Themiskyra I Anfang der Suche

  • RE: [Schiff] Impetus Gut gelaunt, mit geschultertem Gepäck ging es los. „Am besten suchen wir uns eine Taberna nicht gerade im Hafengebiet, mehr in der Innenstadt. Zuviel seltsames Volk lungert hier herum oder was denkst du?“ Natürlich ahnte Charislaus auch von den gefahren solch einer Gegend. Plötzlich begann ich zu kichern. „Merkst du es auch? Die Beine haben noch den Seegang, an den Landgang müssen sie sich erst wieder gewöhnen. Ist schon ein eigenartiges Gefühl nach längerer Zeit auf See.“

    Aufmerksam betrachtete ich unsere Umgebung. Zum Glück waren in der Mittagszeit angekommen, am Abend wäre mir schon etwas mulmig geworden. Jetzt hatte ich ich schon einige Häfen gesehen, doch hier fühlte ich mich trotz der Nähe an Griechenland nicht so ganz wohl. Die Menschen wirkten fremdartiger, obwohl das Blödsinn war. Wo war denn der Schmelztiegel der Welt, in Rom natürlich.

    Aber wie das so ist, im Hafen trifft man auf die seltsamsten Gestalten. Händler, Seeleute, Lupas, Spielern und die Vielzahl von Arbeitern, Packern und Schleppern. Ich mochte nicht wissen was hier an Diebesgesindel und sonstigem finsteren Gestalten hier so herumschwirrte.

    Nur gut, das ich alles wichtige fest an meinem Körper trug und gerade wohlhabend wirkten wir auch nicht. Den Sklaven sah man uns bestimmt an, was meist auch ein guter Schutz sein konnte.

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  • RE: [Schiff] Impetus


    Charislaus lief direkt neben Linos und versuchte alle Eindrücke in sich aufzunehmen. Das Land gehörte zum Imperium und dennoch wirkte es fremdartig. Ein Hafen war ein Schmelztiegel so hieß es, aber trotzdem wirkte alles etwas anders als in Rom. Vermutlich eben drum, weil sie nicht in Rom waren, schalt sich Chari selbst. So eine Frage zu stellen, wäre schon peinlich gewesen.


    "Oh ja da hast Du Recht, mein alter Herr Viridomarus sagte immer am Hafen treiben sich Banditen, Halsabschneider und andere zwielichtige Gestalten herum. Es ist eine Gegend der langen Messer und wir beide haben nichts was sich zu rauben lohnt. Man würde denken, sie ließen einen dann in Ruhe. Weit gefehlt, manche dieser Gestalten sind darüber noch wütender wenn sie keine Beute stehlen können und verletzten ihre Opfer dann erst Recht schwer Linos. Drum lass uns bloß aufpassen.


    Meine Beine sind auch noch ganz weich und wabbelig, wir haben selbst hohen Seegang ohne See. Lass uns in die Innenstadt wabbeln, wie Du vorgeschlagen hast. Sobald wir ein Zimmer haben können wir dort in Ruhe unser weiteres Vorgehen planen. Und vielleicht einen kleinen Happen essen", schlug Chari vor und hielt seine Tasche gut fest. Viel besaß er nicht, aber das wenige durfte nicht geraubt werden.

  • „Natürlich nach der Zimmersuche kommt gleich das Wichtigste, Eeessen“. Gut gelaunt hatte ich das Essen lang hingezogen, es sollte die Wichtigkeit betonen.

    „Ich hoffe in der Innenstadt gibt es einen vernünftigen Markt mit guten und freundlichen Händlern.“ Bei uns auf Kreta war das wenigstens so, oder war es so, weil mein Vater auch ein Händler war. Das hier war jedenfalls eine typische Hafenstadt und man musste auf alles gefasst sein. Schon schaute ich mich aufmerksam um, man konnte ja nie wissen. Außerdem hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden. Auf meiner langen Flucht von Tolosa nach Rom hatte ich ein Gespür dafür bekommen.

    „Sag mal“, wandte ich mich an Chari, „hast du das auch, so ein merkwürdiges Gefühl? Mir ist als ob wir beobachtet würden.“ Ich hielt inne, tat so als ob ich eine Pause brauchte, wischte mir umständlich und ausgiebig den Schweiß von der Stirn, dabei nutzte ich diese Zeit um mich genauestens umzuschauen.

    Im Augenwinkel zur Rechten, war mir als ob da etwas hinter einem der Stapel Kisten gehuscht wäre. „Da rechts hinter den Kisten sitzt einer“, raunte ich Charislaus zu.

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  • Charislaus folgte Linos in das erste Abenteuer seines Lebens. Er war noch nie allein ohne Herr unterwegs gewesen, jedenfalls nicht auf diese Art und Weise. Als Linos das Wort Essen derart betonte, grinste Chari ihn gut gelaunt an.


    "Da sagst Du was, ein Dach über dem Kopf und etwas Warmes im Bauch und schon wird es uns besser gehen. Einen Markt werden sie ganz bestimmt hier haben Linos. Falls wir ihn nicht finden, fragen wir uns durch. Ich bin gespannt was sie hier alles feilbieten", antwortete Chari lächelnd und schaute sich ebenfalls um, als es Linos tat.


    "Hast Du etwas entdeckt?", flüsterte er seinem Freund vorsichtig zu. Bei der Frage, ob er sich beobachtet fühlte, musste Charislaus den Drang unterdrücken, sich erneut umzuschauen. Eigentlich fühlte er sich nicht beobachtet. Aber so ein Gefühl war vergleichbar mit dem Brennen der Brennnessel. Hatte man eine Brennnessel gestreift ohne es zu merken, spürte man nichts. Wurde man drauf hingewiesen, brannte es doppelt so heftig. Das gleiche verspürte Charislaus gerade. Ihm war, als würden zig Personen in der Menge lauern und sie auf Schritt und Tritt beobachten. Ob dies wirklich so war oder ob Charislaus sich dies nur einbildete, konnte er nicht bestimmen.


    "Linos ich weiß nicht...", setzte Chari an, als Linos gerade jemand entdeckt hatte. Da rechts hinter den Kisten sitzt einer, warnte ihn sein Freund. Chari schaute unauffällig hier und dorthin, bis sein Blick die Richtung streifte, die Linos beschrieben hatte.


    "Das ist unheimlich Linos. Entweder will uns jemand auflauern, oder jemand will uns in eine Richtung treiben. Wir müssen schnellstmöglich das Hafengelände hinter uns lassen, dieser Ort ist sehr gefährlich. Was glaubst Du? Sind das Diebe die uns berauben wollen? Oder gar Halsabschneider?", flüsterte Chari Linos zu und behielt dabei die Gegend im Auge.


    So schnell wie möglich weglaufen konnten sie nicht, da Linos Beschwerden mit seinen Füßen hatte. Sie mussten sich etwas einfallen lassen.

    "Wie wäre es, wenn wir versuchen an dem vorbeizuschleichen?", schlug Chari wispernd vor.

