Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Kaum hatte mein scriba personalis den Raum verlassen - ich hatte noch nicht mehr als zwei Papierstapel geordnet - da klopfte es erneut. Erwartungsvoll und verblüfft bat ich den Besuch herein, entweder hatte Pyrrus etwas vergessen oder er war es nicht. Letzteres sollte stimmen, denn statt einem Gesicht wie sieben Tage Germanenwetter erblickte ich das - ich konnte keinen anderen Gedanken hierfür finden - wissbegierige Gesicht meines jüngeren Vetters. "Appius", sagte ich verwundert und deutete bereits auf den Stuhl, als er mich immer noch verwundert ansah und mich grinsen machte. Wenige Sekunden später lachte ich erfrischt und schüttelte dabei amüsiert den Kopf. "Ich danke dir! Aber ich will doch nicht hoffen, dass ich weibisch wirke", entgegnete ich und zwinkerte ihm dabei zu.


    Cotta hatte recht. Ich sah nicht nur tatkräftig aus, sondern fühlte mich auch so. Zudem war meine Laune an diesem Tag die beste seit langem, immerhin war ich zu Hause und war in das Amt bestellt worden, um das ich vor den Senatoren gebeten hatte. Darüber hinaus hatten sich etliche Stolpersteine selbst aus dem Weg geschafft. Bei diesem Stichwort fiel mir ein, dass ich noch einen Sklaven zum Stützpunkt der Prätorianer schicken wollte, um das Testament des Onkels zurückzufordern. Ich griff nach einem stilus und machte mir rasch eine kurze Notiz auf eine herumliegende, zu löschende Tafel, während ich Cotta Gehör schenkte. Bei seiner Andeutung sah ich auf. "Behilflich sein? Hm, im Moment sind uns wohl beiden die Hände gebunden, daher muss ich leider verneinen. Ich warte darauf, dass mir dieser nichtsnutzige scriba die Listen der letzten Volkszählung und die der kürzlich Verstorbenen bringt. Vorher kann ich ohnehin nicht tätig werden. Aber", fuhr ich schnell fort, als ich den Ausdruck auf dem Gesicht meines Vetters sah, "sobald etwas zu helfen ist, werde ich es dich wissen lassen, wenn das dein Wunsch ist." Ich lächelte Cotta zuversichtlich an. Ein Mann, der seine Versprechen nicht hielt, war ich einfach nicht. "Lass uns über dein zweites Anliegen reden, Appius. Was gibt es?" Ich konnte mir nämlich keinen Reim darauf machen, was er meinte. Ob er pleite war? :D

    Etwas irritiert blickte ich Sisenna entgegen, die sich über die verstauten Geschenke wunderte. "Natürlich", erwiderte ich und zog die Kleine, kaum dass sie in Reichweite war, an der Hand an mich heran. "salve, meine kleine pupula*", sagte ich und umarmte das kleine Mädchen. Meine Freundlichkeit resultierte größtenteils um das Wissen um den Tod ihrer Mutter und die Absenz ihres Vaters. Laut Cotta musste sie erheblich lange allein gewesen sein, nur behütet von Sklaven, ehe ein Erwachsener sich um sie gekümmert hatte. Deandra und Prisca ernteten einen missgestimmten Blick, immerhin wäre ein schlichtes Salve nicht zu viel verlangt gewesen, und dass Deandra nicht erleichtert mitlachte, war zumindest mir aufgefallen. Ob es wohl an diesen Gedanken lag, die sie hegte, seiit wir Rom immer näher gekommen waren? Gedanken, die sich schnell in Trennungsängste wandeln konnten, wie ich vermutete, nur, weil ich den Sitten gemäß leben wollte und Zeit für meine politische Karriere haben wollte. Helena, die mir nahe saß, umarmte ihre Schwester hingegen vertraut und versprach, ihr schnellstmöglich alle Geschichten aus Germanien zu erzählen und ihr auch das Mitbringsel zu überreichen, welches wir gemeinsam in Mogontiacum erworben hatten. Anschließend entschuldigte sie sich, da ihr unwohl war. Sie würde ein Bad nehmen und früh zu Bett gehen.


