Beiträge von Tilla Romania

    "Doch. Vögel sind Dinge. Weil man sie kaufen kann. Alles, was man kaufen kann, ist so. Natürlich sind sie kostbar. Wenn sie teuer sind. Dann macht man sie nicht einfach so kaputt. Tiere sind nicht wie Du und ich. Wir sind Menschen. Die Götter haben uns gemacht als etwas ganz besonderes. Tiere sind nicht so. Ihnen fehlt dieses Dingsbums in sich. Ich weiß nicht mehr wie das heißt. Mein Onkel hat mir das mal erklärt. Aber ich hab es vergessen." Neros Worte schwirren durch Tillas Kopf, winden sich in ihre Gedanken und lassen neue Gedanken entstehen. Langsam schüttelt sie den Kopf, um sich aus dem Gedankenwirrwarr zu befreien und atmet tief durch. Wenn du meinst, das Vögel Dinge sind, nur weil man sie kaufen kann, so magst du recht haben. Gut, wir unterscheiden uns von den Tieren, sehen anders aus als die Tiere. Aber denk mal an die Dinge, du lieb hast. Die machst du bestimmt nicht so einfach kaputt. Ich habe einen Lederbeutel, auf dem sind Pferde eingestickt. Ich weiss, dass es noch viele andere ähnliche Beutel gibt. Aber gerade meinen Beutel würde ich neimals zerstören, eben weil ich ihn schon so lange habe und seinen vertrauten Anblick nicht missen mag. Hm.. vielleicht erklärt sie es auch falsch und zu kompliziert. Doch der Junge selbst weiss sich auszudrücken, regt sogar Tilla selbst zum Nachdenken an.


    Sie sieht Nero nachdenklich an und verfolgt nun schweigend mit, wie er sich um die Bezahlung kümmert. Fünfzig? Eine erkleckliche Summe.. nicht gerade wenig Geld in Tillas Augen. Woher hat er soviel Geld? Der Beutel ist gut gefüllt. Erstmals regt sich in Tilla die Frage: Woher der kleine Mann kommt? Vermisst ihn niemand? Sucht man ihn bereits? Was wird man sagen, wenn sie ihn zurückbringt? Glaubt man ihrer Geschichte, dass sie ihm half? Ihr, der stummen Sklavin?


    Der gelbe Rauch bringt sie wieder in die Gegenwart zurück. Auch Tilla hustet, blinzelt die Tränen fort. Der Zauberer verschwimmt im Rauch. Wie Nebel sieht es aus, der Ton der Flöte kommt von irgendwoher. Tilla sieht sich um, versucht die Quelle zu ergründen, kann sie aber nicht finden. Die fremdartig klingenden Worte des Zauberers fesseln sie. Er wiederholt die Namen derjenigen Götter, die sie nicht kennt. Gebannt sieht sie dorthin, wo Isbu im Nebel sitzen muss. Da sind seine dunklen Hände, sie tragen den toten Vogel. Das Tier wird asbald verdeckt. Nicht reden, das stört die Götter. fordert sie Nero auf, bietet ihm Schutz mit ihrem eigenen Körper unterm erdbraunen Umhang. Die roten Flammen scheinen dem Zauberer nicht weh zu tun. Tilla reisst die dunklen Augen auf, als der Vogel plötzlich quicklebendig wird, zur Decke fliegt und zu Boden sinkt.


    Forschend sieht sie den kleinen Vogelkörper an, wendet sich Isbu zu und neigt den Kopf. Sie hat das Zirpen gehört, es klingt genauso wie Nero es vorgemacht hat! Ihr Herz klopft wie wild. Sie ist auch voller Neugier, versucht diese in Respekt vor Isbus zauberischem Können umzuwandeln. Tilla lässt sich Zeit mit der Antwort für den Jungen, sieht den Zauberer einfach nur an, während sie versucht zu erkennen, was sie gesehen hat. Dann lächelt sie, schenkt dem Zauberer eines ihrer seltenen breiten Lächeln. Ein neuer Vogel ist aus der Asche der Kohle erstanden, Nero. Behutsam öffnet sie die Saumränder ihres Umhangs, um den kleinen Mann, der sich ins sichere Innere verkrochen hat, aus diesem hervorzuholen, lässt die Ränder auf seine knabenhaften Schultern fallen. Er hat den Vogel wieder lebendig gemacht. Ganz so wie du es verlangt hast, Nero. Wie wissen nur er und die Götter. Lasse ihm das Wissen um das Geheimnis des Wiedererweckens. erwidert sie mit freundlicher Miene. Wir haben mit seiner Hilfe den Vorhang ein ganz kleines bisschen lüften dürfen, damit der Vogel wieder zu uns kommen kann. Immer noch klopft ihr Herz wie wild. Tillas Lippen sind ganz trocken.

