Beiträge von Faustus Decimus Serapio

    Es hatte ihr gefallen, sehr gut. Ich verbeugte mich ansatzweise, ein wenig affektiert, bei ihrem Lob. Ach, konnte man das meinen? Ich musste mir das Lachen verbeissen, denn nein, das konnte ich beileibe nicht von mir behaupten. Ich begnügte mich aber mit einem vielsagenden Lächeln.
    ”Meine liebe Celeste, Du Schattenseite Romas, da hast Du wohl recht! Gut, dann werde ich mich also hüten, diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen, und hülle mich selbst ebenfalls in Schweigen.”, scherzte ich, hob dabei die Hände um zu unterstreichen, wie sehr ich mich hüten würde. Vorstoss - Rückzug. Tatsächlich war Rufmord etwas, vor dem wirklich grosse Angst hatte.


    Ich trank, legte dann den Kopf schräg bei ihrer Frage, und überlegte. Die Musik umfloss uns sacht, dazu ein guter Wein und eine weiche Kline... all das wollte mich einlullen, aber ich durfte ja nicht vergessen, dass ich Celeste noch nicht so wirklich lange kannte, und auch wenn es mir schwerfiel, ihr besser nicht gleich mein Herz ausschütten sollte.
    ”Sagen wir so... Natürlich versuche ich zu verstehen, was die Menschen antreibt, die sich ihr Auskommen jenseits des Gesetzes suchen. Wie sie denken, und handeln müssen, um in den Schatten, wie Du es nennst zurechtzukommen. Aber ich sehe daran nichts faszinierendes mehr.” Hatte ich ‘nicht mehr’ gesagt? Schnell sprach ich weiter. ”Ich meine, es ist nichts romatisches daran, und man sollte das nicht verklären. Hm.. alles was verborgen ist, und geheimnisvoll - und verboten - und bei dem viel Geld im Spiel ist, weckt irgendwie Faszination schätze ich... Aber das ist doch nur Blendwerk, die Wahrheit ist halt viel profaner. Es wird geklaut, geraubt, betrogen und gemordet und so weiter, aus vielen Gründen heraus, von denen die meisten doch eher unschön sind. Nein, das finde ich gar nicht faszinierend, eher... schlimm.”
    Was war ich weise geworden, und ernsthaft. Früher hatte mir Hannibal alleine schon wegen seines gefährlichen Rufs mächtig imponiert, und ich hätte damals ja so gerne mal bei seinen mysteriösen Unternehmungen mitgemacht. Aber er hatte mich nie eingeweiht, ausser bei dem Satyrspiel. (Könnte auch daran liegen, dass ich zu der Zeit ständig auf Opium war, und wahrscheinlich alles vermasselt hätte. Fabus hatte mitmachen dürfen, dabei war der auch nicht älter als ich.) Im Nachhinein war ich natürlich froh darüber, ich hatte genug Dummheiten gemacht, und laut dem was mir Aristides enthüllt hatte, also wenn es wahr war, dann hatte Hannibal sich tatsächlich als Mörder betätigt. Und mal wieder waren meine Gedanken zu diesem treulosen Sklaven abgeschweift... Ach... Mein Blick wanderte wehmütig zur Tür, dann über die Gäste des Lokals, bevor ich wieder Celeste ins Auge fasste.
    ”Ich hoffe das enttäuscht Dich jetzt nicht.”

    [Blockierte Grafik: http://img165.imageshack.us/img165/3010/princepspriorgargoniusrl1.jpg] | Princeps Prior M. Gargonius Marsus



    ”Reinkommen!”, ertönte eine raue Kasernenhofstimme aus dem Inneren des Officiums. Lange Regale mit wabenförmigen Fächern säumten die Wände, und hinter einem Schreibtisch tronte ein grimmiger älterer Optio, der Regulus stechend musterte. Der rechte Ärmel seiner Militärtunika war leer, an der Schulter umgeschlagen, und mit einer Nadel festgesteckt.
    ”Name? Alter? Geburtsort? Eltern? Römischer Bürger? Ledig? Warum willst du hier Dienst tun?!”
    Die Fragen kamen wie Schwerthiebe.




