Beiträge von Caius Sergius Curio

    "Genau. Ich hatte mir einige Stationen einmal genauer 'angeschaut', um mir ein besseres Bild über die Region bezüglich des Postwesens zu machen. Sobald ich den letzten Abschnitt fertigstellen kann, wirst du den Bericht auf deinem Schreibtisch wiedergfinden. Derzeit hab ich aber genug mit Briefe, Wertkarten und fragenden Kunden zu tun, als das ich in den Abschnitten zwischen den Kunden daran arbeiten könnte."


    Kurz verstummte ich und legte den griffel auf das Wachstäfelchen, welche ich dann zur Seite schob.


    "Aber morgen, spätestens übermorgen wirst du ihn haben." fügte ich noch hinzu und nickte ihm zuversichtlich zu.

    Kurz haschten Taurus und ich durch die Straßen und Gassen von Misenum, mal wieder auf der Suche nach einer mansio. Von hier hatte ich allerdings bisher immer recht Gutes gehört, weshalb ich mir einen geordneten Ablauf und eine hilfsbereite Persönlichkeit hinter dem Tisch vorstelle, nein sogar erwartete und voraussetzte. Schließlich überlegte man sich zweimal, seine Briefe in die Obhut eines fremden – gut, anfangs ist das jeder Verwalter -, unhöflichen Mannes zu geben. Denn der Cursus Publicus war ja nicht die einzige Instanz, was den Briefversand anbelangte und wäre sie das, so wollte ich mir die monatlichen Einnahmen gar nicht vorstellen ... ganz zu Schweigen von den jährlichen.
    Die mansio an sich war recht nahe an der Curia gehalten, lag aber doch so, dass man sie nicht übersah. Auf seine Art und Weise war dieser fast schon zierliche Gebäudetrakt besonders auffällig. Er stach einfach heraus und wieso genau, konnte ich nicht genau sagen. Einen kurzen Blick auf meinen Sklaven verriet, dass er sich darüber anscheinend nicht den Kopf zerbrach, bisweilen sogar recht gelangweilt wirkte, eben wie ich.


    “Bald haben wir wenigstens schon einen Großteil geschafft Taurus! Hast du die Mitschriften im Reisewagen gelassen, oder hast du sie in der Ledertasche dabei?“
    Ein wenig irritiert über meine Frage schaute der Sklave unnützerweise in seine Ledertasche. Ich kannte ihn doch in der kurzen Zeit lange genug, um zu wissen, dass er ein ausgezeichnetes Gedächtnis hatte.
    “Ja, natürlich habe ich sie alle dabei.“
    “Ah gut ... wenn wir sitzen, werde ich dir noch eine kleine Liste nennen, die du ebenfalls in Schrift festhälst.“
    “Geht in Ordnung, Herr“ antwortete er schließlich und nickte noch kurz, ehe er an die Tür zur mansio klopfte, bei der wir mittlerweile angekommen waren.


    „Ja?“ hörte man aus dem Inneren und war für mich, wie auch für Taurus ein Zeichen, eintreten zu können, was wir dann auch taten.
    “Salve, bist du der Praepositus Mansionis hier?“
    „Ja, der bin ich. Wenn Du eine Wertkarte kaufen oder Briefe versenden willst, bist du bei mir genau richtig!“
    “Nein danke. Ich bin Caius Sergius Curio, der Praefectus Vehiculorum.“
    „Ah, schön Dich kennenzulernen. Dann sag, wie ich dir sonst helfen kann.“
    “Ich bin gerade dabei, mir ein Bild über die mansiones in Italien zu machen und da war diese hier ebenfalls auf der Liste ... „
    „Placidus Domingus, verzeih.“
    “In Ordnung. Nun, wie sieht es hier aus? Probleme, Kritik oder Verbesserungen? Vielleicht auch Wünsche?“
    „Öhm ... pfff .... nein, eigentlich nicht. Hier ist zwar immer viel los und es ist dadurch etwas stressig, aber wirklich Probleme haben wir nicht. Gut, wir haben einen scriba, der mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Er fordert mehr Lohn bei niedrigeren Arbeitszeiten.“
    “Hah, nein, das werd ich wohl nicht durchbringen können. Er soll sich mit dem zufrieden geben, was er hat und bekommt und nicht meckern. Sollte ihm das nicht passen, kann er ja auch woanders hingehen.“
    „Ja Praefekt, das habe ich ihm in etwas auch gesagt.“
    “Gut, wenn es weiter nichts ist ...“


    Wirklich gut, wenn die ganzen mansiones recht genügsam sind. Erwartete hatte ich eigentlich das krasse Gegenteil, aber damit gab ich mich natürlich auch zufrieden.
    “Also, ich verlange einen Bericht, über die Aktivitäten, Ausgaben, Einnahmen et cetera des letzten Quartals. Solltet ihr soetwas bereit liegen haben, so nehme ich es gerne jetzt mit, ansonsten binnen einer Woche in meinem Briefkasten!“
    „Einen vollständigen Bericht ... nein, den muss ich erst gliedern, ordnen und in einer reinen Form schriftlich festhalten.“
    “Dann mache dies bitte. Bis auf weiteres vertraue ich mal Deinem Urteil und glaube, dass hier alles in Ordnung ist. Ich werde noch kurz mit dem Magistraten oder dem Bürgermeister reden und dann bin ich auch wieder weg. Vale Placidus Domingus.“
    „Vale Praefekt.“


    ...

