Beiträge von Nikolaos Kerykes

    "Ich verstehe in der Tat, was du meinst. Es ist gut, dass ich bei dir ein offenes Ohr finde, wenn es mit der Sicherheit und Ordnung in der Stadt Probleme gibt. Denn selbst wenn die Stadtwache bald etwas besser organisiert sein wird, eine Legion wird sie nie ersetzen können. Ich danke dir für dein Verständnis um die Sorgen, die ich mir bezüglich der Kriminalität mache. Und ich bin sicher, dass wir uns auch zukunftig gut verstehen werden." Sein Gesichtsausdruck wirkte freundlich, aber seriös. Er hatte zwar das angestrebte Ziel nicht ganz errreicht, doch immerhin hatte er für diese bescheidenere Ausführung seiner Pläne die Einverständnis des Praefektens hinter sich, und das würde sicher helfen, sein Vorhaben im Koinon durchzusetzen. "Denn schließlich müssen Polis und du, Praefekt, zusammenarbeiten, um das Bestehen Alexandrias zu gewährleisten. Wenn es von deiner Seite nichts mehr gibt, möchte ich dich nicht länger in deinen Amtsgeschäften aufhalten, doch ich werde sicher bald wiederkommen." Er blickte den Praefekten fragend an.

    "Diese Art der Bewaffnung würde in der Tat genügen, wenn sie es denn täte. Die meisten Stadtwachen-Männer haben, wenn überhaupt, einen Knüppel zur Bewaffnung. Wenn ich die von dir beschriebene Bewaffnung auf alle Männer der Stadtwache ausweiten könnte, wäre schon viel getan. Mein Plan sieht folgendes vor: erwähnte zweihundert Mann, aus denen die Stadtwache heute besteht, werden alle wie du es beschrieben hast ausgerüstet. Bis zu fünfzig Mann, die nur der Stadtwache zur Verfügung stehen, würde ich gerne hinzufügen, für Sonderaufgaben und leitende Tätigkeiten, gewissermaßen als harter Kern. Diese fünfzig Mann sollten zur normalen Ausrüstung noch ein Schwert bekommen. Auch wenn es in der Polis gewiss auf Widerstand stoßen wird, ich gedenke, in diese Truppe der Fünfzig auch Ägypter aufzunehmen. Dies hat einen einfachen Grund: Ägypter hätten einen besseren Zugang zu der ägyptischen Bevölkerung. Vielleicht würden sie dadurch etwas von geplanten kriminellen Aktivitäten erfahren und die Stadtwache könnte eingreifen, bevor es überhaupt soweit kommt. Natürlich ist bei einer besseren Ausrüstung im übrigen nicht nur von Bewaffnung die Rede. Mein Ziel ist es, in der ganzen Stadt Stützpunkte der Stadtwache einzurichten, in denen unter anderem auch Leitern, Kübel und andere Werkzeuge der Brandbekämpfung bereit gehalten werden. Wie du vielleicht merkst, dachte ich dabei entfernt an eure römischen Vigiles." Er sah den Praefekten die Stirn runzeln. Damit hatte er gerechnet. "Keineswegs soll die Stadtwache nur eine Polizeieinheit darstellen. Sie könnte auf vielfältige Weise zum Wohle der Bevölkerung eingesetzt werden, wie zum Beispiel zur erwähnten Brandbekämpfung."

