Caius sah den Alten ein wenig erschrocken an, dann wurde sein Blick unverständlich, und schließlich runzelte er mit einer Mischung aus Unwillen, Verdruss, Frustration und Schuldbewusstsein (die Götter allein mochten wissen wie das aussah) die Stirn.
»Ähm. Ich bin Aelius Archias. Und ich muss wirklich ganz schrecklich dringend zu ihr«, bekräftigte er nochmal.
»Wirklich!« fügte er an, als könnte das noch etwas ändern. Und dazu kam der Dackelblick, den er diesmal nicht mal gewollt aufsetzte, sondern der sich vielmehr entwickelte.
Beiträge von Caius Aelius Archias
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Ohne Umschweife und sozusagen direkt von seinem wenig aufschlussreichen Gespräch mit Katander war Caius hierher gelaufen. Nicht gegangen, sondern tatsächlich gelaufen. Dementsprechend ramponiert wirkte er auch. Er war geschwitzt und hatte die Tunika, die er geistesgegenwärtig noch in seinem Zimmer aufgelesen hatte, zwar auf links gedreht an, aber das fiel auch nur auf, wenn man genauer hinsah. Endlich war er bei der domus Iunia angelangt und klopfte rhythmisch gegen die Tür. Sicher war jemand da, immerhin war es später Vormittag. Um genau zu sein, der Vormittag zwei Tage nach der Nacht, in der man den Arzt hatte rufen müssen. Also Zeit für den Klientenempfang.
Als (nach gefühlten hundert Jahren) endlich jemand die Tür aufmachte, sah Caius denjenigen eindringlich an.
»Ich muss sofort zu Axilla!« schnappte er, und seine Stimme überschlug sich dabei fast. Ob man ihn hier kannte oder nicht, wusste er nicht und es war ihm gerade auch egal. Schon wollte er sich einfach an dem ianitor vorbeischlängeln. -
Caius starrte. Und starrte. Und erstarrte. Was die anderen um ihn herum taten oder sagten, zog an ihm vorbei und berührte ihn mal sowas von gar nicht.... Er konnte den Blick nicht von Axilla und Seiana reißen. Vor allem nicht von Seiana, die sich küssen ließ! K-Ü-S-S-E-N L-I-E-S-S! Und zwar von Axilla! Ohne den Blick abzuwenden, tastete er auf dem Tisch nach dem Weinkrug, der ihm dann ein beherzter (und breit grinsender) Sklave anreichte. Caius goss sich Wein in den leeren Becher, nicht ohne ein wenig davon versehentlich (weil er nicht hinschaute) auf die cline zu schütten. Dann kippte er den Becher ab und schenkte ihn schwungvoll wieder voll. Er würde ihn Seiana reichen, sobald sie sich von Axilla löste. Sofern sie nicht weitermachen wollte, hieß das. Zumindest hatte er sich das überlegt. In der zwischenzeit beschränkte er sich darauf, sich über die trockenen Lippen zu lecken, zu glotzen und zu warten, was da vor sich ging. Oder noch gehen würde. Eines aber stand fest: Seiana hatte ihn jetzt schon über die Maßen überrascht.
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»Naja, das sagst du so leicht«, bemerkte Katander zweifelnd.
»Hast du einmal gevögelt, wird das mit dem Freundesein nur schwer. Sofern das überhaupt klappt. Ich mein, guck sie dir doch mal an. Ist ja nun nicht so, dass sie das nicht versucht hätten. Glaub ich zumindest. Bis die Trulla da gestorben ist und wieder alles von vorne angefangen hat...« Katander seufzte niedergeschlagen, sah Leander dann aber fragend an.
»Du wusstest das nicht? Sie hat sogar bei ihm geschlafen!« prangerte er das Treiben der beiden an und wedelte dabei nun seinerseits mit dem Becher herum, der munter Spritzer verteilte. Katander leckte sich einen weinbenetzten Finger ab und fuchtelte dann weiter damit herum.
»Ich sag dir, das wird noch ein böses Ende nehmen. Ich mein... Ich glaub nicht, dass das aufhört, nur weil er irgendwann mal verheiratet ist«, bemerkte er süffisant und schüttelte dann den Kopf. Die meisten Römer waren eben so.
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Katander stieß einen ziemlich unschönen griechischen Fluch aus und schlug Caius noch mal das Handtuch vor die Brust, bis er es los- und ganz Katander überließ.
