Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

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    Caecus, der cellarius der villa Aurelia, befand sich gerade auf einem "Außeneinsatz": Er hatte eine Lieferung Falerner abgeholt und überwachte nun dessen ordnungsgemäßen Abtransport, als ihm das Gesicht einer ihm bekannten Person aus einer mittelmäßigen Zeichnung heraus anlächelte. Das war Deandra, daran bestand kein Zweifel. Er trat näher heran, studierte das Pergament - und riss es dann ab, um es zu zerknüllen und einzustecken. Gleichsam verfuhr er mit sämtlichen anderen dieser Aushänge, sofern sie ihm auf seinem Weg begegneten. Später würde er den Herren davon unterrichten, denn obwohl Deandra nun eine Claudia war, so gehörte sie auch für die Sklaven in gewisser Weise immer noch zur Familie.

    Erneut war es Brix, der diesen Weg zu erledigen hatten. Ausgestattet mit einem fein säuberlich geschriebenen und gesiegelten Pergament bahnte er sich den bereits gut bekannten Weg zum officium des Schreibers, klopfte und trat nach Aufforderung ein. "Salve, ich habe hier einen Brief, der an den Kommandeur addressiert ist. Du hast nötigenfalls allerdings die Erlaubnis meines Herren, den Brief zu lesen, da keinerlei vertrauliche Informationen darin stehen - es geht um ein examen, das ist alles", sagte er und reichte dem Schreiber die Schriftrolle.




    Ad
    Spurius Purgitius Macer
    Academia Militaris in Roma



    M. Aurelius Corvinus Purgitio Macro s.d.


    Senator, ich gedenke, baldmöglichst das examen tertium hier in Rom abzulegen. Da ich um die Erfordernis von Kleingruppen weiß, bitte ich dich, mir eine Nachricht zukommen zu lassen, sobald eine solche Gruppe zustande kommt. Hab Dank für deine Mühen.


    Vale.


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    ROMA, ANTE DIEM X KAL OCT DCCCLVII A.U.C. (22.9.2007/104 n.Chr.)


    Nach einer ganzen Weile kamen auch die meisten anderen. Flavius Lucullus führte sie quasi an, denn er war der erste, der eintraf. Ihm folgten in kurzen Abständen weitere fünf sodales, sodass wir schließlich beinahe komplett waren. Ich entschloss mich dazu, die Versanmmlung zu eröffnen.


    Ich räusperte mich. "Verehrte sodales, hiermit eröffne ich die Sitzung. Die heutige Tagesordnung umfasst grob gesehen drei Punkte: Zuerst möchte ich euch zwei Verwandte vorstellen, die unserem gremium gern angehören würden. Der zweite Punkt ist dann die Wahl des magister, und der letzte Punkt wird die Vorbereitung auf das Armilustrium an den KAL NOV DCCCLVII A.U.C. (19.10.2007/104 n.Chr.) sein. Kommen wir also zu Punkt eins: Ich möchte nun Cotta und Ursus bitten, sich kurz vorzustellen."

    Verbissen musterte mich Helena. Ich fragte mich insgeheim schon, was ich nun falsch gemacht hatte, als Helena den Blickkontakt abbrach und auf ihre Händen hinunter sah. Während sie mit sich und ihren Gedanken haderte, musterte ich das verkniffen wirkende Gesicht meiner Cousine eingehender. Sie schien befangen, oder irrte ich mich da? Unwillkürlich bereute ich es, überhaupt auf die Frage bezüglich Deandra geantwortet zu haben, denn nun war erneut ich es, waren es meine Probleme um die sich das Gespräch drehte. Warum wollte es nicht klappen, dass wir uns ganz normal unterhielten über alltägliche Dinge?


    In meine Gedanken hinein drangen Helenas Worte. Ich dachte daran, wie ich ihr als kleiner Junge immer die Puppen entführt und an Orten versteckt hatte, die sie mit ihrer Größe noch nicht erreichen konnte. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle geschmunzelt, aber mir war nicht nach Lachen zumute. Stattdessen stand ich langsam auf, kippte das Wasser des Bechers wahllos in eine Vase und schenkte mit purem, unverdünnten Wein nach. Noch war es nicht einmal Mittag, und doch verspürte ich das dringende Bedürfnis, meinen Geist ein wenig zu betäuben. Mit einer zweiten Nachfüllung - die erste hatte ich in einem Stoß hinuntergekippt - begab ich mich ans Fenster und lehnte mich mit dem Rücken an den Sims, um Helena weiterhin meine Aufmerksamkeit unter anderem in Form eines Blickes zu schenken.


