Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Leicht war es mir nicht gefallen, Caecus zu den Damen zu senden und sie alle vier so bald als möglich hierher in die exedra zu holen. Ebenso wenig würde es mir wohl leicht fallen, das längst überfällige Gespräch mit ihnen zu führen. Und weil es mir vermutlich noch schwerer fallen würde, jede von ihnen einzeln deswegen zu sprechen, hatte ich sie allesamt gleicheitig herzitiert.


    Wenn sie kamen, würden sie mich mit ernstem Gesicht und leicht gefurchter Stirn vorfinden, wie ich am offenen Durchgang zum Peristyl stand und hinaus bis zum Garten sah. Ich hoffte, dass nicht nur Prisca und Laevina auftauchen mochten. Anwesend waren sie heute früh alle vier, das wusste ich. Deswegen hatte ich diesen Moment auch abgepasst und mir nichts weiter vorgenommen als dieses Gespräch, das ich nun einmal führen musste. So wartete ich, mit gemischten Gefühlen und ein klein wenig Zweifel ob des guten Ausgangs des Gesprächs.



    Sim-Off:

    Prisca, Laevina, Minervina und Severa - einmal bitte Obacht! :D

    Es wäre auch höchst wundersam gewesen, hätte der augur nicht das Wohlwollen des höchsten römischen Gottes deuten können. Der neue rex sacrorum stand demnach also fest, nachdem der Kaiser ihn noch einmal offiziell ernannt hatte. Der Menenier neigte ehrerbietend den Kopf und warf einen Blick zu seiner Frau, die durch des Kaisers Worte nun frischgebackene regina sacrorum war. Die Prozessions zur Amtswohnung des Paares an der Via Sacra würde erst später zelebriert werden, nahm ich an, denn nun würde wohl zunächst die inauguratio des neuen flamen Quirinalis folgen.

    Was Durus als eine Möglichkeit der Zukunft ansah, war für mich selbst bereits der Fall. Valerianus hatte ich noch nie im Senat gesehen, seitdem ich selbst zu den ehrwürdigen Vätern Roms zählte, und wenn er sich bei den contiones des collegium pontifiium so gab, wie ich es während der letzten Sitzung erlebt hatte, dann würde es mich nicht sonderlich wundern, wenn der Kaiser bereits jetzt nur das ausführende Organ Quartos und dieses Vescularius war. Es blieb abzuwarten, ob, beziehungsweise inwiefern sich diese Situation - oder eher mein daraus gewonnener Eindruck - noch einmal ändern würde. Vorerst blieben daher ohnehin nur Spekulationen und Mutmaßungen, und die waren weder spruchreif, noch hätte einer von uns beiden wohl gewagt, öffentlich etwas von dem bisher geführten Gespräch kunzutun.


    Es klopfte erneut, und wieder traten zwei Sklaven ein, die jeder eine Platte trugen. Statt Fisch und Meeresfrüchten ruhten Geflügel und Fleisch in angenehmer Größe darauf, garniert mit Obst und Gemüse, eingelegt in verschiedenen Marinaden. Auf der anderen Platte befanden sich kleine Schüsselchen mit verschiedenen Soßen und auch Brot, in das Oliven- und Walnussstückchen eingebacken waren. Durus schien nichts weiter zu den Vorgängen um den Kaiser sagen zu wollen, und so deutete ich den Sklaven, dass sie diesmal den Raum nicht wieder verlassen, sondenr sich zur Verfügung halten sollten. Ich selbst fand, dass ich mir den Ball recht gut vorgegeben hatte, um nun auf dieses Anliegen zu sprechen zu kommen. Und Durus schien nicht abgeneigt, wie ich vernahm. Einer der Sklaven bot Durus eine Schale mit Rosenwasser dar, damit er sich die Finger säubern konnte, der andere wartete mit einem frischen Teller in der Hand, um ebendiesen nach seinen Wünschen zu befüllen. Ich nahm gleichfalls einen Schluck Wein. "Genaugenommen suche ich sogar vier", gab ich trocken und ein wenig schmunzelnd zurück und stellte den Becher wieder ab. "Hättest du Interesse?" Im Geiste überlegte ich schon, wen der Damen ich ihm anvertrauen würde. Im Grunde war Durus ein Mann, dem ich alle drei anvertrauen würde. Drei, weil Prisca eigentlich für jeden zu schade war. Genaugenommen wollte ich sieam liebsten gar nicht verheiraten...denn das würde bedeuten, dass sie die villa verließ. "Erinnerst du dich an meine reizende Begleitung auf der aelisch-prudentischen Hochzeit, meine Nichte Laevina?"

