Beiträge von Tiberius Aurelius Avianus

    Es waren viele ausführliche Fakten und Planungen, die der kommende Consul für Avianus bereit gehalten hatte. Und dem Aurelier konnte dies alles recht sein, der schon einmal Erbschaften verteilt hatte und mit anspruchsvolleren Aufgaben sehr gut klar kam. Diese Aufgabe würde jedoch interessanter werden, die Feier auf den Albaner Bergen vorzubereiten, immerhin sah er nun endlich mehr, als seinen Schreibtisch als Arbeitsplatz.


    Der Aurelier erhob seinen Oberkörper leicht aus dem Wasser und lauschte dem Tiberier bis zum Ende. Schnell festigte sich die Meinung, dass der richtige Mann diesen Posten bekleidet und kein Dilettant.
    "Ich nehme es in die Hand - es sei denn, Claudius fühlt sich von dieser Aufgabe zu sehr angetan und möchte es selbst übernehmen.

    Ja, die Götter mussten tatsächlich auf ihrer Seite gewesen sein, stimmte Avianus imaginär zu und gab dies nach außen hin nur mit einem Nicken zur Kenntnis. Dieses Thema war wenigstens zu den Akten gelegt worden, doch weiterhin würden sie über die Wahlen reden. Es war aber wenigstens etwas, womit Avianus etwas positiver glänzen konnte.

    "Man bekommt es unweigerlich mit, wenn ein Mann mit hohem Bekanntsheitsgrad für das höchste politische Amt kandidiert. Allerdings hatte ich zu Tiberius Durus vor den Wahlen nicht sehr viel Kontakt, als dass er mir seine Pläne direkt verraten hätte."


    Avianus sah zum Annaeer... natürlich, dachte er sich, hinterfragte man alle Kandidaten im Cursus Honorum genau. Vor allem, wenn es um große Ämter ging. Leider hatte er mit Durus bis jetzt noch nicht gesprochen.

    "Es steht zumindest noch auf meinen Terminplan, Annaeus, und nimmt dort einen hohen Stellenwert ein. Ich wollte ihn baldmöglichst aufsuchen."

    Inspiriert von der Lustratio zogen auch die Salii in der ihr bestimmten Position durch die Straßen der Stadt Rom. Ein ehrwürdiger, ebenso imposanter Zug mit so viel Bedeutung für Avianus, dass er sich bemühte, beim Tanzen bloß keinen Fehler zu machen und einen falschen Schritt zu setzen. Nein, das durfte er nach so vielen Stunden Übung nicht tun. Und als Vortänzer wären umso mehr Augen auf ihn gerichtet. Es war von den Göttern so gewollt, dass er hier stand und gerade Mars wollte der junge Aurelier nicht enttäuschen.


    Singend, zielstrebig und schrittsicher tanzten sie ihren archaischen, männlichen, kriegerischen Tanz, schwangen ihre Speere wenn, dann nur vorsichtig, um niemanden zu verletzen. Sie waren eine genau abgestimmte Gruppe und jeder wusste, was er tat. Es war mit der Zeit anstrengend, da es nicht leicht war, mit einem Schild und einem Speer in den Händen zu tanzen. Es wurde ein Routine, eine Routine jedoch, die Avianus sehr gerne vollbrachte. So schraten sie, martialisch singend mit tausenden von Zuschauern weiter in Richtung eines der imposantesten Gebäude römischer Baukunst... den Circus.

    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Macer nickte, auch wenn er nicht vor hatte, seinem Klienten hier in aller Öffentlichkeit Kritik vorzutragen. Erst Recht nicht, nachdem sie beide bei den Wahlen erfolgreich gewesen waren. "Ja, selbst wenn ich unterstelle, dass du mir deine Ankunft vorab auf dem Postweg mitteilen wolltest und dieser Brief dann zufälliger Weise verloren gegangen ist, kam dein Auftritt im Senat doch etwas überraschend. Hätte ich mich nicht vorab um Informationen über alle zugelassenen Kandidaten bemüht, hättest du mich völlig unvorbereitet erwischt." Macer konnte nicht leugnen, dass er auch ein bisschen stolz darauf war, dank der umsichtigen Vorbereitung durch seinen Sekretär im Senat mit wohldosierten Worten auf die Kandidaturrede seines Klienten antworten zu können.


