Caius Flavius Aquilius...
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Es grüßt der kleine Irrwisch
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Es grüßt der kleine Irrwisch
Oder sie machte kehrt und suchte Hektor auf, damit sie ihn darüber informieren konnte, dass etwas wegen ihm besprochen sollte. Soviele Gedanken sie auch wieder im Kopf hatte, sie konnte sich nicht mehr von dannen schleichen, da sie schon an die Türe geklopft hatte. Tilla seufzte und lauschte den Geräuschen von drinnen. Ihre Stimme ertönte. Sie war also da... nun gabs kein Zurück mehr. Tilla atmete tief durch und öffnete die Tür, um sich mit zaghaften Bewegungen hereinzubugisieren und die Tür gleich wieder hinter sich zuzuschieben. Salve. begrüßte sie die Herrin mit stummer Geste.
Wie fing sie nun mit dieser Nachricht an? Ähm... dominus Ursus schickt mich. Wieder verwendete sie trotz seiner Ermahnung die Geste der gewölbten Augenbraue. Tilla biss sich auf die Lippen und wiederholte den Satz mit der Geste, die sie ausgemacht hatten und ihr nun wieder einfiel: Buchstabe 'U' für Ursus. Ebenso verwendete Tilla die Anfangsbuchstaben der übrigen Familienmitglieder und Gäste des Hauses. dominusUrsus schickt mich. Ich soll Euch fragen, ob Ihr Duccia Clara empfangen wollt und falls ja, wann es Euch recht ist. Duccia Clara möchte außrdem etwas mit Euch besprechen was Hektor betrifft. So jetzt war es heraus. Ah nein.. da fehlte noch etwas! Die beiden sind gerade draußen, im Garten. Unsicher wie sie sich Prisca nach ihrer eigenen Krankheit gegenüber verhalten sollte, sah Tilla zu Boden.
Tilla trabte nicht schnell ins Haus zurück, die gewohnte Kraft war nach der langen Zeit des Fiebers noch nicht vollständig zurückgekehrt. Nach einer Stippvisite bei Köchin Niki, die fast immer über alles und jenes Bescheid wusste, wurde sie nach ihrer Frage zu Priscas aktuellem Aufenthaltsort zu deren cubiculum geschickt.
Dingdingding. kündigte Tilla sich an und klopfte zusätzlich noch an die Tür. Vor dieser blieb sie in respektvoller Entfernung stehen und legte nachdenklich den Kopf schief. Wie lange war das nun her, seit sie sich mit einer schlichten Decke stumm weinend vor Priscas Tür zusammengekauert und während dem Gespräch über dem Tod hohes Fieber bekommen hatte? Unendlich lange. Wusste die Herrin schon, dass sie wieder auf den Beinen war? Oder wollte sie sie weiterhin ignorieren? Nur weil sie ihr am Meer wegen dem cetusgeholfen hatte? Tilla fuhr sich durch die schwarzen Haare, kämmte mit den Fingern Knoten heraus... sie könnte auch zurückgehen und sagen, dass die Herrin nicht im Hause zugegen war. Oder sie gab diesen Botengang an einen anderen Sklaven ab, um sich vor der Begegnung mit Prisca zu drücken.
Schon seltsam... auf der Straße hatte sie viel Geduld gehabt wenn sie auf ein potentielles Opfer zum Münzen abnehmen gewartet hatte. Aber hier? Da wollte sie nicht untätig sein und etwas mehr von diesem Tempel sehen, in dem sich das Orakel befand. Tilla hütete sich Prisca wieder etwas näher zu dem Gang zu führen, in dem die alte Frau verschwunden war und spürte den Griff der älteren Frau um ihre Hand. Sie freute sich wirklich über die Berührung und sah lächelnd auf. Och... diese Halle ist so groß und übersichtlich. Wir gehen nur Säulen gucken. Und sie werden uns sicher aufhalten, wenn wir einem 'verbotenen' Gang zu nahe kommen. erwiderte Tilla stimmlos flüsternd. Der 'Gesang' klang mit jedem Schritt über den Boden immer wieder ein wenig anders als zuvor. Sie würde dem Gesang immerzu lauschen, wenn sie könnte.
So weit kamen sie auch gar nicht durch die Tempelhalle, denn Prisca war es, die sie bei dem kurzen Rundgang aufhielt. Tilla spähte in die Ecke und kniff die Augen zusammen, um etwas zu erkennen. Was meinte sie bloß? Eine Schlange? Eine Spinne? Eine Fledermaus? Es war schwierig. Die Feuerbecken machten es ihr nicht leicht.. aber was war schon leicht? Die Stimme der alten Frau ertönte hinter ihr. Flugs drehte Tilla sich zu ihr um und sah zu ihr auf. Bei dem erneuten Anblick der Priesterin staunte sie ein zweites Mal über ihr faltiges Gesicht. Das war wahrlich die älteste Frau, der sie gerade begegnete. Sie bekam die Tafel wieder... aber sie war verschlossen. Und nun? Gleich hier öffnen? Erst öffnen, wenn sie im Garten der Villa Aurelia auf dem Kletterbaum saß? Keiner und niemand hatte sie auf den Augenblick vorbereitet, wenn sie die Antwort in den Händen haben würde. Warum sagst du nichts zu mir? Du bist so still! fragte sie die Priesterin spontan. Lange liess Tilla den Blick auf der alten Frau ruhen, bis sie den Kopf senkte und auf die verschlossene Tafel starrte. Vielleicht wusste die Sybille gar keine Antwort auf ihre Frage, vielleicht war ihr Schicksal ebenso unklar wie ihre Herkunft?
