Themiskyra I Anfang der Suche

  • RE: [Schiff] Impetus Gut gelaunt, mit geschultertem Gepäck ging es los. „Am besten suchen wir uns eine Taberna nicht gerade im Hafengebiet, mehr in der Innenstadt. Zuviel seltsames Volk lungert hier herum oder was denkst du?“ Natürlich ahnte Charislaus auch von den gefahren solch einer Gegend. Plötzlich begann ich zu kichern. „Merkst du es auch? Die Beine haben noch den Seegang, an den Landgang müssen sie sich erst wieder gewöhnen. Ist schon ein eigenartiges Gefühl nach längerer Zeit auf See.“

    Aufmerksam betrachtete ich unsere Umgebung. Zum Glück waren in der Mittagszeit angekommen, am Abend wäre mir schon etwas mulmig geworden. Jetzt hatte ich ich schon einige Häfen gesehen, doch hier fühlte ich mich trotz der Nähe an Griechenland nicht so ganz wohl. Die Menschen wirkten fremdartiger, obwohl das Blödsinn war. Wo war denn der Schmelztiegel der Welt, in Rom natürlich.

    Aber wie das so ist, im Hafen trifft man auf die seltsamsten Gestalten. Händler, Seeleute, Lupas, Spielern und die Vielzahl von Arbeitern, Packern und Schleppern. Ich mochte nicht wissen was hier an Diebesgesindel und sonstigem finsteren Gestalten hier so herumschwirrte.

    Nur gut, das ich alles wichtige fest an meinem Körper trug und gerade wohlhabend wirkten wir auch nicht. Den Sklaven sah man uns bestimmt an, was meist auch ein guter Schutz sein konnte.

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    SCRIBA PERSONALIS - HERIUS CLAUDIUS MENECRATES

  • RE: [Schiff] Impetus


    Charislaus lief direkt neben Linos und versuchte alle Eindrücke in sich aufzunehmen. Das Land gehörte zum Imperium und dennoch wirkte es fremdartig. Ein Hafen war ein Schmelztiegel so hieß es, aber trotzdem wirkte alles etwas anders als in Rom. Vermutlich eben drum, weil sie nicht in Rom waren, schalt sich Chari selbst. So eine Frage zu stellen, wäre schon peinlich gewesen.


    "Oh ja da hast Du Recht, mein alter Herr Viridomarus sagte immer am Hafen treiben sich Banditen, Halsabschneider und andere zwielichtige Gestalten herum. Es ist eine Gegend der langen Messer und wir beide haben nichts was sich zu rauben lohnt. Man würde denken, sie ließen einen dann in Ruhe. Weit gefehlt, manche dieser Gestalten sind darüber noch wütender wenn sie keine Beute stehlen können und verletzten ihre Opfer dann erst Recht schwer Linos. Drum lass uns bloß aufpassen.


    Meine Beine sind auch noch ganz weich und wabbelig, wir haben selbst hohen Seegang ohne See. Lass uns in die Innenstadt wabbeln, wie Du vorgeschlagen hast. Sobald wir ein Zimmer haben können wir dort in Ruhe unser weiteres Vorgehen planen. Und vielleicht einen kleinen Happen essen", schlug Chari vor und hielt seine Tasche gut fest. Viel besaß er nicht, aber das wenige durfte nicht geraubt werden.

  • „Natürlich nach der Zimmersuche kommt gleich das Wichtigste, Eeessen“. Gut gelaunt hatte ich das Essen lang hingezogen, es sollte die Wichtigkeit betonen.

    „Ich hoffe in der Innenstadt gibt es einen vernünftigen Markt mit guten und freundlichen Händlern.“ Bei uns auf Kreta war das wenigstens so, oder war es so, weil mein Vater auch ein Händler war. Das hier war jedenfalls eine typische Hafenstadt und man musste auf alles gefasst sein. Schon schaute ich mich aufmerksam um, man konnte ja nie wissen. Außerdem hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden. Auf meiner langen Flucht von Tolosa nach Rom hatte ich ein Gespür dafür bekommen.

    „Sag mal“, wandte ich mich an Chari, „hast du das auch, so ein merkwürdiges Gefühl? Mir ist als ob wir beobachtet würden.“ Ich hielt inne, tat so als ob ich eine Pause brauchte, wischte mir umständlich und ausgiebig den Schweiß von der Stirn, dabei nutzte ich diese Zeit um mich genauestens umzuschauen.