»Scheiße, bist du schwer von Begriff!« grummelte er, was Caius nicht besonders gut fand. Er hob warnend einen Zeigefinger.
»Also pass mal auf«, begann er, wurde jedoch augenblicklich von Katander unterbrochen, der seinen Zeigefinger einfing und ein Stückchen näher rückte.
»Nee, nu passt du mal auf! Du hast schließlich nicht deine Finger von Axilla lassen können, und deswegen ist das auch deine Schuld, dass sie schwanger ist!«Stille.
Entsetzen in Caius' Augen.
Triumph in Katanders Blick, dann Trübsal.»Schwanger war«, berichtigte er sich leise, und Caius stand da, als sei er eingefroren.
»W...as... Ich mein... wie...?« stammelte er entsetzte und so leise, dass Katander ihn kaum verstehen konnte. Er stieß ein Geräusch aus, dass verächtlich klang, aber genauso gut ein trockenes Lachen sein konnte.
»Na, wie kann ich dir sagen. Ich weiß nur nicht warum«, bemerkte er niedergeschlagen und verschränkte die Arme vor der Brut. Caius taumelte nach hinten, bis er an der Hauswand lehnte. Und er sah dabei ziemlich fertig aus, so dass Katander nun doch wieder Mitleid bekam.
»Ist sie.. Geht es... Ich...« Dann riss er den Kopf hoch und sah Katander an, um die Worte zu sagen, vor denen der Sklave sich gefürchtet hatte, sie zu hören.
»Ich muss zu ihr. Sofort.« Und ehe Katander noch den Mund aufmachen konnte, war Caius schon fort und hatte nicht mehr zurückgelassen als ein Handtuch auf dem Boden, ein schweißnasses Handtuch in Katanders Händen und seine zerknüllte Tunika über einem Stuhl. Katander stand noch eine ganze Weile da im Gang, bis er sich einen Ruck gab und (wieder mal) hinter seinem Herrn her räumte, der inzwischen nicht nur das Haus, sondern auch schon den Palatin verlassen hatte. -
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Katander sah Leander entgeistert an.
»Das meinst du doch nicht im Ernst, oder? Halloooo, wenn die so weiter machen wie bisher, dann geht sie irgendwann deswegen drauf, weil das immer wieder passieren kann! Denk doch mal nach, Mensch«, forderte Katander ihn auf und schlug sich mit der Handfläche vor die Stirn.
»Und selbst wenn sie sich am Riemen reißt, glaubst du, dass er das macht? Ich meine, er wird sie sicherlich fragen, was los ist...« Katander fuhr mit einem Zeigefinger nachdenklich in den Weinpfützen herum, die sich inzwischen auf dem Tisch verteilt hatten und an einer Ecke fröhlich heruntertröpfelten. Dann schnaufte er.
»Ich sollte echt viel mehr trinken«, nuschelte er mehr zu sich selbst als zu Leander.
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Einen...einen schaffte er sicher noch.... Caius gab sich Mühe, bis die Sehnen an seinem Hals deutlich hervortraten, aber er konnte sich nicht nochmal hochhieven. Mit einem Ächzen ließ er sich auf das Handtuch sinken und japste erstmal nach Luft. Das war der Moment, den Katander wählte, um auf den Plan zu treten. Scheinbar ohne jegliche Absichten schlenderte er das Peristyl entlang und lehnte sich gegen eine Säule. Caius ächzte noch mal, dann drehte er sich auf den Rücken und stellte die Beine auf.
»Neununddreißighab ich heute geschafft«, sagte er.
»Mhm«, machte Katander nur und starrte eine Fliesenfuge im Boden an. Da wurde Caius ein wenig hellhöriger und setzte sich auf.
»Wasn los, das sind vier mehr als gestern«, beschwerte er sich und griff nach einem Handtuch, um sich nach den anstrengenden Liegestützen den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Immerhin hatte er vorher schon Kniebeugen gemacht! Katander schwieg und starrte auf irgendwas am Boden.
»Hallo-hoo... Erde an Katander....« Caius winkte mit einer Hand zu ihm hinauf, aber Katander löste nur kurz den Blick und sah ihn für den Bruchteil einer Sekunde an, ehe er ihm wieder auswich. Caius runzelte die Stirn und stemmte sich hoch, bis er stand. Dann legte er sich das Handtuch um den Nacken und hielt beide Enden umfasst.