Tilla aß die letzten Garnelen auf und nickte nach dem letzten Schlucken sogleich ein. Der volle Magen fühlte sich gut an, es war ein bisschen viel zu Essen gewesen, aber immerhin besser als nichts essen zu können. Tilla spürte Sivs letzte Zuwendungen an ihrer Stirn, bevor sie erneut ins Land der Träume entschwand. Sie war so schnell eingeschlafen und vor allem so tief, dass nicht einmal ein Krachen sie hätte aufwecken können. Wie Siv sie verliess bekam Tilla jetzt genauso wenig mit wie das Gemurmel der noch anwesenden Personen, welches von den Wänden des Raumes wiederhallte.
Vor einem Kamin zusammengekuschelt in einer Decke, das war die Art wie man Krankheitstage verbringen wollte. Eine heiße Tasse Tee oder Milch würden das Bild noch abrunden. So als wäre sie selbst in fünf Wolldecken eingemummelt, direkt vor das prasselnde Feuer gesetzt worden, so kam sie sich vor, selbst im Schlaf, der eher äußerst unruhig verlief. Wie lange Tilla schlief konnte sie nicht sagen. Das war der Vorteil vom Schlafen, man hatte kein Zeitgefühl. Die Zeit, die sie auf ihrer Lagerstatt lag, sich unruhig hin und her warf, weil sie wie immer träumte, war sie erneut völlig durchnässt. Schon wieder, nur diesmal aus dem Grunde, dass ihr Körper alles auszuschwitzen versuchte, was Tilla an Flüssigkeit in sich hatte. Und obwohl sie fast verglühte, zitterte ihrr Körper, als würde er eher erfrieren. Tief und fest schlief Tilla, was ihr Körper anstellte registrierte sie nicht, und wenn dann nur unterbewusst, denn lange hatte sie nicht mehr ruhig geschlafen.
Sie schlief und träumte, wachte zwischendurch auf und döste ein.. ein ständiger Wechsel von Schlaf- und Wachzustand. Tilla wachte auf, als die Tür ging und Hektor eintrat. Sie blinzelte ihn erfreut über seine Anwesenheit an, entdeckte nach ihm den unbekannten Mann. Gerade fragte sie sich, warum sie jetzt so bestialisch fror obwohl sie schwitzte wie nach einem anstrengenden Rennen. Der unbekannte Mann nahm sich ihrer an und sie musste es zulassen. Bewegen konnte sie sich dank schwerer Glieder und körperlicher Schwäche nicht. Ein leises Flüstern würde sie wenigtens versuchen. Den Worten nach, die an ihre Ohren drangen, ging es demnach um sie selbst. Tilla schluckte, klärte ihre Kehle. Hektor? Wer ist das?
"Das ist fein, dass es Euch gut geht." erwiderte Tilla lächelnd zu Duccia Clara. Ihr Lächeln verschwand, je mehr verärgerte Worte sie von Ursus hörte. Betreten sah sie zu Boden, blickte den Rasen an. Dann musste sie für ihn eben eine andere Geste, die nicht so auffällig war, ausdenken. Eher hatte sie vergessen, diese Geste der gewölbten Augenbraue nur anzuwenden, wenn sie alleine oder unter sich waren. Die wenigen Stunden, wo sie Ursus Unterricht in ihrr Zeichensprache gegeben hatte und ihn belehren durfte, schienen Ewigkeiten her zu sein. Tschuldigung, dominus. entschuldigte Tilla sich. Sie sah zu ihrem dominus auf, als dann schliesslich der Grund ausgesprochen wurde, weswegen sie hergeholt worden war. Es ging um Hektor? Tillas Augen wurden groß. In Ordnung. Ich frage Aurelia Prisca. Mit einem zaghaften Lächeln verabschiedete sie sich und drehte sich auf den Fersen um, um den Weg zum Haus zurück einzuschlagen.
Ganz genau. Delphine und Haie, deine Stute Luna und viele Münzen. Die Kreise sind Münzen, die du immer zum Einkaufen brauchst. erwiderte Tilla. Ob sie auch bei Prisca flüstern sollte? So wie bei der alten Frau? Sie sah sich um. Keiner in der Nähe. Tilal wollte es wenigstens auf einen Versuch ankommen lassen und dann die Reaktion von Aurelia Prisca abwarten. Ja, über meine Vergangenheit. Wie ich zum Stein kam und wer mich gefunden hat, wen ich nicht kenne: Maman, Papan, Geschwister. Den Rest kennst du, ich sag nur Farbe 'Rot'. Ich mag sie nicht. Blau ist viel schöner.