    Indirekte Kritik... etwas, was Avianus besonders unangenehm fand, doch nur durch Kritik mochte man es erlernen, beim nächsten Mal besser zu sein. So presste der Aurelier die Zähne unsichtbar zusammen und überlegte sich seine nächsten Worte gut. Natürlich, hätte er sagen können, hat er einen Brief versendet, der es nicht bis nach Rom überstanden hatte. Er hätte jedoch auch ehrlich sein können, sagen, dass er nicht einmal ein Schreiben aufgesetzt hatte. Und da Avianus nicht als ein Lügner erzogen wurde, aus einer rechtschaffenen Familie stammte und auch nicht ein solcher Lügner war, fiel die Auswahl doch herzlich gering aus!


    "Eine berechtigte Unterstellung", schüttelte Avianus den Kopf, "Aber leider unterstellt du mir etwas Falsches... ich habe keinen Brief versendet. Wenigstens hast du deine Kompetenz schon im Voraus bewiesen, meinen Leichtsinn auszugleichen." Schuldbewusst seufzte Avianus und fuhr sich mit den nassen Händen durch die noch trockenen Haare, bevor Modestus zu Wort kam und von dem Fettnäpfchen ein wenig ablenkte.

    Punktgenau zur Lustratio hatte auch Avianus selbst als Magister der Palatini auf den Aventin gefunden. Eine Gegend in der ewigen Stadt, in derer er selbst sich nicht so oft herumgetrieben hatte, die er jedoch als gut erreichbar einstufte, war prall gefüllt mit Leuten und Beiwohnern der Zeremonie, Sodales und Milites. Der Verkehr war heute besonders grauenvoll, womit man die Verspätung des Aureliers hoffentlich entschuldigen konnte. Es kam Avianus vor, als hätte sich ganz Rom zu dieser Zeremonie versammelt und eng in den Straßen und auf dem Aventin gequetscht, um noch rechtzeitig zu sehen, was sich abspielte. Doch er war nun da, seiner Pflicht und Religiosizität wegen, um die Salii Palatini auch offiziell als Magister zu vertreten. Mit wachsamen Augen quälte er sich durch den Aventin und suchte die anderen Sodales, achtete dabei auf sein äußeres Erscheinungsbild, die rote Tunica, der Trabea, dem Ancilium und dem einschneidigen Hiebschwert an der Seite. Es war alles gut geplant gewesen und Avianus wollte es tunlichst vermeiden, dass im Plan etwas schief ging! Später wäre es seine Aufgabe, vorzusingen und vorzutanzen.


    So fand Avianus zumindest schon Orestes inmitten der Menge und grüßte ihn mit einem freundlichen Nicken. "Salve, Orestes, hast du die anderen schon gefunden? Wir sollten sie schnell finden, denn wenn sie mit der Lustratio fertig sind, wären wir am Zug."


    Auch die Aufstellung war genauestens überdacht - Flavius Gracchus konnte zu jenem Tage leider nicht mittanzen. So abseits der anderen Salier würde vielleicht sein Sprachfehler nicht auffallen, wenn er singt. (Denn Singen konnte der gute Mann ja hoffentlich!)
    Avianus müsste ohnehin vorne stehen. Orestes würde aufgrund seiner kultischen Erfahrung und seines Talentes in solchen Dingen direkt hinter Avianus stehen. Und Corvinus direkt neben Orestes. Und bei den restlichen spielte es keine Rolle mehr, wo sie standen, da sie ebenso talentiert waren, wie die restlichen Salier.


