Beiträge von Titus Decimus Verus

    "Seit zwei Tagen," antwortete Verus knapp als sein Blick besorgt über ihr Gesicht wanderte. "Ich denke, dass du noch mindestens eine Woche Bettruhe benötigst..."


    Verus drehte sich kurz zu seiner Tochter, die gerade den Raum verließ. Er nickte dankbar. Hoffentlich war sie schnell wieder im Raum, Verus brauchte eine emotionale Stütze und ebenso wollte er es seiner Tochter erklären, was es mit der Frau auf sich hatte.


    "Alles wird gut, mach' dir keine Sorgen!" - Bekräftige Verus erneut und umschloß ihre Hand mit seinen beiden warmen Händen.


    Er lächelte sie erneut an, ein Lächeln im Gesicht eines Menschen, konnte Wunder bewirken, sofern man es ernst meinte und Verus meinte es ernst. Dieses Lächeln symbolisierte seine Freude über die Rettung von Aoide. Hoffentlich würde es ihr Kraft geben, so hoffte Verus.

    Verus drehte sich zu seiner Tochter. "Kannst du mir etwas verdünnten Wein bringen und eine Kleinigkeit zu essen, Serrana?" - Fragte er vorsichtig, er würde es seiner Tochter später erklären, momentan musste er sich um Calvena kümmern. "Danke!"


    Sein Blick wandte sich wieder zu Calvena. "Du brauchst dich nicht zu bedanken. Brauchst du etwas?"


    Verus hielt immer noch dezent ihre Hand und versuchte ihr somit ein wenig Halt zu geben. Er schaute sie hoffnungsvoll an, denn ihm war bewusst, dass er jemanden vor sich hatte, mit dem er verbunden war. Die Götter haben die beiden zusammengeführt und Verus war ihr als patronus gestellt worden, als ein schützender Geist.

    Sie wurde munter. Verus zog ein freudiges Lächeln über das Gesicht. Er liebte sie ohne es zu wissen, vielleicht wusste er es doch, vielleicht machte er sich deswegen so viele Sorgen um Aoide.


    Er ging zu ihr und legte seine warme Hand auf ihre Schulter. "Du bist in Sicherheit," bekräftigte er erneut.


    Er schaute sie freundlich an. Verus atmete erleichtert auf. Sie war wieder da und lebte, ein gutes Gefühl für ihren Retter.


    Als sie nach ihren Angehörigen fragte, schüttelte Verus ernst den Kopf. Er konnte ihr nicht sagen, dass sie alle tot waren und die Leichen nun mehr Asche. Er umarmte sie stattdessen vorsichtig, eine, in dieser Situation, unmissverständliche Geste.


    "Alles wird gut..."

    Die ersten Soldaten trafen langsam ein. Verus nickte zufrieden. Sie waren wenigstens einigermaßen pünktlich.


    Er ging zu Tiridates. "Miles," brüllte er in seinem Drill-Ton.


    "Das Marschgepäck ist nicht richtig gepackt!"


    Verus hob es auf und schüttelte es auseinander. Der Inhalt verteilte sich großflächig vor Tiridates Füßen.


    "Erneut packen und dieses mal richtig, Miles! Ich möchte nicht, dass dies auf dem Marsch passiert!"


    So entfernte sich Verus wieder von Tiridates, um die angetretenen Soldaten abzuschreiten. Es waren bei Weitem noch nicht alle angetreten.

    Zitat

    Original von Aulus Flavius Piso


    Verus lächelte dezent auf Pisos Ausführungen zum Thema Seefahrt.


    "Sehr schade, auf See kann ein Mann seine Sorgen vergessen. Ebenso hat das Meer seine eigene besondere Schönheit, die ich gerne genieße. Das werden Landratten wohl nie verstehen," scherzte Verus feststellend.


    Er ging bewusst nicht mehr auf seine "Heldentaten" und das Thema Krieg ein. Ihm war es eigentlich zuwider im Mittelpunkt zu stehen.