  • Ein Mann rannte durch die Menge, stieß ein paar Kisten bei seiner Flucht um, während er panisch hinter sich blickte. Diesem Mann stand die Todesangst ins Gesicht geschrieben, während ihm mit ruhigem Schritt zwei andere Männer folgten. Einer dieser Männer war Verus, der einen blutigen Dolch in seiner Hand trug. Verus hatte diese böse Gleichgültigkeit in seinem Blick, während er Schritt um Schritt weiter ging. Der Mann stürzte über die Kiste, so dass der Mann, der sich dahinter verbarg ebenfalls die Flucht ergriff. Verus machte sich nicht einmal die Mühe den blutigen Dolch zu verbergen. Es war ihm gleich, was mit ihm selbst geschehen würde. Da Verus den Dolch ruhig in seiner Hand hielt, sich andächtig und nicht aggressiv bewegte, fiel der Menge die Waffe nicht auf, und somit zogen sie alle ihrer Wege aber diejenigen die jenes Instrument sahen, traten schlicht ins Dunkel oder verschwanden. Es wäre nicht der erste Mord in dieser verlorenen Stadt, in diesem letzten Hafen der Verlorenen. Themiskyra war kein Ort für Helden und Legenden, sondern schlicht eine sterbende Stadt in der Ferne, die einen letzten Ausverkauf betrieb. Der Mann, der neben Verus lief, teilte den kalten Blick und folgte ebenso fokussiert dem Flüchtenden. Der Flüchtende raffte sich auf und packte Linos an der Schulter. "Helft mir...," forderte er mit brechender Stimme und ängstlichen Tränen in den Augen. "Er kommt... Er kommt, um mich zu holen... Er kommt... Er kommt...," versuchte er klare Sätze zu finden aber die Panik und der Horror verwehrte ihm jede Klarheit. Er musste flüchten, weiter flüchten, denn er selbst hatte etwas Schreckliches getan. Verus näherte sich, schob mit einer kühlen Bewegung Passanten zur Seite, immer weiter sein Ziel verfolgend. "Vorbei," sagte Verus, als er herantrat und dem Mann jenen Dolch in einer starken Bewegung ins Genick stieß. Mit einer Drehung durchbrach er jene Wirbel und mit einem lauten Knacken, welches widernatürlich und todesfürchtig hereinbrach, war der Mann sofort tot und sank in die Arme des zweiten Mannes, der den Toten auffing und mit einer Bewegung ins Hafenbecken warf. Verus ließ die Klinge los und nickte seinem Partner zu. "Finis finitum est," murmelte Verus. Die Angst stand dem Toten noch im Gesicht und sein Mund war weit aufgerissen, als ob sein Flehen immer noch herausbrechen wollte. Doch bereits im Hafenbecken trieb seine Leiche an Stück ab und reihte sich in eine Menge Trümmergut als alten Kisten und Treibholz ein. "Die Ewigkeit ist nicht so lang," sagte er und wandte sich dann an Linos und Charislaus. "Ihr habt nichts gesehen, ansonsten endet ihr genauso, wie er," drohte er mit kalter Stimme und deutete abwechselnd auf beide. Wenn alles verloren war, was hatte dann noch Sinn? Verus suchte nicht danach und sein Hunger nach Rache war bedient, so dass dieser Tag genug Tod und Blut aus seiner Hand gesehen hatte. Doch Verus fand niemals Frieden, niemals einen Ort, an dem er wirklich Mensch war, sondern er war nur jener unheiliger Dämon, der auf Befehl Ziele verfolgte, immer nur verfolgte und richtete, doch dabei richtete er sich nur sich selbst hin. Er wollte nun gehen und diesen Ort wieder einmal verlassen. Irgendjemand würde nun die Wachen rufen aber üblicherweise waren diese Leute in einer solchen Stadt sehr langsam, unterbezahlt und regelrecht unwillens. Verus und sein Partner hatten zwar nicht genug aber ausreichend Zeit, um den Hafen zu verlassen. Niemand würde wirklich nach ihnen suchen, denn dafür wurde gesorgt. Seine Leute hatten einen Brand unweit entfacht, der Menschen band. Wiederum andere Leute hatten einen Amtlichen bestochen, damit dieser besonders träge agierte, und Wachen aus diesem Bezirk abzog. Alles war geplant, damit dieser nun mehr tote Mann in jene Falle lief. Eine Falle, die Verus schon vor Wochen vorbereitet hatte, um nach dem Versprechen der Prätorianer Verrat stets grausam und gezielt zu bestrafen. Man hatte ihn nur in den Hafen treiben müssen, einen Ort, den Flüchtende aufsuchten, um schnell zu entkommen und somit war es erwartbar und nahezu naheliegend.

  • Charislaus krallte sich in den Arm von Linos. Ein gedungener Mörder der ihnen eine Drohung zuzischte. Chari wollte erwidern, dass er überhaupt nichts gesehen hatte, gar nichts, aber seine Lippen zitterten genauso wie seine Knie. Er hatte das Gefühl, dass sie im Takt mit seinen Zähnen um die Wette klapperten und er betete zu allen bekannten Göttern, dass er sich nicht einnässte. Er hatte noch niemals einen Meuchler gesehen und ging es nach ihm, wollte er diesen Nervenkitzel auch überhaupt nicht erleben. Der Mann würde ihn und Linos aufschlitzen wie einen alten Fisch. Sie mussten fliehen, aber seine Beine schienen ihm nicht mehr zu gehorchen, genauso wenig wie seine Lippen und seine Zunge.


    Alles was seinen Mund verließ, war ein unzusammenhängendes Stöhnen, dass fast wie ein Keuchen klang. Möglicherweise war es sogar eines. Nicken. Nick einfach! Dachte Chari voller Panik und nickte so gut es seine Starre zuließ. Dabei stierte er die ganze Zeit auf die Hand des Meuchlers und klammerte sich an Linos. Er war doch schon in der Welt herumgekommen, er musste sagen was sie tun sollten. Rennen fiel flach, Linos hatte schmerzende Füße und seine gehorchten nicht.


    Bei den Göttern, was sollten sie nur tun, dachte Chari während er wie Espenlaub zitterte und hoffte, dass der Mann ihm sein Nicken glaubte.

  • Was für ein Glück das ich noch rechtzeitig hinter diese Kisten verschwunden bin, dachte Vulpis ehe vor im ein wahres Schauspiel zu sehen war. Ist der Kerl wahnsinnig, sich an den kleinen Wicht da zu klammern. Der kann ihm bestimmt nicht helfen. Was faselte der da? Wenn er richtig hörtte wimmerte er ‚er kommt‘. Wer sollte denn kommen und so einem Hasenfuß etwas antun?

    Dann geschah es auch schon, zwei Kerle erschienen nun deutlich in seinem Sichtfeld. Den einen konnte er gut sehen. Nicht zu fassen der hat ein Messer, ah und schon passiert. Hm.., überlegte er, ich meine den hätte ich schon mal in Rom gesehen. Hatte Albus ihm den nicht nach dem Senatoren Mord gezeigt. Bei Pluto was waren das für Zeiten gewesen und jetzt? Jetzt stecke ich hier in der jämmerlichsten Stadt des gesamten Imperiums. Wie konnte ich nur so unendlich blöd sein und daraus eigehen? Geh nach Cappadocia, das wird groß aufgebaut werden um das reich dann noch weiter auszudehnen. So hatte der Ratschlag eines angeblich, von dem Weltgeschehen wissenden gelautet.

    Vulpis überlegte weiter. Was wohl die zwei verschreckten Hühner hier suchen? Die passen nun wirklich nicht hierhin. Vielleicht sollte ich mal auftauchen ehe die zwei da vorne noch die Burschen auch umbringen.

    In aller Ruhe stand er auf, bahnte sich einen Weg zwischen den Kisten und trat auf die Gruppe zu. "Kann ich vielleicht irgendwie oder irgendwem behilflich sein?"

  • Bei dem Gerenne und Gepoltere war ich umgefahren und schon kam einer auf mich zu gerannt. Ich spürte Charis Hand sich an meinem Arm sich klammerte und dann... und dann,... dann kam der Flüchtende auch noch auf mich zu. ....Was tat der? Der packte wirklich meine Schulter, stammelte etwas von wem der kommen würde. Ehe ich wirklich verstand was er meinte und den Mund auf bekam, tauchten die beiden anderen auf. Vorweg einer mit einem Messer. Das entdeckte ich erst, als es fast schon zu spät war.
    Er hatte das Messer benutzt. Nein, nein, das darfst du nicht, wollte ich noch rufen. Ich wollte nicht das getötet wurde. Es war zu spät.
    Waren wir nun dran? Charislaus und ich? Charis zittern spürte ich, doch ich war nicht fähig ihm etwas tröstendes zu sagen. Ich war Schuld das er nun sein Leben verlieren würde. Nicht fähig den Kopf zu schütteln oder die Worte des Messerstechers irgendwie zu bestätigen, sah ich ihn nur an. Warum hatte er das nur gemacht? Er würde nicht scheuen es nochmal zu machen. Nimm mich, lass Chari laufen, wollte ich sagen, aber es ging nicht. Ich der ewig quasselnde war nicht fähig zu sprechen.