    Kaum war Helena verschwunden, konzentrierte ich mich wieder auf Sisenna, die ich der Einfachheit halber auf meinen rechten Oberschenkel gesetzt hatte. Einige Sklaven bedienten derweil uns Ankömmlinge und die beiden Brüder. Mit dem rechten Arm hielt ich Sisenna am Platz, in der linken Hand hielt ich bald schon einen Becher Wein. "Sisenna, die Sklaven müssen erst den Wagen abladen. Deine Sachen sind ganz unten, damit sie vom Regen geschützt nicht nass wurden. Hast du denn das Päckchen bekommen, was ich dir geschickt habe?" fragte ich sie, als auch schon Lupus sprach. Nun wieder bestens gelaunt, schenkte ich ihm ein witziges Grinsen und zuckte die Schultern. "Das war zwar ein recht eigenwilliges Willkommen und ich gestehe, dass ihr mir - und den anderen sicher auch - einen gehörigen Schrecken eingejagt habt, aber wir sind zu Hause, und nur das zählt." Ich lächelte und deutete dem fragend schauenden Sklaven auf die Dinge, die ich essen wollte. "Möchtest du einen eigenen Teller oder mit mir teilen?" fragte ich Sisenna mit der Nase dicht an ihrem Ohr, was das Ganze verschwörerischer werden ließ.



    Sim-Off:

    * Augenstern

    Störrisch wie ein Esel und errötet wie die bessere Seite eines im Morgentau gepflückten Apfels sah Prisca zu mir hinüber, und das machte sie gleich noch süßer als sie ohnehin schon war. Ich beließ es bei einem breiten Grinsen und beschränkte mich darauf, dem Ball in seiner Fluglinie mit den Augen zu folgen. Ehe sie den Ball fing, machte Prisca eine spitze Bemerkung über Lupus, wie ich erstaunt zur Kenntnis nahm. Zumindest dachte ich, dass sie ihn meinte, doch kaum hatte der Ball seinen höchsten Punkt erreicht, ergänzte sie ihre Worte um eine Anspielung auf mein eigenes Äußeres. Ich wandte den Blick nun vom Ball und blickte forschend in Priscas Gesicht. "Hast du", bestätigte ich, schob aber gleich ein "Glaube ich zumindest" nach. Ich dachte daran, dass ich ja nicht nur ihr Onkel, sondern auch ihr tutor war. "Aber weißt du, man sucht sich in den meisten Fällen nicht aus, wann man Verantwortung übernimmt oder übernehmen muss. Mein Bruder war der Zweitälteste, ich bin der Jüngste...darüberhinaus hat er sehr früh geheiratet. Ist also kein Wunder, dass ich noch kein Tattergreis bin."


    Der Ball verweilte nicht lang bei Prisca, und ganz entgegen der sonstigen fraulichen Manier warf sie ihn nicht erneut mit wenig Drall und geringer Geschwindigkeit im hohen Bogen zurück, sondern schleuderte ihn mir beinahe waagerecht entgegen. Ich fing diesen unerwarteten Wurf zwar direkt vor meinem Bauch, ging beim Auftreffen des Geschosses aber zwei Schritte nach hinten und ließ ein gepresstes "Uff" verlauten, gerade als Lupus hinzu trat. "Der war nicht schlecht", lobte ich Prisca und antwortete sodann Lupus auf seine Frage. "Aber nicht doch, sie sprach von mir. Übrigens, möchtest du mitspielen?" fragte ich und warf meinem Vetter bereits während der Fragestellung den faserigen Ball entgegen.

    Grinsend beobachtete ich, wie Prisca versuchte, den Ball möglichst grazil zu fangen, und das, ohne sich ihr Kleid zu beschmutzen. Sie wirkte eher wie ein ungelenker Uhu denn wie eine der drei Grazien, doch das sagte ich ihr natürlich nicht, immerhin mochte es keine Frau, wenn man sie so nannte. Doch ich bewahrte mir diesen Begriff im Gedächtnis auf, um sie eventuell später damit aufziehen zu können, wenn sie weiterhin auf Anmut und Sauberkeit bedacht sein würde, als auf Spaß. Prisca stürzte um ein Haar, und ich korrigierte meine Bezeichnung von Uhu zu Storch-im-Salat, was eindeutig besser passte. Mein Lachen schallte durch den Garten.


