Beiträge von Marcus Petronius Crispus

    Crispus vernahm von Ferne den Befehl des Praefectus Castrorum, der noch immer eine anständige Lautstärke hatte, obwohl Corvus lange keinen aktiven Kasernendienst mehr hatte. Sicherheitshalber wiederholte er den Befehl - nicht dass jemand behaupten konnte, er hätte es nicht gehört!


    "Linea Prima - progredite!"


    Hinter sich hörte er die synchronen Schritte seiner Männer. Diesmal hatte er keine Zeit zur Vorkontrolle gehabt - hoffentlich hatten sie sich trotzdem ordentlich gereinigt und poliert! Wenn nicht, würde es drakonische Strafen geben - wenn er etwas fand, war es nicht so schlimm, aber dem Legatus Legionis hatte man sich blitzsauber zu präsentieren!

    Prompt bewahrheiteten sich die Vorahnungen des Optios, denn Crispus war in Feierstimmung und hatte sich mit seinem Kollegen vom Nachbarblock zerstritten, als es um die Einteilung der Wache ging - Crispus hatte die Wache während der Hälfte der Saturnalien bekommen, nur weil sein Kollege ein wenig Beziehungen hatte spielen lassen.


    "Wollen wir vielleicht in die Stadt sehen - war wegen der Ausgangssperre lange nicht mehr dort!"


    Der Centurio nahm einen Schluck.

    Crispus lächelte. Offensichtlich traute sich Reatinus noch nicht so recht, ihm zu widersprechen oder eigene Ideen einzubringen. Aber er war ja gerade erst befördert worden und an ihn als Vorgesetzten gewöhnt. Wer konnte ihm da also etwas vorwerfen?


    "Ja. Nur eines noch: Privat darfst du mich gerne Crispus nennen. Der Centurio Petronius ist für den Dienst mit den Männern reserviert."


    Er holte den inzwischen aufgewärmten Glühwein herbei.


    "Möchtest du einen Schluck?"


    Anstatt jedoch die Antwort abzuwarten goss er zuerst sich, dann Reatinus ein und trank einen Schluck.


    "Hast du heute noch etwas vor?"

    Crispus überlegte kurz, als Reatinus fragte. Heute waren die Männer gut beschäftigt gewesen. Zusätzlich war das Wetter schlecht. Vielleicht war eine ruhigere Herangehensweise doch besser...andererseits war jetzt die Haupttrainingszeit - wer wusste schon, ob im Sommer neue Operationen geplant waren?


    "Nunja, das hängt vom Wetter ab, würde ich sagen. Wenn es regnet, sollten wir das ganze etwas ruhiger gestalten - vielleicht einen kleinen Morgenlauf, dann ausführliche Materialreinigung. Wenn es besser ist, können wir aber auch auf den Exerzierplatz und ein wenig taktische Bewegungen üben - wir sind noch etwas schwach bei der Testudo. Was meinst du?"

    Zustimmend nickte der Centurio zur Einschätzung seines Optios. Genau das hatte er sich schließlich auch gedacht. Als er dann jedoch den Grund bei sich sah, lächelte Crispus freundschaftlich. Offensichtlich fehlte es Reatinus an Selbstsicherheit!


    "Nein, nein. Du warst...großartig! Du hast Dich ja schon bei Übungen bewiesen und heute warst du gut wie immer. Die Männer sind einfach ein wenig faul, da kannst du nichts dafür."

    Als der Legatus auftauchte, befahl Crispus wie alle anderen Centuriones


    "Milites state!"


    Dann drehte er sich um, nahm seinen Platz vor der Truppe ein und wartete, was heute wieder anstand. Wahrscheinlich wieder Kontrolle - denn was sollte man sonst mitten im Winter tun?

    Crispus und Reatinus durchquerten das Castellum, bis sie endlich an ihrem Kasernenblock ankamen. Die ganze Zeit hatten sie nichts gesagt, doch in Gedanken hatte Crispus das Training Revue passieren lassen. Reatinus hatte sich für das erste Mal volle Kontrolle über eine Einheit wacker geschlagen. Es war schließlich nicht seine Schuld, dass die Männer über den Winter gelegentlich etwas faul wurden!


    "So, da wären wir."


    sagte er endlich, als sie vor seiner Porta standen und eintraten. Der Centurio führte Artorius ins Officium, wo er einen Stuhl bereitstellte und zum Ofen ging, auf den er einen Topf mit Würzwein stellte. Crispus liebte Glühwein!


    "Wie fandest du die Männer heute?"


    fragte er dann und setzte sich auf den eigenen Stuhl.

    Crispus verabschiedete sich schweren Herzens von seinem Onkel. Irgendwie hatte er die Ahnung, dass er ihn für sehr lange Zeit nicht mehr wieder sehen würde.


    "Mach's gut, Onkel Varus. Und grüß' Livia von mir. Möge Merkur Dich begleiten."


    Er umarmte seinen alten Onkel und begleitete ihn bis zur Tür. Danach saß er still an seinem Schreibtisch - an Arbeit war für heute nicht mehr zu denken!

    Zitat

    Original von Manius Pompeius Trimalchio
    "Nein den habe ich nicht. Wo kann ich einen Termin vereinbaren?"


    Sim-Off:

    oh, sorry - voll übersehen!


    | Legionarius Brutus
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    Während eine Schneeflocke auf seiner Nase schmolz, antwortete Brutus knapp


    "Warte hier, ich lass' nachfragen."


    Sofort drehte er sich um.


    "Quintus, geh' zum Principia und frag' beim Scriba vom PC nach!"


