Beiträge von Marcus Aelius Callidus

    Und sogleich wurde die Marmorplatte am Hafen aufgestellt.


    M.AELIVS*CALLIDVS*DVVMVIR*PRIDIE*KAL*MAR*DCCCLVI*A.U.C.
    MAGISTRATVS*KAL*FEB*DCCCLVI*A.U.C.
    SCRIBA*KAL*NOV*DCCCLV*A.U.C.*CIVITATIS*MISENI HOC*SACRVM*DONAVIT



    DEVM NEPTVNVM HOC SACRVM DEDICET


    NVMEN MERCATORES IN ITINERIBVS EORVM SERVET


    ET NVMEN EOS PER TEMPESTATES MARIVM DVCAT


    VT TVTAM TERRAM MISENENSEM ASSEQVENTVR

    > Ich werde mich um Apollonius kümmern, sobald er in Italia ist, wirst du mit ihm die Bauarbeiten absprechen und klären können. Wann das aber genau sein wird, kann ich dir nicht sagen. Ich hoffe, dass er schnell hierher findet. <


    Einen Moment schaute er nachdenklich. Stimmte, Livia heiratete ja diesen Präfekten; nunja, so gut kannte Callidus sich in Rom und seiner Gesellschaft nicht aus.


    > Ach ja, die Senatorin heiratete ja, schließlich war dies der Grund deiner Abwesenheit. Nun, gut, dass du es anmerkst! Schick den Brief dann an die Casa Vinicia, wie du es sagtest. <

    Da fiel Callidus auch gleich einiges ein.


    > In der Tat gibt es Neuigkeiten. Der scriba des Senators Helvetius Geminus hat sich über die auarbeiten erkundigt, auch deine Familie bekundete Interesse. Lass dir beim Postarchiv den Brief der Tiberia Livia geben und setze ein Antwortschreiben auf. Du kannst ihr mitteilen, dass der Architekt Apollonius von Samothrake sich dieser Sache annhemen wird. Ich werde ihn kontaktieren und dann zur Villa Tiberia nach Rom schicken. Derzeit ist er nicht in Italia, aber ich denke, dass er in wenigen Wochen hier sein kann, um die Bauarbeiten zu leiten. Lege mir den Brief an Tiberia Livia nur kurz vor, bevor du ihn abschickst. <


    Callidus dachte noch eine Moment nach, ob da noch etwas war, das er vergessen hatte. Ihm wollte aber nichts mehr einfallen.

    > Nunja, und ich habe direkt eine Aufgabe für dich. Es eilt aber nicht. Du erinnerst dich sicher an den Präfekten der vigiles. Ich habe ihm 500 Sesterzen zukommen lassen, damit er siphones nach Misenum schickt und mit ihnen einen seiner Männer, der hier die nautae schult. Ich habe bisher nichts mehr von ihm gehört und bin doch neugierig, wann es sich einrichten ließe. Wenn du in Rom bist, statte ihm einen Besuch ab und erkundige dich. <

    Als Callidus vernommen hatte, dass sein Magistrat wieder aus Rom zurückgekehrt war, suchte er diesen in dessen officium auf.


    > Salve, Durus! Ich hoffe, du konntest das große Ereignis im Rahmen deiner Familie gebührend feiern. Nun, der Grund, weshalb ich mit dir sprechen möchte, ist ein anderer. Ich habe dich als Magistraten Misenums der Curia Italica als Mitglied vorgeschlagen und sie hat den Vorschlag angenommen. Du wirst also auch nach Rom reisen können, um an den Sitzungen der Kurie teilzunehmen und bist stimmberechtigtes Mitglied dieses Gremiums. <

    Nur wenige Zeit später flatterte der nächste Brief in das officium des Duumvirn. Callidus nahm das Schreiben entgegen und las auch dieses aufmerksam. Die Nachricht hatte Rom also zuverlässig erreicht und Callidus überlegte, ob er seinen nuntius dafür nicht einmal loben sollte.

    Callidus nahm das Opfermesser und erhob es vor den Augen der Zuschauer. Dann setzte er es am Nacken des Tieres an und strich vorsichtig den Rücken bis zum Schwanz entlang.
    Nachdem er dies getan hatte, trat er einen Schritt zurück und legte das Messer wieder auf Tablett, dass einer der popae hielt.

    Ein Angestellter betrat das officium des Duumvirn, um ihm die angekommene Post zu reichen. Callidus freute sich, denn es gab nicht oft Post, schon gar nicht aus Rom.
    Er nahm das Schreiben entgegen und las es aufmerksam.


    TIBERIA LIVIA
    MARCO AELIO CALLIDO
    SALUTEM PLURIMAM DICIT


    Werter Duumvir, Bezug nehmend auf dein Schreiben von ANTE DIEM III NON MAR DCCCLVI A.U.C. (5.3.2006/103 n.Chr.) möchte ich hiermit mein Interesse am Erwerb einer in Misenum gelegenen Landvilla kund tun. Bevor ich jedoch eine endgültige Entscheidung zu diesem Kauf treffen kann, benötige ich weitergehende Informationen zur Beschaffenheit und Lage des Anwesens. Meine Pflichten in Rom ermöglichen es mir leider nicht, die Stadt für eine Reise nach Misenum zu verlassen. Daher wäre es mir sehr recht, wenn sich ein Gespräch mit einem kompetenten Ansprechpartner in der Casa Vinicia in Rom vereinbaren ließe. Ich bitte somit um eine kurze Nachricht, ob und wann eine solche Möglichkeit besteht.