    Doch es ging schon weiter und zum Glück war Avianus just in diesem Moment schon angekommen - die Entsühnung der Waffen hatte schon begonnen, womit sich die Frage erübrigen sollte, ob sie sich noch gegenseitig finden würden... es würde spätestens vorne geschehen, wenn sie alle an der Reihe waren. So traten sie nach vorne, vollzogen zu Ehren des Mars den Ritus zur Entsühnung der Waffen. Ein Moment, der Avianus inspirierte und ihm Stärke verlieh.



    Sich im Wasser entspannend und die Arme über die Kanten gelegt, nickte Avianus. Der Tiberier hatte also schon mit jemandem über Avianus´ Zuteilung geredet... nickend bemerkte Avianus auch, dass dies ein gutes Vorzeichen sein musste, wenn ein Konsul in jetzt schon, von sich aus, als Sekretär haben wollte. "Denn gereicht es mir zur Ehre, dass ich dir werde dienen können", sprach Avianus anerkennend.


    Der etwas eingeschnappt wirkende Marcellus kam jedoch auch zu Wort und erst jetzt bemerkte Avianus, dass er ja gar nicht allen gratuliert hatte! "Ave, Marcellus... auch meine Glückwünsche. Dein Amt wird in guten Händen sein." Auch wenn der Aurelier nicht genau wusste, was das für ein Amt war - Höflichkeit war trotzdem wichtig und der Mann so aus, als könne man etwas zutrauen.


    "Sehr erfreut, Claudius", sprach er nach der kurzen Vorstellungsrunde, "Nun, unter anderem deswegen bin ich gekommen, Tiberius."

    "Wie schrecklich", lachte Avianus über den Sarkasmus von Prisca auf und musste sich derweilen auch vor Schmerzen den Bauch halten. Mit einem Witz, der so gut zur Situation passte und vielleicht nicht einmal so unrealistisch war, nein, damit hätte Avianus nicht gerechnet. Zumindest nicht in diesem Moment. Es war jedoch schön zu sehen, dass die Cousine ihren Sinn für Humor nicht verloren hatte! "Hoffentlich wirst du des Nachts ruhig schlafen können, nach solch einem traumatischen Erlebnis!"


    So merkte man zum Beispiel, dass es wirklich traumatische Ereignisse gegeben haben musste, von denen Avianus weit ab im fernen Germanien nicht einmal etwas mitbekommen hatte. Es war womöglich der Grund, weshalb er noch niemanden hier gesehen hatte, außer Prisca. "Marcus krank, Orestes verschollen", echote Avianus ungläubig und seine Mine verfinsterte sich dabei. "Und Minervina?" Sein Gesichtausdrück hätte düsterer wohl nicht sein können und er geriet nun in ernsthafte Sorgen um die Familie. "Was ist geschehen? Wie konnte das passieren? Was ist mit Minervina", stotterte der junge Aurelier unsicher und seufzte gut hörbar, sich mit einer Hand durch die Haare fahrend. Auch Bilder von den Waldkämpfen leißen sich nicht abschütteln, doch Avianus vergaß sie, als Prisca ihm beistand. "Was ich erlebt habe ist... nicht so wichtig wie die Familie." Es war ja kein Problem... nur zwei Männer erschlagen...

    "Natürlich habe ich es immer noch"
    , rief Avianus, "Denkst du, ich schmeiße so etwas weg?" Gehütet und behalten hatte er es... nur benutzt hatte er es nicht, denn bei einem solchen schönen Tuch war es fast schon schade, es dreckig zu machen! Er hatte dann einen Nutzen davon gehabt, wenn er es rausholte und an die Familie denken konnte. "Danke, Prisca. Das weiß ich zu schätzen", erwiderte Avianus ehrlich erfreut über die Geste seiner Cousine.


    Was Avianus nun tun würde, das hatte er sich gut überlegt. Im Grunde waren das seine einzigen Gedanken auf seiner Reise nach Süden gewesen. "Ja, ich bleibe in Rom. Und ich werde für das Amt des Quaestors kandidieren, wie einst auch Ursus." Imaginär hängte er jedoch noch an: "Und ich werde die Mörder meines Vaters finden."
    "Es gibt aber schlimmere Arten von Neugierde", lächelte er.

