Cubiculum MCM - Was der Abend bringt, ist ungewiss.

  • Schweigend stand Eldrid vor den Gemächern ihres Gastgebers, Marcus Claudius Marcellus. Die Sorge, einen ungünstigen Moment zu erwischen, hielt sie doch davon ab einfach einzutreten. Gegenwärtig waren nahezu alle Augenblicke ungünstig. Sie mochte den Römer seit ihrer gemeinsamen Flucht eigentlich recht gern. Er war immer sehr freundlich zu ihr gewesen und wenn sie sich dann doch einmal unterhielten, schaffte sie es kaum, ihr Lächeln aus dem Gesicht zu verbannen. Er verdankte ihr seine Freiheit - und sie verdankte ihre Freiheit ihm. Das schweißte irgendwie zusammen und natürlich barg der Gedanke daran, ihn in ihrer Zukunft nicht mehr zu sehen, eine gewisse Schwermut. Sie würde ihn vermissen, das wusste sie. Wenn sie nach Germanien zurückging, zurück in den Schoß ihrer Familie, würde sie praktisch die halbe Welt voneinander trennen. Die Alpen. Es war eine unvorstellbare Distanz, die sie in ihrem Leben nur noch einmal bewältigen würde. Zurück zu ihren Brüdern. Ihr Wolfsfell, das sie immer noch besaß, hatte sie in ihrem Lager liegen. Tagsüber trug sie es nicht, es war einfach zu warm und sie hatte auch den Eindruck, dass ihre Gastgeber es merkwürdig fanden, wenn sie über ihrer römischen Kleidung den recht derben Pelz eines Wolfes trug. Das Fell erinnerte sie immer an Zuhause, an ihre geliebten Brüder, vor allem eben an Sarolf, der ihr nahe wie kein anderer stand.


    Die Frage war nur einfach, wann es wieder nach Hause gehen würde. Er hatte ihr damals gelobt, sich darum zu bemühen, sie nach Hause zu schicken und sie hatte es ihm geglaubt. Er sah nicht aus wie eine Schlange, nicht wie ein Lügner und sie wollte es ihm einfach glauben. Auch heute zweifelte sie nicht an seiner Absicht, aber sie hatte nun schon länger nichts mehr von dahingehenden Bemühungen gehört. Er hatte zugesagt, sich umzuhören und ihr zu sagen, wenn er etwas hörte, aber langsam wurden ihr die Tage wirklich lang und das Heimweh wuchs und wuchs. Sie fühlte sich fremd an diesem Ort. Sie fühlte sich fremd in Rom, in dieser großen Stadt. Sie fühlte sich fremd in diesem Haus, das zwar wirklich groß und luxuriös schien, aber ihr auch einfach kein Heim war. Die Bewohner sprachen kaum mit ihr. Die Sklaven waren freundlich, aber zurückhaltend. Die Herrschaften scherten sich nicht im geringsten um sie und Eldrid fühlte sich trotz der vielen Menschen einsam. Marcus hatte auch nur selten Zeit, sich mit ihr abzugeben. Er hatte viele Pflichten und das verstand sie. Sie verstand, dass er ein wichtiger Mann in seiner Gemeinschaft war. Sie wollte auch nicht mit ihm streiten. Er meinte es gut mit ihr, auch wenn er ihr anriet, das Anwesen nicht zu verlassen. Am vorigen Tag hatte sie es dann doch einmal tun wollen. Sie hatte sich vorgenommen, nur in der Nähe des Hauses ein bisschen herumzulaufen. Nicht so weit, dass sie sich verlaufen könnte, wie Marcus es befürchtete. Sie wollte sich nur die Menschen hier einmal ansehen, die Häuser. Man hatte sie allerdings zu ihrer großen Verblüffung nicht hinaus gelassen. Fast wäre sie zornig geworden, aber ehe sie das auch nach Außen hätte tragen können, hatte ihr sanftes Gemüt wieder Oberhand gewonnen und sie hatte sich geschlagen wieder zurückgezogen.


    Selten hatte sie sich so einsam und nutzlos gefühlt. Egal, wie gut man es mit ihr auch meinen mochte, es brachte ihr keine Erfüllung Tag für Tag auf das Wasser im Atrium zu schauen. Die Pflanzen im Garten zu bewundern. Immer wieder dachte sie an ihre Familie, die sie seit vielen Monaten nicht mehr gesehen hatte und die sie vermutlich für tot hielten. Oder für versklavt. Sie würde es ihnen so gern sagen. Dass es ihr gut ging. Dass ihr kein Leid widerfahren war. Am schlimmsten bekümmerten sie tatsächlich die Sorgen ihrer Familie. Sie musste einfach heim und ihnen den Kummer nehmen. Sie würde Marcus danken und ihm sagen, dass sie es auf eigene Faust versuchen würde. Das Heimweh war mittlerweile über ihre Angst vor dem weiten Weg hinausgewachsen und sie würde sich nun von ihm emanzipieren.

    Kurz befeuchtete sie ihre Lippen mit der Zunge, dann trat sie ein. Sie wusste, dass er hier war. Sie hatte nicht viel zu tun und so beobachtete sie eben. Da sie keine anderen Stimmen vernahm, wusste sie auch, dass er allein in seinen Gemächern war.


    "Marcus." begrüßte sie ihn, wie wohl eigentlich nur seine engste Familie ihn begrüßte. Sie wusste bis heute nicht, welches die richtige Anrede für ihn wäre und so nahm sie den Namen, den er ihr bei ihrem Kennenlernen als allererstes genannt hatte. Richtig wäre wohl Claudius, oder aber, wenn ihr vertrautes Verhältnis galt, Marcellus. Dafür reichten ihre Kenntnisse allerdings nicht weit genug. Nachdem sie ihn mit ihrer sanften Stimme auf sich aufmerksam gemacht hatte, trat sie lächelnd noch etwas näher an ihn heran. "Ich hoffe, ich stören nicht; ich möchten deine Zeiten nicht stehlen. Ich bin hier, um mich... " zu sagen Lebwohl. Ich bin für deine Freundschaft dankbar, doch ich kann sie nicht länger nehmen.. Sie brachte es nicht über sich. Also redete sie erst einmal um den heißen Brei herum, denn irgendetwas in ihr sagte, dass er nicht gut auf ihr Anliegen reagieren würde. "... zu fragen, wie du fühlst."

    Erst einmal sehen, wie seine Stimmung war. Wenn er wirklich keine Zeit hatte, hatte er immerhin die Gelegenheit sich kurz zu verabschieden. Wenn er Zeit für sie hatte, würden sie noch ein wenig miteinander sprechen können. In jedem Fall würde er dem Ianitor sagen müssen, dass er kein Recht hatte, den Gast seines Herrn festzuhalten.

  • Es war ein schöner Tag und die Sonne schien hell und freundlich durch die Fenster seines Gemachs herein. Draußen war es ziemlich warm, hier drinnen aber war es angenehm und solange man keine schwere körperliche Arbeit erledigen musste, konnte man das Klima in Rom wirklich gut aushalten. Vor allem wenn man an den Hängen des Esquilin lebte. Marcellus sah aus dem Fenster und blickte auf die Stadt und die Hänge des Quirinal. Rom war seine Heimat, sein ganzes Leben lang schon. Doch mehr noch, war es auch die Heimat seiner Vorfahren. Bereits vor hunderten von Jahren hatten die Claudier hier gelebt. Er war stolz. Stolz auf das was er war.


