Beiträge von Maximus Decimianus Gallus

    Im Nachhinein musste ich sagen, ich hatte unglaubliches Glück. Die Entscheidung nach Westen zu gehen, führte mich in eine kleine Gasse an deren Seite ein Laden stand, welcher mich magisch anzog. Es war eines dieser Geschäfte, welche Duftharze und Räucherwerk verkauften. Für alle Anlässe, Festlichkeiten, Zeremonien, Opfer, für die Dame von Welt ebenso, wie für die wenig betuchte Magd, auch wenn letztere Produkte sicher nicht zu den qualitativ besten gehörten. Doch was sollte es. Die Düfte zogen mich magisch an und wenig später stand ich im Laden.


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    Das Geschäft, in welchem ich Arbeit finden sollte.


    Ich war kaum eingetreten, als aus einem der hinteren Räume der weißhaarige Ladenbesitzer nach vorne kam, alt und starr wie eine Säule, eine Wolke von Düften hinter sich herziehend, mit welchen er im Laufe des Tages zu tun gehabt hatte. Ich stand still, blickte mich um, sog die Düfte ein und redete erst, als er mich ansprach und nach meinem Begehr fragte. Doch welches Begehr hatte ich? Aus welchem Grund hatte ich dieses Geschäft aufgesucht? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur eines, hier wollte ich bleiben, und zu meiner Verwunderung entwickelte sich das folgende Gespräch - welches hier nicht wiederzugeben gedenke - dahingehend, dass ich noch am selben Tage als einfacher Gehilfe in diesem Geschäft anfing. Ich hatte nichts anderes zu tun, als den Laden sauber zu halten, ihn morgens zu öffnen, abends zu schließen und dazwischen die Kundschaft zu unterhalten, bis der Meister die Zeit hatte, sich dem einzelnen Kunden zu widmen.


    Ich hatte meinen Platz und meine Arbeit gefunden und noch konnte ich nicht wissen, dass der Inhaber des Geschäftes um mehrere Ecken mit einem meiner Ahnen verwandt gewesen war, was ich freilich erst einige Wochen später erfahren sollte.

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    "Terracotta aus der Narbonensis!
    Feine Keramik zum besten Preis!


    Gleich nach Einbruch des Morgengrauens hatte ich mich auf den Weg gemacht um die Stadt zu erkunden. Zuerst wollte ich mich auf dem Markt umsehen, was an Waren aus dem Imperium alles feil geboten wurde. Und in der Tat es gab annähernd alles. Hier und dort würde es wohl sicher auch Arbeit geben, aber noch eilte es nicht. Ich hatte jetzt mein ganzes Leben lang für die Decima gearbeitet, mein nächster Arbeitsplatz sollte folglich gut ausgewählt sein. Der nächstbesten Tätigkeit nachzukommen, wäre sicher nicht der beste Entschluss, man musste die Lage erst erkunden.


    An einem Stand mit schönen Malereien blieb ich stehen. Die Verkäuferin im geschätzen Alter von Mitte Dreissig hatte einige interessante Motive ausgebreitet, schön waren jedoch auch die bemalten Keramikfiguren am Nebenstand. Es war unglaublich mit wieviel Liebe zum Detail diese zerbrechlichen Kunstwerke römische Senatoren, Ritter und Damen nachbildeten, mir wurde schlagartig bewusst, dass ich wohl nie in der Lage sein würde soetwas zu erwerben.


    Der nächste Stand hingegen bot billige Keramik an. Die groben Amphoren stapelten sich im Hintergrund meterhoch, man erkannte auf den ersten Blick, dass es hier auf den Umsatz der Masse ankam. Mit einem Lächeln ging ich weiter, begab mich in die Menschenmenge und ließ mich ein Stück weit tragen. An Ständen vorbei, auf die Hauptstrasse, diese einige Meter weit bis an eine Abgabelung, wo ich mich entschied nach Westen zu gehen...

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    Die Kurie auf dem Forum von Lugdunum


    Ich hatte die Verwaltungshauptstadt der Provinz Gallia endlich erreicht und nachdem ich das Stadttor passiert hatte, suchte ich eine Taverne, in welcher ich vorerst übernachten konnte. "Zum Hügel der Raben" nannte sich eine, gleich am Forum, befand sich im Besitz eines älteren Galliers mit rotem Haar, hatte passable Preise, einen guten Wein, billige Zimmer, die zugleich sauber und aufgeräumt waren und schien damit in der Summe genau das zu sein, was ich suchte. Ich handelte einen Preis aus, bekam Rabatt, als der Besitzer erfuhr, dass ich Gallier war und dazu noch freigelassener Sklave und bezog mein Zimmer um von dort ausgehend die Stadt zu besichtigen und mir Arbeit zu suchen.


