[Habitatio] Centurio Aulus Iunius Avianus

  • [Blockierte Grafik: http://s14.directupload.net/images/141021/e4ctfnz5.jpg] | Sarah


    Sarah schrie auf vor Schmerz aber noch mehr vor Wut. Der Centurio hatte sie zu Boden gedrückt und sie konnte sich nun kaum noch rühren, geschweige denn sich wehren. Nur ein einziger Gedanke beschäftigte sie gerade in dieser auch so ausweglosen Situation: So würde es nun allen ihrer Geschwister gehen. Alle würden verhaftet werden. Der Untergang ihrer Gemeinde drohte!


    Dieses miese Aas! Er hatte sie und ihre Gutgläubigkeit nur benutzt, um ihrer Gemeinde zu schaden. Wegen ihm war sie zur Verräterin geworden. Nein, nein… sie hatte der Gemeinde geschadet, Sie ganz alleine! Sie hatte geglaubt, alleine entscheiden zu können, wer gut und böse war. Wer verfolgt und wer unbehelligt bleiben könne. Nun rächte sich alles!


    Der Centurio zog sie wieder nach oben und stellte sie auf ihre Füße. Sarah leistete nun keinen Widerstand mehr. Es war zwecklos, denn es würde dadurch für sie nur noch schmerzvoller werden. Sie nickte ihm nur stumm zu auf seine Frage und ließ sich von den Urbanern abführen.

  • Das Schlimmste an diesen Erinnerungen war, dass sie sich kaum noch an die Gesichter und Namen ihrer eigenen Verwandten entsinnen konnte. Sie waren mit der Zeit verblasst, trüb und stumpf geworden, wie bei einem alten Spiegel, der lange nicht mehr in Gebrauch gewesen war.
    Deshalb zwang sie sich, nicht mehr weiter daran zu denken. Doch es war schwer, die Vergangenheit auszublenden. Gerade dann, wenn deren Fangarme noch bis in die Gegenwart reichten und nach ihr zu greifen drohten.


    Das Einzige, was ihr nun noch Halt geben konnte, war er. Avianus bemühte sich sehr. Er verstand sie und wusste, dass es allein seine Zuneigung war, die ihr jetzt helfen konnte, nicht völlig zu verzweifeln. In seinen Armen und durch seine Küsse fand sie Schutz und Geborgenheit. Sibel ließ sich darauf ein und schmiegte sich an ihn. Er zeigte ihr, dass es so viel mehr gab im Leben, als das, was bereits hinter ihr lag. Nach vorne zu schauen, das war es, was er ihr durch sein Alphabet nun vermitteln wollte: Amandissima, bellissima, carissima, dulcissima, egregia maxime, fidelissima … Diese Worte waren wie Balsam auf einer Wunde, die einfach nicht heilen wollte. Alleine schon ihr Klang übte einen gewissen Zauber auf sie aus.


    Sibel schloss ihre Augen. Ihre Arme legten sich um ihn und sie erwiderte seinen Kuss, wieder und immer wieder. „Nein, lass uns weitermachen… grata, honestus, intimus, largire, magnificare,…“, raunte sie ihm zu und ergab sich nach jedem Wort wieder ihrer Zärtlichkeiten, die sie ihm nun schenkte.


    Sim-Off:

    Wer Fehler in meinen Latein-„Künsten“ entdeckt, darf sie gerne behalten. :P Ich oute mich an dieser Stelle gerne mal als Nicht - Lateinerin, 8o die erst mühevoll alles im Wörterbuch nachschlägt, oder Caesar und Tante Google fragen muss. :D
    [SIZE=7]Tja, ich habe halt damals, vor gefühlt hundert Jahren, was "Gescheites" in der Schule gelernt und mich für Gallisch als Fremdsprache entschieden. 8) Konnte ja keiner ahnen, dass es mal das Internet geben wird und ich im IR mitspiele! :D[/SIZE]

  • Ihre Reaktion auf seinen Versuch, sie zu trösten, übertraf seine Erwartungen sogar. Sie ließ zu, dass er ihr half, die Erinnerungen, die sie so sehr belasteten, von sich wegzuschieben. Ihre Tränen trockneten nicht nur, sie setzte das Spielchen selbst fort, ließ auch ihm liebevolle Worte zukommen und zeigte ihm damit, wie sehr sie seine Liebe erwiderte. Natürlich wusste er, wie viel er ihr bedeutete, es zu hören und zu spüren, war dennoch um so vieles wertvoller.
    "Gut …", begann er breit lächelnd zwischen ihren Küssen, "… dass du das K ausgelassen hast … das wirst du ohnehin nie brauchen …" Bei den zwei oder drei Worten, die damit geschrieben wurde … ein Kaeso oder Karthago hätte der Stimmung nicht sonderlich geholfen. Aber was wollte er noch mit sachlichem Gerede, an gewöhnlichem Unterricht waren sie doch längst vorbei.
    Er ließ sich von ihr liebkosen und küssen und erwiderte ihre Küsse und Zärtlichkeiten, hatte dabei allerdings Mühe sich neue Worte einfallen zu lassen. Seine Vorfahren hätten sich ruhig ein paar hübsche Worte mehr ausdenken können, die mit einem N begannen … Anstatt weiter zu grübeln, ließ er sich auf sie ein und vertraute darauf, dass sie ihm zu den rechten Worten verhelfen würde. Da waren ihr Duft, ihre zarte Haut, ihre süßen, weichen Lippen … Süß wie Nektar.
    "Nectarea …", setzte er endlich lächelnd fort, rückte noch während er an ihren Lippen hing, seinen Stuhl etwas zurück und zog ihre Schenkel auf seinen Schoß, "… optima, pulcherrima, quaesita, radiosa …"
    So ließ sich das Alphabet natürlich auch lernen.

