DUO AMANTES IN HORTIS ROMAE AMBULANTES (Zwei Verliebte beim Spaziergang in den Gärten Roms)

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    Die Gärten Roms


    Rom am Morgen nach dem ersten Kuss

    Die Liebe zwischen Titus Aurelius Romanus und Claudia Calvina hatte eine neue Schwelle überschritten. Was mit einem flüchtigen Blick begonnen und sich während mehrerer Begegnungen in der Bibliotheca Annaea zu einer tiefen Zuneigung entwickelt hatte, war nun zu einer gegenseitigen Liebeserklärung geworden. Doch die Bibliothek war kein Ort, an dem zwei Liebende ungestört miteinander sprechen konnten. Zu viele Besucher, zu viele neugierige Augen und zu viele gesellschaftliche Regeln bestimmten das Verhalten der Angehörigen vornehmer römischer Familien. Beide sehnten sich nach einem Ort, an dem sie einander näherkommen konnten, ohne ständig auf ihre Umgebung achten zu müssen. Die weitläufigen Gartenanlagen Roms boten dafür eine verlockende Möglichkeit. Besonders die Horti Sallustiani, die Gärten des Sallust, mit ihren schattigen Wegen, Brunnen, Baumgruppen und versteckten Sitzplätzen versprachen eine gewisse Abgeschiedenheit. Noch ahnten beide nicht, dass sie unabhängig voneinander denselben Gedanken fassen würden.

    Ein Morgen voller Sehnsucht

    Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die geöffneten Fenster des Schlafgemachs in der Villa Aurelia. Titus Aurelius Romanus war bereits seit geraumer Zeit wach. Er hatte schlecht geschlafen, allerdings nicht aus Sorge oder wegen jener düsteren Erinnerungen, die ihn seit seiner Kindheit immer wieder heimsuchten. Diesmal war es etwas vollkommen anderes gewesen.

    Calvina.

    Immer wieder hatte er ihre Stimme gehört, ihr Gesicht vor sich gesehen und den Augenblick ihres ersten Kusses erneut durchlebt. Er erinnerte sich daran, wie sie zunächst etwas unsicher vor ihm gestanden hatte. An das leichte Zittern ihrer Stimme, als er sie gefragt hatte, ob er sie küssen dürfe. Und an den wunderbaren Augenblick, als sie ihre Zustimmung gegeben hatte.

    Ja, Titus.

    Zwei einfache Worte. Und doch hatten diese Worte für ihn eine größere Bedeutung als vieles, was er in seinem bisherigen Leben erreicht hatte. Titus setzte sich auf die Bettkante und lächelte. Er, der sich sonst kaum von Gefühlen beherrschen ließ, konnte plötzlich an nichts anderes mehr denken als an eine junge Frau aus dem Hause der Claudier. Ein leises Klopfen unterbrach seine Gedanken.

    „Herein.“

    Massad betrat das Gemach. Der Syrer blieb stehen und betrachtete seinen Herrn mit einem prüfenden Blick.

    „Du bist bereits wach.“

    „Wie du siehst.“

    „Und du lächelst.“

    Titus hob eine Augenbraue.

    „Ist das verboten?“

    „Keineswegs. Es ist nur ungewöhnlich.“

    Massad verschränkte die Arme.

    „Du hast gestern Abend gelächelt. Du lächelst heute Morgen. Entweder hast du einen Feind besiegt, von dem ich nichts weiß, oder es gibt eine Frau.“

    Titus musste lachen.

    „Du wirst mit jedem Tag unerträglicher.“

    „Also eine Frau.“

    „Ja, Massad. Eine Frau.“

    Der Syrer nickte langsam.

    „Dann möge Astarte dir beistehen.“

    „Warum?“

    „Weil ich noch nie erlebt habe, dass du einem Gegner so vollkommen wehrlos gegenüberstandest.“

    Titus griff nach einem Kissen und warf es nach ihm. Massad fing es mühelos auf. Zum ersten Mal seit langer Zeit lachten beide unbeschwert.

    Ein ungewöhnlicher Entschluss

    Beim Frühstück im kleinen Innenhof der Villa Aurelia saß Titus gemeinsam mit Selina. Die ehemalige parthische Prinzessin beobachtete ihn schweigend. Schließlich legte sie ihren Becher ab.

    „Du bist heute anders.“

    „Das behauptet Massad ebenfalls.“

    „Dann hat er ausnahmsweise recht.“

    Titus betrachtete sie aufmerksam.

    „Und was genau soll anders sein?“

    Selina lächelte.

    „Du wirkst glücklich.“

    Dieses einfache Wort ließ ihn nachdenklich werden. Glücklich. Er hatte in seinem Leben Reichtum kennengelernt, Erfolge errungen und die Achtung bedeutender Männer gewonnen. Doch Glück? Wirkliches Glück?

    Er wusste nicht, ob er dieses Gefühl jemals zuvor so deutlich empfunden hatte.

    „Ich glaube“, sagte er schließlich, „dass ich mich verliebt habe.“

    Selina hob überrascht den Kopf.

    „Du glaubst?“

    „Nein.“

    Titus lächelte.

    „Ich weiß es.“

    Eine Weile sagte Selina nichts. Dann fragte sie leise:

    „Ist sie es? Die junge Frau aus der Villa Claudia?“

    Titus nickte.

    „Claudia Calvina.“

    Selina sprach den Namen langsam aus.

    „Eine Claudia. Aus einer der angesehensten Familien Roms.“

    „Ja.“

    „Dann solltest du vorsichtig sein.“

    Titus seufzte.

    „Du klingst bereits wie ein besorgter Familienältester.“

    „Ich kenne die römischen Familien gut genug. Liebe und Heirat sind für sie nicht immer dasselbe.“

    „Für mich schon.“

    Selina betrachtete ihn lange.

    „Dann hoffe ich, dass du es ernst meinst.“

    Sein Gesicht wurde ernst.

    „Selina, ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe.“

    Die Partherin schwieg. Sie kannte Titus lange genug, um zu wissen, wie viel Überwindung ihn ein solches Geständnis gekostet haben musste.

    „Dann“, sagte sie schließlich, „solltest du dafür sorgen, dass sie dir glaubt.“

    Die Einladung

    Titus zog sich in sein Arbeitszimmer zurück. Auf dem Tisch lagen noch immer die Unterlagen seiner Ermittlungen. Namen, Zahlen und Vermerke erinnerten an die ungelösten Fragen um Lucius Cassius Varro und die geheimnisvollen Verbindungen nach Ostia. Doch heute konnte er sich nicht darauf konzentrieren. Er nahm eine kleine Wachstafel zur Hand. Mehrfach setzte er den Griffel an, ohne zu schreiben. Was sollte er Calvina sagen? Dass er sie wiedersehen wollte? Das wusste sie längst. Dass er sie vermisste? Seit dem gestrigen Abend hatte er an kaum etwas anderes gedacht. Schließlich schrieb er:

    "Calvina,

    seit wir uns gestern voneinander verabschiedet haben, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dich wiederzusehen.

    Die Bibliothek hat uns zusammengeführt. Doch ich möchte mit dir sprechen können, ohne dass jeder unserer Blicke von fremden Augen beobachtet wird.

    Wenn es dir recht ist, erwarte ich dich morgen zur fünften Stunde in den Gärten des Sallust, nahe dem großen Wasserbecken unter den Zypressen.

    Dort möchte ich mit dir spazieren gehen.

    Und vielleicht darf ich dich dort noch einmal küssen.

    Titus."

    Er betrachtete die letzten Worte. Dann lachte er leise über sich selbst.

    Er rief einen zuverlässigen Haussklaven.

    „Bring diese Nachricht zur Villa Claudia. Sie ist ausschließlich für Claudia Calvina bestimmt.“

    „Jawohl, Herr.“

    „Und warte auf eine Antwort.“

    Als der Bote gegangen war, trat Titus ans Fenster. Zum ersten Mal seit Jahren erschien ihm die Zeit zwischen zwei Begegnungen unerträglich lang.

    Die Gärten des Sallust

    Am folgenden Vormittag ließ Titus sich von Massad bis in die Nähe der Horti Sallustiani begleiten. Er hatte sich bewusst schlicht gekleidet. Eine helle Tunika aus feinem Leinen, darüber eine leichte Toga. Keine auffälligen Schmuckstücke. Heute wollte er kein Angehöriger einer bedeutenden Familie sein. Er wollte einfach Titus sein. Massad blieb am Eingang der Gartenanlage zurück.

    „Soll ich dich begleiten?“

    „Nein.“

    „Du weißt, dass Selina darüber nicht begeistert sein wird.“

    „Dann erzähle es ihr nicht.“

    Massad grinste.

    „Ich habe nicht versprochen, ein guter Lügner zu sein.“

    Titus schüttelte den Kopf und ging weiter. Die Gartenanlage erstreckte sich vor ihm wie eine eigene Welt. Zwischen hohen Zypressen und Platanen verliefen gepflegte Wege. Marmorstatuen standen zwischen blühenden Sträuchern. Aus kleinen Brunnen plätscherte Wasser in steinerne Becken. Titus erreichte den vereinbarten Treffpunkt. Noch war Calvina nicht zu sehen. Er setzte sich auf eine niedrige Marmoreinfassung und wartete. Dabei fiel ihm auf, dass seine Hände ungewöhnlich unruhig waren. Er lachte über sich selbst. Bei allen Göttern, Titus. Du bist schlimmer als ein Jüngling bei seiner ersten Verabredung. Dann hörte er Schritte auf dem Kiesweg. Er wandte den Kopf. Und sein Herz begann schneller zu schlagen. Calvina kam.