    Oh Menecrates wenn du wüsstest wo unsere Suche endet, dachte ich.

    Entgeistert starrte ich dann in Richtung der Kistenstapel. Das war also der, den ich für einen Bruchteil gesehen hatte. Zu wem gehörte der nun wieder?

    Nein hier war es mir eindeutig zu unheimlich. Wir sollten zurück auf’s Schiff und eine andere Stadt aufsuchen, wenn wir dem Ganzen mit heiler Haut entkamen.

    Wem nun wollte der helfen? Uns oder lieber den anderen? Wollte er Lohn für seine Hilfe? Ob er sich bewusst war, wenn er uns helfen würde, stände er ganz alleine da. Wir beide würden ihm bestimmt keine Hilfe sein und Waffen trugen wir schon gar nicht.

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  • Charislaus starrte den Neuankömmling fassungslos an. Was machte dieser Mann dort? Jetzt hatte der Meuchler drei Kehlen die er aufschlitzen konnte. Chari blieb standhaft neben Linos stehen. Aber das war nicht seinem Mut geschuldet, sondern seinen wabbeligen Beinen. Natürlich hätte er den Freund niemals zurückgelassen, er hätte ihn gepackt und wäre gemeinsam mit ihm geflohen. Aber Linos Füße waren lahm und seine Beine waren Pudding. Eine Flucht wäre zuende, bevor sie losgestolpert waren.


    Chari versuchte den Fremden irgendwie zu verdeutlichen, dass der Meuchler ein Messer hatte. Innerlich fehlte er zu den Göttern, dass der Mann sie beide und den arglosen Wanderer verschonen möge, der ihnen scheinbar behilflich beistehen wollte.


    Ganz bewusst und behutsam lockerte Charislaus den Griff um Linos Arm. Ungewollt hatte er ihn ergriffen und das ohne Rücksicht auf seinen Freund. Hoffentlich hatte er ihn nicht verletzt. Es kostete Chari unheimliche Anstrengung seine Finger zu lösen, fast so als hätten diese ebenfalls ein Eigenleben entwickelt und beschlossen sich nicht von der Stelle zu rühren.


    Langsam bekam er wieder ein Gefühl in der Zunge und sie fühlte sich nicht mehr wie ein dicker Lappen in seinem Mund an.


    "Wi..ir haben ni..ichts gesehen. Gar... nichts. Nichts. Wir hab..en auch nichts. Gar... nichts. Keine...e Werte...", versicherte Chari und fragte sich, ob er oder Linos zusammenbrechen würden, sobald er losließ. Vermutlich sie beide.

  • Erleichtert spürte ich, wie sich Charislaus schmerzhafter Griff an meinem Arm lockerte, dennoch vermisste ich ihn, denn so wusste ich genau, ich war nicht alleine. Zum Weglaufen, bestimmt wäre dies auch zwecklos gewesen, fehlte mir der Mut. Doch da war noch etwas was mich da hielt. Noch wusste ich es nicht genau. Da hörte ich Charis furchtsames, bittendes leise, Stottern. Das war, was in mir die Wut hoch kommen lies und damit bestimmt alle ratsame Vorsicht.

    „Hör zu mein Freund“, wie albern von mir, den Kerl als Freund zu bezeichnen. „Als erstes steckst du, nein,
    am besten wirfst du, das Messer weg. Dann sagst du uns wie deine Name lautet und wie wir dir helfen können. Bestimmt, auch wenn ich überhaupt nicht danach aussehe, aber dir ist wohl auch bekannt, man soll nicht immer nach dem Aussehen gehen, kann ich etwas für dich tun. Du musst es nur sagen. Ich muss dir aber auch nicht sagen, dass was du eben gemacht hast, nicht richtig ist. Was war denn der Grund? Bestimmt ist das nicht das womit du dir dein Brot verdienst. Und der da“,
    damit zeigte ich mit einer Kopfbewegung auf dem Mann von hinter den Kisten, „der will bestimmt auch nur helfen. Oder?“ Kurz ruckte mein Kopf zu dem Kistenmann, bevor ich dem Messermann weiter im Auge behielt. „So ein Blutbad willst du gar nicht anrichten.“
    Dann kam mir eine ganz verrückte Idee. „Sag mal“, begann ich trotz Charis Hand und meinem wahnsinnigem
    Herzklopfen, „mir scheint du kennst dich hier gut aus. Wir, mein Freund und ich, wir suchen nämlich jemanden. Dummerweise habe ich ihn noch nie gesehen und würde ihn also auch nicht erkennen wenn er
    vor uns stände. Das gute daran ist, der für den wir ihn suchen, kann dir auch vielleicht weiterhelfen, denn sein Einfluss in Rom ist recht groß.“

    Fast hätte ich mir, vor Erleichterung, meine vorwitzige Haarsträhne von der Stirn gepustet. Rechtzeitig hielt ich mich zurück, der Kerl sollte nicht an meinen Mut zweifeln, auch wenn ich ihn nur mit meinem Geplapper
    vortäuschte.

  • Linos hatte Mut, dass musste Charislaus ihm lassen. Ein Schlitzohr war er auch, er verwickelte den Meuchler in ein Gespräch. Hoffentlich lang genug, dass ihr Beine wieder einsatzbereit waren und sie das Weite suchen konnten. Rückversichernd schaute er sich nach dem anderen Mann um, der ihnen zur Hilfe geeilt war. Ihn mussten sie ebenfalls mit sich nehmen. Denn sobald dieser Meuchler mit ihnen gesprochen hatte, würde er sie vielleicht doch noch angreifen. Niemand konnte wissen, wie solche Personen reagierten. Charislaus hatte noch nicht mit solchen Menschen zu tun gehabt.


    Er hatte massiert und dafür gesorgt dass sich die Kunden wohl und glücklich fühlten. Was mochte diesen Mann dazu veranlasst haben, andere aufzuschlitzen? Pure Armut oder gar bösartige Grausamkeit? Chari betete für Erstes, denn ansonsten waren sie alle verloren und dieser Mann würde noch drei weitere Kehlen aufschlitzen. Er versuchte sich etwas aufrechter hinzustellen und etwas beeindruckender auszusehen. Ob das gelang wusste er nicht, denn horchte er in sich bewusst hinein. Überprüfte sein Körpergefühl, ob seine Hose nicht verdächtig nass oder gar etwas anderes war.


    Grimm gucken mit eingenässter Hose wirkte nun wirklich nicht überzeugend. Linos redtete und redete und bot dem Mann sogar seine Hilfe an. Das war gut, er war ein schlauer Fuchs. Sollte der Meuchler ihnen das abkaufen, konnte Linos sie sogar freiquatschen. Das war ein Abenteuer von dem sie noch Jahrzehnte später erzählen würden, wenn Linos Plan gelang.


    Zuversichtlich henkelte sich Chari wieder bei ihm ein und schaute so freundlich und überzeugend wie er nur konnte.

  • [...]

    In aller Ruhe stand er auf, bahnte sich einen Weg zwischen den Kisten und trat auf die Gruppe zu. "Kann ich vielleicht irgendwie oder irgendwem behilflich sein?"