  • „Wer braucht schon das K, Liebster?“ raunte sie Avianus zu, während sich ihre Finger in sein Haar vergruben. Noch hatte er versucht, sachlich zu bleiben. Jedoch schien ihm diese Art von Unterricht weitaus mehr Freude zu bereiten. Letztendlich zog er sie zu sich her. Zuvor hatte er ihre Tunika nach oben geschoben, so dass sie nun bequem auf seinem Schoß sitzen konnte. Nun da sie ihn direkt vor sich hatte, war es ihr möglich, ihn noch eindringlicher zu liebkosen.


    Avinus setzte derweil seinen „Unterricht“ fort und wählte Worte, die ihr sagten, wie sehr er sie begehrte und was sie ihm bedeutete. Animiert von ihren Küssen, wählte er zunächst ‚Nectarea‘ aus und ließ sie dadurch wissen, wie sehr ihn ihre Lippen an süßen Nektar erinnerten. Sibel griff sogleich das Wort auf, um ihm den Augenblick noch mehr zu versüßen.
    „Nectarea? Möchtest du noch mehr davon kosten?“ Sie hielt ihn inzwischen mit ihren Armen umschlungen und begann ihn nach jedem Wort, welches er ihr sagte, nun noch leidenschaftlicher zu küssen.


    Sibel musste nicht lange grübeln, um die Reihe der noch folgenden Buchstaben fortzusetzen. Sie wusste genau, was sie nun anstrebte. Zweifellos war es das Gleiche, was er wollte. Die Umstände dafür waren womöglich etwas unkonventionell. Doch war es nicht gerade das, was ihre Beziehung ausmachte? Gegen alle Konventionen!
    „Sentire,… tangere, ….unire,…volupe,“ hauchte sie, während ihre Küsse dazwischen fordernder wurden. Lediglich beim letzten Buchstaben „x“ wollte ihr lange partout nichts einfallen. Doch dann fand sich das letzte passende Mosaiksteinchen: „Xenium.“

  • Mehr? Was für eine Frage. Am liebsten würde Avianus nie wieder etwas anderes kosten. Hätte sie ihm die Chance gelassen, es auszusprechen, er hätte es getan. Doch sie verstand ohnehin bereits und ließ nur noch von ihm ab, um ihm zwischen ihren fordernder werdenden Küssen Worte für die letzten verbliebenen Buchstaben zuzuwispern.
    Sie waren es auch, die ihm endgültig zu verstehen gaben, was nun ihr Wunsch war. Küsse und Berührungen waren nicht genug. Wie könnte es auch anders sein. Geplant hatte er das hier sicherlich nicht, in erster Linie hatte er sie ursprünglich trösten wollen, aber wann hätten sie jemals zuvor die Finger von einander lassen können? Und was sie schon seit jeher als Geschenk bezeichnete, würde er mindestens so sehr genießen wie sie. Sie würden einander wieder weit fort tragen, fernab aller Sorgen und Fragen nach der Zukunft würde es einmal mehr nur sie beide geben. Ob gleich hier auf dem Stuhl, auf der Kline oder im Bett war ihm dabei vollkommen egal. Denken war bei all ihren Küssen und wie sie ihre Arme um ihn schlang ohnehin zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Er zerrte sich die Tunica hoch, damit sie ihnen nicht im Weg war. Während ihre Küsse noch leidenschaftlicher wurden, wanderten seine Hände wieder zu Sibels geöffneten Schenkeln hinunter, unter den Stoff der Tunika, den er dabei noch etwas weiter hochschob, und zu ihrem Hintern. Ihre wunderschönen, rosigen, weichen Schenkel ... wie gerne hätte er auch sie mit Küssen bedeckt, stattdessen nahm er nun mit ihrem Dekolleté vorlieb, was schlussendlich mindestens so schön war, so wie auch alles andere an seiner Geliebten und ließ seine Lippen wieder zu den ihren zurückkehren.

  • Ja, ein Geschenk! Das wollte sie sein. Obwohl ihm doch bereits alles gehörte. Doch sie schenkte ihm noch mehr als nur ihren Körper. Sie wollte ihm aufs Neure ihre Liebe und ihre Hingabe beweisen, dass es nur ihn gab und dass er für sie das Wichtigste war in ihrem Leben. Doch nicht nur das war es, was sie antrieb. Es war auch die Gewissheit, durch seine innige Nähe Trost zu finden, und einen Lichtblick zu haben, der alle Hindernisse, die das Leben für sie bereithielt, für eine gewisse Zeit ausblenden zu können. Dann gab es nur sie und ihn. Wenn sie zu Einem verschmolzen, konnte sie nichts und niemand mehr trennen.


