Serenus hinterließ seiner Schwester eine Botschaft in deren Zimmer.
Hallo Schwesterchen!
Ich haue ab. Diese Hexe Epicharis wird es bereuen uns unseren Papa weg zu nehmen. Ich melde mich wieder von unterwegs.
Serenus
Serenus hinterließ seiner Schwester eine Botschaft in deren Zimmer.
Hallo Schwesterchen!
Ich haue ab. Diese Hexe Epicharis wird es bereuen uns unseren Papa weg zu nehmen. Ich melde mich wieder von unterwegs.
Serenus
Der Sklave war schnell und das war sein Glück. Serenus kochte vor Zorn und so verfehlte ein kleines Obstmesser, als Wurfdolch missbraucht, den Sklaven nicht nur knapp, sondern er war auch zu langsam. Das Messer blieb in der geschlossenen Tür stecken.
Diese elende Claudierhexe hatte seinen Vater verhext. Dafür würde er sie beseitigen. Er schwankte bei der Frage, ob er die Gelegenheit ergreifen sollte es direkt auf der Verlobung zu tun oder mit seiner Rache noch ein paar Tage zu warten. Er entnahm seinen persönlichen Sachen eine kleine Kiste und stellte unbefriedigt fest, dass die darin enthaltene Giftphiole, sowie ein Ring (welcher mit Gift gefüllt werden konnte) leer waren. Verdammt! Wieso waren die leer?
Serenus wandte sich an Dido.
„Wir treten erst einmal einen strategischen Rückzug an. Der Plan „Prometeus“ läuft an. Wir nehmen nur das nötigste Gepäck und eine kleine Zahl an Leibwächtern mit. 5 Wächter, du, Nero und 4 Sänftenträger und 2 Trägersklaven. Dafür alles an Geld, meine Waffen und die Büste von Mama. Ich selbst packe derweil einige persönliche Dinge ein. Neue Kleidung besorgen wir uns unterwegs, also hier auch nur was für die nächsten Tage. Leichtes Gepäck ist erforderlich, denn wir müssen schnell reisen. Lass die Sänfte fertig machen. Offiziell werden wir noch ein Geschenk für meine zukünftige Stiefmutter abholen gehen, welches meine persönliche Anwesenheit von Nöten macht. Ich ja, ein geschenk werden wir besorgen. Was für Cleopatra, die Königin von Ägypten gut genug war, das wird es auch bei der Claudia tun.“
Serenus ging zur Tür seines Zimmers, riss diese auf und wandte sich an einen Sklaven.
„Sklave! Richte meinem Vater aus, dass ich mich selber waschen und anziehen kann. Es wird etwas länger dauern, aber meine Aufmerksamkeit wird ihm und seiner Verlobten gewidmet sein. Aber es dauert. Ich muß mich erst mal für die richtige Kleidung entscheiden. Und jetzt verschwinde. Wenn ich dein Gesicht heute noch mal sehe, dann lasse ich dich auspeitschen bis du nur noch ein blutiges Stück Fleisch bist.”
Serenus knallte die Tür zu und ein hektisches Packen begann, wobei auch der Ulpius-Spar-Büste der Schädel eingeschlagen und die Sesterzen geplündert wurden.
Nachdem alles erledigt worden war, an einem solchen Tag herrschte eine Hektik in der Villa, daß keiner groß etwas hinterfragte weil er nur wieder schnell zu seinen eigentlichen Aufgaben zurück wollte, kehrte Serenus ein letztes Mal in sein Zimmer zurück. In ein Tuch eingewickelt hielt er das Geschenk für Epicharis, welches er fix im Garten, nahe dem Komposthaufen, besorgt hatte. In der anderen Hand hielt er das in einen Umhang eingeschlagene Gladius seines Vaters. Da er keinen Zugang zu den beiden Waffenkammern der Villa hatte, blieb nur noch die Militärausrüstung seines Vaters übrig. Na ja, in der Legio gab es sicher genug Ersatzgladii. Die Waffe wurde verpackt.
