Vorboten des Sturms - Vorbereitungen auf die Operation Sommergewitter

  • Nun war er ein Gefangener. Schlechter konnte die Situation für ihn nur noch werden, wenn man begann, ihn zu foltern, um die wenigen Informationen aus ihm herauszupressen. Nützen würden sie den Germanen nichts. Es gab jenseits des Rhenus nichts, was Rom aufzuhalten vermochte.


    "Ich weiß nicht, wie die beiden Brüder zueinander stehen", log Fango. "Aber ich weiß, dass Sabacos Schmerz abflauen würde, hätte er Ocella lebend zurück." In Wahrheit hielt er es für möglich, dass Albwin recht hatte. Sabacos Liebe war bevormundend, einengend und erdrückend und Ocella war niemand, der das genießen konnte. Falls es überhaupt so jemanden gab, der so empfand, dann war dieser Jemand nicht hier, denn Sabaco war allein und litt wie ein Hund. Nun kam ihm auch noch sein Wachposten abhanden.


    Traurig ergab Fango sich in sein Schicksal. Vermutlich war es egal, was mit ihm geschah. Er hatte keinen Einfluss auf die Geschicke der Welt oder den Verlauf der Geschichte. Er war nur ein kleiner Kerl, der versuchte, nicht zwischen den Rädern des Schicksals zermalmt zu werden. Und wahrscheinlich war er Albwin damit tatsächlich gar nicht so unähnlich, auch wenn der zumindest körperlich etwas mehr her machte als der Winzeques.

  • Cimber schaute sich nach Fango um, aber der kleine Kerl war verschwunden. Die Sache gefiel Cimber nicht, er hatte ein seltsames Gefühl. Nun das hatte er irgendwie die ganze Zeit im Dickicht, aber jetzt wo er Fango nicht mehr sehen konnte, verstärkte es sich. Langsam erhob sich Umbrenus und überschaute das Lager so gut er konnte.


    "Ich bin gleich wieder da", sagte er zu Sabaco, ehe er sich daran machte Fango zu suchen.


    Cimber fing dort an, wo er seinen Schützling zuletzt gesehen hatte. Im Anschluss arbeitete er sich in die Umgebung vor. Irgendwo musste Fango abgeblieben sein.

  • Albwin zuckte mit den Schultern. Was sollte er sagen? Wusste es Fango nicht, wer wusste es dann? Er vermutlich als Letzter.


    "Dazu kann ich leider nichts sagen Fango, ich verlasse mich auf Dein Wort. Mir sind die Personen nicht bekannt und ich weiß nicht, wie sie zueinander stehen. Es ist durchaus möglich, dass Sabacos Schmerz dadurch gemildert würde. Ich frage mich halt nur, zu welchem Preis. Auf der anderen Seite, ist es das möglicherweise wert? Ocella würde schlimmstenfalls leiden. Ich weiß nicht, was ich da richtig oder falsch mache Fango.


    Natürlich kann es auch ganz anders sein und Ocella und seine Leute stecken irgendwo fest, sie können ebenso verschollen sein oder sind geflohen. Für mich klingt es nur leider so, ich wollte Dir nicht den Mut rauben. Immerhin sitzen wir im selben Boot. Keiner von uns möchte sein wo er ist und könnten wir die Situation für alle ändern, würden wir es tun.


    Es sind schwierige und verworrene Zeiten Fango. Lass uns aufbrechen", sagte Albwin matt. Er fragte sich, wann er das letzte Mal ohne Sorge eingeschlafen war. Wann er überhaupt in letzter Zeit richtig durchgeschlafen hatte. Es fiel ihm nicht ein. Vermutlich sahen seine Augenringe bereits aus, wie Kriegsbemalung.


    Albwin stand auf und reichte Fango die Hand.

  • Da Cimber keine korrekte Meldung machte, ging Sabaco davon aus, er würde den Donnerbalken benutzen gehen. Für ihn selbst war es nun an der Zeit zu baden, besser gesagt, zu schwimmen. Er legte die Rüstung und die nassgeschwitzen Kleider ab, um in das dunkle Wasser dieses fremden Flusses im Herzen des Barbaricums einzutauchen. Seine Sorgen verschwanden hinter einem Schleier weiß glitzernder Luftblasen, als er dicht unter der Wasseroberfläche entlang glitt. Die Geräusche des Lagers wurden vom Rauschen verschluckt. Nur selten tauchte er auf, um Luft zu holen.

  • Cimber hatte ein ungutes Gefühl, er versuchte sich genau zu erinnern, wo er Fango zuletzt gesehen hatte. Er fand die Stelle und schaute sich dort genau um. Spuren die etwas in den Wald hinein führten. War Fango austreten gegangen und hatte sich dabei verletzt? War ihm etwas zugestoßen? Cimber suchte weiter, die Spuren auf dem Boden war noch nicht so alt, dass sie nicht deutlich zu erkennen gewesen wären. Die Ausrüstung der römischen Armee war dabei von Vorteil, ebenso ihr Schuhwerk.


    Cimber kam an eine Hecke im Unterholz, in der sich jemand verheddert hatte. Die Brombeerschlingen zeigten Spuren von einem Kampf. Noch vorsichtiger als vorher ging Cimber weiter und untersuchte den Boden.


    Da!

    Spuren!