    Ja, ich war in der Tat ein Mensch, der gerne lachte. Über andere, mit anderen und auch gern mal über mich selbst. Aber wann ich das letzte Mal gelacht hatte, wollte mir nicht einfallen. Ob ein Schmunzeln auch zählte? Vermutlich nicht. Es schien lange her zu sein, das wurde mir durch Helenas Worte klar. Einen weiteren halben Becher Wein und einige Worte seitens Helena später schwieg ich mich beharrlich darüber aus, was ich dachte, denn meine Gedanken konnte ich einfach nicht ordnen. Geben und nehmen. Es kann nicht gut gehen. Wo war sie, als es mir schlecht ging? Geht es mir denn jetzt gut? Und wo ist sie jetzt? Ich tat Deandra Unrecht, das wusste ich, denn schließlich war ich es gewesen, der sie fortgeschickt hatte. Dennoch klagte ich sie stumm an in meinem Kopf und schenkte Helena ein offenes Ohr, gepaar mit einer nachdenklichen Miene. Deswegen denke ich, dass sie nicht gut für dich ist. Ich blickte in den Becher hinunter, schwenkte die blutrote Flüssigkeit lagsam herum und kippte den letzten Rest Wein hinab.


    Als ich mich vom Sims abstieß, um zurück zu Helena zu gehen, bemerkte ich die geröteten Wangen meiner Cousine. Ihre Augen schimmerten sanft und sie erschien mir so zart wie eine Feder. Ich setzte mich wieder ihr gegenüber, das Gesicht unbewegt. Eine ganze Weile musterte ich sie stumm, sah ihr in die Augen, ließ den Blick über Nase und Wangen schweifen, streifte die Lippen - und seufzte schließlich, den Blick gesenkt. "Vorgefallen ist nichts. Ich war vielleicht ein wenig ruppig, als die Nachricht kam....du weißt ja. Seitdem verhält sie sich so seltsam. Ich habe keine Ahnung, was ich falsch mache. Ich weiß nur, dass mich dieses Verhalten zermürbt und ich nicht gedenke, mir ihren Willen aufzwingen zu lassen. Deswegen wird sie warten. Ich vermute, dass sie sich in Ostia aufhält, aber wenn sie denkt, ich würde alles stehen und liegen lassen...." Ich spürte, wie Zorn in mir aufwallte. Schnaubend ließ ich den Satz unvollendet, Helena würde auch so wissen, was ich meinte. Ich sah sie erneut an. "Ich habe das alles so satt, dieses sprunghafte Verhalten. Wer weiß schon, warum sie sich so verhält? Wenigstens ihrer neuen Familie hätte sie doch mitteilen können, wo sie hin wollte!" ereiferte ich mich und hob in einer Geste die Hand. Als es mir auffiel, ließ ich sie sinken, seufzte und fuhr ruhiger fort: "Aber wir reden stets nur von mir, Helena. Ich muss da nun durch, mich entscheiden. Das ist alles..."

    Ich hatte in meinem Leben schon so viele Sklaven gesehen und teilweise auch kennengelernt, dass ein solcher "Erstkontakt" nichts Neues oder gar Nervositätschürendes mehr für mich war. Beinahe unbekleidet, wie ich vor ihr stand, nahm ich sie darüber hinaus in jedem Falle als mehr war. Mein Vater hatte stets betont, dass die besten Sklaven jene waren, welche keine Angst vor ihrem Herren verspürten und ihren festen Platz in der Hierarchie eines Haushaltes besaßen. Ich selbst hatte diese Grundsätze für mich übernommen und achtete darauf, dass jeder aurelische Sklave wusste, wo er stand, was er für Aufgaben hatte und wann er Lob, Tadel oder gar Bestrafung zu erwarten hatte. Des weiteren hatte ich die Erfahrung gemacht, dass es die meisten Sklaven einem in ihrem Verhalten und Wesen dankten, wenn man sich eine Weile mit ihnen beschäftigte.


    Dass Cadhla zusammenzuckte, bemerkte ich, ging jedoch darüber hinweg. Entweder, der Sonnenbrand war wirklich schmerzhafter als ich annahm, oder aber, die Berührung eines Mannes - noch dazu ihres dominus - verunsicherte sie zu sehr. Der Forscher in mir nahm sich vor, mit der Zeit herauszufinden, welche der beiden Annahmen hier zutraf. Ich folgte ihr interessiert mit Blicken, als sie sich nach der tunica bückte und sie hastig faltete. Schienen ihre Wangen nicht plötzlich in einem dunkleren Rotton zu glühen? Verstohlen schmunzelte ich, während sie die vermeintlich Erklärung für ihr Zucken lieferte: Es schien also wirklich die Sonne zu sein.