Dann rief er 2 Sklaven, übergab diesen 2 Verlobungsgeschenke und drohte ihnen die Kreuzigung durch Onkel Senator Flavius Felix an, wenn sie diese Geschenke in einer Stunde nicht abgeben würden und eine persönliche Botschaft ausrichtete. Damit die Sklaven wussten wann die Stunde vorbei war, zündete er eine markierte Kerze an. Dann verließ er den Raum und ließ zwei Sklaven zurück, welche sich vor Angst fast die Tunika benässten. Die Geschenke hatten es in sich.
ZitatOriginal von Flavia Arrecina
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"Es gibt mehrere Gänge rein und raus. Aber alle sind sie nicht für einen Besuch oder Ausflug gedacht.
Zunächst einmal gibt es das Latrinenrohr, durch welches man theoretisch durchkommen kann und welches in der Kanalisation endet, die dann in die Cloaca Maxima verzweigt. Aber am Ende des Latrinenrohr gibt es absolut sicher ein Gitter, damit niemand auf diesem Wege in die Villa kommt. Abgesehen davon müßte man sich auf dem Weg raus dann in der Kanalisation auskennen und dort braucht man dann auch Ausrüstung wie Kreide, Seile, Fackeln, denn sonst verläuft man sich. Und so einen Eindringling riecht man. Da stinkt es so, daß niemand durch will.
In der Küche gibt es eine Falltür, welche den Zugang zu einem Abwasserrohr bildet, wo auch Schmutzwasser und Abfälle entsorgt werden. Durch das Rohr kann man auch durchkriechen und man gelangt ebenfalls in die Kanalisation. Die Falltür ist mit einem Schloss gesichert und am Ende des Rohres soll es ein weiteres Gitter mit einem Schloss geben, falls da mal verstopft ist und man reinigen muß.
Am Komfortabelsten ist der Fluchttunnel in der Bibliothek. Der Geheimgang durch die Bodenplatte ist nicht versperrt, kann aber von unten verriegelt werden. Man gelangt in einen kleinen Kellerraum, wo es eine stabile Gittertür mit mehreren Schlössern gibt. Aber dido und ich konnten und gerade noch durch die Gitter zwängen. Es folgt ein Kriechgang bzw. ein Gang durch den man sehr gebückt laufen kann. Der endet vor einer weiteren Gittertür, die noch viel stabiler ist und noch mehr Schlösser und Balken hat. Dahinter sieht man dann einen kleinen Raum im Fackellicht, der eine Mauerwand hat. Auf unserer Seite der Mauer liegen Stemmeisen, Hämmer und Hacken. Keine Ahnung wo du da rauskommst. Durch das Gitter passten wir nicht mehr durch.
Den Schlüssel für die Kücheabfalltür hat sicher auch die Köchin, aber die anderen Schlüssel haben mit Sicherheit nur Sica, Onkel Senator Felix und vermutlich Onkel Gracchus.
Also der beste Weg ist echt noch offiziell um Ausgang fragen, durch das Haupttor raus und dann versuchen verloren zu gehen. Aber das ist nicht einfach, denn die passen ja gut auf uns auf. Beinahe hätte ich es mal auf dem Forum geschafft, aber Hannibal war ganz schlau und hat einfach Nero als Spürhund benutzt um mich ganz schnell wieder zu finden. Und wenn ich Nero mitnehme, dann findet er mich auch relativ leicht wenn er sich erkundigt, denn den übersieht man nicht so leicht wie deinen Hund. Und ganz ohne Leibwächter ist natürlich noch gefährlicher, wobei du da davon ausgehen kannst, daß die dich direkt verpetzen."
Serenus saß in seinem Cubiculum und betrachtete die Totenmaske und eine Büste von seiner verstorbenen Mutter. Der schönsten Frau, die je gelebt hatte und die noch besser aussah als Venus! Er hatte die Bildnisse aus einer Kiste entnommen, welche er wie seinen Aufapfel hütete und drei Schlösser und eine Falle hatte.