    Die Frau, auf die er gewartet hatte


    Titus erhob sich sofort. Für einen Augenblick vergaß er alles, was er sich vorgenommen hatte zu sagen. Calvina stand wenige Schritte entfernt. Das Sonnenlicht fiel durch die Zweige einer Zypresse auf ihr Gesicht. Ihr helles Gewand bewegte sich leicht im Wind. Sie lächelte ihn an. Und Titus empfand plötzlich denselben überwältigenden Augenblick wie bei ihrer ersten Begegnung. Er ging auf sie zu.

    „Calvina.“

    „Titus.“

    Er nahm ihre Hände.

    „Du bist gekommen.“

    Sie lachte leise.

    „Hast du daran gezweifelt?“

    „Ein wenig.“

    „Warum?“

    Titus betrachtete sie.

    „Weil mir das alles manchmal noch immer wie ein Traum erscheint.“

    Calvinas Lächeln wurde sanfter.

    „Dann träumen wir offenbar beide.“

    Er führte ihre rechte Hand an seine Lippen und küsste sie.

    „Du bist wunderschön.“

    „Das hast du mir bereits in der Bibliothek gesagt.“

    „Dann werde ich es wohl noch sehr oft wiederholen müssen.“

    Sie lachte.

    Dieses Lachen.

    Titus hätte stundenlang zuhören können.

    Er bot ihr seinen Arm an.

    „Möchtest du mit mir spazieren gehen?“

    „Sehr gern.“

    Gemeinsam gingen sie einen schmalen Weg entlang, der zwischen blühenden Sträuchern hindurchführte.

    Eine Weile sprachen sie über belanglose Dinge.

    Über Bücher.Über die Schönheit der Gartenanlage.

    Über das Wetter.Doch Titus wusste, dass sie beide eigentlich über etwas anderes sprechen wollten.

    Schließlich blieb er stehen.

    „Calvina.“

    Sie blickte ihn an.

    „Ja?“

    „Ich habe seit gestern über vieles nachgedacht.“

    „Über uns?“

    „Nur über uns.“

    Er nahm beide ihrer Hände.

    „Ich möchte dich nicht nur heimlich in einer Bibliothek treffen. Ich möchte dich kennenlernen. Alles über dich erfahren. Was du liebst. Was du fürchtest. Worüber du lachst.“

    Er zögerte.

    „Und ich möchte, dass du mich kennenlernst.“

    Claudia sah ihn ernst an.

    „Auch die Dinge, über die du nicht gern sprichst?“

    Diese Frage überraschte ihn.

    Er dachte an seine Kindheit.

    An seine Brüder.

    An die Demütigungen.

    An die Jahre in Germanien.

    An Entscheidungen, die er niemals rückgängig machen konnte.

    „Ja“, antwortete er schließlich. „Auch diese Dinge.“

    Calvina trat einen kleinen Schritt näher.

    „Dann haben wir hoffentlich sehr viel Zeit.“

    Titus hob langsam eine Hand und strich ihr eine Locke aus dem Gesicht.

    „Das hoffe ich mehr als alles andere.“



    Ein Versprechen


    Titus führte Calvina zu einer steinernen Bank unter einer alten Platane.

    Von hier aus konnte man einen Teil des großen Wasserbeckens sehen, doch hohe Sträucher schirmten den Platz gegen die Hauptwege ab.

    Sie setzten sich nebeneinander. Calvina ließ ihre Hand in seiner. Eine Weile genossen beide das Schweigen.

    Dann fragte Titus:

    „Was wünschst du dir von deinem Leben, Calvina?“

    Sie sah ihn überrascht an.

    „Das ist eine große Frage.“

    „Ich habe Zeit.“

    „Dann muss ich nachdenken.“

    Er lächelte.

    „Ich warte.“

    Calvina blickte auf das Wasser.

    „Ich möchte glücklich sein. Ich möchte Bücher lesen, reisen und Dinge sehen, die ich bisher nur aus Erzählungen kenne.“

    Sie schwieg kurz.

    „Und ich möchte eines Tages einen Mann heiraten, den ich wirklich liebe.“

    Titus spürte, wie sein Herz schneller schlug.

    „Hast du bereits einen solchen Mann gefunden?“

    Calvina wandte sich ihm zu.

    Ihre Augen glänzten.

    „Vielleicht.“

    „Vielleicht?“

    Sie lachte.

    „Er ist manchmal ein wenig ungeduldig.“

    „Das klingt nach einem schwierigen Mann.“

    „Oh, sehr schwierig.“

    „Und wie heißt dieser bedauernswerte Mensch?“

    Calvina legte ihre Hand an seine Wange.

    „Titus Aurelius Romanus.“

    Er beugte sich zu ihr und küsste sie.

    Als sie sich wieder voneinander lösten, wurde sein Gesicht ernst.

    „Calvina, ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird.“

    Sie nickte.

    „Das weiß niemand.“

    „Aber ich möchte, dass du eines weißt.“

    Er hielt ihre Hand fest.

    „Ich werde niemals leichtfertig mit deinen Gefühlen umgehen.“

    Calvina betrachtete ihn lange.

    Dann antwortete sie:

    „Und ich werde niemals leichtfertig mit deinen umgehen.“

    Es war kein feierlicher Eid.

    Kein Versprechen vor Zeugen.

    Und doch bedeutete es beiden mehr als viele öffentliche Erklärungen.

  • Ein Geheimnis im Herzen

    In der Villa Claudia hatte der Morgen ebenfalls früh begonnen. Claudia Calvina stand vor einem großen polierten Bronzespiegel, während ihre Dienerin Livia sorgfältig ihr Haar ordnete.

    „Nicht so streng“, sagte Claudia.

    Livia hielt inne.

    „Wie meinst du das, Herrin?“

    „Die Haare. Lass einige Locken frei.“

    Die Dienerin betrachtete sie überrascht.

    „Aber deine Mutter bevorzugte die aufgesteckte Frisur.“

    „Meine Mutter trug sie ja auch nicht.“

    Livia unterdrückte ein Lächeln. Claudia bemerkte es.

    „Was ist?“

    „Nichts, Herrin.“

    „Livia.“

    „Du bist heute sehr fröhlich.“

    Claudia wandte den Blick zum Spiegel zurück. Sie sah eine junge Frau, deren Wangen ungewöhnlich gerötet waren. Noch gestern hätte sie jede solche Bemerkung entschieden zurückgewiesen. Heute konnte sie ihr Lächeln nicht verbergen. Sie dachte an Titus. An seine dunklen Augen. An die ruhige Art, mit der er sprach. An seine kräftigen Arme, die sie in der kleinen Nische der Bibliothek gehalten hatten. Und vor allem an seinen Kuss. Sie schloss für einen Augenblick die Augen. Es war ein vorsichtiger Kuss gewesen, beinahe schüchtern. Gerade das hatte sie überrascht. Dieser große, selbstbewusste Mann, der so viel Stärke ausstrahlte, hatte sie um Erlaubnis gebeten. Er hatte nichts gefordert. Er hatte gewartet. Und als sich ihre Lippen berührt hatten, war die Welt um sie herum verschwunden.

    „Herrin?“

    Claudia schreckte aus ihren Gedanken.

    „Ja?“

    „Du lächelst schon wieder.“

    „Dann lass mich doch lächeln, Livia.“

    Die Dienerin lachte leise.

    „Wie du wünschst.“

    Die Fragen einer jungen Römerin

    Später saß Calvina allein in ihrem kleinen Privatgemach. Vor ihr lag eine aufgeschlagene Schriftrolle, doch sie hatte seit geraumer Zeit keine Zeile mehr gelesen.

    Stattdessen dachte sie über Titus nach. Was wusste sie eigentlich über ihn? Er hieß Titus Aurelius Romanus. Er entstammte einer angesehenen Familie.

    Er war gebildet, selbstbewusst und besaß einen feinen, manchmal spöttischen Humor. Und er liebte sie. Zumindest hatte er es gesagt.

    Calvina erinnerte sich an den Ernst in seinem Gesicht, als er diese Worte ausgesprochen hatte. Ich liebe dich, Calvina. Sie hatte ihm geglaubt.

    Nicht weil er ein geschickter Redner war. Sondern weil sie in seinen Augen etwas gesehen hatte, das sie nicht beschreiben konnte. Verletzlichkeit. Vielleicht sogar Angst.

    Ein Mann wie Titus schien vor nichts Angst zu haben. Und doch hatte er offenbar befürchtet, sie könnte seine Liebe zurückweisen. Dieser Gedanke berührte sie tief.

    Sie legte die Schriftrolle beiseite.

    „Ich liebe dich auch, Titus“, flüsterte sie.

    Es war noch immer ungewohnt, diese Worte auszusprechen. Doch jedes Mal fühlten sie sich richtiger an.

    Die Nachricht aus der Villa Aurelia

    Gegen Mittag erschien Livia erneut.

    „Herrin, ein Bote aus der Villa Aurelia ist eingetroffen.“

    Claudia sprang beinahe von ihrem Sitz auf.