    "Eine Schildmaid", wiederholte ich für mich selbst und runzelte verwundert die Stirn. Es gab doch tatsächlich Völker, in denen die Frauen für die Sicherheit verantwortlich waren. Ohne mein bewusstes Steuern glitt mein Blick erneut über Cadhlas Statur. Diesmal achtete ich verstärkt auf die Muskulatur, die nicht nur vorhanden, sondern auch kräftig war, zumindest soweit ich das nur mit Blicken beurteilen konnte. Der erste verdorbene Gedanke schlich sich in meinen Kopf, und ich lenkte mich selbst recht erfolgreich damit ab, dass ich ich über ihre zweite Äußerung nachdachte. Sie schien durchaus noch schmerzhafte Erinnerungen zu hegen, da sie den Tag ihrer Gefangennahme so genau und so schnell nennen konnte. Diesmal musterte ich nur ihr Gesicht, dafür hielt sich mein Blick aber etwas länger dort auf. Das rote Haar erschien mir außerordentlich passend zu sein.


    "Du wirst dich hier schon noch einleben, Katla", sagte ich in grundlos versöhnlichem Tonfall. Dann räusperte ich mich und deutete nickend auf das Bassin. "Ist das Bad denn schon fertig? Ich bin des Schmutzes überdrüssig und würde mich gern etwas entspannen." Erneut wandte ich mich meiner neuen Sklavin zu. "Und vielleicht erzählst du mir, welche Waffen du als Schildmaid führen kannst?" Während ich redete, entknotete eine Hand bereits umständlich den Schurz, sodass er nicht lange nachdem ich geendet hatte zu Boden fiel. Ich näherte mich dem Becken. Ob die Sklavin den Mut haben würde, meine Aussprache bezüglich ihres Namens zu berichtigen? Wobei ich nicht einmal wusste, dass man ihn anders aussprach.

    Meine Worte mochten der Situation unangemessen gewählt worden sein, doch beinhalteten sie zu einem Teil die Wahrheit, die ich sonst besser verpackte, zu einem weiteren Teil auch meine Übellaunigkeit und, damit gepaart das Unwohlsein, welches mich bereits den ganzen Tag peisakte. Misstrauen war zwar so manches Mal vonnöten, dass ich hier aber etwas übertrieb - zumal keinerlei böse Absicht bisher erkennbar war - bemerkte ich nicht einmal.


    Was dieser selbsternannte Aurelius dann aber sagte, ließ mich mürrisch den Kopf schütteln. Prüfungen ablegen? Einkaufen? Ich machte eine zornige Geste. "Wenn du vorhast, mich in meinem eigenen Hause zu beleidigen, dann nimm dein Sklavenliebchen und verlasse dieses Anwesen", entgegnete ich erzwungenermaßen ruhig, obwohl mir mehr nach einem wütenden Ausbruch war. "Wärest du wirklich mein Neffe, so würde ich es wissen. Mein Bruder hatte keinen Sohn. Und welchen Grund sollte er gehabt haben, sein eigen Fleisch und Blut zu verstecken, es sei denn, es wäre ein Bastard?" fragte ich den Fremden, während ich ihn eingehender musterte. Seine Wangen waren leicht errötet, und pochte die Ader an der Schläfe nicht einen Hauch aufgebrachter als eben noch? Wie alt mochte mein Gegenüber sein, jünger als ich, älter? Ich kniff die Augen zusammen. "Es reicht nicht, hier aufzulaufen und zu behaupten, der Spross eines verstorbenen Aureliers zu sein. Das kann jeder. Was zählt, sind andere Dinge. Du willst der Sohn meines Bruders sein? Dann erzähle mir von ihm!" forderte ich den Mann auf und blickte ih herausfordernd an. Schon war ich mir sicher, dass er nichts zu beweisen wüsste.

    Immer noch war ich auf der Suche nach einem Paar geschickter Hände für die exotischen Pflanzen in meinem Garten. Hinzu hatte sich ein weiteres Kriterium gesellt: Prisca schien mir etwas missmutig zu sein, und ich suchte eine Gesellschafterin für sie, die ihr zur Hand ging. Vielleicht vereinte sich beides in der Sklavin dort, die mein Auge gezielt erfasste. Ich trat näher heran und hörte die Worte des Händlers, wie sie das Mädchen anpriesen. Sie schien die nötige Demut zu haben, die ich von Sklaven forderte - wilde Kriegerinnen konnte ich nicht gebrauchen. Mit einer nur angedeuteten Kopfbewegung schickte ich Brix wieder einmal durch die Menge weiter nach vorn. Er wusste, was er zu tun haben würde, weil er wusste, was ich suchte.