Nachsinnend saß er in einem Korbsessel und fragte sich immer wieder, wie sein Vater sich über solch eine göttliche Schönheit wie seine Mutter mit so einer häßlichen Frau hinweg trösten konnte. So langsam kam Serenus zu dem Schuss, daß Epicharis eine Hexe war und seinen Vater verzaubert hatte. Er würde sich mal mit seinem Onkel Lucullus besprechen und wenn sich der Zauber nicht einfach lösen lassen würde, nun, dann würde er Epicharis halt beseitigen müssen. Oma hatte ihm einiges über Gift beigebracht, denn solch ein Wissen konnte ein Patrizier immer gebrauchen, wenn er sich nicht mit Wort, Macht, Gladius und Dolch behaupten konnte. Damit sah es bei ihm noch schlecht aus, aber Gift war eine Option.
Gedankenverloren kraulte er seinen Hund, welcher den großen Kopf auf seine Knie gelegt hatte.
Ein Sklave verneigte sich und übergab Dominus Flavius Aristides eine Schriftrolle von dessen Sohn, dem kleinen Dominus Serenus, dem Schrecken der Villa. Eilig zog sich der Sklave zurück. Der kleine Dominus war in übelster Stimmung. Da konnte man als Sklave nur um sein Leben zittern. Die Schriftrolle enthielt sicher nichts Gutes.
Salve Papa!
Nein ich erscheine nicht zur Verlobung! Und die Einladung kannst du einem Sklaven dorthin stecken, wo die Sonne nie hinkommt!
Ich bin absolut enttäuscht, daß du dich so schnell über Mama, die schönste Frau, die es je gab, mit so einer Frau mit so einer riesigen Nase wie Claudia Epicharis hinweg tröstest. Weiß Oma überhaupt davon? Hat die diese Claudia Epicharis überhaupt schon mal gesehen. Sei Dir ihres Zornes gewiss, denn deine Verlobte hält dem Vergleich zu Mama nicht stand. Oma hat mir alles über Mama erzählt und mir auch ihre Büste und Totenmaske überlassen. Im Vergleich zu Mama sieht die wie ein gerupftes Huhn aus. Überhaupt will ich keine neue Mama! Und aus der Gens Claudia schon mal gar nicht, denn die ist mindestens so muffelig und zickig wie Tante Antonia. Und Arrecina will die sicher auch nicht.
Serenus
PS: Und wenn die in mein Cubiculum kommt, dann hetze ich Nero auf sie!
"Meinst du geheime Gänge innerhalb der Villa, von Raum zu Raum? Oder auch Wege aus der Villa raus und wieder rein? Und wie groß soll denn die Person sein, welche die Wege benutzen soll?
Ich und Dido kommen bequem durch die Fussbodenheizung von Raum zu Raum. Du und so eine kleine Sklavin im Haushalt könnten es auch noch schaffen. Nero und Hannibal sind schon zu groß.
Und ich kenne die Villa nicht ganz in- und auswendig. "Das Loch" mit den Löwen, die große Waffenkammer und natürlich die Sklavenquartiere kenne ich nicht.
Aber warum interessiert dich das? Willst du in der Nacht heimlich aus deinem Zimmer raus und dich mit jemandem treffen? Das kannst du spätestens im Garten vergessen, denn in der Nacht gibt es da viele Wachen und scharfe Hunde, die tagsüber in einem Zwinger sind. Diese Villa ist eine Festung, die sich mit wenigen Leuten gut verteidigen lässt. Die normalen Tore sind gut bewacht und in der Nacht und außerhalb des Hauses ist es ohne Leibwächter super gefährlich für uns Patrizier. Dann regieren die Ratten der Subura die Stadt."
Es war mit Sicherheit nicht der Hund von Serenus, sondern vermutlich eher die Kuschel-Knuddel-Töle seiner Schwester Arrecina gewesen. Denn der riesige Kampfhund von Serenus hätte die kleine Sklavin problemlos über den Haufen gerannt.
Und mit eben diesem Kampfhund bog Serenus, seine Lyra in der Hand, um die Ecke und sah die Bescherung. Er sah die Karaffe, sah die Sklavin und grinste boshaft.
„Tja, das bedeutet mit Sicherheit 1 Woche Spinat- und Gerstenbrei, sowie 30 Peitschenhiebe, wenn nicht sogar 50 Hiebe und man schert Dir eine Glatze. Traurig, traurig. So eine teure Karaffe. Melde dich zu deiner Bestrafung unverzüglich bei Domina Flavia Leontia und sage ihr, dass ich dich geschickt habe. Berichte ihr was passiert ist und was ich als Strafmaß vorgeschlagen habe. Zu deiner Bestrafung werde ich dann rechtzeitig da sein. Die Domina soll mich rechtzeitig rufen lassen.“
Serenus ging, sich mit Nero unterhaltend, weiter. Tante Leontia würde ihm sicher noch das ein oder andere bei Sklavenbestrafungen zeigen können.
