Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus, der in der zweiten Reihe saß, mitten zwischen den alten und derzeitigen Praetoren, führte inzwischen schon seit geschlagenen fünf Minuten einen Kampf mit sich. Dieser Punkt auf der Agenda war ihm irgendwie entgangen oder er hatte ihn schlicht überflogen. Wäre das nicht passiert, so wäre er sicherlich an Durus herangetreten und hätte mit ihm geredet. Nun wusste Furianus nicht für was er sich konkret aussprechen sollte. Für den Freund oder gegen ihn und mit dieser Reaktion auch für Claudius Myrtilus, dem er seine Hilfe versprochen hatte. Aber er würde sich auch gleichzeitig gegen einen Patrizier stellen.
    So etwas war natürlich undenkbar, doch die Tatsache, dass er wirklich zwischen zwei Patriziern stand, diese erschien ihm bisher unmöglich, doch nun befand er sich genau dort.
    So erhob er sich.


    "Senatoren, Manius Tiberius Durus war und ist mir stets Freund gewesen, ich leugne dies nicht. Doch wenn ich mich jetzt der Entscheidung Aelius Quartos anschließe, so nicht aus Freundschaft, nicht aus Solidarität, sondern basierend auf der Tatsache, dass Tiberius Durus die Wahrheit spricht.
    Manius Tiberius Durus pro Augures Publici Populi Romani Quiritium."


    Er verzichtete auf ein Nicken oder ein Lächeln in Durus´Richtung, schließlich hatte er ihn in seiner kurzen Rede nicht als Freund oder Standesgenossen gemessen, sondern aufgrund der Eignung diesem Kollegium anzugehören. Dennoch musste er mit Claudius Myrtilus sprechen oder einer der alten Augure sterben.

    Wie er es versprochen hatte, so war auch der Praetor anwesend und trug das Totenbett zusammen mit seinem Freund Durus und seinem beinahe-Schwager Vitamalacus. Die anderen Männer kannte er nicht oder erkannte sie schlichtweg aufgrund der Verfassung, in der er war, nicht.
    Auch er hatte ein schwarzes Trauergewand und einzig die vielen Liktoren an seiner Seite unterschieden ihn von den anderen.


    Auch er stellte die Totenbarre ab und blickte auf die Rostra, die ein Hort der Politik war, manchmal jedoch auch traurigeren Zwecken diente.

    Furianus dachte ein wenig nach und stimmte Commodus nach einigen Sekunden zu.


    "Ja, vermutlich würde man es uns ankreiden, wenn wir die Klassiker vergessen, wie auch, wenn wir die neueren Dichter vernachlässigen.
    Was mir jedoch gerade in den Sinn gekommen ist...nun, wie wäre es mit ein wenig Abwechslung?
    Damit meine ich kleine Auftritte, kleine Szenen, belustigende Szenen über die großen Meister wie Sokratels, Thales, Diogenes und andere Philosophen der Griechen? Ich würde das selbst organisieren."

    Furianus, der noch vorher all seine Kräfte zu verlieren schien, erhob sich nun und legte Vitamalacus die Hand auf die rechte Schulter.


    "Ich danke dir, Vitamalacus, dass du persönlich gekommen bist, um mir dies mitzuteilen."


    Er blickte dem Tiberier einige Herzschläge lang in die Augen und fragte dann, doch widerwillig, da er es noch nicht recht glauben mochte.


    "Wann sind die Trauerfeierlichkeiten?"

    "Herein."


    Antwortete Furianus, der am heutigen Tag nicht vor den Stufen des Tempels der Concordia anzutreffen war, wo das Gericht auch manchmal tagte, sondern hier in dem Officium, da heute keine Verhandlung anstand.
    Er legte die Schriften und Zeugnisse über Verfahren beiseite und erblickte einen Mann, wohl noch einen Jüngling, der gerade eintrat.


    "Salve, ich bin Lucius Flavius Furianus, der Praetor Urbanus."


    Interessiert blickte er den, ja, man konnte Mann sagen, an und hoffte es wäre der ersehnte Scriba, den er dringend brauchte.

    Furianus blickte kurz zu Myrtilus und nickte diesem ruhig zu. Danach wandte er sich wieder dem Kaiser zu und verbeugte sich leicht.


    "Wir nehmen deine Entscheidung, Augustus, zur Kenntnis und werden dem Senat das Ansinnen von Claudius Myrtilus unterbreiten."