    „Aus der Villa Aurelia?“

    „Ja. Er hat eine Nachricht für dich.“

    „Dann gib sie mir.“

    Livia reichte ihr die kleine Wachstafel. Claudia nahm sie entgegen und wartete, bis die Dienerin den Raum verlassen hatte. Erst dann öffnete sie die Tafel.

    Sie las die Nachricht langsam. Dann ein zweites Mal. Und schließlich ein drittes Mal. Als sie die letzte Zeile erreichte, musste sie lachen. Und vielleicht darf ich dich dort noch einmal küssen.

    Sie drückte die Wachstafel an ihre Brust.

    „Oh, Titus.“

    Sie stellte sich vor, wie er diese Worte geschrieben hatte. Ob er dabei ebenso aufgeregt gewesen war wie sie? Der Gedanke gefiel ihr. Sie griff nach einem Griffel und schrieb ihre Antwort.

    "Titus,

    ich habe mich sehr über deine Nachricht gefreut.

    Auch ich wünsche mir, dich wiederzusehen. Die Gärten des Sallust sind ein wunderbarer Ort.

    Ich werde morgen zur fünften Stunde dort sein.

    Und was deine letzte Frage betrifft: Vielleicht musst du mich dann gar nicht mehr fragen.

    Calvina"

    Sie las ihre eigenen Worte und errötete. War das zu kühn? Was würde Titus denken? Sie überlegte kurz, den letzten Satz zu entfernen. Dann schüttelte sie entschlossen den Kopf.

    Nein. Sie liebte ihn. Und sie wollte nicht so tun, als wäre das etwas, dessen sie sich schämen müsste.

    Zwischen Pflicht und Sehnsucht

    Beim Abendessen bemerkten die Verwandten die ungewöhnlich gute Stimmung von Calvina.

    „Du scheinst in letzter Zeit großen Gefallen an der Bibliothek gefunden zu haben.“

    Claudia senkte den Blick.

    „Die Bibliotheca Annaea besitzt ausgezeichnete Schriften.“

    „So?“

    „Besonders die philosophischen Werke.“

    Ihr Onkel betrachtete sie prüfend.

    „Du hast früher selten so viel Zeit mit philosophischen Werken verbracht.“

    Claudia nahm einen Schluck verdünnten Weins.

    „Vielleicht ändern sich meine Interessen.“

    „Das hoffe ich nicht in jeder Hinsicht.“

    Claudia blickte auf.

    „Was meinst du?“

    „Du bist eine junge Frau aus dem Hause der Claudier. Es wird Zeit, dass du dich mit den Verpflichtungen beschäftigst, die deine Stellung mit sich bringt.“

    Claudia spürte, wie ihre gute Laune einen Augenblick lang schwand. Sie wusste, worauf ihr Onkel anspielte. Eine standesgemäße Ehe. Eine Verbindung zwischen angesehenen Familien.

    Ein Ehemann, den ihre Eltern für geeignet hielten. Noch vor wenigen Tagen hätte sie darüber vielleicht gleichgültig nachgedacht. Nun gab es Titus. Und plötzlich erschien ihr die Vorstellung unerträglich, eines Tages einen anderen Mann heiraten zu müssen.

    „Onkel“, sagte sie vorsichtig, „glaubst du, dass eine Frau ihren Ehemann lieben sollte?“

    Ihr Onkel legte das Besteck ab.

    „Liebe kann aus einer guten Ehe entstehen.“

    „Aber sollte sie nicht vorher vorhanden sein?“

    „Das ist eine schöne Vorstellung, Calvina. Doch eine Ehe dient nicht allein dem Glück zweier Menschen.“

    Calvina schwieg. Sie wusste, dass eine offene Auseinandersetzung nichts bringen würde. Doch innerlich fasste sie einen Entschluss. Sie würde sich ihre Gefühle nicht nehmen lassen.

    Nicht jetzt. Nicht, nachdem sie Titus gefunden hatte.

    Auf dem Weg zu Titus

    Am folgenden Vormittag ließ Claudia sich besonders sorgfältig ankleiden. Sie entschied sich für eine leichte, elfenbeinfarbene Stola mit einem schmalen, blassblauen Saum.

    Livia flocht ihr Haar zu einer einfachen Frisur, bei der einige dunkle Locken ihre Wangen umspielten.

    „Du siehst wunderschön aus, Herrin.“

    Claudia betrachtete sich im Spiegel.

    „Meinst du, es gefällt ihm?“

    Livia lächelte.

    „Wem?“

    Claudia drehte sich zu ihr um.

    „Du weißt genau, wem.“

    „Dann gibt es also tatsächlich einen Mann.“

    Claudia zögerte.

    Schließlich nickte sie.

    „Ja.“

    „Und ist er freundlich zu dir?“

    „Sehr.“

    „Ist er reich?“

    Claudia lachte.

    „Livia!“

    „Ich frage nur.“

    „Ja, vermutlich.“

    „Ist er schön?“

    Claudia wurde rot.

    „Für mich ist er der schönste Mann in ganz Rom.“

    Livia schlug sich gespielt die Hand vor den Mund.

    „Dann ist es ernst.“

    Claudia trat näher.

    „Sehr ernst.“

    Sie nahm die Hände ihrer Dienerin.

    „Livia, du darfst niemandem davon erzählen.“

    Das Lächeln verschwand aus Livias Gesicht.

    „Auch deinem Onkel nicht?“

    „Besonders meinem Onkel nicht. Noch nicht.“

    Livia nickte.

    „Dann wird es unser Geheimnis bleiben.“

    Wenig später verließ Calvina in Begleitung Livias und zweier Haussklaven die Villa Claudia. Für ihre Familie war es ein gewöhnlicher Spaziergang in einer der schönen Gartenanlagen Roms.

    Für Claudia war es etwas vollkommen anderes. Sie würde Titus wiedersehen. Sie würde seine Stimme hören. Vielleicht würde er ihre Hand nehmen. Und vielleicht würde er sie erneut küssen. Als sie den Eingang der Horti Sallustiani erreichte, ließ sie ihre Begleiter in einiger Entfernung zurück.

    „Wartet hier auf mich“, sagte sie.

    Livia nickte wissend. Claudia ging allein weiter. Ihr Herz schlug schneller. Dann entdeckte sie ihn. Titus saß an der Marmoreinfassung eines Wasserbeckens.

    Er hatte sie noch nicht bemerkt. Claudia blieb einen Augenblick stehen. Sie betrachtete seine kräftige Gestalt, die ruhige Haltung und das Gesicht, das ihr inzwischen so vertraut erschien.

    Da ist er. Mein Titus. Dann wandte er den Kopf. Ihre Blicke trafen sich. Und Claudia wusste, dass sie noch nie in ihrem Leben so glücklich gewesen war.

    Ein Kuss unter den Bäumen

    Calvina hatte sich auf diesen Augenblick vorbereitet. Zumindest hatte sie das geglaubt. Sie hatte sich vorgestellt, wie sie Titus begrüßen würde. Welche Worte sie sagen wollte. Wie sie ihm zeigen könnte, dass ihre Gefühle seit dem gestrigen Tag noch stärker geworden waren. Doch jetzt, da er unmittelbar vor ihr stand, waren alle vorbereiteten Worte verschwunden.

    Sie sah nur ihn. Seine Augen. Sein Gesicht. Sein Lächeln. Und sie spürte seine Hände, die ihre eigenen umschlossen. Als Titus ihr sagte, dass er sie kennenlernen wollte, berührte sie das tiefer als jede noch so kunstvolle Liebeserklärung. Er wollte nicht nur die schöne Tochter einer angesehenen Familie. Er wollte sie. Claudia Calvina. Mit ihren Hoffnungen, ihren Ängsten und ihren Träumen. Sie bemerkte, dass Titus sie noch immer ansah.

    „Was ist?“, fragte sie lächelnd.

    „Nichts.“

    „Du schaust mich so merkwürdig an.“

    „Ich versuche mir einzuprägen, wie du gerade aussiehst.“

    „Warum?“

    „Damit ich mich daran erinnern kann, wenn du nicht bei mir bist.“

    Calvina fühlte, wie ihr warm wurde. Sie senkte kurz den Blick. Dann erinnerte sie sich an ihre Antwort auf seine Einladung. Vielleicht musst du mich dann gar nicht mehr fragen.

    Sie hob den Kopf.

    „Titus?“

    „Ja?“

    „Erinnerst du dich an deine letzte Frage in der Nachricht?“

    Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

    „Sehr genau.“

    „Und an meine Antwort?“

    „An jedes Wort.“

    Calvina trat näher. So nahe, dass sie seinen Atem spüren konnte.

    „Dann solltest du wissen, was ich jetzt möchte.“

    Titus legte vorsichtig seine Arme um sie. Doch diesmal wartete Claudia nicht darauf, dass er die Initiative ergriff.

    Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Hände an seine Schultern und küsste ihn. Es war kein flüchtiger Kuss.

    Es war ein langer, zärtlicher Kuss voller Sehnsucht. Calvina schloss die Augen. Sie spürte, wie Titus sie etwas fester an sich zog.

    Und plötzlich war sie wieder in jener kleinen Nische der Bibliothek. Nur dass sie diesmal keine Angst hatte, jemand könnte sie entdecken.

    Hier waren die Bäume. Der Wind. Das leise Plätschern eines Brunnens. Und Titus. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieb Claudia in seinen Armen.

    Sie sah zu ihm auf.

    „Ich habe dich vermisst.“

    Titus lächelte.