    Lange hatte ich mit mir gerungen, doch der Entschluss war dann doch leicht gefallen. Gallien war meine Heimat. Hier gehörte ich her, auch wenn die Wurzeln meiner Ahnen weit zurücklagen. Lugdunum hatte man mir immer erzählt, war der Ausgangspunkt unserer Familie gewesen. Oder zumindest die Siedlung, welche hier bestanden hatte, bevor die Römer Gallien eroberten, den Ort zerstörten und Lugdunum als Verwaltungssitz der neuen Provinz Gallia gründeten. Hier saß folglich der Statthalter, seine Verwaltung, hier kamen die Händler aus der ganzen Gegend zusammen, der Rhodanus beförderte die Schiffe nach Massilia und von dort über das Mare Internum im ganzen Imperium.


    Es galt also für mich die Stadt kennen zu lernen. Arbeit zu finden und mit Glück lebte sogar noch ein alter Verwandter, wobei es sich sicher schwierig gestaltete, diesen zu finden. Viel wusste ich von meiner Herkunft nicht mehr. Viel zu viel Zeit war vergangen. Und trotzdem, versuchen wollte ich es. Und ich spürte genau, dies war meine eigentliche Heimat. Hier gehörte ich her.


    Dass ich dies noch erleben durfte war ein Geschenk meines Herrn Maximus Decimus Meridius gewesen. Er hatte mir die Freiheit geschenkt. Dies würde ich ihm mit Sicherheit nie vergessen. Mochten ihm die Götter allezeit gnädig sein, oder wie wir Kelten zu sagen pflegten, mochte ihm der Himmel niemals auf den Kopf fallen...

    Ich befand mich schon vor dem Schiff und sah, dass Verus dieses endlich gefunden hatte. Er kam zielstrebig auf uns zu. Mit uns meinte ich die Reisegruppe, denn das Schiff nahm auch noch andere Passagiere mit. Einen Römer, der sich als Geschäftsreisender ausgegeben hatte, dann zwei Peregrini aus Griechenland mitsamt ihrem Sklaven und einen Mauretanier, der allerdings etwas wortkarg war.


    Sim-Off:

    Meld mich schon mal um.

    "Ich komme mit."


    sagte ich kurz entschlossen. Man reiste sicher über Massilia und einen Teil der Strecke durch Gallien. Da ich bisher nie frei gewesen war, wollte ich jetzt zumindest die Chance nutzen und noch eine Menge mitnehmen. Dazu bedurfte es vornehmlich des Geldes und einer gesicherten Existenz. Beides war bei meinem ehemaligen Herrn und jetzigen Patron zu haben.

    Ich war zum ersten Mal als neuer Mensch auf dem Forum und entdeckte einen Anschlag an einer Mauer. Interessiert überflog ich die Zeilen, schüttelte dann aber den Kopf. Als Barbier würde ich nicht arbeiten, zumindest nicht umgehend, denn zunächst galt es, sich umzusehen, zu überlegen, wie es weitergehen sollte, und alle Dinge im Blick zu halten. Der jüngste war nicht mehr. Ein neuer Start musste wohl überlegt sein.

    Ich legte meinen Armreig ab und ließ ihn auf dem Tisch zurück. Dann griff ich mir mein Bündel, eine Decke, die beiden Tunika, welche sich in meinem Besitz befanden, zwei Paar Sandalen, den Mantel und meine Tasche. Das war es also.


    Vor mir lag eine neue Welt.

    Ich hatte die Sklavenunterkunft betreten um meine Sachen zu holen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, hatte ich doch bisher immer in diesem Raum geschlafen und nun würde ich einen neuen Abschnitt in meinem Leben beginnen. Einen grundlegend anderen. Und er war nicht einmal abzusehen gewesen.


    Hatte mein Herr eine gute Laune gehabt? Oder hatte er sich gedacht, mir so seinen Dank für viele Jahre der treuen Gefolgschaft auszudrücken. Ich war frei. So stand es auf dem Papier. Und so war es auch.


    Ich musste lächeln bei dem Gedanken, wieviele Gespräche über die Freiheit ich mit dem kleinen Romanus geführt hatte. Und nun hatte mich die selbige auch noch erreicht. Unverhofft ...