    "Jetzt gerade? Nein!" rief ich zurück und fischte den Ball mit Leichtigkeit aus der Luft, denn schwierig geworfen worden war er nicht. Ich balancierte den faserigen Ball auf der Rechten und blinzelte gegen die untergehenden Sonne Prisca an. "Ha, gefangen! - Außerdem kann eine Aurelia gar nicht schlecht aussehen, habe ich dir das nicht schon mal gesagt?" fragte ich und ging noch drei Schritte weiter zurück, um den Abstand zu vergrößern. Als ich das nächste Mal den Ball warf, flog er in einem hohen Bogen auf Prisca zu, wenn auch nicht sehr schnell.

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    Brix nahm das Täfelchen, welches man ihm reichte, klappte es auf, tat so, als ob er las (was er nicht konnte), klappte es wieder zu und nickte. "Sieben Tage, alles klar", meinte Brix und hob die Hand zur Verabschiedung. "Dann man danke und tschüss", sagte er grinsend, winkte und verließ das Büro. Zu Hause würde der Herr ordentlich was zu büffeln haben - hoffentlich schaffte der das in sieben Tagen.

    Ich musste lachen, als ich Priscas Miene sah und ihre Worte hörte. "Verabredet?" entgegnete ich und hob belustigt eine Braue. "Nicht direkt, aber wenn du es so bezeichnen möchtest, haben wir jetzt ein Rendezvous vor dem Essen. Du mit mir und wir gemeinsam mit diesem Ball hier." Ich wog das griffige Geschoss in der Hand, legte den Kopf schräg und warf es Prisca unvermittelt zu - natürlich so, dass sie ihn leicht würde fangen können. Priscas stola war so luftig, dass sie sich in der leichten Brise um ihren Körper schmiegte und ihre Rundungen betonte, was sie geradezu verführerisch wirken ließ. Wäre ich nicht ihr Onkel gewesen...


    Aber ich war nun einmal ihr Onkel, und sie war meine Nichte und mein Mündel. Ihr Ehemann würde einst sicherlich den geschmeidigen und schönen, alabasterfarbenen Körper zu schätzen wissen, vom wachen Geist meiner Nichte einmal abgesehen. Schmunzelnd richtete ich meine Gedanken wieder auf den Ball und das damit verbundene Spiel, was mir recht leicht fiel, da mir wirklich nur nach etwas Zerstreuung war nach einem anstrengenden Tag, den ich über Erbschaftsangelegenheiten brütend verbracht hatte. "Prisca, lass uns etwas Spaß haben", appellierte ich daher an sie. "Du glaubst gar nicht, wie lustig es sein kann, einmal nicht auf makellose Kleidung oder die richtige Körperhaltung zu achten. Das habe ich erst vor ein paar Tagen wieder gemerkt, als ich mit Appius in den Thermen war. Such dir ein Spiel aus - oder hast du vielleicht etwas anderes vor? Vielleicht hast du gar Angst, du könntest verlieren? Na?" stichelte ich und grinste wölfisch. Seitdem Deandra wieder in der villa Claudia wohnte, hatte ich nur noch Helena und Prisca zum Scherzen. Cotta und Lupus gingen zumeist ihren eigenen Dingen nach und Sisenna verstand vielerlei Witze noch nicht, aber sie war schließlich auch erst fünf.

    Ich hatte keine Ahnung, ob Dina es schaffen würde, Prisca zum Ballspielen in den Garten zu bewegen, aber ich hatte Lust auf etwas Spaß, zumal es an diesem Abend, der ein späteres, nächtliches Gewitter verhieß, es nicht mehr so heiß war, dass man bei jeder Bewegung schwitzte. Ich hatte Dina im peristylium abgefangen und sie zu Prisca geschickt, damit sie ihr ausrichtete, ich würde im Garten auf sie warten. Was ich nicht wusste, war dass Dina - in weiser Voraussicht - nicht erwähnt hatte, dass ich mit einem Ball aus Pflanzenfasern unter dem Arm auf einem Rechteck stand, dessen Gras sehr kurz geschnitten war, damit man auch gut spielen konnte. Die Sklavin hatte Prisca also nur ausgerichtet, dass ich sie im Garten sprechen wollte. Dementsprechend verwundert erschien mir Prisca auch, als sie dann kam.