    „Wir haben uns erst gestern gesehen.“

    „Ich weiß.“

    „Und trotzdem?“

    Sie nickte.

    „Trotzdem.“

    Er küsste sie auf die Stirn. Claudia legte ihren Kopf an seine Brust. Sie hörte seinen Herzschlag. Und musste lächeln. Er schlug beinahe ebenso schnell wie ihrer.


    Die erste Ahnung einer gemeinsamen Zukunft

    Calvina saß dicht neben Titus. Seine Hand umschloss ihre Finger, und immer wieder blickte sie zu ihm auf.Sie hatte nicht erwartet, dass Liebe so sein würde.

    In den Gedichten, die sie gelesen hatte, war Liebe oft von Eifersucht, Verzweiflung und unerfüllter Sehnsucht begleitet gewesen. Doch das, was sie jetzt empfand, war anders.

    Es war Wärme. Vertrauen. Und ein tiefes Gefühl der Geborgenheit. Sie konnte mit Titus schweigen, ohne sich unwohl zu fühlen. Sie konnte lachen, ohne darüber nachzudenken, ob ihr Verhalten einer jungen Frau ihres Standes angemessen war. Und sie konnte ihm in die Augen sehen, ohne ihre Gefühle verbergen zu müssen.

    „Titus?“

    „Ja, Calvina?“

    „Darf ich dich etwas fragen?“

    „Alles.“

    Sie zögerte.

    „Hast du schon einmal eine Frau so geliebt?“

    Titus schwieg einen Augenblick.

    Dann schüttelte er den Kopf.

    „Nein.“

    „Wirklich nicht?“

    „Ich habe Frauen gekannt. Ich habe manche begehrt und andere bewundert.“

    Er sah sie an.

    „Aber ich habe noch nie das empfunden, was ich für dich empfinde.“

    Claudia senkte den Blick. Diese Antwort machte sie glücklich. Und zugleich ein wenig traurig. Denn sie fragte sich, weshalb ein Mann wie Titus so lange ohne Liebe gelebt hatte.

    Sie ahnte, dass sich hinter seiner ruhigen Haltung Geschichten verbargen, von denen sie noch nichts wusste. Doch sie wollte ihn nicht bedrängen. Noch nicht.

    Stattdessen schmiegte sie sich an ihn.

    „Dann“, sagte sie leise, „werden wir wohl beide noch sehr viel lernen müssen.“

    Titus lachte.

    „Worüber?“

    Sie hob den Kopf.

    „Über die Liebe.“

    Er küsste ihre Hand.

    „Ich kann mir keine bessere Lehrerin vorstellen.“

    Claudia lächelte.

    „Und ich keinen besseren Schüler.“

    Wieder küssten sie sich. Diesmal ganz selbstverständlich. Als hätten sie einander schon immer gekannt.

    EPILOG – DAS ENDE EINES WUNDERSCHÖNEN VORMITTAGS

    Die Sonne stand bereits höher, als Calvina bemerkte, wie viel Zeit vergangen war. Sie musste zur Villa Claudia zurückkehren. Ihre Abwesenheit würde sonst Fragen aufwerfen.

    Titus begleitete sie bis zu einem Weg, von dem aus der Eingang der Gartenanlage zu sehen war. Dort blieben sie stehen.

    „Wann sehe ich dich wieder?“, fragte er.

    Calvina lächelte.

    „Du bist wirklich ungeduldig.“

    „Nur bei dir.“

    Sie überlegte.

    „In zwei Tagen?“

    Titus verzog das Gesicht.

    „So lange?“

    Claudia lachte.

    „Dann morgen.“

    „Das klingt wesentlich besser.“

    „Wieder hier?“

    „Wenn du möchtest.“

    Sie nickte.

    „Ja. Aber diesmal möchte ich dir etwas zeigen.“

    „Was?“

    „Einen kleinen Garten, den ich besonders liebe. Er liegt auf dem Esquilin, nicht weit von unserer Villa.“

    Titus lächelte.

    „Dann werde ich kommen.“

    Claudia legte beide Hände auf seine Brust.

    „Und Titus?“

    „Ja?“

    Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn noch einmal.

    „Damit du mich bis morgen nicht vergisst.“

    Er zog sie sanft an sich.

    „Das wäre vollkommen unmöglich.“

    Schließlich lösten sie sich voneinander.

    Claudia ging langsam den Weg hinunter.

    Nach einigen Schritten drehte sie sich noch einmal um.

    Titus stand noch immer unter der Platane.

    Er hob die Hand.

    Sie erwiderte seinen Gruß.

    Dann verschwand sie zwischen den Bäumen.

    Titus blieb zurück und betrachtete lange den Weg, auf dem sie gegangen war.

    Er wusste, dass sein Leben sich verändert hatte.

    Und Calvina, die mit Livia zur Villa Claudia zurückkehrte, wusste es ebenfalls.

    Noch hatten sie weder über ihre Familien noch über eine mögliche Ehe gesprochen. Noch kannte Calvina nicht die dunklen Kapitel aus Titus' Vergangenheit. Und noch ahnte Titus nicht, welche Erwartungen das Haus der Claudier an die Zukunft seiner Tochter stellte.

    Doch sie hatten begonnen, einander nicht nur als Liebende, sondern als Menschen kennenzulernen.

    Und das war vielleicht noch bedeutsamer als ihr erster Kuss.

    AMOR PRIMO CONSPECTU – Liebe auf den ersten Blick.

  • HORTUS SECRETUS (Der verborgene Garten)

    Die Begegnung in den Gärten des Sallust hatte die Liebe zwischen Titus Aurelius Romanus und Claudia Calvina weiter vertieft. Zum ersten Mal hatten sie außerhalb der Bibliotheca Annaea ungestört miteinander sprechen, einander umarmen und ihre Zuneigung offen zeigen können. Doch während ihre Gefühle immer stärker wurden, rückten Fragen näher, denen beide bisher ausgewichen waren. Wer waren sie wirklich? Welche Erwartungen stellten ihre Familien an sie? Und konnte aus ihrer jungen Liebe eines Tages eine gemeinsame Zukunft entstehen?

    Calvina hatte Titus zu einem kleinen, abgeschiedenen Garten auf dem Esquilin eingeladen. Es war ein Ort, den sie seit ihrer Kindheit kannte und an dem sie sich stets sicher gefühlt hatte.

    Für Calvina sollte dieser Tag ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Zukunft werden. Für Titus hingegen würde er zu einer Begegnung mit Erinnerungen werden, die er seit vielen Jahren tief in seinem Inneren verborgen hielt.

    Die Schatten der Vergangenheit

    Die Villa Aurelia lag noch im Halbdunkel, als Titus erwachte. Durch die geöffneten Fenster seines Schlafgemachs drang die kühle Morgenluft herein. Aus dem Innenhof waren die ersten Geräusche der Dienerschaft zu hören. Titus blieb auf seinem Lager liegen und betrachtete die bemalte Decke. Calvina. Seit ihrer ersten Begegnung hatte sich etwas in ihm verändert.

    Er war es gewohnt gewesen, sein Leben mit Bedacht zu führen. Entscheidungen traf er nach sorgfältiger Überlegung. Menschen beurteilte er nach ihren Taten, nicht nach ihren Worten. Gefühle betrachtete er als etwas, das man beherrschen musste. Doch Calvina hatte diese Ordnung durcheinandergebracht. Er dachte an den gestrigen Vormittag in den Horti Sallustiani.

    An ihre Hand in seiner. An ihr Lachen. An den Augenblick, als sie ihn von sich aus geküsst hatte. Und an ihre Worte. Dann werden wir wohl beide noch sehr viel lernen müssen. Über die Liebe. Titus lächelte. Doch das Lächeln verschwand langsam, als er an das heutige Treffen dachte. Calvina wollte mit ihm über ihre Familien sprechen.Über ihre Kindheit.

    Über die Menschen, die sie geprägt hatten. Für sie mochte das eine selbstverständliche Angelegenheit sein. Für Titus war es das nicht. Seine Gedanken wanderten zurück nach Latium. Zum Landgut seines Vaters. Zu Marcus Aurelius Iustus, einem Mann, der seinem jüngsten Sohn kaum jemals Zuneigung gezeigt hatte. Zu Aquillia Nocturna, seiner Mutter, deren Liebe und Aufmerksamkeit fast ausschließlich seinen beiden älteren Brüdern gegolten hatten. Und zu Paullus und Lucius. Titus schloss die Augen. Er erinnerte sich an einen heißen Sommertag.

    Er war damals vielleicht acht Jahre alt gewesen. Seine Brüder hatten ihn beschuldigt, eine wertvolle Schale zerbrochen zu haben. Tatsächlich war Paullus dafür verantwortlich gewesen.

    Doch Titus hatte niemand geglaubt. Seine Mutter hatte ihn bestrafen lassen. Noch immer erinnerte er sich an die Stockhiebe. Weniger an den Schmerz als an die Demütigung.

    Und an das Lachen seiner Brüder. Er öffnete die Augen. Das alles lag viele Jahre zurück. Er war längst kein schwaches, kränkliches Kind mehr. Doch manche Erinnerungen ließen sich nicht durch Erfolge auslöschen. Soll ich ihr davon erzählen? Er wusste es nicht. Zum ersten Mal seit langer Zeit fürchtete er nicht die Vergangenheit selbst. Er fürchtete, was ein anderer Mensch von ihm denken könnte, wenn er sie kannte. Und dieser Mensch war Calvina.

