Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus nahm den Brief und las ihn noch einmal durch. Er war tatsächlich ein wenig kurz, doch andererseits war er eben kein großer Briefeschreiber. Daher kommentierte er ihn mit einem Nicken und unterschrieb.

    Tiberius Durus Caeciliae Calenae s. d


    Ich danke dir für deinen Brief und deine Sorge um mich.


    Ich bin wohlbehalten zu Hause angekommen, habe aber offensichtlich ein wenig zu lange mit dem Kühlen gewartet. Ich hatte ein paar kleine blaue Flecken. Mir geht es allerdings bereits wieder gut. Dank der Kühlung habe ich kaum Schaden davongetragen.


    Zum Dank für Deine Hilfe bitte ich Dich, diesen Strauß mit Blumen anzunehmen. Es ist gut, dass es noch Menschen wie Dich gibt, die einander helfen.Ich hoffe, Dir auch eines Tages etwas Gutes tun zu können!


    Vale!


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    Auf die Frage nach den Blumen hin musste Durus überlegen - Herbstblumen? Was waren denn Herbstblumen?


    "Sieh einfach, was du bekommst. Ich weiß nicht so, was einer jungen Frau besser gefällt."


    antwortete er schließlich und ließ sich auf sein Bett zurückfallen. Nun hatte er diese komplizierte Aufgabe auch geschafft.


    "Du darfst dich entfernen."

    Stesichoros, der Ianitor, schlich durch die nächtliche Domus und öffnete vorsichtig die Tür zu Arvinias Zimmerflucht. Dort legte er den Brief und die Blumen auf ein Tischchen, sodass sie sie wohl direkt beim Eintreffen sehen musste.


    Mn Aurelius Orestes Tiberiae Arviniae s.p.d.


    Verehrteste Arvinia, in dem Moment, in dem ich Dir diesen Brief schreibe fällt mir etwas merkwürdiges auf. Zum einen ist mir unsere Begegnung noch so präsent, dass ich Dein Lachen noch in meinen Ohren und Dein Lächeln noch in meinen Augen wahrzunehmen meine. Zum anderen scheint es mir, als ob wir uns schon Monate nicht gesehen haben – so jedenfalls macht mich meine Sehnsucht glauben. Beides – und darin scheinen beide Wahrnehmungen in eins zu fallen – bringt mich aber dazu, auf ein baldiges, ja sehr baldiges Wiedersehen zu hoffen. Ich hoffe, dass dieser Brief und diese Blumen, die ich mitschicke, in Dir denselben Wunsch erwecken oder nähren mögen, den auch ich habe: Dich in Bälde wiederzusehen. Leider sind die nächsten Tage bei mir so gedrängt, dass es kaum möglich sein wird, doch müssen wir dabei nicht verzagen (auch wenn mein Herz bei dem Gedanken Dich nicht sofort wiederzusehen verzagen möchte!), denn noch vor den Kalenden des October möchte ich mein Versprechen wahrmachen. Im kleinen Theater des Balbus geben sie drei Tage vor den Kalenden eine Pantomime der Orestie – und wenn es von Deiner Seite aus möglich wäre, wäre es mir eine große Freude Dich dorthin führen zu können.


    In verehrender Verbundenheit
    Vale
    Dein Manius Aurelius Orestes.

    | Stesichoros


    Stesichoros nahm den Brief und die Blumen und fragte sich dabei, ob da etwas zwischen diesem Orestes und Tiberia Arvinia lief. Doch ihm stand es natürlich nicht zu, darüber auch nur zu denken und daher verzichtete er darauf.


    Stattdessen überlegte er, ob er damit ins Triclinium hereinplatzen sollte oder doch lieber das Zeug auf ihr Zimmer bringen sollte.


    "Wunderbar!"


    kommentierte er noch, dann gab er die Tabula zurück und hatte einen Entschluss gefasst.




    "Gut. Natürlich geht er noch ein wenig weiter!"


    sagte Durus und rappelte sich erneut etwas auf. Einen Augenblick musste er überlegen, was er bereits geschrieben hatte. Soweit er sich erinnerte, hatte er mit dem relativ guten Ende der Verletzung geendet.


    "'Zum Dank für Deine Hilfe bitte ich Dich, diesen Strauß mit Blumen anzunehmen. Es ist gut, dass es noch Menschen wie Dich gibt, die einander helfen.'"


    Das klang ziemlich pathetisch. Nunja, Durus liebte ja auch pathetische Worte!


    "'Ich hoffe, Dir auch eines Tages etwas Gutes tun zu können!


