Statio I Urbana

  • Lurco hatte kurz den Kameraden beobachtet, der heimlich seinen Korb aufklaubte und sich dann hinter eine Mauer verdrückte. Purgitius verkniff sich ein Schmunzeln, dass war vermutlich jener Mann der den Zeh auf dem Gewissen hatte. Sich zu verdrücken war da das beste Mittel der Wahl. Wie hieß es? Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Vorarbeiter war mit sich beschäftigt.


    Lurco hingegen war froh seine Kameraden und allen voran Scato an seiner Seite zu haben.

    "Wir feiern dass wir leben? Nun das ist ein trifftiger Grund. Ich sehe manche Dinge leider viel zu oft viel zu schwarz Scato. Eine Bratwurst wäre echt nicht schlecht. Lass uns aufbrechen", freute sich Lurco und folgte Scato auf dem Fuße zum Bratwurststand.

  • Die Formulierung 'die lockere Hälfte' hob den Magen des Vorarbeiters erneut an und das Wort 'einreißen' ließ ihn leise stöhnen. Seine Fantasie malte bereits diesen Zustand aus, daher verzog er den Mund und seine Stimme klang kläglich, als er erwiderte: "Ich mach alles, nur damit er dranbleibt."

    Als sich der Miles erhob, folgte ihm der Blick des Vorarbeiters. "Danke, man! Das werde ich dir nie vergessen!"

    Anschließend benötigte er geraume Zeit, um sich die Sandale überzuziehen, denn einerseits wollte er nicht anstoßen und andererseits bot das Schuhwerk durch den Verband weniger Platz, zumal sein Fuß an Umfang zugenommen hatte. Er setzte mehrfach an, drehte die Sandale, dehnte die Schnüre und am Ende riss er einen ab. "Oh! Na, egal." Er tröstete sich über die zukünftige Geldausgabe hinweg, indem er sich die Wochen der bequemen Fußbettung in dieser Sandale vor Augen führte. Den tollpatschigen Miles hatte er über die Erlebnisse ganz vergessen. Er schien aus seinem Gedächtnis gelöscht, weil sich alles um die Erhaltung des Zehennagels drehte.

    Der Vorarbeiter erhob sich, ließ den Blick schweifen und entdeckte eine brauchbare Latte. Er humpelte zu ihr, obwohl Knie und Fuß in der Bewegung nicht eingeschränkt waren, nahm die Latte zur Hand und atmete auf. Er benötigte sie nicht als Krückstock, sondern positionierte sie vor seinem verletzten Fuß, um eine Art Miniaturbollwerk zu errichten, denn jeder der zu nahe an ihn herantreten würde, musste zwangsläufig gegen die Latte stoßen. Damit schützte er nicht nur den Zeh, sondern auch sein Gemüt. Er atmete tief durch und brüllte: "Es geht weiter, Leute! Zack, zack!"


    Nach Dienstschluss würde er sich aus dem Valetudinarium Ersatzverbände holen, denn bei der notwendigen Versorgung seines Zehs hatte er genau hingehört: Täglich Verbände wechseln und die Alten auskochen.

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  • Nachdem Menectrates vor Monaten persönlich der Göttin Fortuna geopfert hatte und im Anschluss daran die anwesenden Priester mittels Tieropfern eine Bauplatzreinigung vorgenommen hatten, stand einem Wiederaufbau nichts mehr im Weg. Alte, noch verwendbare Steine lagen übereinander gestapelt, während durch den abgetragenen Schutt die Baufläche frei und friedlich lag. Einzig aufgeschüttete Haufen von Kies, Sand und Kalk setzten Akzente.

    Bei Tagesanbruch trafen die Bauarbeiter ein. Es erfolgte die Einteilung in die verschiedenen Gewerke, bevor Steine herbeigeschafft, Mörtel mit Wasser angemischt und gemauert wurde. Trotz der Jahreszeit herrschten milde Temperaturen, sodass die Verarbeitung von Mörtel möglich war. Fundamente mussten sie nicht mehr legen, denn sie konnten die alten verwenden. Der die Aufsicht führende Architekt gab die jeweilige Mauerstärke vor, sodass tragende Wände nicht zu schwach angelegt wurden, damit das Objekt sowohl den Brandvorschriften entsprach als auch viele Jahrzehnte unbeschadet sämtliche Witterungsunbilden überdauerte.

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  • Der Architekt erläuterte vor dem Setzen der ersten Ziegel die neue Bauweise.