    Während ich einige Papyri abgleichte und verbesserte, betrat mein Vorgesetzter das Officium, den ich nach einer letzten schnellen Eintragung ebenfalls grüßte.


    "Salve Senator Germanicus Avarus. Naja, klagen kann ich nicht und die Kunden tun es ebenfalls nicht. Es scheint also alles im Lot zu sein."


    Mit einem kleinen Nicken nahm ich die zehn Sesterzen und die beiden Briefe entgegen und holte aus einem größeren Stapel eine Wachstafel heraus, auf der ich beinahe schon nebensächlich die Briefdaten eintrug - Absender, Empfänger und Ähnliches.


    "Gut, ich muss gleich eh noch mit einigen Tabellarii reden, dann geb ich die Anschläge denen schon einmal mit."


    Mit einem neugierigen Blick schaute ich zu Avarus auf, ob noch etwas sei, war aber eigentlich mehr am Überlegen, warum ich noch mit Avarus reden wollte, es aber bisher immer aufgeschoben hatte. "Ähm ... einen Augenblick ..." Ahh, klar: Der Quartalsbericht! Wieder kramte ich in einem Stapel papyri herum und zog dann eine Rolle hervor, breitete sie aus und versicherte mich, dass es auch die gesuchte Rolle war. Ich nickte kurz und reichte ihm das papyrus.



    Quartalsbericht des Cursus Publicus Provincia Italia
    Iulius, Augustus et September




    *Anmerkungen: Die Einnahmesumme beinhaltet lediglich die Einnahme durch den Versand. Wertkarten und andere Dinge sind nicht mit eingeschlossen.



    gez. C' Sergius Curio
    http:///images/sigs/provita-praefectusvehiculor.png
    ANTE DIEM V NON OCT DCCCLVI A.U.C.


    “Hier, der gewünschte Quartalsbericht. Er liegt zwar schon ein wenig hier herum, aber ich wollte nicht wegen zwei Berichten einzeln kommen, sondern meinen „Reisebericht“ mitabgeben. Wo Du nun aber schonmal hier bist ...“, kurz verstummte ich, sprach aber schnell wieder weiter, “Ich hoffe, dass ist so in Ordnung mit dem Bericht.“

    Sie fühlte also tatsächlich so wie ich. Sie konnte es sich vorstellen sie wünschte es sich sogar. Sollte dies tatsächlich die Frau sein, mit der ich auf ewig zusammenleben würde? Zumindest hatte sie es geschafft, mich zu erobern, das war Antwort genug und von ihrer Seite aus war es auch relativ eindeutig. Sie wünschte es sich. Ich ließ meine Hand von ihrer umschließen und blickte wieder zu ihr. Dieses Lächeln war wohl das schönste, was ich je gesehen hatte und es ließ mein Herz mit einem mal schnell schlagen, schneller als es sowieso schon schlug. Dieses Lächeln wollte ich jeden Tag sehen, es sollte das erste sein, was ich morgens sah und es sollte das letzte sein, was ich abends sah. “Dann werde ich liebend gerne deinem Wunsch nachkommen ...“ antwortete ich genauso leise. Ich hatte Angst, dass dies vielleicht alles nur ein Traum sein könnte und ein zu lautes Wort hätte diesen zerplatzen lassen können. Dann würde ich lieber für immer diesen Traum leben, als ihn zu beenden.


    Langsam beugte ich mich zu ihr vor und gab ihr einen fast schon winzigen Kuss auf ihre feine Nasenspitze. Was wohl ihre Familie sagen würde? Was wohl meine Familie sagen würde ... ich hätte mir wohl noch mehr Gedanken gemacht, wenn ich gewusst hätte, was sie dachte, was sie nun für Worte wünschte und indirekt hatte ich es ja schon gesagt. Natürlich nicht den genauen Wortlaut und auch etwas ... schwammig formuliert, aber der Gedanke an sich wurde ausgesprochen, auch wenn er noch nicht wirklich zu mir durchgedrungen war. Das könnte sie sich vorstellen und ich konnte es auch ... aber noch nicht heute, oder? Nein, das wäre vielleicht ein wenig überstürzt. In einigen Ta ... moment .... da war ja noch meine Reise! Ich würde ja heute noch abreisen ... ausgerechnet heute. Diese Gedanken beschäftigten mich wieder und so konnte ich ein kleines Seufzen nicht verhindern. Wieso ausgerechnet heute ...