    Zwei paar Füße und sie gingen gemeinsam rückwärts, wie man an der Tiefe des Ferseneindrucks im Boden erkennen konnte. Was beim Abgrund war hier geschehen? Die kleinen Füße konnten nur die von Fango sein, die anderen waren keine römischen Spuren. In welchen Ärger war Fango hinein gestolpert? Cimber zückte seinen Dolch und schlicht geduckt durch das Unterholz. Dabei versuchte er zeitgleich die Spuren wie auch die Umgebung im Auge zu behalten.


    Und dann sah er sie, Fango und einen fremden, blonden Kerl der über ihm stand und ihm die Hand reichte. Cimber schoss aus der Deckung und schleuderte seinen Dolch in Richtung des Blonden.

  • Albwin hatte Fango gerade die Hand gereicht, als ein Schatten aus dem Unterholz in die Höhe schoss. Im gleichen Augenblick spürte er einen beißenden Schlag im Arm. Albwin zuckte zurück und sah, dass ein Dolch in seinem Oberarm steckte. Sein Blick wechselte gehetzt vom unbekannten Römer zu Fango und zurück, ehe er sich schleunigst umdrehte und in den Wald hinein rannte. Er hoffte der Fremde nahm nicht die Verfolgung auf.

  • Gerade hatte Fango die Hand des Germanen ergreifen wollen, gerade die Finger ausgestreckt, da wurde der dazugehörige Arm durchbohrt. Fango schrie, alsvwäreves sein Arm, während der verletzte Germane in den Wald floh. Dort würde er sterben. Die Verletzung mochte vielleicht nicht tödlich sein, die folgende Blutvergiftung hingegen schon. Albwin würde nicht überleben. Nicht ohne römische Medizin.


    Fango stürzte ihm Hals über Kopf hinterher, in der Hoffnung, ihn zu erreichen, bevor der Germane sich zum Sterben in einem Erdloch einrollen konnte, wo ihn niemand mehr finden würde.


    "Albwin", quietschte Fango. "So bleib doch stehen!“

  • Ein Dolch steckte in seinem Arm und der Schreck tief in seinen Knochen. Fango hinter ihm schrie, er solle stehen bleiben. Doch seine Füße rannten und seine Gedanken überschlugen sich. Albwin verhedderte sich in den Brombeerschlingen und versuchte krampfhaft sich zu befreien. Je mehr er zerrte und zappelte, umso mehr schienen sich die Ranken in sein Fleisch zu schneiden. Der Germane wehrte sich noch eine Weile, aber dann sank er kraftlos in die Brombeeren und schaute seinen Verfolgern entgegen.

  • Fango war schneller als Cimber. Er war ein treuer kleiner Eques, doch hier war eine Situation, da er sich seinem Offizier in den Weg stellen musste. "Albwin ist nicht unser Feind, nur ein Wanderer", quietschte er. "Bring ihn nicht um. Sicher hat er nützliche Informationen!"


    Das alles sprudelte als heillose Aneinanderreihung von seinen Lippen. Entsetzt stellte er fest, dass eine Lüge sich hineingeschlichen hatte. Sofort schlug er sich die Hand auf den Mund. Entsetzt sah er nicht mehr den Offizier, sondern seinen Onkel, der ihn getröstet hatte, als niemand sonst für ihn da gewesen war. "Ich weiß nicht, ob er ein Wanderer ist oder warum er hier ist", korrigierte er sofort, vor der eigenen Verdorbenheit erschauernd, weil er seine Prinzipien verletzt hatte, wenn auch nur für einen einzigen, sofort berichtigten Augenblick, mit dem Wohl von Albwin im Blick und nicht aus Eigennutz oder um jemandem zu schaden. "Es tut mir leid."

  • Cimber hatte dem Mann hinterher gesetzt, der Fango in seine Gewalt gebracht hatte. Dann jedoch geschah das Seltsame. Fango schrie dessen Name und rannte selbst hinter dem Germanen her. Der Grund war klar, er wollte ihn retten. Mit einem Knurren steckte Cimber sein Schwert ein und folgte nun seinerseits Fango. Der Germane war nicht weit gekommen, der Brombeerbusch hatte ihn aufgehalten.


    "Albwin ist nicht unser Feind, nur ein Wanderer. Bring ihn nicht um. Sicher hat er nützliche Informationen!", sprudelte es aus Fango heraus.


    Einen Augenblick später starrte Fango ihn an und korrigierte seine Worte.

    "Ich weiß nicht, ob er ein Wanderer ist oder warum er hier ist", sagte Fango kleinlaut.


    Ein leises "tut mir leid", schob er hinterher.


    Cimber stellte sich neben Fango, schaute diesem ernst in die Augen und nickte einmal knapp. Was mit Fango los war, wusste er am Besten. Kurz legte er seinem Zögling die Hand auf die Schulter.


    "Das Albwin nützliche Informationen hat, davon gehe ich aus. Umbringen wollte ich ihn nicht, sondern Dich befreien. Das hat sich glücklicherweise erledigt und Du bist wohlauf. Vermutlich bis auf den Schrecken, den Du erlitten hast. Schneide Albwin los, damit wir ihn mit ins Lager nehmen können. Seine Wunde muss versorgt werden und wir müssen in Erfahrungen bringen, wer sich noch hier in unserer Nähe herumtreibt.


    Und Fango, mach das niemals wieder. Entferne Dich nie wieder von der Gruppe ohne jemanden Bescheid zu geben. Wo das endet, hast Du gesehen. Befreie den Burschen aus den Brombeeren", antwortete Cimber und schnaufte einmal durch. Sein Blick blieb trotzdem wachsam und bohrte sich in Albwins Augen.

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