    Da die Sklavin augenscheinlich nicht sprechen konnte, wandte sich der germanische Sklave direkt an den Händler, der die Frage hoffentlich würde beantworten können. "Heda, mein dominus möchte wissen, ob sie Erfahrung mit Pflanzen hat? Und kann sie ein Instrument spielen, schreiben, lesen - etwas in der Art?" rief er nach vorn. Ich wartete interessiert, aber ansonsten mit ausdrucksloser Miene. Der Blick war auf das Antlitz der jungen Frau auf dem Podest gerichtet, deren Wangen gerötet und deren Haarschopf verschmutzt und filzig war. Ich mochte lieber nicht wissen, wo der Händler sie aufgegabelt hatte.

    Nur wenige Worte erwiderte die Vestalin, ehe sie sich mit der ausgehändigten Liste auf den Weg in die Archive machte. Während sie beschäftigt war und nach den Testamenten der Verstorbenen suchte, sah ich mich abermals etwas um. Zwei recht junge Mädchen eilten an mir vorbei und ich zwinkerte ihnen zu, was eine der beiden erröten und noch schneller werden ließ. Vermutlich waren die Damen unterwegs in den Vestatempel, aber sicher konnte ich mir da nicht sein. Die folgenden Minuten verweilte ich allein in der großen Halle und wartete darauf, dass die ältere Vestalin wiederkehrte.


    Es dauerte zwar einen Moment, der sich unglaublich lang ausdehnte, aber dann kehrte die Frau zurück, in der einen Hand die Tafel und in der anderen Hand nur eine einzelne Schriftrolle. Die Worte ließen dann meine Ohren leicht erröten. Hatte ich etwa im Arbeitswahn den Namen des Prudentius ebenfalls auf die Liste gesetzt? Ich lächelte die Vestalin an und überspielte so den für mich peinlichen Moment, der ihr ohnehin nicht auffallen würde, da für sie alles geregelt verlief. Tatsache war jedoch, dass der Sohn des consul bereits bei mir gewesen und mir die neueste Version des Testaments ausgehändigt hatte. "Das konntest du, vielen Dank. Möge das heilige Feuer der Vesta niemals verlischen." Eine leichte Neigung des Kopfes begleitete meine Worte, und kurz darauf bedeutete ich Matho, welcher inzwischen die Tafel und die Rolle hielt, dass wir nun as atrium wieder verlassen konnten.


    Kurze Zeit später quälte sich meine Sänfte samt der obligatorischen Eskorte, welche ich kaum mehr bemerkte, durch die Straßen Roms und hielt auf das tabularium zu.

    Dunkle Schatten hatten sich unter meinen Augen eingenistet. ich war aber selbst schuld, denn an Schlaf dachte ich zuletzt während jener Zeit. Nicht zuletzt diese Deandramisere verhalf mir zu geistigen Höhenflügen und halfen der Arbeit allmählich, mich zu überwältigen. Dennoch gab ich mir die größte Mühe, mich wacker zu schlagen - trotz der Papierberge, die, statt abzunehmen, stetig anwuchsen. Nur vier Stunden Schlaf, wenn überhaupt, gönnte ich mir dieser Tage. Meist fiel mir das Einschlafen schwer, und ausgerechnet dann, wenn ich gerade meine Aufmerksamkeit am Dringlichsten benötigte, fielen mir die Augen zu und Mattigkeit überkam mich. Mein officium verließ ich nur noch zu wenigen Mahlzeiten, die einzigen, die mich ab und an zu Gesicht bekamen, waren Prisca, Cotta und Ursus. Allen anderen lief ich wenn überhaupt, dann nur selten über den Weg, bei den Rundgängen durch den Garten, die ich zweimal täglich der Zerstreuung und Auffüllung der Reserven wegen unternahm.


    Gerade schrieb ich an einer Vorlage für all die Erbberechtigten, an die in Kürze Briefe verschickt werden würden. Dann stand nur mehr ein weiterer Besuch im tabularium aus - und der Aushang in der basilica. Ein Unbeteiligter hätte meinen können, es sei die Arbeit, die mich nach unten zog, doch im Gegenteil: ich war sogar dankbar dafür, dass ich viel zu tun hatte, denn Arbeit lenkt den Menschen bekanntlich ab von Dingen, die ihn beschäftigen. Und mich beschäftigten diese Zweifel bezüglich Deandra,bezüglich dem vermeintlichen Verrat, den ich mit meiner Zuneigung zu ihr an unserem Vater übte. Hatte er nicht geschrieben, dass ich auf sie Acht geben sollte? Sicherlich hatte er damit nicht gemeint, dass ich sie ehelichen sollte... Ich strich erneut einen Satz auf der Tafel fort, seufzte und schrieb weiter.



