Es hatte ihr gefallen, sehr gut. Ich verbeugte mich ansatzweise, ein wenig affektiert, bei ihrem Lob. Ach, konnte man das meinen? Ich musste mir das Lachen verbeissen, denn nein, das konnte ich beileibe nicht von mir behaupten. Ich begnügte mich aber mit einem vielsagenden Lächeln.
”Meine liebe Celeste, Du Schattenseite Romas, da hast Du wohl recht! Gut, dann werde ich mich also hüten, diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen, und hülle mich selbst ebenfalls in Schweigen.”, scherzte ich, hob dabei die Hände um zu unterstreichen, wie sehr ich mich hüten würde. Vorstoss - Rückzug. Tatsächlich war Rufmord etwas, vor dem wirklich grosse Angst hatte.
Ich trank, legte dann den Kopf schräg bei ihrer Frage, und überlegte. Die Musik umfloss uns sacht, dazu ein guter Wein und eine weiche Kline... all das wollte mich einlullen, aber ich durfte ja nicht vergessen, dass ich Celeste noch nicht so wirklich lange kannte, und auch wenn es mir schwerfiel, ihr besser nicht gleich mein Herz ausschütten sollte.
”Sagen wir so... Natürlich versuche ich zu verstehen, was die Menschen antreibt, die sich ihr Auskommen jenseits des Gesetzes suchen. Wie sie denken, und handeln müssen, um in den Schatten, wie Du es nennst zurechtzukommen. Aber ich sehe daran nichts faszinierendes mehr.” Hatte ich ‘nicht mehr’ gesagt? Schnell sprach ich weiter. ”Ich meine, es ist nichts romatisches daran, und man sollte das nicht verklären. Hm.. alles was verborgen ist, und geheimnisvoll - und verboten - und bei dem viel Geld im Spiel ist, weckt irgendwie Faszination schätze ich... Aber das ist doch nur Blendwerk, die Wahrheit ist halt viel profaner. Es wird geklaut, geraubt, betrogen und gemordet und so weiter, aus vielen Gründen heraus, von denen die meisten doch eher unschön sind. Nein, das finde ich gar nicht faszinierend, eher... schlimm.”
Was war ich weise geworden, und ernsthaft. Früher hatte mir Hannibal alleine schon wegen seines gefährlichen Rufs mächtig imponiert, und ich hätte damals ja so gerne mal bei seinen mysteriösen Unternehmungen mitgemacht. Aber er hatte mich nie eingeweiht, ausser bei dem Satyrspiel. (Könnte auch daran liegen, dass ich zu der Zeit ständig auf Opium war, und wahrscheinlich alles vermasselt hätte. Fabus hatte mitmachen dürfen, dabei war der auch nicht älter als ich.) Im Nachhinein war ich natürlich froh darüber, ich hatte genug Dummheiten gemacht, und laut dem was mir Aristides enthüllt hatte, also wenn es wahr war, dann hatte Hannibal sich tatsächlich als Mörder betätigt. Und mal wieder waren meine Gedanken zu diesem treulosen Sklaven abgeschweift... Ach... Mein Blick wanderte wehmütig zur Tür, dann über die Gäste des Lokals, bevor ich wieder Celeste ins Auge fasste.
”Ich hoffe das enttäuscht Dich jetzt nicht.”