• "Oh, wie Schade!" erwiderte Phoebe auf seine Ankündigung, dass er bald nach Germania müsse. Immerhin schien Bassus recht sympathisch zu sein. "Dann wünsche ich dir dabei schon einmal alles Gute. Ich hoffe, es wird nicht zu kalt dort!" Davon hatte sie nämlich gehört.

    Interessiert lauscht sie seinen Worten über Lepidus' Kinder. Diese kannte sie tatsächlich weitaus weniger gut, als ihr Status als 'Alte Freundin' vermuten ließ. Aber Bassus kannte ja auch nicht die genauen Umstände ihrer Beziehung.

    "Als Lepidus damals bei uns in Pergamon war, war er immer allein unterwegs - aber dafür habe ich Marcus später noch einmal kurz getroffen, als er älter und im Auftrage seines Vaters unterwegs war, richtig." Viele Worte hatte man aber nicht wechseln können, Phoebe war damals mit ihrem ehemaligen Gatten und ihren eigenen Problemen beschäftigt gewesen. Was nichts daran änderte, dass sie durchaus neugierig auf die Söhne des Hausherren war. Sie kannte ja weder Geschichten in die eine noch in die andere Richtung. "Es wäre mir aber eine Freude, sie beide mal kennenzulernen." Sie nahm einen Schluck aus dem Becher mit dem Würzwein, der hier immer noch herum stand. Nicht mehr gar so warm mittlerweile.

    "So oder so werde ich erst einmal hier einziehen müssen. Wobei ich mich streng genommen noch gar nicht entschieden habe. Aber bislang sind die Bewohner des Hauses ja alle sehr angenehm." Im Grunde war ihre Entscheidung ja auch eben doch schon gefallen.

  • Bassus, der bisher in Tarraconensis und Aegyptus eingesetzt war meinte nur, Na, ich denke es wird in der jetzigen Jahreszeit so ähnlich sein wie in den Gebieten der Alpes. Ich werde wohl Feminalia tragen müssen, besonders auf einem Pferd, da bewegt man sich nicht allzusehr und bekommt schneller kalt.

    Er nickte nur als er von den Reisen seines Onkels hörte. Sie waren oft Gegenstand spöttischer Gespräche im Haus. Besonders sein Vater, Nepos, ließ damals kein gutes Haar an seinem jüngeren Bruder. Doch die Reisen brachten den Aemiliern unerwartete Einkünfte und mehrten den Reichtum der Gens.

    Oh, bei Marcus bin ich mir sicher, er ist ein prima Kerl, nicht so belesen wie sein alter Herr, aber ein prima Kumpel. Er rieb sich mit der Hand am Kinn als er fortfuhr, er wollte nichts schlechtes über seinen Cousain sagen, aber es fiel ihm auch nichts Gutes ein. ...und was Nero angeht,...nun er ist sehr...speziell. Er ist ... ihm fehlten die Worte. Und da er die kleine Phoebe ja wohl kaum wiedersehen würde beschloss er die Dinge beim Namen zu nennen. Er ist der Stein in deinem Schuh, die undichte Stelle in deinem Mantel bei Regen, der Splitter in deiner Hand der nicht so ohne weiteres herauskommt, er ist,...ein egozentrisches, neidisches, herablassendes, widersinniges, sadistisches, abstoßendes...Arschloch...entschuldige...aber ich hoffe eine Begegnung mit ihm bleibt dir erspart. Er kommt eh´nur hergeschlichen um Geld zu schnorren.

    Nero war ein paar Jahre jünger als er selbst, was die Kontakte ohnehin komplizierte. Er bemühte sich immer bei Marcus und ihm Schritt zu halten, was die beiden jedoch zu verhindern wußten und wenn sie denn nach Hause kamen von ihren "Abenteuern" hörten sie hinter vorgehaltener Hand von der Dienerschaft was der kleine Nero wieder angestellt hatte und daß ihm sein Vater, wie so oft die Leviten gelesen und ihn bestraft hatte. Nero verbrachte viel Zeit in seinem Cubicullum, welches eigens Gitter vor dem Fenster und einen dreifachen Riegel vor der Türe hatte, um seine Expansion zu unterbinden. manchmal fragte er sich welchen Anteil an Neros charakterlicher Entwicklung er wohl selber hatte.

  • "Dann hoffe ich mal, dass die Kälte dein größter Feind sein wird - was nicht heißen soll, dass ich dir Langweile wünsche! Aber es müssen ja nicht gleich germanische Horden werden." Dies war höflich, natürlich, aber recht seichtes Fahrwasser, wie man es eben ansteuerte, wenn man jemanden gerade erst kennenlernte. Allgemein gehalten, unverfänglich, nicht zu direkt. Man musste ja auch erst einmal sehen, was man von dem Anderen zu halten hatte.

    Und bei Bassus' Beschreibung von Lepidus' erstem Sohn blieb auch alles in diesem Bereich. Die Beschreibung war so gehalten, dass sie auf viele junge Männer zutreffen konnte, die meisten vermutlich. Nicht so aber, als er auf Nero zu sprechen kam.

    Phoebes Unterkiefer klappte ein wenig hinab, als sie die direkten Worte und das recht vernichtende Urteil hörte. Ein schwarzes Schaf also. Und offensichtlich recht eindeutig, zumindest aus der Sicht ihres Gesprächspartners. Das klang ziemlich hart, Nero musste wirklich Eindruck hinterlassen haben. Und so wie Bassus es von sich gab musste auch etwas dran sein, das klang nach mehr als ein wenig Abneigung unter consobrini.

    Hm. Sowas gab es wohl in vielen Familien.

    "Puh." Phoebe atmete einmal demonstrativ aus. "Wirklich so schlimm?" Sie wog den Kopf hin und her. "Nunja. Ich kann ihm dann ja aus dem Weg gehen." Zumindest, wenn sich diese Beschreibung bestätigte. Sie würde sich wohl erstmal ein eigenes Bild machen, wenn sich die Gelegenheit ergab. "Danke für die Warnung," meinte sie dennoch. "Wann geht die Reise denn los?"

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