    Ad
    NOMEN
    casa NOMEN in URBS
    PROVINCIA



    decemvir litibus iucandis M. Aurelius Corvinus NOMEN s.d.


    Meine Worte werden wohl kaum im Stande sein, deine Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen zu lindern. Es sind Augenblicke, in denen man inne hält, Momente, die einem die eigene, unabwendbare Vergänglichkeit vor Augen führen.
    Auch wenn es dir in jenem Moment nichtig erscheinen mag, so möchte ich dich in meinem Amte als decemvir litibus iucandis darauf hinweisen, dass dein VERWANDTSCHAFTSGRAD dir etwas hinterlassen hat, konkret geht es um POSSESSIO.


    Nach unseren geltenden Rechtsgrundsätzen bist du der/die legitime Erbe/Erbin. Ich bitte dich, mir bis zu den ID OCT DCCCLVII A.U.C. (15.10.2007/104 n.Chr.) mitzuteilen, ob du willens bist, dieses Erbe anzutreten. Solltest du diesen Termin versäumen, so wird der Nachlass des/der NOMEN dem Staat zugute kommen.


    Möge dich die Erinnerung an den lieben Verstorbenen begleiten wie ein wärmender Sonnenstrahl.


    Vale.


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    ROMA, ANTE DIEM XI KAL OCT DCCCLVII A.U.C. (21.9.2007/104 n.Chr.)




    Ad
    NOMEN
    casa NOMEN in URBS
    PROVINCIA



    decemvir litibus iucandis M. Aurelius Corvinus NOMEN s.d.


    Meine Worte werden wohl kaum im Stande sein, deine Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen zu lindern. Es sind Augenblicke, in denen man inne hält, Momente, die einem die eigene, unabwendbare Vergänglichkeit vor Augen führen.
    Auch wenn es dir in jenem Moment nichtig erscheinen mag, so möchte ich dich in meinem Amte als decemvir litibus iucandis darauf hinweisen, dass dein VERWANDTSCHAFTSGRAD weltliche Güter hinterlassen hat. Konkret geht es um POSSESSIO.


    Nach unseren geltenden Rechtsgrundsätzen bist du einer der legitimen Erben. Um die rechtsmäßige Übertragung der oben aufgelisteten Betriebe zu gewährleisten, besteht die Notwendigkeit einer Einigung mit dem/der/den ebenfalls Erbberechtigten NOMEN/NOMINES. Ich bitte dich, mir bis zu den ID OCT DCCCLVII A.U.C. (15.10.2007/104 n.Chr.) mitzuteilen, ob du willens bist, deinen Erbeiteil anzutreten. Solltest du diesen Termin versäumen, so wird dein Anteil der Ganzheit des zu verteilenden Erbes hinzugefügt werden, ebenso wie sich dein rechtsmäßiger Anteil durch den Verzicht eines weiteren Erbberechtigten erhöhen kann.


    Möge dich die Erinnerung an den lieben Verstorbenen begleiten wie ein wärmender Sonnenstrahl.


    Vale.


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    ROMA, ANTE DIEM XI KAL OCT DCCCLVII A.U.C. (21.9.2007/104 n.Chr.)


    Dieses Mal kam ich ohne meine rechte Hand hierher, denn Pyrrus hatte sich krank gemeldet. Scheinbar schlug ihm die kühle Stimmung zwischen Niki und ihm doch aufs Gemüt. Statt seiner hatte ich nun Matho bei mir, welcher pyrrusgleich mit einer tabula und einem stilo bewaffnet war, aber nicht so grundlos nörgelnd wie mein scriba personalis hinterdrein stapfte. Allmählich begann ich mich zu fragen, warum ich mir die ständige Übellaunigkeit überhaupt noch antat. Zum Glück für Pyrrus gelangte ich eher ins atrium vestales, als ich zu einer Antwort für mich selbst gelangte.


    Wie bei meinem ersten amtlichen Besuch hier hielt ich wieder eine der jungen Damen an, auch wenn ich dieses Mal etwas warten musste, ehe mir eine über den Weg lief. "Salve, ich hoffe, du kannst mir weiterhelfen. Mein Name ist Aurelius Corvinus und ich bin einer der decemviri litibus iucandes. Ich habe hier eine Liste mit Namen kürzlich verstorbener Personen, und ich würde dich bitten, mir - sofern vorhanden - die Testamente jener betreffenden Personen auszuhändigen."


