Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

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    Es weiß nicht zufällig jemand etwas Näheres über die schwarz eingezeichnete Linie? Stellt sie die Servianische Mauer dar oder etwas anderes? Lt. Wiki entspricht die ja nicht dem Pomerium. Welche Bedeutung hatte diese Mauer (so es denn eine ist) in der von uns bespielten Zeit? Rom ist ja bereits darüber hinausgewachsen, die Aurelianische Mauer wird aber erst im 3. Jhd. n. Chr. erbaut.

    "Das ist ja auch nur zu verständlich", erwiderte ich. Ich selbst hatte Celerina auch schonen - und mir noch ein wenig mehr Zeit gönnen - wollen. Doch nun war ich hier, saß an ihrer Seite, an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Was sie über ihren Bruder berichtete, erklärte vieles. Auch, dass ihm damals bei der Opferprüfung schwummerig vor Augen geworden war. Er hatte ob dessen niemals den Rang eines vollwertigen Priesters erreicht, obgleich er doch Großes hätte vollbringen können mit seinem Wissensdurst und Familiennamen. Statt einer wörtlichen Erwiderung drückte ich nur einmal tröstend ihre Hand. Es war sicher sinnig, nicht allzu lange auf dem Tod Lucanus' herumzureden, allein schon im Bezug auf ihre Verfassung, die mir inzwischen recht deutlich labil anmutete.


    Ein wenig verwundert, auch wenn ich es nicht zeigte, nahm ich zur Kenntnis, dass sie scheinbar in einer schweren Stunde an mich gedacht hatte. Es verwirrte mich, da es mich schlichtweg verlegen machte, denn dachte man in schweren Stunden nicht an jene Personen, die einem lieb und teuer waren und die einem etwas bedeuteten? Ich blickte zurück - bei mir war es zumeist Prisca gewesen, die dann vor meinem geistigen Auge erschienen war. Nur warum dachte Celerina ausgerechnet an mich? Dies war der Zeitpunkt, zu dem mir bereits zum zweiten Mal etwas schwante. Ich fuhr mir mit der Zunge über die Lippen. Was sollte ich sagen? Und dann war da noch dieser Sklave neben der Tür. Den Göttern sei Dank fuhr Celerina rechtzeitig fort, ehe ich gewzungen war, etwas sentimental Kitschiges zu erwidern. "Das macht nichts. Er lässt sich ersetzen", erwiderte ich, innerlich glücklich darüber, ein weitaus weniger gefährliches Terrain mit einer Antwort betreten zu können. Ich wollte eben ausführen, wie filigran gearbeitet das Gold, wie außergewöhnlich die Machart und wie selten der Stein des Ringes sein würden, der diesen Verlust selbstverständlich ersetzen würde, als Celerina erneut etwas sagte, dann aber verstummte. Meine Brauen neigten sich einander zu, doch nur kurz. Dann ging es mir auf, und ein mitfühlendes Lächeln erschien auf meinen Lippen. "Er hat dich übel zugerichtet, ich weiß. Und er wird dafür bezahlen, dass er das gewagt hat", beendete ich den Satz an ihrer statt. "Sei unbesorgt. Er wird nie wieder jemandem leid zufügen können."


    Was tun? Eine Ablenkung musste her. Ganz arglos purzelte ein Gesprächsthema in meinen Geist, für das doch alles Frauen zu haben waren. "Hast du dir schon Gedanken über deine pronuba gemacht? Claudia Antonia scheint ihre Aufgabe sehr gut gemacht zu haben, zumindest danach zu urteilen, wie sehr Epicharis strahlt, wenn ich ihr im Redaktionsgebäude begegne. Sobald es dir wieder besser geht, sollten wir mit den Planungen beginnen."

    "Nein", erwiderte ich verstimmt auf das Angebot hin, etwas zu essen zu organisieren. Schweigend brütete ich über ihren Worten. Sie wollte nichts für sich, sondern nur für das Kind. Und sie sah nicht ein, warum andere in ihrer Situation dachten, sie würde bevorzugt behandelt werden, wenn ich ihr das Geschenk machte, ihr Kind freizulassen. Ich seufzte. Wieder einmal. "Nein, Siv. Das weißt du nicht", widersprach ich ihrer Behauptung, sie wüsste, was Freiheit - römische Freiheit - bedeutete. Aber ich führte es nicht weiter aus. Ich erklärte ihr es nicht. Und mein Gesichtsausdruck machte gewiss deutlich, dass ich es auch auf Nachfrage hin nicht erklären würde. Stattdessen ging ich auf etwas anderes ein. "Was hätte das Kind davon, gleich nach der Geburt freigelassen zu werden? Es wäre vielmehr ein Geschenk für dich als für ihn. Oder sie", fragte ich sie und schüttelte gleichzeitig den Kopf, um weiterzusprechen, ehe sie etwas erwidern konnte. "Ich habe gesagt, dass ich darüber nachdenken werde, und das werde ich auch tun. Aber ich bin nicht bereit, jetzt weiterhin mit dir darüber zu diskutieren, Siv." Da ich selbst merkte, wie harsch die Worte geklungen haben mochten, schob ich ein vages Lächeln nach und legte eine Hand auf die Tunika über ihrem Brustbein. "Vertraue mir."


    Ich betrachtete ihr missmutig dreinschauendes Gesicht. Was sie wohl denken mochte? "Du macht ein Gesicht wie König Athamas, als er seinen Sohn opfern sollte", spottete ich halbherzig. "Vielleicht heitert es dich ein wenig auf, wenn ich dir sage, dass du mitfahren darfst nach Mantua? Aber du musst mir versprechen, auf dich acht zu geben. Und Louan anzufeuern, natürlich."

    Sim-Off:

    Macht nichts


    Daran erinnerte ich mich auch, wenn mich nicht alles täuschte, hatten wir sogar in der Acta darüber berichtet. Angesichts der fehlenden Sklaven im Raum war es an Durus und mir, uns selbst zu bedienen, was zumindest mein Gast gerade auch tat. Ich nahm mir ein Beispiel und genehmigte mir einige geräucherte Sprotten. "Das wird wohl die Zeit zeigen müssen. Valerian scheint dieser Tage nicht gerade viele Feinde zu haben, und er tut wohl sein Übriges, um alte Fehden nicht wieder aufkeimen zu lassen", erwiderte ich und meinte damit natürlich die Flavier, die seit der Ausrufung Valerians darum bangten, nicht wieder ins Exil geschickt zu werden. Erstaunt stellte ich fest, dass die kleinen Sprotten schmackhafter waren als erwartet, weswegen ich mir gleich noch einmal nach nahm.


    "Ich habe gehört, dass es demnächst einige Neubesetzungen, beziehungsweise Versetzungen geben soll im Militär. Ich bin gespannt, wen es treffen wird." Die Acta hatte ihre Ohren eben überall. "Nunja", sagte ich schlussendlich. "Man kann inzwischen schwerlich noch von einer Eingewöhnungszeit sprechen. Ich persönlich gebe Valerian noch ein, vielleicht zwei Jahre, bis auch der Plebs aufmerksam wird auf das, was er tut - oder eben nicht tut - sofern sich nicht in absehbarer Zeit etwas zum Positiven ändert. Und dann wird das Gerangel losgehen, natürlich begünstigt dadurch, dass Valerian keinen Erben vorweisen kann." Ich biss in ein knackiges Stück Brot. "Sofern die Krankheit nicht schneller ist", fügte ich an.

    Natürlich gefiel es ihr nicht. Ich selbst hätte mich mit einer solchen Antwort auch keinesfalls zufrieden gegeben, sondern nachgefragt. Vermutlich tat sie es aus einem einzigen Grund nicht postwendend: Sie führte sich vor Augen, dass ich ihr Herr war. Sie schien ihren Gedanken nachzuhängen. Und ich war noch wacher, als ich es zuvor gewesen war. Ein erneuter Seufzer hob meine Brust. Ich suchte nach Worten, die ich sagen konnte, ohne sie zu verletzen. Mir fielen keine ein, zumindest nicht zu diesem Thema. Es war schließlich nur natürlich, dass eine Mutter das Beste für ihr Kind wollte. Siv stellte da keine Ausnahme dar. Aber wie konnte ich ihr etwas zusichern, über das ich mir selbst noch nicht ganz im Klaren war? Eine Ablenkung musste her. Mir fiel wieder ein, wie wir vor einigen Stunden in der Küche zusammengekommen waren. Die Saturnalien standen kurz vor der Tür. Hier galt es, ebenfalls rasch eine Entscheidung zu fällen.


    "Wegen Louans Reise... Ich wollte..." begann ich und verstummte, als sie plötzlich fortfuhr und zugleich seltsam steif neben mir wirkte. Diesmal unterdrückte ich den Seufzer und hörte mir an, was sie zu sagen hatte. Siv wollte wissen, wie die anderen sie denn vielleicht behandeln würden. Darauf wusste ich keine genaue Antwort. "Meinst du nicht, dass sie dir neiden werden, wenn du bevorzugt behandelt wirst?" fragte ich sie daher. Ich erinnerte mich noch gut daran, wie die sonst so friedliche Gemeinschaft sie behandelt hatte, als die anderen von dem Fluchtversuch erfahren hatten. Im Liegen zuckte ich mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Es mag sein, dass du damit umgehen kannst und auch nichts darauf gibst. Aber sowas kann einem ganz schön das Leben schwer machen, Siv. Ich würde es nicht unterschätzen, wenn sich ein Gutteil der anderen gegen dich stellt oder auch nur unfreundlich ist", warnte ich sie. "Wenn das je passieren sollte, möchte ich, dass du mir davon erzählst."


    Die andere Frage war schon weitaus kniffeliger. Durfte das Kind wissen, wer sein Vater war... Mir kam ein Sprichwort in den Sinn. Kindermund tut Wahrheit kund. Es würde wohl einfacher sein, wenn es zunächst nicht wusste, wer sein Vater war. Zumindest, bis ich mir selbst darüber im Klaren sein konnte, wie ich damit umgehen würde. Konnte. Sollte. "Das weiß ich jetzt noch nicht", erwiderte ich also ein weiteres Mal ausweichend. "Es ist ja aber auch noch mehr als genug Zeit bis dahin." Vermutlich würde ich die Entscheidung dann aber doch so kurzfristig fällen, wie die Saturnalien stets vor der Tür standen, obgleich sie doch alljährlich zur gleichen Zeit stattfanden. "Problem?" Mit gerunzelter Strin rappelte ich mich auf die Seite und stütze den Kopf auf den angewinkelten Arm. "Siv. Wenn ich wollte, dass du Cadhla nacheiferst, dann wäre das sicher längst passiert. Ich will es aber nicht. Deswegen bist du hier. Und ich weiß noch nicht, was ich dir - euch - zugestehen kann, ohne dass ich mir dadurch weitere Komplikationen innerhalb der Sklavenschaft zuziehe. Es gibt hier durchaus andere, die länger und weniger störrisch ihre Arbeit verrichtet haben als du selbst. Betrachte es einmal aus anderem Blickwinkel: Eine Freilassung ist eine Belohnung. Ein Privileg. Es ist bei weitem nicht so einfach, wie du es dir sicher ausmalst. Ein solcher Schritt will wohl überlegt sein. Ich muss darüber nachdenken. Das muss dir als Antwort reichen", erklärte ich ihr. Im nächsten Moment knurrte mein Magen, wie als brumme ein Bär eine abschließende Zustimmung. "Auch das noch", seufzte ich und grinste Siv im nächsten Moment an. Louan hatte ich überdies vergessen.

    Ein gutmütig-spottendes Schmunzeln zeigte sich auf meinen Zügen, als Laevina von Langeweile sprach. Gewiss würde sie auch über zu viel Arbeit klagen, so sie denn welche hätte. ...was mich wieder daran denken ließ, dass ich für etwas anderes Sorge zu tragen hatte. Sobald die Saturnalien vorüber waren, würde ich meine vier Damen zu einem Gespräch bitten. Ob nacheinander oder zusammen, musste ich mir bis dahin noch überlegen. "Naja, warten wir einfach ab. Wir erwarten auch noch Gäste, wobei Celerina erst nach der flavischen cena herkommen wollte."


    Gut gelaunt langte ich nach vorn und goss mir einen Becher Wein ein. Mit jenem in der Hand lehnte ich mich wieder zurück und musterte ganz ungeniert Siv, die soeben ihre Schriftrolle schwenkte. "Die Geschichte von der Stadtgründung? Interessant. Und, wie gefällt sie dir bisher?" Natürlich war mir nicht verborgen geblieben, wie hübsch Siv heute aussah. Waren das tatsächlich Creolen an ihren Ohrläppchen? Ein wenig länger als nötig musterte ich sie, derweil Prisca eintrat. Erst dann wandte ich den Blick ab und vollzog selbige Musterung auch an meiner Nichte. "Ein weiterer Stern ist soeben am Himmel aufgegangen. In solchen Momenten frage ich mich stets, wie es nur sein kann, dass mir die Bittsteller nicht das Haus erstürmen, um eine von euch zur Frau zu bekommen. Bona Saturnalia, Prisca." Mit einem herzlichen Lächeln deutete ich auf eine unbestimmte Liege. "Was möchtest du trinken? Und ihr, Laevina, Tiberius?" Siv hatte sich bereits etwas geholt, deswegen fragte ich sie nicht.


    Ich goss gerade die gewünschten Getränke in die zwei letzten Becher ein, als Alexandros eintrat, der Retter in der Not, denn er balancierte ein Tablett mit leeren Bechern und eine Schale Oliven aus eigenem Anbau für Jedermann. "Io Saturnaliaaaaa!" krähte er und platzierte das Tablett auf dem Tisch. "Prima", erwiderte ich und schenkte auch Avianus ein. Die beiden Damen hatten ihre Becher bereits erhalten. "Ja, ich dachte mir, ehe Sofia wieder alles hinschmeißt, nur weil sie noch weg will, nehm ich das Tabelett lieber mit. Wollte ja eh hierher." Sprach's, nahm sich eine Hand voll Oliven und pflanzte sich kauend neben Siv. "Was liest'n du da?"

    Nicht erst auf dem Hinweg hatte ich mir Gedanken bezüglich eines Nachfolgers gemacht, denn da ich nun ins collegium pontificium berufen wurde, würde zukünftig mein Platz im Siebenmännerkollegium verwaist sein. Ursus und Avianus waren nie den Riten sonderlich stark zugetan gewesen, obgleich natürlich beide in erwartetem Maße religiös waren. Cotta hätte ich eine solche Aufgabe ohne zu zögern zugetraut, doch weilte er gleich Aquilius nicht mehr in Rom. Wer blieb, war Orest, und ihm traute ich es ebenfalls zu, da er bereits den nötigen religiösen Elan mit sich brachte.


    An diesem Tag war der Himmel über Rom von einem strahlenden Blau. Es war selbst für den italischen Winter zu kalt, und ein Klient hatte mir am Morgen berichtet, dass die Schneefallgrenze nicht nur in Germanien deutlich gesunken war. Mit einigen Klienten und jenen aus der Familie, die der Zeremonie beiwohnen mochten, traf ich bei der Hütte auf dem Capitol ein, die als auguraculum bekannt war. Überrascht gewahrte ich dort nicht nur Mitglieder des Augurenkollegs, sondern auch einige Siebenmänner. Ich trat hinzu. "Salvete, septemviri, augures."

    Tatsächlich, es war schon jemand da. Ich betrat den Raum also, auch wenn ich im nächsten Moment inne hielt und Laevina irritiert anblinzelte. Hatte ich ihr etwas nicht erlaubt, dass sie mich so unfamiliär ansprach? Fragend tauschte ich einen Blick mit Siv, die ebenfalls aufsah. "Ehm", machte ich, denn mir wollte partout nicht einfallen, warum sie mir böse sein konnte. Das Beste wäre wohl es zu überspielen. "Bona Saturnalia euch beiden!" wünschte ich also und ließ mich auf einer cline nieder, die auf halbem Wege zwischen den beiden stand. "Ruhig? Ich finde es herrlich. Kein Stress, keine Besucher... Da hat man endlich wieder Zeit für sich. Meinetwegen könnte es öfter im Jahr solche Feiertage geben." Und solche Nachrichten, denn auch wenn sie mich am Vormittag sozusagen vom Hocker gehauen hatte, war ich dennoch hocherfreut über diese unerwartete Wendung. Noch wusste das niemand außer mir. "Warum findest du es denn zu ruhig? Langweilst du dich?"


    "Und was liest du?" fragte ich Siv, die schließlich eine Pergamentrolle in den Händen hiel. Ich versuchte, über die kurze Entfernung hinweg herauszufinden, was es sein konnte, das sie las, wurde aber nicht schlau aus den paar sichtbaren Buchstaben und gab es schließlich auf. "Wisst ihr etwas von Severa und Minervina?" fragte ich die beiden. Bei ihnen war ich mir nicht sicher, ob sie kommen würden, bei Prisca ging ich gemeinerweise einfach davon aus... Gerade Minervina bereitete mir demletzt Sorgen. Immer weiter zog sie sich zurück, wirkte fast wie ein Schatten ihrerselbst. Ein wenig Abwechslung würde ihr ganz gut tun, überlegte ich. Es wäre jammerschade, käme sie nicht.


    Dafür erschien jemand anderer. Avianus stand im Raum und wünschte allen frohe Saturnalien. Ausgelassen gab ich den Wunsch zurück. Die gute Laune würde mir vermutlich nichts an diesem Tag verderben können. "Io Saturnalia, Tiberius! Na, hast du den ersten freien Tag seit Amtsantritt gut genutzt?"

    Als Celerina ihren Satz nicht beendete, wartete ich noch einen kleinen Augenblick, doch sie führte ihn nicht weiter aus. "Hat dein Onkel etwas dazu gesagt?" erkundigte ich mich dann also. Sicherlich wusste er dann bereits um die Einreichung der Klage. "Ich bin mir sicher, dass diese Menschen nicht noch einmal die Gelegenheit haben werden, jemanden so zuzurichten", schloss ich dann ein wenig unbeholfen. Dass sie dadurch denken konnte, ich fände sie hässlich oder gar unzumutbar, daran verschwendete ich keinen Gedanken.


    "Selbstverständlich", erwiderte ich auf ihren Dank hin. Und das war es tatsächlich: selbstverständlich. Immerhin war sie meine totgeglaubte Verlobte, und selbst, wenn wir uns gehasst hätten, hätte die Höflichkeit es geboten, einen Anstandsbesuch zu machen. Nun, ganz so schlimm war es glücklicherdings jedoch nicht, auch wenn ich mit mir gerungen hatte, herzukommen - einfach aus dem Grund heraus, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Epicharis hatte sie sich also anvertraut. Das war gut. Ich hatte die lectrix als eine hilfsbereite junge Frau kennen und schätzen gelernt. So nickte ich erfreut. "Schön langsam. Alles nacheinander, Celerina. Jetzt erhole dich erst einmal gut. Vielleicht tut dir der ein oder andere Spaziergang im Garten auch gut. Und dann sehen wir weiter." Mir fiel ein, dass es sich nun als schwierig gestalten konnte, nun mit den anderen mitzufahren. Celerina würde es zwar vermutlich nicht offen bekennen, doch missfallen würde es ihr gewiss, wenn ich in ein paar Tagen für mindestens eine Woche verschwand.


    Ihr folgender Satz bescherte mir eine erneute Sprachlosigkeit. Fast hätte ich gefragt, ob sie Gnaeus Lucanus meinte, den engagierten, angehenden Priester. Doch noch rechtzeitig brachte ich mir ins Gedächtnis, dass sie nur ihn meinen konnte und keinen anderen. "Das...tut mir leid..." Was sollte man da auch anderes sagen? "Wie...hm. Er war doch noch jung. Ich habe ihn gut in Erinnerung, wie er bei mir wegen des Dienstes an den Göttern vorstellig wurde."

    Ihr einen gespielt säuerlichen Blick zuwerfend ob dieses Kommentars, zog ich dabei eine Grimasse und legte die schmale Sandale auf den Boden. "Mir scheint, im Norden gehen die Uhren anders", bemerkte ich schnippisch und zwinkerte Prisca zu, als ich mich erhob und neben sie setzte. Ich verzichtete natürlich nicht darauf, ihr einen Arm um die Schultern zu legen. Was freute ich mich, dass die villa seine gute Seele endlich wieder zurück hatte - und ich mit ihr meine kleine große Nichte!


    "Was? Doch, natürlich. Ich wollte damit sagen... Was ich damit sagen wollte, ist, dass..du schon so lange fort bist, dass ich dich um ein Haar nicht mehr erkannt hätte", beendete ich den Satz, der mich beinahe in die Bredouille gebracht hätte. Oder hatte er? Natürlich fand ich Prisca nicht zu dick oder zu dünn. Sie war genau richtig, ob sie nun zehn Pfund mehr oder weniger gehabt hätte. Schließlich war sie meine Nichte. Da zählten die inneren Werte...mehr... Aus diesem klebrigen Gedankenkonstrukt half sie mir glücklicherweise heraus. Den Kommentar bezüglich meines Aussehens überging ich einfach. "Hier? Hmm..." Gedanklich schob ich den Öllampenhalter ein wenig nach rechts und machte links Platz bei der minoischen Vase und ihrem Sockel. "Du hast recht, wir sollten ihn hier aufhängen." Ganz sicher wäre das Motiv auch appetitanregend. Welcher Art auch immer der sein mochte. Ein Scheppern und fliegende Apfelschnitzen lenkten mich ab. Verwundert verfolgte mein Blick einen kullernden Pfirsich, der unter der Liege verschwand, dann warf ich dem Sklaven einen Blick zu. Er hatte sich scheinbar nichts getan und rappelte sich bereits wieder auf. Meine Brauen neigten sich einander zu - und ich war verwundert, dass es diesmal nicht das Soffchen war, das Mist gebaut hatte. der Sklave sammelte hastig das Obst vom Boden und war dann zu seinem Glück so gescheit, es zurück in die Küche zu tragen und auszutauschen, statt es uns erneut darbieten zu wollen.


    "Ich muss gestehen, dass ich keinen Gedanken daran gehegt habe, auch wenn es mir jetzt, da du es erwähnst, selbst einleuchtend erscheint, so gut wie du aussiehst. Ehm, erholt. Und derlei." Ich Schmunzelte Prisca an, zumindest, bis mir das Lächeln aus dem Gesicht fiel. Die Flavia. Ich seufzte. "Wir waren verlobt." Eine Pause. "Lass uns später darüber reden, ja?" Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schließlich noch nicht, dass Celerina noch lebte. "Erzähl mir lieber, wo du überall gewesen bist und was du besichtigt hast, ja? Ich habe deine Briefe regelrecht verschlungen, wenn denn welche kamen. Caius ging es sicher ganz genauso..."

    "Ähm. Eine Spende abzuweisen, wäre ohnehin etwas, das ich nicht tun würde. Brauchst du eine Unterschrift, dass ich dem zustimme? Denn natürlich tue ich das", erwiderte ich ein wenig verwirrt. Auch die Aussage meines Neffens, er hätte sich mit der Verwandtschaft nicht näher auseinander gesetzt, verwunderte mich ein wenig. Aber gut, es war sein Fall, und wenn er ob des augenscheinlich vorhandenen Testaments nicht sagen konnte, ob Durus näher mit diesem Iuvenalis verwandt war, dann musste ich das hinnehmen. Ein leiser Seufzer kam über meine Lippen.


    "Ja. Minervina, Severa und Laevina sind längstens im heiratsfähigen Alter, und du hast vielleicht bereits gehört, dass Priscas geplante Verlobung mit Flavius Aquilius nicht zustande kommen wird, da er Rom verlassen hat. Wir müssen infrage kommende Ehemänner für die vier finden", erklärte ich, auch wenn ich jetzt bereits schon Bauchschmerzen hatte, wenn ich an die mir bevorstehende Gespräche mit den vier Damen dachte. Dass sie beigestert sein würden, zu heiraten, konnte ich mir nicht vorstellen. Nun ja. "Ich möchte, dass du es versuchst. Bring keine Namen ins Spiel. Hör dich nur um, ob für ihn ein Interesse bestünde, eine Verbindung zu unserer Familie zu haben. Ich weiß nicht einmal, ob er gegenwärtig noch Ambitionen hat, eine Frau für sich zu finden, oder ob nicht längst etwas in Aussicht steht. Weitere Details kann man später noch klären, oder seine Aussagen forcieren. Das sehen wir dann, wenn wir wissen, ob Purgitius Macer Interesse hätte. Auch, wen der vier Damen es treffen könnte. In Ordnung?"

    Während der Saturnalien setzten so ziemlich alle Pflichtveranstaltungen aus. Es gab keine salutationes, keine Senatssitzungen, keine religiösen Veranstaltungen, die meine Anwesenheit erforderten - kurzum, es war wie Urlaub. Hinzu kam, dass ich seit den späten Vormittagsstunden nicht nur guter Dinge war, sondern beste Laune hatte. Siv hatte das zu spüren bekommen, indem ich ihr im Vorbeigehen einen Klaps auf den Hintern verpasst hatte, Livius Pyrrus, indem ich ihm ein klimperndes Säckchen außerhalb der Reihe überreicht hatte. Der scriba konnte sogar lächeln. Etwas, das ich nie für möglich gehalten hatte.


    Während der Saturnalien war das Haus beinahe leer, nur einige Wenige blieben lieber hier. Sofia und Dina waren mir ebenfalls begegnet, aufgeregt schnatternd und mit guter Kleidung angetan waren sie auf dem Weg in die Stadt gewesen, doch sie hatten mir versichert, bis zur cena wieder zurück zu sein. Vermutlich wollten sie ein paar Einkäufe in letzter Sekunde tätigen. Hin und wieder begegnete mir ein libertus oder Klient. Das Speisezimmer war zwar nicht übermäßig geschmückt worden, glänzte allerdings wie frisch gewienert und würde später hoffentlich allen ein nettes Ambiente bieten.


    Nachdem ich mich noch einige Stunden beschäftigt hatte, zog allmählich der Duft von Gebratenem ins Haus ein, und irgendwann hielt es mich nicht mehr in meinem Arbeitszimmer und ich verließ es, um micht auf den Weg ins triclinium zu machen. Ob schon jemand anwesend war?



    Sim-Off:

    Möchte nicht schon jemand anwesend sein? Das Thema ist offen für alle, die mitmachen möchten und während der Saturnalien (1. Abend) im Hause weilen. Lasst uns etwas Spaß haben! :)

    "Bärlauchcremesuppe! Es ist Mittag, was erwartet ihr denn? Ich probiere ein neues Rezept aus! Und wenn es euch nicht schmeckt, müsst ihr bis heut Abend warten", murrte Niki in Nualas Richtung und hörte nur kurz auf, in der hellgrünen, sämigen Flüssigkeit zu rühren, um möglichst viele der Anwesenden scharf anzuschauen. Alexandros kicherte verhalten, und Sofia schickte sich an, die Karotten weiter zu würfeln. "Ach, und eins noch: Wenn ich hier nichts mehr wiederfinde nach den Feiertagen, dann gehe ich in einen Streik. Also schärft das besser den Freien ein, die euch bekochen, oder habt ihr einen Bringservice ausgehandelt? Wäre vielleicht eh besser..." Niki hatte die Hand mit dem Kochlöffel in einer Acht bewegt und kratzte sich jetzt mit der anderen Am Lockenschopf. Kurz darauf versank der Löffel mit einem dumpfen Platscher wieder im Suppentopf. "Salve, dominus. Dort drinnen, ganz hinten rechts unter dem Fach mit den Zwiebeln", kam es wie aus der Pistole geschossen, während Niki mit dem Kinn in die Vorratskammer wies. "Du solltest dir gleich zwei nehmen, du siehst aus, als könntest du etwas Frisches gut gebrauchen", bemerkte sie, nun wieder die treue Seele des Hauses mimend.


    "Wir werden ja sehen, wer sich eine dicke Lippe holt", erwiderte ich zu Louan gewandt und nicht minder breit grinsend. Dass ich nicht würde mitfahren (können...dürfen...), war mir noch nicht bekannt, ebenso wenig wie Celerinas Überleben. Das sollte ich erst am nächsten Tag erfahren. "Bis später, Titus. Wieso glaubst du, dass das nicht geht, Nuala? Pass auf, wenn... Manius!" Und tatsächlich kam da auch schon Orestes in die Küche. Er wirkte für meinen Geschmack etwas blass und irgendwie unzufrieden. Alexandros erhob sich und verschwand kurz in der Vorratskammer. "Wie geht es dir?" fragte ich ihn, wobei das noch die harmloseste aller Fragen war, die mir auf der Zunge lagen. Aber er sah nicht gut aus, und so verkniff ich mir die übrigen vorerst. Alexandros kam zurück, in seinen Händen drei pausbäckige Äpfel. zwei davon drückte er im Vorübergehen Orestes in die Hände, dann verließ er die Küche mit einem krachenden Biss in seinen eigenen Apfel. Sofia summte leise vor sich hin.

    Ein amüsiertes Lächeln umspielte meine Mundwinkel. "Sehr gut. Das Abendessen soll am ersten Abend der Feiertage stattfinden. Falls dein Sklave noch nichts anderes vor hat und gern mitkommen möchte, kannst du ihn gern mitbringen. Gut die Hälfte unserer Sklaven werden ebenfalls anwesend sein, wir haben das bisher jedes Jahr so gehalten."


    Ich überlegte einen Moment, doch mehr Neuigkeiten wollten mir nicht einfallen. "Gut. Gibt es bei dir sonst noch etwas Dringliches? Ansonsten, würde ich sagen, sehen wir uns spätestens zu der cena wieder."

    Zitat

    Original von Celeste
    Der geneigte Leser, welcher in Roma aktiv mitliest, wird vielleicht entdeckt haben, dass es einige sehr wenige IDs gibt, die versuchen das Leben in Roma etwas unsicherer zu gestalten. .... Aber sind wir doch mal ehrlich. Wurde in Roma wirklich jeder Dieb gestellt? ;)


    Diebe? In Rom? Das ist ja was ganz Neues! Ich dachte, die wären ausgestorben... :D

    Ich seufzte leise. Zwar wusste ich nicht aus eigener Erfahrung, wie die Kurse am Museion abgehalten wurden, doch hatte ich bereits viel darüber gehört. Viele Schüler lernten ein Leben lang. Würde man diese Lehre mit einem weiterführenden Kurs gleichsetzen, käme man hier niemals zu einem erfolgreichen Abschluss. Macers Worte machten mich nachdenklich. Sicher gäbe es die Möglichkeit, einen Vertreter des Museions zu finden, der infrage kommende Kursanrechnungen in einem Rutsch nach Rom übermitteln würde. Das war also nicht das Problem. Die Frage war eine andere.