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    EDIT: BIN ERSTMAL BEDIENT :D

    Ihr Schmunzeln verdeutlichte mir nur allzu gut, dass sie sich über mich amüsierte. "Du machst dich lustig über mich", entgegnete ich daher leicht schmollend und sah Prisca ein wenig frustriert an. Allerdings verflog mein Gesichtsausdruck schnell wieder, als sie mir kurz über die Wange strich. Ich blinzelte sie an. Sie wirkte ernst, begann dann jedoch, von ihrer Reise zu erzählen. Ein wenig verwirrt hörte ich zu. Unser Verhältnis war immer schon besonders gewesen, aber heute hatte ich den Eindruck, dass Prisca Zärtlichkeit fehlte. Ich hob einen Mundwinkel ob dessen und nahm sie seitlich in den Arm, schließlich saß ich inzwischen neben ihr.


    "Ich hatte eigentlich noch nicht sofort mit dir darüber reden wollen, aber... Ja, du hast recht. Es gibt keine Erklärung dafür, und ich bin wohl nicht der einzige, der maßlos enttäuscht ist. Gerade gestern war ich bei seinem Verwandten, Flavius Gracchus. Es scheint so, als wüsste nicht einmal seine eigene Familie etwas über seine Beweggründe." Ich musste daran denken, wie er mir einmal von seinem Sohn und dieser Fischerin erzählt hatte. Lag die Vermutung nicht nahe, dass er zu ihr zurückgekehrt war? Aber das konnte ich Prisca schwerlich erzählen. Forschend sah ich sie von der Seite her an. Konnte es sein, dass...? "Hast du ihn geliebt?"


    "Uns scheint nicht unbedingt das Glück beschieden zu sein, was geplante und tatsächliche Vermählungen betrifft", fuhr ich dann fort. "Du hast eben nach meiner Verlobten gefragt. Sie ist tot. Verbrannt, in einem Lagerhaus in Ostia. Keiner weiß bisher Genaueres." Ich fühlte mich seltsam unberührt. Vermutlich deswegen fuhr ich zügig fort, nachdem es heraus war. "Und neulich war ein Verwandter von Deandra hier. Du weißt doch noch..." Wie konnte man das vergessen... "Sie ist nach Spanien gereist. Kurz darauf ist auch sie gestorben." Ich schwieg, und das Schweigen sagte mehr darüber aus, was ich dachte, als die Worte. Ich war mir sicher, dass es aus irgendeinem Grund nicht sein sollte, dass ich eine Frau heiratete. "Jetzt sag bitte nicht wieder, dass es nicht meine Schuld sei", griff ich Prisca vorweg, als gerade der Sklave von eben wieder eintrat und diesmal die Obstplatte ordnungsgemäß vor ihr und mir auf dem Tisch platzierte.

    Es schien alles gewesen zu sein, denn der Sklave verabschiedete sich, nachdem er versichert hatte, seiner domina alles auszurichten, was ich ihm aufgetragen hatte. Meine Schritte lenkte ich danach ins Peristyl, ich brauchte ein wenig kühle Frischluft, um zu verarbeiten, was ich da soeben vernommen hatte.


    ~ finis ~

    Dem Sklaven, der soeben das Zimmer verließ, schenkte ich keine weitere Beachtung. Er würde tun, was ihm aufgetragen war, und da er damit meine Bitte um Benachrichtigung meiner Verlobten erfüllte, war dieser Angelegenheit damit genüge getan. Auf seine Erwiderung bezüglich Aquilius hin, schürzte ich kurz die Lippen und schwieg einen Moment. Es erschien mir äußerst fragwürdig, dieses Verhalten meines Freundes, sich ohne eine Nachricht auf und davon zu machen. Dass ich enttäuscht war, auf eine persönliche Art und Weise und nicht auf die Art, wie es jemand gewesen wäre, der nur seine Nichte hatte verheiraten wollen, sah man mir mit Sicherheit an. "Das sind keine guten Neuigkeiten. Ich hatte wirklich gehofft, dass seine Abwesenheit nur von kurzer Dauer sein würde", erwiderte ich, ehe ich mir Gracchus' Angebot anhörte. Wen er damit wohl meinte? "Natürlich besteht nach wie vor Interesse. Ich habe zwei Nichten und zwei Basen, die sich im heiratsfähigen Alter befinden. An wen hattest du dabei gedacht?" Zweifellos war sein eigener Sohn noch viel zu jung, um jetzt an eine Dame Anfang zwanzig versprochen zu werden. Doch wen konnte er sonst meinen, seinen Bruder vielleicht?


