Beiträge von Publius Terentius Pictor

    Das Boot war, wie der Centurio bereits gesagt hatte, genau 1 Meile vom Kai des Stützpunktes entfernt. Diese Strecke galt es nun rudernd zu überwinden. Also setzten wir uns teilweise murrend, teilweise freudig, auf die Ruderbänke und fassten die Rudergriffe fest. An jeder Seite des Bootes saßen 5 Probati auf den Bänken. Schließlich rief der Centurio, während wir zu rudern anfingen:


    "Zugleich! Zugleich!"


    Diese Rufe kamen in zeitlichen Abständen von etwa 2 Sekunden, sodass wir schnell ins Schwitzen kamen und das Boot auf eine gute Geschwindigkeit brachten.
    Nach gut einer viertel Stunde stand das Boot fest vertäut am Kai. Wir standen wieder vor dem Centurio.

    Quintus und ich verabschiedeten uns scherzhaft. Schließlich stand ich vor Titus, der ebenfalls schon kleinere Grunderfahrung mit Scutum und Gladius hatte. Nach dem Klatschen des Centurios umkreisten wir uns leicht. Immer wieder versuchten wir kleiner Ausfälle und Paraden. Doch es gab keinen klaren Sieger dieses Übungskampfes. Wir waren beide gleich gut oder schlecht.

    Niemand hatte eine Frage. Alle wussten scheinbar, was sie zu tun hatten. So nahmen wir Anlauf und rannten ins Wasser. Es war eiskalt und schnell begannen wir zu zittern. Dem konnten wir mit unserer Aufgabe entgegenwirken. Etwa 5 Meter vom Ufer entfernt schwommen wir langsam, um keinen Krampf zu bekommen, in Richtung des Bootes. Ich legte noch einen Entspurt ein und kam wahrlich als Erster an. Schließlich zog ich mich und meine Kameraden mit letzter Kraft an Bord, wo wir klatschnass und total erschöpft saßen bzw. lagen. Wir wussten bereits, was zu tun war. Ich holte zusammen mit Quintus die Tuniken aus dem Schiffsraum nach oben.Wir entkleideten uns, trockneten unsere nassen Körper ab und zogen uns dann wieder trockene Kleidung an. Schließlich standen wir entkräftet, aber mit wachem Geist vor dem Centurio.

    Alle nahmen ihr Gladius und das Scutum. Dann stochen und schlugen wir abwechselnd. Quintus hatte erst den Verteidigerpart, dann wechselte er zum Angreifer. Synchron mit den anderen vollführten wir jeweils den Angriff und die entsprechende Parade. Eine gute halbe Stunden trainierten wir das im Akkord.

    Alle kamen wohlgenährt und ausgeruht auf den Platz. Auch der Centurio hatte sich vor einigen Minuten dort schon eingefunden. Langsam nahm der Exerzierplatz wieder unsere völlige Aufmerksamkeit in Anspruch und auch der Letzte hörte auf mit seinen Gesprächen. Alle standen wieder in einer Reihe und nahmen gewohnt Haltung an.

    "GUTEN MORGEN, CENTURIO!!!", riefen wir alle.


    Der Morgen war neblig und feucht. So wie jeder Morgen in Germania. Doch ich mochte das Wetter irgendwie, war mal was neues. Vom Wasser her kam eine frische Brise zu uns. Wir sogen sie in uns ein und wurden langsam wach. Das würde wieder ein schwerer und ereignisreicher Tag werden.

    Nach einigen Tagen rief der Centurio sie wieder zum Kai. Auch diesmal war ihre Übung unbekannt. Sie kamen über den Platz zum Kai, wo schon der Centurio auf sie wartete. Dann stellten sie sich in einer Reihe vor ihn und nahmen Haltung an.

    Ich sammelte innerlich wütend mein Gladius auf und stellte mich dann zu Quintus, der schon wartete und sein Gladius bereithielt.


    "In Ordnung, Pictor, soll ich zuerst?", fragte er mich mit einem verschlagenen Grinsen, das viel verriet.


    "Tu dir keinen Zwang an, ich weiß ja jetzt, wie ich es in etwa machen muss! Zuerst von vorn.", antwortete ich lächelnd.


    "Geht klar!", sprach er mit ernstem Blick. Dann tat er einen weiten Ausfallschritt und zielte auf meinen Bauch.