Immer noch befanden sie sich in dem Tempel, dass das Orakel beherbergte. Der geheimnisvolle Gesang verursachte weitere warme Gänsehautschauer auf Tillas Rücken. Gleich würde sie mehr wissen... hoffentlich. Tilla streckte die Hand nach der von Prisca aus, umfasste die große Hand vorsichtig mit der eigenen viel kleineren Hand. Gehen wir ein bisschen rum? Ich kann nicht still stehen. Hast du schon die Säulen gesehen? Unbewusst war sie in die vertraute Anrede gefallen. Dieses Gebäude war aber auch ein besonderer Ort. Hier war eben alles anders... und sie selbst auch. Tilla hustete lautlos in die vorgehaltene Hand, um endlich den Reiz loszuwerden, der am Hals kratzte. Komm.. Sie deutete zu dem Säulengang, wo sie noch hatte wegen einer Priesterin nachschauen wollen.
Zum Glück hörte sie Claras Sätze über den Springbrunnen nicht, sonst hätte Tilla beschlossen an diesem Wasserbecken viel mehr Zeit zu verbringen als im Inneren des Hauses. Sie mochte Wasser, sie liebte Wasser und hielt sich gerne ausgiebig badend im kühlen Nass auf, solange es keine Gefahren beherbergte. Matho war immer noch ziemlich stinkig wegen der Brotkrümel, die sie neulich im impluvium versenkt hatte, weil sie es einfach für richtig gehalten hatte, diese dem Wasser zu übergeben. Schwamm drüber!
Salve, ich freue mich auch, dich wiederzusehen. entgegnete Tilla mit langsamen Gesten. Mensch, es wird höchste Zeit, dass ich für Duccia Clara eine Namensgebärde ausdenke, schoß es Tilla durch den Kopf. Ja, ich war krank. Hohes Fieber und viele Bläschen auf der Haut. Vor wenigen Tagen durfte ich wieder aufstehen. Es geht ein Stückchen besser. Ihre Tunika war langärmelig, um die verheilenden Narben zu schützen und den Herren und Herrinnen den Anblick der Wundheilung zu ersparen. Wie geht es dir? fragte Tilla zurück, erinnerte sich an die hölzerne Figur, welche sie von Clara bekommen hatte. Und wie geht es dir, Ursus? Sie suchte Ursus Blick auf, formte seine Namensgebärde an ihrer eigenen Augenbraue nach.
Tilla liess sich weiter von Fionas Armen halten und fühlte sich so wohl gehalten zu werden. Minna streichelte ihr über die Haare. Tillas Tränen wurden weniger, auch weil das Weinen sie ermüdete und inzwischen mehr müde als wach war. Noch besser wurde es, als sie eine der Decken bekam und sich hineinkuscheln konnte. Sie sollte sich nicht entschuldigen? Die Erklärung folgte sogleich und Tilla leuchteten sie ein. Ja, die Erinnerungen konnte sie nicht mit den Tränen wegwischen, höchstens sie ertragen und verdrängen. Das kostete sie viel von ihrer Kraft. Stimmt, ihr habt recht.
Mit vom Weinen geröteten Augen blickte sie die beiden Frauen übermüdet an und bemühte sich noch ein bisschen wach zu bleiben. Bei dem geheimen Samhainfest der Sklaven aus verschiedenen Häusern im Garten der Villa Aurelia hatte sie ebenfalls geweint und war dann in Cadhlas Armen eingeschlafen. Fiona erwähnte einen Mann, er war ausgepeitscht worden und meinte, dass sie weggehen sollten. Minna fügte noch was hinzu. Es erinnerte Tilla an ihre eigene Flucht. Tilla biss sich auf die Lippen, knautschte den Deckenzipfel zusammen.
Ist es auch.. so schlimm bei euch? fragte sie langsam. Wenn ihr fortgeht, ich sag nichts. Kann ich auch gar nicht. Es weiss keiner, dass ich mit Euch gegangen bin. Ihr könnt gerne hier in meinem Versteck bleiben.. und ich bringe euch was ihr noch braucht. Noch einmal die Straßenzeit aufleben lassen. Tilla blinzelte beide Frauen an, gähnte hinter vorgehaltener Hand und kuschelte sich in die Decke. Wie oft hatte sie sich nach einer Kameradin gesehnt, die die Zeit als hungerndes Straßenkind und Diebin mit ihr durchstand.
Sie hatte Ursus mit Clara gesehen, nämlich als sie wieder einmal das Anhängsel von Dina spielte und ihr bei den Aufgaben half, die zu erledigen waren. Der Moment der Begegnung dauerte nicht sehr lange. Ursus stellte Dina und sie Duccia Clara vor, das wars auch schon gewesen. Tilla hatte Clara noch schnell zugelächelt, bevor Dina sie schon mit sich zog. Anscheinend war das Lächeln bei Clara angekommen... sonst würde sie nicht Bescheid kriegen, dass man nach ihr verlangte. Etwas anderes was ihr wichtig war schwebte durch Tillas Kopf. Sie wollte Duccia Clara fragen, ob sie von ihr etwas haben durfte, damit sie das Bild abzeichnen konnte, wenn sie durfte. Denn bald stand der Besuch im Tempel des Orakels an.. oder heiss es Tempel der Sybille? Nacheinander Haare und Tunika glattstreichend und die Glöckchen sowie die Tafel zurechtrückend trabte Tilla zu den Erwachsenen, die sich im Garten befanden. Tilla trabte nicht schnell... die gewohnte Kraft war nach der langen Zeit des Fiebers noch nicht vollständig zurückgekehrt. Dingdingding. kündigte Tilla sich an und blieb beide scheu anlächelnd in respektvoller Entfernung stehen. Salve, ihr habt mich gerufen? Was sie wohl von ihr wollten? Der Wind spielte mit Tillas wie immer eigentlich offenliegenden Haaren.