    Sich in Rom einleben. Sicherlich kein allzu leichtes Unterfangen, denn selbst für mich, der ich ja schon in meiner Kindheit hier erlebte, war es schwer, sich nun in der riesigen Metropole einzufinden. Überall änderte sich Rom, an der einen kleinen Straße tauchte ein neuer Stand auf, auf der anderen Straßenseite wurde einer abgerissen und abgesehen von den großen, zeitlosen Bauwerken war wohl nur das traute Heim ein Zufluchtsort. Ein Zufluchtsort, den man nur zu oft durch Pflicht und Gefühl verließ. Was nützte also dann das Heim, wenn nicht dafür, sich zu erholen? Was nützt es, wenn man eh ständig unterwegs war? Was nützte es, wenn man aus der wohlbekannten Idylle herausgezogen wird, um einen weiteren Tag damit zu verbringen, hinter alten und neuen, vollen und leeren, schweren wie auch leichten Papyri seinen Lebensunterhalt und nicht zuletzt ein klein wenig Luxus zu verdienen – in meinem Fall? Aber dieses Treffen ... ihre Anwesenheit ... sie war wie die Luft, die eine fast ausgebrannte Kohlenglut wieder entfachen konnte. Nein, vielmehr war sie selbst das Feuer, unbarmherzig, vielleicht aber auch ungewollt, verzehrte sie all jene, die nach ihr begehrten, wie sie es auch mit mir an jenem Tag unseres ersten Treffens machte. Ja, sie stachelte einen in gewisserweise an, nur um dann wieder einen kleinen Rückzieher zu machen, um dann zu sagen 'Nein, das will ich nicht'.. So schien es zumindest. Aber war nun allein die Tatsache, dass sie sich mit mir, trotz des doch recht bitteren Endes, hier traf, mehr als nur häufig, dieses kleine, wenn auch zauberhafte – wie auch verzaubernde – Lächeln auflegte und in ihren Augen fast schon eine Herausforderung steckte, einfach wieder die Lippen auf ihre zu legen, nicht Antwort genug auf meine Fragen? Auf ihre Gefühle oder ihre Gedanken? Nein, wie konnte ich mir nur ein Urteil über ihre Gedanken und Gefühle bilden, wenn ich nicht einmal mit meinen eigenen im Reinen war?


    Und wie konnte es diese niedere Sklavin wagen, diese Atmosphäre, diese Zweisamkeit mit einem so simplen, wie auch zerstörerischen Tippen zu vertreiben, während ihre zarte, beinahe noch kindliche Stimme wie ein klar geschärftes Messer den verschlossenen Raum, in dem nur Sabina und ich waren, zerteilten? Von einen auf den anderen Wimpernschlag war die mühselig erarbeitete Nähe zweier doch noch so fremder Personen wieder zunichte gemacht und der Tisch klaffte wie ein breiter und unüberwindbarer Abgrund zwischen diesen beiden Personen ... uns beiden. Alles durch eine so einfache und selbstverständlich erscheinende Tat dieser Leibeigenen ausgelöst. Ansehnlich war sie, das musste ich zugeben. Sie beherrschte es sicherlich, der breiten Masse von willigen Männern, ob gebunden oder ungebunden, den Kopf zu verdrehen und sie zu einem kleinen, aufregenden Abenteuer zu verleiten. Um so überraschter war ich darüber, mit welch nüchternen Blick ich sie anschauen konnte, ohne dass das Blut in meinen Adern anfing, vor Begierde zu kochen. Stattdessen blickte ich sie einfach an, wie ich jeden normalen Menschen anblickte. Ich sah ihre Augen als Augen, und nicht als Werkzeug, sie durch Komplimente eben dieser gefügig zu machen, ich sah ihren Mund als Mund, nicht als etwas, was es mit meiner Zunge zu spalten galt ... ihren ganzen Körper sah ich als Körper und nicht als begehrenswertes Lustobjekt, obwohl sie das eigentlich sein müsste. Zorn schwang eigentlich sogar in diesem Blick mit, denn Zorn war es, den ich ihr gegenüber empfand, aber ich musste mich davon abreagieren ... Sabinas Worte gaben Anlass genug dafür.


    “Schon gehen?“ fragte ich fast schon entgeistert, während man im Unterton ein klein wenig die Enttäuschung vernehmen konnte. Wieso hatte Lynn uns nur so schnell gefunden? Wieso hätte sie nicht noch ein wenig durch die Händlergassen irren können? Wieso floh sie nicht? Wieso nur?

