleich die Prozedur schmerzhaft und blutig war, so brach keiner der Zähen ab. Lediglich bei einem musste er das Zahnfleisch anschneiden um den Rupfer besser ansetzen zu können. Nach einer Stunde, schweißnaß tupfte er den bearbeiteten Bereich mit einem Tuch aus und bat Sabaco eine Tinktur aus Syzygium aromaticum und Althaea officinalis zu gurgeln. Die übelsten Zähne sind raus. Morgen kommst du wieder und wir schleifen dir die Kanten an den vorderen Zähnen weg. Inzwischen gurgelst du vor dem Schlafen gehen diese Tinktur. Essen fällt heute aus! Du hast im Mund eine einzige Wunde, da darf jetzt nichts drankommen ausser der Tinktur!. Sie banden ihn los und nickten ihm auffordernd zu. Der Blutverlust war erstaunlich gering. Ebenso die wirklichen Entzündungen. Es war bloß eine Drainage nötig. Sie halfen ihm hoch und warteten ob er stehen konnte ohne in sich zusammen zu sacken.

  • Sabaco konnte stehen und grinste etwas mit seinen gelichteten Zahnreihen, doch sein weißes Gesicht glänzte vor Schweiß und er stand unsicher. Eine Operation im Mundraum, wie gut sie auch verlaufen sein mochte, war nicht ohne, mit den vorhandenen Mitteln der Betäubung noch weniger. Er krallte sich einen der Capsarii und zerrte ihn zu sich, um sich mit der Hand an dessen Schulter abzustützen. So würde es gehen, ohne dass man ihn irgendwo aufsammeln musste.


    Er sah Dicax an. "Danke." Seine Stimme war leiser als sonst. "Ich kann gehen. Aber einer muss mich rüberbringen, sonst lande ich im Dreck. Dann müsst ihr mich schleppen."


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    Luscinus nickte verstehend und während er sich die Hände wusch kamen zwei Capsarii herein und begleiteten Sabo hinaus.

    Und nicht vergessen! Nichts Essen und vor allem Morgen wiederkommen! Er hatte noch nie ein dermaßen verrottetes Maul bei einem solch vergleichsweise jungen Menschen gesehen. Sein Blick fiel auf die entfernten Zähne. Interessiert betrachtete er deren zerfressene Struktur. Was diesen Zahnfraß wohl auslöste? Er hatte des öfteren mit dieser schwarzen Plage zu tun. Auch mit Rückgang des Zahnfleischs oder Zahnausfall. Inzwischen wußte er, daß der bestialische Gestank von den Speiseresten her rührte. Der Zahn als solches...er roch vorsichtig daran, roch nach Blut und etwas anderem aber nicht noch Fäulnis. Diese konnte also nur vom Fleisch ausgehen.

    Er warf den Zahn zurück zu den anderen und begab sich in den nächsten Behandlungsraum. Der Medicus würde dort einen Trümmerbruch im Unterschenkel operieren. Ob das Bein zu retten war blieb fraglich. Irgendwie freute er sich schon auf den Eingriff. Er war neugierig wie der Medicus das hinbekam und ob er es genauso machen würde.

  • Zwei waren besser als einer. So war das immer. In dem Fall konnten sie Sabaco, sollte er doch umkippen, leichter aufsammeln. Für einen Eques war er ein ziemlicher Brocken. Doch er schaffte es ohne Zwischenfälle zurück in das Quartier, das sein Bruder ihm organisiert hatte. Die nächste Zeit verbrachte Sabaco mit fiebern, schlafen und leiden. Es war ein gutes, heilendes Fieber, das seinem Körper half, das Übel auszutreiben, was sich in ihm eingenistet hatte. Er aß nichts, wie es ihm gesagt worden war und war vernünftig genug, im Bett zu bleiben. Nur der Durst nach Wein war ziemlich stark, doch noch gelang es ihm, diesen zu unterdrücken. Als er wieder´ins Valetudinarium zur Nachkontrolle kam, war seine Temperatur zwar immer noch erhöht, doch die Wunden hatten aufgehört zu hacken.


    "Ich glaube, das heilt", sagte er unfachmännisch und machte es sich auf dem Behandlungsstuhl bequem.

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    Luscinus schickte Sabaco in den Stuhl und nickte bestätigend. Ja, das sieht ganz gut aus. Wir werden dir jetzt die zwei Zähne etwas abfeilen, damit sie dir nicht die Zunge verletzen. Er bat ihn den Mund aufzuhalten und kam mit einer kleinen Feile an. Damit feilte er langsam und mit möglichst wenig Tiefgang in den Rachen die beiden Zähne. Die scharfen Kanten verschwanden.

    Zufrieden betrachtete er sein Werk. Danach nahm er die Drainage heraus und ließ er Sabaco noch einmal spülen.