    Mit schiefgelegtem Kopf sieht sie Cnaeus grübelnd an. Der Bruder seines Was? Onkels? Ahja.. nur.. was ist ein Onkel? Der Mann das drüben? Der heisst bestimmt nicht Onkel, der trägt doch einen richtigen Namen. In Sachen Verwandtschaftsbeziehungen kennt sie sich bis heute nicht aus. Sie zuckt hilflos mit den Schultern. Onkel hört sich für einen Mann-Spitznamen komisch an, findet Tilla. Vielleicht ist es das? Ein Spitzname? Nun lächelt sie Cnaeus an, im Glauben, die Lösung gefunden zu hanen.


    Und schüttelt, um Bridhes Frage zu beantworten, den Kopf. Alles was ich noch davon weiss ist, dass C. ein Lied sang, dann bin ich eingeschlafen. Ärger habe ich bisher nicht mitbekommen. Ich wollte mich bei euch allen für meine Neugier und auf den Baum klettern entschuldigen. Wenn ich das nicht getan hätte, wäre U. bestimmt nicht gekommen. fügt sie schriftlich hinzu, zeigt es Bridhe und wischt es wieder weg, bevor Cnaeus es lesen kann. Immer noch fühlt sie sich schuldig, weil einer der Herren Aurelii dazu gekommen waren. Achja richtig... ihr Aufpasser. Sie weiss Rutger Severus Namen überhaupt nicht, nennt ihn den 'großen Blonden'. Stimmt, er fehlt. Wo ist er hin? Tilla sah sich unbehaglich fühlend nach ihm um, zog den Umhang etwas enger. Wie heisst er?

    Hübsch sein wenn sie es wollte? Sie war jetzt hübsch? Ihre Finger umklammerten das Zopfende, befühlten die ausgekämmten Haarspitzen. Tilla lächelte Cadhla ganz verlegen an, entkräuselte die Nase. Du bringst es mir bei? Das finde ich prima. Oh, am besten besorgte sie gleich morgen früh ein Honigtöpfchen aus der Küche. Mit dunklen Augen sah sie die Kriegerin an, nahm die Worte auf, die sie da über ihre Mutter und den Zopf erzählte. Nicht nur für Kampf einen Zopf. Vielleicht auch zum Klettern, besonders auf die Bäume im Garten. Tilla musste abermals gähnen, hielt rasch die Hand vor den Mund. Innerlich stimmte sie Caelyn teilweise zu, wie es mit dem Überleben auf der Straße klappte. Genau, Caelyn. Am besten mit möglichst gleichaltrigen oder zu anderen Kindern finden, die nur wenig Lenze älter sind. Aber Cadhla, So eine Sippe, wie du erwähnst, kenne ich nicht. Auch das andere sich um andere kümmern, die alleine sind. Ich kenne nur den Weg. Die, die alleine und verlassen sind, müssen selber zusehen wo sie bleiben und wie sie überleben. Ich kenne niemanden, fügt sie gedanklich hinzu. Ach Quatsch.. sie hatte Cadhla, Prisca und Helena, Maron, die Köchin Niki. Aber das waren auch wieder nicht ihre Verwandten, sondern Personen, die sie auf ihrem Weg kennenlernte. Ach, das war doch alles so kompliziert. Tilla sah die jungen Erwachsenen forschend an, versuchte noch ein Weilchen länger dem Wunsch nach Schlaf zu widerstehen.

    Tilla kann sich gar nicht mehr daran errinnern, wieviel für sie bezahlt wurde und nickt Cnaeus zu. Ja, wenig Geld. stimmt sie zu, deutet einen schmal gefüllten Beutel an und vertilgt endlich den Rest der spendierten Wurst. Woher weißt Du das? Warst Du da bei den Aurelii? Bist Du mit einer Aurelia befreundet? Haben die nette Mädchen? Heiratsfähig? Tilla errötet, nimmt ihm die Tafel weg, um die wächserne Oberfläche zu glätten. Sieht er sie womöglich etwa als heiratsfähig an? Ich habe ihn gesehen, und ja, ich war da. Die Mädchen sind allesamt sehr nett.


    Sie will ihm vorschlagen, dass er die Villa Aurelia selbst besuchen soll, um sie zu sehen und lässt den Vorschlag aber wieder fallen. Dann würde ja auffliegen, dass sie 'nur' eine Sklavin ist. Tilla kaut nachdenklich auf den Lippen, sieht sich auf sein Geheiss erst nach einer Weile nach dem anderen um. Zu ihrem Glück ist er noch mit Essen und trinken bdeschäftigt. Der sieht dir aber seehr ähnlich. neckt sie ihn impulsiv und grinst. So auf einem schnellen Blick nimmt sie ihm die Verwandtschaft noch nicht ab.. aber nun gut.


    Auwei.. da kam jemand der sie mit richtigem Namen kennt. Tilla sieht Bridhe an, während sie etwas blass im Gesicht wird. Bitte, lass mein kleines 'Spiel' nicht auffliegen, bettelt sie die andere in Gedanken an und nickt ihr hoffnungsvoll zu, als sie einander vorgestellt werden. Salve. erwidert sie schüchtern und atmet auf. Oh, ich bin auf dem Rückweg. Der junge Mann war seiner sehr freundlich zu mir. Musst ihn fragen, ob er dir auch eine Wurst spendiert, wenn du Hunger hast. Wie geht es dir? kritzelt sie auf die Tafel, reicht sie zuerst Bridhe weiter, bevor sie Cnaeus bekommt. Tilla versucht unschuldig zu lächeln, kramt die wenigen Errinnerungsfetzen an Bridhe und das Fest hervor.

