Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus strahlte über das ganze Gesicht und meinte entschuldigend.


    "Ich freue mich natürlich auch, dich wiederzusehen - oder sollte man lieber sagen: euch?"


    Er lächelte und nahm ächzend Platz. Die Tabula vom Vortag hatte er ganz vergessen, der Umstand, dass sie in der Villa Aurelia wohnte, bereitete ihm keinerlei Sorge oder Neid - immerhin gehörte sie ja zur Familie des Aurelius Ursus!


    "Nein, nein, ich bin vor ein paar Minuten aus der Curia Iulia gekommen. Ich bin nur nicht dazu gekommen, sie abzulegen."


    erklärte er dann freimütig. Auf das Bein wollte er lieber nicht eingehen - es war angenehmer, gar nicht erst daran zu denken!

    Ein wenig erstaunt betrachtete Durus den Kaftan seines Verwandten. So etwas hatte er wirklich noch nicht gesehen! Die Äußerung konnte er ebensowenig einordnen - lag hier etwa ein Fehler vor, möglicherweise seinerseits?


    "Bitte?"


    fragte er daher leicht indigniert zurück und blieb stehen.

    Durus nickte - natürlich hatte er schon von Dolabellas Engagement gehört und es entging ihm auch nicht, dass er ständig verschiedene Leute zum Essen einlud.


    "Die Societas Claudiana et Iuliana? Ist die nicht für die Nachkommen dieser beiden Gentes? Was sollst du dort?"


    fragte er bei einer der Dinge jedoch ein wenig verwundert nach.

    Auch Durus war außer sich - aber er hatte es ja gesagt: Dieser Salinator war ein Verbrecher und es war mehr als grob fahrlässig von Valerianus, diesen Mann zu seinem Stellvertreter zu machen! Er enthielt sich eines weiteren Kommentars, sondern machte sich auf, gemeinsam mit den anderen Senatoren die Curia Iulia zu verlassen, allerdings nicht ohne ihre wütende Stimmung gegenüber Salinator weiter anzuheizen!

    Durus erschrak: Wenn etwas gefährlich war, dann das Auslassen eines Feiertags! Die Riten mussten unbedingt wiederholt werden - eine Iteratio war wohl das Mindeste!


    "Gut, dann kehre zurück! Die Frau, dieser Ägypter und alle Zeugen sollen sofort hierher nach Rom gebracht werden! Diese Angelegenheit muss untersucht werden - bringt sie alle vorerst zu mir, damit ich sie verhören kann!"


    Normalerweise würde so eine Sache natürlich an den Kaiser gehen - doch der weilte ja gemütlich im fernen Misenum!

    Bisweilen pflegte der alte Tiberius, seinen Spross zum gemeinsamen Gespräch in die Exedra zu laden. Gerade jetzt, wo es wichtig wurde, die politische Karriere des jungen Mannes zu planen, war dies Durus' besonderes Anliegen. So auch heute...

    Natürlich kam Durus auf die Einladung seines Verwandten (in seinem eigenen Haus zwar, aber doch war es eine Einladung!). Er trug eine blaute, angenehme Tunica und hatte auf wallende Übergewänder verzichtet - seiner Familie konnte man schließlich auch legerer gegenübertreten!


    "Nun, Dolabella - was hast du denn vorbereitet?"


    Kurz blickte er um sich - gab es Anzeichen, dass noch weitere Gäste erwartet wurden?

    "Ja, tu das!"


    meinte Durus und wandte sich dann Dolabella zu. Zuvor blickte er aber noch kurz dem Mädchen hinterher.


    "Sie ist wirklich ausgesprochen hübsch - es wird wohl nicht schwer sein, sie zu verheiraten!"


    Er machte eine Pause und dachte kurz nach.


    "Aber nun zu dir: Hast du inzwischen gut Fuß gefasst hier?"