    Das würde ihn umhauen.
    ”Du weiss es noch nicht?! Livianus! Er lebt! Verus hat ihn mit eigenen Augen gesehen. Sie sind zusammen von Aegyptus aus nach Ostia übergesetzt, wahrscheinlich ist Livianus schon auf dem Weg hierher!”
    Ich strahlte Mattiacus überglücklich an und umarmte ihn aus dem Überschwang der Gefühle heraus, wobei ich einige Blüten zerquetschte.
    ”Es ist so phantastisch!”, jauchzte ich, ”Ich bin so FROH!”

    Zitat

    Original von Potitus Vescularius Salinator
    Der Schreiber kannte den Centurio mittlerweile und so fragte er kurz beim Praefecten nach. Nur kurze Zeit später war er zurück. "Du kannst eintreten."


    Zackig stiefelte ich in das Officium Vescularius’, stand stramm und salutierte vor dem Mann, der zur Zeit wahrscheinlich der mächtigste in Rom war.
    ”Ave Praefectus Urbi! Ich melde, dass Senator Marcus Decimus Livianus, der“ - War er immer noch noch Legat? Das war die Frage. Für mich in meiner unverbrüchlichen Loyalität schon, aber als Legat hätte er ja nicht ins Pomerium hineingedurft. - ”als Legat die Prima nach Parthien geführt hat, aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist. Er ist vorhin auf dem Marsfeld eingetroffen, und begibt sich jetzt in die Casa Decima.”

    Leider blieb der Parther ganz gelassen. Ich schätze, er ging davon aus, das ich ihn sowieso nicht treffen würde. Brav versorgte er mich mit neuen Pfeilen, dafür stichelte er schon wieder. Naja, als mein Sklave blieben ihm ja sonst nicht so viele Freuden im Leben.
    ~”Zu freundlich, Sklave, aber ich kann reiten. Das mit dem Schuss musst du mir bei Gelegenheit mal beweisen.”~
    Vielleicht prahlte er ja auch bloss. Ich widmete mich dem nächsten Pfeil, legte ihn auf die Sehne, achtete auf meinen Stand, und wartete, während ein Windhauch vorüberzog. Dann spannte ich den Bogen, visierte über Schaft und Spitze des Pfeils das Ziel an, und liess ihn losschnellen. Wieder getroffen, freute ich mich, und machte mit Feuereifer weiter, traf mal die Bande, mal den Schädel, mal auch nur den Sand, aber im grossen und ganzen lief es nicht schlecht. Es war zwar noch etwas früh, aber ich bekam Lust, auch mal auf was anderes als den Schädel zu schiessen.
    ~”Stimmt das jetzt so einigermassen? Und soll ich die Sehne mit zwei oder mit drei Fingern spannen? - Hmm... wenn ich noch ein paar Fortschritte gemacht habe, müssen wir unbedingt mal richtig auf die Jagd gehen!”~
    Was gab es urtümlicheres, männlicheres - ausser dem Krieg - als hinauszugehen in die Wildnis, und dort mit eigener Kraft das Wild zur Strecke zur bringen?

    "Harr harr harr!" lachten die Soldaten, als der Anwärter ihren Kameraden erst mal beförderte. Der Angesprochene lachte mit und dachte dabei wehmütig so bei sich Schön wär’s...
    Er durchsuchte Regulus schnell und routiniert. ”Sauber. So, Tiro, dann ab mit dir ins Rekrutierungsbüro. Das ist in der Principa, das Gebäude dort in der Mitte der Castra, nicht zu verfehlen. Viel Glück.”
    Manius Iunius Regulus zur Probatio wurde im Wachbuch vermerkt, dann nahmen die Wächter ihre Lanzen beiseite und machten den Weg frei für Regulus, die Castra Praetoria zu betreten.






    [Blockierte Grafik: http://img146.imageshack.us/img146/8347/cumilesdt0.png]

    Geschafft! Mit hochrotem Kopf nach Luft ringend hing ich über meinem Gegner, und konnte es noch nicht so ganz glauben - ich hatte diesen Kampf gewonnen. Mit knapper Not zwar, aber, trotzdem gewonnen. Tatsache!
    Zu Ende des Kampfes hatte ich von meiner Umgebung überhaupt nichts mehr mitbekommen, jetzt war es, als ob eine Blase platzen würde, und der Lärm des Amphitheaters brandete von allen Seiten auf mich ein. Ich wollte was auf Classicus’ Bemerkung erwidern, aber aus meinem Mund kam nur ein erschöpftes ”Puuhhhh....”
    Ich rappelte mich auf, und bot meinem Gegner die Hand, atmete tief durch und meinte dann sehr markig zu ihm: ”War’n guter Kampf.”