    "Meines Erachtens nach gibt es in Bezug auf die Stadtwache zwei grundsätzliche Probleme: Zum einen sind die Männer der Stadtwache nur sehr leicht bewaffnet, was sie zuweilen in gefährliche Situationen bringt, denn wie du dir vorstellen kannst, gibt es zum Beispiel in der Rhakotis Menschen, die mit anderen Dingen als mit bloßen Fäusten auf ihre Mitmenschen losgehen... . Zum anderen gehen alle Stadtwachen-Männer neben ihrer Tätigkeit in der Stadtwache anderen Tätigkeiten nach, weshalb sie sich nicht voll auf ihre Tätigkeit in der Wache konzentrieren können und oft nicht ausreichend ausgebildet sind." Er legte eine Pause ein und musterte den Praefekten. Er versuchte, aus des Praefektens Gesicht eine Reaktion abzulesen. "Mein Vorschlag ist also eine Veränderung der Stadtwache. Es ist gut, dass Bürger den Wachdienst übernehmen, das trägt zu einem Zugehörigkeitsgefühl gegenüber der Polis bei. Jedoch möchte ich vorschlagen, dass es neben den Freiwilligen einige geben soll, die nur für die Stadtwache arbeiten und dementsprechend ausgebildet sind. Über die Art der Rekrutierung muss ich mir noch Gedanken machen." Wieder eine Pause. "Außerdem müßte die Stadtwache mit wirkungsvolleren Waffen ausgerüstet werden, um eine abschreckende Wirkung auf Verbrecher und Aufrührer zu haben. Ich kann dich verstehen, wenn du jetzt vielleicht misstrauisch wirst. Sicher ist es befremdlich, wenn ein Hellene vorschlägt, neben der römischen Legion eine weitere schlagkräftige Truppe unter Führung der Polis aufzubauen. Doch ich hoffe, deine Bedenken zerstreuen zu können. Keineswegs habe ich vor, eine Art Armee aufzubauen, dies ist nicht meine Aufgabe. Auch würde ich die derzeitige Anzahl an Stadtwachmännern, die zweihundert beträgt, nur um einige erhöhen, die erwähnte Professionalität besitzen. Und mit besserer Bewaffnung meine ich selbstverständlich keine Balisten oder Skorpione." Er schenkte dem Praefekten ein kameradschaftliches Lächeln. "Du verstehst mich. Die Stadtwache würde der Legion keine Aufgaben wegnehmen, sie würde nur das tun, was sie bereits tut, sie würde jedoch ihre Aufgaben besser erledigen können. Das würde auch der römischen Legion Entlastung bringen. Eure Soldaten müssten sich nicht mehr mit Kriminellen herumschlagen und jeder Aufstand könnte schon im Keim erstickt werden. Und sowohl das Kriminelle als auch das Aufrührerische sind, so sehr ich dies bedauere, in Alexandria nicht selten. Vor einiger Zeit, so sagte mir der Hauptmann der Stadtwache, ist im Rhakotis-Viertel ein ganzer Häuserblock abgebrannt, weil ein Gemüsehändler den Laden seines Konkurrentens zerstören wollte. Es gibt nahezu jeden Tag kleine Scharmützel, meist nur Prügeleien, doch auch Messer sind leider schnell gezückt. Um auf die Brandstiftung wieder zurückzukommen, in solchen Fällen ist die Stadtwache für Rettung von Leben von Menschen zuständig und für die Rettung von Gebäuden. Jedoch versieht sie diese Aufgabe, so sehr es mich schmerzt, bisher eher schlecht als recht. Hätte ich mehr Männer zur Verfügung, könnte ich es einrichten, dass überall in der Stadt sich immer einige bereit halten, falls etwas derartiges passiert. So aber muss nahezu jeder einzelne aus dem Bett geholt werden." Er legte eine Pause ein. "Ich hoffe, ich habe dich mit meinen langen Ausführungen nicht ermüdet, doch ich hoffe, deine Meinung darüber zu erfahren."


    Sim-Off:

    da ich kein material zur tatsächlichen historischen situation gefunden habe, habe ich die stadtwache mit erfundenen sachen ausgestaltet. ich hoffe, dies ist mir eines interessanten rps wegen verziehen.


    edit: simoff eingefügt.

