Serenus, fünf Leibwächter und ein Kampfhund würden gegen sieben andere Leibwächter der Gens Flavia antreten.
Seine Männer hatten ihre Umhänge abgelegt und zu ihren Waffen gegriffen. Sie standen links und rechts neben der Sänfte. Serenus lehnte sich gegen die Sänfte. Mit der rechten Hand tastete er nach dem Gladius seines Vaters unter einer dünnen Decke. In der linken Hand hielt er die Urkunde mit dem Siegel. Sein Kampfhund stand wachsam neben ihm. Dido und die beiden Trägersklaven waren hinter der Sänfte. Vor ihm nahte der Feind.
Serenus ignorierte den plebeischen Pöbel, welcher ihnen neugierige Blicke zuwarf oder sensationslüstern stehen blieb, mit der Ausdauer und Arroganz eines Patriziers. Schließlich waren sie nicht alleine auf der Strasse unterwegs. Innerlich zitterte er vor Angst und mußte dringend mal für kleine Patrizier. Ob das seinem Papa vor Schalchten auch so ging? Aber dann ging alles rasend schnell.
Die sieben Leibwächter kamen zum Stehen und schoben ihrerseits ihre Umhänge zurück. Ihre Hände lagen auf ihren Waffen. Einer, offensichtlich der Anführer, trat vor und blieb vor Serenus stehen. Er verbeugte sich kurz, jedoch weniger tief als seine patrizische Stellung es erfordert hätten und schielte dabei die ganze Zeit auf Elgus und die anderen Wachen. Der war Serenus gleich schon mal unsymphatisch. Auch wandte er sich nicht direkt an Serenus, sondern mehr oder minder an all seine Begleiter und ihn, als er sprach.
“Dominus! Ich habe den Auftrag von Dominus Flavius Aristides dich um jeden Preis in die Villa zurück zu bringen. Sofort! Und ich weise darauf hin, daß auf Befehl von Dominus Flavius Aristides keiner der Sklaven in deiner Begleitung mehr auf dich zu hören hat.”
Serenus schnaubte verächtlich und hob eine Augenbraue in flavischer Manier, daß seine Onkels und Tanten stolz auf ihn gewesen wären.
“Nimm zur Kenntnis, Sklave, daß ich nicht mitkommen werde, sondern meinen Weg nach Ostia fortzusetzen gedenke. Ich weise dich und deine Leute darauf hin, daß ich unter dem Schutz des Augustus Ulpius reise und hier ein Schreiben mit mir führe, welches mir freies Geleit zusichert. Willst du etwa das Wort meines Vaters über das Wort des Augustus, des Beherrschers des gesamten römischen Imperiums stellen?”
Serenus hielt das Schreiben hoch, seine Finger umfassten den Griff des Gladius. Der Anführer vor ihm warf einen Blick auf die Urkunde und das Siegel.
“Netter Versuch, aber wenn man lesen ...”
Mist! Der konnte wohl lesen. Aber weiter kam der Mann nicht, denn Serenus schwang das schwere Gladius mit dem rechten Arm mit ordentlich Schwung und traf den Mann mitten ins Gesicht. Das Blut spritzte nur so. Der Anführer brüllte vor Schmerz auf, taumelte einen Schritt zurück und seine Hände fassten nach seinem blutenden Gesicht. Serenus ließ die Urkunde fallen, packte das Gladius mit beiden Händen, setzte einen Schritt nach und rammte dem Mann mit aller Kraft das Gladius bis zum Heft in den oberen Bauch. Blut lief über seine Hände und quoll aus der Wunde des Mannes, so viel Blut. Mit einem röchelnden Schrei brach dieser zusammen und riss Serenus fast mit zu Boden, da dieser das Gladius nicht losgelassen hatte.
“Angriff” brüllte Elgus und warf einem der Verfolger einen Dolch ins Bein. Nero schoss los und sprang knurrend einen der Verfolger an, welcher dem 80kg schweren Kampfhund nichts entgegen zu setzen hatte. Der Hund riss ihn zu Boden und grub sein mörderisches Gebiss in den Körper des Mannes. Jetzt war der Kampf ausgeglichen. Fünf gegen fünf und einen Kampfhund.
Irgendwo schwirrte eine Schleuder, vermutlich die von Dido. Waffen wurden gezogen und Männer warfen sich aufeinander. Klingen prallten aufeinander. Stahl traf auf Stahl und Stahl traf auf Fleisch. Ein Kampf auf Leben und Tod war entbrannt. Und Serenus stand mittendrin.