    Wenn’s nach mir gegangen wäre - ich hatte genug für heute! Aber es ging ja noch weiter. Ich brauchte jetzt unbedingt einen Moment um mich auszuruhen, und ging zum Rand der Arena, wischte mir mit einem nassen Tuch übers Gesicht und über den Oberkörper, sank auf einen Sitz. Da trank ich einen Becher Wasser, und grinste zu Vestinus rüber, dessen Stimme ich zwischendurch mal unter den Anfeuernden wahrgenommen hatte. Angefeuert zu werden, das ist grossartig! Sehr erhebend! Applaus zu bekommen auch, aber das sagte ich ja schon.
    Und wie ich da so sass, und mich für den nächsten Kampf zu wappnen suchte, bemerkte ich ein junges Mädchen, mit einem niedlichen blauen Schleier, das in der vordesten Reihe sass und mir die ganze Zeit so Blicke zuwarf und poussierte. Na toll. Ich sah schnell woanders hin, um sie nicht zu ermutigen - und erblickte diesen Koloss mit dem irren Blick, der gerade im Ring den armen Zivilisten fertig gemacht hatte. Der sah mich so erwartungsvoll an. Bona Dea, war das etwa mein Gegner für die nächste Runde? 8o Sah fast so aus. Ich wurde blass um die Nase. Das wurde ja immer schlimmer.


    Ich würde untergehen... - aber mit fliegenden Fahnen. Wie wenn man einem wilden Molosserhund gegenübersteht, durfte ich keine Furcht zeigen vor diesem Titanen, also erhob ich mich entschlossen, und stellte mich bereit für die nächste Runde, bereit gegen dieses Ungetüm in (annähernd) Menschengestalt anzutreten. O Fortuna, lass nicht zu dass er mir was bricht...

    Die Arme voll Girlanden kam ich von der Porta. Die war schon mal erledigt, aber ein Grossteil des Hauses war noch ungeschmückt. Ich muss sagen, es machte mir einen Heidenspass. Ich mag Blumen, aber für gewöhnlich muss ich diese Neigung - wie manch andere - verleugnen, weil es nicht zu einem Soldaten Roms passt. Und ich will ja niemanden irritieren, nein, ich will ein mustergültiger Soldat sein.
    Heute dagegen konnte ich meiner Liebe zu den Blumen aus vollen Zügen und ganz rechtmässig frönen. Ich schlang ein Gewinde von sonnengelben Kelchblumen um eine Säule herum, drapierte üppige Sträusse in Vasen... Ein Schnaufen, und Worte aus einer abgeschiedenen Ecke des Gartens machten mich darauf aufmerksam, dass ich nicht allein war.
    ”Onkel Mattiacus!” Ich hatte schon von den Sklaven gehört, dass er seit einer Weile wieder da war, ihn aber noch nicht getroffen. ”Es ist schön, das Du wohlbehalten von der Reise zurückgekommen bist!” Ich liess die farbenfrohe Blumengirlande sinken, die ich gerade einer grimmigen Gelehrtenstatue um den Hals hatte legen wollen, und kam mit grossen Schritten auf Mattiacus zu, fragte dabei mit leuchtenden Augen: ”Hast Du’s schon gehört?!”

    ”Ah, Frischfleisch”, murmelte einer der Torwächter. Ein anderer, vierschrötig mit vernarbtem Gesicht, begann verhalten zu grinsen, als der Besucher sein Ansinnen so ausnehmend höflich vorbrachte.
    ”Salve Iunius,” begrüsste er ihn, ”Das hört man doch gern. Bist du unverheiratet, und bereit dich dem Kaiser für zwanzig Jahre zu verpflichten, ja? Dann mal die Arme ausstrecken, zur Durchsuchung bevor du hier rein darfst.”




    [Blockierte Grafik: http://img146.imageshack.us/img146/8347/cumilesdt0.png]

    [Blockierte Grafik: http://img184.imageshack.us/img184/7931/sklave08cr9.jpg| Cineas


    Der Cursor der Gens Decima war staubbedeckt von der Reise, und man sah ihm und seinem Pferd die Erschöpfung an, als er das Tor der Castra erreichte. Dort gab er drei kurze Briefe ab, und bat, den Empfängern mitzuteilen, dass er noch warten würde, falls ihm jemand eine Antwort mitgeben wollte.