    Ich selbst trug an diesem Abend nur eine dunkelrote tunica mit verziertem Saum. Unter dem Arm hatte ich einen Ball, und so kam ich Prisca einige Schritte entgegen, nachdem Dina meine Nichte am Zierfischteich vorbeigeführt, auf mich gedeutet und Prisca dann allein gelassen hatte. "Liebe Nichte, da bist du ja endlich", neckte ich sie. "Ich warte schon eine halbe Ewigkeit.... Und, worauf hast du Lust - das Urania-Spiel oder doch lieber das ludere datatim? Hast du am Ende sogar eine andere Idee?" fragte ich sie und rollte den Ball in meinen Händen hin und her.

    Das Gesetz mochte dem Aelier vielleicht gelegen kommen, doch da dieser nach dem Decimus vom Kaiser zu seinem magister officiorum ernannt worden war und er diese Stelle noch nicht allzu lange inne hatte, schloss ich daraus, dass er das Gesetz wohl kaum aus purem Eigennutz verabschiedet hatte. Albinus' Worte fasste ich als Resignation auf, mit einer leichten Beimischung von Frust. Prüfend hob ich eine Braue. "Wir werden wohl nichts anderes tun können als abzuwarten, was passieren wird. Die Entscheidung ist Senatssache. Ich verstehe dich allerdings recht gut...immerhin hast du sicher Ideen und Konzepte gehabt, die du nicht mehr verwirklichen kannst, wenn deine Stelle gestrichen wird."


    Kinder und Aale? Ich musste grinsen. "Dazu brauchst du eine Frau - oder hat sich hinsichtlich dieser Angelegenheit während meiner Abwesenheit etwas getan?" fragte ich

    Ich musste schmunzeln, als ich den Sinn der Worte bezüglich möglicher Erweiterungen der Vorausstzungen für das Amt eines proconsul gewahrte. "Wenn die gewesenen praetores mit in den Topf für das vakante Amt kommen, wird ein Mann wie du seine Möglichkeiten gewiss nicht ungenutzt verstreichen lassen, nehme ich an?" fragte ich amüsiert. "Nun ja, ich bin zwar kein Senator, kann mir aber kaum einen Mann vorstellen, für den dieses Amt keine Herausforderung wäre. Dennoch liegt Spanien natürlich weit ab vom Schuss" bemerkte ich und wiegte den Kopf hin und her. "Ich jedenfalls wünsche dir, dass du deine Träume verwirklichen kannst - wie immer sie aussehen mögen."


    Ich hob den Becher, prostete Furianus zu und leerte ihn sodann. Mit einem hellen Klack stellte ich das Gefäß auf den kleinen Tisch zurück und legte die Hände auf meine Oberschenkel. "Nun denn, ich möchte dich nicht aufhalten, du hast sicherlich wichtigeres zu tun als mit mir über Eventualitäten zu plaudern. Ich danke dir für das Gespräch und die Informationen, Flavius, und würde mich dann zurückziehen." Die beiden Sklaven traten langsam hervor und warteten neben einer Säule.

    Voller Tatendrang und in bester Stimmung war ich mit den anderen als frisch ernannter decemvir litibus iucandis vom forum nach Hause zurückgekehrt und war sogleich in mein officium gestiefelt. Einem Sklaven trug ich auf, Livius Pyrrus zu organisieren, meinen scriba personalis. Irgendwo im Haus musste er stecken, und ich brauchte ihn für die neuesten Listen der Verstorbenen.