    Sie half ihm mit der Tunika, die seine Hände noch ein Stückchen weiter nach oben geschoben hatten. Schnell war sie von ihr über den Kopf gestreift worden und landete dann achtlos auf dem Boden. Nun konnte er sie in all ihrer Pracht kosten, was er dann auch tat. Sie genoss es in vollen Zügen, wenn er das tat. Wenn seine Lippen über ihre Haut wanderten und sie liebkosten.


    Behutsam vereinigten sie sich schließlich. Anfangs waren ihre Bewegungen noch sanft, doch sie ließ sich stetig mitreißen, hin zu den höchsten Wogen der Leidenschaft. Dabei hielt sie ihn umschlossen, mit ihren Armen. Immer weiter, immer höher trug sie ihn hinauf zum Gipfel.

  • Wie sehr er es liebte, wenn ihr bebender Körper sich an ihn schmiegte, zu spüren wie sie seine Zärtlichkeiten genoss … mindestens so sehr, wie selbst von ihr Küsse und Berührungen zu empfangen. Sie befreite sich endlich von ihrer Tunica, und seine warf er ebenso achtlos neben ihre. Wer wäre er, ausgerechnet ihr zu verweigern, was sie ihm so bereitwillig darbot?
    Diese Sekunden der höchsten Ekstase, zu welchen sie ihn zu führen vermochte, wenn er mit ihr an seiner Seite den Höhepunkt erreichte und der Augenblick direkt danach, wenn er plötzlich alles vollkommen klar zu sehen glaubte, all das musste das schönste Gefühl der Welt sein.


    Mit einem glücklichen Lächeln lehnte er sich ganz und gar entspannt zurück, die Arme um Sibels Taille gelegt. Es war immer wieder erstaunlich, wie seine sich sonst so zurückhaltende Sibel mit ihrem meist viel zu geringen Selbstbewusstsein in solchen Situationen stets genau wusste was sie wollte und wie sie dann alle Ängste abzuschütteln schien, als würde sie plötzlich sie selbst werden durch diese Nähe, die er ihr schenkte. Ein Geschenk, welches er ihr nur zu gerne machte, selbst wenn er hoffte, dass sie es irgendwann nicht mehr brauchen würde.
    Jetzt jedenfalls war er wunschlos glücklich, denn Sibel hatte einen schönen Tag gerade zu einem perfekten werden lassen, selbst wenn er sich gerade an die eine oder andere Frage erinnerte, die er sich stellte seit er kürzlich mit Seneca einen Abend in einer Taberna verbracht hatte und dadurch etwas nachdenklich wurde. Schweigend aber zufrieden strich er seiner Liebsten über den Rücken.

  • Mit einem letzten lustvollen Seufzer entwich die Spannung aus ihrem Körper. Zunächst verharrte sie noch einem Moment in der Umarmung. Dann gab sie ihn frei und schenkte ihm ein Lächeln, dass dem Glanz des Morgentaus glich. Dies waren die Augenblicke in denen sie besonders glücklich war. Immer wenn sie sich geliebt hatten, fühlte sie sich so frei und beschwingt, als könne es nichts mehr geben, was ihre Gedanken trüben könnte.
    Nicht zu glauben, dass sie das vor kurzer Zeit noch wegwerfen wollte. Auch wenn die Trennungslinien zwischen ihnen in den letzten Wochen wieder mehr sichtbar geworden waren. In solchen Momenten waren sie hinfällig, denn solange sie sich liebten, konnte sie niemand so einfach trennen. Sibel hatte keine großen Ansprüche, sie würde es nehmen, wie es kommen würde. Was allerdings nicht hieß, dass sie nicht kämpfen würde. Wenn eines sie das Leben gelehrt hatte, dann war es, dass sie nie wieder etwas einfach nur so etwas hinnehmen würde. Ein wenig mehr Selbstvertrauen konnte dabei natürlich hilfreich sein. Doch um das zu erlangen, brauchte es Zeit, viel Zeit.


    Unterdessen hatte er sie etwas zurückgelehnt. Seine Arme lagen noch immer um ihre Taille. Auch Avianus sah glücklich und zufrieden aus. Sanft strich er ihr über den Rücken. Seine Sorgenfalten, die ihm in letzter Zeit öfters im Gesicht gestanden hatten, waren nun nicht mehr zu sehen. Ja, sie war sich sehr wohl bewusste, dass sie ihm diese Sorgen bereitete. Doch sie wusste inzwischen auch, dass die Lösung ihres Problems nicht einfach darin bestand, wenn sie einfach ging. Es war eben eine verzwickte Situation!