    "Wir beginnen mit den Außenmauern. Die tragenden Wände werden in Schichten errichtet und zwar folgendermaßen: Ganz außen kommen die Backsteine. Diese Ziegel werden in der Methode Opus Quadratum gesetzt, also immer schön versetzt aufeinander. Ich will, dass ein ordentliches Fugenmuster entsteht, denn die Wand wird nicht verputzt. In einem Abstand von einem Cubitus wird eine zweite Backsteinmauer errichtet, bei der es mir weniger genau auf ein korrektes Fugenbild ankommt. Beide Mauern sind Stützmauern, die anschließend mit Tuff, Steinen, Kies und Mörtel aufgefüllt werden. Das Material verbindet sich und bildet einen Gebäudekörper, der selbst monumentalen Bauwerken wie Theatern und Äquadukten Konkurrenz macht."

    Er lief mehrere Schritte und setzte eine Markierung.

    "Hier werden in der inneren Backsteinmauer bei jeder zweiten Reihe Steine ins Innere des Raumes gesetzt. In diese Verzahnung setzen wir die erste Innenwand. Da diese Wand ebenfalls tragend ist, muss eine doppelreihige Steinmauer errichtet werden, bei der die Steine im Wechsel sowohl in der Tiefe als auch in der Breite versetzt stehen müssen." Da die Arbeiter nicht zum ersten Mal mauerten, wusste sie, was der Architekt forderte. Der wiederum markierte anschließend weitere Stellen zum Zeichen, dass dort weitere Innenwände geplant sind, die von der Außenwand aus abgingen.

    Während die Arbeiter - um sich nicht gegenseitig zu behindern - an verschiedenen Stellen gleichzeitig anfingen, kontrollierte der Architekt die Ausrichtung der Hilfslatten für die Schnüre, damit die Wände gerade verliefen - gleich von welcher Ecke aus das Mauern begonnen wurde. Für das korrekte Hochziehen der Wände benutzten die Arbeiter ein Senklot.

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  • Das Hochziehen der Mauern dauerte trotz der Größe des Objektes nur wenige Tage, weil viele Hände anfassten. Erst als die Wand und Höhe für das geplante Relief der Göttin Fortuna erreicht wurde, hielten die künstlerischen Feinheiten den Baufortschritt auf. Das störte den Bauherrn nicht, denn mit der Göttin an der Fassade erhoffte sich Menecrates ein Überdauern der Statio gegenüber allen Angriffen und zukünftigen Stürmen.

    Als der Präfekt am frühen Nachmittag am Bauplatz vorbeischaute, gestaltete ein Steinmetz das Antlitz der Göttin aus. Kopf und Rumpf hoben sich bereits durch ein Relief vom restlichen Mauerwerk ab. Der Künstler seines Fachs hantierte von einem Gerüst aus. Meißel in verschiedener Größe lagen zu seinen Füßen, ein filigraner derzeit in seiner Hand. Durch Pusten verschaffte sich der Mann den Überblick über jeden einzelnen Hammerschlag auf den Meißel, denn jede Nuance veränderte die Gesichtszüge der Göttin. Zeitweise nahm er den größtmöglichen Abstand, um sein Werk zu betrachten, und als er es wieder tat, erklang Beifall in seinem Rücken. Verwundert drehte sich der Künstler um und entdeckte den Praefectus Urbi etwa acht Doppelschritte unter sich.


    "Sehr gelungen!", rief Menecrates nach oben, wusste aber nicht, ob er gehört wurde, denn der Baulärm stand beständig zum Lärm des Wohnviertels in Konkurrenz. Sein Lächeln musste aber zu erahnen sein. Mit der Ausführung zeigte sich Menecrates sehr zufrieden und bereute keineswegs die Geldanlage aus privater Tasche.

    Er winkte, bevor er zufrieden weiter Richtung Praefectura Urbis schritt.

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  • Geraume Zeit begnügte sich Menecrates mit Berichten über den Baufortschritt, aber in größeren Abständen sah er auch persönlich nach dem Rechten. Es bewahrheitete sich wieder einmal, dass ein Rohbau rasant schnell wuchs, während die anschließenden Innenarbeiten erhebliche Zeit fraßen, ohne besonders ins Auge zu fallen.

    Schon von Weitem erkannte der Präfekt, dass die Statio bereits einen Dachstuhl besaß und die Eindeckung sich in den letzten Zügen befand. Ein zufriedenes Lächeln schlich sich in Menecrates' Gesicht. Es fehlte nur noch die Plattform ganz oben, von der aus Signale von der Castra Praetoria sowie der zukünftigen Doppelstation empfangen oder an sie weitergegeben werden sollten.