    Verus vergaß nie ein Gesicht. Dies war eine seiner besonderen Fähigkeiten, die ihm stets in seiner Tätigkeit halfen. Er kannte diesen Mann, denn er hatte ihm einst, zu einer anderen Zeit, verdeckt in einer Taberna einen Auftrag gegeben. Dieser Mann hatte für seine Speculatores gearbeitet. Was machte dieser Mann hier? Zufälle in dieser Größenordnung gab es nicht. Die alte Angst kehrte zurück. Seine Arbeit rächete sich irgendwann; und irgendwann würde ihn die selbe Grausamkeit treffen, die er anderen antat. Insgeheim wünschte er sich dies manchmal, denn es würde die Angst und diesen immer andauernden Albtraum beenden. Verrat, überall lauerte Verrat, denn wenn dieser Mann hier war, war viel mehr in Bewegung, als Verus jetzt überblicken konnte. Die Situation musste neu bewertet werden. Schnell huschten seine Augen umher, zuckten gar in ihren Höhlen, während Gedanken sich ebenso schnell formten. Sein Waffenbruder erhob sich von seiner Arbeit, blickte der treibenden Leiche hinterher und trat dann neben Verus, einen Dolch in seiner Hand haltend. Auch er war bereit, zu töten und sich zu verteidigen, wenn nicht sogar zuerst anzugreifen. Die Finger des Verus krümmten sich an der Waffe, während diese kalte Berechnung und Todesverachtung aus seinem Gesicht sprachen. Er hatte die Situation bewertet. "Hier gibt es keinen Eintopf," sagte er zum Mann, der einst für die Speculatores, unsaubere Aufträge erledigt hatte. "Viel mehr interessiert es mich, was ein Mann, dieser besonderen Hilfsbereitschaft, an diesem Ort sucht..." Verus spuckte dann etwas Speichel auf den Boden, da er einen unschönen Geschmack im Mund verspürte. Mit einem Handzeichen deutete er seinem Gefolgsmann an, seine Klinge auf den bekannten Unbekannten zu richten. Der Speculator trat mit einem schnellen Schritt heran und hielt die Waffe drohend bereit. Wenn es sein musste, würde Verus diesen Unsicherheitsfaktor beseitigen müssen. Auch wenn es sicherlich interessant war, die Beweg- und Hintergründe zu erfahren, doch im Zweifel galt immer die Prämisse der Sicherheit.


    [...]

    Langsam bekam er wieder ein Gefühl in der Zunge und sie fühlte sich nicht mehr wie ein dicker Lappen in seinem Mund an.


    "Wi..ir haben ni..ichts gesehen. Gar... nichts. Nichts. Wir hab..en auch nichts. Gar... nichts. Keine...e Werte...", versicherte Chari und fragte sich, ob er oder Linos zusammenbrechen würden, sobald er losließ. Vermutlich sie beide.

    "Sehr gut. Du hast gut gelernt," sagte Verus und grinste hämisch, fast bösartig in die Richtung von Charislaus und deutete dann mit der Klinge in seine Richtung. "Zu Töten ist recht einfach," ergänzte er und suchte dann einen besseren Stand, die Fluchtwege im Hintergrund sondierend. Es war an der Zeit, einfach zu gehen, wenn sich die Gelegenheit bot.


    [...]

    „Hör zu mein Freund“, wie albern von mir, den Kerl als Freund zu bezeichnen. „Als erstes steckst du, nein,
    am besten wirfst du, das Messer weg. Dann sagst du uns wie deine Name lautet und wie wir dir helfen können. Bestimmt, auch wenn ich überhaupt nicht danach aussehe, aber dir ist wohl auch bekannt, man soll nicht immer nach dem Aussehen gehen, kann ich etwas für dich tun. Du musst es nur sagen. Ich muss dir aber auch nicht sagen, dass was du eben gemacht hast, nicht richtig ist. Was war denn der Grund? Bestimmt ist das nicht das womit du dir dein Brot verdienst. Und der da“,
    damit zeigte ich mit einer Kopfbewegung auf dem Mann von hinter den Kisten, „der will bestimmt auch nur helfen. Oder?“ Kurz ruckte mein Kopf zu dem Kistenmann, bevor ich dem Messermann weiter im Auge behielt. „So ein Blutbad willst du gar nicht anrichten.“
    Dann kam mir eine ganz verrückte Idee. „Sag mal“, begann ich trotz Charis Hand und meinem wahnsinnigem
    Herzklopfen, „mir scheint du kennst dich hier gut aus. Wir, mein Freund und ich, wir suchen nämlich jemanden. Dummerweise habe ich ihn noch nie gesehen und würde ihn also auch nicht erkennen wenn er
    vor uns stände. Das gute daran ist, der für den wir ihn suchen, kann dir auch vielleicht weiterhelfen, denn sein Einfluss in Rom ist recht groß.“

    Fast hätte ich mir, vor Erleichterung, meine vorwitzige Haarsträhne von der Stirn gepustet. Rechtzeitig hielt ich mich zurück, der Kerl sollte nicht an meinen Mut zweifeln, auch wenn ich ihn nur mit meinem Geplapper
    vortäuschte.

    Nicht noch einer. Es gab hier nichts zu bereden, was wirklich von Interesse war. Die einzige Person, die relevant werden konnte, war der bekannte Unbekannte, der einst in Rom für Geld seiner Einheit gedient hatte. Ein brutaler Söldner, der sich jeden dreckigen Auftrag verdient hatte, den Verus sich ausdenken musste. Es war Verus in diesem Augenblick vollkommen egal, was dieser bedeutungslose Typ sagte und vor sich hin erzählte. Es waren nur Worte und Worte waren nur in der richtigen Anwendung, gegen die richtige Person und zur richtigen Zeit gefährlich aber in dieser Zeit waren sie einfach nur Worte, die eine sichtbar unterlegene Person von sich brachte, um sich die Deutungshoheit zurück zu holen. Dabei war Verus, ein Mann, der stets handelte und das tat, was notwendig war, die moralische Deutungshoheit vollkommen gleichgültig. Moral war kein Begriff, der für einen Speculator relevant war und ein brutaler Soldat der Prätorianer trennte nicht zwischen Gut und Böse, Richtig oder Falsch, sondern nur zwischen Ausführung und Nichtausführung, Gehorsam und Ungehorsam sowie Bedrohung oder Nicht-Bedrohung. Moralische Fragen waren für kaltberechnende Aufgaben und Funktionen einfach bedeutungslos, weil sie hinderlich regressiv waren. Ohne es zu wissen, hatte dieser Mann die falsche Ansprache gewählt. Verus zuckte kaum merklich mit den Schultern. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht. Es ließ ihn kalt. Vollkommen kalt, was dieser Mann wollte und forderte. Er legte den Kopf, wie eine lauernde Bestie, zur Seite. "Es wäre nicht das erste Blutbad," sagte er mit ernster aber betont leiser Stimme, bevor sich ein wahnsinnig-zynisches Lächeln auf seinen Lippen zeigte. Es war eine Masche, ein Theater, um Verunsicherung zu verbreiten. Doch dabei steckte auch Wahrheit darin: Verus hatte viele Menschen in seinem Leben getötet, doch vergessen hatte er sie nie. Diese Sache musste schnell beendet werden. Sie hatten keine Zeit. Doch bevor sich Verus entscheiden konnte, die Risikofaktoren zu beseitigen, erwähnte der Mann ein bedeutungsschweres Wort: Rom. Er sprach von Rom und einer Person, die Einfluss in Rom besaß. Es war gut möglich, dass es eine Lüge war. Lügen waren Gewohnheit für Verus. "Eine interessante Aussage," meinte Verus und schmunzelte bitter. "Du hast drei Atemzüge mir etwas zu sagen, dass deine Aussage als möglicherweise wahrhaftig beweist, ansonsten wirst du hier sterben, mit deinem Kumpel und diesem hilfsbereiten Kerl." Verus meinte das ernst und machte keinen Hehl daraus, dass er erneut töten würde und seine kaltfrostigen Augen unterstrichen dies.