Wer? Wie sie aussah? Ein paar Falten und Grasflecken zierten ihre Tunika. Am besten schnell ablenken. Sie zog die Sandalen am Gürtel hervor. Da sind die. Ich wollte mal barfuß über den Rasen laufen. Das kitzelt so schön. entgegnete Tilla unbedarft und verbiss sich mit Müh und Not die Empfehlung, dass Ursus auch mal barfuß über den Rasen gehen sollte. Herrjeh.. ihr Temperament ging heut mit ihr durch!
Gespannt sah sie Minervina an: stimmte sie zu, stimmte sie nicht zu? Die Schwester von Minervina stimmte zu und kicherte sogar. Tilla lächelte scheu zurück... wie lange 'kurz' wohl dauern würde? Der Blick von Ursus blieb ihren dunklen Augen nicht verborgen. Am besten überlegte sie sich etwas, um sich zu entschuldigen. Es war nur ihr Temperament. Keine Sorge, dominus, ich habe schon Aurelia Helena und Aurelia Prisca sowie Duccia Clara zum Baden geschickt.. öhm.. dabei geholfen. Wobei die letzte Begegnung mit der Duccierin schon einige Zeit zurücklag, wobei sie nicht ahnen konnte, wie bald sie auf diese treffen würde.
Tilla sah ihm nach und blickte Minervina fragend an. Können wir los?, fragte sie mit ihrem Blick und drehte sich um. Nicht weit vom Stall der Pferde stand der Hasenstall eine Handbreit über dem Rasen auf Holzklötzen aufgebockt, davor ein kleines Rondell auf dem Rasen. Tilla kletterte über den Rondellzaun und öffnete die Türe zum Stall. Zuerst die drei weissen, dann das schwarze Ninchen und zuletzt die schwarz-weiss gescheckte Maman. Tilla nahm das 11 Wochen alte weiße Kaninchen mit den schwarzen Ohren auf den Arm. Die mag ich. Mit den Öhrle. Behutsam streichelte sie das ruhige Tier und behielt Minervina im Auge.
Sie liess die Tränen über ihre Wangen laufen und sah zugleich noch einmal vor ihrem inneren Auge die Minuten vor und nach dem cetus am Strand ablaufen. Ja, sie hatte den Erwachsenen mit einem Ablenkungsmanöver helfen wollen... und dabei zugleich so einiges nicht beachtet. Zum Beispiel, dass Luna den Boden unter den Füßen verlieren würde oder das Hektor ihr vielleicht überhaupt nicht nachkommen wollte, weil sie ihn mit der rosaroten Muschel am Rücken beschossen hatte. Was wäre, wenn das gar nicht der Delphin sondern der Hai selbst gewesen wäre? Oder ihre vollgesogene Kleidung sie einfach mit in die Tiefe runtergezogen hätte. Dann würde sie gar nicht hier liegen.. vielleicht schon im Sand eingegraben worden sein. Große Enttäuschung war in ihr aufgestiegen, als weder Prisca noch ihr unbekannter namensloser Verehrer sie beachtet oder befragt hatten. Tilla seufzte tief, pustete mit dem Ausatmen die Sandkörner und mit dem Handrücken die Tränen auf ihrem Gesicht beiseite. Der Tränenstrom versiegte, sie fühlte sich ein bisschen besser als vorhin. Der leichte Kopfschmerz stammte wohl vom vielen Weinen.
Eine vertraute Stimme drang an ihr Ohr. Das war Hektors Stimme! Tilla rappelte sich sitzend auf und wartete still für sich ab, bis er bei ihr war. Er hatte sogar die zurückgelassene Decke mitgebracht! Mit einem zaghaften Lächeln kuschelte sie sich hinein, sah mit verweintem Gesicht zu ihm. Hallo.. Hektor. Sollte sie einfach alles erzählen? Nein, nein, mir ist nicht schlecht. Ich habe nur so viele Gedanken im Kopf. Wegen dem Hai, den Delphinen, meinem Stein und den Sklaven die dem Mann gehören. Luna hat mich auf ihren Rücken gelassen und sie ist gerannt wie der Wind. Ich bin traurig, weil Prisca mich nicht angeschaut hat. Dann diesen Strand und die fliegenden Möwen. Sowas hab ich noch nie un jetzt zum ersten Male gesehen, ist mir trotzdem so vertraut. Die Sklaven verstehen mich nicht, wussten gar nicht was ich wollte. Ich wollte nicht, dass sie sauer auf mich sind. Einer von denen kennt mich, ich habe ihm seinen Beutel schon zurückgegeben. Tilla stockte, als sie sich gewahr wurde, was ihre 'tanzenden' Hände zuletzt 'erzählt' hatten' und lugte aus den Augenwinkeln zu Hektors Miene rüber.