    Vale.


    Tiberia Livia


    Nunja, der Brief hatte nicht seine stilistische Schärfe und nicht das Spiel mit den Worten. Ihm fehlte es gänzlich an literarischem Anspruch, aber dafür war er ja auch nicht geschrieben. Callidus nahm sich den besten Papyrus, den er hatte, und bereitete seine Antwort vor, die er direkt einem Boten geben würde.

    Callidus folgte dem Priester zum abgesteckten Altar.
    Die Menge der Leute drängte sich nun und erhoffte von dem beginnenden Opfer gute Vorzeichen. Callidus indes war froh, mit den Priestern aus Rom kundige Leute neben sich zu wissen, so dass es zu keinen Fehlern kommen konnte.

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH
    Manius Tiberius Durus


    MIT WIRKUNG VOM
    NON MAI DCCCLVI A.U.C.
    (7.5.2006/103 n.Chr.)

    ZUM


    SODALIS CURIAE ITALICAE
    für die Stadt Misenum



    Marcus Aelius Callidus
    Princeps Curiae



    Callidus hörte sich die Ausführungen des Vesuvianus genau an.


    > Gut, ich werde das, da du dich eher dagegen aussprichst, als Gegenstimme werten.
    Nach § 6 (2) der Ordnung dieses Gremiums wurde Manius Tiberius Durus bereits als vollwertiges Mitglied der Curia Italica bestätigt. <


    Callidus gab ein paar Angestellten ein Zeichen. Diese kamen sofort mit Tongefäßen hinzu.


    > In den Gefäßen befinden sich Datteln und Feigen, in der Amphore dort Falerner. Die edlen Speisen, welche die Bevölkerung heute bekommen soll, mögen auch die Götter erhalten! Ich hoffe, es ist alles so in Ordnung. <

    Callidus nahm die Stimmabgabe des Aureliers mit einem Nicken zur Kenntnis. Dann ließ er seinen Blick durch die eihen schweifen, vermisste jedoch Aurelius Cicero.


    > So du deinen Bruder siehst, weise ihn bitte auf die Abstimmung hin! Ich möchte eine weitere Vorladung vermeiden. <

    Callidus nickte.


    > Ja, genau, als Duumvir der Stadt werde ich Opferherr sein. Die marmorne Platte ist Mercur geweiht, er ist für diese Stadt gewissermaßen ein Schutzgott. Misenum lebt zu einem großen Teil vom Handelsverkehr des Hafens. <


    Als Callidus geendet hatte, kamen auch schon die losgeschickten Stadtangestellten mit einem Karren, auf dem Sich die Platte befand, noch mit einer Decke verhüllt.

    Am anderen Ende des Hafens erblickte Callidus die Gruppe von Menschen, die vom Stadtzentrum gekommen war, unter ihnen auch Kallydianos Nikias, dem er sogleich zuwinkte. Im selben Moment jedoch wandte sich von der anderen Seite kommend der Priester an Callidus, den er in Rom gesprochen hatte.


    > Oh, ihr seid schon hier, den Göttern sei gedankt! Ja, wie du siehst ist die Gruppe von Bauern mit dem Stier soeben eingetroffen und es ist alles vorbereitet. Der Weihestein wird ebenfalls gerade herbeigeschafft. Dort ist der Altar errichtet, einer der städtischen Augurensteckte diesen Ort ab. Dem Opfer stünde nichts mehr im Wege. <

    > Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen. Der Bauer, der das Opfertier stellt, müsste bald hier eingetroffen sein, er kommt mit einigen Bauern der Umgebung. Der Priester des cultus deorum sagte mir, er würde gegen die Mittagszeit eintreffen. Es ist zwar schon etwas später, aber wer weiß schon so genau, wie die Reise verläuft. <


    Callidus sah sich um. Einige Bürger Misenums waren bereits am Hafen und genossen den langersehnten Blick auf das Meer, in dem sich nun die vom Himmel scheinende Sonne spielgelte. Dem Lärm nach zu urteilen befanden sich einige weitere Bürger gerade auf dem Weg zum Hafen.
    Callidus gab ein paar Stadtangestellten das Zeichen, sie sollten nun den Weihestein herbeischaffen, der am Hafen errichtet werden sollte.

    Ein Mitarbeiter, der bei diesem schönen Wetter abgestellt wurde hier die Stellung zu halten, öffnete missmutig die Tür und schaute die Männer an, machte kurz große Augen und begann, als er sie erkannt hatte, sofort Auskunft zu geben.


    > Wenn ihr den Duumvir sucht, ehrenwerte sacerdotes, er ist bereits unten am Hafen und achtet darauf, dass alles seine geordneten Bahnen nimmt. Der Hafen ist nicht zu verfehlen, folgt einfach den Girlanden und dem Lärm. <

    Als Callidus den Comes erblickte, grüßte er diesen freundlich.


    > Salve, Detritus! Es ist schön, dass du die Zeit für das Opfer der Stadt aufbringen konntest. <


    Aus Richtung des Stadtkerns war Lärm und etwas Musik von Flötenspielern zu hören. Einige Bauern, die außerhalb der Stadtmauern ihre Höfe gelegen hatten, waren gemeinsam in die Misenum eingezogen, unter ihnen auch der Mann, der einen weißen Stier mit sich führte. Langsam begaben sich die Leute nun vom Forum der kleinen Stadt duurch die Gassen in Richtung des Hafens und würden in Kürze eintreffen...