  • „Das mit dem Blutbad glaube ich dir ungesehen. Befriedigt dich das so, dass du damit auch noch prahlst?“ Diese Worte waren schon raus ehe ich sie zu Ende gedacht hatte. Ich musste aber was tun, er konnte
    doch nicht Chari umbringen, der mit all dem nichts zu tun hatte. Er war nur meinen Verlockungen erlegen, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Er wollte Reisen. Mit den Schiff unterwegs sein, reiten, fremde Länder und Menschen kennen lernen. Vielleicht auch nur mich begleiten. Ich war so froh ihn bei mir zu haben und nun das. Gegen brutale Gewalt konnte ich nicht ankommen, nicht nur weil ich keine Waffe hatte und auch keine haben wollte, da ich gegen sie war, nein ich war ihm auch rein körperlich unterlegen.

    „Du kannst es dir bestimmt denken, ich bin ein Sklave, dem Herr großes Vertrauen schenkt, bestimmt lässt er nach mir suchen wenn wir nicht zurückkommen, mein freund und ich. Nicht weil er denkt ich wäre geflohen, nein er weiß dann mir ist etwas geschehen. Ja, nun wie soll ich dir das beweisen? Vielleicht indem ich dir erzähle, dass er uns extra, für die Suche sein Schiff zur Verfügung stellte. Es liegt noch im Hafen, wir können sofort los segeln. Oder reicht dir die Auskunft, er ist Senator und nach dem Kaiser, die höchste Persönlichkeit in Rom. Wie nennt er sich noch mal? SU? Chari wie heißt es?... Achja richtig PU oder ehm...richtig Praefectus Urbi. Entschuldige bitte mit dem Militär habe ich es nicht so und die Aufregung. Du verstehst? Ich nenne ihn ja auch immer nur Dominus.“
    Natürlich hatte ich in eben dieser Aufregung das Wichtigste vergessen, den Namen meines Herrn zu nennen. Oder war da mein Unterbewusstsein am Werk und wollte uns dadurch eine Frist geben? Ihm da, dem Messermann, Bedenkzeit geben?

  • [...] Er hatte die Situation bewertet. "Hier gibt es keinen Eintopf," sagte er zum Mann, der einst für die Speculatores, unsaubere Aufträge erledigt hatte. "Viel mehr interessiert es mich, was ein Mann, dieser besonderen Hilfsbereitschaft, an diesem Ort sucht..." [ ... ]

    Verwirrt schaute Vulpis den Mann an. Eintopf, was faselte der jetzt hier von Eintopf? Als der jedoch weiter sprach dämmerte es ihn. Er meinte Alb. Albus hatte damals für ihn gearbeitet, zu ärgerlich jetzt wusste der Kerl, dass er, Vulpis, der Arbeitgeber von Alb gewesen war. Da half alles nichts, er musste jetzt eine wenig Farbe bekennen.

    „Nun wie du schon bemerktest war ich einst sehr Hilfsbereit. Mein Betrieb bot Hilfe für manche Lebenslage. Jeder meiner Leute hatte eine besondere Fähigkeit, auf die er spezialisiert war. Ich vermute du hast mit Alb Geschäfte gemacht. Leider wurde mein Geschäft sammt unserer Unterkunft, nun sagen wir ,auch aufgelöst. aufgelöst und mene leute waren plötzlich in alle Winde verstreut. Ich selber kam nicht mehr richtig auf die beine. Trat sogar kurzfristig in die CU ein, aus der ich mich aber gleich nach der Vereidigung verkrümelte. Die Fatzkes gingen mir mit ihrem Kommandoton so was von auf die Nerven, das war nicht zum aushalten. Zugunterletzt sagte man mir, geh nach Cappadocia eine aufstrebende Region, wovon, wie du dir denken kannst, ich nichts bemerkte. Aber wenn ihr noch einen Mann gebrauchen könnt, ich wäre dabei.“

  • „Das mit dem Blutbad glaube ich dir ungesehen. Befriedigt dich das so, dass du damit auch noch prahlst?“ Diese Worte waren schon raus ehe ich sie zu Ende gedacht hatte. Ich musste aber was tun, er konnte
    [...]

    „Du kannst es dir bestimmt denken, ich bin ein Sklave, dem Herr großes Vertrauen schenkt, bestimmt lässt er nach mir suchen wenn wir nicht zurückkommen, mein freund und ich. Nicht weil er denkt ich wäre geflohen, nein er weiß dann mir ist etwas geschehen. Ja, nun wie soll ich dir das beweisen? Vielleicht indem ich dir erzähle, dass er uns extra, für die Suche sein Schiff zur Verfügung stellte. Es liegt noch im Hafen, wir können sofort los segeln. Oder reicht dir die Auskunft, er ist Senator und nach dem Kaiser, die höchste Persönlichkeit in Rom. Wie nennt er sich noch mal? SU? Chari wie heißt es?... Achja richtig PU oder ehm...richtig Praefectus Urbi. Entschuldige bitte mit dem Militär habe ich es nicht so und die Aufregung. Du verstehst? Ich nenne ihn ja auch immer nur Dominus.“
    Natürlich hatte ich in eben dieser Aufregung das Wichtigste vergessen, den Namen meines Herrn zu nennen. Oder war da mein Unterbewusstsein am Werk und wollte uns dadurch eine Frist geben? Ihm da, dem Messermann, Bedenkzeit geben?


    Verus konnte jedes Licht ersticken, fühlte sich in seinen eigenen Schatten am wohlsten und in seinen Händen wurde jedwede Hoffnung nur eine kalte Absicht. Was der Mann nicht sehen, gar fühlen konnte, war jene unsichtbare Furcht, die Verus weiter trieb und immer weiter trug, denn er hatte, ohne es zu wollen, diese Macht lieb gewonnen, die in seiner Organisation lag. Selbst wenn er gottlgleiche Schwingen gehabt hätte, die ihn in jeden Himmel getragen hätten, hätten sein Schmerz und sein Stolz, diese Schwingen zu Asche verbrannt und er wäre tief in auf die Erde zurückgefallen. Er wusste dies, so begnügte er sich damit, der Gegenpol gegen jede Freude und unbegrenzte Freiheit zu sein, denn diese Welt war sein ihm eigenes Gefängnis. Er fand keine Befriedung im Tod anderer, denn er tötete nicht aus Macht oder Gefühl, sondern weil er es musste, umso grausamer waren seine Handlungen, weil es ihm oft gleichgültig geworden war und doch waren die Stimmen und Gesichter immer bei ihm, holten ihn ein und riefen ihn zu sich, damit er seinen Platz unter den Abgelebten einnahm. Verus war der Schrecken, der nur eine Maske aus Fleisch und das Lächeln des Todes trug, um sich vor den Lebenden zu verstecken. Aus dem Dunkeln der Nacht stieg er empor, um selbst im Lichte des Tages, Dunkelheit zu bringen. Der Mann, der seinen Mut gefunden hatte, der dort vor ihm stand, verstand nicht, was es hieß, verdammt zu sein. Mit einem Zungenstrich fuhr sich Verus über seine scharfen Eckzähne, um etwas zu spüren, während er nachdachte. Wieder sprach er viele Worte und forderte, immer nur forderte er ein, doch im Angesicht der Brutalität stand wenigen wirklich etwas zu. Verus verstand sehr wohl, dass dieser Mann von Idealen und einem großen Selbstbild bewegt war, umso weniger mochte er ihn. Idealisten waren schwierig, nicht unbrauchbar aber oft schwierig zu führen, denn sie geboten ihrem eigenen Moralismus Vorschub vor allen rationalen Entscheidungen.