Die alte Frau meinte, dass sie hier nun auf ihre Rückkehr warten sollten. Was anderes blieb ihnen wohl auch nicht übrig! Das stumme Sklavenmädchen nickte gehorsam, sah mit an, wie die Frau sich umdrehte und mit ihrer Tafel davon ging. Tilla folgte ein paar Schritte ihr nach und blieb, wie von einer unsichtbaren Barriere gestoppt kurz vor diesem mysteriösen Gang stehen. Tilla verharrte auf der Stelle und blickte der alten Frau nach. Sah mit an, wie sich Schatten und Licht auf dem Rücken der alten Priesterin abwechselten. Wie Hell und Dunkel. dachte Tilla, Sonne und Regen. Tag und Nacht. Aufgang und Untergang.
Der kleine Mann im Ohr fügte hinzu. Trocken und Nass. Tilla lächelte, schüttelte belustigt den Kopf. Du bist lustig. Du hast Ideen. Die alte Frau entschwand ihrer Sicht. Immer noch lächelnd drehte Tilla sich zu Prisca um und lief mit großen Schritten auf sie zu. Kurz hielt sie auf ihrem Weg inne, als das merkwürdige Summen und Surren begann. Das Orakel 'sang' ein wortloses Lied, so klang es in Tillas Ohren. Tillas Brust hob und senkte sich, ihr Herz schlug ganz schnell. Weiteren Schritten brachten sie in Priscas direkte Nähe. Mit leuchtenden Augen sah Tilla im nächsten Moment zu ihr auf. Ich bin so aufgeregt. Sie mochte den Weihrauch. Was die Sybille wohl sagen wird? Du hast doch zugehört, oder? sprudelte Tilla gebärdend los. Die Frau wusste von meinem Stein und sie sagte, wir gehören zusammen. So war es schon immer und so wird es immer sein. Tillas Finger streichelten den Stein. Hörst du? Sybille singt. Sie erschauderte unter einem warm über den Rücken rieselnden Gänsehautschauer.. wohl die Aufregung.
Da das Herrichten eines Bades immer am längsten dauerte, hatte sie wieder einmal Dina um Hilfe beim Wassereimer schleppen gebeten. Tilla sorgte dafür, dass das Badewasser genauso gut duftete wie Duccia Claras Bad und stopfte ein Tuch vor den Türspalt der Tür die ins Bad führte. Die Wärme konnte sie nicht entfliehen und war erstmal im Bad eingefangen, aber nachher... Nachher würde sie ins Freie dürfen. Die Kerzen hatte sie noch nicht angezündet, das machte Tilla dann wenn Minervina im Wasser war. Jetzt machte sie sich auf den Weg ins Zimmer von der neuen Frau im Haus und brauchte eine Weile um es zu finden, weil es nämlich im oberen Stockwerk lag. Langsam schob Tilla die Türe auf und staunte nicht schlecht. Oh.. da war jemand viel schneller als ich. Rasch zog sie die Sandalen aus und schlich barfuß hinein. Was für eine Einrichtung! In der Mitte drehte Tilla sich einmal um, nahm alles in sich auf.
Dann zog der Balkon im größeren Zimmer sie in seinen Bann... er führte hinaus in den Garten. Sie konnte von hier aus den Kletterbaum sehen! Tilla beugte sich über die Brüstung, sah nach unten. Mhm, wenn sie aufpasste und geschickt war, konnte sie runterklettern und sich zudem den Weg durch die halbe Villa ersparen. Die Abenteuerlust stieg in Tilla hoch. Wildentschlossen setzte sie sich rittlings auf die Brüstung und liess sich langsam hinab. Mit bloßen Zehen und kräftigen Fingern hielt sie sich an den kräftigen Efeuranken fest, die den Balkon hinaufwuchsen, kletterte Stück für Stück hinab. Hinter dem Efeu war eine Rankhilfe versteckt.. das machte das ganze noch einfacher. Kurz vor dem Boden stiess sie sich vom Efeu ab, sprang über das Rosenbeet auf den Rasen. Ein Purzelbaum brauchte sie auf dem Rücken zum Liegen. Tilla sah stumm lachend hinauf zum Balkon. Das war eine tolle Kletterei!
Sie erinnerte sich an ihren Auftrag und rappelte sich auf. In bester Stimmung rannte sie los, suchte nach den Erwachsenen. Da waren sie ja! Tilla klatschte in die Hände, kündigte sich an. Achje... sie hatte die Sandalen nicht mehr an. Egal! Das Bad und das Zimmer sind soweit. Ich bin fertig! gebärdete sie drauflos, blieb etwas außer Atem vom Rennen, vor Ursus und Minervina stehen. Lächelte beide mit einem verschmitzten Lächeln und roten Wangen scheu an, wackelte unbewusst mit den nackten Zehen. Können wir jetzt zu den Ninchen gehen?
