Die Worte des Auguren waren nichts Neues für den Tiberier, der den Zorn der Götter am eigenen Leib erfahren hatte: Sein Atrium war abgebrannt, sein Schlafzimmer wie das Tablinium und der Wiederaufbau würde vermutlich Unsummen verschlingen. Aus diesem Grund hatte er allerdings keine Zeit gehabt, sich um den Tempel der Concordia zu sorgen, den er als Arvalbruder regelmäßig aufsuchte. Er wusste eigentlich nur, dass der Blitz das Gebäude sehr entstellt hatte.
Als nun Gracchus das Wort ergriff, erstarrte Durus: Er war nicht eingeweiht und der zweite Teil der Rede war geradezu hochverräterisch! Der Flavier sprach Valerianus damit ja geradezu seine Kompetenz als Haupt des Staates ab, als oberster Priester und Garant der Pax Deorum! Es hätte Durus nicht gewundert, wenn er im Weiteren die Absetzung von Valerianus gefordert hätte, was er jedoch nicht tat, sondern stattdessen auf eine Art politische Taktiererei umschlug. Im Grunde wollte er dieses Prodigium (denn was war ein Blitzeinschlag in einem Tempel sonst?) nur dem Kaiser in die Schuhe schieben - etwas, was Durus durchaus verstehen konnte, denn er konnte der Ansicht des Gracchus nur zustimmen. Im Grunde fand er es sogar sehr mutig, was gesagt worden war.
"Ich unterstütze den Antrag des Pontifex Flavius."
sagte er knapp, denn er wollte ihm den Rücken stärken und außerdem hatte es für ihn sowieso keinen Sinn zu kuschen: Einerseits, weil er dem Kaiser ohnehin schon in den letzten Sitzungen mehrmals widersprochen hatte, andererseits, weil er sich dem Staate, nicht aber der Person des Kaisers verpflichtet fühlte.
Andere waren wiederum etwas vorsichtiger und ein glatzköpfer, übergewichtiger Pontifex räusperte sich und fragte vorsichtig:
"Sollten wir nicht die Haruspices beauftragen, den Grund für die Störung des göttlichen Friedens aus der Leber eines Stieres zu lesen?"
Durus legte den Kopf schief. Ob er sagen sollte, dass die Unfähigkeit des Pontifex Maximus so offensichtlich war, dass es klar auf der Hand lag, dass er an all dem schuld war? Aber vielleicht war es vorerst geschickter, abzuwarten, was andere dazu sagten...
"Man könnte auch die Sibyllischen Bücher befragen, welcher Gott überhaupt zürnt, oder ob es der gesamte Pantheon ist, der uns missgünstig gestimmt ist."