    Zitat

    Original von Caius Sergius Curio
    Mein PC hat sich wegen Überlastung im Stromnetz ins Elysium verabschiedet. Vielleicht werde ich im Inetcafe posten, auf jedenfall werd ich die Post des Cursus Publicus machen ... so hoffe ich :(


    Bis demnächst...


    So, bin dann mal mit neuem PC wieder zurück ^^

    Dass sie nun fast schon so verlangend nach dem zweiten Kuss strebte verwunderte mich. Natürlich begrüßte ich es, denn nichts sehnlicher wünschte ich mir, als den Geschmack ihrer rosigen Lippen weiter zu kosten und dieses kleine Spiel mit ihrer Zunge fortzuführen. Aber es verwunderte mich, glaubte ich sie doch so zurückhaltend und eher schüchtern, auch wenn sie auf ihre Art und Weise mit jedem zu flirten schien, obwohl sie es vielleicht gar nicht beabsichtigte. Schlummerte dieses Verlangen schon länger in ihr? Sicher schon seit einigen Minuten - oder waren es Stunden, die wir hier saßen? Nein, ich wusste es nicht, denn ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, als wollte die Zeit mich nicht von hier fortgehen lassen. Freiwillig wäre ich das aber sowieso nicht. Diese vorhin so endlos erscheinende Entfernung, in der ich neben ihr auf der Bank saß wurde nun stetig verringert, oder verschwand eher vollständig. Haut an Haut saßen wir nun nebeneinander und allein das schien mein Herz zu erfüllen. Zumindest schlug es schneller ... konnte man das schon als Pochen bezeichnen? Möglich, ich kannte es nicht. Die jetzigen Gefühle waren mir völlig fremd, obgleich sie so einleuchtend und unverkennbar waren. Es war so, eine innere Stimme sagte mir das, eine Stimme, der ich bisher immer glauben geschenkt hatte.


    "Und wie wird das weitergehen?" fragte ich interessiert, während ich ihr behutsam durch die zauberhaft blonden Haare fuhr und jeden ihrer Atemzüge auf meiner haut spürte. Ein seltsam schwerer Atem, der gleichzeitig aber auch erleichtert, befreit wirkte. Ein angenehmer Atem, denn er war warm und ich wollte mehr davon spüren. Ich wollte überhaupt mehr von ihr spüren, mehr von ihr fühlen. Wie würde das weitergehen? Wie sah sie diese Momente? Was waren ihre Wünsche und ihre Erwartungen? Vielleicht teilte sie meine Meinung mit einer gemeinsamen Zukunft, oder sie gingen völlig auseinander. War dieser Augenblick, diese Zuneigung und vorallem diese Zärtlichkeiten denn nicht Antwort genug? Ich sollte sie niemals enntäuschen ... und ich gab mein Wort darauf. Allein durch ein Wort war ich schon so an sie gebunden und meine Gedanken, die ich an sie verschenkte, stärkten dieses Band nur noch. Sie dankte mir ... sie hätte es nie für möglich gehalten. Das waren doch klare Aussagen, oder? "Kannst du dir etwas gemeinsames vorstellen?"


    Heisa, so viele Fragen auf einmal, können die es denn nicht einmal langsamer angehen lassen? Carus würde denen ja nicht fortlaufen, dafür hängt er viel zu sehr an seinem Job! "Salve Matinius Plautius. Fangen wir bei der ersten Frage an: Eine Wertkarte für die Legio I. sagst du?
    Der Peregrinus kramte ein wenig in einem Regal herum und holte dann eine Liste heraus, die er dem Praefekten vorlegte:



    Wertkarten:



    *F: Familien, I: Institutionen


    Das sind die Kosten einer Wertkarte. Ich denke mal, dass die Legio da eher als Institution zählt, auch wenn manche etwas anderes behaupten würden. Wie du siehst, hat eine Wertkarte - je teurer sie ist - mehr Wert wie der tatsächlich bezahlte Preis, was einer Art Rabatt gleichkommt. Du müsstest dich dann nur entscheiden, wie groß diese Wertkarte sein soll."


    Fragend blickte Carus den Offizier an und machte sich daran, seine zweite Frage zu beantworten.


    "Offizielle Post der Legio sollte wohl auch dort abgegeben werden, wo die Soldaten ihre Briefe abgeben. Soweit ich weiß, gibt es dort eine Poststube von uns, wo die Briefe und das Geld abgegeben werden. Im Falle einer vorhandenen Wertkarte muss lediglich angegeben werden, dass man der Brief von dieser Karte verrechnet werden soll. Ohne Wertkarte sind es die gleichen Preise - also 5 Sesterze für einen Normalbrief, 20 Sesterze für einen Eilbrief und 50 Sesterze für Frachtpost. Befördert wird das ganze dann von einem tabellarius dispotus, der regelmäßig bei euch vorbeikommt und die Post mitnimmt."
    Lange Erklärung für etwas simples, naja vielleicht half es ihm ja.