    Ein Gespräch mit Selina

    Beim Frühstück im Peristyl der Villa Aurelia traf Titus auf Selina. Die Partherin saß an einem niedrigen Tisch und betrachtete einige Schriftstücke. Als er erschien, legte sie diese beiseite.

    „Du bist heute ungewöhnlich früh auf.“

    „Ich habe eine Verabredung.“

    Selina lächelte.

    „Mit Calvina“

    „Natürlich mit Calvina.“

    „Du hättest es auch einfach zugeben können.“

    Titus setzte sich. Ein Diener brachte Brot, Käse, Feigen und verdünnten Wein. Selina beobachtete ihn eine Weile.

    „Du wirkst nachdenklich.“

    „Bin ich auch.“

    „Wegen ihr?“

    Titus nickte.

    „Sie möchte mehr über mich erfahren.“

    „Das ist doch verständlich.“

    „Ja.“

    Er schwieg. Selina wartete geduldig. Schließlich sagte Titus:

    „Sie möchte etwas über meine Familie wissen.“

    Das Lächeln verschwand aus Selinas Gesicht. Sie kannte einen Teil seiner Vergangenheit.

    Nicht alles. Doch genug, um zu verstehen, weshalb ihm dieses Gespräch schwerfiel.

    „Du musst ihr nicht sofort alles erzählen“, sagte sie.

    „Das weiß ich.“

    „Aber du möchtest es.“

    Titus blickte auf.

    „Ja.“

    Selina lehnte sich zurück.

    „Dann erzähle ihr die Wahrheit.“

    „So einfach ist das nicht.“

    „Nein. Aber es ist besser, als ihr einen Mann zu zeigen, der niemals existiert hat.“

    Titus betrachtete sie lange.

    „Du glaubst, ich sollte ihr von meinen Brüdern erzählen?“

    „Wenn du dazu bereit bist.“

    „Und von meiner Mutter?“

    Selina nickte langsam.

    „Auch davon.“

    Titus senkte den Blick.

    „Ich möchte nicht, dass sie Mitleid mit mir hat.“

    Selina antwortete ruhig:

    „Vielleicht wird sie keines haben.“

    „Was dann?“

    „Vielleicht wird sie dich einfach besser verstehen.“

    Diese Worte blieben Titus im Gedächtnis. Als er wenig später die Villa Aurelia verließ, wusste er noch immer nicht, wie viel er Calvina erzählen würde.

    Aber er hatte einen Entschluss gefasst. Er würde sie nicht belügen.

    Der Weg zum Esquilin

    Titus ließ sich von einem kleinen Gefolge bis in die Nähe der Villa Claudia begleiten. Massad ging an seiner Seite. Der Syrer trug wie gewöhnlich ein kurzes Schwert unter seinem Mantel.

    „Du könntest wenigstens einmal ohne Bewaffnung ausgehen“, bemerkte Titus.

    Massad sah ihn verwundert an.

    „Warum sollte ich?“

    „Weil wir uns mitten in Rom befinden.“

    „Gerade deshalb.“

    Titus schüttelte lächelnd den Kopf.

    „Du bist unverbesserlich.“

    „Und du bist verliebt. Wir alle haben unsere Schwächen.“

    Am Rand eines kleinen Platzes blieb Titus stehen. Von hier aus führte eine schmale Straße zu den Gärten am Hang des Esquilin.

    „Du wartest hier.“

    Massad betrachtete die Umgebung.

    „Wie lange?“

    „Das weiß ich noch nicht.“

    „Also lange.“

    Titus grinste.

    „Vermutlich.“

    Massad nickte.

    „Dann wünsche ich dir einen angenehmen Nachmittag.“

    Titus ging weiter. Zwischen den Häusern öffnete sich ein schmaler Durchgang, der zu einer kleinen Gartenpforte führte.Dort wartete Calvina.

    Sie trug ein helles Gewand mit einem zarten grünen Saum. Ihr dunkles Haar war teilweise hochgesteckt, während einzelne Locken auf ihre Schultern fielen.

    Als sie ihn erblickte, hellte sich ihr Gesicht auf.

    „Titus!“

    Er beschleunigte seine Schritte.

    „Calvina.“

    Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Er nahm sie und küsste sie sanft.

    „Ich habe dich vermisst.“

    Calvina lachte.

    „Wir haben uns gestern gesehen.“

    „Das hast du gestern auch gesagt.“

    „Dann werde ich es wohl noch öfter sagen müssen.“

    Titus zog sie vorsichtig an sich. Sie küssten sich. Nicht lange.

    Aber mit jener selbstverständlichen Zärtlichkeit, die zwischen ihnen entstanden war.

    Dann löste Claudia sich aus seiner Umarmung.

    „Komm. Ich möchte dir etwas zeigen.“

    Der verborgene Garten

    Calvina führte Titus durch die kleine Pforte. Dahinter lag ein schmaler Weg, der zwischen hohen Mauern hindurchführte. Nach wenigen Schritten öffnete sich der Blick auf einen überraschend weitläufigen Garten. Titus blieb stehen. Vor ihm erstreckte sich eine grüne Oase mitten in Rom. Alte Zypressen und Platanen spendeten Schatten. Zwischen sorgfältig angelegten Blumenbeeten standen kleine Marmorstatuen. Ein schmaler Wasserlauf führte zu einem runden Brunnen, dessen Rand von Moos bedeckt war. An der gegenüberliegenden Mauer wuchsen Rosen und Efeu. Ein kleiner Säulengang führte zu einer steinernen Bank.

    „Bei Jupiter“, sagte Titus leise. „Das ist wunderschön.“

    Calvina strahlte.

    „Ich wusste, dass es dir gefallen würde.“

    „Wem gehört dieser Garten?“

    „Er gehört zu einem älteren Besitz unserer Familie. Früher wurde er häufiger genutzt. Heute kommen nur noch wenige Menschen hierher.“

    Sie ging einige Schritte voraus.

    „Als Kind habe ich hier oft gespielt.“

    Titus folgte ihr.

    „Allein?“

    „Meistens mit meiner Amme. Manchmal mit anderen Kindern aus unserer Familie.“

    Sie blieb an einem alten Feigenbaum stehen.

    „Dort habe ich mich versteckt, wenn ich nicht gefunden werden wollte.“

    Titus lächelte.

    „Und hat man dich gefunden?“

    „Nicht immer.“

    „Dann warst du offenbar ein sehr geschicktes Kind.“

    Calvina drehte sich zu ihm um.

    „Ich war vor allem eigensinnig.“

    „Das überrascht mich nicht.“

    Sie gab ihm einen spielerischen Stoß gegen die Schulter.

    „Du kennst mich noch gar nicht gut genug, um das beurteilen zu können.“

    Titus nahm ihre Hand.

    „Dann sollten wir das ändern.“

    Gemeinsam gingen sie zu der Bank unter dem Säulengang. Dort setzten sie sich.

    Eine Weile schwiegen beide. Dann begann Claudia von ihrer Kindheit zu erzählen.

    Titus hörte aufmerksam zu.Er erfuhr von ihren Spielen, ihren Lehrern und den Festen im Hause Claudia.

    Von den Erwartungen ihrer Mutter und der Gens.Von den langen Stunden, in denen sie Lesen, Schreiben, Musik und die Pflichten einer vornehmen römischen Frau erlernt hatte.

    Ihre Kindheit war nicht frei von Regeln gewesen. Aber sie war behütet aufgewachsen.

    Titus bemerkte, wie selbstverständlich Calvina von der Fürsorge ihrer Eltern sprach.

    Wie sie lächelte, wenn sie sich an kleine Begebenheiten erinnerte.Und wie wenig Angst in ihren Erinnerungen lag.

    Er freute sich für sie. Doch zugleich spürte er einen alten Schmerz.

    Denn seine eigene Kindheit war vollkommen anders gewesen.

    Die erste Wahrheit

    „Und du, Titus?“

    Claudias Frage holte ihn aus seinen Gedanken.

    „Was möchtest du wissen?“

    „Alles.“

    Er lachte leise.

    „Das könnte lange dauern.“

    „Wir haben Zeit.“

    Sie nahm seine Hand.

    „Erzähl mir von deiner Kindheit.“

    Titus blickte auf den Brunnen. Eine Weile sagte er nichts. Dann begann er.

    „Ich wurde auf einem Landgut in Latium geboren. Mein Vater heißt Marcus Aurelius Iustus. Meine Mutter Aquillia Nocturna.“

    Claudia hörte aufmerksam zu.

    „Hast du Geschwister?“

    „Zwei ältere Brüder. Paullus und Lucius.“

    „Dann warst du der Jüngste.“

    „Ja.“

    Er lächelte kurz.

    „Und der Schwächste.“

    Claudia sah ihn überrascht an.

    „Du?“

    „Ich war als Kind häufig krank. Meine Brüder waren kräftig und gesund. Ich dagegen verbrachte viel Zeit im Haus.“

    „Das kann ich mir kaum vorstellen.“

    „Ich weiß.“

    Titus betrachtete seine Hände.

    „Meine Brüder machten sich gern über mich lustig. Anfangs waren es harmlose Dinge. Später wurde es schlimmer.“

    Claudias Gesicht wurde ernst.

    „Was meinst du damit?“

    Er zögerte. Dann antwortete er:

    „Sie schlugen mich. Sie beschuldigten mich wegen Dingen, die sie selbst getan hatten. Und meistens glaubte man ihnen.“

    Claudia schwieg. Titus fuhr fort.