    Die nicht so erfreuliche Angelegenheit die Salier betreffend, zeigte Gracchus dieselbe Empörung wie auch ich. "Da stimme ich dir voll und ganz zu. So sich der Kaiser selbst dieser Angelegenheit annimmt, sollte man sich ebenfalls die Namen derjenigen ansehen, die in letzter Zeit finanziell besser dastehen als noch vor Fabius' Fehltritt. Es ist ohnehin ungeheuerlich, dass diese ganze Angelegenheit...eher verhalten behandelt wurde", gab ich mit äußerster Vorsicht zurück, dabei Gracchus' Gesichtsausdruck erkundend. Ursus hatte also bereits vorgesprochen. Wie ich es mir gedacht hatte. So nickte ich nur. "Ich danke dir", sagte ich, um im nächsten Moment ein wenig verwundert Gracchus anzusehen. "Warum solltest du in meiner Schuld stehen?" Mir fiel eine einzige Sache ein, doch war es Gracchus' Leiden gewesen, das sein Engagement im Fall Fabius gebremst hatte, und so sah ich dies nicht als Fehlen seinerseits an, sondern als unglückliche Umstände.

    Wie sie mich ansah, hielt mich gefangen. Ich hatte das Gefühl, in diesem Moment meiner Zukunft ins Auge zu sehen, nur seltsamerweise bereitete es mir eher Unbehagen als Zufriedenheit. Doch der Moment ging vorüber, ohne dass ich mir Gedanken darüber machte, was Celerina wohl gerade denken mochte. Ich nahm an, dass sie noch einmal an diesen Schurken dachte, der nun in einem Kerker vor sich hin vegetierte und auf sein Ende wartete.


    Celerinas weitere Worte lösten einen Adrenalinschub in mir aus. Bald klang definitiv anders als nach den Saturnalien. Bald war darüber hinaus ein äußerst dehnbarer Begriff, während nach den Saturnalien wiederum bereits ziemlich bald war. Ich rechnete. Die Saturnalien begannen in ein paar Tagen und dauerten zehn Tage an. Das hieß, im besten Falle blieben uns - mir! - noch drei Wochen. Vier, wenn man die Planungen als Vorwand nahm, die Zeit noch ein wenig zu dehnen. Mir wurde bewusst, dass ich dasaß und nichts sagte. Celerina sah mich an. Schnell lächelte ich also. "Ja, nach den Saturnalien." Mir fiel auf, dass nach den Saturnalien genauso gut kurz vor den nächsten Saturnalien bedeuten konnte. Aber es zu schieben, brachte ohnehin nichts, also verwarf ich solche Gedanken. "Ich hatte bereits mit meinem maiordomus gesprochen. Wenn du möchtest, wird er sich mit deinem vilicus abstimmen, was die Planungen betrifft, ansonsten überlasse ich ihm alles. Wir sollten vor oder nach dem martius heiraten, Celerina." Immrhin war dies der Monat des Mars. "Was hältst du von den iden des februarius (Sa, 7.2.2009/106 n.Chr.)? Das müsste ein dies nefastus sein. Wenn dir der Termin recht ist, würde ich die Auguren befragen."