    Was war so eine Italienreise nur anstrengend. Hier und dort schlafen, dann andauernd die gleiche öde Landschaft sehen, Gespräche mit Leuten führen, die mich eigentlich nicht die Bohne interessierten, aber Arbeit war nunmal Arbeit und es war besser zu wissen, was in Italia vor sich ging, als irgendwann den großen Schock vom LACP persönlich zu bekommen, obwohl der Schock über Capuas Postwesen doch noch recht tief saß. Wie konnte das nur passieren? Capua war eine große Stadt, da musste es doch geregelter vorgehen ...aber wenigstens gab es während der Reise den ein oder anderen Lichtblick. Das war zum einen Taurus, eine Investition, die sich nun wirklich gelohnt hatte und natürlich das Wiedersehen mit Sabina, auf das ich mich schon die ganze Reise lang freute. Allerdings sagte man mir, dass Sabina nicht zu hause war und so beschloss ich, irgendetwas zu unternehmen und was eignete sich da besser, als einem Fest beizuwohnen, auch wenn ich den rituellen Teil verpasst hatte. Nun ging es fast nurnoch darum, wer am meisten Wein trinken konnte, ohne halb tot auf dem Boden zu liegen. So machte ich mich auf dem Weg zum Ort des Geschehens, an dem es noch recht friedlich zuging.


    Ich ließ meinen Blick durch die Menge schweifen, sah aber auf dem ersten Blick niemanden, den ich kannte und so ließ ich mir erst einmal einen Becher bringen, um wenigstens etwas für für das Fest beizutragen. Dankend nickte ich dem Sklaven zu und nippte an dem Becher, genoss es, wie der rote Saft meine Kehle hinunterrann, während ich nun wieder einen Blick durch die Menge warf, diesmal ein klein wenig genauer und tatsächlich sah ich jemanden, den ich kannte. Zumindest schien mir so. War das nicht diese Lynn? Sabinas Sklavin? Dann musste sie ja ganz in der Nähe sein. Ein kleines Lächeln bildete sich, voller Vorfreude, sie nun hier sehen zu können und ja, sie war wirklich ganz in der Nähe, nicht einmal einen Schritt von Lynn entfernt stand sie und ... das Lächeln verließ wieder schlagartig mein Gesicht. Flirtete sie da mit jemand anderem rum? Langsam ließ ich den Becher sinken und hätte ich ihn noch ein klein wenig mehr sinken lassen, wäre der ganze Wein aus dem Becher geflossen, aber soweit kam es nicht. Den kleinen Schritt, den ich in Richtung Lynn und Sabina gemacht hatte, wich ich wieder zurück und beschloss, das ganze vorerst aus der Entfernung zu beobachten, das musste ein Irrtum sein, es musste einfach.

    Der Reisewagen hielt vor den Toren Misenums und der leicht hinkende Sklave namens Taurus verließ den Wagen und ging in Richtung des Wachpostens, der seinem Dienst nachkam und das Tor vor unerwünschten Eindringlingen fernhielt.



    "Salve Soldat, der Praefectus Vehiculorum der Rehio Italia, Caius Sergius Curio, wünscht eine Inspektion der hiesigen Mansio und gegebenenfalls ein Gespräch mit dem Stadtmagistraten." sagte der Sklave und deutete ansatzweise auf den Reisewagen, wo auch schon sein Herr einige Momente ausstieg und mit neugierigen Blicken die Umgebung anschaute, bis sein Blick schließlich mit einem Nicken beim Wachsoldat ankam.

    Standort: Misenum


    Vom chaotischen Capua kommend hielten wir auf dem Weg nach Misenum noch kurz an einer der vielen Poststationen zwischen den Städten und Dörfern, wo die Tabellarii dispoti eine Pause einlegen konnten, ihre Pferde versorgt wurden, oder gelegentlich auch einfach ein anderes Pferd nahmen. Diese Stichprobe verlief ziemlich gut, denn wie es schien, war alles im Lot und man bedurfte dort keiner Hilfe. Schnell gab mir der hiesige Verwalter eine Liste mit benötigten Dingen, welche allerdings alle nicht die Welt waren und für die es von Avarus wohl leicht eine Zustimmung gab. Das würde ich noch in den Bericht einfügen und dann wäre das schon ein guter Teil dessen, was ich hätte. Kurz überlegte ich, was ich schon alles hatte ... Roma, Capua, zwei Stichproben ... nun, dann käme jetzt wohl Misenum dran.