    "Der einzige, der hier mit etwas prahlt, bist du," sagte Verus, als er die Einrede des Mannes angehört hatte. Als ob ihn ein Mann, der fern von hier war, schützen konnte. Und oft war es auch nur Schutzrede, bloße Behauptung eines Geistes, der hoffte, dass Status und Namen Schutz versprachen, doch das taten sie ohne echtes Gewicht nicht. Oft blieb es schlicht bloße Behauptung. Er hatte diese Worte von vielen gehört, bevor sie ihr Leben beendeten. Sie klammerten sich an einen Status, an einen Gott, Namen oder auch nur an Geld, was sie versprechen konnten und doch waren sie am Ende alle tot. Noch immer war kein Christengott herabgestiegen, um ihn zu bestrafen. Noch immer war kein Kaiser herabgekommen, um ihn zu bestrafen und auch kein Mörder hatte seine Organisation dermaßen infiltriert, dass er ernstlich in Gefahr war, denn zu oft tötete er zuerst. "Suchen kann jeder aber finden nicht," scherzte Verus bitter. Viele suchten nach etwas aber wirklich finden würden sie es niemals. "Die Welt ist groß," sagte Verus und zog beide Schultern hoch. Es kümmerte ihn einfach nicht, denn dieses Vertrauen in Personen hatte schon lange nicht mehr. Wenn Personen nicht durch Instrumente und Methodik gebunden waren, waren sie immer eine Gefahr, denn sie konnten sich immer gegen die aktuelle Position entscheiden. Gehorsamkeit enstand nicht allein durch Loyalität, sondern durch wahre Abhängigkeit. Unabhängige Personen waren immer eine Gefahr. Glücklicherweise war ein Sklave immer eine höchst abhängige Person, egal, unter welchem Herren sie diente. "Aha," machte Verus. "Der Praefectus Urbi. Ein schöner römischer Begriff. Ein schöner Amtstitel. Du hast es gut gelernt, Sklave," erklärte Verus und spuckte vor Linos in den Sand, da dieser fürchterliche Geschmack wieder anwesend war. Er schmeckte Schwefel und Salz. "Lass' uns ein Spiel spielen," erhob Verus seine Stimme. "Nenne mir den Namen des Praefectus und seine besonderen Eigenheiten und ich lasse dich leben, wenn ich dir glaube und du darfst uns dann mit zu diesem Schiff nehmen, weil ich gerne sehen würde, warum du wirklich hier bist." Das war eine gute Möglichkeit. Immerhin kannte Verus viele Personen der Oberschicht aus den Actae der Speculatores, die für dieses Amt in Frage kamen und auch ihre besonderen Eigenschaften. Wahrscheinlich war es ohnehin immer noch sein Concordiabruder Claudius Menecrates. Aber er rechnete nicht damit, dass dieser lumpige Sklave vor ihm, wirklich diese Bedeutung besaß und nur sein eigenes Leben retten wollte, welches nun nicht mehr wirklich in Gefahr war aber das konnte der Sklave ja nicht wissen. Verus war gut darin, seine wahre Absichten zu verschleiern und gab gerne den unheilgen Geist.

    Verwirrt schaute Vulpis den Mann an. Eintopf, was faselte der jetzt hier von Eintopf? Als der jedoch weiter sprach dämmerte es ihn. Er meinte Alb. Albus hatte damals für ihn gearbeitet, zu ärgerlich jetzt wusste der Kerl, dass er, Vulpis, der Arbeitgeber von Alb gewesen war. Da half alles nichts, er musste jetzt eine wenig Farbe bekennen.

    „Nun wie du schon bemerktest war ich einst sehr Hilfsbereit. Mein Betrieb bot Hilfe für manche Lebenslage. Jeder meiner Leute hatte eine besondere Fähigkeit, auf die er spezialisiert war. Ich vermute du hast mit Alb Geschäfte gemacht. Leider wurde mein Geschäft sammt unserer Unterkunft, nun sagen wir ,auch aufgelöst. aufgelöst und mene leute waren plötzlich in alle Winde verstreut. Ich selber kam nicht mehr richtig auf die beine. Trat sogar kurzfristig in die CU ein, aus der ich mich aber gleich nach der Vereidigung verkrümelte. Die Fatzkes gingen mir mit ihrem Kommandoton so was von auf die Nerven, das war nicht zum aushalten. Zugunterletzt sagte man mir, geh nach Cappadocia eine aufstrebende Region, wovon, wie du dir denken kannst, ich nichts bemerkte. Aber wenn ihr noch einen Mann gebrauchen könnt, ich wäre dabei.“


    "Männer können wir immer gebrauchen," meinte Verus, nicht wirklich mit fester Absicht diesen Abschaum dauerhaft zu beschäftigen aber für den Moment war er durchaus brauchbar, auc um zu erfahren, was er wirklich hier machte und wenn er sich sicher glaubte, würde er sicherlich ein paar Hinweise verlieren. Verus plante bereits langfristig und konnte eine austauschbare Figur auf dem Feld gut gebrauchen, um seine eigenen Männer zu schützen, die ihm persönlich deutlich mehr wert waren, als ein Söldner und Halbsabschneider aus der römischen Gosse. Doch auch die Gosse brachte gelegentlich brauchbare Instrumente hervor. "Das dein Geschäft so bedauerlich lief, tut mir leid. Dein Geschäft lässt sich sicherlich erneut gründen, wenn sich die Lage ein wenig verändert hat. Vergiss' die Cohortes, die sind ohnehin Schrott und bei mir brauche ich immer Leute, die bereit sind, in jeder Lebenslage besondere Hilfe zu leisten," log er halbwahr und versuchte damit eine gleiche Ebene zu heucheln, damit dieser sich in falscher Sicherheit wiegen konnte. Er würde seinen Nutzen schon haben und sei es nur darum, mehr über die Geschehnisse in Rom zu erfahren. "Könntest du vorerst den Freund von diesem vorlauten Sklaven packen und ein paar Schritte entfernen, ich möchte die Situation etwas entzerren," forderte Verus von seinem neuen Handlanger ein.

  • [....] "Der Praefectus Urbi. Ein schöner römischer Begriff. Ein schöner Amtstitel. Du hast es gut gelernt, Sklave," erklärte Verus und spuckte vor Linos in den Sand, da dieser fürchterliche Geschmack wieder anwesend war. Er schmeckte Schwefel und Salz. "Lass' uns ein Spiel spielen," erhob Verus seine Stimme. "Nenne mir den Namen des Praefectus und seine besonderen Eigenheiten und ich lasse dich leben, wenn ich dir glaube und du darfst uns dann mit zu diesem Schiff nehmen, weil ich gerne sehen würde, warum du wirklich hier bist." [....]

    Es war ein seltsames Gefühl das mich ergriff, wie eine eiserne Hand versuchte sie mein Inneres zu umklammern. Ich spürte das etwas böses, von dem Mann da vor mir, Besitz ergreifen wollte oder sogar
    schon ergriffen hatte. Ich hatte jetzt wirklich Probleme damit Menecrates zu verstehen, denn ich hatte plötzlich keinen Zweifel mehr, er war den wir suchten.
    Mein Herr, von dem ich bis zu dem Augenblick hier vermutet hatte, die Menschen gut zu durchschauen, betrachtete diesen Mann da, als seinen Freund. Er vermisste ihn schmerzlich. Wie er sagte brauchte er ihn, er vertraute ihm, brauchte seinen Rat seine moralische Unterstützung. Was war also mit diesem da geschehen?
    Ich glaubte nicht mehr daran, dass der da im Auftrag des Kaisers unterwegs war. Er verfolgte, von einer bösartigen Unrast getrieben, eigene Ziele. Zweifel regten sich in mir, ob er uns, selbst wenn er es uns versprach am Leben lies. Auf jeden Fall musste ich es schaffen, dass sie Chari in Ruhe ließen. Was sagte er, ich würde prahlen, womit denn? Was hatte ich denn, außer dem Vertrauen meines Herrn? Ich musste reden,
    anderes konnte wieso nicht machen.