    Sie wagt einen Schluck aus der Feldflasche und staunt über den Birnengeschmack. Das schmeckt wirklich ganz anders als Apfelsaft. Die 'ergaunerten' Münzen verstaut sie wieder in dem Beutel an ihrem Gürtel. Zufrieden mit dem hübschen jungen Mann an ihrer Seite, nimmt Tilla sich die andere bestellte Wurst und beisst in die Leckerei hinein. Ich danke schön. Derweil geht der fliegende Händler nach der Bezahlung seines Dienstes weiter.


    Schnell folgen ihre Augen seinem ausgestreckten Finger und erhaschen den vigintivir. Er verteilt Brot? Sie deutet einen Fladen Brot an, verteilt es imaginär, zeigt die vier Himmelrichtungen an. Auf welchem Forum denn? Munter beisst sie wieder in die Wurst, kaut und schluckt, bis sie nur noch eine Hälfte in der Hand hält und somit die Tafel hervorziehen kann.


    Sie muss schreiben, wenn sie ihre Fragen beantwortet haben will. Tut mir leid, von Wahlen habe ich nichts gehört. Aber den Namen kenne ich. War dein Onkel nicht neulich bei dem Theaterstück in der villa Aurelia? So normal mittelgroß und sehr schlank? Braune Augen und kurze Haare? Elegante Kleidung und strenge Miene? Er saß ziemlich nach dem Stück ziemlich lange mit Männern und auch Frauen zusammen. Der Hausherr der villa ist auch einer von denen. Tilla nickt zu dem Toga-Träger rüber, zeigt erneut imaginär den purpurnen Streifen an und beisst wieder von der Wurst ab.

    Sie tastete nach dem Zopf, den Cadhla geflochten hatte und fand ihn toll gemacht. Dass ihr gesamtes Haar so schwer war hatte sie bisher gar nicht gewusst. Tilla zog den dicken Zopf über die Schulter, betrachtete seine neue Form. Danke schön. bedankte sie sich bei der jungen Erwachsenen und rutschte wioeder zurück an Cadhlas Seite. Tief schlafen? Das geht? Das wäre schön. meinte sie zum Thema 'bei Cadhla schlafen' und kuschelte sich erneut in die eigene Bettdecke. Die Köchin Niki sagt, Bett fertig für die Nacht und den Schlaf ist erst nach dem Haarekämmen und dem Nachdenken. Findest du auch? Sie kräuselte die Nase. Naja, so ganz klar war ihr diese Aussage noch nicht so ganz, obwohl sie beides gerade eben getan hatte.


    Dass Caelyn derweil weiter redete bekam sie mit und sah forschend zu ihr auf, als sie von der Bande zu erzählen begann. Einen Bruder? Von Geschwisterbande und Verwandten, gar Blutsverwandten, ihrerseits hatte sie überhaupt keine Ahnung. Deine Bande? Wo denn? Hier auf den Straßen Roms? Auch Tilla kannte als fingerflinkes Straßenkind noch ein paar Plätzchen, wo man sich zurückziehen und ungestört sein konnte. Wie hast du geklaut? Und was? Langsam erwachte trotz der großen Müdigkeit ihr Interesse wieder. Was für ein Versteck habt ihr euch denn ausgesucht?

    Bei Cadhla fühlte sie sich nicht minder wohl als bei Minna. Es war einfach gut, jemanden bei sich zu spüren, der sich um sie kümmerte und auch festhielt. Schniefend linste sie durch die vom Weinen verquollenen Augen zu Cadhla auf und umarmte die Ältere, wobei sie abermals den Kopf wieder auf deren Schultern ruhen liess. Es sein geschehen, was geschehen, wir nicht können ändern. Wir nur ändern Zukunft durch Taten. Das klang gut. Das sanfte Rückenkraulen trug dazu bei, dass Tilla sich langsam wieder beruhigte.


    Auch sie sah auf, als Ursus meinte nun gehen zu wollen, lauschte Cadhlas Worten. War sie etwa die einzige, die keine Toten zu beklagen hatte? Dann gehörte sie erst recht nicht hierher. Aber gehen wollte sie auch nicht, eben weil Cadhla da war. Mit dem Handrücken wischte sie die Tränen von den Wangen weg und hielt sich mit der Umarmung an der Älteren fest, spitzte die Ohren, als Cadhla plötzlich anfing zu singen. Eine schöne Stimme hatte die Ältere... schoß es dem stummen Mädchen durch den Kopf. Nur noch wenige Tränen rollten aus Tillas Augen, als ihr die Lider zufielen. Das einzige Geräusch, was sie nach dem Ende von Cadhlas Lied von sich gab, war ihr ruhiger Atem. Sie saß schlafend und ohne jegliche Verkrampfung in Cadhlas Armen. Ein schmaler Arm löste sich aus ihrer Umarmung und fiel geradewegs langsam von der Schulter rutschend in die Hand der Älteren. Mit dem Schlaf, der sie während dem Lied überrumpelte, begab sich Tilla in Cadhlas Hände.

