Im neuen Jahr wurde Fabius Vibulanus erneut von Durus in die Villa Tiberia eingeladen. Es gab eine Aussprache zu führen, sodass Durus kaum, dass Vibulanus das Triclinium betreten und Platz genommen hatte, das Gespräch begann.
"Etwas Wein, Fabius?"
"Gern, danke!"
erwiderte dieser und sofort trat ein Sklave herbei und füllten den Pokal des Fabiers mit dunklem Mulsum... Eigentlich war die Sache nicht so schwierig, aber Durus war dennoch sehr nervös. Leichte Schweiß-Perlen standen auf seiner Stirn. Lange hatte er überlegt, wie er die Sache am besten vorbereitete, doch nun war ihm fast alles aus seinem Plan entfallen.
"Ein sehr guter Wein! Kastanie?"
Durus hatte keine Ahnung. Die dunkle Farbe sprach dafür, aber einen derartig feinen Geschmack hatte der Tiberier leider nicht. Er hatte den Cellarius einfach angewiesen, das beste aufzufahren, was die Villa zu bieten hatte.
"Ich glaube schon. Ich kann Oinophlyx fragen lassen, wenn du möchtest."
"Nein, nein, schon gut!"
Schließlich begann ein lockeres Gespräch über Politik, das Durus zunehmend entspannte. Zuerst ging es um die neuesten Gerichtsurteile, dann fuhr man mit dem senatorischen Tagesgeschäft fort. Aber auch die Saturnalien wurden zwischen dem letzten Hauptgang und der Nachspeise noch einmal angesprochen. Als die beiden Männer endlich den Honigkuchen gegessen hatten, wurde Durus wieder nervöser. Mehrmals nahm er seine Serviette und trocknete Hände und Stirn, ehe er vorsichtig fragte
"Wie geht es eigentlich deinen Kindern, Fabius?"
Der Fabier wirkte überrascht, danach gefragt zu werden. Dann jedoch begann er
"Gnaeus hat das Kommando über die Legionsreiterei bekommen, wie er schrieb. Außerdem scheint er ein fähiger Soldat zu sein - sein Legat hat mir geschrieben, ihn zu bitten, sein Tribunat zu verlängern. Vielleicht auch bei einer anderen Legion. Der Platz bei der I. scheint ja frei geworden zu sein, nachdem dein Cousin das Kommando übernommen hat..."
Er blickte einen Augenblick nachdenklich drein. Durus wusste um die lange militärische Tradition der Fabier - immerhin zählte Fabius Maximus Verrucosus, genannt "der Zögerer" zu ihren Ahnen. Und dieser hatte Hannibal von Rom ferngehalten! Er fuhr sich über das Kinn und stellte dabei fest, dass seine Finger recht kalt waren.
"Und deine Tochter?"
"Oh, der geht es auch gut. Sie ist mit ihrer Mutter nach Baiae gefahren - Rom ist ihr doch etwas zu kühl in dieser Jahreszeit."
Nachdenklich nickte Durus. Er würde auch lieber den Golf von Neapel besuchen als in der morgens recht kühlen Basilica Ulpia zu sitzen. Aber Amt war Amt!
"Soso."
Durus hasste sich an diesem Abend. Sonst konnte er ohne mit der Wimper zu zucken die absurdesten Anträge vor Gericht stellen. Er hatte schon wildfremde Ankläger als Hurenböcke oder Falschspieler bezeichnet, nur um seinem Mandanten den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Und jetzt traute er sich nicht, Fabius Vibulanus um die Hand seiner Tochter anzuhalten! Das war doch absolut lächerlich! Eben jener Fabier sah ihn nun neugierig an.
"Hast du denn bereits einen Gatten für sie gefunden? Ich erinnere mich, dass dir das vor kurzem Sorgen bereitet hatte..."
Tatsächlich lag diese Äußerung Monate zurück, aber Durus hatte natürlich einen seiner Handlanger in die Archive geschickt um nachzusehen, ob Fabia Vibulana bereits eine Verlobung eingegangen war. Und tatsächlich war sie dies nicht!
"Nein, warum?"
fragte Vibulanus scheinheilig. Er musste wissen, worauf Durus hinauswollte.
"Nunja..."
Rasch ging Durus Faust zu seinem Mund, als er hüstelte.
"...ich habe lange nachgedacht...wie du weißt, bin ich noch nicht verheiratet...aber auch vor mir macht das Altern nicht Halt und die Vorstellung, dass niemand nach meinem Tod meinen Laren opfert, betrübt mich sehr. Kurzum..."
Wieder machte er eine Pause und rang nach Worten.
"Ich habe mich entschlossen, um die Hand deiner Tochter anzuhalten. Ich denke, dass eine solche Verbindung für beide Familien von Nutzen sein würde. Sicher ist es auch in deinem Interesse, dass..."
Während Durus so vor sich hinredete, hatte sich langsam ein Grinsen auf das Gesicht des Fabiers gelegt. Dann, als Durus gerade weiterargumentieren wollte, lachte er auf.
"Ach deshalb hast du mich eingeladen, Tiberius! Da fällt mir aber ein Stein vom Herzen! Ich hatte schon befürchtet, dass meine Tochter dich vergrault hat!"
Und was für ein Stein Durus nun vom Herzen fiel! Er hatte befürchtet, dass Vibulanus ihn auslachen würde! Immerhin hatten die Tiberier keinen einzigen Consul in ihrer Ahnenreihe vorzuweisen, waren erst wenige Generationen Patrizier! Doch entweder gefiel Vibulanus Durus als Mensch und Politiker, oder er war verzweifelt genug, seine Tochter in diese Verbindung zu geben, ehe sie als alte Jungfer starb...nunja, andererseits war Durus bereits Praetor und ein Günstling des Kaisers...zumindest vermutete man dies...
"Soll das also heißen, dass du eine solche Verbindung gutheißen würdest?"
fragte er sicherheitshalber nach und legte den Kopf leicht schief.
"Natürlich, Tiberius! Aemilia wird begeistert sein!"
Das konnte sich Durus vorstellen. Er hatte dieses Getue bei den Saturnalia schon verdächtig gefunden...eigentlich hätte er es doch wissen müssen, dass die Fabier interessiert waren!
"Dann lass uns darauf trinken, Fabius!"
erwiderte Durus schließlich und ließ den 15-jährigen Falerner servieren. Jetzt rückte eine standesgemäße Verbindung in greifbare Nähe. Und damit auch die Möglichkeit, die alten Verbindungen der Fabier für einen weiteren Aufstieg zu nutzen!