    Gerade war er dabei einige Schriftstücke zu lesen. Briefe seiner Familie, von Freunden und Bekannten. Er las und antwortete. Kontakte aufrecht zu erhalten war wichtig. Wichtiger noch war es aber neue Kontakte hier in Rom zu knüpfen. Denn Bekanntschaften konnten niemals schaden.


    Jäh wurde er nun aber aus seinen Überlegungen gerissen, als er hörte wie jemand herein kam. Ungehalten drehte er sich um, sah dann aber das helle Gesicht und die blonden Haare von Eldrid. Seine Wut verrauchte und ein milderer Ausdruck trat auf sein Gesicht. Sie kam herein und Marcellus bestaunte ihr goldenes Haar, welches vom Sonnenlicht beschienen wurde und beinahe selber zu leuchten schien. Er betrachtete ihre wunderschönen blauen Augen und ihre Haut die so hell und rein war. Mit einem Lächeln erhob er sich.


    "Du möchtest fragen wie ich mich fühle?" wiederholte er ihre Frage noch einmal. Ihr Latein war noch nicht perfekt, wurde aber besser. "Habe keine Sorge, du störst nicht." fügte er dann noch an. Marcellus stand etwa einen Schritt von ihr entfernt und es gelang ihm gar nicht richtig sich von ihrem Anblick zu lösen.


    "Es geht mir gut. Es ist ein schöner Tag." antwortete er dann. Sie war eine freundliche, hilfsbereite und liebe junge Frau. Er hätte es wirklich nicht ertragen können sie bei diesen groben Gesetzlosen und Sklavenhändlern zu lassen. Diese Männer hatten ihn und seine Begleiter damals überfallen und ihn gefangen genommen. Aber er war entkommen und ja, sie hatte dabei durchaus geholfen. Aber sie hatte auch Glück gehabt, denn wäre er nicht dort gewesen wäre sie längst auf irgend einem Sklavenmarkt verkauft worden. Und das sicherlich nicht in einen so vornehmen Haushalt wie diesen hier.


    "Ich sehe dir geht es wieder besser. Du siehst kräftiger aus und du wirkst stärker. Du wirst bald deine Aufgaben erfüllen können." sprach er nun wieder. Ja, sie würde hier als Haussklavin leben können. Sie würde leichte, wenig beschwerliche Aufgaben erhalten, darin hatte Marcellus den Majordomus schon angewiesen. Sie würde ein gutes Leben haben. Und er, er würde sie ansehen können wann immer er wollte. Diese Haare, diese blauen Augen... ein Lächeln trat auf seine Züge. Er hatte ihr versprochen sich um ihre Rückreise nach Germanien zu kümmern. Ja, das hatte er. Aber... er hatte noch einmal nachgedacht. Bei diesen Gesetzlosen war sie bereits eine Sklavin gewesen. Er hatte sie von dort befreit. Also war es nur folgerichtig, dass sie nun seine Sklavin war. Wenn er sie gehen ließ, dann wäre sie fort. Für immer. Sie würde in irgend einem germanischen Dorf dahin fristen. Wenn sie überhaupt heil in Germanien ankäme. Sie würde irgend einen groben Germanen heiraten und ein unbedeutendes, vermutlich kurzes Leben führen. Hier konnte sie es so viel besser haben. Ja und er, er wollte nicht dass sie weg ging. Er wollte sie nicht gehen lassen. Am Anfang war es nur ein Gefühl gewesen. Doch dann war es immer stärker geworden. Das Gefühl. Der Unwille sie ziehen zu lassen. Sie war sein! Ohne ihn würde sie es schlecht haben. Hier aber würde sie ein schönes Leben führen. Wieder lächelte er.


    "Du hast so sanfte, geschickte Hände. Massiere mir die Schultern. Bitte..." er war sich nicht ganz sicher ob sie ihre Position bereits verstanden hatte. Das musste er nun klären. Ganz sicher war er sich nicht wie er das angehen sollte, denn womöglich hatte sie irgendwelche überzogenen Vorstellungen. Dass sie ihn einfach so Marcus nannte, das musste auch aufhören. Er würde sich im ganzen Haus zum Gespött machen.

  • Als er sich erhob und ihr so freundlich entgegen blickte, hellte sich auch ihr Gesicht noch ein wenig weiter auf. Er war wirklich ein guter Mann, anders, als sie sich die Römer immer vorgestellt hatte. Kontakt zu den Römern hatte sie zwar ohnehin ihr ganzes Leben gehabt, aber es gab sicherlich noch einen Unterschied zwischen den "germanischen Römern" und den "römischen Römern" - und davon einmal abgesehen, hatte sie trotzdem nie einen so intensiven Umgang mit einem von ihnen gehabt, wie sie ihn nun mit Marcus pflegte. Sie würde ihm nicht vergessen, was vollkommen uneigennützig für sie getan hatte. Noch zu tun gelobte.
    Mit anständiger Distanz und einem höflichen Lächeln blieb sie stehen und gab sich größte Mühe dabei, seinen Worten zuzuhören. Er sprach in eher kurzen und für sie verständlichen Sätzen, dafür war Eldrid dankbar. Latein konnte sie schon sehr lange, hatte doch ihre Familie mit den Römern eben zu tun gehabt. Gut gekonnt hatte sie es aber nie und bis heute hatte sich daran nichts geändert. Warum auch? Als er erklärte, dass es ihm gut ginge, wurde ihr Lächeln wieder etwas intensiver. Als er von ihrer Besserung sprach, nickte sie verhalten und regelrecht damenhaft. Ins Stocken geriet ihre freundliche Miene dann aber, als er von irgendwelchen Aufgaben sprach. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie das richtig verstanden hatte, aber vermutlich hatte sie das. Sie sann kurz nach, was er damit wohl meinen könnte.

    War es naiv, dass sie nicht ansatzweise darauf kam, dass er in ihr eine Sklavin sah? Wohl kaum. Treffender war wohl, dass sie zu vertrauensvoll war, dass er sein Wort hielt. Zu keiner Zeit hatte sie es angezweifelt und so tat sie es auch jetzt nicht. Nicht einmal, als er sie darum bat, seine Schultern zu massieren. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht ganz wusste, was "massieren" nun konkret bedeuten sollte, hing sie gedanklich auch noch immer eher bei seinen vorangegangenen Worten fest. Fragend wirkte ihr Blick. Marcellus war größer als sie, auch hierin wurde sie den Klischees über ihr riesenhaftes, grobes Volk kaum gerecht. Sie war in jedem Bereich sehr zart und auch ihre sanftmütige Mentalität war genau das.


    "Aufgaben." wiederholte sie also und rang in sich nach den richtigen Worten, um ihre Frage danach zu formulieren. Sie war nicht faul mit Worten und wollte sich bemühen. "Ist ein Händler der mich nach Hause bringt? Mache ich Aufgaben für den Händler?" erkundigte sie sich also arglos und legte ihre Hände ineinander. Sie würde sich nicht vor Arbeit drücken, wenn sie doch nur endlich wieder nach Hause käme. Im Grunde genommen ergab es doch auch durchaus Sinn, was Marcus da sagte. Warum sollte er ihr auch die komplette Heimfahrt finanzieren? Solange er seine Verbindungen nur nutzte, um ihr eine Gelegenheit zu organisieren, hatte er doch sein Wort schon eingehalten. Da war keine Notwendigkeit, dass er sie persönlich eskortierte, wie er es versprochen hatte. "Das ist gut." beeilte sie sich also zu sagen, um ihm kein schlechtes Gefühl zu vermitteln. Sie lächelte wieder. "Ich mache Aufgaben! Ich fühle gut für nach Hause. Danke, Marcus!"

