Durus hatte Platz genommen und schweigend die Befragung verfolgt. Das offensichtliche Verrückt-Tun seines Mandanten war maßlos übertrieben, aber andererseits konnte es ja nicht schaden. Vielleicht war er im Kerker wirklich verrückt geworden.
Tatsächlich hatte Durus eine andere Art von Wahnsinn gemeint. Aber irgendwann schien es Strabo doch noch zu blöd zu werden. Eigentlich passte dies gut in das Bild des Tiberiers von Strabo. Beinahe hätte er einfach seine Tabula mit Notizen auf den Boden geworfen. Und dann fuhr dieser Rebell ihn auch noch an. Das abschließende Zwinkern ignorierte er mit versteinerter Miene. Am Ende erhob er sich schließlich zur Befragung...aber was sollte er schon fragen?
Mit Blick zum Iudex begann er.
"Nun, wie wir sehen, leidet Pompeius Strabo nicht unter einer der allgemein bekannten Flüche der Larven und Lemuren. Dennoch ist es für mich weiterhin nicht nachvollziehbar, wie ein gesunder Mann, der dem Kaiser so lange treu gedient hat, von einem Tag auf den nächsten dazu aufrufen kann, Rom den Rücken zu kehren. Es ist allgemein bekannt, dass man sich jederzeit direkt an den Augustus wenden kann - insbesondere dann, wenn man mit seinem Statthalter unzufrieden ist. Wenn die Umstände so sind, wie du sie beschreibst, hättest du sogar klagen können.
Du hast dich allerdings entschieden, lieber unschuldige Menschen unter deiner Unzufriedenheit leiden zu lassen. Was ich dir anrechne, ist, dass du zumindest bereit bist, die Konsequenzen deines Handelns zu tragen.
Da ich genaugenommen nur dazu da bin, dass die Verhandlung mit rechten Dingen zugeht, werde ich aber nicht versuchen, deinem Willen entgegen zu wirken. Folglich..."
Nachdem er den Angeklagten direkt angesehen hatte, wandte er sich nun wieder an Crassus.
"Keine weiteren Fragen."
Damit kehrte er auf seinen Platz zurück und nahm Platz. Der Prozess war wohl mehr oder weniger zu Ende. Das Urteil stand fest und genaugenommen hätte Durus es an Crassus' Stelle genauso gefällt.