    Der alte Tiberier war gerade eben erst von einer Senatssitzung angekommen, weshalb er noch seine Toga trug - und noch ein wenig abwesend war. Als man ihn jedoch unterrichtete, dass Septima eingetroffen war, verbesserte sich seine Laune augenblicklich und er beeilte sich - gestützt von Lukios, seinem ständigen Begleiter - ins Tablinium zu kommen, wo das Mädchen - oder vielmehr die junge Frau auf ihn wartete.


    "Septima, das ist ja eine Überraschung - du hattest ja gar nicht geschrieben, dass du schon so bald hier sein würdest!"


    Er schielte auf den Bauch seiner Verwandten - sicherlich würde man schon etwas sehen! Oder war sie etwa schon niedergekommen?

    | Lukios


    Der Sekretär war ganz überrascht, dass man nach ihm verlangte. Doch als er hörte, dass es sich um den Sekretär Macers handelte, konnte er sich schon denken, worum es ging: Offenbar wollte man in irgendeiner Sache vorfühlen, wie Dominus Tiberius es damit halten würde!


    "Have! Was gibt's?"


    fragte er daher den Gast, dessen Namen er nicht mehr genau wusste. An der Hand hielt er Wachstafeln bereit, um alles festzuhalten, was in diesem Gespräch behandelt werden würde.





    SCRIBA PERSONALIS - MANIUS TIBERIUS DURUS

    Dem Boten waren seine Worte sichtbar peinlich und tatsächlich empörten sie den Pontifex aufs Stärkste. Unpassender konnte man wohl kaum sein: Ein Stelldichein am Festtag der ewig jungfräulichen Göttin in ihrem eigenen Hain? Durus wünschte der Frau, dass sie so fremd war, dass sie einfach nicht gewusst hatte, wo und was sie getan hatte - wobei ein Mord vermutlich international als illegal angesehen wurde!


    "Wurde die Frau gefasst? Gibt es Zeugen? Wurden die Riten zu ihrem Ende geführt?"


    Der Gedanke, von einer Frau zuerst verführt und dann getötet zu werden, gab dem Tiberier ein ganz schlechtes Gefühl...es wirkte fast ein wenig wie ein barbarischer Kult!

    Durus nickte. Offenbar hatte Dolabella verstanden.


    "Gern, ich nehme heute nachmittag mit einem Freund ein Bad in der Haustherme, danach können wir ja zusammen essen."


    erwiderte er dann auf die zweite Frage. Dass dieser Freund ein anderer Senator war, der allerdings weniger bekannt war und dessen Kontakt eher gepflegt wurde, um sich Loyalität zu erhalten, war wohl eher nebensächlich.

    Durus sah dem Aurelier an, dass er ebenso erzürnt war wie er selbst. Und auch seine Entschuldigung wirkte aufrichtig. Und offensichtlich lag es auch nicht im Interesse Corvinus', das politische Bündnis aufzukündigen.


    "Es gibt unerfreulicherweise noch einen weiteren Punkt, den ich ansprechen muss."


    Er machte wieder eine Pause. Diese Sache war wohl nicht ganz so klar und konnte eher als Affront wirken. Wenn der Tiberier darüber nachdachte, war er sich sogar selbst nicht sicher, ob er so ohne Weiteres eingewilligt hatte, weil er von einer Aurelierin so maßlos enttäuscht worden war.


    "Meine Nichte Arvinia hat mir berichtet, dass ihr Verlobter Aurelius Orestes sich seit Monaten, nein, seit mehr als einem Jahr nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Die Verlobungsfeier ist lange her und Arvinia wird nicht jünger. Sie fühlt sich gekränkt, dass man die für sie so lang ersehnte Ehe hinauszögert und ihr zukünftiger Gatte offenbar kein Interesse an ihr hat.


    Ich verstehe dies und muss selbstverständlich auch das Wohl unserer Familie im Blick behalten. Für mich steht zu befürchten, dass diese Ehe ewig hinausgezögert wird oder schlimmstenfalls gar nicht eintritt. Sollte dies geschehen, wird es immer schwieriger, meine Nichte zu verheiraten. Wie du weißt, schätzt man junge Frauen."