  • Es kam leider wie Marcellus es befürchtet hatte. Sie war der Meinung, dass er sie wieder nach Hause bringen würde. Dass er sie über die Alpen schicken und in ihr Dorf zurückgehen lassen würde. Das war.. schlecht. Es passte ihm nicht. Er wollte sie nicht brechen, sie nicht unglücklich sehen oder ihren Hass auf sich ziehen, aber er wollte sie auch auf keinen Fall gehen lassen. Sie war, rein rechtlich gesehen, seine Sklavin. Daran gab es nichts zu rütteln. Er hätte das gleich klarstellen sollen. Nur damals, da war er von Emotionen überrannt gewesen, er hatte wirklich vorgehabt sie gehen zu lassen. Aber seitdem. Er seufzte...


    Wie sollte er nun vorgehen? Er setzte sich nun wieder und sah zu ihr hin. "Nein, du gehst nicht nach Hause." begann er dann. Das war vielleicht hart, aber er würde nun einfach die Fakten auf den Tisch legen. Er gab sich wirklich Mühe einfache Sätze zu wählen, damit sie ihn verstand. Innerlich seufzte er ob des Zwiespalts, aber er zeigte diesen Zwiespalt nicht. Eigentlich gab es ihn auch nicht. Zwar wollte er eigentlich eine Eldrid die ihn mochte und nett zu ihm war, aber vor allem wollte er sie auf keinen Fall freilassen und gehen sehen.


    "Du gehörst mir. Du warst eine Sklavin als ich dich gefunden und befreit habe. Jetzt bist du bei mir und ich bin dein Herr. Du hast dich zwei Wochen ausruhen können und ab heute wirst du hier im Haus Aufgaben bekommen." mit diesen Worten sollten nun alle Unklarheiten beseitigt sein. Marcellus Blick lag nicht unfreundlich auf ihr, aber er machte durchaus klar, dass er seine Worte ernst meinte. Dann erhob er sich wieder und machte einen Schritt auf sie zu. Er legte jeweils eine Hand auf ihre Schultern und spürte die Haut ihrer Oberarme unter den Händen. Ein wenig streichelte er sie dort mit den Daumen.


    "Du wirst es hier gut haben. Ich bin kein grausamer Mann und deine Aufgaben werden angenehm sein. Du wirst keinen Hunger leiden und nicht krank werden." erklärte er nun. Wieder lächelte er. Sie würd es verstehen. Sicherlich würde sie es einsehen. Das Leben hier war einfach auch für sie besser! Ganz unabhängig davon, dass sie keine Wahl hatte. Sie würde sich daran gewöhnen und in ein paar Wochen würde sie die Vorzüge des Lebens unter dem Schutze Roms zu schätzen wissen. Ja und sie würde auch seine Vorzüge zu schätzen wissen. Wieder streichelte er ihre Haut und sehr intensiv nahm er ihren Geruch wahr. Dann ließ er ihre Arme wieder los.

  • Sie merkte schon, dass irgendetwas nicht ganz so gut war, wie es eben noch den Anschein hatte, als er sich nun setzte. Kurz erwog sie, ob es ihm wohl schwer fiel, ob er sie bitten würde, vielleicht doch zu bleiben. Ein wenig kribbelte es bei dem Gedanken ja schon. Sie hatte schon mehr als einmal gespürt, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte; insbesondere während ihrer beschwerlichen Reise nach Rom, die sie weiter denn je von zuhause fortgeführt hatte. Sie konnte sich noch ganz gut an seinen Geruch erinnern, wenn sie gemeinsam irgendwo übernachtet hatten. Selten war sie einem Menschen so nahe gekommen wie ihm; niemals jemandem außerhalb ihrer eigenen Blutsverwandtschaft. Sie war wirklich traurig, ihn verlassen zu müssen. Es zerbrach ihr vielleicht nicht das Herz, denn sie wollte wieder zu ihren Brüdern zurück - kein Band war stärker als jenes zu ihrer Familie. Das machte es ihr aber trotzdem nicht leicht, ihn zurückzulassen. Sie trennen nun eben Welten, das war nicht zu ändern. Niemals würde sich daran etwas ändern.

    Sie bekam allerdings nicht sonderlich lange Zeit, um sich im Ungewissen zu wägen und sich Gedanken über seine Gefühle zu machen. Er sah sie an, legte sich seine Worte nur kurz zurecht und dann... Ja, dann hatte sie wieder das Gefühl, ihn nicht richtig verstanden zu haben. Dieses Mal gab es allerdings keinen Spielraum mehr. Nein - du gehst nicht nach Hause. Davon verstand sie jedes Wort und auch seine Blicke ließen wenig Möglichkeit zur Interpretation.


    Für einen Moment hatte sie ein Rauschen in den Ohren. Natürlich hatte sie die Möglichkeit schon in Betracht gezogen, dass so etwas passieren könnte. Sie hatte sie selbstredend als vollkommen unsinnig wieder verworfen. Seine Worte erreichten sie nur schlecht, aber sie erreichten sie. Wie durch einen dichten Nebel hörte Eldrid ihn dumpf sagen, dass er sie als Sklavin gefunden hatte und dass sie ihm nun gehörte. Dass sie ab heute Aufgaben bekommen würde. Ihre Haut wirkte nun nicht mehr einfach nur hell, sondern regelrecht blass. Geradewegs so, als sei jedes Blut aus ihm gewichen und das traf es vermutlich auch ganz gut. Sie hatte das Gefühl, nach einem Halt suchen zu müssen.

    Ohne etwas dagegen tun zu können beobachtete sie, wie er sich ihr näherte und sie an den Schultern anfasste. Stumm und fassungslos starrte sie zu ihm auf, der er bestimmt einen ganzen Kopf oder noch mehr größer war als sie. Das war wie ein Albtraum und sie wusste gar nicht, wie sie darauf nun reagieren sollte. Sie war viel zu überfahren, um wütend zu sein. Sie hatte das Gefühl, die Tragweite seiner Worte nicht einmal ansatzweise erfassen zu können. Er redete irgendwas davon, dass sie keinen Hunger haben würde, dass es ihr gut gehen würde und dass er nicht grausam war.


    "Marcus, du bin doch grausam!" ließ sie ihn nun wissen, klang dabei aber keinesfalls laut. Ihre Augen hatten sich mit Tränen gefüllt, während sie zu ihm aufsah. Dass er einen Scherz machte, schloss sie aus. "Ich... ich nicht Sklavin. Ich bin Gefangene... als ich dich... dir mich... nein... ach..." Sie kam immer mehr mit der Sprache durcheinander, während ihre Gedanken im Kopf umherwirbelten. "Nicht Sklavin. Du auch nicht Sklave. Das... das nicht Gesetz!" versuchte sie sich zur Wehr zu setzen. Das durfte er ganz bestimmt nicht einfach so tun. Sie war sein Gast, man durfte seinen Gast nicht einfach versklaven. Das widersprach jedweder Ehre. Sie war damals einfach auf ihrem Weg nach Hause gefangen genommen worden, von irgendwelchen Räubern. Das konnte sie unmöglich zu seiner Sklavin machen. Sie waren gleichberechtigt geflohen. Er war doch auch nicht ihr Sklave, oder? Was bildete er sich denn nur ein, wer er war?