Luca bestellte die Getränke und auch etwas zu Essen. Tilla beschloß, sich lieber nur an das Getränk zu halten und erst einmal zu begutachten, was überhaupt aufgetischt wurde. Flavia Celerina sprach aber ganz schön viel, manchmal warf sie die Themen durcheinander und sprach die anderen reihum nacheinander an. Sie hatte auch eine eigene Sklavin, die einen seltsamen Namen hatte. Tilla spitzte die Ohren und baumelte mit den Beinen. Durch eine Frage von Flavia kam plötzlich die Sprache auf sie. Luca beantwortete sie sogleich und schüttelte den Kopf. Stimmt, er wusste gar nicht wie und weshalb sie stumm geworden war. Tilla erhaschte das Zwinkern von der Flavierin und wusste erstmal gar nichts damit anzufangen. Huh? Vorsichtshalber nickte sie scheu lächelnd zurück... und stöhnte gleich darauf stumm auf. Über den Sklavenmarkt gehen? Einfach so einen Schlenker machen? Hm.. bestimmt war Titus Tranquilius da und sie konnte ihm den Regenschauer an den Kopf wünschen. Obwohl er hatte ihr ein besseres Leben als auf der Straße ermöglicht. Sollte sie ihm womöglich dankbar dafür sein? Ihm, dem Sklavenhändler? Na, das überlegte sie sich lieber nochmal in aller Ruhe.
Minervinas Stimme erklang neben ihr. Auch sie trug etwas zur Klärung der Frage bei warum sie stumm sei bei und beantwortete, wie Tilla sich mit anderen Leuten verständigte. Woher wusste sie das denn? Sie sah überrascht zu ihr auf. Hatte sie etwas verpasst oder war sie von einem aurelischen Mitglied darüber informiert worden? Sicher war 'Bär' Ursus der gute Täter. Richtig! So 'spreche' ich. Mit einem Nicken stimmte Tilla zu und zog die Tafel zu sich, knotete sie wieder an ihrem Gürtel fest. Denn aus den Augenwinkeln sah sie die Sklavin von Yvla zurückkommen und mit ihr die Bedienung, die ein volles Tablett mitbrachte. Die Bestellung wurde an alle verteilt. Da war der Becher mit Birnenwasser. Tilla nahm ihn zu sich und stand von der Bank auf. Ihr war es als Sklavin schliesslich nicht erlaubt mit Höherstehenden an einem Tisch essend zu sitzen. Vorsichtig tippte sie Minervas an der Schulter an. Ich setze mich auf die Mauer da drüben... gebärdete sie rasch und linste zu den appetitlichen Käsewürfeln und dem Brotlaib rüber. Lecker sah das aus! Einmal Naschkatze, immer Naschkatze. ...und warte dort auf Euch. Von einem Fuß auf den anderen tretend wartete sie geduldig auf die Antwort. Wie lange das Essen wohl dauern würde? Gleich konnte sie Luca nur noch aus der Ferne bewundern und seine Schwester Celerina beobachten sowie die Schwester von Ursus im Auge behalten.
Tilla hörte wie jemand auf sie zukam und erkannte Fiona neben sich sitzend wieder. Fiona lachte nicht mehr... sie weinte. Daran war sie selbst schuld, weil sie wieder 'erzählt' hatte, was früher passiert war! Stillschweigend liess sie sich von ihr in den Arm nehmen und an sich drücken. Was nur hätte sie damals denn tun können? Nichts! Sie war mit den beinahe täglichen Misshandlungen, den Bestrafungen, den Schreien und Tränen aufgewachsen. Viel zu spät hatte sie begriffen, dass es unrecht war, was er tat. Und mit diesem Begreifen war die Angst vor der Farbe 'Rot' aufgetaucht. Niemals mehr würde sie diese loswerden!
Mit halbwegs geschlossenen Augen ruhte Tilla sich in Fionas Armen aus. In letzter Zeit vermisste sie solche einfachen Umarmungen, das Gefühl des Festhaltens, um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Leicht erzitterte der Boden unter ihnen. Minna gesellte sich zu ihnen, streichelte über Tillas Kopf hinweg. Solche Berührungen waren so ganz anders als Schläge. Tilla rührte sich nicht, blieb regungslos sitzen, bis plötzlich vielerlei Tränen aus ihren Augen herausbrachen. Sie heulte sich an Fionas warmer Schulter aus, atmete kurz und heftig. Immer wieder zuckte sie unter den Schluchzern zusammen, ihre mageren Schultern bebten auf und ab. Diese Ängste wollte sie nie wieder ausstehen und in sich spüren. Würde dieser Weinkrampf sie wie immer in den Schlaf bringen? Ihre Nase lief.. ohne zu zögern nahm Tilla den Saum ihrer Tunika, schnaubte da hinein und knüllte den Stoff schlichtweg zusammen. Tut mir leid.. ich wollte.. nicht.. euch erschrecken! brachte sie begleitet von Schluchzern gebärdend hervor. Ich kenne das nicht... so lieb in den Arm genommen zu werden.