    Im Augenwinkel zur Rechten, war mir als ob da etwas hinter einem der Stapel Kisten gehuscht wäre. „Da rechts hinter den Kisten sitzt einer“, raunte ich Charislaus zu.

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  • Charislaus folgte Linos in das erste Abenteuer seines Lebens. Er war noch nie allein ohne Herr unterwegs gewesen, jedenfalls nicht auf diese Art und Weise. Als Linos das Wort Essen derart betonte, grinste Chari ihn gut gelaunt an.


    "Da sagst Du was, ein Dach über dem Kopf und etwas Warmes im Bauch und schon wird es uns besser gehen. Einen Markt werden sie ganz bestimmt hier haben Linos. Falls wir ihn nicht finden, fragen wir uns durch. Ich bin gespannt was sie hier alles feilbieten", antwortete Chari lächelnd und schaute sich ebenfalls um, als es Linos tat.


    "Hast Du etwas entdeckt?", flüsterte er seinem Freund vorsichtig zu. Bei der Frage, ob er sich beobachtet fühlte, musste Charislaus den Drang unterdrücken, sich erneut umzuschauen. Eigentlich fühlte er sich nicht beobachtet. Aber so ein Gefühl war vergleichbar mit dem Brennen der Brennnessel. Hatte man eine Brennnessel gestreift ohne es zu merken, spürte man nichts. Wurde man drauf hingewiesen, brannte es doppelt so heftig. Das gleiche verspürte Charislaus gerade. Ihm war, als würden zig Personen in der Menge lauern und sie auf Schritt und Tritt beobachten. Ob dies wirklich so war oder ob Charislaus sich dies nur einbildete, konnte er nicht bestimmen.


    "Linos ich weiß nicht...", setzte Chari an, als Linos gerade jemand entdeckt hatte. Da rechts hinter den Kisten sitzt einer, warnte ihn sein Freund. Chari schaute unauffällig hier und dorthin, bis sein Blick die Richtung streifte, die Linos beschrieben hatte.


    "Das ist unheimlich Linos. Entweder will uns jemand auflauern, oder jemand will uns in eine Richtung treiben. Wir müssen schnellstmöglich das Hafengelände hinter uns lassen, dieser Ort ist sehr gefährlich. Was glaubst Du? Sind das Diebe die uns berauben wollen? Oder gar Halsabschneider?", flüsterte Chari Linos zu und behielt dabei die Gegend im Auge.


    So schnell wie möglich weglaufen konnten sie nicht, da Linos Beschwerden mit seinen Füßen hatte. Sie mussten sich etwas einfallen lassen.

    "Wie wäre es, wenn wir versuchen an dem vorbeizuschleichen?", schlug Chari wispernd vor.