Serenus war klein, erst 10 Jahre alt, aber sicher kein Idiot! Hier stimmt etwas nicht. Nero war sein Leibwächter, der beste und größte Kampfhund von ganz Baiae. Sein Stammbaum konnte es mit jeder patrizischen gens aufnehmen, sogar mit der Gens Ulpius. Der Instinkt des Hundes war etwas dem Serenus blind vertraute. Wenn Nero sich jetzt so aufführte, dann hatte er dafür seine Gründe. Augenscheinlich standen Tante Leontia und Onkel Gracchus vor ihm, aber der Hund signalisierte „Hab Acht!“ und „Gefahr“. Als ob er Onkel Gracchus nicht mehr leiden konnte. Serenus musterte seinen Lieblingsonkel aufmerksam. Sonderbar. Hatte er Streit mit Tante Antonia gehabt? Aber dann hätte Nero nicht so reagiert.
Nero war noch nie im Cubiculum von Onkel Gracchus gewesen! Wieso störte der Hund ihn also hier?
Er hatte sonst nie Probleme mit seinem Hund!
Er hatte ihn Lucius Serenus genannt, nicht nur Serenus wie sonst immer! Und wenn er schimpfte, dann sagte er stets Lucius Flavius Serenus.
Serenus verschränkte die Arme.
„Nein! Nero und Dido bleiben bei mir und ich schicke sie nicht aus dem Zimmer! Ein Kapitän lässt seine Mannschaft nicht im Stich, nur weil sich ein Segel der Classis am Horizont zeigt. Und ja, es war ein netter Tag auf dem Markt gewesen.“
Serenus wechselte seine Piratenklappe von dem einen Auge auf das andere und funkelte seinen Onkel an. Sehr sonderbar, war der Fluch von Arrecina bei der Entfluchung etwa auf Onkel Gracchus übergesprungen? Stand dort etwa ein von Rutger dem germanen beseelter Onkel Gracchus vor ihm? Nero grummelte weiter und fletschte die Zähne, während er weiterhin vor Serenus und Dido stehen blieb und sich zusätzlich noch etwas vor Tante Leontia schob.
Serenus war schon etwas verwundert. Sie waren doch unter 4 Augen. Hannibal und Dido waren Sklaven und somit „personae non gratas“, die gab es hier im Raum nicht. Und Nero war sehr verschwiegen, obgleich er mit seinem Wau! Wuff! Wiff! Winsel! Grrrr! und einigen anderen Lauten ein komplexes Gespräch bestreiten konnte, wenn man ihn näher kannte.
Arrecina wollte offensichtlich „ein große, doofe Schwester und kleiner, schlauer Bruder Gespräch“.
Serenus ließ die Bürste fallen und zog sich mit Arrecina in eine stille Ecke seines riesigen Zimmers zurück. Er hatte in der Tat das größte Zimmer in der ganzen Villa. Außer Hörweite der Sklaven, wenn auch nicht außer Hörweite des Hundes. Nero hatte riesige Ohren und konnte sicher so gut hören, wie er als Hund riechen konnte.
„Was liegt an, Schwesterchen? Wir können aber auch in dein Zimmer gehen.“
Serenus war erst auf den 2. Blick zu entdecken, denn er kniete halb hinter Nero und wurde so von diesem verdeckt. Nero wurde gerade gebürstet, was er artig über sich ergehen ließ, nachdem er Hannibal mit der großen, rauen Bürste unter sich begraben hatte und Dido gerade vorsichtig die Ohren säuberte. Solange Dido die Ohren putzte sah der 80kg schwere Hund aber auch keinen Grund von dem fluchenden und ächzenden Hannibal runter zu gehen.