    Vale!' und dann unterschreibe ich noch selbst."


    Der Brief war nun doch etwas kurz, doch Durus wusste nicht mehr, was er weiter schreiben (lassen) sollte. Daher musste er wohl oder übel aufhören.

    Durus lächelte schmal. Ganz offensichtlich wollte Germanicus Sedulus wissen, was er hätte tun sollen, um eine Diploma zu erhalten. Oder genauer gesagt: Er war sich wohl sicher, dass er eine verdient hatte und wollte ihn jetzt festnageln. Doch darauf wollte Durus wiederum nicht eingehen.


    "Du meinst, was du hättest tun sollen? Nun, da gibt es viele, verschiedene Möglichkeiten - es ist einfacher, die Sache negativ zu definieren: Die tatkräftige Unterstützung des Statthalters erwarte ich von einem Provinzialquaestor - das ist für mich keine außergewöhnliche Leistung. Was man als außergewöhnlich betrachten kann, ist überaus vielseitig und sollte daher wohl nicht von mir auf irgendwelche Einzelfälle beschränkt werden.


    So etwas kann man nur anhand guter Informationen und Beurteilungen entscheiden, insbesondere bei Magistraten, die unter dem Imperium eines anderen Magistraten arbeiten."


    Das war zwar noch immer ziemlich wage, doch Durus hatte wirklich keine Lust, mit dem jungen Senator über Einzelfälle zu diskutieren.

    Durus glaubte, einen leichten Ärger aus der Stimme herauszuhören, doch er ignorierte ihn. Von einem jungen, neuen Senator ließ er sich nicht aus der Fassung bringen. Irgendwie schien ein Fluch zwischen den Germanicern und ihm zu hängen.


    "Das ist sehr unterschiedlich bei den verschiedenen Magistraturen, Germanicus. Für einen Aedilen könnten es beispielsweise besonders opulente Spiele sein, für einen Consul vielleicht eine umfassende Reform, die besonders viel Arbeit bedeutet. Doch pauschal kann ich das nicht sagen: So etwas muss im Konsens des Senates bestimmt werden."


    Ob Sedulus es wagen würde, ein Diploma zu fordern?

    "Das stimmt."


    pflichtete Durus dem Consul bei. Aelius Quarto hatte manchmal wirklich verblüffend einfache Lösungen für kompliziert wirkende Probleme: Verkaufte man das Lager eines Betriebes zum Betrieb dazu, wurde das ganze wirklich simpel gelöst und hatte auf den ersten Blick keine Nachteile.


    In diesem Augenblick erschien eine junge Dame in der Tür, die sich als Arvinia entpuppte. Sie hatte sich wirklich recht hübsch gemacht, doch sie hatte sich wirklich ziemlich verspätet. Er wollte schon zu einem 'Du bist spät!' ansetzen, als sie sich auch schon entschuldigte - wahrlich ein wohlerzogenes Mädchen! Er deutete auf den Platz neben Flavius Gracchus, der ja auf der Kline der Familie lag und meinte


    "Nimm Platz. Wir sind schon beim zweiten Gang."


    Dann blickte er in die Runde. Er bemerkte nicht, dass zwischen Orestes und Arvinia eine besondere Bande bestand - so etwas bemerkte er grundsätzlich immer als letzter! Daher begann er eine kleine Vorstellungsrunde.


    "Das ist Tiberia Arvinia, meine Cousine. Arvinia, das sind Flavius Gracchus, ein Freund von mir, Aelius Quarto, der amtierende Consul, Purgitius Macer und seine Cousine Purgitia, Aurelius Corvinus, Aurelius Orestes und Flavius Aristides."


    Damit war das Gespräch kurzzeitig unterbrochen, doch sicherlich würde es rasch wieder in Gang kommen.

    "Und an dieser Stelle stelle ich mir die Frage, ob diese Regelung verhältnismäßig wäre: Ein dreimonatiges Versagen des Wahlrechts ist zweifellos für einen am Gemeinwesen interessierten Menschen eine schlimme Strafe - doch eine Arbeitsstrafe in einem Bergwerk, die die Hälfte der Menschen keine drei Monate überlebt, könnte doch schwerwiegender sein.


    Folglich denke ich, dass man zuerst über neue Bestrafungsmethoden reden müsste, ehe man über ihre Einteilung in Kategorien spricht. Möglicherweise wäre es auch weise, die Zuteilung zu verschiedenen Gerichtshöfen nach dem Typ des Deliktes zu bestimmen, wie es von den Maiores praktiziert wurde."