»Hat sie dich schon wieder versetzt?« fragte er mit fragend gerunzelter und leicht mitleidig gewellter Stirn. Und Katander sog die Unterlippe ein.
»Schlimmer«, sagte er leise.
»Schande. Schwanger?« fragte Caius, was Katander dazu veranlasste, ihn entsetzt anzusehen.
»Nein, verdammt, Iuno bewahre! Ähm...« Katander räusperte sich, als Caius erst entspannt und dann fragend dreinsah.
».....aber?« bohrte er weiter. Und da war es mit Katanders Standhaftigkeit geschehen. Er sah Caius mitleidig an und runzelte die Stirn so sehr, dass es fast weh tat. Er machte einen Satz nach vorn und umfasste das Handtuch beidseitig und ein Stücken höher als Caius es hielt, um daran zu rütteln.
»Ich hab's gesagt, die ganze Zeit, aber du wolltest ja nicht auf mich hören!« begann er seine Klage, während Caius, geschüttelt durch das Handtuch in Katanders Händen, vor und zurück wippte.
»Immer wieder hab ich dir das gesagt, aber es hieß ja immer nur Quatsch! oder Lass das mal meine Sorge sein! Und jetzt hast du den Salat, beziehungsweise sie hat ihn, oder eben halt nicht mehr, und das ist ganz allein deine Schuld, weil du ihn ja nicht unter der Tunika lassen konntest! Und jetzt ist alles vorbei! Das ist deine Schuld, echt, ganz allein deine Schuld!« Katander hielt inne und schnappte nach Luft. Und Caius wippte noch einmal nach vorn und blieb dann stehen, vollkommen perplex und absolut unfähig, mehr zu sagen als...
»Häh?« -
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Katander sah dem wedelnden Finger einen Moment beim Wedeln zu und schlug ihn dann sachte zur Seite. Das machte ihn ganz schwindelig, und er musste erstmal blinzeln, ehe er sprechen konnte.
»Klar geht der zu ihr. Immerhin ist es seine Schuld! Ich finde, dass er ruhig sehen kann, was er angestellt hat«, erwiderte Katander kurz und knapp und zuckte mit den Schultern.
»Guter Vorschlag. Das machen wir. Aber morgen muss ich's sagen. Wirklich. Ich mein, wer sagt denn, dass dieser Kurpfuscher es nicht war, der gepetzt hat? Wir schieben es einfach dem in die Schuhe, dann sind wir beide außen vor. Was meinst du?« Katander lächelte leicht gequält, hob dann seinen Becher. Ihm wurde schon ganz schlecht, wenn er an Archias' Reaktion dachte. Und er wusste, dass er nicht die Klappe halten konnte und Vorwürfe machen würde.
»Auf die Verschwiegenheit«, meinte er thetralisch und stürzte den Becher Wein hinunter.
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»Oh naja, ich weiß nicht... Was haltet ihr denn so von dem...hm, ANTE DIEM IV NON APR DCCCLX A.U.C. (2.4.2010/107 n.Chr.)?« verblüffte Caius ganz sicher zumindest Seiana. Er hatte sich nämlich schon schlau gemacht.
»Früher wäre mir zwar lieber, aber das ist dann zu kurzfristig. Und im März darf man ja nicht, oder sollte es zumindest nicht.« Mit breitem Grinsen sah er von Quarto zu Seiana und wieder zurück. -
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Geistesabwesend zahlte Katander den frischen Wein, weil der Wirt auch bei ihm keine Ausnahme machte. Leander goss sich gleich nach und Katander hielt ihm seinen Becher mit hin. Irgendwie wirkte Leander kurz, als hätte er übelst Zahnschmerzen, dann beruhigte sich seine Miene wieder und Katander stieß wieder mal einen tiefen Seufzer aus. Erstmal ließ er Leander reden. Und überlegte dabei, was er jetzt machen sollte. Er hatte ja nicht wenig Lust, Archias nichts zu erzählen und ihn auflaufen zu lassen. Andererseits war das schon ziemlich gemein, wenn man bedachte, worum es ging. Und er war nun mal treudoof, wenn auch nicht komplett bescheuert. Katander schwenkte seinen Wein herum und seufzte. Wieder mal. Er traute sich kaum, Leander anzusehen, und als er es dann tat, waberte dessen Gesicht ein klein wenig hin und her, bis Katander geblinzelt hatte und alles wieder normal war.
»Und jetzt?« fragte er mit schwerer Zunge. Gut, der Wein zeigte Wirkung!