„Ich bin hier, Arrecina. Salve! Komm ruhig rein. Willst du mitbürsten? Keine Angst, er genießt es gebürstet zu werden. Na ja, von Hannibals Bürste mal abgesehen.“
"Meine zweite Aufgabe, Hannibal, besteht darin, dass du einen Plan entwickelst, wie wir uns bei Nacht und Nebel in die Subura schleichen. Ich habe Gerüchte gehört, dass es dort Zugänge zu den Katakomben geben soll, wo man zu einem gewissen „Vogelmann“ gelangen kann. Dieser „Vogelmann“ soll der beste Hehler von ganz Roma sein und angeblich kann man bei ihm die Originalausgaben Nummer 38 bis44 vom Jahrgang 87 von „Sklave Gaius ist der Beste“ bekommen. Aber mit einem großen Trupp Bewaffneter kann ich da nicht auftauchen. Die Subura ist kein Ort auf den ich als Patrizier besonders scharf bin. Da soll es Ratten so groß wie Nero geben und ganz viele Bettler, Krüppel und Kranke. Und es soll furchtbar stinken, aber da müssen wir wohl durch. Vielleicht wird es helfen, wenn wir uns Tücher mit Rosenöl unter die Nase binden."
ZitatOriginal von Manius Flavius Gracchus
Nicht nur der Inhalt des Kurses ließ viel versprechen, sondern auch der Kursleiter, welcher Gracchus bereits aus dem cursus de litteris antiquis bekannt war. So saß er, nachdem er seine Tabulae und Griffel akkurat vor sich hin ausgebreitet hatte, aufmerksam in den Reihen der Schüler - mehr vorne, denn hinten - und lauschte der Einfühung.
Flavius Serenus stand zwar nicht auf der Teilnehmerliste, aber im Hinblick auf seine patrizische Herkunft und seine zukünftige Stellung konnte es ja nicht schaden sich mal zu bilden, zumal der Referent in dem Ruf stand kein Grieche zu sein und den Leuten Löcher in den Bauch zu fragen.
Gerade noch rechtzeitig, und In Begleitung eines Scribas und zwei breitschultrigen Leibwächtern mit fiesem Gesichtsausdruck, betrat er den Raum, grüßte die Anwesenden höflich, ignorierte Theodorus von Alexandria mit vollem Bewußtsein und setzte sich neben seinen Lieblingsonkel Gracchus.
Derweil bezogen die Leibwächter und der Scriba hinter der letzten Reihe an der Wand dezent Position.
"Salve Onkel Gracchus. Ich nehme an für Nero gelten hier dieselben Regeln wie beim Mittagessen. Daher habe ich ihn gleich bei Dido, der Sänfte und den anderen Leibwächtern gelassen."
Serenus schnappt sich schnell die Schale und reichte sie seinem Onkel. Dann stellte er sich so, daß er auch ja alles genau sehen konnte. Jetzt wurde es ja spannend. Hielt das Zicklein auch von Innen, was es von Außen versprach.
Serenus, Dido und Nero verfolgten aufmerksam die Entfluchung in sicherem Abstand aus den Schatten. Zum einem um nicht entdeckt zu werden, zum anderen um das Ritual nicht zu stören. Dabei waren sie vermutlich nicht die einzigen Zuschauer, denn als sie aus dem Zimmer in Richtung Ritual geschlichen waren (wer wollte schon schlafen, wenn endlich mal was Spannendes in diesem öden Mausoleum passierte), war ihnen noch Tante Leontia begegnet und die hatte nichts gesagt. Und Serenus glaubte von den Säulen auf der linken Seite das Duftöl von Tante Leontia zu riechen. Also war entweder sie, Solambo oder dieser Daphnus auch anwesend. Das war nicht so einfach zu sagen, denn dort wo Serenus und Anhang stand war es recht düster.
Und Hannibal musste schon blind sein, wenn er sie nicht bemerkt hatte, denn der war ja ganz nah an ihnen mit diesem Germanen vorbei gelaufen.
Aber sicher würde das Ritual so gar nicht klappen. Das wusste doch jeder Kenner von thessalischen Gruselgeschichten, dass der Fluch erst enden würde, wenn die Ursache beseitigt war.