    „Ich will dir sagen warum ich meinem Herrn, Herius Claudius Menecrates, so willig gehorchte. Obwohl gehorchen kann man das eigentlich nicht nennen. Er befahl mir nicht die Reise mit der Suche anzutreten. Er
    bot es mir an, weil er es mir zutraute und Hoffnung in mich setzte. Wir haben schon ein eigenwilliges Verhältnis. Wenn du der Gesuchte bist, warst du bestimmt oft in der Villa Claudia, dort bist du mir
    aber nicht begegnet. Der Grund ist einfach, zu der Zeit war ich verschleppt in Tolosa, von dort gelang mir die Flucht und bin erst kurz wieder in Rom. Einfach so, weil es in der Natur der Sklaven liegt bin ich nicht geflohen, nein, ich hatte Heimweh nach der Villa Claudia, nach dem Claudier. Einst musste ich mit ihm nach Germanien gehen, er schickte Marco, ein anderer Sklave und mich nach Rom, in Familienangelegenheiten. Wir waren auf dem Rückweg, als es geschah, was auch immer. Unversehens erwachte ich in Ketten auf dem Weg nach Tolosa. Lange Zeit war ich dort. Du wirst jetzt fragen warum ich nicht die Gelegenheit nutzte und irgendwo untertauchte. Ja das hätte ich machen können. Ich hätte mich weiter zu meiner Heimat Kreta durchschlagen können. Als Sohn eines reichen Händlers wäre das dann kein Problem gewesen mich dort zu verstecken. Einst in Germanien hatte ich dem Claudier mein Wort gegeben, nur das hatte er verlangt, als er mich eigentlich hätte schwer bestrafen müssen. Mein Wort niemals zu fliehen und ich halte mein Wort, genauso wie meine inneren Vorsätze. Von diesen Vorsätzen zeugen die Narben, in Form eines römischen Adlers auf meinem Rücken. Diese verpasste mir ein Offizier, der mich auspeitschen ließ, weil ich mich weigerte eine Waffe anzufassen.“

    Meine Kehle fühlte sich kratzig an, was hätte ich jetzt nicht für einen Becher, des kühlen erfrischenden Quellwasser der Villa Claudia gegeben. Mit einem Schluck abgestanden Wasser wäre ich aber auch schon zufrieden gewesen. So blieb mir nur ein ausgiebiges Räuspern, nur auszuspucken wagte ich jetzt doch nicht. Was konnte ich noch sagen, ah richtig Eigenheiten von Menecrates.

    „Du fragst nach Eigenheiten des Suchenden. Er trinkt, ich glaube fast immer, nur Wasser pur. Er lässt sich nicht mit einer Sänfte durch die Gegend tragen, er geht, eher ist es oft ein Laufen. Wie oft schmerzten meine Füße, als ich in als Scriba, mit ihm durch Rom rennen musste. Sein Schiff die Impetus liegt im Hafen.“

    Jetzt hoffte ich er wüsste das dieses Schiff dem Claudier gehörte. „ Aulus Tiberius Verus, er wartet sehnsüchtig auf deine Rückkehr.“

  • Viele Worte. Es waren immer zu viele Worte. Verus grummelte leise, während er sich Gedanken machte. Dieser Zufall missfiel ihm erheblich. Dinge, die zu passend zusammenfielen, waren immer mit Gefahren oder Hintergründen verbunden, die er nicht vollens kontrollieren konnte. Dabei war Kontrolle alles, was seine Speculatores brauchten. Sie mussten immer Herr der Lage sein, dürften sich nicht treiben lassen und mussten stets wachsam sein. Seine Sinne schärften sich. Es bestand eine erhebliche Gefahr, denn die Worte des Sklaven bedeuteten vieles und die urängstliche Panik, die Kontrolle zu verlieren, drohte seinen kühlen Verstand zu erfassen. Es war unmöglich, was dieser Sklave berichtete und es war ebenfalls unmöglich, dass das Schicksal solche Karten spielte. Verus witterte eine Falle, eine große Heimtücke, die sich offenbaren würde, sobald er zu genügsam diese Rettung erkaufen würde. Der Lebenswandel und die Leidensgeschichte des Sklaven interessierte Verus recht wenig, denn diese Geschichten ähnelten sich von Mensch zu Mensch, nur einzelne Faktoren des ursächlichen Leids waren austauschbar. Wesentliche Persönlichkeiten waren schnell ausgemacht, wenn man Menschen auf bestimmte Attribute reduzierte und wenn man diese Attribute kontrollierte, kontrollierte man auch die Geschichten dieser Menschen. Doch diese Attribute mussten sauber ausgemacht und überwacht werden. Darin war Verus ein wahrer Meister aber in diesem Sklaven lag kein Mehrwert für den Meister der Schatten, so denn er nur das hörte, was er hören musste. Verus hatte wirklich überhaupt kein Interesse an dessen Befindlichkeiten und seinem Leben im Allgemeinen, denn der kalte Verstand war genügsam in seinen Interaktionen und Verus hatte genug vertraute Menschen verloren, um überhaupt noch eine ernste Bindung zu einem Menschen wirklich unterhalten zu wollen. Nur wenige Menschen bedeuteten ihm etwas und für diese galt ein besonderes Gesetz, dass diesen Sklaven aber nicht band. Es mochte sein Glück sein oder sein Unglück, doch Verus hatte kein wirkliches Interesse an ihm. Wenn es stimmte, dass dieser Sklave mit seinem Freund geschickt worden war, um ihn zu finden, war es ein glücklicher Zufall aber solche Zufälle gab es für Verus einfach nicht. Als Sklave seinen Namen ausgesprochen hatte, wurde Verus zornig, denn niemand sprach seinen Namen in der Öffentlichkeit ohne Reaktion aus. Mit seiner Faust holte Verus aus und versuchte die Brust des Sklaven zu treffen, so dass, sofern er traf, dem Sklaven die Luft wegbleiben würde. Namen waren im bestimmten Kontext eine Gefahr. Niemand sollte erfahren, dass er diesen Verräter hingerichtet hatte. Niemand sollte wissen, dass er hier war. Wenn er arbeitete, legte er seinen Namen ab und war plötzlich Jedermann, die Vielperson, dessen Gesicht vergessen oder verdammt wurde. Seine Schulter schmerzte noch immer und ein wenig Blut lief über seine Lippe, weil er sich wütend ins eigene Fleisch gebissen hatte, um sich nicht verbal zu verraten. Er musste den Wunsch unterdrücken, diese Geschichte zu glauben. Es konnte nicht so einfach enden, nicht jetzt und nicht nach all den Erfahrungen hier und in Parthien. "Du kannst uns zu diesem Schiff bringen und ich mache mir selbst ein Bild. Dein Partner wird unser Pfand sein. Wenn du uns belügst, stirbt er grausam unter Schlägen, bis sein Schädel bricht," erklärte Verus, sich nun bewusst, dass er dieser Sache nachgehen wollte. Immerhin war es eine gute Geschichte und diese kam ihm gerade gelegen, auch wenn er sie nicht glauben konnte.

  • Charislaus hätte sich am liebsten an die Stirn gegriffen, als der die Worte der Männer hörte. Sie waren auf dem Arbeitsmarkt des Abgrundes gelandet. Linos und er hätten es nicht schlimmer treffen können. Vermutlich war dieser ganze Ort voller Verbrecher und sie beide, unbedarft wie sie waren, waren fröhlich hineinspaziert. Mit ihren Fähigkeiten konnten sie hier nichts ausrichten. Sollte er einen Feind in die Flucht massieren?


    Dabei wirkte der Meuchler nicht gerade wie ein Mann der Brutalität. Vielmehr machte er auf Chari den Eindruck als hätte er zu viel gesehen und zwar Dinge die ein Mensch nicht sehen sollte. Er wirkte nachdenklich, nicht wie ein plumpes Werkzeug, dass nur tötete um des Tötens willen. Aber was wusste er schon davon, was manche Männer dazu trieb, anderen das Leben zu nehmen? Allen voran war es wohl Geld, wofür andere starben. Als nächsten Punkt konnte Chari sich Rache vorstellen. Römer waren stolz und wer ihre Ehre oder ihren Stolz verletzte musste bezahlen. Blut war dann die Währung, die oft verlangt wurde.