    „Meine Mutter hielt mich für schwierig. Mein Vater war selten zu Hause. Wenn er zurückkehrte, hatte er wenig Geduld mit mir.“

    Er blickte sie an.

    „Ich habe früh gelernt, dass es besser ist, seine Gefühle nicht zu zeigen.“

    Claudia drückte seine Hand.

    „Titus ...“

    Er schüttelte leicht den Kopf.

    „Bitte. Lass mich ausreden.“

    Sie nickte.

    „Natürlich.“

    „Es gab einen Menschen, der mich verstand. Mein Lehrer Sokrates.“

    Ein schwaches Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

    „Er erkannte, dass ich einen guten Verstand hatte. Er brachte mir bei, zu lesen, zu argumentieren und Menschen zu beobachten.“

    „Dann war er ein guter Lehrer.“

    Titus dachte nach.

    „Ein ausgezeichneter Lehrer des Geistes.“

    „Aber?“

    „Er lehrte mich wenig darüber, was man mit diesem Geist anfangen sollte.“

    Calvina betrachtete ihn fragend. Titus blickte in die Ferne.

    „Ich lernte, andere Menschen zu durchschauen. Ich lernte, ihre Schwächen zu erkennen. Und irgendwann begann ich, dieses Wissen gegen sie einzusetzen.“

    Er schwieg. Dann sagte er leise:

    „Ich war nicht immer ein guter Mensch, Calvina.“

    Die Angst vor ihrer Antwort

    Titus hatte diese Worte ausgesprochen, ohne zu wissen, wie Calvina reagieren würde. Nun saß er neben ihr und wartete.

    Ein Teil von ihm wollte die Vergangenheit wieder verschließen. Er hätte das Gespräch auf etwas anderes lenken können.

    Doch Calvina hatte ihn um die Wahrheit gebeten.Und er hatte begonnen, sie ihr zu erzählen.

    „Ich habe Dinge getan“, sagte er langsam, „auf die ich nicht stolz bin.“

    Claudia blieb still.

    „Manchmal war ich grausam. Nicht weil ich es musste, sondern weil ich glaubte, dass Stärke bedeutete, andere Menschen beherrschen zu können.“

    Er blickte sie an.

    „Ich möchte nicht, dass du eines Tages etwas über mich erfährst und glaubst, ich hätte dich absichtlich getäuscht.“

    Claudia hob ihre freie Hand und legte sie an seine Wange.

    „Titus.“

    Er sah sie an.

    „Ich habe mich nicht in einen vollkommenen Menschen verliebt.“

    Er schwieg.

    „Ich habe mich in dich verliebt.“

    Diese Worte trafen ihn unerwartet tief.

    „Du kennst noch nicht alles.“

    „Dann erzähle es mir, wenn du dazu bereit bist.“

    „Und wenn dir nicht gefällt, was du hörst?“

    Clalvina sah ihm fest in die Augen.

    „Dann werde ich dir das sagen.“

    Titus musste lächeln.

    „Das glaube ich sofort.“

    „Aber ich werde nicht davonlaufen, nur weil deine Kindheit unglücklich war.“

    Sie beugte sich vor und küsste ihn sanft. Als sie sich voneinander lösten, legte Titus seine Stirn an ihre.

    Er sagte lange nichts. Dann flüsterte er:

    „Ich habe noch nie jemandem so viel von mir erzählt.“

    Claudia strich ihm über das Haar.

    „Dann danke ich dir für dein Vertrauen.“

    Titus schloss kurz die Augen.Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte er das Gefühl, dass die Vergangenheit nicht mehr ausschließlich ihm allein gehörte.

    Jemand anderes wusste nun einen Teil davon. Und dieser Mensch hatte ihn nicht zurückgewiesen.

    Der Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft

    Die Sonne wanderte langsam über den Garten. Titus und Calvina blieben auf der Bank sitzen. Nach einer Weile fragte sie:

    „Hast du jemals daran gedacht zu heiraten?“

    Titus blickte überrascht auf.

    „Natürlich.“

    „Und?“

    „Ich habe es immer wieder verschoben.“

    „Warum?“

    Er überlegte.

    „Weil ich nie eine Frau getroffen hatte, mit der ich mein Leben teilen wollte.“

    Claudia lächelte.

    „Und jetzt?“

    Titus nahm ihre Hand.

    „Jetzt denke ich zum ersten Mal ernsthaft darüber nach.“

    Sie senkte den Blick. Ihre Wangen röteten sich. Titus bemerkte es.

    „Habe ich etwas Falsches gesagt?“

    „Nein.“

    „Was dann?“

    Sie sah ihn wieder an.

    „Ich habe mir nur gerade vorgestellt, wie es wäre.“

    „Was?“

    „Mit dir verheiratet zu sein.“

    Titus spürte eine Wärme in seiner Brust. Er dachte an die Villa Aurelia. An die Räume, die bisher nur ihm gehört hatten.

    An die Möglichkeit, dass Calvina eines Tages dort leben könnte. Dass er morgens neben ihr erwachen würde.

    Dass sie gemeinsam frühstückten, spazieren gingen und sich über Bücher stritten.

    Dass er am Abend nach Hause käme und sie dort auf ihn wartete.

    Ein einfaches Leben. Und gerade deshalb ein wunderbarer Gedanke.

    „Calvina“, sagte er leise, „ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen.“

    Sie lächelte.

    „Wirklich?“

    „Wirklich.“

    Er zog sie in seine Arme. Sie schmiegte sich an ihn. Titus küsste ihr Haar. In diesem Augenblick fasste er einen Entschluss.

    Er wollte Calvina nicht nur als heimliche Geliebte. Er wollte sie eines Tages zu seiner Frau machen.

    Doch er wusste auch, dass eine Ehe zwischen Angehörigen bedeutender römischer Familien nicht allein durch die Wünsche zweier Menschen zustande kam.

    Er würde mit ihrer Familie sprechen müssen. Und vielleicht auch mit seiner eigenen. Dieser letzte Gedanke gefiel ihm wenig.

    Doch als Calvina ihren Kopf hob und ihn anlächelte, wusste er, dass er bereit war, sich dieser Herausforderung zu stellen.

    Nicht heute. Aber bald.

  • Der Morgen einer verliebten Frau

    Claudia Calvina hatte den vergangenen Abend damit verbracht, an Titus zu denken. Sie war nach ihrer Begegnung in den Horti Sallustiani zur Villa Claudia zurückgekehrt und hatte sich nur mit Mühe auf die Gespräche ihrer Familie konzentrieren können. Immer wieder waren ihre Gedanken zu ihm gewandert. Zu seinem Lächeln. Zu seiner Stimme. Zu den zärtlichen Küssen unter den Zypressen. Und zu seinem Versprechen, niemals leichtfertig mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie hatte lange wach gelegen. Nicht weil sie unruhig gewesen wäre. Sondern weil sie glücklich war. Nun stand sie vor ihrem Spiegel und betrachtete sich kritisch.

    „Das grüne Gewand“, sagte sie zu Livia.

    Die Dienerin hob überrascht den Kopf.

    „Nicht das elfenbeinfarbene?“

    „Nein. Das grüne.“

    „Du hast es gestern erst getragen.“

    „Den Saum davon. Heute möchte ich das andere.“

    Livia lächelte.

    „Natürlich, Herrin.“

    Claudia betrachtete ihr Haar.

    „Und die Locken sollen offen bleiben.“

    „Wie du wünschst.“

    Livia begann, die Frisur zu ordnen. Nach einer Weile fragte sie:

    „Wirst du ihn heute wiedersehen?“

    Claudia nickte.

    „Ja.“

    „In der Bibliothek?“

    „Nein.“

    „In den Gärten des Sallust?“

    „Auch nicht.“

    Sie lächelte geheimnisvoll.

    „Ich werde ihn an einen Ort führen, den ich seit meiner Kindheit liebe.“

    Livia hielt inne.

    „In den alten Garten?“

    „Ja.“

    Die Dienerin sah sie im Spiegel an.

    „Dann muss er dir wirklich viel bedeuten.“

    Claudia antwortete ohne Zögern:

    „Mehr als jeder andere Mann.“

    Die Erinnerungen an ihre Kindheit

    Der alte Garten auf dem Esquilin war für Calvina stets ein besonderer Ort gewesen. Als kleines Mädchen hatte sie dort gespielt, während ihre Amme unter den Bäumen saß und Geschichten erzählte. Sie erinnerte sich an warme Sommertage, an den Duft der Rosen und an die kleinen Eidechsen, die über die sonnenbeschienenen Steine huschten.

    Manchmal hatte sie sich zwischen den Sträuchern versteckt und sich vorgestellt, eine Prinzessin aus einem fernen Land zu sein. Später war der Garten zu ihrem Zufluchtsort geworden.

    Wenn die gesellschaftlichen Verpflichtungen ihrer Familie sie ermüdeten, zog sie sich hierher zurück. Wenn ihre Mutter sie ermahnte, sich angemessener zu verhalten, suchte sie zwischen den alten Bäumen Ruhe. Und wenn sie von ihrer Zukunft träumte, stellte sie sich vor, eines Tages mit einem Mann hier spazieren zu gehen, den sie wirklich liebte.