»Ich muss ihm das sagen... Ich glaub, er bringt mich sonst um«, stellte er trocken fest. Oh ja, er konnte sich schon ziemlich gut ausmalen, was Archias mit ihm tun würde, wenn er hinterher erfuhr, dass Katander vorher davon gewusst hatte...
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Katander brauchte zweieinhalb Becher Wein, um über das Gesagte nachzudenken und es richtig zu verarbeiten. Beim Trinken wechselten seine Gefühle von Erschrecken über Ärger bis hin zu Sorge, und letztere stand ihn nach dem dritten halb geleerten Becher Wein auch überdeutlich ins Gesicht geschrieben. Er ignorierte natürlich, was Leander ihn eben aufgefordert hatte zu tun, und starrte stattdessen versonnen in seinen halbleeren Becher.
Mit einem Ruck hob er dann den Blick.
»Ich hab's gewusst, das schwör ich dir. Ich war von Anfang an dagegen, dass die rummachen, da konnte ja nichts anderes draus werden als so eine verfluchte Scheiße, verdammt!« Katander kippte den Rest herunter und stellte dann fest, dass der Krug leer war. Mit einem ungeduldigen Winken bestellte er einen neuen.
»Bockmist, Alter. Wie geht's ihr denn jetzt? Und hat es geklappt? Ich meine, nicht dass....dass alles umsonst war«, fügte er hastig hinzu, damit Leander nicht wieder annehmen konnte, dass Katander das nur fragte, weil er Angst um Archias' Ruf hatte.
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Katander war doch über die Maßen erstaunt, dass Leander so heftig reagierte. Er war doch nicht ihm böse, sondern Archias! War das etwa nicht deutlich geworden? Katander runzelte die Stirn, zuckte kurz beim Faustknall zusammen und hielt seinen Weinbecher fest, der kurz vom TZisch abhob. Dann griff er langsam nach vorne und schenkte Leander nach. Schon überlegte er sich, wie er da kontern konnte, und hatte sich gerade entschlossen, mit einer Erklärung anzufangen, dass Archias einfach nicht mehr auf ihn hörte und er deswegen sauer war (und weil er ständig zu Hause bleben musste, wenn die anderen Spaß hatten), da sickerte die Bedeutung der leandrischen Worte in sein Bewusstsein ein und er starrte den iunischen Sklaven nur verdattert an.
»Hä?« brachte er schließlich ziemlich geistreich hervor, weil er sich einfach keinen Reim drauf machen konnte. Axilla war krank, weil sie mit Archias poppte? Das machte einfach keinen Sinn, es sei denn... Katander kombinierte eins und eins. Und seine Augen wurden groß und kugelrund in ihren Höhlen.
»Ach du scheiße«, wisperte er.
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Leander wirkte irgendwie seltsam. Katander konnte es nicht so richtig einschätzen. Aber scheinbar hatte er Stress mit Axilla. Katander lächelte mitfühlend und legte ihm die Hand auf den Unterarm, ohne was zu sagen. Er kannte das selbst ja auch zur Genüge. Besonders in puncto Axilla hatte es letztens zwischen Archias und ihm echte Reibungspunkte gegeben. Er seufzte, sah Leander dann plötzlich verwundert an, ehe er sauer wurde und die Hand wieder wegnahm.
»Nee. Keine Ahnung«, fauchte er erbost und kippte den nächsten Becher zur Hälfte.
»Aber mir sagt hier ja sowieso niemand mehr was!«Einen Moment widmete er sich ganz der total zerfurchten Tischplatte. Dann verlor er schlagartig das Interesse und seufzte wieder.
»Wieso, isse krank?«
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Katander besah sich Leander und sah ganz sicher ziemlich irritiert drein. Der sah ja eher aus wie ein Totenschädel mit Augen und Haut als wie Axillas Sklave. In letzter Zeit hatten sie sich öfter mal gesehen, denn Axilla und Archias waren ja jetzt nicht nur befreundet, sondern so gesehen auch Geschäftspartner. Katander schüttelte den Gedanken an seinen dominus ab und griff nach dem Becherstapel, um einen Becher davon zu entstapeln. Dann stellte er den vor sich hin und goss sich wortlos ein.
»Auf das Junggesellendasein«, sagte er ironisch und kippte den Becher schnell runter.
»Den nächsten spendier ich. Wasn eigentlich passiert? Bist du auch versetzt worden?« fragte er dann, als er sich neu einschenkte.