    Furianus hatte sein Bestes gegeben, doch ein Manövrieren um den Senat war nun nicht mehr möglich und so blieb ihnen nichts anderes übrig als darauf zu hoffen, dass entsprechende Senatoren entweder von der Pest befallen oder sonstwie verhindert sein würden der Sitzung beizuwohnen - in letzter Zeit war der Senat auch nur knapp beschlussfähig gewesen, hoffentlich änderte es sich nicht.
    Er wartete dennoch, bis sie der Augustus entließ.

    "Gut, dann wird ein Angestellter des Gerichts mit der Vollmacht betraut alle Sklaven des Haushaltes Helvetius Tacitus zu befragen. Desweiteren wird dieser nach weiteren Verwandten mit Namen Agrippa und ihrer Beziehung zu Helvetius Tacitus fahnden.
    Über die Entscheidung des Gerichtes wird die Gens Helvetia selbstverständlich informiert werden.


    Hast du noch einen weiteren Wunsch oder ein weiteres Anliegen, Helvetius Falco?"


    Es war für Furianus doch recht ungewöhnlich, dass die Tochter des Tacitus selbst zugab, dass das Vermächtnis dem Proconsul zufalle und nun Helvetius Falco hier stand und latente Widersprüche gegen dieses Testament vortrug. Dass er die Tochter des Verstorbenen bei sich aufnahm war nichts Gewöhnliches, doch dass er sie aufnahm, sich hierher persönlich bemühte und das Testament anzufechten schien, das war nun höchst verdächtig. Der Verdacht bestand darin, dass Helvetius Falco die Tochter des Verstorbenen entweder, falls sie weit entfernt verwandt waren, ehelichen wollte oder zumindest vor hatte sie zu adoptieren. Bei beiden Varianten würde die Tochter unter die patria potestas des Falco fallen und er hätte Anspruch auf das Vermögen der Tochter und natürlich auch auf das Erbe ihres Vaters, falls es ihr zufiel. Es ging für Furianus lediglich um Geld, aber er würde diesen Verdacht objektiv genug betrachten und die Ergebisse des Sonderermittlers abwarten. Nun stellte sich zwangsweise die Frage wer diese Rolle übernehmen könnte.

    Furianus konnte und wollte nicht vor Vitamalacus in Tränen ausbrechen, so ließ er sich nach einigen Schritten in einen Stuhl mit Rückenlehne fallen und schwieg verbittert einige Minuten lang.
    Er schien in Gedanken versunken und doch litt er, vermochte des Chaos hinter seiner Stirn nicht Herr zu werden. Doch dann sprach er ruhig und doch mit geistesabwesendem Blick gen Boden.


    "Diese Weissagung, ich kenne sie."


    Lange Zeit verstummte er wieder, regte sich keinen digitus.


    "Doch ich hätte niemals gedacht, dass sie ihr so strikt folgt, sie so deutet. Sybilles sprüche sind wie die Launen der Götter - unergründlich und entbehren jeder Logik.
    Ich habe sie nie aufgesucht, nein, warum ist sie denn dorthin gegangen, warum?"


    Sein blick wanderte langsam nach oben zu Vitamalacus.


    "Warum nur?"


    Fragte er den Mann, den er recht wenig kannte, doch dieser war zur Zeit die einzige Bezugsperson in dieser grässlichen Stunde.

    "Wir fürchten nicht den Senat, Augustus, wir sind bloß Römer, Römer mit Ehre und Stolz, doch Demütigungen wird auch kein Peregrinus offen entgegen rennen, wenn er es vermeiden kann.
    Es reicht schon, dass wir Patrizier öffentlich beschimpft werden, doch es ist das Volk, gelenkt von der Zeit und Gerüchten, doch ein Senat, indem man als Patrizier vor Senatoren, man meint vor Seinesgleichen zu stehen, solch natürlicher Abneigung begegnet, das ist untragbar.
    Wir Patrizier sind stolz auf unsere Abstammung, unsere Familien, die Flavia und Claudia, haben dem Imperium stets gedient, haben Kaiser gestellt und Götter in der Ahnenreihe, doch es ist unmöglich und erschütternd, dass sich ein Mann, der keine einzige Büste eines Konsuln in seiner Ahnenreihe besitzt, sich dazu erdreistet uns Patrizier zu beleidigen, ja uns mit verächtlichen Blicken straft. Welches Recht hat er, ein Decurio, Equester oder gar Senator dies zu tun?"


    Furianus musste nun ein richtiges Wort für diese Art Männer wählen, die es zur genüge gab.