    Ich reichte ihr eine Wachstafel, auf der zahlreiche Namen standen, und hoffte, die Ausbeute würde mich nicht überrollen. :D


    Sim-Off:

    Liste kommt per PN

    Mir des musternden Blickes durchaus bewusst, blieb ich schließlich stehen und ließ den Blick auch meinerseits über den Besucher schweifen. Das Sklavenmädchen mit seinem Tablett war wieder in den Hintergrund getreten und mit ihm verschmolzen, wie es sich gehörte. Der Name des Mannes kam mir genauso bekannt vor wie sein Äußeres, und so war es nicht verwunderlich, dass bei seiner Forderung - denn nichts anderes sprach er aus - ein erstaunter Ausdruck auf mein Antlitz trat und die Brauen nach oben wanderten. Er verlangte eine Unterkunft? Ich wusste im ersten Moment nicht, ob ich ihn hinauswerfen lassen oder ausfragen sollte, doch ich hatte auch gar keine Zeit, weiters darüber nachzudenken, da er sogleich an seine Worte anknüpfte. Und das, was er sagte, trug nicht unbedingt zur Klärung der Situation, wohl aber zu deren Zuspitzung bei. Deutlich überrascht ließ ich den Blick erneut über sein Gesicht gleiten. Die Nase...war sie jener meines Bruders nicht ein wenig ähnlich?


    Humbug! Mein Bruder hatte keinen Sohn gehabt, weder ehelich noch unehelich. Darüber hätte ich doch Bescheid gewusst! Und Prisca, sie hätte sicherlich ihren Bruder erwähnt, wenn sie von dessen Existenz gewusst hätte. Nein, hier musste ein schlau eingefädelter Irrtum vorliegen. Ich blieb während des Nachdenkens stumm, und während es in meinem Kopf rotierte, konnte man nicht viel auf meinem Gesicht ablesen. Natürlich vergaß ich über diese ausgetüftelt anmutenden Neuigkeiten, meinen Namen zu nennen.


    Wortlos verschränkte ich schließlich die Arme vor der Brust und taxierte den so genannten Aurelier. "Nenne mir einen guten Grund, warum ich dich nicht aus diesem Haus entfernen lassen sollte, Fremder", sprach ich kühl. "Iustus hat nie einen Sohn gehabt, ich würde davon wissen. Mich würde aber tatsächlich interessieren, wie man sich die Dreistigkeit herausnehmen kann und auf diese Weise einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen erhaschen will. Bettlern und Bedürftigen verwehren wir weder das eine noch das andere, auch ohne Lügengeschichten."

    Ich hatte mich in einem Sessel zurückgelehnt und hielt den mit heißem Wasser gefüllte und fest zusammengenähte Ziegenlederbeutel auf meinem Bauch fixiert. Vermutlich hatte ich etwas Unbekömmliches gegessen, oder vielleicht schlug mir dieser ganze Stress in der letzten Zeit auch einfach auf den Magen. Gegessen hatte ich heute nicht mehr als ein kleines Stückchen trockenes Brot, dazu hatte ich nur Wasser getrunken, obwohl es mir eigentlich nach Wein dürstete. Zu allem Überfluss klopfte es auch noch dezent an, und als ich wenig begeistert den Klopfenden hinein bat, erkannte ich über den Rand meines Briefes hinweg Leone. Ich ließ das Pergament sinken und sah ihn abwartend an.


    "dominus, im atrium wartet jemand...ein Gast." "Leone, hatte ich dich nicht gebeten, mich heute zu verleugnen?" fragte ich den ianitor streng. "Ja Herr, aber... Nun ja, er stellt sich als Aurelius Pegasus vor, und ich wusste nicht recht, ob ich-" "Aurelius Pegasus?" unterbrach ich und setzte mich auf. Den warmen Beutel legte ich auf den Tisch, während Leone nickte. Ich überlegte. Ein entfernter Verwandter? Oder hatte Leone vielleicht den Namen missverstanden? Ich nickte. "Ist gut, ich komme sofort." Leone wandte sich um und verließ den Raum, um den wartenden Besucher darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich gleich zugegen sein würde. Ich selbst hingegen erhob mich und trat prüfend vor den Spiegel. Mein vestispicius ordnete noch rasch meine helle tunica, dann begab ich mich ins atrium.