    Der dunkelhäutige Zauberer schafft es ihren Blick einzufangen. Sie nickt zu Isbus Worten. Diese errinnern sie an die grausamen Taten ihres alten Herrn an seiner Belegschaft. Tilla blinzelt, holt tief Luft bevor sie wieder zu 'sprechen' anfängt. Ihr habt recht. Er kommt und geht, wann es ihm beliebt, wenn man ihn herausfordert, gar herbeiruft. Der Tod war mir und anderen schon des öfteren sehr nahe. Egal wo ich mich befand, er streifte mich, sobald ich mich in Gefahr begab.. um anderen zu helfen. Andere taten dies für mich.. einzig um mich mit ihrem Tod aus dem Käfig zu befreien und mir das Leben erneut zu schenken.


    Sie sieht bedrückt zu Boden, bevor sie sich dem kleinen Nero zuwendet und ihre Ohren spitzt, um keines seiner Worte zu verpassen. Es erschreckt sie, dass er die Vögel getötet hat und sogar mehr als einmal. Sie hebt anerkennend die Mundwinkel nach oben als er mit seiner Stimme die Vogelstimme nachzuahmen versucht. Eine schöne Melodie. Hat ihm niemand erklärt, dass der Tod durch seine Morde an unschuldigen Tieren, die ihn eigentlich erfreuen sollen, aufmerksam auf ihn werden könnte? Es trifft sie, was er über die Vögel sagt. Tief atmet sie durch. Vögel sind keine Dinge, Nero. Sie sind Geschöpfe der Natur und Lebewesen wie du und ich. Erkennen tun sie was um sie herum geschieht. Sind sie doch im Käfig abhängig vom Willen derer, die sich um sie sorgen und kümmern. versucht sie ihm klarzumachen.


    Der kleine Mann nuckelt wieder am Daumen. Derweil handelt der Zauberer, zieht seinen Blick von ihnen weg. Tiere gehen nicht kaputt, Nero. Sie sterben an Krankheit, an Misshandlung, an Fieber. Nichts anderes als der Tod empfängt sie. Kein neues Leben mehr ist es. So geschieht es, denke ich. Tilla befürchtet den Kleinen mit diesen 'gehauchten' Worten Angst gemacht zu haben. Umarmt ihn spontan, drückt ihn an sich und nimmt danach seine Hand. Zieht ihm den Daumen aus dem Mund, um diese festzuhalten und nickt Isbu zu. Tilla bewegt die verschränkten Beine, setzt ihren Schützling tiefer in dieses 'Nest'. Jetzt ist sie bereit, was auch immer nun auf sie kommen mag. Dem erdbraunen Umhang, der auch Nero bedeckt und einhüllt, streicht sie die Falten raus, beobachtet beide, den Älteren und den Jüngeren aufmerksam.

    Das verliehene Taschentuch vergisst sie schnell. Er kann pfeifen? Tilla lächelt, staunt über die Töne, die er hervorbringt und folgt ihm zum fliegenden Händler hintendrein. Die Tafel verstaut sie wieder unter ihrem erdbraunen Umhang, beobachtet den jungen Mann, wie er mit dem Händler spricht.


    Mhm, neugierig darauf, wer die 'Katze' mitnimmt? Der Käufer wird bestimmt wieder einer der Senatoren sein. Wie hoch ist nochmal das jetzige Angebot? Tilla errinnert sich, kräuselt die Nase. 600 Sesterzen sind viel Geld. Geschickt deutet sie einen purpurnen Streifen an, der oft die weißen Senatoren-Togen ziert. Hoffentlich versteht er!


    Schnell nickt sie zu seinen Worten, formt eine imaginäre Wurst, tippt sich selbst auf die Brust. Bitte. Ja. Auch eine Wurst. Tilla sieht, dass er nach etwas kramt, lässt eine Hand unter ihrem Umhang verschwinden, tut so als ob sie ebenfalls nach Münzen kramt. Solche hat sie dabei. Es sind ein paar Münzen aus dem Beutel von Rutger Severus. Vier Stück hält sie schliesslich in ihrer geballten Faust fest, freut sich auf die Wurst, die sie gleich essen wird. Und die sie rechtsmässig mit Bezahlung des Händlers erwirbt. Oder lädt Cnaeus sie gar zum Wurst essen ein? Behutsam entwindet sie ihm die neu aufgefüllte Feldflasche, hält sie für ihn fest. Sie kann ihn auch einladen.