    "Vielleicht ein veralteter und in der Hinsicht ihrer Ziele unpassend gewählter Begriff, aber ich schätze solche Männer bezeichnen sich selbst gerne als Popularen. Solche Männer gibt es im Senat, Augustus, die wird es immer geben, doch ich führte Galeo Claudius Myrtilus zu dir, um ihn nicht vor dem Senat zu beschützen, nicht vor dem Urteil dieses Gremiuns, sondern vor eben jenen Männern, die nur darauf warten einen Patrizier mit latenten Beleidigungen angreifen zu können. Claudius Myrtilus hat dir wie auch Rom stets gedient und er würde auch diesen Männern trotzen können, doch jede Gelegenheit seine Ehre anzugreifen wird genutzt werden und dies, Augustus, wäre wieder ein kleiner Sieg jener Männer, der verhindert werden sollte."

    Zitat

    Original von Marcus Valerius Mercurinus
    Entegen dem üblichen Arbeitspensum im Eheofficium hat Gaius Populus gerade nichts zu tun und verdrückt daher schon vor aufkommendem Hunger seinen mitgebrachtes Mittagessen in Form eines Stücks getrocknetes Fleisch und eines halben trockenen Brotes mit harter Kruste, das er immer wieder in etwas Olivenöl tunkt. Das Klopfen lässt ihn schnell das Tuch mit Brot und Fleisch zusammenschlagen und das Bündel und die Schale mit Öl im Regal hinter sich verschwinden. Er wischt sich nochmal mit dem Ärmel über den Mund, bevor er den Besucher herein bittet und fragt, was er für ihn tun kann.




    Furianus, mit Bartstoppeln und ihm selbst so fremd ungepflegt, schritt ruhigen Schrittes hinein und begrüßte den Scriba mit einem einfachen Salve und einem leichten Nicken.


    "Ich bin hier, um die Verlobung zwischen Tiberia Claudia und Lucius Flavius Furianus aufzulösen. Tiberia Claudia verstarb vor einigen Tagen."


    Mehr sagte er dazu nicht, mehr konnte er nicht sagen. Seine Augen waren ohnehin schon gerötet und man sah ihm an, dass jede weitere Träne nur mit Schmerzen vergoßen werden konnte - falls überhaupt noch Tränen da waren, die er vergießen konnte.

    "Naja, das ist aber auch kein Grund zum Verzweifeln, Commodus."


    Er versuchte aufmunternd zu klingen und lächelte.


    "Wir müssen es aber aufteilen, denn wenn wir alles zusammen machen so werden wir, das fürchte ich nicht nur, ich ahne es, niemals fertig mit den Planungen.
    Was hälst du davon, wenn ich mich den Tierhetzen annehme und die den Gladiatorenkämpfen? Warum, weil ich schon einmal Gladiatorenkämpfe auszurichten hatte, mir damit jedoch kein Kunststück gelungen ist, fürchte ich.


    Die Thatervorführungen können wir uns ja dann teilen, denn es gibt genug Werke. Vielleicht etwas nicht allzu altes, so etwas wie die Metamorphosen des Ovid die Elias oder odyssee könnte man auch nehmen, wobei dies wohl dem Alten zugerechnet werden kann und ich fürchte dieser Sagen mag das Publikum schon überdrüssig werden.
    Außerdem frönen wir mit Ovid dem Zeitgeist und dem Patriotismus."

    "Den Senat würde man selbstverständlich nicht übergehen, Augustus, existiert doch der Anspruch des Senates auf die Ernennung mit dem deinigen parallel. Der Senat würde sich sicherlich niemals übergangen fühlen.
    Doch du würdest einen alten Mann aus einer der ehrbarsten Familien Roms und deinen treuen Diener vor den neidvollen Blicken und dem verborgenen Unmut auf seine gesellschaftliche Stellung der zahlreichen homines novi bewahren.
    Schließlich ist es doch in ganz Rom schon bekannt, dass man uns Patriziern, gleich unserer Ämter und Werke, ein Loblied verwehrt, jedoch den Peregrinus, der Senator wird, verehrt."


    Dass man auch gleichzeitig des Kaisers Zugehörigkeit dem Volke zusprach oder ihn einfach damit beleidigte, als Patrizier, wollte Furianus nicht erwähnen.

    "Welch ein Auftritt."


    Sagte Furianus lächelnd und blickte sich um.


    "Der Mann sollte Politiker werden. Einer, der seine Sklaven auf der Rostra sprechen lässt, hier aber sein Gesicht nicht vor unseren Augen zeigt, großartige Inszenierung, einen Applaus wert."