    [Blockierte Grafik: http://img129.imageshack.us/img129/8084/wagenlenkerer4.png] | Modicus Pansa


    Nicht nur Axilla hatte gute Ratschläge von seinem Meister bekommen, ehe das Rennen begonnen hatte. Auch Pansa hatte sich so einiges anhören müssen. "Nur Weiberhelden werden Bäcker, des Knetens wegen, du weißt schon. Aber wer weiß, wie er mit Fleisch richtig umgehen muss, der wird Metzger!" hatte sein Meister zu ihm gesagt. "Zeig ihm, wo die Wurst hängt!" Pansa wusste auch so, dass man zum Backen nicht viel Talent brauchte. Man warf einfach alles in eine Schüssel und rührte dann, bis eine zähle, klebrige Masse entstand. Und die teilte man dann auf und warf sie in den Ofen. Da gehörte nun wirklich nicht viel dazu. Als Metzger aber musste man sich nicht nur mit der Anatomie auskennen, man brauchte auch Fingerspitzengefühl (um Sehnen herauszuschneiden), ein gutes Auge (um Sehnen überhaupt erst zu erkennen) und Stärke (um die Haxe vom Rumpf zu trennen). Und dann brauchte man noch Fleischerhaken, um die Einzelteile aufzuhängen, aber das war nichts, was Pansa für das Rennen wichtig erschien.


    Pansa keuchte, als der Wagen vor ihm immer näher kam. Das hatte bestimmt dieser Kleinbrötchenbäcker neben ihm eingefädelt. Deswegen hielt der auch so permanent die Spur! Pansa war sich sicher, dass der Bäcker wollte, dass der Kerl vor ihm ihn rammte und nicht ihn. Wobei ihn er war und nicht der andere. Also er selbst. Fasziniert von seinen eigenen Gedanken ließ Pansa die Wagen eine Sekunde aus den Augen - und fand sich dann als Zuschauer eines riskanten Manövers wieder, denn der Decimus vor ihnen rammte gerade dem Blauen den Peitschenknauf zwischen die Speichen. Pansas Mund klappte vor Staunen auf, was er im nächsten Moment bereute, da sich zu der halben Wurst in seinem Bauch nun eine gehörige Ladung Sand gesellte und er sich sputete, hustend wieder die Lippen aufeinanderzupressen. Derweil neigten sich die verkeilten bigae der Mitte zu, was nüchtern betrachtet kritisch war. Pansa keuchte und versuchte verzweifelt, nicht nur seinen eigenen Wagen, sondern auch den des tumben Bäckers weiter zur Außenseite hin zu drängen. Gleich gingen sie in die fünfte Runde!

    "Ich sollte dich nocht an den Brief wegen dieses Tiberiers erinnern", sagte Pyrrus, der auf seinem Hocker saß. "Ach ja, richtig. Wie war gleich sein Name?" fragte ich zerstreut, während ich aus dem Fenster hinaus in den wintertristen Garten blickte. "Appius Tiberius Iuvenalis. Das übliche Schreiben?" "Ja. Schreibe, dass ich als auctor der Staatszeitung seine postume Spende annehme." Ich hatte die Arme auf dem Rücken zusammengelegt und betrachtete eine Amsel, die wippend auf einem kahlen Zweig auf und ab hüpfte. Hinter mir im Raum kratzte die Feder des Schreibers monoton über das Papier. "Förmlich?" "Förmlich. Es ist für die Akten, Pyrrus." Livius Pyrrus schrieb weiter und legte den Brief anschließend auf die anderen drei Schreiben, die bereits auf dem Schreibtisch lagen und darauf warteten, eine Unterschrift und das aurelische Siegel zu erhalten. "Jetzt noch der Brief an deine Base Helena." Ich wandte mich um und begann, im Raum auf und ab zu gehen. "Ah. Ja. Hm... Schreibe: Liebe Helena, lange hast du nichts mehr von dir hören lassen. Es geht dir doch gut? Ich hoffe, dass....."



    Irgendwann, rund fünf weitere Briefe später, saß ich dann an meinem Schreibtisch, unterschrieb und siegelte die Dokumente eigenhändig und übergab sie dann dem scriba, der sich um alles weitere kümmern würde - auch darum, dass der Erbschaftsbrief zu Avianus gebracht wurde.



    Ad
    Tiberius Aurelius Avianus



    M. Aurelius Corvinus Tib. Aurelio Aviano s.d.


    Im Erbfall des Appius Tiberius Iuvenalis nehme ich, Marcus Aurelius Corvinus, Senator, septemvir et auctor der Acta Diurna, den Nachlass zu Gunsten der Staatszeitung an.