    "Taurus, warst du einmal in Misenum?"
    "Nein Herr, diese Ehre hatte ich noch nicht, aber man sagte mir, dass es dort nicht unbedingt übel sein soll. Weiterhin hörte ich, dass dort neue Villen errichtet werden, anscheinend hat der Kaiser persönlich eine dort gekauft und auch einige andere bekannte Persönlichkeiten sollen sich eine zugelegt haben."
    "Taurus, du überraschst mich! Woher weißt du das alles? Ich meine, du als Sklave ..."
    "Mit Verlaub Herr, besonders als Sklave ist es wichtig Augen und Ohren offen zu halten, denn Informationen sind wertvoll, was natürlich nur gut auf einen Sklaven zurückfiel, wenn sie dem Herr mitgeteilt werden ... wie in diesem Falle beispielsweise."
    "Wahre Worte ... ich muss sagen, deinen Kauf bereue ich nicht und ich hoffe, du wirst weiterhin so gut arbeiten, aus dir könnte tatsächlich noch etwas werden!"
    "Natürlich Herr..."


    Tjaha, so gute Sklaven fand man nicht überall und wenn ich an die Pleite von Mara und Cicinne dachte, war dieser hier sogar noch recht kostengünstig ... natürlich nur im Vergleich zu seiner Leistung, denn er hatte schon eine Stange Geld gekostet, aber das sollte nun nicht Thema der Sache sein und außerdem waren wir schon in Misenum angekommen, wie die Worte des Fahrers zeigten.


    "Sergius Curio ... wir sind in Misenum!"

    Es war das Ende, was ich lieber gerne akzeptierte, es war das Ende, was ich mir gewünscht hatte und es übertraf meine Erwartungen. Ich hatte schon mehr wie eine Frau geküsst, aber dieser Kuss war bei weitem der Beste. Hing es damit zusammen, dass ich ihn wünschte, dass sie ihn wünschte und er mit mehr als der bloßen Lust verbunden war? Das dieser Kuss mit Gefühlen verbunden war, die man nicht einfach so entwickelte? Es musste so sein, anders konnte ich es mir nicht erklären, obwohl ich sagen musste, dass ich mir in ihrer Anwesenheit so vieles simples nicht erklären konnte und wenn sich mein Geist dann eine solch komplizierte Frage stellte, resignierte er schneller, als mir lieb war. Eigentlich war es gut so. Ich dachte in diesen Momenten viel zu viel nach, statt das ich einfach genoss und einfach hinnahm, was passierte. Waren diese Fragen über Gefühle denn nicht überflüssig? Lieferte dieser Kuss denn nicht die ersehnenswerte Antwort? Das tat er und so fing ich an, es einfach zu genießen und das passieren zu lassen, was unaufhaltsam war. So ließ ich es zu, den Geschmack von ihren Lippen zu kosten, ein kleines Spiel mit der Zunge zu spielen und einfach nur zu wissen, was hier geschah. Worte, über die ich vorher gelacht hatte, sei es von meiner Nichte, von Taurus, oder von Sabina selbst, als sie vorwurfsvoll mit ihrem Onkel sprach – Worte wie ... dass sie nicht wusste, ob aus uns überhaupt etwas festes werden würde – kamen mir in diesem Moment so plausibel vor, wie mir noch nichts anderes so plausibel erschien und so war es nicht schlimm, dass ich sich unsere Lippen wieder trennten, denn ich nahm mir von irgendwoher die Sicherheit, dass es nicht der letzte war.


    Ich öffnete die Augen wieder, bemerkte gar nicht, dass ich sie vorher geschlossen hatte, und blickte direkt wieder in ihre Augen. Als würde das Schöne dem anderen Schönen die Klinke reichen und es gefiel mir ... diese wundervoll grünen Augen, gebettet in diesem wundervollen Gesicht, wo jedes Detail einfach einzigartig schien. Wie lang hielt nun dieser Augenkontakt an? Wie lang hielt sie ihre Arme nun an meiner Schulter und wie lang hielt ich meine an ihrer Seite? Zumindest letzteres nicht mehr lange, denn ich strich mit meiner Hand eine ihrer Strähnen nach hinten, die ihr ins Gesicht gefallen waren und fuhr dann langsam mit den Finger an ihrer Wange entlang, so, wie sie es vorhin bei mir tat. Niemals wollte ich nun diese Stille brechen, sie schien fast schon ein Teil dessen zu sein, als wäre es notwendig, dass es still war ... zumindest war es nicht notwendig, dass etwas gesagt wurde.