    Ah, der Praefekt wollte die Audienz auf Latein führen. Nun gut. "Salve Praefecte Aegypti et Alexandriae. Ich bin sehr erfreut, dass ich eine Audienz bei dir erhalten habe.", sagte Nikolaos höflich. "Ich hoffe, du konntest dich als neuer Praefekt gut einleben. Wie du weißt, habe auch ich nun ein Amt neu inne, in das ich mich einleben muss." Er blieb höflich und schenkte dem Praefekten sogar ein Lächeln. "Um nicht weit abzuschweifen, ich bin, wie du dir denken kannst, auch deshalb hier, da ich nun das Amt des Strategos Alexandrinos inne habe und die Polis selbstverständlich mit dem Praefekten zusammenarbeiten muss, zum Guten Alexandrias und der Provinz." Da hatte er reichlich blumig gesprochen, eigentlich war dieser Mann, der vor ihm saß, ein Teil der Besatzungsmacht, doch Nikolaos ließ sich davon nichts anmerken. Schließlich war es wichtig, sich mit den Römern gut zu stellen. Auch die Anwesenheit der römischen Truppen war in Nikolaos Augen ein notwendiges Übel, da ohne sie wahrscheinlich Chaos und Gewalt ausbrechen würde. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. "Ich hoffe auch, dass dir Alexandria gefällt. Leider ist selbst die prachtvollste Stadt nicht frei von schmutzigen, dunklen Ecken, und in Alexandria scheint mir das Verbrechen besonders gut zu gedeien. Gerade in letzter Zeit gab es, so sagte mir der Hauptmann der Stadtwache erst kürzlich, scheint es in einigen Teilen der Stadt überhand zu nehmen." Wieder eine Kunstpause. "Natürlich ist die Ordnung dank der römischen Legion gefestigt, doch die Soldaten des Kaisers können nicht überall sein." Noch eine kurze Pause. "Aus diesem Grund gibt es die Stadtwache, doch leider ist jene im Grunde, auch wenn es mich beschämt muss ich es aussprechen, in einem jämmerlichem Zustand." Er hielt inne, um die Reaktion des Praefektens abzuwarten.

    Die gemieteten Sklaven trugen die gemietete Sänfte hinauf zur Regia. Dabei bemühten sie sich, die Sänfte gerade zu halten und den Insassen nicht durch übermäßiges Schwanken Unannehmlichkeiten zu bereiten, was nicht vollkommen gelang. Vor den Amtsstuben blieben die Träger stehen, setzten aber die Sänfte nicht ab. Der Mann von der Stadtwache, der schon am Tor vorgesprochen hatte, ging in eine der Amtsstuben. "Chaire", begrüßte er den Schreiber. "Der neue Strategos von Alexandria, Nikolaos Archaos, bittet zum Praefectus vorgelassen zu werden." Auch dieser Satz schien auswendig gelernt. Die Sänftenträger hatten derweilen die Sänfte abgesetzt und Nikolaos war ausgestiegen. Er sah sich um. Hier war er zuvor noch nie gewesen. Er blickte hinüber zu dem Mann von der Stadtwache, den er vorgeschickt hatte.

    In einer Sänfte, die allerdings nur gemietet war, was aber niemand wissen musste, wurde Nikolaos von zwei Sklaven, die ebenfalls nur gemietet waren zum Tor des Palastviertels getragen. Die Sänfte wurde von drei Männern der Stadtwache begleitet, einer von ihnen kam der Torwache entgegen. "Salve", sagte der Stadtwachenmann in einem etwas eigenartigem Latein. Der Anblick des Legionärs hatte ihn offenbar dazu verleitet. "Der neue Strategos, Nikolaos Archaos, möchte um eine Audienz beim Präfekten bitten.", sagte der Stachwachmann, und es schien, als habe er diesen Satz auswendig gelernt. In der Tür der Sänfte wurde inzwischen ein Vorhang beseite geschoben und Nikolaos sah hinaus. Doch schnell verschwandt das Gesicht wieder in der Sänfte. Den Sänftenträgern wurde die Situation langsam unangenehm. Ihnen fiel es sichtlich schwer, die Sänfte in der Luft und gerade zu halten und sich dabei nicht zu rühren.