    An
    Titus Decimus Vestinus
    Legio I
    Mantua


    Salve Vestinus!
    Stell Dir vor, unser Onkel Livianus wird in Rom zurückerwartet!! Einzelheiten weiss ich noch nicht, ausser dass Verus ihn mit eigenen Augen gesehen hat, und mit ihm zusammen von Aegyptus aus über das Mare Nostrum gefahren ist. Wir sind alle überglücklich darüber, und natürlich werden wir zu seiner Rückkehr ein grosses Fest feiern. Da darfst Du nicht fehlen, mein lieber Cousin, also mach Dich so schnell wie möglich auf, befreie Dich für einige Tage vom Dienst, und komm mit den anderen Verwandten, die es auch zur Prima gezogen hat, nach Rom, um mit uns dieses ungeheure Glück gebührend zu feiern.


    Bis bald!
    Faustus Serapio



    An
    Caius Decimus Celsus
    Legio I
    Mantua


    Salve Celsus!
    Wir kennen uns noch nicht persönlich, aber ich hoffe, dass sich das bald ändert, denn ich möchte Dich zu unserem Familienfest einladen. Der Anlass ist ganz grossartig: unser Onkel Decimus Livianus, der verschollene Legat der Prima im Parthienfeldzug, wird in Bälde in Rom zurückerwartet. Ich hoffe dass Du, sowie Vestinus und Centho, euch für kurze Zeit von der Prima trennen und vom Dienst freimachen könnt, damit wir alle zusammen in der Casa Decima Livianus’ Rückkehr gebührend feiern können.


    Vale und auf bald
    Faustus Decimus Serapio



    An
    Quintus Decimus Centho
    Legio I
    Mantua


    Salve Centho!
    Ich glaube, wir sind uns bisher noch nicht begegnet, aber das könnte sich bald ändern, denn ich schreibe Dir, um Dich zu unserem grossen Familienfest einzuladen. Es gibt phantastische Neuigkeiten: Decimus Livianus, der verschollene Legat der Prima im Parthienfeldzug, wird in Bälde in Rom zurückerwartet. Ich hoffe dass Du, sowie Vestinus und Celsus, euch eine kurze Weile von der Prima trennen und vom Dienst befreien könnt, damit wir alle zusammen in der Casa Decima Livianus’ Rückkehr gebührend feiern können.


    Vale und auf bald
    Faustus Decimus Serapio

    ”Ja, Fortuna sei gepriesen!” jauchzte ich aus tiefster Seele, und wie sich mein Vetter den Bart strich, fiel mir so nebenbei auf, dass er in der Mode wirklich auf dem allerneuesten Stand war. (Bärte gelangten ja dieses Jahr so langsam en vogue. Ob ich mir auch einen wachsen lassen sollte?)
    Ich war so froh zu hören, dass Livianus einigermassen wohlbehalten war, aber der andere Teil von Verus’ Worten irritierte mich sehr. Über so etwas sprach man nicht! Ein Decimer hatte keine ‘seelischen Narben’ zu haben, und wenn man sie doch hatte, dann behielt man das bitteschön für sich, ganz besonders vor Aussenstehenden. Das war ein wunder Punkt für mich. Ich machte ein reserviertes Gesicht, verschränkte die Arme, und ging auf das Thema nicht ein.


    Was das Fest anging, war ich aber wieder mit ihm einer Meinung, und nachdem wir den Procurator verabschiedet hatten, begannen wir mit der Planung.
    ”Gut... Dann übernehme ich es, den Mercator und den Hispanicus-Teil der Familie anzuschreiben. Und Du übernimmst es, die Cato-Linie, also den ‘griechischen’ Teil einzuladen, ist das in Ordnung? - Ich mach mich gleich dran.”
    Bei unserer weitverzweigten Familie würde ich gut achtgeben müssen, um niemanden zu vergessen.