    Die Ältere namens Cadhla kümmerte sich so gut um ihre Haare wie es bestimmt ihre Maman getan hätte, wenn sie denn eine hätte. Tilla schenkte Cadhla ein erneutes dankbares Lächeln und schloss vertrauensvoll die müden Augen. Sie wollte gut still halten, um ja keine Berührung zu verpassen, widmet sich ihren Gedanken. Seit längerer Zeit schon dachte Tilla über ihre Wurzeln nach, von wem sie abstammt und wo ihr 'richtiges' zu Hause ist.


    Die alte zahnlose, weißhaarige Sklavin ihres ehemaligen Herrn hatte versucht, sich um sie zu kümmern, ihr aber nicht viel bieten können, weil sie eben alt gewesen war. Ob sie noch lebt? Nein, bestimmt nicht. Bestimmt hat ihr ehemaliger Herr sie mit dem Tod bestraft, genauso wie den Sklaven, der ihr Lesen und Schreiben beibrachte. Alles tat dazu bei, dass sie Botengänge erledigte und beim Einkaufen, geschweige denn Tragen des Einkaufes mithalf. Kaum war sie nach der Strafe genesen, floh Tilla von seinem Hof, schlug sich um ihr Überleben kämpfend und stehlend auf der Straße durch. Bis man sie in ihrem Versteck aufstöberte. Tilla wusste praktisch nichts über Düfte und Frisieren, als domina Prisca ihr diese Frage stellte. Aber sie war bereit, dieses Wissen zu erwerben. Ebenso war es mit dem Kochen und Backen in Nikis Küche. Die nette Köchin zeigte ihr, wie überhaupt eßbares Brot entstand, wie man Fladen formte und was man dazu für Zutaten brauchte. Beide Wissensgebiete aber braucht sie nicht, wenn sie wieder wegen etwas flasch getanem vom Hof fliehen müsste.


    Langsam öffnet sie die Augen, sieht Cadhla an. Danke. Wenn die Ältere genau hinsieht, würde sie erkennen, dass Tillas Augen feucht sind und verdächtig schimmern. Einen Moment zögernd fügt sie stockend gebärdend hinzu. Es ist nicht der Schlaf... es sind die Erinnerungen.. von der Straße.

    Sie lauschte den Worten, die da ausgetauscht wurden und wusste selbst, dass sie nichts beitragen konnte, weder mit Gesten noch mit geschriebenen Worten. Hier war sie außerdem die jüngste in der Gruppe. Mit halb geschlossenen Augen sah sie die älteren Frauen an und liess sich bereitwillig von Minna zu Cadhla verfrachten. Tilla rutschte auf deren Schoß, umarmte sie erneut und blieb bei ihr sitzen. Immer noch schmerzte ihr Kopf. Tilla bettete ihn vorsichtig auf Cadhlas Schulter, linste wieder zu den anderen rüber.


    Ihr war immer noch schlecht, die Abschürfungen und Prellungen schmerzten gerade nicht so arg. Sie bemerkte, dass Cadhla zitterte und nahm deren größere Hand in die ihre. Tut mir leid. Und damit meint sie alles was Cadhla und ihrer Familie geschehen und was sich in den letzten Minuten hier bei dem Opferfest ereignet hat. Sie hätte nicht auftauchen und auf dem Baum klettern sollen, dann wäre Ursus bestimmt nicht gekommen und... Ein Weile noch drückte sie Cadhlas Hand, bis Tilla neue Tränen über die Wangen laufen. Sie hatte dieses Fest gestört und fühlt sich nun schuldig. Beschämt verbarg sie ihr längst verheultes Gesicht. Tilla fühlte sich klein und unwissend.

    Tilla atmet erleichtert auf und nimmt die Tafel sowie seine Mitleidsbekundungen mit einem dankbaren Nicken an. Caro Mioben bin ich. beantwortet sie seine Frage. Rückweg von Erledigung. Sonne genug hochsteht. Viel Zeit Bummeln und Schauen für. Langsam macht es Spaß ein bisschen zu 'dichten', aber sie weiss, dass sie es nicht übertreiben darf.


    Ihre dunklen Augen fallen auf das Schneuztuch. Was soll sie damit? Er hat es benutzt und gut ist es. Tilla lächelt, schüttelt den Kopf und schiebt seine Hand mit dem Schneuztuch zurück. Dennoch will er seine Flasche wiederhaben. Tilla reicht ihm die Tafel, um die Hände frei zu haben und knotet die Feldflasche wieder ab. Ob sie mit seinem Angebot zu einem Umsonst-Getränk kommt? Mit offenen Blick sieht sie ihn forschend an und findet, dass er aus dieser Nähe sehr gut aussieht. Wieder bietet eine Stimme für die 'Katze'. Ja, so nennt sie den Dunkelhäutigen mittlerweile. Tilla sucht den Rufer. Ein Senator? Was macht er hier? Dabei bemerkt Tilla die Umstehenden, die sie anschauen. Hm? Ist was? möchte sie diese starrenden Passanten fragen und stupst Cnaeus an. Fragend hebt sie die Augenbrauen, deutet zwei Finger an, die von hier weggehen. Lass uns gehen...