    "Ich kenne das Brautpaar seit einigen Monaten, obwohl von "kennen" nicht die Rede sein kann. Ich habe die Braut, mit meinen Männern, aus den Fängen eines grausamen Piraten gerettet. Somit ist es mehr ein causa gratiae, dass ich heute mit meiner Tochter hier bin," ging er kurz auf Piso's Frage ein. "Die Götter haben die Hand schützend über sie und uns gehalten, sonst wäre diese Hochzeit garnicht möglich. Ich danke den Götter dafür, dass sie mir und meinen Männern die Kraft gaben, sie zu retten."

    Verus stand bereits seit einigen Augenblicken auf dem Platz. Sein Blick war von einem zynischen Grinsen gezeichnet, denn er wusste, dass viele Soldaten solche Märsche hassten. Er liebte sie hingegen als willkommene Abwechslung vom Innendienst.


    Wartend scharrte er mit seiner linken Sandale im Sand.

    Verus erschrag leicht. Er ging zur Tür und öffnete diese.


    "Serrana!" - Er umarmte seine Tochter.


    "Komm' doch herein!"


    Er winkte seine Tochter herein.


    "Darf ich dir Aoide vorstellen? Ich fand sie verletzt in einem Waldstück," erklärte Verus seiner Tochter knapp die Situation.

    Verus ließ von ihr ab und ließ sie erstmal ankommen.


    "Im Haus der Decima in Rom. Ich habe dich hierher gebracht."


    Er selbst streckte sich ein wenig, die unbequeme Nacht lag ihm noch in den Knochen.


    "Du bist in Sicherheit, sofern du meine Nähe nicht als unangenehm empfindest. Wenn du deine Ruhe haben möchtest...," stellte Verus in den Raum.

    Verus schaute sie freudig an. Sie lebte und war wieder munter. Er ließ ihre Hand los und umarmte sie spontan, dies jedoch vorsichtig und langsam.


    "Du lebst! Oh habt Dank Götter!"


    Verus nahm einen Becher verdünnten Wein vom Tisch neben sich und reichte diesen Aoide. "Hier, trink."


    "Es tut mir Leid, was dir wiederfahren ist. Wir sollten aber dafür dankbar sein, dass ich dich gefunden habe. Fortuna war dir gnädig. Du lebst und das Leben wird dir noch viel Glück bringen," versuchte Verus sie zu beruhigen. Er streichelte ihr sanft durch das Haar. Er wusste selbst nicht, was er sagen sollte. Ihm gingen schlichtweg die Worte aus.

    Die Stunden verrannen. Der Arzt hatte schon längst den Raum verlassen, nur noch Verus weilte an ihrem Bett. Seine Augen wurden schwerer und schwerer. Langsam sank sein Oberkörper zu Aoide auf das Bett. Seine Augen schlossen sich. Er schlief wachend neben ihr ein.


    Am nächsten Morgen wachte er müde auf. Er schaute angestrengt nach ihr. Der Arzt war bereits dagewesen und hatte die Verbände gewechselt. Verus war leicht erbost darüber, dass der Arzt ihn nicht geweckt hatte.


    Er schaute liebevoll zu ihr. Verus nahm ihre Hand und wärmte sie mit seinen Händen.


    "Ich bin da... - Mach' dir keine Sorgen..."

    Verus holte erneut Luft und schwang sich dann mühsam, neben ihr, auf das Pferd. Sie mussten schnell nach Rom reiten, wenn sie überleben sollte. Er warf einen Blick zu ihr und hielt mit der linken Hand die Zügel und mit der Rechten Aoide.


    "Bleib' bei mir..."


    Verus trat mit seinem Hacken gegen den Bauch des Pferdes, dieses begann zu galoppieren. Er holte alles aus dem Pferd heraus. Er nahm sogar dessen Tod für Aoides Leben in Kauf.


    So ritten sie Richtung Rom...

    Verus hatte Aoide nach einem langen Ritt in seine Heimcasa gebracht. Er dachte, dass er sie hier besser versorgen könne und ihr ebenso Schutz bieten könne.


    Er legte sie vorsichtig auf sein Bett. Am Eingang hatte er bereits den medicus ausrufen lassen, der auch alsbald eintraf. Verus trat still zur Seite als der Arzt in das Zimmer trat. Er wusste was zu tun war.



    [Blockierte Grafik: http://img184.imageshack.us/img184/703/sklavearztzp8.jpgLycomedes
    _____________________________________


    Lycomedes beugte sich über die Dame. Er fühlte den Puls. Mit einem geübten Handgriff öffnete der Hausarzt die Augen von Aoide. Sie lebte noch und die Augen reagierten noch auf Lichteinflüsse. Ein gutes Zeichen.