Tilla folgte dem ausgestreckten Finger der alten Frau und schluckte. Von dort, diesem Gang also! Wie simpel ihr doch diese Aussage erschien. Sie bräuchte quasi nur selbst durch den Gang zu laufen und nachzuschauen was am anderen Enge des Ganges sich befände. Bereits zwei Erwachsene haben ihr erklärt, dass nur die Priesterinnen dort hinein gehen dürfen, sich auf den Weg machen dürfen zur Sybille, um die Antworten zu holen. Selbst Priscas Stimme hatte vorhin voller Ehrfurcht geklungen. Ein weiteres Schlucken klärte Tillas trockene Kehle. Die Hand der alten namenslosen Frau legte sich um die ihre, schloss ihre Finger zur Faust. Tilla liess es geschehen, genoß die kurze Berührung. Sie wurde von einer Priesterin der Sybille berührt! Was zusammen gehört, findet zusammen. So war es immer und so wird es immer sein." Zusammen? Der Stein und sie gehörten zusammen? Wohl wahr.. so lange trug sie ihn schon um den Hals. Bestätigend bewegte sie nickend den Kopf, zog ihre Hand mit dem Tränenstein darin zurück. Nein, das war nicht meine Frage. Sie kommt gleich heraus. Das Flüstern klingt fast wie die Stimme die sie einst verloren hat. Ein scheues Lächeln legt sich auf ihre sonstweilen so ernsten Züge. Zuerst einmal hängte sie sich den Stein wieder um den Hals und legte ihn über den Halsauschnitt ihrer Tunika zurecht. Jetzt durfte jeder ihn sehen, liebevoll strich sie über die blaue kristallene Oberfläche.
Tilla atmete tief durch, stellte sich ganz gerade auf und begann nach einem ernsten Blick zu Prisca erneut zu flüstern. Wie ich erzählt habe, bin ich als Säugling am Strand gefunden worden. Mitsamt dem Stein. Eine alte Frau hat mich gefunden und zu sich genommen. Sie meinte über meinen Stein, dass es einen Spruch gibt, der so lautet: 'Dir fehlt die Mutter; drum such – ich befehl es dir, Römer – die Mutter…' Tilla räusperte sich und flüsterte weiter. Ich habe keine Maman und keinen Papan, keine Geschwister. Ich kenne sie nicht, weiss nicht wer und wo sie sind. Der Spruch ist unbekannt in dieser Stadt im Erden- und Weltenkreis. Ich weiss nur, dass ich Tilla heisse, diesen Tränenstein besitze und Talente habe, von denen ich schon weiss oder gerade erst entdecke. In letzter Zeit mit dem nassen Element Wasser, den hellen Delphinen und den dunklen Haien, den Wasserwesen zu tun haben. Abermals räusperte sie sich. Nach dem Besuch würde sie sicherlich heiser sein, darum sorgen konnte sie sich jetzt nicht. Die Zeit mit der alten Frau schien ihr davon zu laufen. Welches Schicksal ist mir vorbestimmt? Das war nun die Frage. Gleichzeitig zog sie ihre Schreibtafel hervor, auf der die Frage noch einmal zum Lesen stand. Drumherum waren gezeichnete Delphine und Haie, Pferde und Münzen zu sehen. Letztere Abbildungen standen für Schimmelstute Luna, die Prisca gehörte und die Münzen, die Tilla für ihren Überlebenskampf auf der Straße als Straßenkind und fingerflinke Diebin gestohlen hatte. Nun hatte sie die Frage, die sie mitgebracht hatte, 'geflüstert'. Tilla reichte die Tafel der alten Frau entgegen. Für Sybille. fügte sie zaghaft lächelnd flüsternd hinzu.
Allmählich legte sich die Überraschung eine so alte Frau vor sich stehen zu haben. Die Frau begutachtete zuerst den Beutel mit dem Weihrauch. Tilla lächelte scheu, als die Frau meinte, dass diese Gabe gut sei. Na, dann hatten sie nun die erste Hürde genommen. Hektor hatte gemeint, die Priesterinnen seien ganz schön streng bezüglich der Opfergaben. Geduldig wartete Tilla auf eine Antwort der Frau, hielt die schwarze lederne Schnur, an dem der Tränenstein hing, in ihrer geballten Faust fest. "Es ist lange her, dass ich so etwas gesehen habe. Woher hast du ihn?"
Tilla öffnete den Mund und schloß ihn wieder, während ihre dunklen Augen noch ein bisschen größer wurde. DIESE Frau KANNTE den Stein? Den Stein? Ein 'so etwas'? Ich habe ihn bei mir, seit ich ganz klein bin. Immer an einer schwarzen Schnur um den Hals tragend. flüsterte sie leise und stimmlos, deutete die Größe eines Säuglings an. Mit der freien Hand strich sie sich eine vorwitzige Strähne aus dem Gesicht. Sie fand mich ganz allein und nahm mich mit zu sich und ihrem Herrn. Dort bin ich aufgewachsen, habe immer auf den Stein geachtet. Dass er bei mir ist und mich tröstet, wenn ich traurig bin. Nein, das Kapitel ihrer Kindheit wollte sie nicht aufschlagen. Nicht hier, nicht jetzt!