    "Hoffentlich können wir die Arbeit heute minimal halten", scherzte Avianus ebenso gut gelaunt und schmunzelte dabei. Er begann, sich nach der mehr oder weniger anstrengenden Suche, im Wasser zu entspannen, bevor er nach einigen Sekunden zu seinem eigentlichen Anliegen kam. Wenigstens konnte man sagen, dass der Patron einen angenehmen Ort für solche Gespräche gefunden hatte.

    "Macer, es ging alles sehr schnell, seit ich von Germanien zurückgekehrt bin. Meine Kandidatur kam schnell und du hattest gewiss nicht mit meiner schnellen Wiederkehr nach Rom gerechnet. Ich dachte, wo die Wahlen vorbei sind, schulde ich dir so manche Antworten."

    Gerne wollte auch Avianus zu der Wahl seines Patrones gratulieren und auch viele Dinge zwischen Klient und Patron besprechen, die in letzter Zeit einfach zu kurz gekommen waren. Es waren viele Kleinigkeiten und natürlich wichtige Themen, die dem Aurelier auf dem Herzen lagen. Bis jetzt hatte Macer dem Aurelier in jeder Angelegenheit geholfen, seine Pläne unterstützt, was sich durch die gekonnt formulierte Zustimmung in den Hallen des Senats letztlich wiedergespiegelt hatte. Es war Zeit, dem Patronen zu danken und sich nach der Absenz von zwei Amtszeiten in Germanien auch einmal zu zeigen. Und der eigene Patron - so ein Guter wie Macer - musste an der Liste der Prioritäten ganz weit oben stehen.


    So hielt Avianus nach dem erfolglosen Versuch vor der Casa Purgitia auf die Thermen zu. Sie waren der letzte Standort von Macer, über den er bescheid wusste und auch hoffte, dass sich der Standort nicht verändert habe. Heute waren die Wahlen ein wichtiges Thema und stellenweise wurde auch Avianus´ Gesicht erkannt, wenn auch nicht so oft, wie bei den höher gestellten Senatoren und Beamten. An jeder Ecke hatte jeder etwas über die Wahlen zu sagen. Manch einer nuschelte, an anderen Enden führte man rege Unterhaltungen, bei denen die Kandidaten im Vordergrund standen. Doch Avianus war noch kein Objekt dieser regen Unterhaltungen.


    Er sah sich in den Thermen um, ob sein Patron zu finden war - und siehe da! Dort lag er, sich entspannend im Wasser. Avianus eilte zum Apodyterium, entblößte sich schnurstracks und hielt dann auf geradem Wege wieder dort hin zurück, wo er den Patronen gefunden hatte. Dort hatte sich während dieser kurzen Zeit auch der Senator Annaeus eingefunden.


    Avianus ließ sich im Wasser nieder und watete durch das Wasser zu den Senatoren. Angekommen grüßte er freundlich.
    "Salve, mein Patron", und auch Modestus nickte er zu, "Senator Annaeus."

    "Jawohl", nickte Avianus nur kurz und knapp und trat schon einige Schritte zurück, um die Thermen aufzusuchen. Der Aurelier würde seinen Patronen dort gewiss finden... nun, so hoffte er es, aber er würde bestimmt schon da sein, mit seinem Vorsprung. Also war es nur eine Sache des Aureliers, die Augen nach Macer offen zu halten.


    "Dann werde ich meiner Wege gehen - vale!" So verabschiedete sich der Aurelier mit einem freundlichen Lächeln und verließ das Grundstück der Purgitier.