    Die Treppe hatte ich bald hinter mir, und dann trat ich in den nach oben offenen Raum hinein, durch welchen das Zwitschern der Vögel deutlich zu vernehmen war. Mein Magen mochte mich immer noch nicht, doch würde ich mein Unwohlsein im Verlauf des Gesprächs sicherlich zu verbergen wissen. Der Mann, der auf der Bank beim Wasserbecken saß, kam mir nicht bekannt vor, so viel ich auch überlegte. Ich ging auf ihn zu und grüßte. "Salve, man sagte mir, dass du mich sprechen wolltest?" Während ich sprach, fixierte ich die Augen des Mannes und versuchte, den Grund seiner Anwesenheit dort abzulesen, was aber nicht gelang.

    "Es steht dir frei, meine Behauptungen zu prüfen. Im Übrigen verbitte ich mir einen solchen Ton mir gegenüber, noch dazu in meinem Hause. Eingangs hatte ich noch angenommen, du seist anders als dein Verwandter Crassus. Richte deinem Mandanten aus, dass er seine Summe erhalten wird, sobald das Testament des Cicero erschlossen ist. Mögen die Götter dich schützen, Caecilius", erwiderte ich ruhig. Leone erkannte, dass das Gespräch vorüber war, und trat heran, um den Besucher zur Tür zu geleiten. Ich selbst widmete mich wieder meiner Arbeit.

    Ich setzte unverzüglich einen zufriedenen Gesichtsausdruck auf, als Prisca mir beipflichtete. Wie wunderbar war es, Bestätigung zu erhalten, selbst wenn es nur kleine Dinge waren! Dass Prisca den Verwalter nicht einmal kannte, fiel mir natürlich auch gar nicht auf. In der kurzen Pause nach ihrer Zustimmung sprach ich auch sogleich weiter. "Ja, es gibt auch gar keine andere Möglichkeit, weißt du? Ich bin nun wirklich der letzte, der einem wirklich Bedürftigen eine kleine Spende oder einem gut arbeitenden Mann seine Extra-Belohnung verwehren würde, aber Galvinius hat sich einfach selbst bedient und das kann ich nicht einfach so hinnehmen, zumal er das schon wochenlang so...." Da erst sickerten Priscas folgende Worte in mein Bewusstsein und ich hielt inne. Natürlich war sie deswegen nicht hier. Das wusste ich natürlich.


    Nun entwaffnet und überrumpelt, stützte ich mein Kinn auf einen Handballen auf und betrachtete meine Nichte, die gedankenverloren mit der Schreibfeder spielte, die feine Tintenspuren auf dem Tisch hinterließ, als Prisca sie hin und her drehte. Ich sah darüber hinweg und musterte die dunkelhaarige Schönheit kurz, aber intensiv. Leider wollte mir partout nicht einfallen, was genau nun anders an ihr war. Oder doch - war die Frisur nicht anders gesteckt als am Vortag? Achwas, nein, das konnte es doch nicht sein, Frauen ließen sich dauernd etwas Neues einfallen, und wenn Alexandros dabei im Spiel war, konnte man ohnehin auf Ausgefallenes hoffen. Prisca erzählte vom Markt, was ich erfuhr, da ich sie nicht unterbrach. Wenn sie selbst nämlich schon der Meinung war, ich würde ohnehin nicht erraten, was Sache war, dann würde ich mich natürlich auch nicht verausgaben. Doch dann sprach sie von einer Bekanntschaft, und ich richtete mich auf. Tausenderlei Nöte sprangen mir aufs Antlitz. War sie einem Mann begegnet, der ihr gefiel? Hatte sie gar jemand angesprochen, eingeladen oder - noch schlimmer - angefasst? Oder war sie verliebt und hoffte auf meinen Segen? "Kennen...gelernt?" hakte ich hellwach nach. "Wen denn?"

    Erstaunt unterzog ich Philonicus einer weiteren Musterung. Er hatte keinen Hunger? Nun, wenigstens brachte er einen gesunden Durst mit, so schien es. Ich schmunzelte und wandte mich kurz an Ursus. "Titus, ich bin im Moment noch beschäftigt und würde später zu euch stoßen, vielleicht machst du Manius derweil schon mit dem Anbau und den vorgenommenen Änderungen im Haus vertraut - falls er nicht zuerst ein Bad nehmen möchte, heißt das", fügte ich hinzu und sah beim letzten Teil zu Philonicus. An ihn gewandt fuhr ich auch fort. "Natürlich kannst du dich auch erst ausruhen und dir so viel Wein kommen lassen, wie es dir beliebt. Vielleicht essen wir heute Abend alle zusammen, dann has du die Gelegenheit, auch Prisca und die anderen kennenzulernen und wiederzusehen? Und Appius - der ist nämlich auch wieder im Lande - sitzt entweder im Garten oder in seinem Arbeitszimmer und hat die Nase in einer Schriftrolle, wie ich ihn kenne." Es konnte aber auch sein, dass mein Vetter unterwegs war und 'Beziehungen knüpfte', wie er stets zu sagen pflegte. Mir fiel Lupus ein, der ebenfalls zugegen war, doch wo er sich aufhielt, wusste ich nicht einmal zu raten, geschweige denn zu sagen. "Wenn ihr ihn triezen geht, sagt nicht, dass ich euch verraten habe, wo ihr ihn findet", bat ich grinsend.