    Sie versuchte sich aus seinem Griff zu entwinden und einen Schritt rückwärts zu machen. Dabei war sie nicht grob, aber bestimmt. Verletzt sah sie zu ihm auf. "Nach Hause." sagte sie ihm noch einmal ausdrücklich und legte ihre Hände auf ihr Herz, während sie ihn flehentlich anblickte. Ihn anzuschreien, zu beleidigen - daran dachte sie nicht einmal. Sie wusste auch, dass das nichts bringen würde. Sie konnte das Lateinische zwar nur sehr rudimentär, aber das machte sie nicht zu einem dummen Menschen. "Du... du hast... geschworen. Wir... wir Freunde."

  • Sie verstand es nicht, sie verstand einfach nicht dass ihr Anliegen, ja ihre Wünsche... vollkommen unsinnig waren. Sie war eine Sklavin, das war sie ab jenem Moment geworden in welchem diese Räuber sie gefangen hatten. Wäre er nicht ebenfalls gefangen genommen worden, dann wäre sie bestenfalls die Haussklavin irgend eines Plebejers geworden und schlimmstenfalls hätte ein Hurenhaus auf sie gewartet. Das hier, das war für sie das große Los. Und natürlich war es mit ihm nicht dasselbe. Nicht nur war er ein Römer, er war ein Patrizier, ein Claudier. Das Lösegeld welches die Räuber für ihn erhalten hätten, war mehr wert als eintausend Sklaven. Natürlich könnte er sie nun gehen lassen, er könnte ihr sogar eine Eskorte nach Germanien finanzieren oder zumindest eine Mitreisegelegenheit. Aber warum sollte er das tun? Ja warum?


    Er wollte sie nicht gehen lassen und er würde auch seinen übrigen Sklaven nicht die Freiheit schenken. Zumindest nicht inflationär. Wieder versuchte er ein freundliches Lächeln aufzusetzen. Ihr Unverständnis und ihre Tränen machten ihn etwas ratlos. Er wollte, dass sie verstand. Oder vielmehr sollte sie ihr Schicksal akzeptieren.


    "Wir sind Freunde. Ja." bestätigte er nun. Das war vielleicht eine ungewöhnliche Aussage und er würde so etwas nicht unbedingt in der Öffentlichkeit sagen. Ebenso wie er es beileibe nicht zu jedem Sklaven sagen würde. Aber er und Eldrid, sie beide hatten viel erlebt. Und er verdankte ihr etwas. Das musste er zugeben. Dennoch... "Wir sind Freunde und deswegen sorge ich für dich. Du hast ein gutes Leben hier." sprach er erneut.


    "Hättest du mich nicht getroffen, wärst du jetzt eine Sklavin bei weniger netten Menschen. Und wenn du zurück nach Germanien gehst, wirst du es nicht so gut haben wie hier." eine Überzeugung, welche Marcellus absolut hatte. Als Sklavin im Hause Claudius hatte sie ein deutlich besseres Leben als im heimischen Germanien an der Seite irgend eines Barbaren. Er legte nun eine Hand an ihre Wange.


    "Außerdem mag ich dich. Wenn du nach Germanien gehst, werde ich dich nicht wieder sehen." sagte er dann noch. Wieder ein Satz, welcher ihre besondere Stellung betonte. Livineia würde ihn wohl auslachen würde sie ihn jetzt sehen können. Vermutlich auch zurecht. Aber was half es? Er mochte sie nun einmal wirklich und er war nicht bereit sie einfach aus seinem Leben verschwinden zu lassen. Warum sollte er es also tun wenn er es nicht musste? Er lächelte nun wieder, in der Hoffnung dass sie vielleicht beginnen konnte sich mit diesem Leben anzufreunden.

  • Verständnislos sah sie weiterhin in sein Gesicht, obwohl sie die gesamte Situation eigentlich doch sehr gut verstand. Oder auch nicht. Nein, eigentlich verstand sie ihn nicht. Er sprach davon, dass sie Freunde waren und bestätigte wenigstens die Annahme, dass er sie auch mochte. Vielleicht wusste er gar nicht, was Freundschaft bedeutete? Sie hatte oft gehört, dass Römer sehr illoyal und wankelmütig waren. Sie schluckte schwer. Aus ihren Augen lösten sich nun zwei stumme Tränen, die über ihre Wangen liefen. Weiter hörte sie ihm konzentriert zu, durchaus daran interessiert, wie er sich zu erklären gedachte.

    Er sprach davon, dass sie wohl bei weniger netten Menschen leben müsste, wenn sie nicht gemeinsam geflohen wären. Damit mochte er wohl durchaus im Recht sein. Genauso könnte er aber nun auch tot in irgendeiner Ecke liegen, wenn es für ihn schlecht gelaufen wäre und sie ihm nicht geholfen hätte, wer wusste das schon so genau? Vielleicht hatte er sogar Recht damit, dass ihr Leben in Germanien einen schlechten Verlauf nehmen könnte. Sie glaubte das zwar nicht, aber sie war keine Göttin oder Seherin. Die Zukunft lag für sie im Nebel, so wie für jeden anderen Sterblichen auch. Gerade erschien es ihr eher so, dass das schlimmstmögliche Szenario eingetreten war, dass sie sich nur vorstellen konnte. Sie war in die Sklaverei geraten und das so weit von zuhause fort, dass niemand ihr helfen könnte. Keiner wusste, wo sie war. Ihre Tränen gewannen nun an Lautstärke, als sich ihr Hals zuzuknoten schien und sie schluchzte einmal lautstark auf, um überhaupt wieder atmen zu können. Ihre Schläfen wummerten.


    "Das... das... ist ungerecht." stieß sie nun wieder konzentrierter und besser formuliert aus. Sie nahm durchaus zur Kenntnis, dass er sie mochte - und es war gar nicht so, dass sie ihm das nicht glaubte. Sie mochte ihn ja auch und sie verstand dieses Gefühl, von dem er da sprach. Sie hatte ja ebenfalls Kummer, zu gehen und ihn niemals wiederzusehen. Das war aber doch kein Grund, den jeweils anderen dazu zu zwingen, hier zu bleiben. Sie würde ihn doch auch nicht fesseln um ihn mit nach Hause zu nehmen, nur damit sie weiter miteinander sprechen konnten. Ja, wenn sie ging, dann ging sie für immer. Das war ihr durchaus bewusst gewesen. Aber wenn sie blieb, dann würde sie ihre Familie niemals wieder sehen. Nie wieder frei sein. Ihre geliebten Wälder nicht mehr sehen. Nichts würde je wieder so sein wie früher und das war um ein Vielfaches schlimmer, als ihn nicht mehr zu sehen.


    "Ich auch... mag dich." sagte sie mit angestrengter Stimme. "Du auch fehlst mir, wenn ich nach Hause bin. Ich vergesse... dich nicht. Aber ich gehe." Sie spürte noch immer seine Hand auf ihrer Wange, sah ihm in die Augen. Sie hatte keine Angst vor ihm, warum auch? Sie legte ihre Hand auf die seine und ging dann auf die Knie. Wäre sie ihr Bruder, der nur Hass für die Römer übrig hatte, würde sie ihm nun vermutlich ins Gesicht springen. Aber sie mochte ihn. Wirklich. Außerdem war sie einfach friedliebend. Sie nahm seine Hand in beide Hände und führte sie in einer bittenden, unterwürfigen Geste an ihre Stirn, noch immer flossen Tränen aus ihren Augen. Sie schloss diese und neigte ihr Haupt leicht. "Bitte, Marcus. Du bist... mein Freund. Ich... Hademar und Sarolf fehlen mir, meine..." Sie verfiel nun ins Germanische. "...Mama und mein Papa... Bitte lass mich..." und wieder zurück ins Lateinische: "Bitte... nach Hause. Du hast... versprochen." Sie sah nun wieder zu ihm auf und sprach nun nicht mehr versehentlich, sondern bewusst in ihrer Muttersprache, auch wenn sie wusste, dass er das nicht verstehen würde. Sie aber konnte es auch nicht übersetzen. "Bitte halte dein Wort, du hast es versprochen. Bei deiner Ehre..."

