Beiträge von Finn Kylian

    Irgendwie hatte er erwartet dass die Römer anders zu ihren Gefangenen waren, als man es in seiner Heimat war. So überraschte ihn der Schlag ins Gesicht, und er prallte zurück an die Wand. Sich die blutende Nase haltend beschaute er sich den Typen der gerade seine neue Heimstatt betreten hatte.


    Dieser Kerl war wichtig, definitiv. Teure Kleider. Viel wert.


    "Octavia Paulina? Achja, das war ihr Name...", die Blutung stoppte mittlerweile, und er schneuzte letzte blutige Klumpen auf die feinen Kleider und die leichten Rüstungen der anwesenden Römerschaft.


    "Oh, entschuldigung. Hah!", er grinste den Mann breit an, was machte Angst in seiner Situation schon für Sinn? Er war verloren, so oder so...


    "Also, was sollte es bringen es euch zu erklären? Ihr Kleingeister würdet es sowieso nicht verstehen! VERSTEHEN!!! HAH!!!! VERSTEHEN!!!!"

    Finn hockte in seiner Zelle und harrte seiner Gedanken. Er hatte sich mittlerweile damit abgefunden es nicht geschafft zu haben die Göttin zu befreien, vielleicht war es einfach nicht an ihm dies zu bewerkstelligen. Andere würden kommen und seine Arbeit zuende führen... das wusste er. Er war nicht allein, das gab ihm Sicherheit.


    Nichtsdestotrotz übermannte ihn immer wieder der Frust, und er starrte die feuchten Wände an als würden sie sich schließlich öffnen und ihn in die Freiheit entlassen.


    Geräusche und Worte aus dem Vorraum rissen ihn aus seiner Grübelei, irgendjemand war gekommen.
    Er raffte sich auf und schaute durch das kleine Fenster in der Tür in den Gang hinaus...


    "Besuch? Vielleicht für mich? Schön, wer ist es denn?"

    Finn schreckte nach dem überraschenden Schlag einen Schritt zurück, grinste den Miles dann aber düster an...


    "Genau, Quintus, beherrsch dich. Es könnte deine Frau sein, die als nächstes ihr eigenes Blut schluckt..."

    Finn ergab sich auf der ganzen Reise zurück nach Rom in heftigem Gefluche, welches sich sehr kreativ aus Ausdrücken in Latein, keltischer und germanischer Sprache zusammenstellte. Das ging quasi die ganze Zeit so, zwischendurch nahm er auch die Chance wahr nach den Miles zu treten, was ihm immer wieder Schläge und ebenfalls Tritte einbrachte, und nach einer Weile sah er ziemlich zerschunden aus...


    Letztendlich war es ihm egal, sein Leben war verwirkt...


    "Ihr habt ja keine Ahnung... ihr gottverdammten Söhne einer römischen Hure!"

    Es war vorbei... die Gewissheit kam Finn in den Sinn als die ersten Römer reagierten. Er schaffte es gerade noch einem Miles das Messer in die Schulter zu stoßen und einem anderen mit smackes in die Klöten zu treten, bis ein anderer ihn mit dem Schwertknauf an einer empfindlichen Stelle traf... ihm wich die Luft aus den Lungen, und er knallte zurück an die Wand... er hatte seine Chance verspielt, sie zu befreien. ER war der unwürdige gewesen, das wurde ihm nun klar.


    Er hatte versagt..

    Plötzlich tauchte noch ein Mann auf, dessen Alkoholfahne beinahe augenblicklich zu Finn rüberschwappte, und begann sofort zu reden...


    "MEINE FRESSE! IHR KÖNNT DAS NICHT VERSTEHEN! SIE _IST_ DIE GÖTTIN! Wie beschissen einfach war es denn, dieses Wesen aus eurer stinkenden Grotte rauszuholen! Und wie jämmerlich ist dieser zusammengewürfelte Haufen eigentlich? Hat Rom eigentlich nichts bessere zu bieten als Idioten, Saufköppe und alte Männer um seine Göttinnen zu beschützen?"


