"Danke dir. Ja, es wird sich bestimmt eine Gelegenheit bieten", erwiderte ich. Sofern die Dame es irgendwann vorzog, sich wieder in meine Nähe zu begeben, hieß das. Ich schluckte den aufkeimenden Ärger hinunter und bemühte mich um ein unverbindliches Lächeln. Es konnten noch Wochen vergehen, bis Celerina sich wieder nach Rom trauen würde. Und obwohl vermutlich sogar meine Aktion daran schuld gewesen war, war ich doch eher verärgert als reumütig. Viel peinlicher war es in diesem Moment, dass ich es wohl versäumt hatte, Imbrex von der Ehe zu berichten. Aber eine Einladung zur Hochzeit musste er doch erhalten haben? Vermutlich war die Hälfte der Post wieder irgendwo verschütt gegangen. Nun, das Kind war bereits in den Brunnen gefallen.
"Es geht ihm gut. Er kam ein paar Wochen vor dir hier an und hat inzwischen seine Arbeit als augur wieder aufgenommen. Ich glaube, er wird bei den nächsten Wahlen als quaestor kandidieren. Aber du hast recht, er hatte sich aus Rom zurückgezogen und mit der melancholia zu kämpfen. Ich hoffe für ihn, dass seine zukünftige Braut ihm hilft, nicht wieder daran zu erkranken", sagte ich und wiegte den Kopf. Ich hatte die junge Tiberia, an die er sein Herz verloren hatte, bisher allerdings kaum kennen gelernt. Mir fiel wieder ein, dass auch Imbrex damals an einer schweren Krankheit gelitten hatte. Ich musterte ihn erneut, konnte allerdings keine Anzeichen erkennen, die darauf hin deuteten, dass es ihm schlecht ging. Im Gegenteil, er wirkte tatkräftig und frisch. Und das war gut so. Wir konnten engagierte junge Männer gebrauchen, damit die gens erstarkte.
"Danke. Aber Titus hat es noch weitaus stärker berührt", sagte ich leise und nippte am Wein. Ich hatte mich schlecht gefühlt, wie immer, wenn so etwas geschah. So, als hätte ich es verhindern können. Aber Ursus hatte sich nicht nur so gefühlt. "Er hat sich die Schuld daran gegeben und sich Vorwürfe gemacht, weil er sie zur Erholung ans Meer geschickt hatte", fuhr ich fort und hob die Schultern. Nun, auch dieses Kind war in den Brunnen gefallen und leider ertrunken. Ich hoffte, dass meine Ehe nicht auch ertrinken würde.
Bei dem ausbleibenden Strahlen auf Imbrex' Gesicht runzelte ich die Stirn, und als er mich dann fragte, welchen Publius ich meinte, starrte ich ihn an. Dann fiel es mir siedendheiß ein. Ich musste peinlich berührt grinsen. "Ehm. Ich meinte Appius. Appius ist auch hier."