  • Mit versteinertem Gesicht sah Marcellus der jungen Germanin dabei zu wie sie Träne um Träne vergoss und schließlich zu Schluchzen anfing. Diverse Gefühle machten sich in ihm breit. Ratlosigkeit, Enttäuschung, Verstimmung, Wut... er hatte sich das wirklich anders vorgestellt. Es war ihm als eine gute Lösung erschienen. Er mochte sie, war fasziniert von ihr, ja fühlte sich zu dieser goldhaarigen Schönheit hingezogen, die so lieb und rein wirkte... Wie hätte er sie da gehen lassen können? Er der es nicht wirklich gewohnt war etwas nicht zu bekommen was er wollte! Ja es war doch nur folgerichtig, dass er sie hier behielt. Wo es doch sogar nicht einmal eine Lüge war, dass sie rechtmäßig sein war? Und wer sollte ihn schon auch zur Rechenschaft ziehen? Niemand könnte ihn verurteilen. Nur ihre enttäuschten, traurigen Augen konnten das.


    Aus Mitleid, Zweifel und schlechtem Gewissen erwuchsen schnell Frustration und Aggression. Wieso konnte sie nicht einfach seine Worte annehmen? Die Vorteile für sich selbst sehen? Stattdessen weinte sie, sprach von... vermutlich von ihrer Familie und weinte weil sie nach Hause wollte. Woher auch immer genau sie stammte. Vermutlich aus irgend einem abgelegenen kleinen germanischen Dorf. Sie weinte um dieses Dorf, um ihre Familie und ihre Zukunft dort, wo sie doch eine Zukunft hier haben konnte! Eine sichere und behagliche Zukunft in welcher sie lediglich ein paar kleinere Aufgaben erledigen musste. Sicherlich war das Leben hier weniger anstrengend als jenes in Gemanien!


    "Schweig!" herrschte er sie an. Ja er war frustriert vom Verlauf des Gesprächs. Seine hohe Herkunft hing an ihm und erinnerte ihn daran wie die Verhältnisse hier waren. Er war ein nobler Spross Roms, ein Sohn der Claudier. Und sie, sie war eine germanische Sklavin! Warum sollten ihre Tränen ihn berühren? Er verhärtete sein Gesicht. Sie würde hier bleiben und wenn sie das nicht akzeptieren konnte, ja wenn sie nicht einmal die kleinsten Vorzüge daran finden konnte, dann eben nicht. Warum sollte ihn das kümmern?


    "Du wirst hier leben, hier in diesem Haus. Als meine Sklavin! Du wirst mich Herr nennen und du wirst tun was von dir verlangt wird. Du wirst mir dankbar sein, dass ich dich gerettet habe und du wirst lernen das Leben hier zu mögen." er presste die Lippen aufeinander. Seine Hand hatte er eben schon von ihrer Stirn fort gezogen und er sah mit harter Miene zu ihr hinunter. Sie würde das alles akzeptieren. Früher oder später. Und er konnte warten.


    "Und jetzt geh! Bald wirst du deine Aufgaben bekommen." es schmerzte ihn ziemlich, dass es so hatte enden müssen. Er hatte mit so etwas zuvor noch keinen Kontakt gehabt. Die übrigen Sklaven im Haus haderten nicht mit ihrem Leben, zumindest taten sie das nicht öffentlich. Vielleicht war es ein Fehler gewesen. Vielleicht hätte er sie gehen lassen sollen. Aber er dachte wieder an ihr Lächeln, an diese Augen... er wollte so angelächelt werden. Wenn er sie nun gehen ließ, wäre das für immer vorbei. So wie es jetzt war, nun... da gab es noch Hoffnung. Bestärkt in seinem Tun sah er wieder zu ihr hinab.

  • Der Befehl verfehlte seine Wirkung nicht. Seine laute und wütende Stimme brachte sie augenblicklich zu Schweigen. Mit aufgerissenen Augen blickte sie zu dem Patrizier hoch, der nun sämtliche Wärme in seinem Gesicht vermissen ließ und kühl zu ihr hinunter sah. Was war passiert? War dies nun sein wahres Gesicht? Sie konnte nicht glauben, dass er so hart war, so grausam. Was verlor er denn, wenn er sie wieder gehen ließ? Sie hatte ihm praktisch nie gehört. Sie war eine Gefangene von Sklavenhändlern gewesen, keine Sklavin. Er hatte sie auch nicht erworben; bestenfalls hatte er sie gestohlen. Dass sie gemeinsam in die Freiheit entlaufen waren traf die Wahrheit aber zweifellos am besten. Warum wollte er sie nun als Sklavin behalten? Wenn man sich hier umsah, dann hatte doch einfach alles und ganz sicherlich keinen Bedarf an einer jungen Sklavin, die nicht einmal ansatzweise hier bleiben wollte. Sie schluckte schwer, aber ihr Weinen blieb weiterhin verstummt.


    Ungläubig lauschte sie seinen Rahmenbedingungen. Sie würde hier leben, sie würde ihn Herr nennen und tun, was man von ihr verlangte. Sie sollte dankbar sein und das Leben hier mögen. Wie konnte man denn so etwas befehlen? Sie hatte gelernt, ihren Eltern stets dankbar zu sein, auch wenn sie einmal wütend auf sie war. Sie hatte ihren Eltern stets gehorcht und auch ihren Brüdern hatte sie niemals Schande bereitet. Marcus aber war nicht ihre Familie.
    Natürlich war Eldrid nicht begriffsstutzig, wenn ihr auch noch immer der Glaube fehlte, dass das alles gerade wirklich geschah. Eben noch hatte sie sich als Freie gesehen, als Gast dieses freundlichen Mannes, kurz vor ihrer Rückkehr in die Heimat. Plötzlich hatte sie nichts mehr, war niemand mehr. Das zu begreifen, das dauerte. Was sie aber durchaus begriff war, dass sie dagegen praktisch nichts tun konnte und das ließ sie völlig verzweifeln. Der Weg nach Germanien war unendlich weit weg. Natürlich konnte sie einfach weglaufen, aber wohin denn? Rom war eine fremde und eine feindselige Stadt und sie hätte weniger davon, sich ihr auszusetzen als einfach hier zu bleiben. Sie war ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, vorher genauso sehr wie jetzt. Sie hatte ihm vertraut und nun sorgte er für klare Verhältnisse. Nun würde es kein Vertrauen mehr sein, aus dem sie an seiner Seite war. Nun war es Zwang. Trotzdem war sie ebenso machtlos wie vorher. Ja, das verstand sie sogar sehr gut.