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Das war so ungerecht. Archias ging feiern und Katander musste zu Hause bleiben! Das war bei den Pompeiern so gewesen und gestern bei diesem Macrinius Macro. Katander war es langsam leid. Scheinbar war er nur dazu da, dem Aelier alles hinterherzutragen! Wenigstens hatte er Geld bekommen, um sich mit Elena zu vergnügen. Blöderweise hatte er aber gestern bis spät abends auf sie gewartet, aber statt ihr war gar keiner gekommen. Sauer hatte er ihr jemanden geschickt um zufragen, was los sei. Dem war gar nicht erst aufgemacht worden. Und heute Abend war dann nur ein Bote gekommen, der ihm ausgerichtet hatte, dass sie unabkömmlich war und es ihr leid tat. Pah! Katander hatte nicht lange gefackelt und war zur größten und vielschichtigsten Taverne der ganzen Stadt aufgebrochen. Aber statt allein zu sein und sich zuzusaufen, traf er nun Leander! Ausgerechnet! War das ein Zufall?
Katander stöhnte leicht genervt auf, aber er wollte den Freund auch nicht einfach ignorieren und sich wo anders hinsetzen, also stapfte er zu ihm hin und bemerkte natürlich, dass der Mitsklave schon gehörig einen im Tee hatte.
»Nabend«, murmelte er und setzte sich einfach zu ihm an den Tisch.
»Siehst scheiße aus.«
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»Centho? Klar, den kenn ich! Ist ein prima Kerl. Bist du mit ihm näher verwandt?« Caius wünschte ihm natürlich viel Glück und hatte sogar überlegt, ob er Quarto bitten sollte, für ihn zu stimmen. Allerdings war das gar nicht nötig, weil er das sowieso machen würde.
»Centho und ich haben uns bei den letzten Rennen kennen gelernt. Warst du auch da?« fragte Caius indirekt nach, ob Casca Rennsport mochte.
»Ich bin bei den Blauen, musst du wissen. Und Centho ja auch«, fuhr er fort, ohne daran zu denken, dass Casca vielleicht einen anderen Rennstall gut finden mochte. -
Weder Piso noch Caius ahnten natürlich, dass lnappe zweitausend Jahre später ein Film, basierens auf ihrem Leben, gedreht werden würde. Hauptdarsteller würden Walter Matthau und John Lemmon sein, und der Film würde mit "Ein seltsames Paar" betitelt der Auftakt zu weiteren Filmen darstellen.
Caius seufzte ergeben. Immerhin würden so nur ein paar (Horn)Ochsen ihn nackig zusehen bekommen, und nicht ein paar bedeutende Persönlichkeiten mit Zutritt zum Senat.
»Abgemacht.« Ein Handschlag besiegelte sein Schicksal, während er noch darüber nachdachte, wo zum Henker eigentlich der Herkulestempel noch mal stand.»Nein, haben wir nicht!« Caius grinste ihn nun an.
»Für dich gelten ganz genau dieselben Regeln, mein Lieber. Herausreden ist nicht.« Bei der Sache mit der Unterwäsche hatte er schon eine tolle Idee. Nur der Soldatenhelm dürfte schwierig werden. Allerdings würde ihm da vielleicht auch noch was einfallen. Seianas Bruder fiel ja schon mal aus. Den würde er nicht mal nach dem Helm fragen, wenn er im Sterben lag! Caius schürzte die Lippen. Und dann kam ihm eine hervorragende Idee, die ihn grinsen ließ. Aber Piso verriet er natürlich nichts davon.
»Ach papperlapapp, wir haben das verabredet, also machen wir das. Ich bin ja nun nicht so blöd, dass ich mich erstechen lass, Pi«, erwiderte er daher gut gelaunt. Mit einem Mal erschien ihm die Weinkrugsache am schwierigsten und alles andere war eher einfach. Zumindest in seinem Kopf.
»Von mir aus müssen wir auch nicht bis kurz vor der Hochzeit damit warten. Andererseits haben wir eh überlegt, jetzt dann bald zu heiraten... Ich muss noch mal mit Seiana darüber reden. Über den Termin, mein ich.«»Ich?« Caius sah Piso entsetzt an.
»Ich meine: Ich fänd es total klasse, wenn du das für uns machst! Ich bin in solchen Dingen nicht so talentiert... Ich geb lieber meine Opfergaben ab und lass das Leute machen, die davon Ahnung haben.« Natürlich wusste er in der Theorie schon, wie man opferte. Aber in der Praxis sah das eben etwas anders aus, weil er da den Priestern lieber die Handgriffe überließ.Caius seufzte tief.