    Nikolaos hatte es sich in seinem Arbeitsraum eingerichtet, wobei er im Grunde nur die Möbel seiner Vorgänger anders angeordnet hatte und Schränke mit weiteren Tafeln und Schriftrollen bestückt. Einen Privatsekretär konnte er sich leider nicht leisten, daher war der große Tisch in der Mitte des Raumes, den sein Vorgänger nur zum Zweck der Repräsentation (und der Einnahme von Mahlzeiten) benutzt hatte, nun mit Schreibutensilien bedeckt, während das kleine Pult in der Ecke, an dem der Sekretär gestanden hatte, nun verweist war und von Nikolaos nur noch zum Lesen verwendet wurde. In Nikolaos Arbeitszimmer sah es, kaum dass er einige Tage im Amt war, schon chaotisch aus. Der große Tisch war mit erwähnten Schreibutensilien bedeckt und mit einer Vielzahl an Büchern, manche aufgeschlagen und frischen, jungfräulichen Papyri bedeckt, dazwischen einige Statuetten und Andenken aus Archaeia. Hier ist der Strategos zu finden, hier kann Post an den den Strategos abgegeben werden.
    Es klopfte. Der Hauptmann der Stadtwache erschien zum Rapport, zu den ihn der neue Strategos gerufen hatte. Der Hauptmann war ein vierschrötiger, älterer Mann mit einem strengen Gesichtsausdruck, der sich anscheinend in sein Gesicht gefressen hatte und nun nicht mehr daraus zu entfernen war. Er lächelte nicht, zeigte gar keine Regung der Freundlichkeit. Das ließ Nikolaos bereits beim Eintreten des Hauptmannes die Entscheidung treffen, wie er mit ihm umgehen würde. "Chaire, Strategos. Du ließt mich rufen?" "In der Tat. Berichte mir, wie es um die Lage der Stadtwache steht. Aber berichte schnell und halte dich nicht mit Dingen auf, die ich bereits weiß. Und sage alles bitte ohne Umschweife und direkt, ich habe nicht viel Zeit für Ausschmückungen und Höflichkeiten. Und sei ehrlich." Der Hauptmann zögerte. Offenbar lag ihm etwas auf der Seele, was ihm sehr unangenehm war. "Na los!", sagte der Strategos. "Die Stadtwache ist, mit Verlaub, schlecht ausgerüstet und hatte bisher, mit Verlaub, kaum eine Funktion als die, die Polis mit einer eigenen Stadtwache zu schützen." "Das wusste ich bereits. Ohne die römische Legion würde trotz Stadtwache das Unordnung und Unruhe ausbrechen. Nun aber nenne mir Genauerers. Wieviele Männer hat die Stadtwache? Was sind das für Leute? Zu welchen Gelegenheiten musste sie in letzter Zeit eingreifen?" Der Hauptmann war offenbar überfordert mit so vielen Fragen. Nikolaos wurde ungeduldig. "Es sind etwa zweihundert Mann, meist ehrenhafte aber arme Bürger -"[COLOR=silver] Der Strategos unterbrach den Hauptmann. "Sind alle Männer der Stadtwache Bürger dieser Polis?" "Ja, Strategos. Sie gehen alle irgendeinem Beruf nach, die meisten sind Handwerker oder kleinere Händler, es gibt zuweilen aber auch Söhne von reicheren Händlern." "Es ist niemand in der Stadtwache, der neben der Stadtwache keinen anderen Beruf hat?" "Nein." "Auch du nicht?" "Ich bin Möbeltischler." "Wo hast du deine Werkstatt?" "Im Haus des Solon im Broucheion." "Solon", murmelte der Strategos. "Solon, einen berühmten Namen hat dieser Solon. Ist er Athener?" "Nein. Er wurde in Alexandria geboren, von einer Mutter, die in Alexandria geboren wurde." "Nun zu den Einsätzen der Stadtwache... ." Der Strategos öffnete ein Kästchen, das auf dem Tisch stand und holte eine winzige (etwa erbsengroße) Kugel Opium hervor, die er sich in den Mund steckte. "Die Stadtwache mußte vor einigen Wochen ein Feuer löschen, das offenbar gelegt worden ist-" "Hat sie herausgefunden, wer es gelegt hat?" "Ja, ein ägyptischer Gemüsehändler. Er wollte seinen Nachbarn ,der auch Gemüsehändler ist, das Geschäft vernichten, dabei ist ein ganzer Teil der Rhakotis abgebrannt, ein ganzer Block... ." "Gut", murmelte Nikolaos. "Hmm?" "Ich sprach nicht mit dir. Nun aber sage mir, wer das Feuer wirklich gelegt hat." Der Hauptmann begann unruhig zu werden. "Sprich." "Es waren Männer von der Stadtwache-" "Auch du?" Eine Pause trat ein. "Nein." "Aber du wusstest davon?" "Ja." "Abfallhaufen, es wird Zeit, dass die Stadtwache aufgeräumt wird... . Fahre fort." "Fast jeden Tag verfolgen wir Taschendiebe." "Mit Erfolg?" "Meistens nicht." "Gut." Nikoalaos ritzte etwas in ein Wachstäfelchen. "Wir werden auch zu Einbrüchen gerufen und zu anderen Verbrechen." "Das dürfte klar sein." "Wir übernehmen die Wache an den Stadttoren." "Der Form willen. Ich glaube kaum, dass ihr die Stadt wirklich bewacht. Zuviel seltsames Volk kommt jeden Tag hinein." "Ja." "Fahre fort." "Das ist alles." "Das ist nicht viel. Wie würdest du die Lage der Stadtwache einschätzen. Reicht das Personal? Reicht die Ausrüstung? Oder seid ihr zuweilen überfordert?" "Nichts reicht. Es gibt soviel Unruhe und Verbrechen in Alexandria. Ohne die römische Legion-" "Ja, ich weiß. Doch das wird sich ändern. Ist die Zahl an Verbrechen bemerkenswert hoch, im Vergleich zu anderen Poleis des Hellenentums und im Vergleich zu den übrigen Städten der Rhomäer?" "Ja." "Überaus hoch?" "Ja." "In welche Richtung entwickelt es sich?" "Zum Schlimmeren." "Aus welchem Teil der Bevölkerung kommen die meisten Verbrecher?" Der Hauptmann dachte nach. "Aus dem der Ägypter", antwortete er schließlich. "Und anteilig?" "Auch daher." "Gut, gut.", murmelte Nikolaos. "Ich werde morgen einen Rundgang mit dir durch die Teile der Stadt machen, in denen das Verbrechen am heftigsten blüht. Sei einige Stunden nach Sonnenaufgang wieder hier, doch erscheine nicht zu früh." "Bin ich entlassen?" "Sagte ich das?" "Nein." "Nun also bleibe noch." Nikolaos kratzte sich an der Stirn. "Nimmst du mich ernst?" "Ja, selbstverständlich, Strategos." "Ich glaube dir nicht. Doch ich rate dir, mich in Zukunft ernst zu nehmen." "Ja, Strategos." "Du sprachst von den Ägyptern, als seien sie die einzige Ursache für das Verbrechen in Alexandria. Ist dies deine Meinung?" "Nein." "Gut. Dann scheinst du es begriffen zu haben." "Was?" "Dass in jedem Volk und gar in jedem Menschen das Verbrechen wohnt. Auch in dir, Hauptmann der Stadtwache. Würden dich Gesetzte nicht daran hindern, du würdest dir alles nehmen, was du begehrst, würdest alles tun, wonach dir verlangt." "Aber die Moral-" " ´Moral`, dass ich nicht lache. Glaubst du an eine natürliche Moral, die in jedem Menschen steckt?" "Nein." "Bitte unterlasse es, mir nach dem Mund zu reden." "Doch." "Ich glaube, Moral ist etwas unnatürliches. Sie ist doch immer die Moral derer, die die Gesetze machen. Deshalb ist sie von Volk zu Volk, von Stadt zu Stadt verschieden. Kannst du mir folgen?" "Ja." "Ach, es ist unerquickend, mit dir darüber zu sprechen. Du bist einfältig. Doch ich vertraue darauf, dass du die Aufgabe, die du hast, gut erfühllst." "Ja, Strategos." "Gut. Du darfst gehen. Vergiss unsere Verabredung nicht." Eilig verschwand der Hauptmann. Nikolaos schob sich einen weiteren erbsengroßen Krümel Opiums in den Mund. Er würde bald den römischen Präfekten aufsuchen.