    An
    Decima Seiana
    Habitatio Aeliana
    Alexandria
    Aegyptus



    Liebe Seiana,
    ich habe eine schlimme Nachricht aus Germanien bekommen.
    Unser Bruder Appius ist gestorben.
    Ich hasse es, der Überbringer dieser Nachricht zu sein. Und ich weiss nicht was ich sagen soll. Ich habe es schon vor einer Weile erfahren, aber ich habe es erst nicht geglaubt, nicht glauben wollen, und ich habe selbst nach Germanien geschrieben um mich zu vergewissern. Nun, es ist wahr, einer seiner Kameraden hat mir zurückgeschrieben. Es ist nicht im Kampf passiert, und es war auch kein Unfall - er schreibt, dass Appius plötzlich zusammengebrochen ist, aus heiterem Himmel, sie brachten ihn ins Valetudinarium, aber er war nicht mehr zu retten. Er schreibt, der Medicus hätte gesagt, Appius’ Herz hätte einfach nicht mehr weitergeschlagen. Ich verstehe das einfach nicht! Wie kann das sein, unser Bruder war doch kerngesund! Appius hatte mir auch von seiner Grundausbildung bei der Secunda geschrieben, und das klang natürlich anstrengend aber sonst ganz positiv.
    Ich muss da an die Sache mit seiner Freundin denken... er hat uns so zurückhaltend davon erzählt, aber es war doch deutlich, dass es ihn fuchtbar tief getroffen hatte. Vielleicht war es das, der Verlust seiner Aeala, was ihm das Herz gebrochen hat. Aber so plötzlich.
    Und Mutter, mit ihrem schwachen Herzen, und Grossmutter ja auch... Ich bin sehr, sehr traurig... und zugleich habe ich Angst, dass diese Sache irgendwie in der Familie liegt. Das Treffen am Tag meiner Rückkehr, als wir alle drei zusammen in Deinem Cubiculum sassen, erscheint mir so unwirklich. So lange nicht gesehen, wiedergefunden, und gleich wieder genommen. Wenigstens haben wir ihn nochmal gesehen.
    Sie haben seine Asche dort in der Nähe des Castells beigesetzt. Ich habe mir überlegt, ob wir sie nach Tarraco überführen sollen. Aber ich glaube, Germanien entspricht Appius viel mehr, unserem Einzelgänger und Abenteurer, er hatte doch wohl eine tiefe Bindung zu dem Land. Einen Stein müssen wir ihm aber setzen. Ein Bild von ihm mit seinem Pferd wäre doch passend, oder? Entschuldige, meine Worte sind profan, aber ich weiss nicht, was ich angemessenes sagen kann. Es ist so unsinnig und so schrecklich, aber wir können ja nichts anderes tun als weiterzumachen.


    Nach diesem Schlag erscheint mir auch die Sache mit Deiner Verlobung halb so wild. Meine Briefe war schon übertrieben, ich hatte sie sofort losgeschickt, in Zukunft schlafe ich einmal über solchen Dingen. Entschuldige bitte. Du weisst dass ich sehr hoch von Dir denke. Und wenn Du Deinen Aelier wirklich so sehr magst, werde ich ihn auch nicht verprügeln.


    Es gibt noch etwas. Etwas sehr gutes. Mit der einen Hand nehmen die Götter, mit der anderen geben sie, stimmt in unserem Fall wirklich... Livianus wird zurückerwartet. Ich weiss nichts genaues, aber er soll schon in Kürze in Rom eintreffen, und das werden wir natürlich feiern. Magst Du nicht auch, wenigstens für kurze Zeit, wenigstens zu diesem Anlass, nach Rom zurückkommen? (Du könntest ja auch Deinen Verlobten mitbringen.)
    Ich vermisse Dich, grosse Schwester, und ich würde Dich jetzt gerne in den Arm nehmen.


    Vale
    Dein Faustus


    Sim-Off:

    überwiesen, danke :)

    ”Zum Rekrutierungsbüro geht es dort entl... - oh.”
    Der Miles blinzelte überrascht, machte sich dann quälend langsam daran, das Schreiben zu entziffern. Darauf nickte er, nahm zwar keine Haltung an, klang jetzt aber deutlich höflicher als zuvor. Tribunen kamen und gingen, und zumal die senatorischen waren beliebtes Ziel für Scherze, aber ver-scherzen wollte der Mann es sich nicht mit dem Neuen.
    ”Die Amtsstube des Stadtpräfekten findest Du dort vorne, im kleineren Flügel der Principa, Tribunus”, erklärte er, und liess Flavus eintreten.