    Ein Sklave brachte in dieser Zeit ein sauberes Tuch und anderes Verbandsmaterial, ebenso warmes Wasser.


    Lycomedes öffnete Verus' Druckverband, um die Wunde mit warmen Wasser zu reinigen. Ebenso schaute er nach, ob sich noch Pfeilreste in der Wunde befanden. Sie war sauber. Er zog ein kleinsch Fläschen mit einer Tinktur hervor. Er verteilte sie auf der Wunde, anschließend stellte er das Fläschen auf der Anrichte ab.


    "Sie wird es schaffen," stellte er locker fest. Er verband die Wunde gut. Lycomedes deckte die Frau anschließend zu. "Sie braucht viel Ruhe und ausreichend Nahrung. Ich werde morgen nach ihr sehen."
    _____________________________________


    Verus nickte ernst und setzte sich mit einem Sedes neben Aoide. Er schaute sie traurig an.

    Verus schaute sich die Wunde an. Es sah nicht gut aus. Er warf den Pfeil weit von sich, er wollte dieses Objekt nicht lange in der Hand behalten. Er streichelte sanft über ihren Rücken, um sie ein wenig zu beruhigen, auch wenn sie nicht ansprechbar war, so hoffte er sie zu erreichen. Er fror, doch das kümmerte ihn momentan wenig. Was sollte er nur tun? Er war Soldat und ein Diener Roms. Soldaten würde man nun auf eine Trage legen und ins Lazarett bringen, doch das war hier unmöglich.


    Er presste mit seiner starken linken Hand das Tuch auf die Wunde. Verus dürfte nicht loslassen. Ihr Leben lang wortwörtlich in seinen Händen.


    Er zog seinen Gürtel aus. Er legte mit diesem einen Druckverband an. Er schlung den Gürtel um ihre Schulter und das Stück Stoff darunter. Verus zog ihn kräftig an. Die Wunde war vorerst gut verschlossen.


    Verus holte Luft. Er musste bei Sinnen bleiben. Panik und Angst waren der kleine Tod.


    Er stand auf und ging zu seinem Pferd. Er brachte es zu dem Fundort von Aoide. Langsam beugte er sich zu ihr. "Das wird jetzt ein wenig schmerzen..."


    Er riss sie hoch und setzte sie auf das Pferd. Verus musste sie nach Rom bringen, er musste einen Arzt finden.


    Verus stöhnte, sich war garnicht so leicht, wie sie aussah.

    Zitat

    Original von Aulus Flavius Piso


    Verus lächelte verlegen. Er war kein Held, zumindest sah er sich nicht so.
    Er schaute kurz zu seinem Aug'apfel, seiner Tochter. Schließlich wandte er sich wieder an Piso.


    "Ehre? - Das ist das erste, was man auf dem Schlachtfeld zurücklässt. Man verliert in jeder Schlacht etwas von sich selbst. Natürlich habe ich viel riskiert, doch manchmal frage ich, wozu das alles? Die Antwort ist klar: Für meine Familie, damit sie in Sicherheit leben können. Ich diene Rom, um meine Familie den Schutz zu geben, den sie verdient. - Und sind Rom nicht die Familien und Menschen? Ist Rom nicht ein Traum von Frieden und Sicherheit?"


    Man merkte sehr wohl an, dass sich Verus ganz und garnicht als Kriegsheld sah, vielmehr als Soldat, der seine Pflicht getan hatte.


    "Ich bin auch ehrlich gesagt froh, wenn ich in Rente gehen kann. Meine Knochen sind müde geworden vom Kampf."
    Er legte die erneut seine rechte Hand schützend auf die Schulter seiner Tochter.


    "Du bist weit herumgekommen. Ich selbst habe nur Aegyptus gesehen und das mare nostrum. Du glaubst nicht, wie klein die Welt eines Soldaten ist. Man kommt weniger herum als die meisten glauben."


    Er schaute wieder zu seiner Tochter als diese versuchte eine schüchterne Antwort hervorzubringen.