    „Und wie geht nun dein Unterricht weiter, Magister?“, fragte sie ihn kokett, während sie immer noch auf ihm saß und auch keine Anstalten machte, sich erheben zu wollen. Schließlich gab es da ja noch die Nachricht von Morrigan, deren Inhalt sie noch gar nicht kannte.

  • Ihr strahlendes Lächeln ließ ihn noch ein Stück glücklicher werden. Es war dieses Lächeln, von dem Avianus sich jedes Mal wünschte, es möge doch nie wieder ganz verschwinden, selbst wenn er wusste, wie unrealistisch dieser Wunsch war. Man durfte ja noch träumen.
    Glücklicherweise war es durch die erst vor kurzem entzündete Kochstelle angenehm warm im Raum und würde keine Eile herrschen sich wieder einzukleiden. Gerne behielt er Sibel bei sich, solange sie wollte.
    "Hmm …", brummte er leise, so als müsste er über ihre Frage nachdenken, und blickte zu ihr auf, dieses Mal mit einem amüsierten Grinsen. "Industria ist sie also auch noch, meine Sibel ..." Sie konnte ihn gerne Magister nennen, er fühlte sich dabei gut unterhalten, dass er sich dabei auch so streng und ernst wie einer verhielt, hieß das noch lange nicht. "Ich würde sagen, wir versuchen, den Brief zu entziffern", sagte er und streckte eine Hand nach dem Stück Papyrus auf dem Tisch, welches Morrigan ihm, oder gewissermaßen ihnen beiden, geschickt hatte.
    "Aber wenn du möchtest können wir auch die Buchstaben erneut durchgehen. Das liegt ganz bei dir, meine Liebste."
    Er konnte nur schwer beurteilen, wie viel sie sich bei dem bisschen lernen und nach dem zwischenzeitlichen Liebesspiel tatsächlich gemerkt hatte. Vielleicht war ja auch gerade durch ihr kleines Spielchen umso mehr hängen geblieben, wer wusste das schon. Aber wofür auch immer sie sich entschied, er wäre ja da um zu helfen, falls sie irgendwo stecken blieb. Und früher oder später würde sie das Lesen sicherlich lernen, schlussendlich machte ja vor allem Übung den Meister.

  • „Natürlich bin ich das! Nicht nur industria sondern auch ambitiosa!“, antwortete sie ihm grinsend. Schon lange war es ja ihr Wunsch gewesen, endlich auch lesen und schreiben zu können. Denn schon oft wäre es vorteilhafter für sie gewesen, wenn sie es gekonnt hätte. Doch nun, machte sie ihre ersten Schritte. Und womöglich würden dann noch ein paar Erinnerungen aus ihrer Kindheit zurückkehren.


    Avianus griff nun nach dem Papyrus, den Morrigan ihnen geschickt hatte. Gespannt sah sie zu, wie er sie aufrollte und die ersten Schriftzeichen zum Vorschein kamen.
    „Nein, ich würde sagen, ich versuche es einfach mal mit dem Entziffern. Wenn das nicht funktioniert, können wir immer noch die Buchstaben wiederholen.“ Zu einfach wollte sie es sich auch nicht machen. Sie hoffte, wenn sie die Buchstaben aneinanderreihte, dann den Sinn dahinter begreifen würde.
    Und schon begann sie mit dem ersten Wort: „S..A..L..V..E… Salve, das heißt Salve!“, verkündete sie stolz. Aber dabei wollte sie es nicht beruhen lassen und las weiter: „A..V..I..A..N..U..S… Avianus, dein Name!“ Ganz stolz auf die ersten Worte, die sie selber gelesen hatte, blickte sie zu ihm auf. Was sie vorher als kaum machbar erachtet hatte, funktionierte nun und je mehr Worte sie auf diese Weise erkundete, umso leichter fiel es ihr.
    „Sie freut sich für uns, dass wir zueinander gefunden haben und du sollst auf mich achtgeben … und sie würde sich über meinen Besuch freuen“, fasste sie schließlich den Inhalt des Briefes zusammen. Sie war so stolz auf sich!

  • Gespannt sah Avianus ihr dabei zu, wie sie Buchstabe für Buchstabe Morrigans Brief zerlegte. Er ließ ihr Zeit und tatsächlich schaffte sie es, die Nachricht praktisch ohne Hilfe zu lesen. Wenn sie so weitermachte, vielleicht täglich las und hin und wieder etwas schrieb, brauchte er sich um ihre Zukunft bald keine Sorgen mehr zu machen. Und vielleicht fand sich irgendwann noch die Zeit, ihr auch Rechnen beizubringen oder er könnte jemanden anstellen, der es ihr beibrachte, damit hätte sie dann noch bessere Chancen. Das alles lag aber in der Zukunft und um die wollte er sich jetzt eigentlich nicht scheren.
    "Und du sagtest, du kannst gar nicht lesen", kommentierte er grinsend mit nicht unerheblichem Stolz und gab ihr einen Kuss, "Du machst das richtig gut." Er nahm ihr sanft den Brief wieder aus der Hand, griff nach Tabula und Stilus und reichte ihr beides. Eine Seite der Tabula war ja noch leer.
    "Du könntest auch selbst versuchen, etwas zu schreiben … deinen Namen zum Beispiel. Es sei denn du hast für heute genug", schlug er als nächstes vor und legte ließ seine Hände wieder auf ihre Schenkel sinken.
    "Und was würdest du davon halten, wenn ich für dich ein paar Bücher auftreibe?", fragte er unterdessen, "Phaedrus? Plautus? Seneca? Catullus? Was auch immer du möchtest … oder du kannst dir für den nächsten Marktbesuch ein wenig mehr Geld nehmen und dich selbst umsehen."