    Tillas Augen funkelten erfreut auf, als Cadhla sich so lieb um sie kümmerte und sogar abrubbelte. Mit einem Nicken reichte sie ihr den Kamm und setzte sich etwas auf. Ja, darfst du. Haare kämmen. Sie tat es, um Cadhla das Haare kämmen leicht zu machen. Tilla holte ihre Haare unter dem Tunikakragen hervor und sah zu Caeyln auf. Ja, danke, alles gut. Bin ziemlich müde. Zu den Gebärden tauchte ein weiteres Gähnen hinter vorgehaltener auf. Uah, Tilla rieb sich abermals die Augen, zog die kräftigen Beine heran und umschlang sie mit den schmalen Armen, wobei sie den schweren Kopf darauf stützte. Müde deshalb, weil es in der Küche bei Niki so stickig gewesen war und dann bei der Gartenarbeit die viele frische Luft sie regelrecht erschlagen hatte. Dann hatte eine der aurelianischen Frauen, natürlich Prisca sie und Saba gerufen und eine Frisur verlangt. Leider war es eine von den komplizierten Frisuren, für die man sie noch nicht an den Kopf der Herinn liess. Also hatte sie nur neben Saba stehend zuschauen dürfen und ausgerechnet da fing das große Gähnen an. Tilla linste aus halb geschlossenen Augen zu Cadhla. Kann ich bei dir schlafen? Bitte...

    Ah, er will die 'Katze' auch nicht haben. Nickend stimmt sie ihm zu seinen Anmerkungen zu und merkt asbald, dass er weiterhin mit ihr kommunizieren will. Langsam aber sicher begibt er sich auf den Holzweg, spricht sie in anderen Sprachen und mit seltsam klingenen Worten an und gestikuliert. Geschickt verschliesst sie die Feldflasche und knotet sie an dessen Schnur kurzerhand an ihrem eigenen Gürtel an. Wollte sie nicht immer schon einen solchen Gegenstand besitzen? Sie berührt Cnaeus Handrücken, tritt mit dem rechten Fuß dreimal fest auf, deutet auf sich selbst und den Boden. Ich bin von hier. Die Fingerspitzen kribbeln seltsam. Ihr bleibt nichts anders übrig als zu schreiben, um sich zu erklären. Tilla zieht die tabula aus den Tiefen ihres Umhangs hervor und beginnt zu schreiben. Entschuldigt bitte. Ich lange krank. Ich nicht sprechen darf. Medicus hat verboten mir zu sprechen. Während dem Schreiben überlegt sie ob sie ihm ihren Namen verraten soll. Flugs denkt sie sich, gedanklich an die fremden Laute denkend, einen aus: Caro Mio Ben. Doch Tilla schreibt den erdachten Namen jenoch nicht auf, reicht Cnaeus mit einem entschuldigenden Blick die tabula, wartet geduldig, aber auch aufmerksam auf seine Reaktion ob ihrer kleinen Notlüge bezüglich des Nichts-Sprechen-könnens. Ihr ehemals weißes Taschentuch besitzt er immer noch.

    Zusammen mit dem noch unbekannten jungen Mann geht sie einen Schritt zurück, sieht dem davon laufenden Hund nach und wendet ihre Aufmerksamkeit dem Menschen neben ihr wieder zu. Etwas trinken? Tilla blinzelt Cnaeus überrascht an. Er hat ihr gesagt, welchen Saft es enthält. Ob sie ihm trauen kann? Ja. Sie entscheidet sich fürs Abnehmen der Flasche, berührt seine Fingerspitzen und hält die Flasche fest.


    Da sie nicht 'Danke' sagen kann, bedankt sie sich mit einem stillen Lächeln und reisst die Augen auf. zweimal schüttelt Tilla den Kopf, um ihm verstehen zu geben, dass er falsch tippt. Nein, die 'Katze' möchte sie nicht in ihrer Nähe wissen. Es reicht wenn der Dunkelhäutige da oben steht und...


    Tilla kommt nicht dazu weiterzudenken, errötet stattdessen angesichts seiner Verbeugung. Hat er wirklich sie gemeint? Sie schluckt und kann nicht anders als ihn ganz verlegen anzulächeln. Vorsichtig tippt sie seine Schulter an, damit er sich wieder erhebt. Tilla zwinkert, prostet ihm zu und trinkt einen Schluck Apfelsaft. Mhm, sehr lecker. Sie presst die Lippen zusammen, versucht den Geschmack auf sich wirken zu lassen. Mit dem Finger deutet sie ihrerseits auf auf Cnaeus und die 'Katze', sieht ihr gegenüber fragend an. Brauchst du ihn? gebärdet sie. Das 'du' flutscht ihr durch die Hände.

    Frisch gebadet und mit nassen, nicht mehr tropfenden Haaren, bekleidet mit einem weißen schlichten knielangem Nachthemd kehrte Tilla barfüßig aus dem balneum der Sklaven zurück. Schlüpfte durch den Türspalt in die Schlafräume. Caelyn war da.. und auch Cadhla. Salve.. Beiden, die ein 'C' als Anfangsbuchstaben hatten, lächelte sie still für sich nacheinander zu und hockte sich vor ihre Aufbewahrungskiste. Den mitgenommenen Kamm aus dem Bad verstaute sie darin, denn Haare kämmen wollte sie morgen früh. Jetzt war sie zu müde dafür.