    Dann sackte die Frau vor ihm plötzlich in sich zusammen, und Finn stand auf ein Mal ohne Deckung da... einen Moment lang glotzte er die vor ihm stehende Meute blöd an...


    "Scheiße."


    Sim-Off:

    Da gewisse Zweifel geäußert wurden: Alle von Finn geäußerten Beleidigungen sind frei von sämtlichen Wertungen gegenüber den Spielern. Er ist irre, wisst ihr?

    Was redete dieser alte Sack da? Umstellt? Was sollte das bringen?


    Er wollte sowieso nicht fliehen... er lachte den faltigen Mann bitter an.


    "Und wenn schon, alter Narr. Es geht hier nicht um mich... ich bin unwichtig, Methusalem. Es geht um SIE!", er riss sie noch ein Stück höher und hielt ihr das Messer an die Kehle, "Sie ist die Göttin! Sie muss befreit werden! Und IHR werdet mir diese Ehre nicht nehmen, Bastarde! Anwerda Stama! Armaasilu!", eine Reihe flätiger germanischer und keltischer Flüche ging auf den Anführer der Miles nieder, während Finn die Frau immernoch wie einen Schild vor sich hielt..

    Quasi in der Sekunde, in der die Türen krachend ins Haus fielen, übernahm Reflexartig der nordische Pirat in Finn, und das Tier wich zurück, um die Überlebenschancen einem Profi zu überlassen.


    Der Pirat und fast-Miles Finn Kylian riss die Frau noch an ihren Haaren hoch, wehrte mit dem Messer das Gladius des ersten übermütigen Angreifers ab und rammte ihm den Ellbogen aufs Brustbein, was ihn einige Schritte zurückwarf. Das Messer warf er in einer lockeren Bewegung auf den nächstgelegenen Eindringling, welches sich gekonnt in dessen Wade versenkte.


    Der Kampf auf engstem Raum war sein Domizil.. Jahrelang hatte er sich von Schiff zu Schiff gehangelt und anderen Menschen auf winzigen Räumen den Schädel eingeschlagen.
    Er riss ein zweites Messer aus seinem Gürtel und hielt es der Frau an den Hals, während er sich in eine Position brachte aus der heraus er nurnoch von zwei Seiten anstelle von drei angegriffen werden konnte... der Ecke nebem dem kleinen Kamin im Raum.


    "Stehenbleiben, sofort.", war das einzige was er zu sagen hatte, während er sich hinter dem geschundenen Körper der Frau verschanzte und seine Gegner einschätzte.


    Er steckte verdammt in der Scheiße.

    Finn stand im Haus (gelangweilt auf die Retter wartend) immernoch mit den Haaren der Frau in seiner Hand... als er bemerkte dass sie aufgegeben hatte, übermannte ihn noch mehr Zorn... so viel schmutzige Menschlichkeit.


    Mit voller Wucht knappte er ihr noch einmal die Hand ins Gesicht... vielleicht würde sie dies zur Besinnung bringen, und ihr ihre alte Würde wiedergeben (und die Retter zu etwas mehr Eile anspornen :P )...

    Schon wieder... dieses ungöttliche...


    Finn verstand nicht, warum sie dies tat... fassungslos blickte er die schreiende Frau vor seinen Füßen an. Dann ging es ihm auf: sie war menschlich. An diese Hülle gebunden, konnte die Göttin nur ungöttlich wirken, was sich wohl ändern würde, sobald er sie befreit hatte.


    Wieder ging ein Schlag in ihr Gesicht nieder, was ihre Lippe aufplatzen ließ.


    "VERDAMMT NOCHMAL... reiß dich zusammen, es dauert nichtmehr lange, dann bist du frei...", er baute sich vor ihr auf, das Messer in der Hand, und sie an ihren Haaren auf die Knie.. jetzt, wo sie menschlich war, war dies wohl das angebrachte Verhalten.


    "Werfe deine letzten Blicke auf diese verdorbene Welt..."