    Ein wenig war vermutlich mehr als die gesamte aurelische Sklavenschaft sich auskannte mit seltenem Gewächs. So zumindest sah der hortus aus, was mich durchaus insgeheim verärgerte. Das seltsame Verhalten der Sklavin, die darum bat, mein Eigentum zu werden, nahm ich lediglich zur Kenntnis, ging jedoch nicht darauf ein. Sollte sich der Händler um sie kümmern, doch vermutlich hatte er genug damit zu tun, sich geldgierig die Hände zu reiben und weitere Gebote anzunehmen. Und genau jene trudelten allmählich ein, kamen in immer kürzeren Abständen und erreichten schließlich eine Summe, die ich nicht zu überbieten gedachte. Im Bietenden erkannte ich den Sklaven des verstorbenen consul. Vermutlich gedachte sein Sohn einerseits, das Haus in Rom sklaventechnisch aufzustocken und andererseits das Erbe seines Vaters bestmöglich zu nutzen.


    Brix sah in kurzen Abständen zu mir, und als er sich das nächste Mal umwandte, bedeutete ich ihm mit einem Wink, zurückzukommen. Wir würden die Märkte verlassen. Nach einem letzten, flüchtigen Blick auf die Sklavin schafften mir Sklaven und milites eine Gasse, durch die ich den Sklavenmarkt verließ, vorbei an gaffenden Schaulustigen, spielenden Kindern, interessierten Bietern und drei gackernden Frauen nahe des Podests.


    "Hast du den gesehen?" "Ja!" "Wer war das?" "Warum fragst du, fandest du den etwa ansehnlich?!" "Ich frag, weil er eine Magistratentoga trug. Dass ihr zwei auch immer denken müsst, ich schau den Männern nur nach, wenn ich sie nett finde..." "Tust du doch auch." "Genau." "Quatsch. Kommt, lasst uns gehen." "Willst du dem Aurelier etwa hinterherlaufen?" "Das würd ich mir überlegen, der hat sicher ein Frauchen daheim sitzen...." "Meinst du?" "Ich könnt mir vorstellen, dass...." .........

    "Es ist mein Wunsch und ich bin mir sicher, dass du genau der richtige Mann dafür bist, Appius", bestätigte ich kategorisch, nickte und tat das Thema damit auch schon ab. Ich war mir sicher, dass Cotta das Familienvermögen zur vollkommenen Zufriedenheit eines jedes Aureliers verwalten und mehren würde.


    Kurz darauf nahm sich mein Vetter eine tabula und schien darauf zu warten, dass wir bereits jetzt das Fest einplanten, was ich natürlich ebenfalls gern in Angriff genommen hätte. Allerdings forderten die Umstände, wie sich unschwer aus den Pergamenten auf meinem Schreibtisch ablesen ließ, dass ich mich vielmehr den Erbschaftsdingen widmen sollte. "Hm", erwiderte ich dennoch. "Eine Gästeliste kann ich dir zukommen lassen, bei der Wahl eines Termins sollte aber in der Tat erst das Grundgerüst der Abendplanung stehen. Hinterher setzen wir einen Termin an, der zu bald ist", überlegte ich laut und legte die Hand ans Kinn, um nachzudenken. "Wir haben übrigens durchaus auch Bekannte und Freunde, die keine Patrizier sind. Einige kenne ich noch aus meiner Zeit in Mantua... Und viele der factiomitglieder sind Decimer. Ich werde einfach mal eine Liste zusammenstellen - hinzufügen und streichen kann man immer noch, solange die Einladungen noch nicht raus sind." Ich legte die Hände auf meinem Schreibtisch zusammen. "Ich wäre dir dankbar, wenn du auch Prisca einbinden könntest, sie scheint mir großen Spaß an solchen Planungen zu haben, wohingegen Helena sich vermutlich noch nicht wohl genug fühlt, zu helfen. Ursus hat vielleicht auch Interesse", fügte ich hinzu und griff erneut nach der Feder, um damit zu spielen. "Appius - könnten wir später weiterplanen? Ich habe noch einiges zu erledigen und würde ungern an dieser Stelle unterbrechen", sagte ich sodann und bat meinen Vetter damit indirekt, mich vorerst weiterarbeiten zu lassen.