    Als der Meuchler von den Eigenschaften des Praefectus sprach, stutzte Charislaus. Woher sollten sie denn wissen, welche Eigenschaften dieser Mann hatte? Sie konnten behaupten der Mann könnte gut zeichnen, woher wollte der Meuchler das wissen? Kannte er ihn etwa? Das war doch kaum vorstellbar. Es musste sich um eine Falle handeln, ein Köder den er ihnen hinhielt. Aber bei diesem Spiel konnten sie nur verlieren.


    Und dann sprach Linos und erläuterte dem Fremden, warum er seinem Herrn diente. Die Worte, dass der Meuchler möglicherweise der Gesucht war, ließ Chari zusammenzucken. Das konnte doch nicht die Wahrheit sein? Schmeichelte Linos diesem Mann, um ihn zu besänftigen oder meinte er diese Worte wirklich? Sollten sie diesen Mann suchen und anwerben? Chari flehte dass dem nicht so war. Oder sollten sie ihn ausschalten? Das war schlichtweg unmöglich. Sie wären schon Geschichte bevor sie sich überhaupt bewegen konnten.


    Bei den Eigenheiten seines Herrn führte Linos auf, er trinkt... Chari zuckte erneut zusammen und fragte sich für den Bruchteil einer Sekunde, ob sie aufgrund einer Weinlaune in Lebensgefahr waren. Dann fuhr Linos fort... nur Wasser. Charis Augen wanderten zu Linos. Sowas! Das Wechselbad der Gefühle, dass er hier bei jedem Wort erlebte, war kaum noch auszuhalten. Was sollten sie denn nur tun?


    Die letzten Worte von Linos ließen Chari erschauern... Aulus Tiberius Verus, er wartet sehnsüchtig auf deine Rückkehr.

    Du kannst uns zu diesem Schiff bringen und ich mache mir selbst ein Bild. Dein Partner wird unser Pfand sein. Wenn du uns belügst, stirbt er grausam unter Schlägen, bis sein Schädel bricht.


    Das waren die Worte des Meuchlers. Charislaus schaffte es den Kopf zu schütteln.

    "Nein, nein das will ich nicht. Ich will kein Pfand sein! Ich ha...be einen Zettel... von... von meinem Herrn. Ich habe nichts verbrochen, gar nichts. Warum soll ich sterben? Linos lügt nicht, Du kannst das Schiff... angucken gehen. Du musst keine zwei Sklaven fürchten... und ich... ich habe Dich gar nicht gesucht! Ich suche Dich nicht und ich will nichts von Dir", keuchte Charislaus und schaute von Linos zu dem Meuchler und zu dem Fremden der scheinbar Meuchler werden wollte.


    Sie mussten machen das sie fort kamen, lange würde dieser Mann sich nicht mehr hinhalten lassen. Und er glaubte bestimmt nicht, dass sie ihn gesucht hatten. Sie zwei harmlose Sklaven.

  • Der Frost kehrte zurück. Verus fühlte sich unterbrochen und behindert. "Du hast hier nichts zu wünschen oder zu wollen. Es ist mir reichlich egal, was du getan oder nicht getan hast, Sklave," antwortete der Meuchelmeister kalt und machte keinen Hehl daraus, dass dieser Sklave auch nur ein Instrument oder Objekt im Spiel war, welches Verus bereits seit mehreren Lebensjahren spielen musste. Seine versteckte und geheime Traurigkeit konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein unheiliger Dämon war, der immer das tat, was gerade notwendig war, ohne Rücksicht auf eine Moral oder ihm ferne Ethik. Für ihn zählte allein der Nutzen und die Wirkung einer Handlung im Großen, wie im Kleinen. Seine Trauer und der Schmerz darüber würde der ferne Preis sein, den er zahlte und immer wieder zahlte, um einen weiteren Tag in dieser Welt zu verbringen. "Jeder Mensch kann eine Gefahr sein," behauptete er und lag damit aus seiner Perspektive nicht einmal falsch, denn in seinem Leben hatte er viele Feinde niederringen müssen und hatte längst sein Requiem auf den Menschen geschrieben, der er einmal hätte sein können. "Ich beurteile hier und die Zeit mit der Abfolge der weiteren Ereignisse wird zeigen, was euer Urteil sein wird." Richter und Henker in einem, dass war ein Trecenarius, und auch hier war er immer noch diese Person, auch wenn sein Titel hier keine Macht besaß, so besaß es seine Methodik. "Mach' ihm die Situation klar!" Verus deutete mit dem Dolch auf den ängstlichen Sklaven und sein Kamerad holte aus, um diesem einen Schlag mit der Handaußenseite zu verpassen, so fern er traf, würde der Sklave einen unsanften Schmerz an seiner Wange spüren und ein recht lautes Klingeln in seinem Ohr.

  • Seinen Namen durfte ich wohl nicht aussprechen, dachte ich leicht keuchend. Der Faustschlag hatte mich zum Glück nur leicht erwischt, da ich noch rechtzeitig ein wenig zurückweichen konnte, doch so leicht war das nicht mit Chari an meinem Arm. Dabei war ich so dankbar, dass der Kistenmann sich noch nicht gerührt hatte. Der stand nur da und hörte uns interessiert zu. Hatte der den Auftrag seines neuen Herrn oder was
    immer der jetzt für in war, nicht gehört?

    Es blieb mir aber keine Zeit über diesen länger zu denken denn schon ging es weiter. Ich konnte es nicht fassen was Tiberier gerade sagte. Dabei hatte Chari doch versucht ihm klar zu machen, dass er Chari nicht
    wirklich etwas mit der Suche zu tun hatte. Das stimmte doch auch, alles war wirklich meine Schuld. Ich war egoistisch und hatte mir eine Begleitung für die Reise gewünscht. Nun wäre es meine Schuld wenn ihm etwas geschehen würde, dass ging eindeutig zu weit. Das war kein wirklicher Tiberier da vor mir. Im Grunde glaubt ich nicht an böse Geister, Dämonen und so einen Kram, doch der war wirklich besessen. Er war nicht mehr er selber. „Ich lüge nicht und ich lüge nie! Geh doch einfach hin, den Namen des Schiffes habe ich dir genannt, lesen kannst du bestimmt oder du fragst den Kapitän Pitholaus Plato ist sein Name.“
    Trotz allem Ärger hier, freute ich mich schon fast auf das Zusammentreffen von den Beiden. „Uns brauchst du dafür nicht. Nimm das Schiff und segle los. Wir kommen schon irgendwie nach Rom zurück. Warum soll mein Freund sterben, wenn ich lüge. Nur weil er zufällig in meiner Gesellschaft ist? Davon hast du nichts. Das wäre doch dann das, was mir zusteht. Doch gib zu, du willst uns umbringen und suchst jetzt einfach einen Grund, um es uns plausibel zu machen. Du bist böse, von Grund auf nur böse.“

    Ich musste es einfach loswerden, auch wenn es bestimmt ein riesiger Fehler war. So wie der veranlagt war, würde er mich sofort umbringen.

    Dann geschah das, was ich unbedingt verhindern wollte und musste. Der Kamerad dieses Meuchelmörder
    erfüllte seinen Auftrag. Schnell drehte ich mich heftig, damit Chari mitgerissen wurde, bekam dabei den Handkantenschlag, in leicht abgeminderter Wucht, in meinem Nacken zu spüren, torkelte nach vorne, konnte mich nicht mehr halten und landete auf meinen Knien. Chari wurde mitgerissen Ich aber musste erst mal selber zu Atem kommen, rieb mir den schmerzhaften Nacken, danach würde ich feststellen wie es meinem Freund ging.

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