Beiträge von Titus Decimus Verus

    Verus ließ sich einen Teller mit Mostbrötchen bringen. In diesem Bild eiferte er Salinator nach, der immer Einfluss auf Verus hatte. Er griff sich eines und kaute dieses genüsslich. Dann sprach er mit halbvollem Mund: "Keine Ursache. Setze dich, Bürger." Er deutete auf den abgenutzten Sedes vor dem Tisch. "Was führt dich zu mir?" Ein Schreiber in Verus Rücken notierte den Namen und alles weitere über den "Kunden".

    Verus ließ von einem Sklaven des Nachts diese Tabula vor die Tür bringen. Niemand wusste, dass sie von ihm stammte. Man würde sie dort morgens vorfinden. Doch er musste diese Gedanken seiner Familie oder viel mehr Decima Seiana mitteilen. War es Warnung oder doch eher ein verzweifelter Hilferuf? Hatte Verus sich im Machthunger verloren?


    Gram und Stolz sowie Zuversicht:
    Wie bitter doch der Zorn ist,
    Sie gibt dem, der den Tag vermisst,
    Nur was der Seele Nacht verspricht!


    Nichts war je genug,
    Und nichts wird so wie früher sein!


    Die Hoffnung stirbt zuletzt,
    Doch vor ihr stirbt aller Glaube!


    Wir atmen Zug um Zug,
    Den fernen Tag der Rache ein:
    Die Sonne, die die Schatten hetzt,
    Wird uns das Letzte rauben!


    Wie laut muss das Schweigen sein,
    Damit das Flehen wird erhört?


    Damals, morgen, jetzt:
    Keine Macht kann größer sein,
    Als die des Schicksals.


    Das Leben fügt sich nahtlos ein,
    Im Kreislauf der Erinnerung.

    L. Iulius Centho
    Casa Iulia
    Roma


    Betreff: Bürgerrecht eines Klienten


    Dein Klient Marcus Classicus wurde das Bürgerrecht verliehen. Er unterliegt nun allen Pflichten sowie Rechten eines Bürgers. Erinnere ihn daran, dass er Steuern zu entrichten hat und er nun Rom weitaus mehr dient als er es ohnehin schon getan hat. Sein Wunschname wurde durch mich überprüft und bestätigt.


    In Vertretung,


    T. Decimus Verus


    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    VERLEIHE ICH
    Peregrinus Marcus Classicus


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM XVIII KAL MAI DCCCLXI A.U.C. (14.4.2011/108 n.Chr.)


    DAS
    Römische Bürgerrecht



    ER NENNE SICH FORTAN
    Marcus Aemilius Classicus


    ALLE RECHTE EINES CIVIS SEIEN IHM GEWÄHRT UND ALLE PFLICHTEN AUFERLEGT



    Die Tür zum Amtszimmer des Procurators stand offen, so dass Verus den Gast sah oder besser wahrnahm. "Schicke ihn gleich hinein, Lucius." Der Schreiber schwieg und deutete in das Zimmer des ranghohen Beamten. Verus war eigentlich recht offen und machte sich nicht sehr viel aus blanken Eitelkeiten, wahre Macht entstand anderswo. Der Schreiber ging davon aus, dass man Verus Ruf gehört hatte.

    Verus notierte sich den Namen auf einer Tabula. "Gut, dies ist vermerkt. Er wird in einigen Tagen eine Antwort erhalten. Vale, Senator." Verus nickte und wandte sich dann wieder seinen Akten(Schriftrollen) zu.

    Verus saß immer noch auf der Bank, um auf Roxane zu warten. Inzwischen hatten einige Sklaven, Brot und Wein gebracht. Verus hielt einen goldenen Becher in der Hand und lächelte Roxane entgegen. Diese fragte prompt nach seiner Geschichte. Verus nickte. "Ich diente in der römischen Flotte und habe weite Teile der Welt gesehen. Ich diene mich vom einfachen Tiro zum Centurio hoch. Ich führte sogar das militärische Kommando über ein ganzes Kriegsschiff, das ich gegen Piraten führte. Ich muss sagen, dass die Flotte mich geformt hat. Sie hat mich zum Römer gemacht," begann Verus. "Ich habe aber nie gerne Krieg geführt- Der Kampf gegen die Piraten war nicht schön, nein, nicht wirklich. Das Blut und das Feuer lassen mich heute immer noch nicht schlafen. Krieg ist grausam aber manchmal nicht zu vermeiden. Nur, wer auf dem Schlachtfeld gestanden hat, weiß um das kostbare Leben. Die Bürde eines Offiziers ist nicht nur die militärische, auch die seelische. Ich fühle mich noch immer verantwortlich für die Verluste von damals. Auch die Reisen über das Mare Nostrum konnten das nicht mehr überwiegen. Die See mag vergessen aber der Mensch tut es nicht. Ich besitze immer noch ein Schiff, ein altes ausgemustertes Flottenschiff. Es liegt in Ostia. Ich kann dich gerne ein mal auf eine Reise mitnehmen."