    Er sah sie an, und seine Miene schwankte beinahe sekündlich zwischen Zorn, Angst und Gleichgültigkeit...


    "Sie hat es nicht verdient, die Göttin. Aber befreit werden,...", er sah sie untergeben an, schwankte aber direkt zu Zorn über...


    "Weil du es getan hast, das darfst du nicht. Das ist unwürdig... du weißt ja nicht wer du bist..."


    Er stand auf und blickte sie Zornerfüllt an...


    "Es ist genug, du darfst dich nicht weiter selbst entweihen...", er nahm sein Messer, kniete sich zu ihr herunter und ließ die feine Spitze des Messer sachte über ihre Schulter streifen, was gerade eine blutige Linie hinterließ...


    "So... schön...", murmelte Finn mit glückseliger Miene...


    "Bald wirst du frei sein... und ich mit dir."

    Bei dieser ungöttlichen Art und Weise rutsche Finns Hand aus... während seine eine Hand mit dem Messer eine blutige Strieme in ihr Bein drückte, knallte die linke mit voller Wucht aber in ihr Gesicht, was sie zurück auf das Bett warf...


    "SO EIN VERHALTEN DARFST DU...", er begriff was er getan hatte. Seine Welt brach zusammen, als in seinen Gedanken in die Richtung führten, dass er alles versaut hatte.


    "Ent... entschuldigung, meine Göttin. Ich wollte das nicht... ich wollte das nicht...", in seinen Augen stand blanke Angst.

    "Römer.", murmelte Finn traumwandlerisch. "Römer. Kelten. Germanen. Gallier. Alle derselbe Schmerz... dieselben Geister... habe sie befreit. Viele. Frei.", er ließ sich auf dem Bett nieder, strich mit langsamer Geste ihr Kleid hoch und streichelte ihre nackten Beine mit der flachen Klinge.


    "Schön, Göttin, so schön... und frei... ja, bald frei...", Finn war von Sinnen, bald würde er seine Göttin befreien, Euphorie packte ihn, endlich war er nicht mehr nur Zuschauer. nein, er war Teil des Ganzen.

    "Die.. Suche.", es schien fast als spräche er mit sich selbst.


    "Wälder. Flüsse. Das Meer. Und Geister....", er murmelte nurnoch, und ein Schatten huschte über sein Gesicht...


    "Geister. Ja."


    Er erhob sich vom Hocker und ging langsam, mit einem leeren Gesichtsausdruck, auf die Römerin zu... nun konnte man das Messer in seiner Hand erkennen, was blitzblank und in bestem Zustand war.


    Und scharf.


    "Wir haben genug gewartet, Paulina aus Germania. Genug gewartet... es wird dunkel...", es war nicht eindeutig rauszuhören ob er das Wetter draußen meinte.


    "Es wird dunkel."

    "Weil es richtig ist.", er spürte irgendwie nicht sonderlich viel Lust auf die Konversation, aber dennoch drangen ihre Worte direkt zu ihm durch.


    "Du bist die eine. Die befreit...", waren es Geister, die ihn dazu trieben? Es schien fast als wäre er eine Spielfigur, die von fremden Mächten über das Spielbrett geschickt wurde, ohne dass man ihm sagte warum, oder wieso er auf andere losging. Ein Würfel, der im Fall selbst nicht weiß auf welcher Seite er landen würde.. aber vielleicht wusste sie das.


    Vielleicht wusste sie warum er hier war. Warum er das tat.


    "Wer bist du?"

    Kotzte die ihm doch tatsächlich die Bude voll... der Eindruck ihrer Erhabenheit und ihres Stolzes erlitt in diesem Moment einen starken Rückschlag, als Finn beobachten durfte wie sie ihm den nicht vorhandenen Teppich versaute.


    Die anderen Frauen, die er bei sich gehabt hatte, hatten wenigstens den Anstand gehabt und sich gleich in ihr Schicksal zu fügen, als ihm auch noch die Einrichtung zu verunstalten.


    Er rümpfte die Nase, unternahm jedoch nichts.