  • „Aha, sie hat mich also eingeladen, sie zu besuchen.“ stellte sie erfreut fest. „Meinst du, ich könnte demnächst dort hingehen?“ Die Frage war tatsächlich ernst gemeint, denn noch immer war sie sehr auf der Hut, wenn sie sich alleine durch die Castra bewegte.


    Aber natürlich war sie auch sehr stolz darauf, was ihr soeben gelungen war. Doch sie vergas auch nicht, dass sie erst am Anfang stand. Sie hatte noch viel zu lernen!„Naja, also wenn du das „lesen“ nennst.“ Den ganzen Brief, auch wenn er recht kurz war, auf diese Weise Buchstabe für Buchstabe zu lesen, war doch sehr mühevoll und anstrengend. Trotzdem wollte sie jetzt noch nicht aufhören. Sibel war ganz versessen darauf, noch mehr zu lernen.
    Und deshalb sagte sie nicht nein, als er fragte, ob sie versuchen wollte, ihren Namen zu schreiben.
    „Nein, ist schob gut! Ich will es probieren!“, antwortete sie eifrig und nahm die Tabula und den Stylos. Die Buchstaben ihres Namens in das Wachs einzuritzen, wollte ihr noch nicht so leicht gelingen. Die Lettern sahen ziemlich krakelig aus, wie die Schrift eines Kindes. Aber sie versuchte es gleich noch einmal.


    Als Avianus von Büchern sprach, sah sie von der Tabula auf und legte den Stylos aus der Hand. „Bücher? Für mich? Aber ich wüsste nicht, welche. Damit kenne ich mich gar nicht aus. Und diese Namen sagen mir auch nicht viel. Haben die denn etwas Wichtiges geschrieben?“ Natürlich wäre es reizvoll gewesen, ein paar Bücher zu kaufen, wenn sie wieder zum Markt ging. Aber es wäre noch schöner gewesen, wenn er mit ihr zum Markt ging, um mit ihr ein paar Bücher auszusuchen.
    „Könntest du da nicht mitgehen? Du und ich? Wir beide könnten doch zusammen zum Markt gehen.“

  • "Natürlich … wieso nicht?", antwortete Avianus erst knapp und sprach weiter während sie sich daran versuchte, ihren Namen zu schreiben, was sie seiner Meinung nach auch recht gut machte für ihren ersten Versuch. "Ich finde es sogar gut, wenn du ein wenig aus der Castra raus kommst. Und sie ist ja eine Freundin von dir." So ganz verstand er ihre Frage nicht. Er wüsste nicht, welchen Grund es geben könnte, Morrigan nun doch nicht zu besuchen. Außerdem hatte sie ihnen mehr als einmal geholfen, soweit er wusste, es wäre also nur richtig, ihr eine Freude zu machen.


    Er suchte eine Antwort auf Sibels Frage nach den Autoren, die er zuvor genannt hatte. Ob die wichtiges geschrieben haben? Kam ganz darauf an, was man für wichtig hielt. "Fabeln, berühmte Theaterstücke, philosophische Texte, Gedichte, … und du kannst sie alle lesen, wenn du magst.", sagte Avianus schließlich lächelnd. Denn ja, was sie eben getan hatte, war lesen. Zwar nicht allzu schnell, aber dennoch las sie, und das auch noch ziemlich gut, dafür dass sie erst angefangen hatte zu lernen. Fabeln oder Gedichte waren da vermutlich genau das richtige. Knappe, leicht verständliche Texte eben. Er notierte es sich schonmal in Gedanken.
    Sein Lächeln wurde noch etwas breiter, als sie ihn fragte, ob sie beide zusammen Bücher kaufen könnten. Sie hatten noch nie gemeinsam den Markt besucht und er machte für gewöhnlich keine großen Einkäufe ... doch wenn sie ihn bat, wie sollte er es ihr abschlagen? Außerdem würde es mit ihr ganz bestimmt nicht fad werden, ganz im Gegenteil, sie könnten sich einen schönen Tag in der Stadt machen, ein wenig Normalität genießen und gemeinsame Zeit verbringen, jetzt wo er genauer darüber nachdachte.
    "Du und ich ... klingt eindeutig besser als alle meine Vorschläge zusammen. Natürlich können wir uns gemeinsam umsehen. Ich werde sehen, wann ich Zeit habe und dann machen einen Ausflug in die Stadt."