    So schrat Avianus durch die gewohnt prunkvoll eingerichteten (kein Wunder, waren doch die Tiberier nicht weniger patrizisch als die Aurelier) Hallen und Gänge der Villa Tiberia, welche ihm völlig fremd waren und folgte dem Sklaven der Tiberier, ziemlich angewiesen auf selbigen. Man konnte sagen, dass sich die Villa Tiberia architektonisch nicht sehr groß von dem eigenen Haus unterschied, letzten Endes waren es jedoch die Details, an die Avianus sich orientierte, die hier jedoch anders waren. Doch zum Glück folgte er dem Sklaven mit großem Erfolg und fand sich auch bald schon in den Thermen des guten Hauses wieder.


    "Senator Tiberius", nickte Avianus grüßend, "Hoffentlich störe ich nicht die friedliche Idylle deines Bades, aber ich habe schon gehofft, du hättest Zeit für mich." Avianus trat Durus einige Schritte näher, hielt letzten Endes jedoch einen respektierenden Abstand zu dem Mann. Es war für ihn ein schönes Gefühl, solcher Prominenz privat zu begegnen und zu wissen, dass man bald mit dieser Prominenz zusammenarbeiten würde! Doch ohne viel Gedanken zu verschwenden, wurde der junge Aurelius in das Bad des Tiberiers eingeladen... warum nicht, fiel schnell sein Urteil, es wäre eine willkommene Entspannung. "Sehr gerne, Senator Tiberius", entblößte sich Avianus und tauchte entspannt pustend in das Wasser ein.
    "Ich gratuliere zu Deiner hohen Zustimmung im Senat - ein wahrlich erfreuliches Ergebnis, liegen die Chancen auf unsere Zusammenarbeit doch nicht einmal so schlecht. Aber es war ja ohnehin kein Wunder. Ich war mir ziemlich sicher, dass ein Mann wie Du seinen Weg zum Amt des Consuls macht!"

    Gerade erst hatte Avianus angefangen, es sich auf dem Sessel richtig gemütlich zu machen und ließ sich einige Gedanken seiner letzten beiden Amtszeiten durch den Kopf gehen, da kam auch schon eine andere Frühaufsteherin, den jungen Aurelier nach seiner langen Absenz zu begrüßen. Avianus war glücklich, dass Prisca gekommen war, denn das vertrieb das Gefühl, dass es der Familie egal sei, Avianus wiederzusehen. Sofort, getrieben von Wiedersehensfreude, erhob er sich von seiner bequemlichen Sitzhaltung und hielt auf Prisca zu. "Prisca! Endlich, ich dachte schon, ihr hättet alle das Haus verlassen oder wollt mich nicht mehr sehen", rief der junge, ehemalige Tribun und erwiderte die Umarmung seiner Cousine herzlich.


    "Ja, ich bin gesund zurückgekehrt", erklärte Aviauns lächelnd, was man ihm vielleicht eh schon ansah, "Nimm die Sklaven doch nicht so hart ran!" Es war für Avianus wie ein Segen der Götter, wieder in einer vertrauten Gegend zu sein, in einer vertrauten Stadt mit der vertrauten Familie und den vertrauten Nachbarn. Was er noch tun musste, war es, diesen Göttern zum Dank zu opfern. Interessiert fragte die Cousine nach, wie es Avianus ergangen sei und dieser fühlte sich sofort an den Kampf erinnert, den er in einem germanischen Wald schlagen musste. Wie er - notgedrungen, um sich wehren - zwei von diesen Räubern erschlagen hatte. Avianus setzte sich wieder und Prisca neben ihm. Er wurde ein wenig nachdenklich.
    "Das Land war nicht schlimm, wenn man durch die Alpen gekommen ist und somit das Schlimmste hinter sich hatte. Aber nun ja, ich habe Blut an meinen Händen kleben."
    Avianus hatte das dunkelrote Tuch mit dem aufgenähten Löwenkopf dabei, dass Prisca ihm vor der Abreise gab und zog es aus seiner Tasche. Es sah genau aus, wie am ersten Tag...
    "Vielleicht", Avianus reichte es seiner Cousine, "Möchtest du das zurück haben?"