    Wenn Durus gewusst hätte, was der Germanicer dachte, hätte er vermutlich voller Zorn herumgebrüllt, da er selbst ebenfalls keine Diploma für alle seine Amtszeiten erhalten hatte, obwohl er auch niemals verklagt worden war. Doch so dachte er sich nur, dass der junge Senator sich wohl ärgerte, weil Durus ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Und damit konnte er sehr gut leben.


    "Diesen Vorschlag kann ich ebenfalls nur unterstützen. Dennoch möchte ich unterstreichen, dass man vor längerer Zeit von der pauschalen Vergabe von Diplomae abgekommen ist, eben weil man sie als etwas Besonderes erhalten wollte. Wenn wir jedem, der seine Magistratur ohne eine Klage absolviert, müssten wir das nicht jedes Mal umständlich diskutieren, sondern könnten einfach eine gesetzliche Regel festlegen und damit mehr oder weniger die alte Ornamenta-Regelung reaktivieren.


    Aber ich denke, dass der Senat es sich vorbehalten sollte, für außergewöhnliche Leistungen Diplomae zu verteilen - oder auch Inscriptiones zu Ehren der Magistrate verfasst, wenn dies Deiner Meinung nach angemessener ist als ein Diplom des Senates."


    Immerhin war es ja immer wichtig, wer ein Diplom ausstellte (dass beispielsweise vor einigen Jahren ein hispanisches Diploma wenig wert war, hatte sich schließlich auch herumgesprochen!).

    Zitat

    Original von Tiberius Prudentius Balbus
    "Tiberius, ich danke dir und bin hocherfreut darüber dich unter unseren Gästen zu wissen." sagte Balbus und nahm das Geschenk entgegen. Im Gegensatz zu allen anderen Geschenken, würde er diesem tatsächlich auch gleich schon seine Aufmerksamkeit schenken, denn natürlich verstand er die Andeutung des Tiberiers.


    Nachdem Durus den Dank für sein Geschenk durch den Bräutigam aufgenommen hatte, begab er sich etwas aus der Schusslinie, um den übrigen Gratulanten Gelegenheit zu geben, das glückliche Paar zu beglückwünschen. Tatsächlich hatte der Tiberier den Eindruck, dass die Eheleute sich ziemlich zugeneigt waren - was bei den arrangierten Ehen in diesen Kreisen wahrlich nicht unbedingt zu erwarten war!


    Einen Augenblick überlegte er, ob er zu Caecilia gehen und sie begrüßen sollte, doch diese war offensichtlich gerade in ein Gespräch mit ihrem Verwandten, dem wohl zweitmächtigsten Mann Roms, vertieft und Durus hatte wenig Lust, mit diesem zu sprechen - er verabscheute es, dass die wahre Macht im Imperium in den Händen von Emporkömmlingen wie diesem ruhte!


    So schlenderte er ein wenig durch den Raum, grüßte hier und da ein bekanntes Gesicht (darunter auch Purgitius Macer), während er andere Gesichter eher vermied. Wann es wohl tatsächlich beginnen würde? Er hatte schon gedacht, er hätte sich verspätet!

    Durus zog gar nicht in Betracht, dass der alte Consul Flavius Gracchus absichtlich nicht erwähnte - vielmehr ging er davon aus, dass Gracchus' Amtszeit einfach nicht bemerkenswert gewesen war (was er aus seiner Erinnerung auch nicht bestreiten konnte).
    Was der Consul da vortrug, klang für Durus allerdings auch nicht sonderlich bemerkenswert: Er konnte sich nicht erinnern, wann der letzte Quaestor verklagt worden wäre - warum auch? Im Grunde waren dies doch ohnehin Verwaltungsposten, die irgendeinem höher gestellten Magistraten zuarbeiteten. Wenn jemand verklagt wurde, dann waren es diese höheren Magistrate! Auch seine Praetur hatte kein juristisches Echo gefunden - war das allein schon eine Leistung?


    "Meiner Meinung nach sollte ein Diploma vom Senat nur dann ausgestellt werden, wenn ein Magistrat Außergewöhnliches geleistet hat. Aus deinen Ausführungen geht für mich daher nicht so recht hervor, was bei den beiden Herren außergewöhnlich wäre.


    Haben sie etwas über das hinaus getan, was man von einem pflichtbewussten Quaestor erwarten kann?"

    Durus war zuerst zufrieden, dass der Consul ihm zustimmte und hoffte schon, dass man seinem Einwurf vorbehaltslos zustimmte, als Quarto eine Detailfrage äußerte, die für den Tiberier völlig auf der Hand lag.