    "Ein schöner Tag," murmelte Verus, der sich gerade auf einem kleinen Ritt um Rom befand. Er musste ein wenig ausspannen und seinen Kopf freibekommen. Ihm ging zu viel durch den Kopf, vorallem Selbstzweifel.


    "Ich bin immer dann am Besten, wenn es mir eigentllich egal ist," dachte sich Verus. "Ich wusste stets was ich will, doch das wollen viele. Trotzdem setzte ich mich, zwischen alle Stühle. Ich strengte mich an, gehörte doch nie zu denen, die Erfolg hatten. Ich schwelge doch nur in unerreichbaren Plänen. Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich bin vom Weg abgekommen.


    Ich machte es allen recht, alle sollten mich lieben. Ich sehe nicht die Dämonen, die mich dazu trieben. Ich bin gefangen und nicht mehr frei. Ich dachte, ich könnte das Glück erzwingen, dieser Selbstbetrug bringt mir nichts. Ich möchte es nicht noch einmal austesten. Mein Spiegelbild ist mir nun mehr egal."


    Seine Mimik wurde schwer. Einige Tränen der Verzweifelung rannen über sein Gesicht.


    Er ritt in ein kleines Waldstück. Er holte tief Luft. Die Luft roch merkwürdig, merkwürdig süßlich. Verus ritt schneller. Schließlich fand er den Ort des Grauen. Leichen verbrannten auf einem großem Haufen und überall lagen Trümmer. Der Boden war in Blut gedrängt.


    Er setzte von seinem weißen Schimmel ab. Hatte jemand überlebt? Verus schaute sich um. Er ging auf und ab. Der Geruch war fürchterlich.


    Die Götter hatten ihn zu diesem Ort geführt aber warum?


    Seine Seele sah genauso, wie dieser Ort, aus. Doch das konnte nicht der Grund sein.


    Er suchte weiter, die Hand vor dem Munde und Nase. Beißender Roch drang in seine Augen. Sie brannten.


    Er fand eine junge Frau etwas abseits. Ihr steckte ein Pfeil im Rücken. Er beugte sich zu ihr. Sie war tot. Er kannte sie, es war die Begleiterin von Aoide. Sie musste auch hier irgendwo sein.


    Er rannte ein Stück weiter. Dort lag auch sie. Ihr steckte ebenso ein Pfeil im Körper. Doch sie bewegte sich ganz leicht. Verus konnte Atembewegungen erkennen oder war es nur eine optische Täuschung?


    Er warf sich zu ihr auf den Boden. "Aoide!"


    Verus zog mit einem geübten Handgriff den Pfeil aus der Schulter. Er zog seine Tunika aus und presste diese nun mehr auf die Wunde.


    "Sprich' mit mir! Bitte!" - Rief Verus ängstlich, während er den Stoff auf die Wunde presste.

    "Also steht die res publica nicht vor dem Untergang?" :D


    Verus grinste zynisch. Er warf einige Sesterzen auf den Tresen, die sofort vom Wirt aufgegriffen wurden.


    "So, ich werde mich nun verabschieden. Ich muss noch einige Einkäufe tätigen, bevor ich nach Misenum zurückkehre. Die Sonne versinkt ja bereits. Ich will das Geld noch sehen können, das ich ausgebe."


    Er stand auf und verabschiedete sich freundschaftlich von Sedi und Labeo.


    "Valete! - Trinkt nicht so viel!" =)


    Verus schlenderte mit einem freundlich dezenten Wink davon.

    "Och', das schoss mir gerade so in den Kopf, alter Freund."


    Er grinste.


    "Du kennst mich, meine Gehirnwindungen sind manchmal sehr verzwirbelt."


    Verus stellte den Tonbecher auf den Tresen.


    "Nun, was macht der Senat?" :P

    Verus lachte auf. Sedi war,wie immer, gut gelaunt.


    "So ist es," ging er auf das Spiel mit ein. Natürlich meinte er das nicht ernst.


    Einen Schluck Wein konnte Verus nun wohl doch noch vertragen. Er griff zum Becher.


    "Ad fundamentum!"


    Er hob den Becher zu Baccus Ehren und stürzte ihn in den Rachen. "Ahhh... - Lecker..."


    Er schaute zu Sedi.


    "Sedulus, was macht eigentlich der Senat?" :P