    Oder halt! Vielleicht wollte Cadhla das tun? Begleitet von einem Gähnen und einem eisigen Gänsehautschauer zog sie die Bettdecke von ihrem Bett, legte diese um ihre Schulter und belegte den nächstfreien Platz neben Cadhla auf deren Bett. Abermals gähnte Tilla, verstaute ihre nackten Füße unter der Bettdecke, Die Erwachsenen unterhielten sich. Somit durfte sie bestimmt nicht dazwischen reden. Tilla spielte mit dem Kamm, hoffte ein bisschen, dass Cadhla auf sie aufmerksam wurde. Cadhlas freie Körperseite zog sie an. Impulsiv lehnte Tilla sich an die Ältere an, suchte bei ihr nach Geborgenheit. Mit den Händen rieb sie die müden Augen, seufzte und hielt still.

    Tilla nickte verständnisvoll zu seinen Worten, kann sich ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen. Wie gerne würde sie jetzt was dazu sagen, aber das ist ihr mit ihrer Stummheit nicht vergönnt. Aha... Apfelsaft bekleckerte ihn also. Andere Kleckereien wären noch schlimmer. Tatsächlich läuft ein Hund an ihnen vorbei, der sein Häufchen beinahe direkt vor ihnen hinsetzt. Sie grinst und kann beinahe nicht vor Lachen an sich halten. Um ihn nicht wirklich weiter ob seiner Tunika zu beschämen, versteckt Tilla rasch ihr Lächeln hinter einer Hand Lächeln und beisst sich auf die Lippen.


    Stumm nickt sie zu seiner Meinung über den Sklavennamen und zuckt die Schultern. Die Tafel muss dem Mann aufgelegt worden sein, als sie sich auf dem Weg zu ihm machte. Anders kann sie sich deren plötzliches Erscheinen nicht erklären. Ein Kätzchenname? Sie zeigt mit beiden Händen unsichtbare Katzenschnurrbarthaare an ihrer Oberlippe an. Miau. Ein Ruf dringt an ihr Ohr. Tillas Mimik verwandelt sich zu einer ernsten Mimik. Da hat doch glatt jemand für die 'Katze' geboten. Sie erkennt Quintus Didius Albinus an seinem Gesichtsprofil. Den anderen kennt sie. Er war mal bei ihrem Herrn Marcus zu Besuch gewesen und sie hatte die beiden Erwachsenen bedient. Aus der Casa Didier stammte er, soviel wusste sie noch. Die Welt vor dem Stand eines Sklavenhändlers war klein.

    Mittlerweile ist sie nicht mehr die einzige die sich einen Platz auf den Kisten erobert hat, um einen guten Blick auf das Sklavenpodest von Titus zu haben. Immer wieder sieht sie zum jungen Mann herüber, der sich umschaut. Somit auch einen Blick auf seine bekleckerte Tunika freigibt. Unweigerlich ziehen sich ihre Mundwinkel in die Höhe. Tilla zieht die Hand vor und prustet in selbige hinein, um ihren kleinen Lachanfall zu unterdrücken. Der junge Mann sieht einfach nur.. interressant aus. Langsam wird es eng auf den Kisten. Der dunkelhäutige Mann aus einem fernen Land ist noch nicht verkauft. Sein Name ist ihr noch nicht bekannt und Gebote zur Ersteigerung sind noch nicht gefallen. Tilla verlässt ihren Standort mit zwei geschickten Sprüngen und zieht ein kleines Taschentuch hervor, während sie in Cnaeus Flavius Lucanus Richtung geht. Dank des erdbraunen Umhangs ist nicht zu erkennen, ob sie eine Sklavin, eine Freie oder eine Bürgerin dieser Stadt ist. Tilla stellt sich neben Cnaeus auf, mustert ihn aus den Augenwinkeln und reicht wie vorgehabt ihm das hervorgezogene Taschentuch dar. Dass sich ihr Herzschlag dabei um einen winzigen Tick verschnellert bemerkt sie nicht. Sie zwinkert, deutet auf seine Flecken und lächelt vergnügt den jungen Mann an. Ob er es annimmt? Tilla spricht kein Wort, lässt ihre Mimik sprechen.

    Tilla war bereits auf dem Rückweg zur Villa Aurelia. Nach dem Stand der Sonne war sie viel zu früh wieder auf dem Rückweg und entschloß sich dennoch eine Abkürzung zu nehmen, die sie über den Sklavenmarkt führt. In einem erdbraunen Umhang gekleidet, bahnt sie sich ihren Weg durch die beinahe stehende Menschenmenge, eine Hand immer am kleinen Messer verweilen lassend. Soeben erschallt die Stimme des Sklavenhändlers über die Menge. Die Stimme kennt sie doch! War das nicht derjenige der sie an Marcus verkauft hat? In der Nähe von Cnaeus Flavius Lucanus stehen einige Kisten. Sie geht derweil an ihm vorbei, versucht zu ergründen, was der Mann denn da trinkt. Sogar kleckern tut er.