    Lange geschlossen blieb die Tür nicht, als einer der Diener der Tiberier die Tür aufriss und Avianus mit seinen rot geränderten, trüben Augen ansah. Der Mann bot wahrlich ein Bild der Erschöpfung, so sehr, dass der Aurelier sich fragen musste, warum die Tiberier heute keinen Ausgeruhteren Sklaven an die Porta gestellt hatten. Vom Anblick des Mannes leicht irritiert, mit leicht geöffneten Lippen, schüttelte Avianus kurz den Kopf und kam schnell zur Sache:

    "Salve. Ich bin der kürzlich gewählte Quaestor und wünsche Senator Tiberius Durus in einer wichtigen Angelegenheit zu sprechen. Könnte der Konsul mir einen Moment seiner wertvollen Zeit entbehren? Ich weiß, es ist ein wenig früh und noch stehen viele Dinge nicht fest... aber später wird die Zeit knapper werden, wenn jeder seine Arbeit hat."

    Nach den Wahlen, so schien es, wurde das Leben des jungen Aureliers wieder ein wenig turbulenter, gab es doch viele Dinge, in die er sich hineinarbeiten müsste, viele Leute, mit denen er Reden musste und viele Orte, die er aufsuchen musste. Einer dieser Orte war die Villa Tiberia. Eine dieser Personen hieß Tiberius Durus. Und in was sie sich hineinarbeiten wollten, mussten die beiden frisch Gewählten gemeinsam klären.
    So kam Avianus in hastigen, dienstbeflissenen Schritten vor das traute Heim der Tiberier und klopfte drei Mal kräftig an die Eingangspforte.



    *klopf, klopf, klopf*

    Wahrscheinlich hatte der Purgitier eine harte Zeit hinter sich, dachte sich Avianus und war sich sicher, ihn in den Thermen finden zu können. Wer mit so viel Elan und Arbeitsbereitschaft an einer Wahl teilnahm, musste danach sicherlich ausgelaugt und ermüdet sein - da kam der Gedanke dem Aurelier recht, auch einmal in die Thermen zu gehen.


    "Ich gehe davon aus, dass ich ihn dort finden werde", fragte Avianus ganz dezent nach.

    Wie hätte der Aurelier nach seiner längeren Abstinenz in Germanien auch erkannt werden können, war er doch erst kurz vor den Wahlen aus zwei Amtszeiten in der Legio II zurückgekehrt? Aber es spielte nun keine Rolle, so stellte sich Avianus völlig autoritär, ohne arrogant zu wirken, vor, als der Torhüter die Tür öffnete und sich zeigte:


    "Salve. Meinen Patronen wünsche ich, Spurius Purgitius Macer. Mein Name ist Tiberius Aurelius Avianus."

    Es war nur wenige Tage nach der Wahl zum Cursus Honorum, die turbulent waren, eine förmliche Zitterpartie im Senat, so wie Avianus diese Momente in den Senatshallen empfunden hatte. Doch diese Zitterpartie war vorbei und es war doch beinahe ein paradoxes Gefühl. Avianus war mit einer entscheidenden Mehrheit im Senat akzeptiert worden... es war ein Ergebnis, womit der Aurelier nie gerechnet hätte. Doch mit dem überwältigenden Ergebnis seines Patronen Purgitius Macer hatte Avianus sehr wohl gerechnet. Und es war doch auch logisch, wer gab einem prestigereichen Mann mit glänzender Karriere wohl noch ein Neinwort? Zumindest wusste der Senat, welche Männer er bei sich gebrauchen konnte und darüber freute sich Avianus.


    Und schnell sind die Dinge geschehen, als Avianus zurückkehrte, in die ewige Stadt Rom. Die Ereignisse haben sich förmlich überschlagen, was sicherlich auch den Purgitier überrascht hatte. Denn alles ging so schnell, dass Avianus nicht einmal die Zeit fand, seinen ehrwürdigen Patronen über die bevorstehende Kandidatur aufzuklären. Es stand, freilich, viel an, was einer Besprechung unter vier Augen wert gewesen wäre. Und deshalb stand er hier, vor der Pforte der Casa Purgitia, wo der neu gewählte Prätor lebte. Kräftig klopfte Avianus an und wartete, dass jemand aufmachte.

