Causa Templi Aesculapii

  • Der Aquilier gab sich nach einiger Zeit, in der es nicht persönlich in das Collegium geschafft hatte, wieder einmal die Ehre eines Besuchs bei seinen Pontifices. Er hatte auch ein Thema mitgebracht, das er im Vorfeld auf die Tagesordnung hatte setzen lassen, das zeitnah aufgerufen wurde. Immerhin war er der Kaiser und seine Anliegen genossen Vorrang.


    "Geschätzte Pontifices," begann er und blickte um sich. "Ich komme heute mit einem Anliegen, das ein wenig unkonventionell für dieses Collegium erscheinen mag. Dennoch berührt es nicht nur organisatorisch, sondern auch sachlich die Pax Deorum. Aufgrund ihres reichen Erfahrungsschatzes diesbezüglich wird aber meine Medica personalis, Plinia Chrysogona, die Lage persönlich vortragen." Damit ließen die Calatores die Ärztin ein, die Severus schon bei der Anreise in seiner Entourage mitgeführt hatte und die nach altem Gebrauch draußen warten musste, bis sie aufgerufen wurde.

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    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Chrysogona war nervös. Der Kaiser hatte sie tatsächlich eingeladen vor dem Collegium Pontificum in der Regia des Cultus Deorum zu sprechen. Ihr war bewusst, dass es wohl nicht vielen Frauen jemals gestattet sein dürfte vor diesem erlauchten Personenkreis aufzutreten. Sie trug ein einen weißen, bodenlangen Peplos und einen ebenso langen klassischen Himation. Das Haar trug sie streng zum Knoten auf dem Hinterkopf aufgesteckt.


    Als man sie hereinbat straffte die Medica ihren Rücken, atmete tief durch und räuspertes sich, um die Stimmbänder frei zu bekommen. Dann schritt sie selbstbewusst an den Platz, den man ihr für ihre Ansprache zugestanden hatte. Sie warf einen Blick in die Gesichter der versammelten Pontifices und wartete bis ihr die Aufmerksamkeit aller gewiss war. Dann begann sie mit ruhiger und klarer Stimme zu sprechen.
    "Hochverehrte Pontifices, Hüter der Pax Deorum, ich danke euch, dass ich heute vor euch die Stimme erheben darf. Es geht um eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger Roms."
    Chrysogona blickte in die Gesichter der Pontifices der ersten Reihe und vergewisserte sich der ungeteilten Aufmerksamkeit.


    "Wie vielleicht noch nicht alle wissen, stamme ich aus Alexandria und habe viele Jahre am Asklepieion von Kos praktiziert. Seit meiner Ankunft in Rom, wo mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kaisers und seiner Familie zu sorgen, besuche ich regelmäßig den Tempel des Aesculapius auf der Tiberinsel. Das Heiligtum erfreut sich großer Beliebtheit und wird von sehr vielen Heilungs- und Ratsuchenden aufgesucht. Die Anzahl der Kranken, die dort Opfer- oder Votivgaben darbringen wollen, steigt stetig. Lange Wartezeiten sind die Folge. Die Kranken und Siechen lagern in den Portiken oder auf dem Vorplatz des Tempels. Die beengte räumliche Situation und die schlechten hygienischen Bedingungen bergen eine große Gefahr für die Stadt. Diese Menschen bringen schwere und nicht selten übertragbare Krankeheiten mit. Die Tiberinsel könnte sich zu einer Gefahr für die Gesundheit aller Bürger Roms auswachsen."


    Die Medica machte eine Pause. Sie wollte sehen wie ihre Rede aufgenommen wurde. Nachdem sie meinte Betroffenheit in einigen Gesichtern ausmachen zu können, fuhr sie fort.
    "Auch das Asklepieion auf Kos suchen sehr viele Kranke und Ratsuchende auf. Doch dort gibt es neben den Tempeln Einrichtungen zur Unterbringung und Behandlung der Hilfesuchenden. Es gibt Bäder und Latrinen, versierte Medici untersuchen die Kranken und isolieren diejenigen, die schwere übertragbare Erkrankungen haben. Wertes Collgium Pontificum, ich bitte euch, mir zu gestatten, euch einen Vorschlag zur Verbesserung der Situation vor Ort zu unterbreiten, damit das Wohl des römischen Volkes auch in Zukunft gesichert bleibt."