    Verzweifelt senkte sie wieder den Blick und betrachtete den prachtvollen Boden. So etwas kannte sie aus ihrer Heimat nicht. Sie hatten in Langhäusern gelebt, die ganze Familie in einem Haus. Mit der Familie und mit den Sklaven, die dazu gehört hatten. Hier war alles so groß, so verwirrend. So ganz und gar nicht heimelig. Als er sie aufforderte zu gehen, brauchte sie nicht lange um sich von dem kalten Boden aufzustemmen.
    Befremdet und aus geröteten Augen sah sie Marcellus an, der plötzlich ein völlig anderer Mensch geworden war. Ja, sie war machtlos. Für den Moment musste sie die Dinge so akzeptieren wie sie waren, er schien sich nicht erweichen zu lassen. Es tat weh. Mehr noch, weil sie ihn wirklich gemocht hatte. Sie würde sich wehren, wenn sie wüsste, wie. Sie hatte keine Unterstützer, er war stärker als sie. Sie lebten in einer Welt des Stärkeren. In Germanien, da wäre sie nun einfach fortgelaufen, aber hier?
    Mit hochrotem Gesicht wendete sie sich ab und verließ seine Gemächer mit hängenden Schultern. Dass ihr dabei jemand entgegen kam, realisierte sie gar nicht. Mittlerweile füllten sich ihre Augen wieder mit Tränen. Es war jedoch ein lautloses Weinen.

  • Vergleichsweise gut gelaunt schlenderte Livineia in Richtung der Gemächer ihres älteren Bruders. Sie waren vom Alter her recht nahe beieinander und es spielte eigentlich selten eine Rolle, wer von ihnen nun älter war und wer nicht. Sie begegneten einander meistens auf Augenhöhe und hatten wohl auch eine vergleichbare Sicht auf die politische Bühne. Sie sah sich als Unterstützerin ihres Bruders, das war eindeutig ihre größte Aufgabe. Vermutlich auch ihre einzige, wenn sie nicht doch mal irgendwann einen Ehemann für sich auftun würde. Heute versuchte sie ihre grimmigen Gedanken daran allerdings zu verdrängen; sie hatte ein nettes Gespräch mit ihrer Freundin Drusilla gehabt und würde schon in wenigen Tagen eine kleine Überraschung für ihren großen Bruder in den Händen halten. Er würde sich freuen. Auch wenn sie nicht vorhatte, ihm von ihrer Überraschung zu erzählen, hatte sie Lust bekommen nach ihm zu sehen und einmal zu hören wie es ihm gerade ging. Er hatte nun recht viel vor sich.

    Fast schon bei seinen Gemächern angekommen kam ihr eine verhärmte, blonde Gestalt entgegen. Verhalten neugierig ließ sie ihren Blick über sie schweifen und machte sie als die kleine Germanin aus, die ihr Bruder von seinem gefährlichen Abenteuer mit nach Hause gebracht hatte. Livineia hatte es schon recht merkwürdig gefunden, dass er sie mitgebracht hatte, aber sie kannte ja auch seine kleine Vorliebe für exotische, zarte und vor allem hellhaarige Geschöpfe aus dem Norden. Sie konnte es überhaupt nicht nachvollziehen. Sie hatte einmal einen germanischen Sklaven gehabt, das war noch gar nicht so lange her - er war wirklich schwierig gewesen. Gut, sie hatte auch noch die kleine Corona als ihre Leibsklavin, aber die war in Gefangenschaft geboren worden und längst nicht so renitent wie es die Wilden von Haus aus waren, wenn man sie in der Wildnis fing und zu zähmen versuchte. Sie hatte keine Lust sich mit diesem Ärger herumzuplagen, ihr Bedarf an aufmüpfigen Sklaven war unlängst gedeckt.

    Als das weinende Sklavenmädchen an ihr vorüber war, drehte sie sich doch noch einmal kurz herum und sah ihr nach. Das passierte wirklich nicht häufig! Marcellus schien die Bombe platzen lassen zu haben. Was hatte sich das Ding aber auch gedacht? Dass die Claudier eine primitive Germanin als einen Gast im Hause akzeptierten, wo sie doch nicht einmal zwangsläufig jeden dahergelaufenen Plebejer empfangen würden? Sie verstand wirklich gar nichts von der Welt und ihr Brüderchen hatte sich damit etwas Unfassbares aufgehalst, mit dem sie sich bestimmt nicht belasten wollen würde.
    Amüsiert betrat sie distanzlos die Gemächer ihres Bruders und begrüßte ihn. Er stand noch da und schien dem Ding nachgeschaut zu haben. Wütend wirkte er; sie sah ihn wirklich selten so. Sie kannte Marcellus eher als freundlichen Mann. Er war ein wenig wie ihr guter Gegenpart.


    "Hat sie es endlich verstanden?" frotzelte sie und sah ihn aufmunternd an. "Du wirst noch einen ziemlich langen Weg vor dir haben, ich kann einfach nicht verstehen, warum du dir das zumutest. Es gibt so viele erzogene Sklaven, warum holst du dir eine Wilde ins Haus? Wegen der Herausforderung?" Livineia wirkte erstaunlich gut gelaunt.

  • Die junge blonde Frau ging hinaus und Marcellus entspannte sein Gesicht ein kleines bisschen. Jetzt noch darüber nachzudenken ob er diese Situation besser hätte lösen können war unnütz, beschloss er. Er hätte sicherlich keinen Weg gefunden ihr die Tränen zu ersparen und ohnehin waren die Würfel nun bereits gefallen und er konnte sie nicht mehr aufnehmen. Es war vorbei. Nun würde er sehen wie es weiter ging. Eldrid lag ihm wirklich am Herzen, mehr als die restliche Familie dies billigen würde, das wusste er. Um sich Spott zu ersparen durfte er dieses gesteigerte Interesse niemandem zeigen. Großvater Menecrates brachte es am Ende noch fertig und ließ Eldrid fort schaffen. Nein er musste acht geben.


    So hob er den Blick also wenig begeistert, als seine Schwester herein kam. Sie hatte Eldrid offenbar gesehen und die richtigen Schlüsse gezogen. Marcellus zeigte nicht viel Regung und blickte wieder zu seinen Briefen hin.


    "Es gab da wohl Missverständnisse." bemerkte er, dann konnte er sich aber ein Grinsen doch nicht verkneifen. Dass er ein besonderes Interesse an Eldrid hatte würde er vor Livineia nicht verbergen können und solange dieses Interesse nicht in die falschen Bahnen geriet, war dagegen ja auch nichts einzuwenden.


    "Weißt du, sie fasziniert mich einfach. Du weißt wie sehr mich Germanien fasziniert. Und sie kommt von dort, ist dort geboren... Ja vielleicht ist es die Herausforderung. Oder das Abenteuer." Er grinste. Ja, sie war wirklich wie ein kleines Abenteuer. Die Pflichten seiner Geburt und seine politischen Pläne hielten ihn einstweilen in Rom. Und solange er nicht selber den Spuren seines Großvaters folgen und die weite Welt sehen konnte, solange würde er eben ein Stück der weiten Welt hier haben. Eldrid war so viel interessanter und so viel aufregender als die übrigen Sklaven... Außerdem, ja außerdem mochte er sie einfach. Aber das musste Livineia nicht wissen.


    "Aber was ist mit dir? Du wirkst gut gelaunt, beinahe schon frisch und lebendig. Sind die Kopfschmerzen heute weniger schlimm?" natürlich hatte Marcellus schon eine Ahnung woher ihre gute Laune kam. Ihn zu ärgern machte ihr meistens gute Laune.