    Nikolaos war in seiner Rede ein Fehler unterlaufen. "Verzeiht, ich hatte in der Rede des Gymnasiarchen einen Satz falsch verstannden. Du, Gymnasiarch nanntest Timokrates nicht einen Narren, sondern warfst ihm vor, euch für solche zu halten. Ich führe diese Schwäche meiner Konzentration darauf zurück, dass ich hier schon seit langer Zeit gezwungen bin zu sitzen und dass es seit langer Zeit in dieser Debatte nichts Neues gibt, was mich hätte aufwecken können.
    Nun aber zum Narrentum. Mir scheint, als müsste Timokrates einen größeren Teil der hier Versammelten gar nicht Narren nennen. Sie sind es, verzeiht, bereits. Ich hoffe, die hier Versammelten erlauben mir zu essen, da mein Körper schwach ist und auf Hunger mit großer Schwäche antwortet. Da es nicht in eurem Interesse sein kann, dass ich vor euren Augen umfalle, möchte ich euch bitten, mir zu essen erlauben oder aber, was weitaus besser wäre, endlich der Lösung zustimmen, die ich für die einzige halte. Ihr Nearchäer, ihr Krateiden, ihr werdet euch gegenseitig noch zerfleischen, wenn eure Geschlechter längst ausgestorben sind. Doch ich bitte euch, flehe euch an, lasst Alexandria darunter nicht zu Grunde gehen. Wir brauchen eine Entscheidung, ansonsten wird die Regierung dieser Stadt bald handlungsunfähig sein."

