Wieder einmal besuchte Crispus das Haus des Töpfers Sigubald, wieder einmal nicht wegen des Hausherrn, sondern wegen dessen Tochter. Wie immer ging durch den Laden hinein, grüßte Gisil und fragte nach ihrem Befinden.
"Heile, Gisil! Wie geht's dir? Ist Heila da?"
"Ja, ja, sie hinten ist!"
antwortete sie prompt und schenkte ihm ein Lächeln. Sie konnte eigentlich schon Latein, aber hin und wieder hatte sie Probleme mit der Grammatik. Crispus ging weiter und sog den erdigen Geruch eines Töpferhauses ein.
Sofort entdeckte er seine Quasi-Frau, die am Herd stand und kochte. Irgendwas war diesmal anders...sie hatte doch zugenommen! Mit einem warmen Lächeln drehte sie sich zu ihm und ging raschen Schrittes auf ihn zu.
"Marcus, ich muss dir etwas sagen!"
Irgendetwas lag in der Luft - eine Sache, die dem Centurio überhaupt nicht gefiel!
"Was gibt's?"
fragte er möglichst unbefangen, doch Heila warf sich an seinen Hals und hauchte
"Ich bin schwanger! Ich bin so glücklich!"
Marcus hingegen war völlig perplex. Schwanger? Heila? Sie würde ein schreiendes Bündel bekommen, das sie in Beschlag nahm, groß wurde, Geld kostete, Zeit...und er war Soldat und konnte jederzeit ins ferne Parthia versetzt werden oder nach Untergermanien oder nach Ägypten? Wie sollte er Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen? Und überhaupt, eigentlich war er doch zur Ehelosigkeit verpflichtet - gut, andere hatten auch Familie in der Stadt, aber jetzt war er selbst davon betroffen!
"Und...und jetzt? Wie lange wird das jetzt dauern, bis das da ist?"
fragte er noch immer voller Gedanken und Verwirrung.
"Ja freust du dich denn gar nicht? Wir kriegen einen Sohn - oder eine Tochter! Ich dachte, du freust dich..."
Crispus löste die Umarmung und schnaufte ein, zweimal. Sie hatte eigentlich recht - er sollte sich über seinen Stammhalter freuen! Jetzt würde er einem kleinen Jungen beibringen können, wie man kämpfte, wie man Hütten im Wald baute, Bäche aufstaute - endlich einen Ausgleich zu diesem harten und unbarmherzigen Lagerleben!
"Ich freue mich, Heila!"
Er sah sie liebevoll an und umarmte sie wieder, woraufhin sie vor Freude quietschte.
"Ach, ich freu' mich so, Marcus!"
Wie sie so dastanden, öffnete sich plötzlich die Tür zum Hof und Sigubald erschien in seiner Arbeitskleidung und -sauberkeit (also keiner). Etwas misstrauisch blickte er auf die traute Zweisamkeit.
"Was is' los? Gibt's 'ne Gehaltserhöhung?"
| Legionarius Brutus