Onkel Gracchus würde dem Germanen mit einen Opferdolch den Brustkorb öffnen und ihn das noch schlagende Herz heraus reissen müssen. Das würde er dann in eine Feuerschale mit brennendem Öl werfen und alles war gut. Anschließend musste man den toten Germanen enthaupten und den Kopf in einen Sack stecken, damit er sich nicht als Untoter erheben konnte. Und beim ersten Morgengrauen würde man seinen Kadaver verbrennen und die Asche vom Wind verwehen lassen.
Offensichtlich schien sein Onkel wert auf Spannung zu legen, dass er es erst einmal mit einer reinen Verbalentfluchung versuchte, bevor er dem Germanen das Herz heraus riss. So eiskalt und berechnend hatte er seinen Onkel Gracchus gar nicht eingeschätzt. Onkel Lucullus schon, aber Onkel Gracchus. Der wirkte immer so wie ein sensibler Pantoffelträger, der schon sprang, wenn Tante Antonia nur hustete. Aber vielleicht wollte er allen Anwesenden, insbesondere Serenus, beweisen was für ein guter Schauspieler ein Priester sein musste.
Irgendwo in der Nähe schepperte es. Das typische Geräusch einer Keramik, welche sich in ihre Bestandteile zerlegte. Ein Sklave fluchte recht derbe.
Dann schoss die Lieblingskatze von Tante Leontia durch das Peristyl, dicht gefolgt von Serenus Kampfhund Nero. Beide Tiere verschwanden auf der entgegenliegenden Seite wieder aus der Sicht. Wenige Augenblicke steckte Dido den Kopf ins Periystyl.
"Dominus, hier sind sie nicht!"
"Los weiter, wir fangen sie am Mandelbaum ab. Dahin rettet sich die Katze immer."
Und schon huschten Serenus und Dido zusammen mit 5 anderen Kindern aus den patrizischen Gentes Cornelia, Iulia und Horatia weiter johlend durch die Villa in Richtung Garten. Onkel und Tante im Peristyl wurden im Spieleifer mal eben komplett ignoriert.
Serenus bog um die Ecke. Genau genommen sah die Reihenfolge etwas anders aus. Zuerst kam der schwere Kampfhund Nero, dann zeitgleich Dido und Serenus, wobei dieser behauptete eine Nasenlänge schneller gewesen zu sein. Dann kam eine keuchende Salambo, welche das Geschenk für Onkel Gracchus trug. Dido trug eine sonnenblumengelbe Tunika, ein rotes Hüfttuch als Gürtel und ein blaues Kopftuch. Während Serenus heute eine Tunika in Laubfroschgrün trug. Dazu ein regenbogenfarbenes Kopftuch und eine Augenklappe. Beide Kinder waren mit Holzschwertern bewaffnet. Zusammen ergaben sie ein recht farbenprächtiges Bild.
Da die Tür zum Raum halb offen war, klopfte Serenus einmal und stand im Raum drin.
Salve Tante Leontia. Salve Onkel Gracchus. Ihr habt mich rufen lassen. Was..."
Weiter kam Serenus nicht, denn Nero schob sich an ihm vorbei und stellte sich schützend vor ihn, den Blick auf Onkel Gracchus fixiert. Der schwere Kampfhund legte die Ohren an und nahm den Schwanz runter. Anstelle eines üblichen Schwanzwedelns gab er diesmal in Richtung von Onkel Gracchus ein gefährliches Knurren von sich. Die Nackenhaare des Tieres stellten sich auf, Zähne wurden gefletscht und ein beachtliches Gebiss präsentiert.
"GRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR!"
Serenus betrat den Raum und schaute sich um. Vor der Tür begann ein jämmerliches Geheule.
„UUUUUUUUHHHHHUUUUUUWINSEL!“
„Tante Leontia, ich glaube Nero mag es nicht alleine vor der Tür zu warten. Und er ist auch ganz artig und deiner Katze wird er auch nichts antun. Die hat er eben mal wieder auf den großen Mandelbaum gejagt. Dahin haut sie immer ab, weil sie genau weiß, daß Nero zu schwer zum klettern ist. Vielleicht sollten wir den Baum bei Gelegenheit mal fällen. Dann wird deren Spiel interessanter.“
Serenus plazierte sich im Korbsessel.
