Ad Gaius Prudentius Commodus
Casa Prudentia,
CCAA,
Provincia Germania
Lucius Flavius Furianus entbietet dem Senator Gaius Prudentius Commodus seinen Gruß.
Meine Misslichkeit deine Einladung betreffend, ehrenwerter Senator, bitte ich in diesem Briefe zu entschuldigen.
Wenn du wohlauf bist und deine Kinder auch, so gebührt den Göttern mein untertänigster Dank. Leider bin ich aufgrund meiner unermüdlichen Einsätze zum Wohle des Staates in dem Maße eingenommen, dass mich des Verstandes Wirren einen so erfreulichen Anlass vergessen lassen und ich hoffe, dass mein Zustand deinem Zorne Grenzen setzt, ihn gar zu mildern vermag. Ein Händedruck der Freundschaft zwischen uns, Senator, so hoffe ich, wird durch mein Missgeschick nicht entheiligt.
Doch der Rechtfertigung ein Ende gesetzt - dies soll nicht zum Gegenstand unserer Korrespodenz avancieren.
Meine aufrichtigsten Glückwünsche zum Jahre deiner Geburt will ich auftragen. Mögest du, Senator Prudentius, deinem Namen der Umsicht gerecht geworden, dich nicht zum Greise zählen! Die Kraft und Tüchtigkeit, sowie auch unermüdliches Streben eines Cicero im Kampfe gegen einen Caesar oder Antonius sollst du zu erhalten wissen, mein Freund!
Erhebe das hohe Alter zu deiner Maxime, Senator, fürchte es ja nicht.
Doch auch genug der Schmeichelei - auch dies soll keineswegs zum Gegenstand unserer Korrespondenz avancieren.
Dich zu informieren, sowohl in den Belangen der Factio wie auch in denen meines jungen Lebens ist der verborgene Anlass meines Schreibens.
Am ANTE DIEM VII ID IAN DCCCLVII A.U.C. (7.1.2007/104 n.Chr.) werde ich einen Conventus der Factio in Rom herbeiführen, zu dem ich dich hiermit herzlich einladen möchte. Solltest du die Zeit hierfür finden, Senator, wird mir kaum etwas an jenem Tage mehr Freude bereiten, als dir die Hand zu reichen. Solltest du jedoch nicht die Zeit für einen Besuch Roms finden können, so wisse, dass ich mir im Laufe meines Lebens ein hohes Maß an Verständnis angeeignet habe, du dich nicht um infame Gedanken um deine Person zu sorgen brauchst.
Dies führt mich sogleich zu einer Frage, werter Freund. Deine Lebensweise, so fernab von Rom und der Politik, gründet nicht zufällig auf epikureischem Fundament? Diese Situation ruft in mir nämlich den Vergleich mit dem treuen Freunde Ciceros ins Gedächtnis, dem Atticus, der in Athen zu leben pflegte, da er überzeugter Epikureer gewesen war. Dieser, seiner Überzeugung entgegenstrebend, nahm durch die Korrespondenz mit Cicero regen Anteil an der Politik Roms. Hegst du den Gedanken nach dem Vorbilde des Atticus dein Vermögen auf deinen Gütern zu mehren und dennoch am politischen Geschehen Roms Anteil zu haben? Jedoch wehrt, dies sollte Erwähnung finden, dein Senatorenring diese Vermutung mitnichten ab.
Den Göttern sei Dank aufgrund meiner physische Konstitution, die mir die Chance gibt mich fortwährend mit größter Konzentration an meiner Arbeit zu opfern - doch vergeblich warte ich auf meine Ernennung zum Senator.
So nimmt es nicht wunder, dass ich mich zu ständigen Vergleichen hinreissen lasse. Jüngst stieß mir ein Ereignis abermals den Dolch in mein geschundenes Herz - mein zukünftiger Schwager erhielt den Purpurstreifen und darf sich nun zu den Senatoren Roms zählen. Der vor Schmerz getroffene Furianus, wie ich es erwähnte, vergleicht sich sogleich mit dem Schwager. Welch kläglicher, welch ehrloser und schwacher Schritt und doch, er öffnet mir, wie die unzähligen Vergleiche zuvor, allmählich die Augen. Mag es aus Verdruß sein, doch nicht aus Fehlern meiner Person, dass mir die Zeit des Wartens so ewig langs erscheint. Ich zähle die Jahre, die Monate, die Tage - vergebens, ich bin der, der wohl am längsten wartet. Ich kann mir Schlimmeres nicht vorstellen, als einem Mann, dessen Geburt ihm die Bürde der Senatsaristokratie auferlegte und dies seine Erfüllung zugleich bedeutet, das Zeil seiner Bestrebungen zeichnet, diesen Mann die Klinge der Zeit spüren zu lassen und lächelnd durch von schwachen Säulen gestützte Gründe das Zeil zu verwehren.
Ich leingweille dich wohl schon jetzt, mein Freund, durch den Geist des jugendlichen Eifers und der Ungeduld, die mich schon so lange plagt - schon fast 5 Jahre.
Ich hoffe dennoch, dass du die Stirn nicht aufgrund meines so direkten Briefes erzürnt in Falten wirfst. Mögen meine Hoffnungen auf einen Freund fernab der Kühle Roms in der Kälte Germaniens nicht vergeudet sein.
Ich warte auf dein Schreiben geduldiger, als ich mit der Senatorenwürde handhabe, dies verspreche ich dir hiermit.
Möge es dir in der Zwischenzeit an nichts fehlen, besonders nicht an dem Entschlusse mir zu schreiben, Senator Prudentius.
In Hochachtung und treuer Freundschaft,
Lucius Flavius Furianus