  • „Fein! Dann werde ich sie in ein paar Tagen besuchen gehen.“ meinte sie, während sie sich an dem E und dem L ihres Namens versuchte.
    „Und, wie findest du´s?“, fragte sie ihn etwas verunsichert, als sie ihr Werk vollendet hatte. Sie selbst war von ihrer Schrift noch nicht sehr überzeugt, da sie noch sehr holprig und ungleichmäßig wirkte. Bis sie so weit war, um selbst einmal einen Brief zu schreiben, würde sicher noch viel Zeit vergehen. Doch wenigstens hatte sie jetzt einen Anfang gemacht. Und das Avianus sie dabei unterstützen würde, war ihr gewiss.
    Nun erklärte er ihr, welche Werke hinter diesen Namen standen, die er ihr zuvor genannt hatte. „Fabeln?“ Da war doch was! „Ich kenne ein paar Fabeln. Als Kind mir meine Mutter welche erzählt. Besonders gerne mochte ich die vom Fuchs und vom Raben,“ erinnerte sie sich und musste immer noch darüber lachten, weil der Rabe so eitel gewesen war. Aber auch Gedichte und Theaterstücke hörten sich doch gut an. Obwohl sie noch nie ein Theater von innen gesehen hatte.


    Ihre Stimmung hob sich noch mehr, als er ihr versprach, sie beim Bücherkauf zu unterstützen, oder besser noch, einen gemeinsamen Ausflug in die Stadt zu machen, nur er und sie! „Ja wirklich? Oh da freue ich mich aber riesig!“ Eigentlich konnte sie es schon gar nicht mehr erwarten. Aber sie wusste schon, dass sie sich mit seinem Dienstplan arrangieren musste und es daher noch etwas dauern konnte, bis es soweit war.

  • "Wirklich, Sibel … du machst das gut", antwortete er vollkommen ehrlich und strahlte sie an, "Wir sind zwar noch lange nicht fertig, aber wenn du so weitermachst, lernst du das alles schneller als du denkst." Sie schien noch nicht ganz überzeugt von ihrer Leistung, da ließ er es sich natürlich nicht nehmen, sie weiter zu ermutigen. Immerhin, wenn sie einmal das System dahinter verstanden hatte war alles weitere lediglich Übungssache, und Zeit zu üben hatte sie seit sie bei ihm lebte mehr als genug. Dass sie lesen und schreiben lernte, war zudem nicht nur ihr Wunsch sondern auch seiner, sodass er sich umso mehr darüber freute, wie schnell sie lernte.
    Natürlich machte er sich Gedanken, weil er sie durch die Übungen so plötzlich in ihre Vergangenheit zurückkatapultiert und es mit der Erwähnung der Fabeln erneut getan hatte. Aber vielleicht war es genau das, was sie brauchte. Bisher hatte sie wohl kaum die Zeit und die Möglichkeit dazu gehabt zu verarbeiten, was ihr in ihrer Vergangenheit geschehen war, weil ständig neues Unheil sie heimgesucht hatte. Erinnerungen, die schwer auf einem lasteten, verschwanden nicht einfach indem man sie ignorierte, es wurde also höchste Zeit, dass sie damit abschloss. Und er würde ihr dabei helfen so gut er eben konnte, selbst wenn er nicht recht wusste wie. Ein gemeinsamer Ausflug würde für den Anfang jedenfalls nicht schaden. Nein, so glücklich, wie sie jetzt schon wirkte, nachdem er ihr seinen letzten Vorschlag gemacht hatte, wäre konnte es ihr nur gut tun.
    "Dann machen wir das so", stimmte er zu und grinste schief.

  • Die Sonne hatte sich längst gesenkt, und das Lager in mattes, tiefes Schwarz gehüllt, das lediglich von einigen Laternen durchbrochen wurde. Eine davon wanderte durch die Lagerstraßen, begleitet von hastigen Schritten und geräuschvollen Atemzügen. In ihrem Schein zeichnete sich die Gestalt eines abehetzten, jungen Soldaten ab. Das Licht bog ein in eine der Seitenstraßen, bewegte sich zielstrebig auf die Centurionenbaracke am Ende der Unterkünfte zu und hielt dort inne. Die Schritte waren verklungen, das Keuchen nicht. Die freie Hand des Miles hob sich, um an der Tür zu Klopfen.