    Gez.
    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]




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    ROMA, KAL FEB DCCCLIX A.U.C. (14.1.2009/106 n.Chr.)


    "In Ordnung. Gleich heute Abend kümmere ich mich darum", versprach ich und machte mir eine entsprechende mentale Notiz. Hoffentlich vergaß ich es nicht bis abends. "Du solltest es auch für dich selbst tun, Tiberius. Nur Übung macht den Meister. Und wenn ich mich an meine frühe Zeit als Stadtmagistrat von Mantua erinnere, wird mir heute noch ganz anders. Manches Gespräch von damals ist tüchtig in die tunica gegangen..." erinnerte ich mich und schmunzelte. "Nun ja. Ich vertraue dir. Du wirst deine Sache schon machen." Wie gut oder schlecht, würde man dann sehen.


    Kurz darauf war es an mir, meinen Neffen erstaunt anzusehen. Seiner Absicht konnte ich nur Positives abgewinnen. Zunächst musterte ich ihn mit leicht verengten Augen, dann nickte ich zustimmend. "Ich würde sagen, dass es für unsere Familie fast schon eine Tradition darstellt, sich nicht um das freiwillige Militärtribunat zu drücken", erwiderte ich und lächelte. "Wenn das also als Frage nach meiner Zustimmung zu verstehen war, dann hast du meine Unterstützung dafür. Du solltest allerdings bald einen Antrag bei der Verwaltung stellen, sonst wirst du vermutlich nicht mehr berücksichtigt. Sie nehmen ohnehin Plebejer vorrangig, da sie nicht das Privileg genießen, sich aussuchen zu dürfen, ob sie ein Tribunat ableisten möchten oder nicht. Hast du dir schon überlegt, wo du hin möchtest? Ich denke, wenn ich es mir noch einmal aussuchen dürfte, würde ich nach Aegyptus wollen... Allerdings gibt es da glaube keine senatorischen Tribunatsplätze. Das müsste man näher in Erfahrung bringen, sofern das für dich eine Option darstellt. Ich für meinen Teil bedaure, dass ich den Süden wohl nicht mehr mit eigenen Augen sehen werde."

    Irgendein geheimes Zeichen ging von Laevina zu Prisca. Ich runzelte flüchtig fragend die Stirn und zuckte dann mit den Schultern. Dass Prisca, im Gegensatz zu Laevina, etwas auf mein verstecktes Kompliment erwiderte, damit hatte ich gerechnet. So grinste ich sie an, um im nächsten Moment empört dreinzuschauen. "Streng?" wiederholte ich, nur um im Anschluss noch breiter zu grinsen. Wein also. Beide Damen hatten ihre Becher erhalten und ich hob gerade meinen, als auch Ursus eintrat und sichtlich gut gelaunt war. "Io Saturnalia, Titus! Wo hast du deine Schwester gelassen? Sie wird doch nicht wieder den Abend in ihrem Zimmer verbringen wollen?" Oder war sie vielleicht gar nicht da? Ich machte ein besorgtes Gesicht. Gerade Minervina verursachte mir in letzter Zeit Kopfschmerzen. Sie zog sich zurück und hatte diesen deprimierten Zug um die Mundwinkel, wenn man sie traf. Unweigerlich dachte ich an Helena und schob die aufkeimende Angst, sie könnte Ähnliches versuchen, weit von mir. Heute sollten wir fröhlich sein, kein Trübsal blasen.


    "Das stimmt. Umso schöner, dass wir es wieder einmal geschafft haben", erwiderte ich auf Ursus' Bemerkung hin. "Du hast Louan auch bescheid gesagt? Ich habe noch Quintus Philo eingeladen, einen meiner Klienten und ein ehrgeiziger Mann", erzählte ich. "Wann gibt es eigentlich die Geschenke?" fragte Alexandros ganz plötzlich und ganz ungeniert. Ich wandte erstaunt ihm den Kopf zu und grinste dann. "Da kann es wohl einer nicht abwarten... Hm, nach oder vor dem Essen?" richtete ich dann die Frage an alle Anwesenden.