  • Ein Mann rannte durch die Menge, stieß ein paar Kisten bei seiner Flucht um, während er panisch hinter sich blickte. Diesem Mann stand die Todesangst ins Gesicht geschrieben, während ihm mit ruhigem Schritt zwei andere Männer folgten. Einer dieser Männer war Verus, der einen blutigen Dolch in seiner Hand trug. Verus hatte diese böse Gleichgültigkeit in seinem Blick, während er Schritt um Schritt weiter ging. Der Mann stürzte über die Kiste, so dass der Mann, der sich dahinter verbarg ebenfalls die Flucht ergriff. Verus machte sich nicht einmal die Mühe den blutigen Dolch zu verbergen. Es war ihm gleich, was mit ihm selbst geschehen würde. Da Verus den Dolch ruhig in seiner Hand hielt, sich andächtig und nicht aggressiv bewegte, fiel der Menge die Waffe nicht auf, und somit zogen sie alle ihrer Wege aber diejenigen die jenes Instrument sahen, traten schlicht ins Dunkel oder verschwanden. Es wäre nicht der erste Mord in dieser verlorenen Stadt, in diesem letzten Hafen der Verlorenen. Themiskyra war kein Ort für Helden und Legenden, sondern schlicht eine sterbende Stadt in der Ferne, die einen letzten Ausverkauf betrieb. Der Mann, der neben Verus lief, teilte den kalten Blick und folgte ebenso fokussiert dem Flüchtenden. Der Flüchtende raffte sich auf und packte Linos an der Schulter. "Helft mir...," forderte er mit brechender Stimme und ängstlichen Tränen in den Augen. "Er kommt... Er kommt, um mich zu holen... Er kommt... Er kommt...," versuchte er klare Sätze zu finden aber die Panik und der Horror verwehrte ihm jede Klarheit. Er musste flüchten, weiter flüchten, denn er selbst hatte etwas Schreckliches getan. Verus näherte sich, schob mit einer kühlen Bewegung Passanten zur Seite, immer weiter sein Ziel verfolgend. "Vorbei," sagte Verus, als er herantrat und dem Mann jenen Dolch in einer starken Bewegung ins Genick stieß. Mit einer Drehung durchbrach er jene Wirbel und mit einem lauten Knacken, welches widernatürlich und todesfürchtig hereinbrach, war der Mann sofort tot und sank in die Arme des zweiten Mannes, der den Toten auffing und mit einer Bewegung ins Hafenbecken warf. Verus ließ die Klinge los und nickte seinem Partner zu. "Finis finitum est," murmelte Verus. Die Angst stand dem Toten noch im Gesicht und sein Mund war weit aufgerissen, als ob sein Flehen immer noch herausbrechen wollte. Doch bereits im Hafenbecken trieb seine Leiche an Stück ab und reihte sich in eine Menge Trümmergut als alten Kisten und Treibholz ein. "Die Ewigkeit ist nicht so lang," sagte er und wandte sich dann an Linos und Charislaus. "Ihr habt nichts gesehen, ansonsten endet ihr genauso, wie er," drohte er mit kalter Stimme und deutete abwechselnd auf beide. Wenn alles verloren war, was hatte dann noch Sinn? Verus suchte nicht danach und sein Hunger nach Rache war bedient, so dass dieser Tag genug Tod und Blut aus seiner Hand gesehen hatte. Doch Verus fand niemals Frieden, niemals einen Ort, an dem er wirklich Mensch war, sondern er war nur jener unheiliger Dämon, der auf Befehl Ziele verfolgte, immer nur verfolgte und richtete, doch dabei richtete er sich nur sich selbst hin. Er wollte nun gehen und diesen Ort wieder einmal verlassen. Irgendjemand würde nun die Wachen rufen aber üblicherweise waren diese Leute in einer solchen Stadt sehr langsam, unterbezahlt und regelrecht unwillens. Verus und sein Partner hatten zwar nicht genug aber ausreichend Zeit, um den Hafen zu verlassen. Niemand würde wirklich nach ihnen suchen, denn dafür wurde gesorgt. Seine Leute hatten einen Brand unweit entfacht, der Menschen band. Wiederum andere Leute hatten einen Amtlichen bestochen, damit dieser besonders träge agierte, und Wachen aus diesem Bezirk abzog. Alles war geplant, damit dieser nun mehr tote Mann in jene Falle lief. Eine Falle, die Verus schon vor Wochen vorbereitet hatte, um nach dem Versprechen der Prätorianer Verrat stets grausam und gezielt zu bestrafen. Man hatte ihn nur in den Hafen treiben müssen, einen Ort, den Flüchtende aufsuchten, um schnell zu entkommen und somit war es erwartbar und nahezu naheliegend.

  • Charislaus krallte sich in den Arm von Linos. Ein gedungener Mörder der ihnen eine Drohung zuzischte. Chari wollte erwidern, dass er überhaupt nichts gesehen hatte, gar nichts, aber seine Lippen zitterten genauso wie seine Knie. Er hatte das Gefühl, dass sie im Takt mit seinen Zähnen um die Wette klapperten und er betete zu allen bekannten Göttern, dass er sich nicht einnässte. Er hatte noch niemals einen Meuchler gesehen und ging es nach ihm, wollte er diesen Nervenkitzel auch überhaupt nicht erleben. Der Mann würde ihn und Linos aufschlitzen wie einen alten Fisch. Sie mussten fliehen, aber seine Beine schienen ihm nicht mehr zu gehorchen, genauso wenig wie seine Lippen und seine Zunge.


    Alles was seinen Mund verließ, war ein unzusammenhängendes Stöhnen, dass fast wie ein Keuchen klang. Möglicherweise war es sogar eines. Nicken. Nick einfach! Dachte Chari voller Panik und nickte so gut es seine Starre zuließ. Dabei stierte er die ganze Zeit auf die Hand des Meuchlers und klammerte sich an Linos. Er war doch schon in der Welt herumgekommen, er musste sagen was sie tun sollten. Rennen fiel flach, Linos hatte schmerzende Füße und seine gehorchten nicht.


    Bei den Göttern, was sollten sie nur tun, dachte Chari während er wie Espenlaub zitterte und hoffte, dass der Mann ihm sein Nicken glaubte.

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