    Bis vor wenigen Tagen war dieser Mann nur eine Gestalt ihrer Fantasie gewesen. Nun hatte er einen Namen. Titus Aurelius Romanus. Calvina lächelte. Sie wollte ihm diesen Garten zeigen, weil er zu ihrem Leben gehörte. Sie wollte, dass Titus verstand, wer sie war. Nicht nur Claudia Calvina, die Tochter eines angesehenen Hauses. Sondern Calvina. Die junge Frau, die Bücher liebte, manchmal eigensinnig war und sich nach einem Leben sehnte, das mehr bedeutete als gesellschaftliche Pflichten.

    Die Begegnung an der Gartenpforte

    Als Calvina Titus kommen sah, begann ihr Herz schneller zu schlagen. Sie hatte ihn bereits gestern gesehen. Und doch war die Freude über seine Ankunft genauso groß wie bei ihrem ersten Wiedersehen. Er ging auf sie zu. Groß, kräftig und mit jener selbstverständlichen Sicherheit, die sie an ihm bewunderte. Doch als er lächelte, veränderte sich sein Gesicht.

    Dann wirkte er jünger. Fast ein wenig verlegen. Calvina liebte diesen Ausdruck. Er zeigte ihr eine Seite von Titus, die vermutlich nur wenige Menschen kannten.

    Als er ihre Hände nahm und sie küsste, spürte sie wieder jene Wärme, die sie inzwischen mit seiner Nähe verband. Sie wollte ihn am liebsten sofort umarmen. Doch zunächst führte sie ihn durch die kleine Pforte. Sie beobachtete aufmerksam sein Gesicht, als er den Garten erblickte. Seine Überraschung machte sie glücklich.

    „Bei Jupiter. Das ist wunderschön.“

    Calvina hätte ihn am liebsten noch einmal geküsst. Stattdessen lächelte sie stolz.

    „Ich wusste, dass es dir gefallen würde.“

    Sie führte ihn zu den Orten ihrer Kindheit. Zum Feigenbaum. Zum Brunnen.

    Zu der kleinen Bank unter dem Säulengang. Dabei bemerkte sie, wie aufmerksam Titus zuhörte.

    Er stellte Fragen. Er lachte über ihre Geschichten.Und manchmal sah er sie mit einem Ausdruck an, der ihr Herz schneller schlagen ließ.

    Calvina begann zu verstehen, dass Liebe nicht nur aus Küssen und zärtlichen Worten bestand.

    Liebe bedeutete auch, dass ein anderer Mensch sich für ihr Leben interessierte.

    Für ihre Erinnerungen. Für die kleinen Dinge, die sie geprägt hatten.

    Der Junge hinter dem römischen Patrizier

    Als Calvina Titus nach seiner Kindheit fragte, bemerkte sie sofort eine Veränderung. Sein Gesicht wurde ernster.

    Seine Stimme verlor etwas von ihrer Leichtigkeit. Zunächst erzählte er von Latium.Von seinem Vater Marcus Aurelius Iustus.

    Von seiner Mutter Aquillia Nocturna. Und von seinen beiden Brüdern Paullus und Lucius. Calvina hörte aufmerksam zu.

    Doch als Titus sagte, er sei als Kind schwach und häufig krank gewesen, konnte sie ihre Überraschung kaum verbergen.

    Dieser Mann? Dieser große, kräftige Titus? Sie versuchte sich vorzustellen, wie er als kleiner Junge ausgesehen haben mochte.

    Vielleicht schmal. Blass. Mit denselben dunklen Augen. Dann erzählte er von seinen Brüdern.Von ihren Demütigungen.

    Von den Schlägen. Und davon, dass seine Mutter ihnen meistens geglaubt hatte.Calvina spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog.

    Sie dachte an ihre eigene Kindheit. An die Geborgenheit der Villa Claudia. An ihre Mutter, die zwar streng war, sie aber stets beschützt hatte.

    Sie hatte sich manchmal über die Regeln ihres Hauses beklagt. Doch sie hatte niemals Angst haben müssen, von ihren Geschwistern misshandelt zu werden.

    Und nun saß Titus neben ihr und erzählte von einer Kindheit, die von Angst und Einsamkeit bestimmt gewesen war.

    Sie wollte ihn umarmen. Sie wollte ihm sagen, wie schrecklich sie das fand. Doch als er sie bat, ihn ausreden zu lassen, schwieg sie.

    Sie verstand, dass er etwas tat, das ihm außerordentlich schwerfiel. Er zeigte ihr eine Seite von sich, die er bisher verborgen gehalten hatte.

    Und Calvina fühlte, dass dieses Vertrauen ein kostbares Geschenk war.

    Ein Mann mit Wunden

    Als Titus von seinem Lehrer Sokrates erzählte, hörte Calvina besonders aufmerksam zu. Sie hatte bereits bemerkt, wie gebildet er war.

    Seine Kenntnisse der Philosophie, seine Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, und seine oft überraschenden Gedanken hatten sie von Anfang an fasziniert.

    Nun verstand sie, woher ein Teil dieser Fähigkeiten stammte. Doch Titus sprach nicht nur voller Dankbarkeit über seinen Lehrer.

    Er erwähnte auch dessen Versäumnisse. Und schließlich sagte er einen Satz, der Calvina tief erschütterte.

    Ich war nicht immer ein guter Mensch, Calvina. Sie betrachtete ihn. Für einen Augenblick wusste sie nicht, was sie antworten sollte.

    Nicht weil sie sich vor ihm fürchtete. Sondern weil sie spürte, wie ernst ihm dieses Geständnis war.

    Titus wollte nicht bewundert werden. Er wollte verstanden werden. Calvina dachte an den Mann, den sie kennengelernt hatte.

    An seine Rücksichtnahme. An die Vorsicht, mit der er sie zum ersten Mal geküsst hatte. An seine Bereitschaft, ihre Wünsche zu respektieren.

    War das derselbe Mensch, der früher grausam gewesen sein wollte? Sie wusste es nicht. Aber sie wusste, dass Menschen sich verändern konnten.

    Und dass niemand allein durch seine schlimmsten Entscheidungen beschrieben werden durfte. Sie legte ihre Hand an seine Wange.

    „Ich habe mich nicht in einen vollkommenen Menschen verliebt“, sagte sie.

    „Ich habe mich in dich verliebt.“

    Als Titus sie daraufhin ansah, bemerkte sie etwas, das sie zuvor noch nie so deutlich in seinen Augen gesehen hatte.

    Erleichterung. Vielleicht sogar Dankbarkeit. Calvina küsste ihn. Nicht um seine Vergangenheit ungeschehen zu machen.

    Sondern um ihm zu zeigen, dass sie noch immer bei ihm war.

    Die Frage nach seiner Familie

    Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinandergesessen hatten, stellte Calvina eine weitere Frage.

    „Titus?“

    „Ja?“

    „Hast du heute noch Kontakt zu deinen Eltern?“

    Er überlegte.

    „Sie sind tot.“

    „Und deine Brüder?“

    Sein Gesicht wurde ernst.

    „Sind ebenfalls tot.“

    Calvina nickte langsam. Und dachte nach.

    „Das muss schwer sein.“

    Titus lächelte traurig.

    „Man gewöhnt sich daran.“

    Sie drückte seine Hand.

    „Ich möchte nicht, dass du dich daran gewöhnen musst, allein zu sein.“

    Er blickte sie überrascht an. Calvina spürte, wie ihre Wangen warm wurden.

    Doch sie sprach weiter.

    „Ich weiß, dass wir uns noch nicht lange kennen. Und vielleicht ist es töricht, schon jetzt über die Zukunft zu sprechen.“

    „Nein“, sagte Titus leise.

    Sie sah ihn an.

    „Nicht?“

    Er schüttelte den Kopf.

    „Ich denke ebenfalls darüber nach.“

    Calvina lächelte. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie hatte gehofft, dass Titus ihre Liebe ernst nahm.

    Doch nun hörte sie zum ersten Mal, dass er sich tatsächlich eine gemeinsame Zukunft vorstellen konnte.

    Nicht nur weitere Treffen. Nicht nur heimliche Küsse. Sondern ein Leben miteinander.

    Der Wunsch, ihn ihrer Familie vorzustellen

    Calvina wusste, dass dieser Gedanke früher oder später zu einer Entscheidung führen musste.

    Sie konnte Titus nicht ewig heimlich treffen.

    Ihr Onkel hatte bereits begonnen, Fragen zu stellen.

    Und er würde sich irgendwann nach möglichen Ehekandidaten erkundigen.

    Calvina wollte nicht warten, bis andere über ihre Zukunft entschieden.

    Sie wandte sich Titus zu.

    „Ich möchte dir etwas sagen.“

    Er lächelte.

    „Ich höre.“

    „Ich möchte nicht, dass wir uns für immer verstecken müssen.“

    Titus wurde ernst.

    „Das möchte ich auch nicht.“

    „Dann sollten wir irgendwann mit unseren Familien sprechen.“

    Er nickte.

    „Ja.“

    Calvina bemerkte sein Zögern.

    „Du hast Angst davor.“

    Titus lächelte schwach.

    „Nicht vor deiner Familie.“

    Er schwieg. Calvina verstand. Sie nahm seine Hand.

    „Eine Ehe betrifft in Rom mehr als zwei Menschen.“

    „Das weiß ich.“

    Sie blickte ihn entschlossen an.