    Louan in seiner salopp-herzlichen Art ließ mich schmunzeln, ein bisschen wehmütig zwar, aber immerhin. "Nein, es geht leider nicht. Mir ist etwas dazwischen gekommen", erwiderte ich ihm. Oder eher jemand. Bei seinen Worten bezüglich Siv sah ich ihn überrascht an, nickte dann aber. "In Ordnung. Und sie soll nicht auf die Idee kommen, reiten zu wollen", schärfte ich ihm, gepaart mit festem Blick, noch einmal ein. Dina kletterte bereits plappernd auf den Karren und redete auf Caelyn ein, wie schön doch ein Ausflug aus Rom sei, wie toll die Saturnalien seien und wie viel Spaß sie haben würden, wenn sie Louan anfeuerten und er der glänzende Gewinner des Wettkampf sein würde. Für Siv rutschte sie ein wenig zur Seite und reichte ihr dann die Hand, um ihr beim Aufsteigen zu helfen.


    In jenem Moment spuckte das Stallgebäude Ursus aus. Ich lächelte ihn kurz schief an. "Naja. Louan wird wohl ohne mich als Konkurrenten auch viel besser abschneiden..." versuchte ich einen - zugegebenermaßen recht mauen - Witz. "Passt auf euch auf. Und dir viel Glück, Louan!"

    Immer schon war meine Familie eine der kaisertreuen gewesen - sah man von meinem Onkel Cicero, diesem Verräter, einmal ab. Doch Treue bedeutete nicht, alles und jedes zu akzeptieren und blind zu folgen, ohne je etwas in Frage zu stellen. Zumindest nicht für mich. Es mochte daher durchaus als Hochverrat erscheinen, was ich sagte. Dem Kaiser selbst hätte ich nahe gelegt, sich mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen, doch war dies die Aufgabe seiner Berater und vielleicht auch die seines Bruders. Mich anzubiedern, kam nicht infrage.


    "Ja, da siehst du es. Er ist nicht in Rom. Seine Frau ist nicht in Rom. Der Kaiser ist krank. Sein Bruder steuert das Staatsschiff. Ein zwielichtiger Stadtpräfekt achtet darauf, dass der Kurs eingehalten wird. Und für die Sicherheit sorgt ein eher unbekannter Kriegsveteran", resümierte ich. "Wenn das nicht die besten Voraussetzungen für einen Putsch seitens des Plebs sind, weiß ich es nicht. Und wenn der Plebs sich entscheidet, es zu versuchen, dann steht weit mehr auf dem Spiel als nur die Ordnung im Reich." Ich aß eine weitere Sprotte und schenkte zunächst Durus, dann mir selbst Wein nach. Es war ausgesprochen interessant, seine Meinung mit der meinen zu vergleichen. Auch ich dachte an meinen Patron. Vinicius Lucianus und Decimus Meridius traute ich es nicht zu, eine sich bietende Möglichkeit zu ergreifen, ohne zu zögern. Hungaricus würde tun, was ihm richtig erschien, und das konnte nur die Wiederherstellung der Ordnung sein - sollte es je dazu kommen, hieß das.


    "Nun ja. Vielleicht fehlt es ihm auch nur an den richtigen Beratern. Er sollte sich mehr engagieren. Ich weiß nicht, wie eure Sitzungen üblicherweise ablaufen, aber Valerians Verhalten bei der Anhörung fand ich doch recht schwach für einen pontifex maximus. Er wirkte stellenweise nicht nur desinteressiert, sondern regelrecht unaufmerksam." Ein prüfender Blick fiel auf Durus. "Vielleicht könnte auch seine Frau etwas Positives bewegen?" stellte ich die Frage in den Raum. Immerhin haftete manchen Damen etwas an, das durchaus hilfreich für jemanden war, der selbst nicht in die Gänge kam. Epicharis und Aristides fielen mir spontan ein. Ich fragte mich, ob der Flavier sich zur nächsten Wahl aufstellen ließ oder ob Epicharis noch eine Weile brauchte.


    "Wie ist es eigentlich mit dir, Durus, du bist ja immer noch Junggeselle", lenkte ich dann das Gespräch in andere Bahnen und schmunzelte verhalten. In seinem Alter noch nicht einmal verheiratet gewesen zu sein, war doch recht kurios, besonders, da es sich um einen gestanden Mann, Senator und pontifex handelte. "Ich hätte da ein paar reizende Verwandte."