„Ja, aber der war nicht gut. Onkel Gracchus sucht schon den Nächsten. Der wollte immer nur Sachen von mir wissen, hat selber aber keine Fragen beantwortet und nicht einmal meinen Gesang zu schätzen gewusst. Mir geht es da mitunter wie Kaiser Nero. Keiner versteht mich und keiner schätzt meine künstlerische Ader. Tante Leontia, mir geht es gar nicht gut!“
„UUUUUUUUHHHHHUUUUUU! WINSELWINSEL! WAFFWAFF!“ *kratzkratzanderTür*
Ein Stück kandierter Melone und ein Becher Fruchtsaft wurden augenblicklich konsumiert.
„Und jeder hat eine Freizeitbeschäftigung. Ich habe Onkel Senator Felix gefragt, ob ich besser Kampfhunde oder Sklaven züchten soll. Er hat beides verboten. Zierfische und Rosen sind langweilig und für meinen Ziegenrennwagen werde ich in ein bis zwei Jahren zu groß und zu schwer sein. Er hat beides untersagt. Was soll ich denn jetzt machen? In der Villa darf man überhaupt nichts. Ich glaube ich gehe zu Papa in die Legio und werde ein Kriegsheld oder ich gehe zurück nach Baiae und werde Pirat oder noch besser ein professioneller Meuchelmörder. Ja, ich könnte masskiert in der Nacht durch die Strassen schleichen und männliche Eunuchen und Lupas ermorden. Halt was ausgefallenes, was nicht jeder macht.“
Als Ausdruck seiner Depression konsumierte Serenus niedergeschlagen 8 weitere Stücke kandierte Melone und 3 Becher Fruchtsaft, wobei ihn seine kleine Leibsklavin Dido aus reiner Solidarität unterstützte.
Onkel Senator Felix war echt doof. Total unkühl. Der hatte als Kind sicher alles verboten bekommen und war darüber muffelig und wortkarg geworden. Genauso wie Onkel Milo. Die beiden konnten ihre Verwandschaft echt nicht verleugnen. Also, wenn er da mal seine Beredsamkeit nahm, die seiner Onkel Gracchus und Lucullus, ja selbst von Arrecina und Tante Leontia, dann stammten Onkel Milo und Onkel Senator Felix sicher aus einer adoptierten Seitenlinie.
Serenus überlegte ernsthaft, ob er nicht die Rosen seines Onkels mal ausgraben und mit dem Wurzelwerk nach oben wieder eingraben sollte.
Manieren vermehren und dressieren? Er war doch kein Tier, das man dressierte? Hielt ihn sein Onkel etwa für einen Hund oder eine Hauskatze? Und seit wann konnten Tiere reden? Serenus schaute den alten Mann grimmig an, während dieser in einem Lederbeutel einige Sesterzen zusammen suchte.
Und dann sah Serenus die einfache Wahrheit. Onkel Senator Felix war ein uralter, verwirrter, seniler Greis! Ja, der war so alt, dass er deshalb schon so wortkarg war. Und Onkel Furianus war nur zum Senator ernannt worden, damit er Onkel Senator Felix auf dem Weg in den Senat stützen konnte, weil dieser so gebrechlich war. Und ihm bei Abstimmungen den Arm hoch hob. Und Onkel Gracchus wurde Senator, damit er sich mit Onkel Furianus immer bei der Betreuung von Onkel Senator Felix abwechseln konnte. Und vermutlich schob man ihn in Wirklichkeit nach Sardinien in die dortige Villa ab und versteckte ihn, damit niemand seinen senilen Zustand mitbekam. Ab und an durfte er dann wieder in den Schoss der Familie zurück. Serenus hatte mal gehört, dass die Zeiten der Verwirrung im Alter oft nur periodisch waren. War Onkel Senator Felix verwirrt, dann wurde er nach Sardinien verfrachtet. War er geistig vital, durfte er wieder nach Roma.
Er würde seine Lieblingstante Leontia fragen, was er machen sollte. Artig bedankte er sich bei seinem Onkel, steckte die Sesterzen ein, verabschiedete sich und machte sich auf zu Tante Leontia.