    Nikolaos hatte bisher an der Diskussion nur als passiver Zuhörer teilgenommen. Nun erhob er sich und wandte sich in Richtung Ausgang, als habe er vor, diese Versammlung zu verlassen. Er hielt inne. "Ehrenhafter Gymnasiarch, du nennst diesen Mann, der einen Vorschlag gemacht hat, wie das Koinon diese verzwickte Situation lösen kann, einen Narren? Ich lache. Dieser Mann soll ein Narr sein, sagst du? Ich möchte dir zeigen, wo du in diesen Hallen Narren findest, und zwar im Übermaß. Es sind die vielen Männer deiner Krateiden und der Nearchäer, die so blind oder verblendet gar nicht sein können, um zu übersehen, dass der von Timokrates Kyrenaikos eröffnete Ausweg, der darin besteht, einen Mann außerhalb beider Familien zu ernennen, der einzige ist, und die dennoch die Lage nicht einsehen wollen und sich zanken wie, verzeiht, Kinder. Nun wirst du mir sicher vorwerfen, ich selbst sei noch fast ein Kind. Damit hast du, allein mein Alter als Maß, wohl recht. Jedoch sind nicht klar denkende, erwachsene Kinder besser als Erwachsene, die sich kindlich aufführen? Ihr alle, wenn ihr, ihr Nearchäer und Krateiden, euch weiter so aufführt, wird das Koinon tagen, bis es abgewählt ist oder bis wir Mitglieder verstorben sind. Da ich noch, wohl im euren Sinne ein Kind bin, dauert das Versterben bei mir eine gewisse Zeit länger... . Damit möchte ich ausdrücken, dass ich noch genug Zeit habe, euch jedoch jene davonläuft. Kommen wir also zu einer Entscheidung."

    Auch wenn ich das als Nikolaos in den entsprechenden Threads bereits angekündigt habe: die reale Person hinter Nikolaos und allen entsprechenden Neben-IDs ist von heute bis wahrscheinlich Dienstag auf Reisen.

    Nikolaos blickte sich nach seinen Bündnispartnern um. Er war kaum einige Wochen Bürger dieser Stadt, schon hatte er ein Amt inne. Wie unglaublich schnell das doch gegangen war. Er wusste, dass möglicherweise dieser politische Erfolg nicht lange anhalten würde, doch er würde seinen neugewonnenen Einfluss bald ausbauen. "Ich gratuliere euch beiden", sagte er zu Timokrates und Leonidas und schloss sich selbst indirekt in diesen Glückwunsch mit ein.