    [Blockierte Grafik: http://img146.imageshack.us/img146/8347/cumilesdt0.png]

    ”Soweit ich weiss...”, überlegte ich, und kratzte mich dabei am Kopf, ist der Procurator ein alter Soldat... Ein Prätorianer!” Ich grinste spöttisch - in der Hinsicht hatte mich eben die Prima geprägt, wo die Rivalität zur Garde stets gepflegt wurde.
    Mein Sklave war heute so gehorsam! Ich war richtig erstaunt wie gut er spurte, auch wenn er natürlich in seiner ganzen Haltung immer so was latent aufsässiges hatte. Licinus war das nicht entgangen.
    ”Das kannst Du laut sagen! Er ist ein Nichtsnutz und ein Galgenstrick!”, klagte ich, ”Ich hab schon oft darüber nachgedacht, mir einen anderen zu kaufen, aber, naja, ich finde es geschieht ihm einfach recht, dass er mir dienen muss. Ich hab ihn doch in Edessa eingefangen, er war einer von diesen verfluchten Partisanen, die mein Contubernium beim Requirieren aus dem Hinterhalt angefallen haben. Drecksparther! Davor war er schon in Gefangenschaft gewesen, da hab ich ihn gekauft, nach der Schlacht, aber, hm, ich war zu betrunken an dem Abend, da ist er mir gleich wieder abgehauen... ist also eine lange Geschichte.”
    Ich trank noch ein paar Schluck, beschloss dann aber auf das Wasser zu warten. Der Wein so ganz unverdünnt, das war mir zu unzivilisiert. Und tatsächlich, Ziaar brachte das Verlangte, aber mit so einem unguten Lächeln, dass mir ganz ungemütlich wurde. Er würde es doch nicht wagen, uns zu vergiften? Ich war versucht, ihn selbst vorkosten zu lassen, aber dann kam mir das zu albern vor. Natürlich würde er es nicht wagen, es wäre ja auch sein Ende... Aber während ich mir den Becher mit Wasser auffüllte, bedrängte mich die Vorstellung, er könne da reingespuckt haben... ich habe einfach eine zu lebhafte Phantasie.


    Licinus stimmte zu, was mich wirklich freute. O ja, ich kannte den Legaten, und wenn ich so recht darüber nachdachte war es schon erstaunlich, dass Licinus überhaupt in Rom war.
    ”Gut!”, meinte ich, und kommandierte meinen Sklaven weiter herum: ~”Ja, noch zwei Dinge: bereite ein Nachtlager für meinen Gast, und geh auf den Markt und besorge etwas zur Cena... hm...”~
    Ich wandte mich an Licinus und erkundigte mich: ”Was hältst Du von gebratenem Thunfisch zur Cena?”


    Nachdem die Essensfrage geklärt war, stellte ich sicher, dass die Becher gefüllt waren, lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und streckte die Beine von mir.
    ”Erinnert mich gerade irgendwie an früher. Man, so lange ist das doch noch nicht her, aber ich bin manchmal ganz nostalgisch. - Und wie steht es so bei Dir, in Mantua und überhaupt? Schindest Du immer noch die Probati? A propos, wie macht sich eigentlich mein Cousin Vestinus? - Oder absolvierst Du den CRV, um ins öffentliche Leben einzusteigen, und ganz neue Wege zu gehen?” Letzteres war ein Schuss ins Blaue, den ich eher scherzhaft abgab - Licinus ausserhalb der Prima, das konnte ich mir nur sehr schwer, eigentlich gar nicht, vorstellen.

    "Bona Dea! Ist das wirklich wahr!? Oh, allen Göttern sei Dank!!"
    Ich war wie benommen, und brauchte eine Weile, um diese überwältigende Neuigkeit zu realisieren. (Seltsam wie sich in der Hinsicht sehr gute und sehr schlechte Nachrichten gleichen können.)
    "Und das erzählst Du seelenruhig, Vetter, so nebenbei?!" Mann, eben war noch das Wetter das Thema gewesen!
    "Geht es ihm gut?! Wie ist er freigekommen? Wieso Aegyptus?", bestürmte ich meinen Vetter mit Fragen, und währenddessen breitete sich, verzögert, ein freudestrahlendes Lächeln auf meinem Gesicht aus, begannen meine Augen zu leuchten. Was ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatte – es war eingetreten. Ich war in der Stimmung die ganze Welt zu umarmen.
    "Wir müssen allen bescheid sagen, und wir müssen das Haus schmücken, und alles für seine Heimkehr vorbereiten, und..."
    Nicht, dass das Haus in der Zwischenzeit irgendwie verlottert wäre, die Sklaven waren ja sehr fleissig. Aber diese Sensation verlangte nach dem richtigen Dekor. Blumengirlanden zum Beispiel - wir mussten unbedingt die Porta mit Blumen bekränzen, das würde ich später in die Hand nehmen.