    Einige Leben waren schon durch seine Hand zu Ende gegangen, und irgendwie hatte er diese Frage immer wieder von seinen Opfern gestellt bekommen, doch beantworten konnte er sie nicht wirklich.


    Es war mehr als nur ein Trieb, der ihn dazu zwang Dinge mit jungen Frauen anzustellen, die er noch vor einem Jahr als verabscheuungswürdig gehalten hätte, und nun schien es ihm das normalste der Welt zu sein.


    Irgendetwas schien Finns Denken total umgekrempelt zu haben, als hätte ihn etwas auf die dunkle Seite eines Weges gestoßen, den er vorher klar vor sich gesehen hatte.


    Das schlimme an der Tatsache war, dass er sich bisher noch nicht damit beschäftigt hatte. Die Morde, das war meistens automatisch geschehen, als wäre er nur Zuschauer seiner selbst gewesen, der selbst nicht imstande war klar zu kommentieren was er dort gerade anrichtete.


    Im Endeffekt wusste er nicht einmal warum er dort jetzt gerade hockte, und die Frau mit einer Mischung aus Bewunderung und Neugierde betrachtete, was sich nicht einmal änderte als sie ihn anschrie. Er wusste dass sie bald in sich zusammenbrechen würde, und zwischen Lebenswillen und Aufgabe hin und her pendeln würde, er kannte alle Reaktionen die der menschliche Geist zu bieten hatte.


    Und doch....



    "Ich weiß es nicht. Ich muss dich töten, denke ich.", unvorstellbar der Satz, wo schließlich die anderen Frauen ohne den geringsten Zweifel gemordet wurden. Er blickte sie immernoch voll Härte an, und wartete darauf dass das Tier sich wieder meldete, welches normalerweise nach einer Weile die Kontrolle übernahm und weitermachte, bis er schließlich nurnoch die Reste beseitigen konnte...


    Doch es meldete sich nicht, irgendwie schienen die Seiten verkehrt. Als würde das Tier ihm über die Schulter schauen und sehen was er mit der Frau anfangen würde, nicht umgekehrt.


    War das eine Prüfung? Mit Sicherheit... nur wie bestehen?


    Wie bestehen?

    Sterben? Er?


    Die Frau war lustig... lag gefesselt in einem Haus weit der Stadt, und sie redete von seinem Tod.


    "Ich bin schon lange tot...", murmelte er mehr zu sich selbst als zu der Frau, die sich mittlerweile aufgerichtet hatte.


    "Sollte jemand kommen um dich zu retten, Kind, so wird er zu spät kommen. Meinen Tod kann er nichtmehr feiern... und den deinen nurnoch betrauern. Aber sie wissen ja eh nicht was sie an dir haben...", in den letzten Worten lag eine Gewichtung, die darauf schließen ließ warum Finn sie überhaupt hierher geholt hatte.

    Als sie erwachte zeigte sie die typischen Reaktionen eines jeden Opfers... Orientierungslosigkeit, Schutzsuche und dann schließlich erkennenden Trotz.


    Es würde ihr nichts helfen.


    Er wusste das.
    Sie wusste das.


    Es ging letztendlich nur darum ihren Stolz über die Schwelle des Todes zu retten, und genau das verlangte Finn ja schließlich auch von ihr, deswegen hatte er sie hierhin geholt.


    Mit einer lockeren Geste schwang er sich vom Hocker auf, war in ein paar Schritten bei ihr und nahm ihr den Knebel aus dem Mund...


    "Schrei ruhig, es wird dir nichts bringen.", murmelte er mit dunkler Stimme, die tonlos nichts anderer verhieß als dass er recht hatte, es würde sie niemand hören. Niemand.


    Er ließ sich wieder in einer geschwungenen wie glatten Bewegung auf den Hocker nieder und betrachtete sie weiterhin auf eine süffisante Art und Weise, die nichts anderes als Überlegenheit ausdrückte.


    "Du weißt, dass du hier sterben wirst.", stellte er mit Blick in ihre Augen fest, während er wieder den Becher zum Mund hob...