    Nun wartete Chrysogona auf einen Wink oder eine Einladung mit dem eigentlichen Anliegen, welches die Pontifices direkt betraf fortfahren zu dürfen.

  • Die versammelten Pontifices schienen so beeindruckt zu sein von dem was die Plinia ihnen erzählte, dass sich niemand regte. Also fuhr Chrysogona fort. Ihr Blick fixierte die Männer in der vordersten Reihe.
    "Um die Sicherheit und Gesundheit der Bürger Roms weiterhin zu gewährleisten, schlage ich folgendes vor: Ich bin gerne bereit einen Teil meiner Zeit, wenn ich gerade nicht für die Gewährleistung der Valetudo Caesaris benötigt werde, in den Dienst der guten Sache zu stellen. Und ich bin sicher, dass sich unter den geschätzten Colleges der Medici hier in der Stadt weitere freiwililge Helfer finden werden. Ich würde also, wenn man mir einen geeigneten Raum zur Verfügung stellt, die Ratsuchenden untersuchen und versuchen diejenigen, die übertragbare Krankheiten mitbringen, herauszufinden. Diese könnten dann vor die Mauern der Stadt verbracht werden, wo man ihnen eine Behandlung zuteil werden lassen kann. Selbstverständlich wird ihr Opfer und ihre Bitte dann von einem Stellvertreter vor den Heilgott gebracht werden."


    Sie sah die Pontifices fragend an. Waren sie soweit einverstanden?
    "Die beengte Situation auf der Tiberinsel lässt, soweit ich das sehe, keine weiteren Bauten zu. Nun kommt meine Frage an die für die Pax Deorum zuständigen Hüter hier. Ist es möglich, in einem der Gebäude, die für die Aufbewahrung der Votivgaben und Kultgeräte dienen, einen Raum für die Untersuchung der Kranken zur Verfügung zu stellen? Oder seht ihr eine andere Möglichkeit, die Pax Deorum mit der Salus populi Romani in Einklang zu bringen?"

  • Derart ungewöhnlich, allfällig unpassend es vor dem Collegium Pontificum auf den ersten Blicke schien, war das Anliegen der Medica letztlich nicht. Wie die übrigen Pontifices ließ auch Gracchus sich dennoch ein wenig Zeit, die Worte der Plinia wirken zu lassen und zu überdenken, ehedem er das Wort ergriff.
    "Dein Ansuchen ist überaus nobel, werte Plinia, indes bin ich nicht gänzlich überzeugt, dass dein Vorschlag einzig dazu ausrei'hen wird, das Problem zu lösen. Letztendlich gibt es auch heute bereits einige Medici in der Stadt und selbst in den Portikus des Aesculapiustempels bietet der ein oder andere seine Dienste an. Indes haben die meisten Besucher des Tempels wohl wenig Ver..trauen in die Kunst der Medici und suchen gerade deshalb die Gunst des Gottes. Und auch die bloße Weihe ihrer Gaben ist nicht, was sie im Haus des Aesculapius hält, sondern der Wunsch danach, eine Nacht dort zu verbringen und im Schlaf die Weisung des Aesculapius zu vernehmen."
    Gracchus selbst hatte ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu den Medici, erwarte er von diesen doch schnelle Genesung, welche sie noch nie hatten erbringen können.
    "Dass oftmals tatsächlich eine Harmonisierung der göttli'hen Prinzipien vonnöten ist, um Heilung zu erreichen, dies belegen zudem zahllose Votivgaben von Genesungen, welche im Tempel des Aesculapius ihren Ursprung genommen haben. Oftmals beinhaltet dieser Ausglei'h einen kultischen Akt, welcher nur im Tempel selbst möglich ist - sei es aufgrund des divinen Areales oder der Kultgegenstände, welche dazu genutzt werden - auch dies belegen die Votivgaben."
    Bei alledem mochte der Pontifex durchaus eine rationale Sicht bewahren.
    "Indes sehe ich durchaus die Notwendigkeit, Seu'henherde aus der Stadt hinaus zu verlagern. Einen kleinen Raum zu schaffen, welcher für diese Untersuchungen genutzt werden kann, sollte nicht allzu schwer sein, allfällig wäre es möglich als Ausgleich zusätzliche Räume in Transtiberim nahe der Brücke anzukaufen. Eine weit größere Schwierigkeit indes wird es sein, die betroffenen Menschen zu überzeugen, die Stadt zu ver..lassen ohne im Tempel des Aesculapius zu verharren."
    Er blickte kurz zum Imperator.
    "So dieses Vorgehen also wirklich notwendig ist, wäre es allfällig angebracht, an jenen Ort, an welche die Kranken vor der Stadt verbra'ht werden, einen Schrein oder gar kleinen Tempel für Aesculapius zu errichten."