    Das sieht gut aus,...ich empfehle einen weiteren Tag dreimal spülen und dann ab Morgen zunächst leichte Breie, nichts Festes, kein Alkohol. Nach dem Essen spülen. Wenn du noch Tinktur brauchst, kommst du wieder.

    Die kleine Amphore enthielt genug Tinktur für zwei Tage. ...und bleib´mit deinen Fingern aus deinem Mund!

    Er nickte ihm zu. Die Wunden heilen dann schneller, so in zwei, drei Tagen. Ab dem vierten Tag kannst du dann wieder festere Nahrung versuchen. Glaub´mir du merkst schon ob du soweit bist. Wenn du Probleme bekommst weißt du wo du uns findest!

    Dann machte er sich in den nächsten Raum auf.

  • Sabaco ließ den Mensch seine Arbeit machen. Er zappelte nicht und benötigte auch keine Fixierung oder Maulsperre für die Nachbehandlung, auch wenn ihm dann und wann mal ein Bein oder Arm zuckte. Als es geschafft war, stand er auf. Mit der Zunge fühlte er nach den gefeilten Zähnen. Viel besser. Dicax verstand sein Handwerk. Aber kein Alkohol ... na prima. Auf Essen konnte er notfalls verzichten, aber kein Wein? Er hatte ja jetzt schon Schmacht ohne Ende. Sabaco bedankte sich und stapfte mit einem so finsteren Gesicht zurück in seine Unterkunft, dass die Soldaten ihm auswichen. Die nächste Zeit war es besser, wenn er die Tür hinter sich zu machte. Er würde vollkommen ungenießbar sein.


    RE: Ausbildungsturma Ala II Numidia >>>

  • Ocella lag auf seiner Pritsche und dümpelte vor sich hin. Die Kumpels waren wieder weg und er hatte Langeweile. Luscinus kam regelmäßig vorbei und sah nach dem Rechten. Die Wunde war entgegen erster Prognosen gut verheilt und morgen wollte man die Fäden ziehen, damit sie nicht einwuchsen. Trotzdem durfte Ocella nichts weiter tun als sich nur so zu bewegen, daß er nichts in der Wunde spürte. Kein Ziehen oder Zerren war erlaubt. Anfangs hatte er noch eine Heideangst gehabt. Die Kerle murmelten was von potentiell und Darmverschlingung...und was zum Geier war Mundstuhl?

    Doch bald schon gab es Entwarnung. Obwohl Ocella es seltsam befremdlich fand als der Medicus und seine Helfer seinen Haufen inspizierten. Occultes Blut suchten sie. Nix, sein Scheiß war in Ordnung!

    Nicht in Ordnung war der Fraß,...nur Suppen ohne Schmackes, kein Brot, kein Puls.

    Ocella hatte den Eindruck er wurde schon dünner...wann kam er hier endlich wieder raus?

  • <<< RE: Porta praetoria – Haupttor (Vor dem Betreten des Lagers bitte hier anmelden!)


    Die Mitarbeiter des Valetudinariums bekamen es mit einem sehr angespannt wirkenden Besucher zu tun. Sabaco sah aus, als würde er jedem, dem er begegnete, das Genick brechen wollen. Im Laufe der Jahre hatte man ihm jedoch ein brauchbares Maß an Disziplin eingeprügelt und er wollte nur so schnell wie möglich zu seinem kleinen Bruder. Sein Gesichtsausdruck lockerte sich, als er nach kurzem Klopfen in den Raum trat. Blass und zerknittert lag Ocella auf seinem Kopfkissen. Sabaco zerrte sich einen Stuhl an das Bett und musterte das Brüderchen mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn.


    "Ist die Sau tot oder ist das noch zu erledigen?"

  • Ocella schreckte aus seinen Träumen auf und sah in das grinsende Gesicht seines Bruders. Oh,...ich denke das haben schon ein paar garstige Waldläufer versucht, aber sie waren schlampig!

    Mit einem schmerzverdrängenden Grinsen kam er hoch und umarmte seinen Bruder. Überraschenderweise war der Geruch von Muff und leichter Fäulnis gewichen.

    Nach der Umarmung setzte er sich auf die Bettkante und meinte, ...der Posten bei der Classis scheint dir zu bekommen!?

    Er grinste Sabaco an. Immerhin darfst du dich frei bewegen und ziehst keine Fliegen mehr an. Er hoffe daß sein Bruder, angesichts seiner momentanen Situation, auf seine übliche Reaktion in Form eines brüderlichen Schlages, verzichten würde.

  • Auf den Gedanken, den Bruder in seinem marodierten Zustand zu klapsen oder mit der Faust zu knuffen kam Sabaco nicht. Stattdessen wartete, wie kräftig Ocella ihn umarmte und dann umarmte er ihn genau so fest (oder auch nicht fest) zurück.