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Potitus genoss einen Schluck Wein aus seinem Becher. "Dafür ist die Legion da. Wofür bezahlen wir denn den ganzen Haufen! Oder gibt es Berichte über Kompetenzüberschreitungen?" Dem Aurelier auf die Finger zu klopfen wäre ein großer Spaß! Vor allem, wenn es einen richtigen Anlass dafür gab. "Wozu willst Du einen Aushang machen? Würden die da oben doch eh nicht zu lesen bekommen. Seuchen brechen ständig irgendwo aus. Genau wie Aufstände, Dürren, Überschwemmungen, Lawinen, Erdbeben, Vulkanausbrüche und was es nicht noch alles gibt. Geld willst Du auch einfach hinschicken? Warum? Sie haben doch noch gar nicht darum gebettelt? Decimus, Du bist zu voreilig, das kostet nur Geld. Nein, nichts davon wird gemacht!"


    "Verfehlungen der Legion gibt es nicht. Meinen Berichten zu Folge arbeiten die Soldaten weitaus mehr als gefordert. Sie sind vorbildliche römische Soldaten," antwortete Verus. "Gut, der Aushang wird von meiner Liste gestrichen. Ebenso der Rest," bestätigte der Procurator. Eine Anweisung war eine Anweisung. "Kommen wir nun zum Privaten, die ich als dein Klient mit dir klären muss," wechselte Verus das Thema. "Eine entfernt Verwandte von mir, Decima Seiana, scheint sich mit mir zerworfen zu haben. Sie scheint dem Wahnsinn nah und möchte mich wohl vernichten. Ihre Worte, die sie mir zukommen ließ, zeigten mir an, dass ich in ernster Gefahr bin. Leider ist sie Auctor der Acta und in einer Machtposition, die mir gefährlich werden könnte. Auch die Artikel der Acta, die in letzter über mich verfasst wurden, waren teilweise erlogen und dienten nur dem Zweck der Diskreditierung. Ich habe Angst, dass sie noch weitere Schritte in die Wege leitet. Sie scheint meine Loyalität zu dir zu verachten. In meinen Augen untergräbt sie damit auch dich." Er schluckte, wie würde sein Patron auf seine Ängste reagieren?

    Verus blickte auf die Wand hinter Iulius Centho. Dieser Senator war recht aufdringlich und untergrub seine Amtsautorität. Verus wollte warten, auch um weitere Anfragen dieser Art zu unterbinden. Die Behörde arbeitete zwar langsam aber gründlich. Sofortige Forderungen von Bürgern suggierierten Unfähigkeit und vermittelten das Gefühl von Selbstbedienung. Verus wollte sich diesem Senator nicht unterwerfen. "Das klären wir," war die grobe Antwort des kaiserlichen Beamten. "Sei dir aber gewiss, dass ich mich persönlich darum kümmere." Die Belehrung ignorierte der Procurator. Für was hielt sich dieser Senator? Rom wurde von den Bürokraten sowie dem Kaiser regiert. "Ich habe nun noch weitere Termine, Senator." - schmetterte der Beamte weitere Forderungen ab und zeigte dem Senator an, dass es nun an der Zeit war zu gehen. Ein Schreiber öffnete die Tür. Ein klares Zeichen.

    "Es braucht dir nicht leid tun," antwortete Verus beschwichtigend. "Du kannst mich nicht in Misskredit bringen, das schaffe ich auch gut ohne dich." Er lächelte breit und ehrlich. Sie wirkte krank. "Ich vergebe dir, keine Sorge," nickte er ihr zu. "Entferne dich ruhig. Ich bin nässe gewöhnt. Ich habe lange als Offizier auf Schiffen gedient. Ich bin es gewohnt. Ich organisiere uns etwas zu essen."