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    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Wie so oft ließ der Kaiser zuerst Raum für die Experten, sich zu äußern. Da der Promagister aber so zu ihm herüber blickte, fühlte er sich doch bemüßigt, etwas zu sagen. "Je nach Entfernung zur Urbs sollte es kein Problem sein, ein geeignetes Grundstück zu finden und auch einen Schrein zu errichten. Womöglich an einer Heilquelle oder ähnlich." Er wusste ja nicht ao genau, wo Aesculapius sich gerne verehren ließ.

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    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus: Dein Ansuchen ist überaus nobel, werte Plinia, indes bin ich nicht gänzlich überzeugt, dass dein Vorschlag einzig dazu ausrei'hen wird, das Problem zu lösen. Letztendlich gibt es auch heute bereits einige Medici in der Stadt und selbst in den Portikus des Aesculapiustempels bietet der ein oder andere seine Dienste an. Indes haben die meisten Besucher des Tempels wohl wenig Ver..trauen in die Kunst der Medici und suchen gerade deshalb die Gunst des Gottes. Und auch die bloße Weihe ihrer Gaben ist nicht, was sie im Haus des Aesculapius hält, sondern der Wunsch danach, eine Nacht dort zu verbringen und im Schlaf die Weisung des Aesculapius zu vernehmen. (...) Dass oftmals tatsächlich eine Harmonisierung der göttli'hen Prinzipien vonnöten ist, um Heilung zu erreichen, dies belegen zudem zahllose Votivgaben von Genesungen, welche im Tempel des Aesculapius ihren Ursprung genommen haben. Oftmals beinhaltet dieser Ausglei'h einen kultischen Akt, welcher nur im Tempel selbst möglich ist - sei es aufgrund des divinen Areales oder der Kultgegenstände, welche dazu genutzt werden - auch dies belegen die Votivgaben."


    Mit der gebotenen Aufmerksamkeit lauschte die Medica den Worten des Consuls und Pontifex. Seine Argumente waren zutreffend, wenngleich Chrysogona nicht angezweifelt hatte, dass die Besucher und Heilungssuchenden den göttlichen Beistand suchten, sie hatte nur Sorge um die Seuchengefahr für die römische Bevölkerung. Letztlich ließ dann der Vorschlag des Consuls sie aufhorchen, dass es vielleicht möglich wäre außerhalb der Stadt ein medizinisches Zentrum mit einem Schrein oder kleinen Tempel des Aesculapius zu errichten, womit man beidem gerecht werden würde: dem Wunsch der Ratsuchenden und der Gesundheit der römischen Bevölkerung. Chrysogonas Augen leuchteten. Sie war dem cosulischen Pontifex sehr dankbar für seinen weisen Kompromissvorschlag.


    Gebannt wartete sie auf die Antwort des Kaisers. Und tatsächlich! Der Severer schien den Vorschlag zu unterstützen. Sein Angbot nach einem passenden Grundstück womöglich in der Nähe einer Heilquelle zu suchen, ließ Chrysogonas Herz höher schlagen. Das war genau das was sie sich wünschte.


    Zaghaft meldete sie sich noch einmal zu Wort.
    "Besten Dank für deine wohlmeinenden Ausführungen, Consul Flavius Graccus. Ich bin mir des Wunsches der Heilungssuchenden nach dem Beistand des Gottes und der Grenzen der Medizin durchaus bewusst. Schließlich habe ich lange am Asklepieion von Kos die Symbiose aus Kult und Medizin erlebt. Für mich ist diese Kombination gerade für den herausragenden Ruf der Zentren von Kos und Epidauros verantwortlich. Und ich gebe zu, dass mir eine solch glückliche Verbindung für die ewige Stadt ebenfalls vorschwebt. Wenn es gelingen kann, dass wir nur diejenigen Pilger, die wirklich potentiell für die Volksgesundheit gefährlich sein können, herausfiltern und ihnen außerhalb der Stadt einen adequaten Anlaufpunkt für ihre religiösen Anliegen bieten, könnte es gelingen. Ich danke euch für euer offenes Ohr und die Hilfe."