    Wieder flogen tausende Dinge durch meinen Kopf ... Dinge aus der Vergangenheit, Dinge, die ich in diesem Moment irgendwie bereute, Gedanken an die Zukunft, wie sie sein wird, wie sie sein könnte. Erinnerungen an die vergangenen Tage, an die vergangenen Stunden und daran, dass das hier alles so unerwartet, aber nicht unverhofft kommt. Es waren Gedanken, die mit den jetzigen Geschehnissen rein gar nicht zu tun hatten, die einfach irrelevant, unwichtig waren. Es schien fast so, als würde sie einfach alles durcheinander bringen und für einen Moment fühlte ich mich in die Zeit zurückversetzt. Zum Zeitpunkt unseres ersten Zusammentreffens, zu den Gedanken und Träumen, die ich damals hatte. Ja, sie schienen fast so ähnlich, nur wusste ich nun, was sie anscheinend zu bedeuten hatten. Das ich mir darin jemals so klar geworden bin, grenzte schon fast an ein Wunder und ohne die Hilfe zwei Menschen wäre ich wohl auch nie so weit gekommen, ich hätte das niemals akzeptiert und dann wären mir diese Momente nie passiert. Daran wollte ich nicht einmal mehr denken, sondern einfach diese Zweisamkeit genießen und ihre Berührungen, ihre Hand an meiner Wange, ihre Augen, die einen festhielten und allein ihre Anwesenheit, ihre Nähe.


    Erst jetzt wurde mir wirklich bewusst, dass wir uns die ganze Zeit tief in die Augen schauten, so tief, wie ich vorher noch nie jemanden in die Augen schaute und es verwunderte mich. Wie konnte etwas so normales so wunderschön, so faszinierend und gleichzeitig so fesselnd sein? Es waren ihre Augen ... das sollte als Erklärung reichen. Und sie sprach wieder, oder sie flüsterte. Ja, es war mehr ein Flüstern, aber es war nicht störend, es war, als würde es hier zu gehören, als war es bestimmt hier zu sein. Es störte diesen Moment nicht, obgleich mich der Inhalt ein klein wenig überraschte. Für eine Antwort überlegte ich nicht, ich war bereit, diese „Lebens“weise aufzugeben, ich war bereit, die Vergangenheit hinter mir zu lassen, damit sie den so neu geschaffenen Platz vollständig ausfüllen konnte und so viel meine Antwort kurz, aber ebenso leise aus: “Niemals!“ Und je näher sie nun war, desto größer wurde das Verlangen, nicht nur ihre Hand, sondern ihre Lippen zu spüren und welcher Moment wäre denn nun geeigneter? Ich war mir sicher, dass dieser nicht so enden würde, wie die erste Begegnung und wenn doch, so würde ich gehen, gehen und nie mehr wiederkommen, denn dann wären diese Träume und Wünsche, diese Gedanken und die Unsicherheit einfach nur unnütz gewesen und ich wüsste nicht, ob ich ihr dann noch einmal in die Augen schauen konnte. Aber so versuchte ich es, ich würde jedes Ende akzeptieren, das eine lieber, das andere weniger gerne, aber ein solcher Moment, diese Atmosphäre und diese Entfernung, die diese Lippen nun schon überwunden hatte ... so überwand ich noch die letzte Entfernung, die mir im Vergleich zum Anfang fast schon lächerlich vorkam und legte meine Lippen auf ihre...

    Mit Genuß ließ ich meine Lippen an ihrer Hand verharren und versuchte in diesen Momenten so viel mitzunehmen, wie es nur ging. Den minimal salzigen Geschmack der Haut, ihren Duft und die Beschaffenheit, jede kleinste Faser ihrer Hand. Das alles in nur einigen Augenblicken, bis ich die Lippen zurückzog und mich langsam wieder aufrichten wollte, bis eine Berührung auf meiner Wange mich hielt. Eine Berührung, die schon fast brannte und ich als einfacher Zunder konnte ihrem lodernden Feuer auch nicht entkommen und ging so mit ihn Flammen auf. Flammen, die einen verbrannten, die alles verzehrten und unbarmherzig langsam Richtung Herz tasteten, wo es endlos weiterbrennen würde. Es waren Flammen, in die man gerne seine Hand reinhielt, von denen man sich gerne anzünden ließ, denn das Ergebnis war weit schöner, als das normaler Flammen, wie man sie jeden Tag sah. Das waren seltsame Flammen, auch sie waren heiß, sehr heiß und man suchte nichts sehnlicher, als eine Abkühlung, welche die Lippen eines anderen brachten und sie waren wie das echte Feuer unkontrollierbar und wenn man dem nicht Einhalt gebot, würde es ewig brennen und dieses Feuer, das Feuer der Liebe und der Leidenschaft würde wohl niemand löschen wollen und so würde man nicht wirklich dort vergehen.
    Das waren die Eindrücke einer einzigen Berührung von ihr, das waren die Gedanken, die daraus folgten und ich mochte mir nicht vorstellen, wie intensiv ein richtiger Kuss war ... es wäre zwar nicht der erste, aber der war ja auch so kurz und sie brach ihn ab, sie wollte ihn nicht und deshalb fehlten vielleicht diese Eindrücke, aber das wäre nun anders, ihre Augen verrieten es, sie sprachen schon fast mit mir, wenn ich darin hineintauchte, wie in ein großes Meer, welches niemanden freiwillig loslassen würde. Feuer und Wasser vereint, wie eine unzertrennliche Einheit, und sie verband beides. Fast unmöglich, unfassbar aber es war hier so ... und bisher geschah nichts weiter, als Berührung, ganz zarte Berührungen, die man nur ansatzweise als 'Streicheln' sehen konnten.