    Verus setzte sich. "Eigentlich schon," sagte der Procurator. "In Mantua ist eine Seuche ausgebrauchen. Momentan tappen wir im Dunklen, was es genau damit auf sich hat. Die Legion scheint einzuschreiten aber ohne deinen direkten Befehl? Nicht das die Lage schlimm genug wäre aber momentan sehen wir als Kanzlei als Zentrum des Reiches tatenlos zu. Gut, wir können auch nicht viel tun, da unsere Mittel beschränkt sind. Ich wollte dich fragen, ob ich einen öffentliche Aushang tätigen darf, der unser Mitgefühl bekundet, zumindest um den Anschein eines Mitgefühls zu erwecken," begann der Beamte gleich. Das Private würde er später besprechen. "Er würde deinen Namen und den Namen des Kaisers tragen. Ebenso drängt sich mir die Frage auf, ob wir einige Gelder locker machen könnten, um der geschundenen Stadt ein wenig unter die Arme zu greifen."

    Verus blickte auf das Dokument. Er schüttelte seinen Kopf. "Dort ist kein Zeitraum vermerkt. Ich kann also nur eine vage Entscheidung treffen. Gibt es Beweise für seinen Dienst?" Verus wollte diese Sache gerade beenden, da kam ihm in den Sinn, dass er selbst einmal bei der Flotte und er indirekt seinen Brüdern verpflichtet war. Er trank einen kräftigen Schluck Wein. "Ich werde schauen, was sich machen lässt. Ich denke, dass ich es unter bestimmten Vorraussetzungen verantworten kann, ihm das Bürgerrecht zu verleihen."

    Verus holte Luft und deutete auf den Platz vor sich. "Nimm' Platz." Nebenbei schenkte sich der Beamte einen weiteren Schluck Wein ein. "Was ist der Grund für deinen Besuch? Du entschuldigst, dass ich nicht jedes Gesicht oder Namen sofort einer Angelegenheit zuordnen kann. Die Termine werden von meinem Stab vergeben."

    Ein Bote aus Rom brachte diesen Brief. Der Bote versuchte sich sein Gesicht mit Tüchern zu verhüllen und verschwand alsbald aus der Stadt. Dieser Brief stellte wohl die verspätete Reaktion der Verwaltung in Rom dar, die sicherlich zu spät kam.


    Curia Mantuae
    Italia
    Mantua


    Betreff: Seuche


    Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich eine Seuche in Mantua ausbreitet und da ich mich in dieser Sache zuständig fühle, zumindest aus der Sicht der Kanzlei, möchte ich einen vollständigen Bericht für die Beurteilung der Lage erhalten.


    Dieser Bericht sollte nicht nur die Toten umfassen, sondern auch die Zahl der infizierten Häuser und den allgemeinen Krankheitsverlauf. Die Kanzlei sorgt sich um die gesamte Bevölkerung im Raum Italia. Der zuständige Vertreter soll sich mit mir in Verbindung setzen, sofern weitere Mittel, vorallem Geldmittel, aus Rom gebraucht werden. Ich werde mich für Mantua stark machen, sofern gewünscht. Ich werde mit dem Vertreter des Kaisers über diese Sache sprechen. Mein Beileid ist den Infizierten und der ganzen Stadt gewiss. Rom macht sich ernste Sorgen.


    Falls dieser Brief und die Weisung in der Curia nicht bearbeitet werden können, soll er an die nächstbeste sowie verantwortliche Stelle weitergeleitet werden.


    In Vertretung,


    T. Decimus Verus


    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Der Scriba schaute stirnrunzelnd auf. "Salve, Decimus. Wenn der raus ist, der gerade drin ist, kannst Du rein." Eine Bank an der Wand gegenüber war für wartende Besucher gedacht.


    Verus nickte und setzte sich diszipliniert aber schweigsam auf die Bank an der Wand. Er hatte Zeit, zu viel Zeit, zum nachdenken.

    Verus nahm den Korb gewohnt missmutig auf. Die Liebe war einfach nicht mehr sein Metier. Er hatte die Fähigkeit verloren, ein Mensch zu sein. Er war nur noch eine Amtsperson, die sich von Macht ernährte und daraus ihre Lebensenergie zog. Mehr Macht, ja, das war nun Verus Lebensziel. Wollte er Rache am Leben, das ihn mal wieder verschmäht hatte? "Ich verstehe," stellte Verus fest, auch wenn er nicht wirklich verstand. Eine Liebe, die ihn nicht abstieß, hätte ihn retten können, doch nun verlor er sich immer mehr in seiner Einsamkeit. Er war zu müde, aufzugeben, zu alt, um neu zu beginnen und so begab er sich willig weiter in die Dunkelheit. "Du darfst dich entfernen," befahl er traurig, fast schon in einem mitleidigen Ton. "Der Nächste," rief er im Anschluss, nachdem sich die Helvetia entfernt hatte. Sein Blick war von Trauer sowie Enttäuschung gezeichnet.