Tilla sah auf den Stein, der immer noch von ihrer Hand und der Schnur baumelte. "Woher kennst du ihn? Meinen Tränenstein?" Dies wollte sie von der alten Frau wissen. Ein bisschen in den Hintergrund gerückt war der Grund warum sie hier waren... aber sie hatten Zeit. Die Sybille hoffentlich auch!! Tilla wusste, dass Prisca neben ihr stand und mit Sicherheit die Ohren spitzte, denn sonst sah ihre Herrin nur ihre Hände durch die Luft tanzen, wenn sie etwas zu 'sagen' hatte. Oder Prisca las ihre niedergeschriebenen Worte von der Schreibtafel ab und beantwortete diese, vorausgesetzt sie hatte gerade ein paar freie Minuten übrig.
Das stumme Sklavenmädchen sah hinter der Säule hervor, spähte zu Prisca rüber und meinte begeisternd nickend. Dann hat Hektor aber voll recht gehabt mit der Tafel. Wieviel ihr großer Bart-tragender Freund wusste!! Natürlich würde sie ihm auch davon erzählen... also dass er recht gehabt hatte. Da verschwand sie auch schon wieder hinter der Säule um die Umrundung zu vollenden.
Neugierig beobachtete sie die Person die immer näher kam und stehenblieb. Warum erschreckte Prisca sich so? Sie fing sogar an zu stottern. Der näherkommende Schatten entpuppte sich als eine sehrsehr alte Frau. Verblüfft starrte Tilla sie an, erkannte viele Runzeln und Fältchen im Gesicht. Diese musste viel älter als die weißhaarige Frau sein, die sich um sie gekümmert hatte, als sie noch bei ihrem alten Herrn gewohnt hatte. "Tilla komm her... ja, ich... wir... sind gekommen um das Orakel zu befragen und bringen auch eine Gabe für die Götter mit..."eine Sklavin hier hat Weihrauch mitgebracht und sie ist es auch, die eine Frage an das Orakel stellen will." Wieder war es Prisca die sie mit ihrer Stimme herausriss.
Mit zaghaften vortretenden Schritten und einem kleinen Knicks übergab sie der alten Frau den Weihrauchbeutel und fügte ein scheues Lächeln hinzu. Salve. Ein kurzes Winken mit der rechten Hand. Vorsichtig suchte Tilla den Blick der alten Frau, überlegte wie sie ihre Frage vorbringen sollte. Wie die Sybille auf der Schreibtafel oder eher mit einem stimmlosen Flüstern? Flach atmend sah sie zu Prisca hoch und wieder zur alten Frau. War es schon an der Zeit die Frage für das Orakel zu stellen? Wohl eher nicht! Der kleine Mann im Ohr stimmte ihr mit einem leisen Blubbern zu. Langsam zog Tilla ihren blaukristallenen Tränenstein unter dem Umhang und der Tunika hervor, umklammerte ihn mit der Faust, bevor sie die Hand wieder öffnete und die Lederschnur über den Kopf zog. Du bist schon lange in dieser Stadt, Erde und Welt. Länger als ich. Das ist mein Stein. Kennst du ihn? gebärdete und flüsterte sie zugleich. Pricsa hörte zum ersten Mal ihr stimmloses Flüstern, welches sie ganz selten anwendete. Überhaupt war ihre Frage noch nicht für die Sybille bestimmt, viel eher an die alte Priesterin gerichtet. Tilla hielt die Schnur fest, sah dem Stein beim Baumeln zu, wartete auf die Reaktion der Frauen.
Tilla zuckte sichtbar zusammen, sah Fiona mit offenem Mund an. Wer hatte was ihr angetan? Rasch rekapitulierte sie was sie in den letzten Minuten gemacht hatte und konnte nur erschliessen, dass man sie beim Heu-aus-der-Tunika-ziehen beobachtet hatte. Langsam klappte sie den Mund wieder zu, hob die Hand um abzuwinken, bis sie schliesslich eine rasche Gebärdenfolge in die Luft hineinzeichnete. Du willst es wissen? Drei Gegenstände: Geknüpfte Peitsche, harter Weidenstock, nasser Leinengürtel. Sie biss sich auf die Lippen, kaute drauf rum. Wenn sie könnte würde sie Fiona entgegenschreien, besser noch brüllen. Aber sie konnte dies nicht tun. Nicht mehr. Hände. Fäuste. Alles was er fassen konnte. Zuletzt das Messer in seiner Hand, genüßlich über die Haut meines Rückens ziehend. Tilla umfasste den Ball in ihren Händen, drehte ihn knetend hin und her. Viel Blut. Viel Rot. Viele Tränen. Nach diesem gefühlsmäßig heftigen Geständnis hatte sie das Gefühl sich vor den Frauen zurückziehen zu msüsen.. aber wohin? Dieser Heuboden hier war ihr liebstes Versteck! Mit gespitzen Ohren lauschte sie den Geräuschen um sich herum, blieb ganzganz still unter der Decke sitzen.