    Ich schlug den Gladius zur Seite weg und drehte dabei meine Hüfte raus, wie es der Centurio gezeigt hatte. Dabei war ich aber nicht schnell genug und fing mir einen Stich in die Seite ein. Kurz schmerzte es höllisch, dann ging es wieder.


    "Nochmal!", sagte ich fordernd.


    Er nahm nochmal Stellung ein und tat den gleichen Schritt nochmal. Die Parade. Hüftdrehung. Und diesmal klappte es auf Anhieb. Mit einem Lächeln sagte ich ihm:


    "Komm, jetzt von oben!"


    "In Ordnung.", bestätigte er.


    Der Schlag kam schnell und einigermaßen präzise. Doch ich parierte den Schlag. Ich wusste selbst nicht, wie das kam. Vielleicht hatte mein Vetter Cyprianus doch Recht gehabt: das Soldatentum lag uns in den Genen.


    Schließlich wechselten wir die Rollen. Ich war Angreifer, er Verteidiger. So trainierten wir gut eine halbe Stunde.

    "Ja, Centurio!"


    Noch immer etwas sauer, dass ich einfach so ins Leere geführt worden war, trat ich wieder an den Centurio heran. Fest umschloss ich den Griff und hob dann den Arm. Mit einem geraden Bewegung schlug ich von oben nach unten mit dem Gladius.

    Der Centurio hatte uns wie jeden Morgen auf den Platz zum Laufen gerufen. Wir standen noch schläfrig vor ihm, versuchten aber trotzdem, Haltung anzunehmen.


    "Guten Morgen, Probati! Wie jeden Morgen dürft ihr auch heute wieder euer Blut in Wallung bringen. 10 Runden! Ab!"


    Wir liefen erst langsam an und wurden dann schneller. Unser Puls kam langsam auf Hochtouren und wir begannen zu schwitzen unter der Ausrüstung. Ich rannte wie jeden Morgen neben Quintus einher. Wir hatten uns auf unser gegenseitiges Tempo eingependelt. Nach Wochen voller Dauerläufe hatte ich eine gute Kondition bekommen. Wir redeten also nebenbei, jedoch so leise, dass es der Centurio nicht hören konnte. Nach ca. 20 Minuten angestrengtem Laufen hatten wir die 10 Runden geschafft und verschnauften ein wenig. Dann stellten wir uns wieder vor dem Centurio in einer Reihe auf.


    "In Ordnung, Probati! Morgen will ich das ganze von jedem unter 20 Minuten sehen, oder alle rennen pro überzogene Minute eine Extrarunde. Ab zum Frühstück!"


    Quintus und ich gingen feixend und lachend zum Zelt, um zu frühstücken.

    "Ja, Centurio!"


    Ich nahm den Gladius in die rechte Hand und wog ihn kurz. Er lag gut in der Hand. Dann schloss ich meine Hand fest um den Griff. Schließlich stand ich vor dem Centurio und tat einen schnellen Schritt auf ihn zu. Es sah ziemlich unbeholfen aus.

    "JA, CENTURIO!!!", sagten wir alle im Chor und gingen dann auseinander. Manche gingen zur Latrine, andere zum Zelt, wieder andere wollten gleich zum Medicus.


    Ich ging zusammen mit Quintus zum Feuer. Dort erzählten wir noch etwas, während wir uns eine Fischsuppe mit Brot schmecken ließen.

    Zitat

    Original von Tiberius Classicus


    Ruhig stehen, Probatus!! Verteile das Gewicht besser, noch immer zuviel auf dem hinteren Fuss!


    "Ja, Centurio."


    Ich verlagerte das Gewicht nun weiter auf den vorderen Fuß. Nun hatte ich das Gefühl, stabiler zu stehen.


    Zitat

    Original von Tiberius Classicus


    Und du da hinten, das Scutum hoch, oder muss ich nochmal bei 0 anfangen?


    Der Mann nahm pflichtbewusst das Scutum höher.

    Ich schlug ein. :dafuer: Der Wettstreit war also geplant.


    "Ja, die Jury stelt die Fragen. Ich denke wir belassen es erst einmal bei römischer Literatur. Das wird ein wunderbarer Wettstreit. Und ich verspreche, dass vor und nach dem Wettstreit kein Zwist zwischen uns stehen wird. Auf einen fairen Wettstreit!"