    Am heutigen Tage war es nicht Leone, der öffnete, sondern ein unbekanntes Gesicht - ein Freier. Er öffnete also die Tür, inspizierte die Klopfenden mit kurzem Blick und lächelte alsdann. "Io Saturnalia! Ihr seid sicher zwei der erwarteten Gäste, nicht wahr? Wenn ich euch hereinbitten darf? Die cena findet im Speisezimmer statt. Einfach am Wasserbecken vorbei unn hinten rechts." Sprach's, ließ Philo und Apollonius ein und schloss hernach sorgsam wieder die Tür.

    Allmählich kamen auch die Übrigen, die dieser Zeremonie bewohnen wollten, hinzu. Neben Vitellius Rufio und dem magister der Siebenmänner entdeckte ich plötzlich Flavius Gracchus, dem ich zunickte. Der Platz vor dem auguraculum füllte sich zusehends. Auch die Auguren, gar ihr magister, fanden sich nun ein. "Salve, Durus. Vielen Dank", erwiderte ich erfreut auf Durus' freundliche Begrüßung hin, als einige Liktoren vom nahenden Kaiser kündeten. Mich hätte es nicht überrascht, wäre er trotz seiner erforderlichen Anwesenheit gar nicht erschienen. Im Gewirr einige Klienten der Familie entdeckte ich Orestes und Alexandros. Der Sklave grinste mich an und zeigte mir einen Daumen nach oben. Ich nickte Orestes zu und wandte mich hernach dem Hauptgeschehen zu. Mein zukünftiger Exkollege Axius Serenus deutete auf den neuen resx sacrorum und sagte etwas zu Aemilius Atimetus, dem dicke Sorgenfalten auf der Stirn standen.


    Schweigen breitete sich aus, als der angeschlagene Kaiser endlich seinen Platz erreichte und recht salopp nach dem Willen der Götter fragte. Niemand geringerer als der Führer der Auguren holte die auspicia ex avibus ein. Und wie es bei Zeremonien solchen Ausmaßes üblich war, ließen die Vögel nicht lange auf sich warten, stiegen zur Rechten des Auguren - vermutlich irgendwo aus einem Käfig in einem Hinterhof - auf und flogen über den Platz hinweg.

    Wenn du deine Geschenke mit 0.01 einstellst, wird der "Käufer" in deinem Kontostand gelistet. Das ist so ziemlich geschenkt, schreckt aber ggf. "Wilderer" ab, weil du nachvollziehen kannst, wer dir was stibitzt hat.

    Ich wusste, dass ich sie verletzt hatte. Aber etwas anderes hatte ich ihr nicht sagen können. Dennoch tat es mir leid. Auch, wenn sie anderes denken mochte. Erneut seufzte ich. Nach wie vor gestattete ich mir nicht, ihr zu sagen, was sie mir bedeutete. Es hätte alles nur noch schlimmer gemacht. Nicht unbedingt diesen Moment, aber doch die ganze Situation um sie, um mich, um alle anderen herum. So schwieg ich weiterhin, ließ unausgesprochen, was besser unausgesprochen blieb, und nahm auch die Hand wieder fort, um sie auf meiner Seite unter die Decke zu schieben. Dass ich damit implizierte, sie nicht zu verstehen, nicht einmal zu ahnen, was in ihr vorgehen musste, wusste ich, doch ändern tat ich daran nichts. Es war gut, wenn sie bestimmte Dinge dachte, manches annahm, das nicht den Tatsachen entsprach. Es würde die Dinge leichter machen, das war auch bisher so gewesen. Doch auch, wenn ich längstens nicht über alles sprach, was mich bewegte, wenn ich mich ihr nicht vollends offenbarte und wenn ich sie gar in dem Glauben ließ, ich verstünde sie nicht, so konnte sie mir dennoch vertrauen.


    "Ich denke schon. Ein kleiner Ausflug wird uns allen ganz gut tun. Und die Saturnalien eignen sich bestens dafür, Rom für eine Weile zu verlassen. Man verpasst nicht viel, sieht man von den betrunkenen Horden ab, die durch die Straßen ziehen", witzelte ich. "Aber du reitest nicht. Du fährst auf dem Wagen. Ja?" Immerhin wusste sie, dass ich auch kein Pferd besteigen würde. Zumindest nicht freiwillig und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte.