Original von Lucius Quintilius Valerian
Valerian beobachtete lächelnd, wie Serrana die Zeilen geradezu verschlang. Auch die Äußerungen, die vermutlich eher unbewußt ihre Lippen verließen, ließen ihn schmunzeln. Wie gern mußte sie Calvena haben! "Nein, leider sehe ich da kaum Chancen...", begann Valerian, als dann schließlich auch der Senator das Atrium betrat. Valerian erhob sich, um Sedulus angemessen zu begrüßen. "Salve, Senator Germanicus." Eine persönlichere Anrede wagte er irgendwie nicht. Trotz der Verwandschaft durch die Heirat mit Calvena.
"Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Auch Calvena geht es gut, sie ist aber noch in Mogontiacum. Ich bin nur für wenige Tage hier wegen des Kolloquiums für das Examen Tertium." Dem Senator genügte das sicher als Zusammenfassung, doch für Serrana setzte er noch hinzu: "Dieses Kolloquium wird nur abgehalten, wenn eine Mindestzahl an Teilnehmern zusammengekommen ist. Es findet aud diesem Grund nur alle paar Jahre statt und in Germanien noch weit seltener als hier. Deshalb lohnt sich die Reise deswegen schon." Valerian bemerkte tatsächlich nichts von den Tränen der jungen Frau, seine Aufmerksamkeit galt stärker dem Senator.
"Ich befürchte, daß ich da in Germanien noch ziemlich lange hängen bleibe. Sogar eine Beförderung innerhalb der Truppe ist abgelehnt worden, der Praefectus Urbi scheint wirklich enorm zornig auf mich zu sein. Eigentlich sollte ich Praefectus Castrorum werden, das hätte mir auch ermöglicht, mit Calvena zusammen ein Haus innerhalb der Castra zu bewohnen." Er sah traurig aus, als er das erwähnte. Denn es war schwer für ihn, daß sie so getrennt bleiben mußten.