    Freiheit? Der Begriff hörte sich seltsam an und überraschte mich. Ich hatte in der Tat nicht mehr damit gerechnet, dass der Herr mich in meinem fortgeschrittenen Alter noch freilassen würde. Und ich wusste auch noch nicht so recht, was ich mit meiner Freiheit anfangen sollte, war ich doch bisher immer im Dienste der Familie Decima gestanden.


    "Ich ... Ich bin sprachlos und überrascht..."


    brachte ich daher nur heraus und versuchte mein Glück, diese unbekannte Emotion zu fassen, die sich langsam in mir ausbreitete, bis ich dann doch irgendwann grinste, ohne jetzt zu wissen, ob es echt wahr, oder nur aufgesetzt wirkte.


    "Schreibt er sonst noch was?"

    Gerade eben hatte ich überlegt, wo ich Verus suchen sollte, als der Verwalter auch schon das Atrium betrat und auf mich zusteuerte. Er grüsste mich und entdeckte auch gleich die beiden Schreiben in meiner Hand. Ich nickte bestätigend.


    "Sind beide für Dich."


    Ich streckte meinen Arm aus und reichte sie ihm.

    Das Atrium lag kühl in der prallen Sonne, welche immer noch über Hispania stand und an ein gemütliches Arbeiten nicht denken ließ. Ich hatte die zwei Briefe aus dem Posteingang für Verus mitgebracht und suchte nun den Empfänger der Schreiben. Konnte ihn jedoch nicht finden. Ob er in seinem Zimmer war?

    Zitat

    Original von Iulia Severa
    Während die Sklaven die sie auf der Reise begleiten würden, dass Gepäck verstauten, schaute sich Iulia noch einmal im Atrium um und prägte sich das Bild ein. Hispania...Dann ging sie nach draußen.Von Maximian und Romanus hatte sie sich schon verabschiedet, sie würden später nachkommen.


    Ich betrat das Atrium und gab den Sklaven die letzte Anweisung. Die Herrin hatte sich entschlossen, nun nach Germanien zu reisen.


    "Herrin. Es ist dann soweit alles bereit.
    Der Wagen ist beladen, die Reisekutsche wartet schon."


    Als sie das Atrium verließ, blickte ich ihr nachdenklich nach.
    Zur Vorsicht wurde sie von einem Dutzend Sklaven begleitet.
    Sie würde mir auf jeden Fall fehlen.
    Und die Casa wurde wieder leerer.

    Ich betrat das Officium und räusperte mich, hatt ich doch zwei Briefe abzugeben.


    Gaius Decimus Maior
    Casa Decima - Roma
    Provincia Italia



    ANTE DIEM XIV KAL APR DCCCLVI A.U.C. (19.3.2006/103 n.Chr.)



    Sei gegrüßt Bruder,



    Livianus und ich werden in kürze in Rom eintreffen. Ich werde während meines Aufenthalts auch einen Besprechung mit allen abhalten, die an der Factio Aurata interessiert sind. Es würde mich daher freuen, wenn Du ein entsprechendes Konzil einberufen könntest. Du wirst am ehesten wissen, wer in der Provinz Italien bereit ist, sich zu engagieren. Ich lege die notwendige Organisation daher in Deine Hände. Informiere die Aurelier und die Octavier und alle Familien, welche sich bisher auf unserer Seite befanden.


    gezeichnet
    Maximus Decimus Meridius


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    Gaius Pontius Geta
    Legio IX Hispana
    Colonia Claudia Ara Agrippinensium
    Provincia Germania



    ANTE DIEM XIV KAL APR DCCCLVI A.U.C. (19.3.2006/103 n.Chr.)



    Slave Primus Pilus,



    ich schreibe Dir in einer delikaten Angelegenheit. Vor kurzem wurde ich von Entführern erpresst, welche vorgaben, meine Verlobte entführt zu haben. Meiner Verlobten geht es jedoch gut. Dennoch erhielt ich ein zweites Schreiben, in welchem noch einmal Forderungen gestellt wurden. Es ist daher davon auszugehen, dass die Entführer wahrscheinlich eine Person in ihrem Gewahrsam haben, von welcher sie ausgehen, dass sie meine Verlobte sei. Ich möchte Dich bitten, der Sache nachzugehen, bis ich wieder vor Ort bin. Anbei auch Abzüge der beiden Briefe, die ich bisher erhalten habe. Versuche so viel wie möglich zu erfahren und halte mich auf dem Laufenden.


    gezeichnet
    Maximus Decimus Meridius


    [Blockierte Grafik: http://img65.imageshack.us/img65/3633/siegelmeri225rv.png]


    Sim-Off:

    40 Sesterzen