    Tilla eilt schnellen Fußes an ihm vorbei, klettert auf eine Kiste und späht zum Stand rüber. Titus liest von einer Tafel ab. Das hat er bei mir auch so gemacht, errinnert Tilla sich. Dabei hab ich doch kein Wort gesprochen. Woher hat er denn dann die Informationen über mich her? Tilla spitzt die Ohren, mustert den Sklavenhändler voller Abscheu. Sie schüttelt den Kopf. Verstohlen sieht sie sich um, beobachtet die anderen Zuschauer. Nun.. sie hat massig Zeit zu vertrödeln und somit auch Zeit den Mann zu betrachten, der verkauft werden soll. Eine dunkle Haut besitzt er, beinahe noch schwärzer als ihre eigenen Haare. Zum Glück steht sie nicht da oben auf dem Podest. Mit dem Bewusstsein stützt Tilla ganz gelassen den Kopf in die Handflächen, lässt den Blick schweifen, der abermals an Cnaeus Flavius Lucanus hängen bleibt. Ob es Obstsaft ist?

    Tilla lächelt bei dem Klang von Neros Namen. Ja, so heisst der Junge, der gerade auf ihrem Schoß sitzt. Sie betrachtet seinen dunklen Schopf und bedauert es dem kleinen Mann nicht ins Gesicht sehen zu können. Doch schnell ist sie abgelenkt, lauscht den Worten des Zauberers. Der von den Göttern spricht und ihre Namen erwähnt. Aus den zahlreichen, vielfältigen Geschichten der Geschichtenerzähler sind sie ihr bekannt. Jetzt fällt ihr wieder ein, wo Ägypten liegt. Nämlich hinter dem Horizont, auf der anderen Seite des Meeres. Osiris ist der ägyptische Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und der Toten. Isis galt den Einwohnern des fernen Ägyptern als „Göttin der Liebe”, als „Meergöttin”, „Gottesmutter”, „Sonnenmutter”, „Königin des westlichen Himmels” und als „Zauberin”. Letzteres errinnert sie an den erwachsenen Menschen der vor ihr sitzt und den toten Vogel in den Händen hält.


    Sie begegnet seinem Blick und erschaudert. Nur ein Schleier ist es der Leben von Tod trennt. Nicht mehr? Die Toten bräuchten somit 'nur' den Schleier einzureissen. Eine schauerliche Vorstellung. Langsam neigt sie den Kopf, bewundert Isbu für diese Erklärung, dieses Bild. Von dieser Seite als Lebender den Schleier zu durchqueren. Ich fühle mich dem Tod nicht nahe. Aber vorhin, als wir mittendrin waren. Da war er es. Etwas streifte mich. erwidert sie leise stimmlos flüsternd, bemüht sich deutlich zu sprechen, ihre steifen Lippen zu bewegen, soweit es ihr möglich ist. Neros Stimme kreuzt sich beinahe mit ihrem Hauchen. Der Zauberer antwortet dem jüngeren auf ihrem Schoß und lacht.


    Sie dreht den kleinen Mann zu sich um, sieht ihn mit großen und ernsten Augen an, sucht seinen Blick. DU bist es, der ihnen den Nacken bricht? Aber warum, Nero? Ich kenne diese Vogelart nicht. Aber sie müssen schön singen und trillern können. Tilla schluckt, holt tief Luft, bevor sie weiter 'spricht'. Ob sie im nächsten Leben ein Vogel sein wird, der durch die Hand eines Menschen sterben muss? Meinst du nicht, sie würden dir gerne zusehen, wie du aufwächst, mit wem du sprichst und spielst. Gar gemeinsam mit dir groß werden wollen?


    Sie sieht zu Isbu und dann wieder Nero an. Überleg doch mal, Nero, wenn sie alle Tag für Tag sterben. Dann gibt es diese Vögel womöglich bald nicht mehr in dieser Stadt und auf dem Land. Dann müssen sie von ganz weit her beschafft werden, damit sie dir zu jeder Zeit Freude machen. So ein kleiner Vogel auf weiter Reise hat es bestimmt nicht leicht. Er sehnt sich bestimmt nach seinen Eltern und Geschwistern zurück. Tilla hustet, ihr Hals ist kratzig und schmerzt ein bisschen. Einem Gott namens Osiris entgegen treten. Wahnsinnig und tollkühn ist sie nicht, das sind die Personen in den Geschichten der Geschichtenerzähler. Obwohl... verlockend ist es diesen Schritt zu tun. Wer bringt dir die Vögel?fragt Tilla, bevor sie die Lippen schliesst und innerlich mehrmals kräftig schluckt. Mit dem Daumen streichelt sie Neros Schulter, die unterm erdbraunen Umhang verborgen geblieben ist, stützt und hält ihn zugleich.