    "Es geht genau um die Dinge, die Aurelius bereits bemerkt hat. Man kann verschiedene zeitliche Strafen schwierig miteinander vergleichen - entspricht eine zeitliche Arbeitsstrafe beim Straßenbau der in einer Eisenmine? Wohl kaum! Ich denke, dass man diesen Paragraphen erst sinnvoll neu definieren kann, wenn man das übrige Strafrecht kritisch überarbeitet und die alten Strafen angepasst hat."

    | Stesichoros


    Endlich erkannte Stesichoros, dass das Mädchen offensichtlich stumm war. Er nahm die Tafel in die Hand und versuchte zu lesen. Zwar hatte er dies vor langer Zeit einmal leidlich gelernt, dennoch bereitete es ihm von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten, längere Texte zu lesen. So las er, während er dazu die Lippen bewegte. Dass sie zum Hause Aurelia gehörte, war schonmal eine gute Visitenkarte - andererseits konnte das jeder behaupten! Und warum persönlich? Musste das denn sein?


    "Kann ich den Brief auch für dich überbringen?"


    fragte er und hoffte, dass die Botin wenigstens nicht taub war. Wenn er es selbst tat, war es in jedem Fall sicherer für die Familie, denn ein Brief konnte wohl kaum gefährlich werden.




    In Catos Laden? Durus erinnerte sich nur daran, dass dort Möbel angeboten wurden! Vielleicht wusste Crista das nicht, vielleicht gefiel Frauen so etwas aber auch. Andererseits eigentlich nicht - zumindest kam Durus ein solches Geschenk irgendwie...unpassend vor. Und als Treffpunkt war es wohl kaum geeignet, denn Durus war seit Jahren nicht mehr Einkaufen gewesen (sogar sein Schneider kam zu ihm nach Hause).


    Plötzlich kam ihm, dass es fast so wirkte, als wolle die Sklavin ihn mit der jungen Caecilierin verkuppeln! Das war doch ziemlich gewagt von ihr - er war keine Zwanzig mehr!


    "Ich denke, ich kann schon selbst entscheiden, wann und wo ich mich treffen will. Ich habe dich nur nach einem Geschenk gefragt!"


    herrschte er sie an. Dann lehnte er sich wieder etwas zurück und seufzte.


    "Ein Blumenstrauß wäre wahrscheinlich das beste. Kannst du so etwas besorgen?"

    | Stesichoros

    Zitat

    Original von Tilla Romania
    Ja und so geschah es..


    doch kaum hatte sie die Tafel herausgekramt, schien hinter ihr etwas zu geschehen. Tilla trat beiseite und verzog sich bei dem Anblick der prächtig gekleideten Sklaven und Herren zur Seite. Mit offenen Mund starrte sie die Ankömmlinge an und klappte den Mund erschrocken zu, als sie Corvinus sowie Orestes gewahr wurde. Ei der Daus! Bloß weg hier! Tilla versteckte sich hinter einer Statue und wartete ab, bis sich die Lage beruhigt hatte. So? Konnte sie es jetzt wagen? Tief durchatmend stellte sie sich erneut vor der Tür auf, klopfte hörbar an und legte die Tafel zum Lesen bereit. Vorsichtig zupfte sie die Blüten im wunderbar duftenden Blumenstrauß zurecht und lauschte den jetzt hoffentlich ertönenden Schritten des Türstehers. Oder kam sie persönlich zur porta Tiberia und öffnete ihr. Mal abwarten...


    Salve, ich bin Sklavin Tilla vom Hause Aurelia und soll Tiberia Arvinia persönlich einen versiegelten Brief und diese schönen Blumen überbringen.


    Stesichoros war etwas verwirrt, als es spät am Abend noch einmal klopfte. Er war inzwischen bereits eingenickt und musste zuerst seine kleine Öllampe erneut entzünden, ehe er die Pforte öffnete. Leider ignorierte er die Tafel (er registrierte sie nicht einmal).


    "Was willst du?"


    fragte er daher unwirsch. Die Frau sah nicht so aus, als müsse man besonders freundlich zu ihr sein!




    Der zweite Gang wurde aufgetragen: Es gab geräuchertes Fleisch vom Rind, das stark mit Garum und anderen Gewürzen zu einem pikanten Geschmackserlebnis gemacht worden war. Die Sklaven trugen es auf silbernen Tellern auf. Der Koch selbst erschien und zerlegte das zusammenhängende Stück in mundgerechte Happen, dann griff er zu einer Kanne mit der Soße und übergoss das Fleisch damit.