    Dann wandte sie sich an den Kaiser. "Mein Kaiser, ich danke dir für dein ebenso großzügiges wie weitblickendes Angebot. Wer wird sich um die Umsetzung kümmern? Ich würde denjenigen gerne entsprechend meiner Möglichkeiten unterstützen."

  • Der Kaiser reagierte intuitiv. "Ich-" Dann wurde ihm bewusst, dass er sich diesbezüglich nicht vorbereitet hatte. "Also man müsste sicherlich die Priesterschaft des Tempels Kontakt aufnehmen. Baumaßnahmen wären ein Fall für den Curator Operum Publicorum. Die Suche nach einem geeigneten neuen Kultbezirk außerhalb der Stadt sollte dagegen das anwesende Collegium übernehmen, nicht wahr?" Jetzt sah er fragend zu seinem Pontifex pro magistro. Der kannte sich bei Tempelbaumaßnahmen hoffentlich besser aus.

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    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Augenscheinlich hatte der Kaiser sich gerade bereit erklärt, dem Aesculapius einen Tempel zu errichten, was den Pontifex pro magistro bereits darüber nachdenken ließ, wie sich diese Generösität des Pontifex Maximus gewinnbringend einsetzen ließe - in geeigneter Weise propagiert würde dies allfällig die Kranken noch eher überzeugen, das außerstädtische Heiligtum aufzusuchen.
    "Selbstredend wird das Collegium einen geeigneten Platz auswählen können"
    , beantwortete Gracchus die Frage des Augustus.
    "Sofern es ihre Zeit zulässt, würde ich dazu gerne die Hilfe Plinias in Anspru'h nehmen, so dass wir die Kriterien eines Kultplatzes mit den Notwendigkeiten eines ... medizinischen Behandlungsplatzes kombinieren können."

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    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Begeistert blickte Chrysogona von einem zum anderen. Hatten sich der Kaiser und das Collegium der Pontifices tatsächlich bereit erklärt sie in ihrem Herzenswunsch zu unterstützen? Die Freude darüber schien sich in ihrem Inneren aus tausend Bächen zu speisen und wollte gleich eines Geisirs mit einem Freudenjubel nach außen brechen. Doch hätte das weder ihrer eher nüchternen Art entsprochen, noch wäre es dem Ort und der Förmlichkeit des Anlasses angemessen gewesen. Die Medica begnügte sich also damit, ein strahlendes Lächeln zu zeigen und dem Pontifex pro magistro zu versichern, dass sie nichts lieber tat, als ihn in diesem Vorhaben zu unterstützen.
    "Mit Freuden werde ich das Collegium Pontificum bei diesem Vorhaben unterstützen, soweit meine Kenntnisse und Fähigkeiten dafür ausreichend sind. Ich danke Euch von Herzen für die Unterstützung in dieser so wichtigen Causa. Ich wusste, dass Ihr die Tragweite erkennen werdet und zum Wohl der Bevölkerung Roms eine Lösung finden werdet."


    Demütig verneigte sich die Plinia zunächst vor dem Kaiser, dann vor dem Collegium pontificum.

  • "Nun, dann schlage ich vor, dass du, Plinia, dich mit dem Pontifex pro Magistro kurzschließen und wir das Thema erneut diskutieren, wenn ein geeigneter Ort gefunden ist." fasste der Kaiser den Stand zusammen. Wieder etwas geschafft!

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    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Während die gedankliche Notiz des Pontifex pro magistro sich dieser Angelegenheit anzunehmen allfällig in den staubigen Ritzen der weitläufigen Flure seines Gedankengebäudes wäre vergessen worden, so landete sie gleichwohl schriftlich auf einer Tabula seines Faktotums Sciurus, so dass die Plinia tatsächlich bald auch eine Einladung zu weiterem Gespräch würde erhalten.

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