    "Ich sprach von dem Schwein, das dir das angetan hat, Ocella. Du bist keine Sau." Obwohl der Kleine gern so tat und die meisten es glaubten. "Wenn dieser Bastard noch lebend rumläuft, gib mir eine Beschreibung. Ich finde heraus, wer das ist und dann häute ich ihn. Wie geht es dir jetzt, was hast du überhaupt für eine Verletzung?!" Ein Schlag auf den Kopf schien es nicht gewesen zu sein, der sah normal aus und Ocella hatte auch nicht sein Sprachvermögen eingebüßt, was durchaus vorkam, wenn man so einen Hieb überlebte.


    "Ja, die Arbeit bei der Classis ist ganz mein Ding und die Vorgesetzten sind anständig." Selbst der bekloppte Terentius Ruga war bislang eigentlich in Ordnung, Sabaco konnte ihn bloß nicht leiden. "Der eine Gubernator hat neulich mit mir gesoffen und gemeint, dass es in Flussmuscheln Perlen gibt. Wenn es wärmer wird, will ich mein Glück mal versuchen. Wir machen außerdem bald die erste Flusspatrouille. Mit zwei Naves lusoriae."

  • Achso,...entgegnete Ocella und machte eine wegwischende Bewegung. Die Mühe kannst du dir sparen,...von den Barbaren lebt kein einziger mehr,... sein Blick wurde kurz leer als er von den Erinnerungen übermannt wurde. Ich habe eine Menge Glück gehabt,...der Treffer war wohl von der Hamata abgeleitet,...ein wenig weiter in die Mitte und ich wäre nicht mehr.

    Er hob die Tunika und zeigte seinem Bruder die gut heilende große Narbe eine Handbreit über der Hüfte. Morgen wollen sie die Fäden ziehen,...und wenn alles klar geht bin ich nächste Woche wieder auf dem Damm. Was optimistisch war. Er ersparte seinem Bruder die Einzelheiten. Fakt ist er wäre beinahe drauf gegangen.

    Erfreut lauschte er Sabo´s Erzählungen über seine Einheit. Er nickte zuweilen und fragte nach wenn er etwas nicht verstand.

    Gubernator? Hört sich an wie ein Gladiator...und was ist ein Naves Iusoriae? Sabo war, wie es schien endlich irgendwo angekommen. Ocella hatte ihn lange nicht mehr so ausgeglichen gesehen.

  • "Sieht so weit ganz gut aus die Wunde. Du hast abgenommen, das ist nicht gut, iss mal mehr. Und lass dir Zeit mit der Genesung, aufbrechende Narben sehen aus wie ein geplatztes Würstchen und fühlen sich auch so an. Würden diese Barbarenschweine noch leben, hätte ich diesen Fehler behoben und sie zu ihren Göttern geschickt. Von welchem Kackstamm waren die, weißt du das? Der braucht eine Strafexpedition. So was muss man ausräuchern mit Stumpf und Stiel."


    Von der Sache her war Sabaco niemand, der meinte, dass alle Römer anständig seien und alle Barbaren finstere Gesellen. Bei der Classis dienten anständige Germanen und auf die Ala traf das Gleiche zu. Genau so gab es haufenweise Arschloch-Römer. Aber wo ein einzelner Stamm dermaßen aggressiv agierte, musste man aufhören, dem Individuum neutral gegenüberzustehen. Die Dörfer waren Brutnester, die man ausräuchern musste, weil sie immer wieder neue Krieger ausspien, die Frauen Brutmütter, die Kinder ekelhafte Larven, aus denen neue Brutmütter und neue Krieger wurden, wenn man sie nicht rechtzeitig ersäufte. Sie waren Ungeziefer. Und so mochte Sabaco es auch nicht leiden, wenn Ocella allzu sehr von deren Weibsvolk schwärmte ... die germanischen Frauen standen den Kriegern an Heimtücke in nichts nach.


    "Wenn es dir besser geht, erzähle ich dir von Gwendolyn", entschied er.


    "Stimmt ... der Gubernator ... mit einem Paddel als Waffe. Klingt gut. Stilo erzählte mal Ähnliches von dem Theater in Satala, das damit wirbt, die hässlichsten Schauspieler der Welt zu haben. Die Aufführungen sind eher witzig gestaltet." Bei der Vorstellung kratzte er sich grinsend die Brust. So eine Darbietung in der Arena würde ihm gefallen. Ohne viel Blutvergießen, denn wer sah schon gern seinen Favoriten abkratzen, dafür mit spektakulär choreografierten Kampfeinlagen.


    "Ein Gubernator ist ein Steuermann, der gehört zum nautischen Zweig der Flotte. Für unsere Navis lusoria brachen wir allerdings keinen. Du kennst diesen Schiffstyp, du kannst nur den Namen gerade nicht zuordnen - es sind diese flachen, langen Patrouillenschiffe, die ständig den Rhenus auf und ab fahren. So eins darf ich leiten." Man hörte ihm an, dass er sich darauf freute.

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