    "Mir stellt sich vielmehr gerade eine andere Frage, die jedoch nicht weniger wichtig ist: Wie definiert man cursus continuus? Sicher, in der lex der schola ist er bereits definiert, samt Voraussetzungen und möglichem Erwerb des Passivwahlrechts. Vielleicht sollte man aber im Zuge dieser Diskussion gleich ein wenig weitergehen in der Beschreibung und hinzufügen, welchen zeitlichen Rahmen ein solcher Kurs mindestens auszufüllen hat und dass ein außerschulischer Kurs nur dann angerechnet werden kann, wenn der Schüler eine wie auch immer geartete Abschlussprüfung bestanden hat." Ich sah hinüber zu Avarus. "Die Problematik der Lehren am Museion stellt sich für mich so dar, dass sie anders geartet sind als die weiterführenden Kurse der römischen Schule. Das wäre, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, also sollte man zunächst einen Überbegriff definieren, wenn man über eine mögliche Anrechnung spricht." Der dann Obst wäre. :D

    Ein wenig miesepetrig spuckte auch mich das Haus aus. Eigentlich hatte ich mitfahren wollen, doch dann war die Nachricht vom Überleben Celerinas eingetroffen. Da konnte ich unmöglich eine Woche lang verreisen. Sie selbst war noch nicht reisefähig, zumindest vermutete ich das. So wie sie aussah, würde sie mitnichten freiwillig das Haus verlassen, ehe die blaue Flecken zur Gänze abgeklungen waren. Und wer würde ihr das verübeln können? Ich jedenfalls hatte vor der Entscheidung gestanden, mitzufahren oder ihrzuliebe hierzubleiben. Siv hatte ich bereits versprochen gehabt, dass sie mitfahren konnte, zumal ich ja davon ausgegangen war, selbst ebenfalls mitzukommen. Im Nachhinein die Erlaubnis zurückzuziehen, wäre unrecht gewesen. Also hielt ich mein Wort, schickte aber die begeisterte Dina mit, damit sie ein Auge auf Siv würde haben können. Den anderen hatte ich dasselbe gesagt.


    Mit verschränkten Armen und missmutiger Miene stand ich also irgendwo neben dem Karren und seufzte tief. "Und wehe, du heimst keinen Preis ein", ermahnte ich Louan und zwinkerte ihm zu. "Grüßt Mantua von mir." Ich sah mich um. Siv war noch nicht da, also behielt ich weitere ermahnende Worte vorerst für mich.

    Schwerfällig sprang der glimmende Span von Öllampe zu Öllampe und entzündete Docht für Docht. Die Tür hatte ich hinter mir angelehnt, damit kein Tageslicht aus dem atrium hier hinein fiel. Bald war der kleine Altar und mit ihm jedes der stilisierten Ahnenfigürchen in goldenes Licht getaucht. Ich steckte den Span kopfüber in die mit Sand gefüllte Schale und senkte vor den Götterbildnissen den Kopf.


    "Iustitia, dies ist dein Ehrentag. Ich gedenke deiner und hoffe auf deine Gunst, im Namen meiner Familie. Ich bitte dich auch, führe den Peiniger meiner Verlobten seiner gerechten Strafe zu. Ich will auf dein Urteil vertrauen, denn ich glaube an deine Güte und Weisheit und die Gerechtigkeit, mit der du über uns Sterbliche richtest." Mein Blick blieb kurz an der kleinen Waage heften, welche die Götterfigur vor sich hielt. Mit einem leisen, schleifenden Geräusch glitt die schmale Klinge aus der Dolchscheide. Die Göttin besaß zwar ein Richtschwert, doch für diesen Tag, ihren Ehrentag, wollte ich ihr zudem auch meinen Dolch überlassen. Jenen, der sonst in ener Halterung im Regal meines Arbeitszimmers ruhte. Geschliffene Rubine waren in den Griff eingearbeitet. Ich legte ihn zwischen die Öllampen und fuhr gedankenverloren mit den Fingerspitzen über die Erhebungen.


    "Ehrwürdige Richterin, wache über meine Familie", murmelte ich. Nur noch kurz verharrte ich vor dem arula, dann wandte ich mich nach rechts und deutete eine Verbeugung an. Hernach verließ ich den Raum und verschloss sorgfältig die Tür. In Kürze würden die ersten Klienten eintreffen, und bis dahin galt es, sich die toga anlegen zu lassen

    "Das ist es, ich habe in meinem Tribunat dort gedient", erwiderte ich. "Und gern geschehen, dafür bin ich ja zuständig. Vale, Prudentia." Kaum war sie fort, sortierte ich ihre Wachstafel in das Fach der unentschlossenen Fälle, dann bearbeitete ich die aktuelle Schülerliste Italiens weiter.