    Nikolaos lächelte. In seinem Lächeln war etwas jungenhaftes, wobei er auch kaum dem Knabenalter lange entwachsen schien. Seine großen, braunen Augen hatten einen fast kindlichen Glanz, als er der vornehmen Frau antwortete. "Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen, Artoria Medeia." Sein Tonfall deutete darauf hin, dass er wirklich Freude empfand. Offenbar hatte auch er nicht damit gerechnet, in in diesem heruntergekommenen Viertel eine Hellenin zu treffen, oder zumindest eine Person, die gut Koiné sprach und nicht ägyptisch aussah und zudem gut gekleidet, also kurz nicht in die trostlose Umgebung passte. "Auch ich war auf dem Weg zum Sarapeion. Zugegeben bin ich erst seit kurzem Bürger Alexandrias und deshalb auch noch nicht sehr vertraut mit den vielen Wegen dieser Stadt. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass das Sarapeion in der Richtung liegen müsste, die ich eingeschlagen hatte, bevor ich dich traf. Wenn es dir recht ist, könnte ich dich dorthin begleiten. In der Tat scheint dieser berühmte und heilige Ort nicht in diese Gegend zu passen, doch das scheint mir für Alexandria keine seltene Erscheinung zu sein. In dieser Stadt liegt Strahlendes neben Schmutzigem, und ein Heiligtum, das in der ganzen Welt

    Sim-Off:

    Nikolaos geht natürlich nur von der "Welt" aus, von der er weiß, dass es sie gibt, und die reicht gerade mal vom Sudan bis nach Germania Superior, von Hispania bis nach Indien

    so berühmt ist, liegt in einem Viertel, für das sich Alexandria wahrscheinlich schämt." Seine Augen leuchteten, offenbar hatte er Freude daran gefunden, sich mit der Fremden zu unterhalten. Dennoch wahrte er, wie es sich gegenüber einer vornehmen Frau gebührte, eine angemessene Distanz. Offenbar war dieser junge Mensch gut erzogen worden.


    edit: SimOff-Funktion eingefügt, sonst hätte Nikolaos einen Kommentar über sich selbst mitten in seiner Wörtlichen Rede...

    Auch Nikolaos beteiligte sich eifrig an der Wahl seiner Bündnispartner und an der Selbst-Wahl.


    [SIZE=16]"Leo-ni-das!
    Ni-ko-laos!
    Ti-mo-kra-tes!"[SIZE=16] , rief er mit voller Inbrunst. Für sein junges Alter hatte er eine erstaunlich kräftige Stimme. Er blickte zu seinen Verbündeten hinüber. Leonidas schien seine Anhänger gut unter Kontrolle zu haben. Er hoffte, es würde für den Dreibund reichen. Doch auch aus anderen Richtungen vernahm er Zustimmung. Offenbar waren die Krateiden bei denen, die sie nicht gekauft hatten, nicht sehr beliebt. Doch leider schienen die Krateiden genug Geld zu haben, um sehr viele Bürger zu kaufen. Jedoch waren da noch die Nearchäer, sodass die Menge derer, die nicht für Nikolaos und seine Bündnispartner waren, in zwei Teile gespalten war. Die Mehrheit aller würden Leonidas, Timokrates und er selbst nicht gewinnen können, jedoch rechnete sich Nikolaos gute Chancen aus, dass der Dreibund, an dem er beteiligt war, von allen drei Kandidatengruppen die meisten Stimmen erhalten könnte. Die Nearchäer und die Krateiden schienen außer der dritten Partei, die es vorher nicht gegeben hatte, sich auch gegenseitig zerfleischen zu wollen. Nikolaos rechnete jeden Moment mit einer Krawalle, doch er wusste, dass es dazu bei Volksversammlungen selten kam, auch wenn immer alles darauf hinzudeuten schien.



    Sim-Off:

    Das ganze bedeutet - wie sollte es anders sein- Daumen hoch für Leonidas, Nikolaos und Timokrates in den jeweiligen Ämtern. Leider kann ich die Dauen-Funktion nirgends finden.


    edit: simoff-hinzugefügt