    Wieder atmete Durus geräuschvoll ein und seufzte.


    "Wir erwarten also in dieser Angelegenheit eine Klärung, sonst sehe ich mich gezwungen, die Auflösung der Verlobung zu verkünden und Arvinia einen anderen Gatten zu suchen - was natürlich keinen Einfluss auf unsere Beziehung haben sollte, dich trifft schließlich keine Schuld."


    Dass Durus auch Angst hatte, dass Orestes sich als politischer Versager entpuppte, der nun schon lange Zeit kein Amt mehr bekleidet hatte, erwähnte er nicht. Doch wahrscheinlich konnte Corvinus sich dies sowieso denken.

    Durus verfolgte die Gespräche der jungen Männer mit einem Lächeln. Scheinbar fürchteten beide die Ehe ein wenig - dabei war nichts so nützlich und zugleich angenehm!


    "Nun, Ahala, bis nach dem Militärtribunat hat es wohl auch noch Zeit. Aber ihr solltet euch etwas beeilen, damit ihr nicht so lange kinderlos bleibt wie ich."


    Seine Entscheidung, so spät zu heiraten, war wirklich zu bereuen - nur der Glücksfall Ahala...oder vielmehr Celsus damals...hatte ihn gerettet!

    Durus sah Dolabella verwirrt an. Hatte er ihn gerade von sich gewarnt? Führte Dolabella etwa etwas im Schilde? Aber warum warnte er ihn dann? Oder wollte er sich nur ein wenig aufplustern?


    Nach einer kurzen Gedankenpause beschloss der alte Tiberier schließlich, diese Worte zu übergehen und fortzufahren, als wäre nichts gewesen. Vergessen würde er sie aber nicht...


    "Im Senat pflegen wir sonst keine Feindschaften. Allerdings vertreten wir keine sehr populare Politik - ich würde mich also eher an etablierte Größen als an Homines Novi halten."


    Dieser Rat galt aber wohl für jeden Politiker...wobei sich die Frage stellte, ob Dolabella denn nun Politiker oder Rennsportfreund war oder werden wollte...oder beides?

    Durus wartete geduldig, bis Albina getrunken hatte. Dann hörte er aufmerksam zu: Macer wollte das Consulat nicht anstreben? Das war durchaus erstaunlich, wenn man bedachte, wie berühmt er war: Held im Kampf gegen Laeca, den Usurpator, Statthalter in Germanien, einflussreicher Freund des Kaisers - wobei das wohl inzwischen Geschichte war.


    "Ich halte dies für einen wichtigen Schritt. Bei allem Respekt: Ich glaube, er gerät langsam ein wenig in Vergessenheit, zumal seine Verbindung zum Kaiserhaus nicht mehr so eng ist, wie ich glaube. Er sollte möglichst rasch den Consulat anstreben, damit er noch möglichst stark von seinem aktuellen Ansehen profitieren kann. Rom vergisst leider schnell und der Senat ist da keine Ausnahme."


    Abgesehen von der Tatsache, dass man nie wissen konnte, wann zu viele Alte wegstarben und der neue Kaiser neue Familien in den Senat brachte. Und wie viel diese auf die alten Größen gaben, zu denen Macer trotz seines Status als Homo Novus sicherlich zählte, war wohl mehr als ungewiss.

    | Stesichoros

    Zitat

    Original von Stesichoros
    Den Boten im Schlepptau platzte Stesichoros ins Tablinum... (von dort)


    Als der Ianitor bemerkte, dass kein Licht im Tablinium brannte, schüttelte er verwirrt den Kopf. Er war doch noch etwas schläfrig! Wieso sollte der Hausherr mitten in der Nacht im Tablinium sein? Daher entschuldigte er sich beim Boten und kehrte mit ihm ins Atrium zurück.





    IANITOR – GENS TIBERIA