    "Hervorragend", lobte Menecrates die Bauarbeiter, als er durch das Tor das Statiogebäude betrat. Er sah sich um und registrierte, dass der Rohbau der Treppe bereits bis zum vorletzten Stockwerk erstellt wurde. Er legte den Kopf in den Nacken und beobachtete Momente lang, wie die Arbeiter die Schalung für den letzten Treppenabsatz fertigten. Anschließend würde Beton angemischt werden, denn der Präfekt wollte - mit Ausnahme des Dachstuhls - weitgehend auf leicht brennbare Materialien verzichten. Demzufolge würden Steinfliesen den Beton der Treppe verbergen und keine Holzdielen.

    Die Bauarbeiten lagen sogar vor dem Zeitplan, weil die Witterung mehr zuließ, als erwartet. Diese Erkenntnis rettete Menecrates nicht nur den Tag, sondern die gesamte Woche. Zufrieden verließ er das Statiogebäude und begab sich in die Praefectura Urbis.

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  • Der Innenausbau hatte vor Monaten begonnen und stand fast vor dem Abschluss. Erste Räume erhielten bereits ihre Einrichtung, während in anderen noch Türen eingebaut oder der Fußboden gelegt wurde. Die Böden wirkten trotz der guten Qualität einfach. Es gab keinen Luxus und keine Schnörkel, denn hier entstand eine Urbanerstation.

    Gerade traf ein Karren mit Stühlen ein, der von fleißigen Helfern abgeladen wurde. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss, der Wacheingang, der Altar und ein Raum zum Empfang für die Bürger oder Staatsangestellten erhielten das letzte Mobilar, bevor es im ersten Stockwerk weiterging. Bis zur Einweihung blieb nicht mehr viel Zeit, aber die Beteiligten zeigten sich zuversichtlich, zumal das Projekt bestens geplant wurde und die Sicherheitsvorkehrungen dafür sorgten, dass sich der Fertigstellung keinerlei Hindernisse in den Weg stellten. Die Wachposten hatten für eine reibungslose Bauphase gesorgt und zum jetzigen Zeitpunkt, wo der Zutritt nur noch über den Wacheingang erfolgte, erwiesen sich die Kontrollen als leicht.

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  • Da es sich bei der Statio Urbana um einen Wiederaufbau handelte, wurde für die Einweihung ein kleiner Rahmen gewählt. Der Ansprache des Praefectus Urbi folgte eine Opfergabe an die speziell für diese Statio mit bitterer Vergangenheit auserwählte Schutz- und Glücksgöttin Fortuna, dem die feierliche Übergabe der Signa folgte. Vor vielen Wochen wurde in einer einheitsweiten Umfrage über das Symbol abgestimmt: ein Falke. Die lebensgroße Bronzefigur thronte auf der ersten Standartenstange, die von Tribunus Pinarius Pegasus herangetragen und dem wachhabenden Centurio übergeben wurde. Es folgte ein Kaiserbildnis, ein Wimpel - das Feldzeichen der hier stationierten Centuria - und ein Weihealtar. In der Zukunft würden alle Soldaten, die in der Statio ihren Dienst verrichteten, beim ersten Antritt im Fahnenheiligtum einen Schwur ablegen.

    Jene Soldaten, die während der Bauphase den Wachdienst leisteten, erneuerten heute ihren bereits getätigten Schwur. Es handelte sich dabei nicht um den wiederholten Gang ins Heiligtum, sondern um eine gemeinschaftliche Ableistung im Außenbereich der Statio und unter den Augen vieler Schaulustiger, so wie es die Organisatoren vorsahen. Viele Kehlen schworen den Eid zur Pflichterfüllung und Treue gegenüber dem Kaiser und Rom, der - eindrucksvoll im Chor gesprochen - so manchem der Umstehenden eine Gänsehaut verschaffte.

    Als die feierliche Stimmung einen Festcharakter annahm, begann die Volksspeisung. Sie galt vornehmlich den Suburaeinwohnern, aber jeder Besucher - gleich welchen Ranges oder Standes - erhielt Brot, Früchte und verdünnten Wein. Es wurde geschmatzt, geplaudert und viel gelacht, einige tanzten zur Musik bis in den Abend hinein.


    Seitdem waren Wochen vergangen. Längst hatte der Alltag die Bewohner und Soldaten eingeholt, deren Anwesenheit im nördlichsten Zipfel des Viertels inzwischen zur Normalität gehörten.

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