    Ich begann damit, meinen Schreibtisch etwas freizuschaufeln, denn in meiner Abwesenheit war doch einiges hier gelandet, das ich noch abzuarbeiten hatte. Ich dachte an das Testament meines Onkels, für dessen Vollstreckung ich nun selbst zu sorgen hatte - welch Ironie des Schicksals! Da fiel mir ein, dass die Prätorianer das Original noch besaßen. Ich würde es holen lassen müssen. Kaum hatte ich diesen Gedanken gedacht, öffnete sich nach kurzem Klopfen die Tür und Pyrrus trat ein, griesgrämig wie immer. Ich ertappte mich bei der Frage, wann er wohl zuletzt gelacht hatte oder ob er das gar nicht konnte. "Du hast mich rufen lassen?" murrte er und setzte sich mit gezückter Schreibtafel hin. "Ja. Ich bin nun offiziell für die Erbschaftsangelegenheiten zuständig, zusammen mit neun weiteren Männern. Ich möchte, dass du mir die aktuellen Listen der letzten Volkszählung beschaffst und die Aufzeichnungen über jene Todesfälle, die seit der Zählung passiert sind", trug ich ihm auf und ordnete pedantisch einen Stapel eng beschriebener Pergamente. Pyrrus kritzelte sich Notizen auf seine tabula und nickte dabei verbissen. "lectiones...Todesfälle... Ich nehme an, das soll ich jetzt gleich machen?" fragte er und blinzelte mich an. Ich zog eine Grimasse. "Achwas, es reicht, wenn ich die Listen in ein paar Wochen bekomme", gab ich mit ironischem Unterton zurück, den Pyrrus allerdings nicht zu bemerken schien, denn sein Gesicht hellte sich etwas auf. "Prima, dann-" "Livius Pyrrus! Sehe ich aus wie jemand, der Müßiggang gutheißt?" fiel ich ihm ins Wort. Auf eine Antwort auf diese rhetorische Frage wartete ich gar nicht, sondern wedelte gleich ungeduldig mit der Hand. "Beweg dich, ich will diese Listen schnellstmöglich haben, nicht erst in ein paar Tagen. Um deine Niki kannst du dich heute Abend kümmern, ich bin mir sicher, dass sie Verständnis haben wird für die Arbeit, die ich dir schließlich entlohne", erklärte ich. Die griechische Köchin und Pyrrus hatten in Germanien zueinander gefunden, irgendwie, auch wenn ich mich insgeheim fragte, wie man jemandem wie Pyrrus etwas wie liebliche Worte entlocken konnte. Pyrrus presste die Lippen aufeinander und erhob sich. Er verbeugte sich steif und stakste dann aus meinem Büro, in dem ich amüsiert grinsend zurückblieb und Platz für neue Pergamente schaffte.

    Ich blickte in den Weinbecher und schwenkte die rote Flüssigkeit darin umher. Es wäre gewiss sinnvoller, sich so zu einigen. Das würde allen Beteiligten einiges an Zeit ersparen.


    "Hab Dank", erwiderte ich lächelnd auf die Zusage der Unterstützung und das Lob hin. "Ich hoffe nur, dass ich die in mich gesetzten Erwartungen wirklich erfüllen und deinem Vetter ein würdiger Nachfolger sein kann. Er hat sehr gute Arbeit geleistet, selbst über die Provinz hinaus. Sogar in Germanien hat man ihn stets nur lobend erwähnt", erzählte ich und dachte an die Provinzzeitung Germaniens. Bei den darauffolgenden Worten hörte ich genau zu.


    "Helvetius Tacitus", resümierte ich und nickte einem meiner zwei diskret wartenden Sklaven zu, damit dieser sich den Namen merken würde. "Sollte der Senat meiner Bitte entsprechen und mich wirklich zum decemvir ernennen, werde ich mich dieser Angelegenheit annehmen, sofern er nicht bereits erledigt ad acta gelegt wurde", versprach ich. Bei der Erwähnung des Senats kam mir ein anderer Gedanke in den Sinn. "Flavius, wenn du mir eine Frage gestattest, ist es nicht so, dass derzeit nach einem neuen proconsul für Hispania gesucht wird, da der alte die Dinge hat schleifen lassen? Ist man in dieser Frage denn schon weiter gekommen?"

    Zitat

    Original von Quintus Didius Albinus
    Er ließ Wein bringen:" Jaja die Lex Octavia und Aelia ein Machwerk zugeschnitten auf die beiden Urheber. Ein Senatorenposten und ein Ritterposten, sowas macht schon stutzig wenn man weiß, daß der eine den CH beschreitet und der andere Ritter ist, aber nungut das Gesetz welches die Curie auflöst und meinen Posten damit obsolet macht, ist so gut wie durch*, daher sitze ich nun hier und beschäftige mich mit der Abwicklung der Curie.


