Immer schon war meine Familie eine der kaisertreuen gewesen - sah man von meinem Onkel Cicero, diesem Verräter, einmal ab. Doch Treue bedeutete nicht, alles und jedes zu akzeptieren und blind zu folgen, ohne je etwas in Frage zu stellen. Zumindest nicht für mich. Es mochte daher durchaus als Hochverrat erscheinen, was ich sagte. Dem Kaiser selbst hätte ich nahe gelegt, sich mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen, doch war dies die Aufgabe seiner Berater und vielleicht auch die seines Bruders. Mich anzubiedern, kam nicht infrage.
"Ja, da siehst du es. Er ist nicht in Rom. Seine Frau ist nicht in Rom. Der Kaiser ist krank. Sein Bruder steuert das Staatsschiff. Ein zwielichtiger Stadtpräfekt achtet darauf, dass der Kurs eingehalten wird. Und für die Sicherheit sorgt ein eher unbekannter Kriegsveteran", resümierte ich. "Wenn das nicht die besten Voraussetzungen für einen Putsch seitens des Plebs sind, weiß ich es nicht. Und wenn der Plebs sich entscheidet, es zu versuchen, dann steht weit mehr auf dem Spiel als nur die Ordnung im Reich." Ich aß eine weitere Sprotte und schenkte zunächst Durus, dann mir selbst Wein nach. Es war ausgesprochen interessant, seine Meinung mit der meinen zu vergleichen. Auch ich dachte an meinen Patron. Vinicius Lucianus und Decimus Meridius traute ich es nicht zu, eine sich bietende Möglichkeit zu ergreifen, ohne zu zögern. Hungaricus würde tun, was ihm richtig erschien, und das konnte nur die Wiederherstellung der Ordnung sein - sollte es je dazu kommen, hieß das.
"Nun ja. Vielleicht fehlt es ihm auch nur an den richtigen Beratern. Er sollte sich mehr engagieren. Ich weiß nicht, wie eure Sitzungen üblicherweise ablaufen, aber Valerians Verhalten bei der Anhörung fand ich doch recht schwach für einen pontifex maximus. Er wirkte stellenweise nicht nur desinteressiert, sondern regelrecht unaufmerksam." Ein prüfender Blick fiel auf Durus. "Vielleicht könnte auch seine Frau etwas Positives bewegen?" stellte ich die Frage in den Raum. Immerhin haftete manchen Damen etwas an, das durchaus hilfreich für jemanden war, der selbst nicht in die Gänge kam. Epicharis und Aristides fielen mir spontan ein. Ich fragte mich, ob der Flavier sich zur nächsten Wahl aufstellen ließ oder ob Epicharis noch eine Weile brauchte.
"Wie ist es eigentlich mit dir, Durus, du bist ja immer noch Junggeselle", lenkte ich dann das Gespräch in andere Bahnen und schmunzelte verhalten. In seinem Alter noch nicht einmal verheiratet gewesen zu sein, war doch recht kurios, besonders, da es sich um einen gestanden Mann, Senator und pontifex handelte. "Ich hätte da ein paar reizende Verwandte."