    Unterdessen hatten andere Sklaven die Vorspeise abgetragen, um Platz für den ersten Hauptgang zu schaffen. Auch die Sklaven, die für die Getränke zuständig waren, hatten sich einen Augenblick verzogen - das Mulsum war durch den vollmundigen Wein aus Hispania ersetzt worden.


    Durus ließ sich nachschenken und kostete. Da er ihn etwas zu stark fand, winkte er den Weinmischer herbei und ließ ihn Wasser nachgießen. Wenn man nicht immer aufpasste, machten diese Sklaven doch, was sie wollten!


    Dann blickte er wieder zu seinen Gesprächspartnern.

    Endlich wurde der Paragraph einzeln behandelt und Durus hatte einen passenden Zeitpunkt, um seine Reform des gesamten Strafrechts anzudenken. Seit der letzten Debatte hatte er längere Zeit darüber nachgedacht und war zu dem Schluss gekommen, dass es besser war, alles komplett umzustellen, als einzeln an allen möglichen Gesetzen umherzuschustern, ohne letztendlich etwas Vernünftiges zu bekommen. Daher meldete er sich zu Wort


    "Das wäre möglicherweise eine gute Übergangslösung. Ich möchte allerdings die generelle Reform des Strafrechts noch einmal erwähnen. Mit dieser Regelung können wir vorübergehend die Weichen für eine Veränderung stellen, dennoch bin ich der Meinung, dass man dann fortfahren und alle Gesetze im Hinblick auf ihr Strafmaß prüfen muss. Ich denke, dass man im Anschluss die Einteilung der Straftaten noch einmal nachbessern muss.


    Insbesondere müsste dabei die Freiheitsstrafe in andere Möglichkeiten umgewandelt werden - ich habe dies ja bereits an anderer Stelle bemerkt."


    Er nahm Platz. Im Grunde trugen seine Worte nichts zu der eigentlichen Debatte bei, doch Durus fand, dass sie dennoch von großer Wichtigkeit waren: Das große Ganze durfte nicht vergessen werden!

    Durus verfolgte die weitere Debatte über die Marktgesetze nun ein wenig stiller - zumindest vorerst, denn er hatte sich selbst noch nicht allzu sehr damit beschäftigt. Seine Landgüter wurden ohnehin von Sklaven und Verwaltern bewirtschaftet, er selbst sah nur gelegentlich nach dem Rechten und hatte praktisch keinerlei Einsicht in die Marktsituation oder deren Probleme.


    Doch er wäre nicht Tiberius Durus gewesen, wenn er nach einiger Zeit nicht doch zumindest ein wenig seinen Senf zur Debatte hinzugegeben hätte. Daher meinte er


    "Außerdem würde der Verkäufer ja gewaltige Verluste einfahren. Bis er diese wieder ausgeglichen hätte, würde seine Monopolstellung zweifelsohne schon wieder verfallen sein."


    Er hatte gerade seinen Teller geleert und blickte hinüber zu der Sklavin, die wieder Platz neben der Purgitierin genommen hatte. Gegenüber unterhielt der Soldaten-Verwandte von Gracchus offensichtlich die politisch noch nicht so aktiven Gäste. Alles lief soweit ganz gut.


    Im Grunde war es bereits Zeit, den nächsten Gang zu servieren. Nach dem Essen debattierte es sich ohnehin besser! Daher nickte er dem Aufsicht führenden Sklaven zu, der wiederum Crista und den anderen ein Zeichen gab. Dann zogen sie sich zurück, um den nächsten Gang, der der erste Hauptgang sein würde, aufzutragen.

    Aurelius Corvinus hatte sich noch einmal geäußert und nun erhob sich der Rex Sacrorum, um die Stimmabgabe zu überwachen. Durus war gespannt, wie es ausgehen würde: Es gab Stimmen dafür, aber auch andere dagegen.


    Zuerst wurden natürlich die Flamines und höheren Pontifices befragt, die unterschiedlich abstimmten. Manche gaben bereitwillig ihre Zustimmung zu dem Plan, manche stimmten entschieden dagegen. Bei sehr vielen war es jedoch so, dass sie unschlüssig waren und letztendlich enthielten sich sogar einige.


    Als die Reihe an Durus kam, gab er seine Stimme gegen eine Gehaltserhöhung der Priesterschaft ab. Ihn hatte die Vorbringung nicht überzeugt, dass eine Notwendigkeit dafür bestand. Außerdem würde es wohl viele Betteleien ersparen, wenn man darauf verzichtete...


    Als nächstes wurde Flavius Gracchus zur Stimmabgabe aufgerufen.