    Ich hoffte, ihr wenigstens ein halb so schönes Leuchten der Augen schenken zu können, wie sie es tat. Gerne sollte es genauso sein, aber im Gegensatz zu ihren Augen ... da hatte ich einfach keine Chance und so würde ich mich schon mit einer halb so großen Aussagekraft zufrieden geben. “Ich will nicht einmal darüber nachdenken, wie es wäre, wenn ich gegangen wäre ... für das hier hab ich diese Worte nur zu gerne in Kauf genommen und es war dafür noch ein geringer Preis...“

    Auf Ciceros Frage hin überlegte ich einen kleinen Moment und antwortete dann: "Die Denare wurden so geprägt, um zu beweisen, das sie aus reinem Silber, also ohne minderwertigem Metall im Kern, waren. Außerdem glaube ich auch zu wissen, dass dies gegen die Beschneidung von Münzen war. So konnte man kein Edelmetall abschneiden und es dann gewinnbringend verkaufen, wie es viele Verbrecher gemacht haben."
    Zumindest glaubte ich das und wartete darauf, dass Aurelius Cicero etwas dazu erwiderte.

    Und wieder war dieses Schweigen da, aber auch diesmal schienen Worte nicht gebraucht zu werden. Es waren wirklich Momenten, in denen man die Taten sprechen lassen sollte und sie hatte ja einen guten Anfang geliefert. Was ging hier nun aber genau vor? Was entwickelte sich da zwischen uns? Bisher dachte ich, die Gefühle wären nur einseitig gewesen, ja ich hatte mich sogar schon mit dem Gedanken, dass Gefühle für sie vorhanden waren abgefunden, aber ich nahm immer noch an, dass sie nicht mehr Interesse, als vielleicht bei einer guten Freundschaft zeigte und ich dementsprechend auch nicht mehr erwarten konnte. Was hier allerdings geschah, änderte meine Vorstellung darüber doch. Als wäre mit einem Schlag eine Art Wunsch in Erfüllung gegangen und mein Herz schien sich darüber so zu freuen, dass es schon anfing zu pochen ... es durfte nun nicht alles Einbildung sein, nicht, wo ich schon so weit mit mir selbst im Klaren war.


    Noch immer blickte ich ihr in die Augen und vielleicht spiegelte sich sogar ein Teil dieser Gedanken in meinen blauen Augen wieder, vielleicht spürte man diese Gedankengänge. Man hörte schon des öfteren von solchen fast schon magischen Verbindungen zweier Menschen, könnte das auch hier der Fall sein? War ich – so mit den eigenen Gedanken beschäftigt – überhaupt in der Lage, zu erfahren, oder zu erraten, was sie dachte? Zumindest aber spürte ich, was sie tat, spürte, wie sie meine Hand nun ergriff und sie von der Bank löste, wie ihre zarte Hand meine mit einem leichten Druck ergriffen und fast schon Fesseln anlegten, Fesseln, wie man gerne trug. Einen kurzen Augenblick verharrte ich noch, ließ es mit mir geschehen, bevor ich meine andere Hand holte und mit ihr dann wiederum ihre Hand sanft berührte, sodass sie von beiden umschlossen war. Langsam zog ich sie in mein Richtung und öffnete dann meine Hände, sodass ihre wieder zum Vorschein kam, damit ich dort für einen kurzen Moment meine Lippen drauf legen konnte. Mehr wollte ich nicht, aber auch nicht weniger. Obwohl 'wollen' war vielleicht der falsche Ausdruck, 'trauen' passte eher. Ich hatte in Gedanken andauernd noch das Ende unserer ersten Begegnung und diese hier sollte nun nicht genauso enden. Ich wollte nicht aus dem Haus gejagt werden und sie einfach nicht so schnell aus meinem Blickfeld weichen lassen und so war dieser Kuss auf ihre Handfläche, der mehr eine Berührung, ein Hauch war, das einzige. Es sollte mehr ein Zeichen sein, vielleicht eine Bestätigung ihrer Worte und innerlich hoffte ich, dass es eine Bestätigung auf ihre Gedanken und Wünsche war.