  • Sie verzog ein wenig das Gesicht, als er von Missverständnissen sprach. Logisch hatte es die gegeben, dafür hatte er ja gesorgt. Wenn er dem Mädchen von vornherein reinen Wein eingeschenkt hätte, dann wäre das vorangegangene Gespräch vermutlich wesentlich glimpflicher abgegangen. Nicht, dass Livineia daran ein Interesse gehabt hätte. Friedlich verlaufende Gespräche hatten nicht besonders viel Charme; je mehr Drama geboten wurde, desto spannender war es ja. Sie konnte nicht leugnen, ein Interesse an Klatsch und Tratsch zu haben und wenigstens ihr Bruder wusste das. Allgemein verhielt sie sich zurückhaltend und wusste schon, wie sie sich verhalten musste, wenn sie einen gewissen Ruf in der Öffentlichkeit genießen wollte. Ihr Bruder aber war eben keine Öffentlichkeit, sie hatten ein recht vertrautes Verhältnis zueinander.


    "Ja, das weiß ich." räumte sie amüsiert ein. Großvater hatte einige Zeit in seinem Leben dort zugebracht und hatte zuweilen auch die recht rauen Seiten für sich übernommen. Livineia zog einfach nichts an diesen tristen Ort. Sie verstand auch ihren Bruder dahingehend nicht. Was zur Hölle lockte einen Mann von seiner Kragenweite in diese lebensfeindliche Gegend? Moore, tiefe und dunkle Wälder, wilde Barbaren und andauernder Regen. So jedenfalls war ihr Bild von den nördlichen Provinzen des Imperiums. Sie seufzte leicht. "Ich hoffe, außer dir badet niemand die Launen dieses kleinen Wildfangs aus, ich habe absolut keine Lust mich mit so einem frechen Ding auseinanderzusetzen. Die letzten Rebellionen Coronas haben mir gereicht, weitere Exzentrik kann ich einfach nicht gebrauchen." gestand sie, ehe sie sich auf eine Cline setzte und zu ihm aufschaute.

    "Oh, die Schmerzen verschonen mich heute tatsächlich mit einer allzu großen Intensität. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich noch nicht so oft in der Sonne gesessen habe, das grelle Licht bekommt mir die letzten Wochen nicht so gut." Tat es eigentlich nie. Wenn sie unter akuten Schmerzen litt, war helles Licht nahezu unerträglich. "Sag, Marcus, bist du die nächsten Tage eigentlich zuhause oder hast du irgendetwas Besonderes vor?" erkundigte sie sich und grinste dann. "Ich schätze, die nächsten Tage fokussierst du deine Kräfte vermutlich eher auf die Eroberung Germaniens, junger Caesar?"

  • Mit leicht angefressener Miene betrachtete Marcellus seine Schwester als diese meinte, sie hatte keine Lust Eldrids Laune auszubaden. Das war wirklich gut, denn Marcellus legte auch keinen größeren Wert darauf seine neue Lieblingssklavin von der eigenen Schwester schikaniert zu sehen. Livineia konnte sehr deutlich und direkt mit Sklaven sein, manche würden sagen brutal oder grausam.


    "Um den kleinen Wildfang werde ich mich alleine kümmern, keine Sorge Schwester." meinte er dann und schenkte Livineia einen Kelch Wein ein, während er sich selber auch einen nahm. Ja er musste wirklich oft an seinen Großvater denken, welcher wie ein großes leuchtendes Vorbild über ihm schwebte. Menecrates war wie das Abbild eines römischen Staatsmannes aus alten Zeiten. Er war Soldat, Politiker, Ehrenmann... Alles was Marcellus über die Gens Claudia dachte, das war von Menecrates beeinflusst. Und ebenso wie er wollte auch Marcellus eines Tages dem römischen Volk dienen. Und dem eigenen Familiennamen. Die Gens Claudia hatte eine ruhmreiche und große Geschichte. Marcellus wollte dafür sorgen, dass sie auch eine ebensolche Zukunft hatte.


    Nun aber musste er wieder grinsen als Livineia weiter sprach. Sie wollte von seinen Plänen wissen.


    "Ich habe viel zu tun, das weißt du doch. Ich will dem Kollegium der Salii Palatinii beitreten, ich muss alte Kontakte wieder auffrischen... die restliche Zeit werde ich der Eroberung Germaniens widmen, ganz recht. Aber wie auch Gallien, wird auch Germanien nicht an einem Tag zu erobern sein." er trank von seinem Wein und sah sie an. Eigentlich besprach er solche Themen nicht gerne mit seiner Schwester.


    "Apropos Pläne. Morgen finden Wagenrennen statt. Möchtest du mich dorthin begleiten?" wechselte er nun das Thema und stellte seinen Kelch fort. Marcellus liebte die Rennen, die Aufregung und Spannung. Ebenso liebte er Pferde und das Reiten.

  • Weder war ihr Blick sonderlich erleichtert, noch angespannt als er verkündete, sich um seinen Wildfang allein kümmern zu wollen. Eigentlich hatte sie ja gehofft, dass er sich Ratschläge von ihr erbat, aber das schien nicht so zu sein. Sie hätte einige davon für ihn gehabt, aber vielleicht würde er auch noch ein bisschen Zeit dafür brauchen. Livineia hatte sich schon mit manchem Härtefall auseinander gesetzt. Fest stand jedenfalls, dass sie diesen kleinen Blondschopf im Blick behalten würde. Wenn Livineia etwas nicht ausstehen konnte, dann waren es renitente Sklaven. Das Mädchen musste natürlich erst einmal lernen, wo ihr Platz war, aber das lernte man am besten, wenn der Lernprozess nicht so lange währte. Sie musste direkt wissen, nach welchen Regeln gespielt wurde und wie es endete, wenn man die Regeln verletzte. Spätestens nach den ersten zwei, vielleicht drei Versuchen hatte es meistens auch der sturste Bock kapiert. Dafür war es aber eben unabdinglich, dass klare Kommunikation stattfand.


    "Eine Sache, Marcus." meinte sie dann und fläzte sich dann mit dem eben eingegossenem und überreichtem Kelch auf die Seite. Sie nippte verhalten am Wein, ehe sie die eine Sache dann noch thematisierte. "Ich habe mich in den letzten Jahren recht intensiv mit den Sklaven von Großvater herumschlagen müssen und längst nicht alle davon konnten sich benehmen; da hast du dir noch mit Aurelius die Nächte in Achaia um die Ohren gehauen - und wissen die Götter, mit wem noch alles. Ich möchte dir also den einen Rat geben: Sei am Anfang lieber zu hart als zu weich. Zeige ihr ganz klar die Grenzen auf. Was sie am Anfang lernt, das verinnerlicht sie. Wenn sie also lernt, dass du verständnisvoll und gütig bist, wird sie das immer als Grundlage nehmen und deine Grenzen ausreizen. Wenn sie aber Konsequenzen fürchtet, wird sie das Gute viel mehr zu schätzen wissen. Bist du am Anfang resolut, kannst du nachher sehr viel milder mit ihr umgehen und hast dennoch eine gefügige Sklavin." Diesen Rat meinte Livineia durchaus aufrichtig gut mit ihm. Sie ahnte wohl auch, dass er keinesfalls Lust hatte, sich ihr gegenüber zu rechtfertigen und darauf wollte sie auch gar nicht hinaus. Sie hatte aber auch dieses Funkeln in seinen Augen bemerkt und sie wusste, dass er eine Schwäche für alles Germanische hatte. "Dein Wildfang ist nicht Corona." meinte sie noch, grinste dann und hob leicht den Kelch an, ehe sie wieder ein wenig von dem Wein trank. Ihr war schon klar, was er von der Kleinen wollte und Livineia würde ihn dafür sicherlich nicht abstrafen. Er sollte tun, was er wollte. Sein Sexualleben interessierte sie höchstens beiläufig. Um ihn als keusch und zurückhaltend wahrnehmen zu können, müsste sie wohl schon blind sein. Nur in Erziehungsfragen, da wollte sie ihm wenigstens noch ihr Wissen mit auf den Weg geben.