    Sogleich wurde einem Sklaven ein Blick zugeworfen, der sogleich das Pergament von der Versammlungstür riss und Furianus übergab. Dieser überflog die Zeilen, sie stimmten mit den Worten überein. Dann reichte er es weiter.


    "Kennt jemand diesen Matinius Plautius? Hat ihn schonmal jemand im Factiohaus, geschweige denn bei einem Renne der Purpurea zu Gesichte bekommen?
    Scheinbar ist der Mann nicht nur auf mich schlecht zu sprechen, sondern auch ohne jegliche Information. Er bezichtigt mich den Titel, falls man es so nennen kann, des Princeps an mich gerissen zu haben, wobei mich Prudentius Commodus selbst, da er sich nicht mehr als Princeps aufgrund gesundheitlicher Probleme sehen konnte, zum Princeps erklärte. Falls es Zweifel gibt, ich kann die Akten und Verkündigungen alle öffentlich zeigen.
    Scheinbar beherrscht jedoch Neid auch eine Praefectus Castrorum.
    Dennoch, falls jemand ein Veto gegen meine Rolle als Princeps einzulegen hat, so tu er dies bitte kund. Zuvor habe ich euch ja schon einmal gefragt ob es Stimmen gegen mich, Kandidaten für die Position des Princeps gibt."


    Sim-Off:

    Natürlich, Plautius, du selbst hast auch immer Zeit und hast RL gar nichts zu tun. Warst du es nicht, der für viele Wochen gar nicht da war, da er keine Lust hatte und dies selbst in der Abmeldung dann geschrieben hat?
    Und natürlich habe ich nichts Besseres zu tun als Titel zu sammeln. -.^

    Furianus musste lachen und der Sklave Kyro schien seine Heiterkeit ebenfalls zu teilen, besonders bei dem letzten Satz des Redners konnte sich Furianus nicht halten.


    "Köstlich, Kyro, köstlich. Nun will der Mann Aennaeus in den Senat hieven, mit der Macht des Volkes. Vielleicht hätte er sich mal vorher informieren sollen, dass Aennaeus sein Kommando verlieren würde, falls er sein Recht wahrnimmt. Aber wir warten ab, sicherlich wird der Praefectus ihn selbst belehren.
    Natürlich gehört Aennaeus in den Senat aber mit dieser Berufung würde er sein Kommando, sein ritterliches Kommando, ablegen müssen und er sieht nicht so aus als wäre er dem schon überdrüssig.
    Köstlich, wir warten noch, es eilt ja nicht."


    Kyro nickte mit einem Lächeln.


    "Nein, wir haben noch Zeit, Dominus."

    "Wir hofften du, Augustus, würdest von deinem Recht Gebrauch machen einen von dir Favorisierten gleich zu ernennen. So, wie du es damals mit dem Aennaer gemacht hast.
    Und welch ein Mann als Galeo Claudius Myrtilus könnte dieser Favoritenrolle mehr entsprechen, er, der dir sein Leben in den Legionen geschenkt hat und nun weiterhin Rom und auch dir dienen will."


    Natürlich konnten sie dies in den Senat einrbingen, aber diese Möglichkeit stand erst an zweiter Stelle. Der Senat war der Senat und sie waren auch nicht im vierhundertsten Jahre nach der Gründung Roms, als der Senat noch aus Patriziern bestand. Manch ein Senator würde bei dem Nomen Gentile des Claudiers gleich eine natürliche Abneigung entwickeln und dies galt es zu vermeiden. Außerdem war es doch einem Mann von solch einem Alter und Stand nicht zuzumuten, dass er noch vor dem Senat gerichtet werden soll.

    Furianus blinzelte einige Momente und hoffte er hatte nicht richtig verstanden. Konfus sah er von Vitamalacus nach rechts, dann wieder auf den Senator und riss ungläubig die Augen auf.


    "Befohlen?!"


    Es war keine Frage, sondern mehr Bestürzung, die erklang und Furianus hätte in jenem Augenblick gerne etwas gehabt, um sich festhalten zu können. Er ruderte ein wenig mit den Händen, fand aber nichts und blieb nach einigem Schwanken doch ruhig stehen.


    "Das kann nicht sein, sie hatte noch Jahre, Jahrzehnte! Vitiamalacus, das kann nicht sein!"


    Es war einfach unglaublich und er hatte mit so etwas nun wirklich nicht gerechnet, geschweige denn geglaubt.