    Der Besucher vom Palatin meldete sich wieder zu Wort – er war also auch deswegen hier. Wie nett von ihm, dass er selbst gekommen war! Ich erinnerte mich noch sehr gut, und nicht ohne Groll daran, wie man unsere Familie bei Livianus' Verschwinden im Dunkeln gelassen hatte.
    "Ich danke Dir sehr, Prudentius Balbus, dass Du persönlich gekommen bist, um uns diese unglaubliche... grossartige... unglaublich grossartige Nachricht zu überbringen!", bedankte ich mich überschwänglich, im Moment einfach nur vollkommen euphorisch.

    Den alten Marcus konnte ich nicht mit gutem Gewissen diese Leiter hochschicken. Also kletterte ich selbst hinauf, und liess mir von unserem treuen Ianitor die Girlande hochreichen. Ich glaube, die Nachricht von Livianus' baldiger Rückkehr hatte Marcus ebenso beglückt wie mich, auch wenn er's nicht ganz so überschwänglich zeigte.
    Ich streckte mich, und schmückte die Türpfosten mit dem prächtigen Gewinde bunter Frühlingsblüten und grünen Laubs. Die Porta stand offen, drinnen im Haus wurde eifrig geputzt, die Ahnenmasken abgestaubt, das Impluvium geschrubbt, der Boden poliert. Zwei Sklavinnen drückten sich mit Einkaufskörben über den Arm an der Leiter vorbei und eilten los, um die letzten Zutaten für ein Festmahl zu besorgen.
    "Ist das so gerade?"
    "Links noch etwas höher... ja, genau so."
    Ich kletterte wieder runter und begutachtete das Werk – sehr hübsch, sehr festlich. Wer hätte vor kurzem noch gedacht, dass wir die Porta mit Blumen anstatt mit Zypressenzweigen bekränzen würden?
    Die Vorbereitungen nahmen ihren Lauf, und bald war alles bereit für die Ankunft des späten Heimkehrers.

    "Centurio Decimus, ich habe eine wichtige Neuigkeit für den Praefectus!" meldete ich mich beim Sekretär des Vescularius Salinator, nachdem ich vom Marsfeld eilends zur Castra zurückgekehrt war. Der Mann ging mich anmelden, und ich ordnete meine Erscheinung während ich wartete. Noch immer trug ich diesen Ausdruck tiefempfundener Freude im Gesicht – auch wenn ich mich jetzt wieder um centurionenhafte Strenge bemühte, ich war einfach zu glücklich dafür.

    Na, so schlimm war das mit den Tränen wohl doch nicht - mein Onkel hatte schliesslich auch feuchte Augen. Eine warme Freude erfüllte mich, richtig körperlich, vom Scheitel bis hinunter in die Zehenspitzen, als er mir auf die Schulter klopfte, und mich so ansah, nicht missbilligend, nicht enttäuscht, wütend oder milde resigniert - nein: stolz. Das war es doch, wonach ich so sehr gestrebt hatte, und ich kann nicht beschreiben wie gut mir das tat, diesen Ausdruck in seinen Augen zu sehen!
    Bevor alle Schleusen brachen, ging ich lieber schnell mein Pferd wieder einfangen. Schon nach ein paar Schritt erwischte ich es, grasend unter einer Pinie. Ich schluckte, atmete tief durch und sammelte meine Selbstbeherrschung wieder zusammen, dann fasste ich die Zügel und zog das Tier zurück zu den anderen.
    Mein Onkel hatte einen Auftrag für mich und ganz eifrig antwortete ich:”Ja, mach ich!”
    Dann warf ich noch ein: ”Doch, den neuen Gardepräfekten kennst Du: es ist Artorius Avitus.” Der Artorier, den ich so bewunderte, war schliesslich Primus Pilus unter Livianus gewesen. ”Allerdings heißt es, er sei zur Zeit nicht in Rom.”
    Livianus trieb zum Aufbruch, und beflissen stieg ich in den Sattel, um gleich, wieder entlang der Stadtgrenze, zurück zur Castra zu reiten. Es war zu schade, dass ich nicht gleich mit den anderen kommen konnte, andererseits fühlte ich mich mit meinem Auftrag als Teil dieser bedeutsamen Ereignisse, und damit auch selbst etwas bedeutsamer.
    ”Ich berichte sofort dem PU. Bis später!”
    Ich gab dem Pferd die Schenkel, und weg war ich.