    Dumpfes, aber drängendes Klopfen riss Avianus aus dem Schlaf. "Centurio ... ! Centurio ... Iunius Avianus!", drang ebenso dumpf eine atemlose Stimme von draußen in seine Habitatio, die mit aller Kraft versuchte von der Eingangstür seiner Unterkunft bis zu ihm durchzudringen. Erneut hämmerte jemand gegen dir Tür. Es war noch dunkel ... stockdunkel.
    Noch ein wenig verschlafen setzte er sich auf und blickte kurz auf Sibel hinab, deren Umrisse er in der Dunkelheit gerade noch so erkennen konnte. Ob auch sie geweckt worden war? Für den Fall, dass es so war, gab er ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange und wisperte: "Ich bin gleich zurück". Dann schälte er sich aus dem Bett und tappte, nach Tunika und Gürtel greifend, die er auf einem Hocker abgelegt hatte durch das finstere Zimmer. Die späte Uhrzeit und das dringliche Klopfen und Rufen beunruhigten ihn schon jetzt, noch bevor er wusste, worum es ging.
    "Centurio ...!", hörte er die Stimme erneut, als er sich die Tunika überstreifte. Erneutes Pochen an der Tür erklang, während er durch den Wohnraum, der noch von den Kohlen der Feuerstelle in dämmriges Licht getaucht wurde, in den Eingangsbereich schritt und unterdessen den Gürtel umlegte. Endlich öffnete er stirnrunzelnd die Tür und blickte im Schein der Laterne in das entsetzte Gesicht des Soldaten.
    "Was gibt es, dass du damit nicht zum Optio ...", begann er ein wenig unwirsch wurde dabei aber vom Miles unterbrochen, der noch immer nach Atem rang: "Centurio ... der Optio ... tot ... er ist tot."
    Die Falten auf Avianus' Stirn wurden nur noch tiefer, er starrte den Soldaten ungläubig an. So ein Blödsinn. Sein Optio war der einzige, der ganz bestimmt nicht tot war. Er hatte vermutlich etwas falsch verstanden. Konnte passieren, wenn man mitten in der Nacht aus dem Bett gescheucht wurde.
    "Was hast du gesagt?", fragte er deshalb noch einmal leicht irritert nach.
    "Tot, Centurio ... es gab Ärger bei der Patrouille ... der Germanicus ist tot ... wir haben ihn noch ins Lazarett gebracht, aber ..."
    Nach dem zweiten Versuch, die Lage zu erklären, glätteten sich die Züge des Iuniers. Langsam aber sicher wurde aus dem Blödsinn Wirklichkeit. Der Germanicus tot? Antias tot? Ob Blödsinn oder Realität, so recht glauben konnte er es dennoch nicht. Nein, dass würde er sich persönlich ansehen müssen, sonst würde er es nicht glauben. Er wandte sich von der Tür ab, um hastig in seine Stiefel zu schlüpfen, riss dem Miles vor der Tür die Laterne aus der Hand und eilte ins Dunkel.

  • Sibel hatte in der Geborgenheit von Avianus‘ Armen geschlafen. Harmonisch lagen ihre Körper dicht beieinander Bauch an Rücken. So hatte sie schnell zu einem ruhigen und entspannten Schlaf gefunden, der bis zum Morgen angehalten hätte, wäre er nicht unterbrochen worden.


    Sie hatte viel zu tief geschlafen, um das Klopfen an der Tür zu hören. Avianus jedoch hatte es aus dem Schlaf gerissen. Nachdem er sich von ihr gelöst hatte, setzte er sich auf. Ein Kuss folgte und das Versprechen, gleich wieder zurück bei ihr zu sein.
    Sibel wandte sich schlaftrunken zu ihm um. Ihre halboffenen Augen erkannten lediglich nur Umrisse. Nun, da sie langsam erwachte, nahm auch sie das stetige Klopfen und Rufen wahr und realisierte schließlich auch, dass etwas geschehen sein musste.


    Als Avianus bereits das Schlafzimmer verließ um zur Tür hinauszugehen, setzte auch sie sich verschlafen auf. Es war doch noch mitten in der Nacht! Was war denn so wichtig, was nicht bis morgen hätte warten können?
    Von der Tür drangen einige aufgebrachte Wortfetzen bis zu ihr hin. Sibel verstand allerdings nicht genau, worum es ging. Dennoch schien es wichtig zu sein. So wichtig, dass man ihn aus dem Bett geholt hatte.
    Einen Moment noch hatte sie gebraucht, bis auch sie das Bett verließ. Im Dunkel tastete sie nach ihrer Tunika, die sie, nachdem sie fündig geworden war, dann überstreifte. Barfuß tapste sie hinaus und versuchte, mit Hilfe eines Kienspans an der noch glimmenden Glut der Feuerstelle ein Öllämpchen zu entzünden. So dass nach einer Weile eine kleine Flamme den Raum mit ihrem warmen Licht erhellte.
    Avianus hatte bereits die Habitatio verlassen. Wohin er gegangen war, wusste sie nicht. Am besten war es, nun hier auf seine Rückkehr zu warten. Sie nahm sich einen Becher, füllte ihn mit Posca und nippte daran. Dann nahm auf einem der Stühle Platz und wartete.