    Dann drehte er sich um.


    "'bist nicht aus der Gegend, oder?"


    Quintus würde ohnehin ewig brauchen und ein Plausch mit Händlern war immer gut - vielleicht gab es ja Neuigkeiten!


    Der Centurio hatte die Männer ebenfalls weiter angetrieben. Manche warfen, als hätten sie noch nie ein Pilum in der Hand gehabt. Wer wohl ihr letzter Centurio gewesen war? Naja, wahrscheinlich war er selbst schuld - als Optio hätte er damals härter sein müssen. Nun musste er die Fehler ausbügeln.
    Plötzlich brach ein Gewitter los - oder war es sogar Hagel? Auf jeden Fall klapperte es ordentlich auf den Metallhelmen, was bedeutete, dass sein Bursche heute alles säuberlich reinigen musste - und natürlich trocknen! Denn ein rostiger Helm war eines Centurios nicht würdig!
    Er wollte gerade abbrechen, als Artorius die Sache für ihn übernahm.


    "Und vergesst nicht, eure Rüstungen zu trocknen - und zu reinigen!"


    fügte er an, dann gab er den letzten Tagesbefehl


    "Milites abite!"


    Während sich seine Männer auf den Weg zu ihren Unterkünften machten, packte Crispus wahllos einen von ihnen heraus


    "Legionarius, du und dein Contubernium räumen die Sachen auf - und machen sie sauber!"


    Man konnte dem Legionär die Enttäuschung über den versauten Abend sofort ansehen, aber er bestätigte widerwillig und rief seine Freunde zusammen. Der Centurio ging unterdessen zu seinem Optio


    "Optio Artorius, du kommst noch kurz mit zu mir!"


    Dann ging er gemeinsam mit ihm zurück ins Castellum, wo sie ihren Kasernenblock aufsuchten.

    Wenige Minuten später erschien auch Crispus, der seine Centurie aus dem Schlaf gerissen hatte - genauer gesagt hatte es der Cornicen gemacht, aber auf seinen Befehl hin.


    "Los, los! In Aciem venite!"


    Sein Helm wackelte leicht, als er aus vollem Halse brüllte - deswegen band er ihn noch einmal etwas fester.

    Crispus betrachtete den Sklaven. Ob der feine Herr keine Lust hatte, zu trainieren? Er kam extra und überließ dem Optio die Aufgaben und dann kam der junge Herr später? Na, der würde sein blaues Wunder erleben....aber vorerst nickte der Centurio und nahm wieder. Vielleicht eine Runde schlafen...

    http://www.imperiumromanum.net…va_galerie/Legionaer9.jpg | Legionarius Brutus
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    Wieder hatte Brutus Dienst und betrachtete gerade die kleinen Schneeflocken, die den Boden beflockten, als ein Fremdling eintraf.


    "Hast du einen Termin?"


    blaffte er den Händler an, der hier offensichtlich ein wenig handeln wollte und nicht sehr gut vorbereitet wirkte.




    http://www.imperiumromanum.net…/leg2-legionarius.png</a>

    Der Centurio verfolgte die Übungen. Wie sich hier manche anstellten - da musste er richtiggehend einschreiten!


    "Was ist das denn?"


    Hart fuhr sein Stock in die Rippen eines Soldaten, der aufstöhnte und sich die Seite hielt.


    "Was? Lässt du dein Scutum fallen, wenn ein riesiger Germane dich anstuppst? Los, auf den Boden! 30 Liegestütze!"


    Erst war der Legionär verwirrt, dann ließ er sich rasch fallen und begann fleißig, seine Strafarbeit abzupumpen. Crispus sah gar nicht zu, sondern ging zum nächsten


    "Weitermachen, los!"

    Crispus nickte. Das war ein durchaus trauriges Schicksal und beim 'Bluthusten' musste er an einige verstorbene Kameraden in den Valetudinarien denken. Männer mit Lungentreffern husteten Blut.


    "Das ist sehr traurig, aber vielleicht ist der Abschied ja nicht entgültig."


    Ein Kamerad, der in Achaia stationiert gewesen war, rühmte ununterbrochen die griechischen Lupae, soweit er wusste. Und die Bedrücktheit seines Onkels hielt er eher für eine Phase. Wenn Beziehungen in die Brüche gingen, waren auch manche seiner Männer bedrückt. Aber bisher hatten sich alle erholt.


    Andererseits war Varus ein relativ alter Mann...vielleicht war es tatsächlich die Frau seines Lebens gewesen...


    "Schade, dass du uns verlässt - aber du bist ja nicht aus der Welt!"

    Crispus kratzte sich am Kopf. Alessa war die Verlobte von Varus, aber er hatte sie nur zweimal gesehen, soweit er wusste. Und das war vor Jahren gewesen. Jetzt war sie offensichtlich tot und hatte damit ein Loch in das große Herz des lieben Onkels gerissen. Noch einmal erhob sich der Petronier und schenkte sich selbst und seinem Onkel nach.


    "Wann? War es...absehbar?"


    Er konnte sich kaum erinnern, aber besonders gesund hatte sie ihm nie gewirkt...

    Crispus war nach den Saturnalien wieder voll in den Alltagstrott des Castellums eingespannt und fertigte einen Bericht an, als es klopfte und er "Herein!" rief.


    Als Varus das Officium betrat, sprang er auf. Irgendwie wirkte der Onkel seltsam, trotzdem umarmte er ihn herzlich und erwiderte seinen Gruß.


    "Onkel Varus, was treibt Dich denn zu uns?"


    Er strahlte übers ganze Gesicht.