    Ich hob die Rechte und strich mir einige Male nachdenklich über die Bartstoppeln, die sich am Kinn befanden. "Hmm", machte ich dann. "Der Aelier...ich halte ihn eigentlich nicht für jemanden, der solche Machenschaften unterstützt. Ich kenne ihn ja noch aus den Zeiten, in denen ich selbst sodalis der curia war", gab ich nachdenklich zurück und zuckte anschließend mit den Schultern. Natürlich war es auffallend, aber dass ein Aelier so eigennützig handelte, wollte ich nicht recht glauben. Immerhin stand diese gens seit Jahrzehnten in den Diensten des Kaisers. Eigennutz wäre wie ein Schlag in dessen Gesicht gewesen, befand ich. Über den Octavier hingegen konnte ich mir kein Urteil erlauben. Die Octavier mochten zwar eine aufstrebende gens sein, doch außer Avitus, Detritus und dessen Sohn kannte ich keinen - und diese drei auch mehr flüchtig und vom Sehen als näher.


    Ich nahm einem Sklaven dankend den Becher Wein ab, den er mir gab, und trank einen Schluck. "Wenn das Gesetz durchkommt, wie du prophezeihst, dann wirst du eine neue Anstellung brauchen. Bist du noch kein eques, Albinus?" fragte ich ihn und versuchte, mich zu erinnern. Es gelang mir allerdings nicht, und so blickte ich ihn weiterhin fragend an.

    Ich lachte bei seinem Hinweis. Zum einen hatte er natürlich recht: Ein gymnasion war ein ganz anderes Metier als die rostra, zum anderen konnte ich gar nicht mit Bestimmtheit sagen, auf welchem Gebiet nun meine Stärken lagen - oder meine Schwächen. Schmunzelnd deutete ich auf den Ausgang der Umkleide. "Dann mal forsch voran, Appius", sagte ich und deutete ihm, voranzugehen. Ich folgte natürlich auf dem Fuße, und kurz darauf betraten wir den großen Ascheplatz, eingesäumt von Säulen und bereits von einigen ringenden Paaren schwitzender Männer und Jünglinge bevölkert. Der Sklave mit den Handtüchern folgte uns, obwohl wir sie noch nicht brauchen würden, da wird ohnehin staubig und verschmutzt diesen Platz verlassen würden und uns zu säubern hatten, ehe wir uns die nassen Freuden der Thermen angedeihen lassen würden.


    Ich suchte einen Platz in einer Ecke aus und nahm Aufstellung. "Na, Appius, dann zeig mal, was du drauf hast", stichelte ich, und kaum, dass er richtig stand, täuschte ich eine Linksbewegung an und schoss nach rechts vor, um meinen Vetter an den Oberarmen zu packen. Ich spannte meine Muskeln an und genoss das Gefühl, verbissen etwas bewegen zu wollen. Mit angespannten Beinmuskeln stemmte ich mich gegen Cotta, der erstaunlich bestädig war, und suchte immer wieder nach neuem Halt mit den Füßen - schlicht, um ihn aus dem mit einem Stock in den Aschenboden gezogenen Kreis zu schieben. "Ganz...schön hart....näckig!" keuchte ich. "Wenn du...in.....der Po...litik auch so....beständig bist...haben...deine Mitstreiter nichts...zu lachen!" brachte ich hervor und änderte meinen Griff. Dabei achtete ich nicht auf sicheren Stand und wankte leicht. Das wäre ein gefundenes Fressen für Cotta. "Ah!" Ich fluchte innerlich und suchte nach Halt...

    [Blockierte Grafik: http://img70.imageshack.us/img70/2005/sklave9vv4.jpg]


    "Hmmmmmmm", machte Brix und kratzte seinen großen, haarigen Germanenschädel. "Äh, na gut. Machen wir das so, dann nehm' ich sie gleich mit", verkündete er und nickte entschlossen. Da müsste der Herr sich eben etwas ranhalten - mehr lernen und weniger trinken oder so ähnlich. Brix grinste - ihm fehlte der obere rechte Eckzahn - und beäugte den Schreiber. Schade, dass die Fernuni erst Jahrhunderte später erfunden werden sollte. :D