»Oh Mann. Du musst jetzt echt sonstwas von mir denken... Ich sollte besser wieder gehen. Sicher kommt gleich ein wahrer Ansturm, um dir zu gratulieren. Ähm, angemessener als ich, meine ich. Nochmal herzlichen und so.« -
Caius schwieg und widmete sich den Fasanenbeinen. Piso und vor allem Gracchus schienen es ebenfalls so zu halten wie er. Bei den Glückwünschen seitens Furianus lächelte und nickte Caius nur kurz einmal, dann widmete er sich wieder dem Essen, freilich ohne dabei weniger aufmerksam zu sein als vorher. Er nahm jedes Wort in sich auf und lauschte gut. Einmischen tat er sich nicht mehr, aber er hatte schon das Gefühl, dass das Gespräch langsam vom eigentlichen Thema abdriftete. Vermutlich aber ging das nur ihm so.
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Noch während Quarto ihn und Seiana vorstellte, umarmte Caius kurzerhand seine Verwandte Vespa.
»Nabend Vespa!« grüßte er sie.
»Schön, dich zu sehen!« Leider hatte er nicht zur Hochzeit kommen können, weil er da (wie er glaubte) gerade seine Stelle in Alexandrien angetreten hatte. Aber postalisch hatte er natürlich alles Gute gewünscht. Dann trat er einen Schirtt zurück und stellte sich wieder neben Seiana, die Quarto ja schon vorgestellt hatte.
»Das ist Vespa«, erklärte er ihr.
»Und das ist Prudentius Balbus. Er ist der Prätorianerpräfekt«, sagte er, als auch Balbus eintrat. Caius wollte aber Quarto den Vortritt lassen bei der Begrüßung, also wartete er erstmal. -
Caius ahnte rein gar nichts von Seianas Überlegungen. Und er bekam auch nicht sonderlich viel mit von den Hintergedanken, die sie sich machte. Viel eher war ihm unverständlich, warum Seiana darauf pochte, die Verlobung gefeiert zu haben. Immerhin... Doch...Moment mal! Da ging ihm ein Licht auf, und noch ehe Caenis, die misstrauisch schaute, etwas sagen konnte, pflichtete er Seiana begeistert bei.
»Ach sooooo!« machte er.
»Natüüürlich!«Caenis warf ihm einen undurchschaubaren Blick zu und räusperte sich dann.
»Nächste Woche?« Sie schien nachzudenken, und einen Moment hing ein unsichtbares Damoklesschwert über Seiana. Dann lächelte Caenis.
»Nun gut, dann nächste Woche. Aber gleich zu Anfang.« Caius fühlte sich, als säße er als Taubstummer bei einer Friedensverhandlung zeier verfeindeter Feldherren. Und ein Blick hin zu seinem Vater, der sich auffällig still verhielt, sagte ihm, dass es ihm ganz genauso ging. Gerade hatten sich wieder tiefe Furchen auf Caenis' Stirn gebildet, denn nun ging es um die Verhandlung der Anzahl von Gästen. Caius kam sich vollkommen fehl am Platze vor, und er entwickelte in dieser Situation ziemlichen Respekt vor Seianas Verhandlungsgeschick. Ihm schwante, dass er während seiner Ehe nur dann gegen sie gewinnen konnte, wenn er sie entweder ignorierte oder ihren Nerv traf. Eine ziemlich furchteinflößende Vorstellung.Schweigen breitete sich aus, nachdem Seiana ihren Vorschlag gemacht hatte. Caenis musterte ihre zukünftige Schwiegertochter mit gemischten Gefühlen. Ja, Seiana war etwas für ihren Sohn. Der brauchte auch etwas Lenkung, hatte sie das Gefühl.
»Dreißig, inklusive Begleitung«, erwiderte sie mit kaufmännischer Berechnung in der Stimme und leicht zusammengekniffenen Augen. Immerhin war das die Hälfte von dem, was sie sich so vorgestellt hatte! Caenis reckte ein wenig das Kinn vor. Und Caius sah von einer zur anderen, bis sein Vater ihm grinsend verstohlen auf den Oberschenkel klopfte. Sein Blick schien zu sagen, dass er genaustens nachempfinden konnte, was Caius denken musste.