Durus sah dem Aurelier an, dass er ebenso erzürnt war wie er selbst. Und auch seine Entschuldigung wirkte aufrichtig. Und offensichtlich lag es auch nicht im Interesse Corvinus', das politische Bündnis aufzukündigen.
"Es gibt unerfreulicherweise noch einen weiteren Punkt, den ich ansprechen muss."
Er machte wieder eine Pause. Diese Sache war wohl nicht ganz so klar und konnte eher als Affront wirken. Wenn der Tiberier darüber nachdachte, war er sich sogar selbst nicht sicher, ob er so ohne Weiteres eingewilligt hatte, weil er von einer Aurelierin so maßlos enttäuscht worden war.
"Meine Nichte Arvinia hat mir berichtet, dass ihr Verlobter Aurelius Orestes sich seit Monaten, nein, seit mehr als einem Jahr nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Die Verlobungsfeier ist lange her und Arvinia wird nicht jünger. Sie fühlt sich gekränkt, dass man die für sie so lang ersehnte Ehe hinauszögert und ihr zukünftiger Gatte offenbar kein Interesse an ihr hat.
Ich verstehe dies und muss selbstverständlich auch das Wohl unserer Familie im Blick behalten. Für mich steht zu befürchten, dass diese Ehe ewig hinausgezögert wird oder schlimmstenfalls gar nicht eintritt. Sollte dies geschehen, wird es immer schwieriger, meine Nichte zu verheiraten. Wie du weißt, schätzt man junge Frauen."
Wieder atmete Durus geräuschvoll ein und seufzte.
"Wir erwarten also in dieser Angelegenheit eine Klärung, sonst sehe ich mich gezwungen, die Auflösung der Verlobung zu verkünden und Arvinia einen anderen Gatten zu suchen - was natürlich keinen Einfluss auf unsere Beziehung haben sollte, dich trifft schließlich keine Schuld."
Dass Durus auch Angst hatte, dass Orestes sich als politischer Versager entpuppte, der nun schon lange Zeit kein Amt mehr bekleidet hatte, erwähnte er nicht. Doch wahrscheinlich konnte Corvinus sich dies sowieso denken.