    Eigentlich war ich nicht erschöpft, um mich zu wehren. Es musste aber wohl so wirken, da Lupus ziemlich flink meine Augen mit seiner Hand beschattete. Ehe ich lautstark protestieren konnte - ich hatte schon eine Hand gehoben, um die seine von meinem Gesicht zu fegen - begann Lupus mit seinem Vortrag. Ich hörte sonst kein anderes Geräusch, Prisca, Helena und Deandra mussten wohl der Aufforderung nachgekommen sein und die Augen geschlossen haben. Verstimmt presste ich die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen und strengte meine Gehör an. Ich ertappte mich dabei, erleichtert aufzuatmen - so schlimm Lupus auch aussah...wenigstens stank er nicht. Leises, schnelles Getrappel vernahm ich dann, und kaum dass er begann, vom Essen zu reden, geschah etwas schier Unglaubliches: Ich roch, was er aufzählte!


    Kurz darauf war Lupus' Hand fort und ich öffnete die Augen. Der Puls war verschwunden und hatte erlesenen Köstlichkeiten Platz gemacht. Vor lauter Überraschung vergaß ich, dass ich eigentlich böse auf Lupus war, und Prisca, die die Bescherung ebenfalls sah, sprach mir förmlich aus der Seele. "Das..." begann ich, während alles gleichzeitig zu geschehen schien. Immer noch etwas aus dem Konzept gebracht, hob ich die Rechte und legte überrumpelt grinsend meine Hand in den Nacken. "Was für ein Schreck!" Lupus und Cotta lachten ob ihres gelungenen Scherz (und wohl auch wegen unserer verblüfften Gesichter), die Frauen schienen allesamt erleichtert und auch Sisenna hatte ihren Weg zu uns gefunden, wobei sie eine unsanfte Begegnung mit dem Tablett eines Sklaven machte. Ich sah ihr entgegen und wollte schon eine liebe Begrüßung aussprechen, als ich die Enttäuschung bemerkte, die sich auf ihrem Gesicht ausgebreitet hatte. Mitgebracht? Sie? Ah, natürlich, sie musste die Geschenke meinen. Ich schmunzelte und streckte einen Arm nach Sisenna aus. "Sisenna, mein kleines probriperlecebrae*! Sei nicht so traurig, freust du dich denn gar nicht, dass wir wieder da sind? Natürlich haben wir dir etwas mitgebracht, aber die Sklaven müssen doch die Wagen erst abladen", erklärte ich.



    Sim-Off:

    *Schmeichelkätzchen :D

    Als Deandras neuer Vater in den Säulengang nahe des Gartens trat, ließ ich von Deandra ab und trat einen Schritt zurück, erst dann wandte ich mich dem Claudier zu. Seine Worte versetzten mich in Erstaunen, denn ich hatte natürlich angenommen, dass Deandra während der zwei Jahre in Germanien nicht nur einen Brief an ihren Vater oder die liebgewonnene neue Schwester geschickt hatte. Sicherlich hatte er nur überlesen, dass der Kaiser mein Tribunat verlängert hatte? Ich sah Deandra kurz fragend an und wandte dann den Blick zu ihrem Vater, ebenso fragend schauend. Sein strenger Blick schien durch mich hindurchzudringen. "Claudius Vesuvianus, es ist wahrlich eine Freude, dich zu sehen", erwiderte ich herzlich und umfasste meinerseits ebenfalls sein Handgelenk zur Begrüßung. Nur zu gern ließ ich mich von ihm einladen, auf einer Liege Platz zu nehmen und mich an kleinen Häppchen zu erfrischen. Der Schreck, den Lupus uns bei unserer Ankunft eingejagt hatte, saß mir sozusagen noch in den Knochen. Deandra bot ich erneut meinen Arm an, obwohl der Weg nur ein kurzer war, und dann nahm ich Platz. "Hab Dank für das herzliche Willkommen. Hier bringe ich dir Deandra weitestgehend unversehrt zurück, wie ich es versprochen habe. Ich hatte gehofft, man hätte dich bereits von der Verlängerung meines Tribunats unterrichtet?" fragte ich und warf erklärend einen Blick zu Deandra. "Und zu erzählen gibt es wahrlich eine Menge. Aber ich lasse gern deiner Tochter den Vortritt", fuhr ich fort und betrachtete flüchtig die Sklavin, die eilends fortgewackelt war und nun gerade wieder mit Getränken und Speisen zurück kam.