Nero war ein schlauer Kampfhund. Ohnehin wurde die Intelligenz von Hunden weit unterschätzt. Hunde konnten fast so schlau sein wie Sklaven oder ihre Herrchen, wenn man sich mit ihnen beschäftigte. Nero wusste was ein Spieß war. Er hatte erfahren was man damit anstellen konnte und wie er dann anzugreifen hatte. Normalerweise wäre das kein Thema gewesen und das Ziel wäre bereits unter 80kg Fell und Muskeln begraben gewesen. Spieß hin oder her. ABER heute war Spinat- und Gerstenbreitag gewesen und an der Spitze des Spießes steckte ein Fisch. Ein großer, leckerer, duftender Fisch. Normalerweise war er unbestechlich, aber an Tagen wie diesen …
Der Hund bremste im letzten Moment ab, blieb aber in Angriffsposition und lauerte.
„Mein Name ist Dominus Flavius Serenus, Sklave, und für deine Frechheit dich als Flavier auszugeben wird Dir mein Onkel Gracchus oder Onkel Senator Felix sicher noch 100 Peitschenhiebe zur normalen Strafe dazu geben, bevor du erst mal für lange Zeit in „das Loch“ geworfen wirst. Die Idee dich als Flavier auszugeben ist originell und zeugt von einer gewissen Schlagfertigkeit, aber gerade das wird Dir jetzt vielleicht sogar eine Kreuzigung einbringen. Ich kenne alle Flavier und alle Onkels hier im Haus, selbst den muffeligen und wortkargen Onkel Milo, der kaum aus seinem Cubiculum kommt. Und du gehörst nicht dazu!
Und außerdem gehören die Fische alle Onkel Lucullus, denn das ist der hiesige Zierfischzüchter. Auch wenn er viel schlechter ist als Oma, denn seine Fische sind nicht so schön.
„Nero! Was bitte soll denn das? Ich habe Dir einen Befehl gegeben. Muß ich schimpfen? FASS!“
Den strengen Ton von Herrchen kannte Nero durchaus. Blitzschnell schnappte der Hund zu. Eine Geschwindigkeit, die man seiner Masse kaum zugetraut hatte.
KNACK !!!
Holz splitterte in einem mörderischen Gebiss. Aquilius hielt jetzt noch einen Spieß in der Hand, welcher um ein Drittel kürzer war und keine Spitze mehr hatte.
GRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR
WAU! WAU!
GRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR !!!
Der Hund machte Anstalten dem Befehl nachzukommen und setzte zum Sprung an.
Serenus dagegen zückte seine Schleuder und legte eine Murmel von Tante Leontia ein. Der Sklave schien aufmüpfig zu sein. Nero würde natürlich mit ihm fertig werden, aber vielleicht gab es ja Gelegenheit ihm noch eine Murmel zu verpassen.
*Schwirrschwirrschwirr*
Hundeknurren wurde auf mehrfachen Wunsch gekürzt, damit es keine seitenverschiebung gibt und alles besser lesbar ist. Onkel Aquilius trete ich am Wochenende ans Bein! Als Ausgleich.
„Onkel Gracchus. Papa hat Hannibal Anweisung gegeben, dass er sich um meine Unterweisung kümmern soll. Das macht er ja auch die ganze Zeit über. Die Anweisung bekam Hannibal bevor Papa nach Mantua aufbrach. Lesen, Rechnen, Schreiben, Griechisch, Wirtschaftslehre und so was.
Und du warst doch auch Sacerdos und Onkel Lucullus ist es immer noch. Ebenso dieser Onkel Aquilius in Griechenland im Geheimauftrag für den Pontifex Maximus.
Und was das „blamable Verhalten“ angeht, so hast du doch gesagt, dass ich mich „schrecklich“ benehmen soll. Ich dachte, dass du den vergraulen wolltest oder feststellen wolltest, wie hart im Nehmen er ist. Aber von Musik und Lyrik versteht der schon mal nichts! Und was das infantil angeht. Onkel Gracchus, ich bin erst 9 Jahre alt! Welche Konsequenzen soll es denn haben? Habe ich Hausarrest? Ich habe gemacht was du gesagt hast. Bist du jetzt böse auf mich?“
Serenus schaute seinen Onkel mit großen, treublickenden Augen an. Augen, so voller kindlicher Unschuld. Die Augen eines Engels.