    Der Klient bemühte sich jedoch vergebens zur Villa zu eilen, Furianus wusste davon bereits. Er war gerade in seiner Sänfte auf den Weg zu dem Gericht, als man den Menschenauflauf auf der Rostra sah.
    Es interessierte Furianus ungemein sehr, wer es mal wieder war, wer seinen Frust über die Flavia hier entlud.
    Die Sänfte kam zum Stehen und die Liktoren positionierten sich.
    Langsam und interessiert zog Furianus den Vorhang der Sänfte zurück und blickte auf die Rostra.


    "Ah, ihn kenne ich doch, diesen fleißigen Redner."


    Sagte er nebenbei mit einem süffisanten Lächeln auf den Zügen.


    "Kyres, was glaubst du, wer hat ihn hierher geschickt?"


    Der ältere und schon kahle Sklave drehte sich um.


    "Entschuldigt, aber was meint Ihr, Dominus damit?"


    Furianus zeigte mit dem Finger auf den plebejischen Flavier.


    "Na wer ihm ein kleines Sümmchen gegeben hat, damit dieser Sklavenabkömmling hier spricht. Ob er einen Patronus hat? Aber ich denke nicht, der Auftraggeber wird sich hüten bekannt zu werden, es wäre schließlich sehr gefährlich."


    Der Sklave verstand und holte seine kleine Tabula heraus, auf die er etwas krizzelte.


    "Ich frage mich ob dieser Mann die Standeskämpfe vergessen hat, die doch schon vor etwa 400 Jahren für die Gleichberechtigung im Senat und den Magistraturen zwischen Patriziern und Plebejern sorgten. Mit seinen Vorwürfen ist er leider 400 Jahre zu spät.
    Dennoch, wir verweilen, ich will hören was er noch zu sagen hat oder was er noch sagen soll, weil sein Auftraggeber sein Gesicht vor Unsergleichen nicht verlieren will."

    Man hatte ihn bereits vor einigen Minuten davon in Kenntnis gesetzt, dass Tiberius Vitamalacus ihn sprechen wollte. Furianus ließ sich Zeit. Nicht, weil er beschäftigt war, sondern weil er fürchtete, dass Vitamalacus wegen der gescheiterten Ehe eine Unterredung wünschte, ihn zurecht weisen würde oder gar Schlimmeres. So musste er sich ein wenig fassen, seine Gedanken ordnen und die bestmöglichen Antworten parat haben.
    Gemächlich betrat Furianus das Atrium und steuerte auf seinen fast-Schwager zu, als er sah, wie Vitamalacus angezogen war.
    Gewiss, man hatte ihm gesagt, dass ein Tiberius Vitamalacus gekommen sei, doch nicht so ein Tiberius Vitamalacus, nämlich ein trauernder. Das sichere Lächeln zur Begrüßung verschwand aus seinem Gesicht und anstatt der begrüßenden Worte hatte Furianus nichts anderes, als nur diesen einen Satz im Kopf.


    "Was ist passiert, Vitamalacus?"


    Fragend blickte er ihm in die Augen und suchte nach Antworten, nach Reaktionen - ja ein kleines Zucken hätte Furianus geholfen, ein kleiner Blick zur Seite und er würde wissen was passiert war. Er ahnte es, es keimte hinter seiner Stirn, der Gedanke, dass es wegen Claudia sein könnte, auch jetzt noch wegen Claudia, auch in Trauertracht.

    Ein flavischer Klient, dem dies natürlich nicht anzusehen war, hob drohend die Faust.


    "Du bist doch nur neidisch, du Sohn eines Freigelassenen! Neidisch auf die deinen, die eigentlich nicht die deinen sind, sondern du nur ihren Namen tragen darfst! Nedisch, dass nicht du in diese Familie geboren wurdest, sondern in die eines Freigelassenen, der die Güte dieser edlen Familie erfahren hat, du jedoch nun auf Rache sinnst!"


    Er musste sofort zu der Villa Flavia eilen, denn vielleicht gab es, falls er Glück hatte und die Flavier davon noch nichts wussten, eine kleine Belohnung.

    Zitat

    Original von Marcus Aelius Callidus
    > Du wirst von mir schriftliche Nachricht erhalten. Und selbstverständlich sehe ich deinen besuch nicht als Störung, Prätor Flavius Furianus. Vale. <


    "Es freut mich, dass es nicht so ist."


    Sagte Furianus lächelnd und erhob sich zum Abschiede.


    "Nun gut, vale, Aelius Callidus. Auf ein baldiges Wiedersehen."


    Und dann ging er, gefolgt von den Liktoren, die vor dem Officium wartete.