    "Um dich aber nun nicht unnötig mit meinen Erfahrungen zu langweilen - du mögest tun was du für richtig hältst - will ich deine Frage beantworten. Nein, ich glaube nicht." Wagenrennen. Es war dort voll, es war laut und es war dreckig. Sie würde ihn vielleicht begleiten wenn es ihm wichtig war, aber ansonsten wollte sie lieber ihre Ruhe haben. Es war auch zu blöd, dass er ausgerechnet morgen so viel vor sich hatte, vermutlich würde er danach auch kaum direkt wieder heimkommen. "Abends bist du aber zuhause, ja?"

  • Die Ratschläge kamen nun doch und Marcellus lauschte seiner Schwester eher pflichtschuldig als ergeben. Er sollte am Anfang hart sein, damit es sich einprägte. Er sah nachdenkend in seinen Kelch hinein und fragte sich ob Livineia wohl recht hatte. Schnell kam er aber zu dem Schluss, dass es nicht so war und vor allem ihre Bemerkung zur Sklavin Corona ließ ihm dann wieder ein unbegeistertes Schnauben entfahren. Natürlich war Eldrid nicht wie Corona. Corona war eine folgsame, zahme Sklavin und Eldrid, ja Eldrid war nun einmal anders! Er hatte jetzt auch wirklich genug von dem Thema.


    "Livi, wenn ich es nicht schaffe eine Sklavin in den Griff zu bekommen, werde ich wohl auch kaum einmal bereit sein die Gens Claudia anzuführen oder nicht? Sie ist ein junges germanisches Mädchen, mach dir keine Sorgen ihretwegen." schlug er ihre Ratschläge nun in den Wind? Ohja, genau das tat er! Ein wenig war sie ja auch selber schuld. Warum weigerte sie sich mit zu den Rennen zu kommen? Sie wusste doch wie gerne Marcellus das mochte. Aber nunja, dann würde er sich eben andere Bekanntschaften suchen um den Rennen beizuwohnen.


    "Natürlich, ja." meinte er dann auf ihre Frage nach seiner Rückkehr hin. Warum fragte sie? Seit wann interessierte es sie wann er zuhause war? Ein wenig skeptisch betrachtete er sie jetzt schon. Dass sie ihm ungefragt ihren Erfahrungsschatz im Thema Sklavenschikanierung servierte, das war nicht ungewöhnlich. Dass sie es aber so sehr interessierte was er machte und wann er zuhause war, das wunderte ihn durchaus.


    "Hast du Langeweile, wenn ich nicht bei dir bin?" fragte er nun grinsend. Livineias Tagesablauf war wirklich momentan nicht besonders spannend.

  • Er reagierte wie sie es befürchtet hatte. Ihr stand der Sinn danach, genervt die Augen zu verdrehen und genervt aufzuatmen, aber nein. Nein, gegenüber Marcus blieb sie in aller Regel freundlich und neigte höchstens mal zu einer gewissen Wehleidigkeit. Sie könnte ihm jetzt natürlich auch sagen, was sie dachte. Dass er manchmal ein wenig gutgläubig und naiv war, dass er das Leben manchmal als einfacher annahm als es tatsächlich war. Das erschien ihr allerdings als nicht unbedingt die beste Strategie, wenn sie ihren Zugang zu ihm behalten und vielleicht auch ein wenig ausbauen wollte.
    Also lächelte sie lieber liebenswürdig auf seine Worte hin.


    "Ich mach mir keine Sorgen, ich habe vollstes Vertrauen in dich. Ich erhoffte mir nur, dass du meine Meinung vielleicht trotzdem schätzen würdest." Ein leiser Vorwurf schwang vielleicht in ihren Worten mit. Ein dezenter Hinweis, dass sie es schätzen würde, wenn ihre Meinung auch gehört werden würde. Auch sie hatte Gefühle und wenn jemand die wohl kränken könnte, war es wohl ihr einziger verbliebener Bruder. Das ging tatsächlich auch recht schnell - sie zeigte es nur meistens nicht. Sie hatte es lieber, wenn man ihr die Gefühle nicht so sehr ansah, die sie doch von Zeit zu Zeit mal empfand. Aus Stein war sie nicht - nur für die Sklaven. Wenn sie gekränkt war, streute sie eher wie eben gerade einen diskreten Hinweis ein. Tränen... nein, das war einfach nicht ihr Stil. Eine Patrizierin hatte sich im Griff und flennte nicht herum.


    "Vielleicht nicht unbedingt Langeweile, aber ich verbringe gern Zeit mit meinem kleinen Bruder." lächelte sie dann anschmiegsam und trank noch ein bisschen was von ihrem Wein. "Außerdem könnte es sein, dass ich dann eine kleine Überraschung für dich habe. Da kommt mir doch eine Idee - nimm doch deinen Wildfang mit zu den Rennen, dann könntest du gleich allen gegenüber deine Schwäche eingestehen." piesackte sie ihn und schuf damit schon mal eine leichte Vorsorge, dass er eben genau das hoffentlich nicht so bald tun würde. Was er hinter den Mauern mit ihr trieb war seine Sache, aber sie hatte keine Lust auf Gerede außerhalb. Auch Großvater würde das kaum gutheißen, Vater hatte ja schon eine Weile nicht mehr an ihrem Leben in Rom teilgenommen. "Also haben wir eine Vereinbarung. Morgen Abend verbringen wir zusammen. Hast du eigentlich mittlerweile etwas von Großvater gehört, was eine Frau angeht? Er hatte sich doch erboten, sich einmal umzuhören."

  • Marcellus hatte ja nun beinahe ein schlechtes Gewissen. Er liebte seine Schwester, eine Tatsache welche auch nicht dadurch geschmälert wurde, dass er manches Mal zynisch auf ihre Launen reagierte. Es tat ihm nun Leid, dass er sie eben so abgebügelt hatte und er setzte eine versöhnlichere Miene auf. Gleichzeitig setzte er sich etwas gerader hin, als sie weiter sprach. Eine Überraschung? Doch noch ehe er fragen konnte, kam wieder so ein lästernder Kommentar von ihr und gleich darauf, als könne sie seine Gedanken lesen, fragte sie nach seinen Heiratsplänen. Marcellus seufzte und stieß etwas Luft zwischen den Lippen hervor.


    "Nun..." begann er. "Ehe ich ans heiraten denke, denke ich an meine Verpflichtungen gegenüber Rom. Ich habe andere Dinge zu tun, ich kann mich nicht um eine Frau kümmern." damit wäre dieses Thema wohl erledigt. Tatsächlich hatte er es wirklich nicht besonders eilig mit einer Ehe. Eine Ehe würde zwar Vorteile bringen, aber sie würde auch Verpflichtung bedeuten. Außerdem hatte er gerade wirklich anderes im Kopf!


    "Ich hoffe, es wartet eine gute Überraschung auf mich, denn du scheinst heute Gefallen daran zu finden mich aufzuziehen. Schwäche..." Marcellus schüttelte den Kopf. "So etwas wie Schwäche gibt es bei mir nicht liebe Schwester, merke dir das." vielleicht würde er ja Eldrid einmal mit zu einem Rennen nehmen. Was sprach schon dagegen? Und wer sollte ihn deswegen rügen?

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