  • Vollkommen in Gedanken versunken tappte er zurück zu seiner Habitatio, selbst wenn er nicht wusste, was er jetzt noch dort wollte. Schlafen? Ja, sicher. Als könnte er jetzt auch nur ein Auge zu machen. Sibel war dort, aber sie schlief sicher wieder, falls sie überhaupt aufgewacht war, und er würde sie mit dem Tod seines Optios bestimmt nicht mitten in der Nacht belasten. Doch wo sonst sollte er hin. Avianus hatte weder Sagum noch Geldbeutel mitgenommen und mit nichts als Tunika und Gürtel würde er nirgendwo hingehen. Ein anderer Weg stand ihm also gar nicht offen. Und war es im Grunde nicht ohnehin egal, wo genau er gedankenverloren vor sich hin starrte? Es spielte keine Rolle. Er brauchte einfach nur eine Pause, ein wenig Zeit zum Nachdenken.
    Möglichst leise schlüpfte er wieder ins Innere der Unterkunft und hielt einen Augenblick lang inne, bedrückt die Lippen zusammengepresst und auf den Boden starrend, bevor er die Klinke losließ und, ohne sich weiter umzusehen, im Arbeitszimmer verschwand. Während er um den Schreibtisch ging, stellte er die Lampe darauf ab, griff nach einer leeren Tabula und setzte sich schließlich. Über die Tabula gebeugt drehte er den Stilus zwischen den Fingern. Wenn er schon hellwach war und unfähig, sich erneut ins Bett zu legen, könnte er zumindest einen Teil der Schreibarbeit schon jetzt erledigen. Aber auch dafür schien er gerade keinen Kopf zu haben. Immer wieder setzte er den Stilus an und schrieb doch kein Wort. Selbst konnte er es noch immer nicht recht fassen, wie sollte er da einen Brief an Antias Familie schicken oder schon jetzt seinen nächsten Optio bestimmen. Schwer schluckend legte er den Stilus ab, fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und blickte die gegenüberliegende Wand an.
    Daran, was wohl geschehen würde, wenn ihm dasselbe passierte, wollte er eigentlich gar nicht denken, konnte er aber nicht verhindern. Sibel etwa würde ohne ein Testament an Axilla gehen. Seneca würde noch ein Familienmitglied verlieren. Natürlich passte er auf sich und seine Leute auf, aber Antias hatte stets dasselbe getan.

  • Sibel kämpfte ständig gegen ihre Müdigkeit an. Immer wieder wollten ihr die Augen zufallen. Das gedämpfte Licht ihres Lämpchens trug auch nicht gerade dazu bei, sie wach zu halten. Anfangs hatte sie noch mit dem Gedanken gespielt, wieder zurück ins Bett zu gehen. Doch je länger Avianus nun fort blieb, verwarf sie recht bald diesen Gedanken wieder und wollte weiter hier auf ihn warten.


    Letztendlich wurde sie auf das Geräusch einer sich öffnenden Tür aufmerksam. Leise Schritte folgten, die sich aber nicht zurück zum Wohnbereich bewegten. Sibel verharrte noch einen Moment und überlegte, was sie nun tun sollte. Ob sie nach ihm sehen sollte? Vielleicht brauchte er ja irgendetwas. Und wenn nicht, dann konnte sie wenigstens wieder beruhigt zu Bett gehen.


    Mit ihrem Lämpchen in der Hand, erhob sie sich gähnend und ging zur Tür. Leise und vorsichtig betötigte sie die Klinke und schritt durch die offene Tür hindurch. Im Arbeitszimmer brannte Licht. Auch wenn die Tür nur angelehnt war, erkannte sie doch einen Lichtschein durch den Türspalt. Vorsichtig drückte sie die Tür auf trat aber nicht ein. Sie fand ihn, an seinem Schreibtisch sitzend. Doch da er ihr seinen Rücken zugewandt hatte, erkannte sie nicht das Entsetzen, welches ihm immer noch im Gesicht geschrieben stand.
    „Aulus, was ist denn passiert? Willst du nicht wieder zurück ins Bett kommen?“

  • Sibel holte ihn ein Stück weit aus seinen Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Flüchtig warf er einen Blick über die Schulter und sah sie in der Tunika, die sie sich übergestreift hatte, und mit der Öllampe in der Hand im Türrahmen stehen.
    "Hm …? Nein … nichts, ich …", sagte Avianus zunächst mit belegter Stimme und hatte eigentlich so tun wollen, als wäre alles in Ordnung. Doch selbst er bemerkte, wie es ihm nicht so recht gelingen wollte. Er schob die Brauen zusammen und die Tabula, die er vor sich liegen hatte, von sich weg, um sich mit einem Arm auf den Tisch lehnen zu können, während er sich mit den Fingern der anderen Hand die Nasenwurzel rieb, und sah sich danach noch einmal nach Sibel um. Sie verstand es, alles Schlechte aus seinen Gedanken zu verscheuchen, so wie ein nur allzu bekanntes und gleichzeitig viel zu blasses Gesicht und darunter eine blutverschmierte Kehle, aber sie wirkte müde, und dass sie sich in letzter Zeit nicht ganz so blendend fühlte, hatte auch er schon bemerkt. Und wer wusste schon, wie lange sie bereits wach war. Vermutlich hatte der Miles an der Tür sie geweckt oder er selbst. Am besten sie legte sich wieder ins Bett. Früher oder später würde auch ihm am Schreibtisch die Augen vor Müdigkeit zufallen und er würde wieder zu ihr ins Schlafzimmer gehen. Sie mit solchen Problemen zu belasten, oder dass sie am Ende gar mit ihm gemeinsam wach lag, war das Letzte, was er wollte.
    "Du solltest dich wieder hinlegen …", sagte er deshalb schlicht.

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