    „Aber ich möchte nicht, dass meine Familie entscheidet, wen ich lieben darf.“

    Titus betrachtete sie lange. Dann fragte er:

    „Würdest du wirklich gegen den Willen deiner Familie handeln?“

    Claudia zögerte. Sie liebte ihre Familie.

    Und sie wusste, wie viel ihr Name bedeutete.

    Doch als sie Titus ansah, wurde ihr klar, dass sie ihn nicht einfach aufgeben konnte.

    „Ich hoffe, dass es niemals notwendig sein wird.“

    Sie atmete tief durch.

    „Aber wenn ich mich entscheiden müsste ...“

    Titus wartete. Calvina nahm beide seiner Hände.

    „Dann würde ich versuchen, für uns zu kämpfen.“

    Er zog sie an sich. Sie legte ihre Arme um seinen Hals.

    „Ich liebe dich, Titus.“

    „Und ich liebe dich, Calvina.“

    Sie küssten sich. Calvina schloss die Augen. Für einen Augenblick gab es keine Familien, keine gesellschaftlichen Erwartungen und keine ungewisse Zukunft.

    Nur Titus.

    Und sie.

    Ein Traum von der Villa Aurelia

    Nach einer Weile lösten sie sich voneinander. Claudia lächelte.

    „Erzähl mir von deiner Villa.“

    Titus hob eine Augenbraue.

    „Von der Villa Aurelia?“

    „Natürlich.“

    „Was möchtest du wissen?“

    „Wie du dort lebst.“

    Er begann zu erzählen. Von den Säulengängen. Vom großen Innenhof. Von den Wohnräumen und der Bibliothek.

    Von Selina und Massad, seinen beiden engsten Vertrauten. Calvina hörte fasziniert zu.

    „Selina ist also eine Partherin?“

    „Ja.“

    „Und Massad stammt aus Syrien?“

    „Aus Bosra.“

    „Dann ist dein Haus vermutlich ungewöhnlicher als die meisten römischen Häuser.“

    Titus lachte.

    „Das kann man wohl sagen.“

    „Ich würde die beiden gern kennenlernen.“

    „Das würden sie ebenfalls gern.“

    Calvina lächelte.

    „Hast du ihnen von mir erzählt?“

    „Ja.“

    „Was?“

    Titus sah sie verschmitzt an.

    „Dass ich die schönste Frau Roms kennengelernt habe.“

    Calvina lachte.

    „Titus!“

    „Und die eigensinnigste.“

    Sie schlug ihm leicht gegen den Arm.

    „Das nehme ich dir übel.“

    Er küsste sie.

    „Dann muss ich wohl um Verzeihung bitten.“

    Calvina schmiegte sich an ihn.

    „Ich würde deine Villa wirklich gern sehen.“

    Titus betrachtete sie.

    „Dann komm mich besuchen.“

    Sie hob den Kopf.

    „Einfach so?“

    „Warum nicht?“

    „Weil eine unverheiratete junge Frau nicht ohne Weiteres einen Mann in seinem Haus besucht.“

    Titus musste lachen.

    „Dann lade ich dich ganz offiziell ein.“

    Calvina dachte nach.

    „Vielleicht könnte ich mit Livia kommen.“

    „Natürlich.“

    Sie lächelte.

    „Dann möchte ich deine Bibliothek sehen.“

    „Und sonst nichts?“

    Calvina sah ihn mit gespielter Unschuld an.

    „Vielleicht auch den Garten.“

    Titus zog sie näher.

    „Und mich?“

    Sie küsste ihn auf die Wange.

    „Dich ganz besonders.“

    Ein Abschied voller Hoffnung

    Die Sonne begann sich langsam dem Westen zuzuneigen. Calvina wusste, dass sie zurückkehren musste. Doch diesmal fiel ihr der Abschied schwerer als zuvor.

    Sie stand mit Titus unter dem alten Feigenbaum. Seine Arme lagen um ihre Taille. Ihre Hände ruhten auf seinen Schultern.

    „Muss ich wirklich schon gehen?“, fragte sie leise.

    Titus lächelte.

    „Das solltest du vermutlich.“

    „Ich möchte aber nicht.“

    „Dann sind wir schon zwei.“

    Calvina legte ihren Kopf an seine Brust. Eine Weile standen sie schweigend beieinander.

    Schließlich hob sie den Blick.

    „Titus?“

    „Ja, meine Calvina?“

    Sie lächelte über diese Anrede. Meine Calvina. Wie schön das klang.

    „Versprich mir etwas.“

    „Was?“

    „Dass du mir weiterhin die Wahrheit sagst. Auch wenn sie unangenehm ist.“

    Titus betrachtete sie ernst.

    „Das verspreche ich.“

    Sie nickte.

    „Und ich verspreche dir dasselbe.“

    Er küsste sie auf die Stirn. Calvina schloss die Augen. Dann küsste sie ihn auf den Mund.

    Langsam. Zärtlich. Und voller Liebe. Als sie sich schließlich voneinander lösten, blieb ihre Hand noch einen Augenblick in seiner.

    „Bis bald, Titus.“

    „Bis bald, Calvina.“

    Sie ging einige Schritte. Dann drehte sie sich noch einmal um. Er stand noch immer unter dem Feigenbaum.

    Calvina lächelte.

    „Und Titus?“

    „Ja?“

    „Vergiss nicht, dass du mich eingeladen hast.“

    Er lachte.

    „Das werde ich ganz bestimmt nicht.“

    „Gut.“

    Sie hob die Hand zum Abschied. Dann verließ sie den Garten. Auf dem Weg zur Villa Claudia dachte sie über das Gespräch nach.

    Sie wusste nun mehr über Titus. Über seine Kindheit. Über seine Familie. Über seine inneren Verletzungen. Und über seine Hoffnungen.

    Doch nichts davon hatte ihre Liebe geschwächt. Im Gegenteil.Sie liebte ihn nun nicht mehr nur wegen seiner Stärke, seiner Schönheit und seines selbstbewussten Auftretens.

    Sie liebte auch den verletzlichen Menschen, den er ihr heute gezeigt hatte. Und sie wusste, dass sie diesen Mann eines Tages heiraten wollte.

    Nicht aus Pflicht. Nicht wegen seines Namens. Nicht wegen seines Vermögens. Sondern aus Liebe.

    EPILOG – ZWEI HERZEN, EIN WUNSCH

    Als Titus Aurelius Romanus am Abend in die Villa Aurelia zurückkehrte, war er nachdenklicher als gewöhnlich.

    Er hatte Calvina einen Teil seiner Vergangenheit anvertraut. Und sie hatte ihn nicht zurückgewiesen.

    Stattdessen hatte sie ihm etwas gegeben, das er seit seiner Kindheit kaum gekannt hatte.

    Verständnis. Claudia Calvina wiederum kehrte in die Villa Claudia zurück und betrachtete ihre Familie mit anderen Augen.

    Sie liebte ihre Eltern. Doch zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass sie eines Tages eine Entscheidung treffen musste, die ihr ganzes Leben bestimmen würde.

    Beide hatten am heutigen Tag einen Blick in eine mögliche gemeinsame Zukunft geworfen.

    Eine Zukunft, in der die Villa Aurelia vielleicht auch Calvinas Zuhause werden könnte.

    Eine Zukunft, in der Titus nicht mehr allein mit seinen Erinnerungen leben müsste.

    Und eine Zukunft, in der Calvina nicht nur die Tochter des Hauses Claudia, sondern die Ehefrau des Mannes wäre, den sie liebte.

    Noch waren diese Vorstellungen Träume. Doch aus Träumen konnten Entschlüsse werden. Und aus Entschlüssen konnte eine gemeinsame Zukunft erwachsen.

    AMOR PRIMO CONSPECTU – Liebe auf den ersten Blick.

    Manchmal beginnt die größte Veränderung im Leben eines Menschen nicht mit einer Schlacht, einem Sieg oder einer bedeutenden Entscheidung, sondern mit dem Vertrauen, einem anderen Menschen sein wahres Gesicht zu zeigen.

    Ausblick – CAPUT VIII: DOMUS AURELIA – Die Einladung

    Die nächste Begegnung soll in der Villa Aurelia stattfinden. Titus lädt Claudia zu einem offiziellen Besuch ein, bei dem sie erstmals Selina und Massad kennenlernt. Claudia entdeckt dabei nicht nur die außergewöhnliche Welt, in der Titus lebt, sondern auch die ungewöhnlich enge Bindung zwischen ihm und seinen beiden Vertrauten.

    Während Selina Claudia zunächst vorsichtig beurteilt und Massad seinen Herrn mit spöttischen Bemerkungen in Verlegenheit bringt, wächst zwischen den vier Menschen allmählich Vertrauen.

    Bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Villa führt Titus Claudia schließlich in seine Privatbibliothek. Dort entdeckt sie ein Manuskript seines früheren Lehrers Sokrates: Perì paideías kaì psychês – Über Erziehung und Seele.

    Das Werk enthält eine Beschreibung eines jungen römischen Adeligen, dessen Kindheit von Angst, Gewalt und emotionaler Vernachlässigung geprägt war.

    Claudia beginnt zu ahnen, dass Titus ihr bislang nur einen kleinen Teil seiner Vergangenheit erzählt hat.

    Doch während ihre Liebe weiter wächst, kündigt sich in der Villa Claudia eine erste Schwierigkeit an: Claudias Eltern beginnen, über eine standesgemäße Verbindung ihrer Tochter mit einem anderen Angehörigen der römischen Oberschicht nachzudenken.

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