    Leider war Avianus noch allein auf der besagten Terrasse, wo für heute morgen ein Frühstück angesetzt war. Es war einfach merkwürdig, dass er schon seit letzten Abend hier in der Villa Aurelia war und noch niemanden der Familienmitglieder selbst zu Gesicht bekommen hatte. Sogar Sklaven striffen durch das Haus und erledigten, wie sonst so üblich, ihre Arbeiten. Doch Avianus war erstaunlich früh aufgestanden, viel früher, als er es vor seiner Abreise noch zu tun pflegte. Vielleicht wollten die Verwandten einfach nur richtig ausschlafen.


    Doch Avianus hatte in der Legion lernen müssen, auch mit weniger Schlaf genauso fit zu sein! Nur das ermöglichte es dem jungen Aurelier, tatsächlich früher als alle anderen hier anwesend zu sein - diese militärische Ader konnte er wohl so schnell nicht mehr zur Seite legen! Vielleicht würde sich diese Eigenschaft auch eines Tages zum Vorteil ausnutzen lassen. Doch so bleib es ihm nur übrig, sich hinzusetzen und zu warten, nachdem er durch die Gänge der Villa geschlendert ist.

    Avianus hätte erwartet, noch auf Gegenkandidaten unter den Saliern zu stoßen, welche es ebenso auf das Amt des Magisters abgesehen hatten. Doch merkwürdigerweise trat eben dieser Fall, dass protestiert wurde, nicht ein und die Mitglieder schwiegen als eine Form der Zustimmung und Fügung. Nun hatte Avianus ein Amt bei den Saliern inne, welches er bis vor fünfzehn Minuten nicht einmal geglaubt hätte, zu erhalten - war seine Entscheidung richtig? Wäre er dem wirklich gewachsen? Er war sich nicht sicher, doch für diese Vereinigung und um es sich selbst zu beweisen, würde der junge Aurelier sein Bestes geben.


    Gracchus stand auf und redete stellvertretend für die Vereinigung und auch Avianus erhob sich, nachdem sein Name fiel. Dankbar nickte er dem Flavier zu, als er ihn zum Magister ohne Gegenstimmen ernannte - das war überhaupt nur möglich, weil vielleicht die anderen geistig absent waren.
    "Ich danke dir, Flavius Gracchus", nickte Avianus, "Ich werde die mir anvertraute Position innerhalb unserer Vereinigung pflichtbewusst und mit Hingabe erfüllen - das gelobe ich." Und sein Wort war etwas wert!
    "Wie auch immer, meine Herren - als meine erste Aktivität, welche ich als Magister unserer elden Sitzung vollbringe, erkläre ich die Sitzung, so es denn keine Nachfragen gibt, für erfolgreich abgeschlossen."

    Zitat

    Original von Leone
    Nein sowas, der Avianus! Und er freut sich wie ein Kind …


    Der Mann lachte urplötzlich laut auf und im selbigen Moment ging Leone ein Licht auf. "Ach du bist es Herr!" Dieses Lachen kannte nun wirklich jeder und jetzt zeigte auch der Nubier seine strahlend weißen Zähne, als er breit zu grinsen begann: "Das ist aber eine Freude. Heute haben wir gar nicht mehr mit deiner Ankunft gerechnet. … Beinahe hätte ich"... dir den Knüppel über gezogen"ehm, ...dich nicht erkannt. … Aber nun tritt doch ein Herr!" Leone zog die schwere Türe sofort ganz auf, damit der Rückkehrer nicht länger vor der Türe herum lungern musste. "Den Göttern sei dank! Du bist heil aus Germanien zurück. Deine Gemächer sind bereits hergerichtet und falls du noch einen Wunsch haben solltest? ... Sag es nur und er wird Dir sofort erfüllt", begrüßte der Ianitor den Herrn zuvor kommend so wie es sich gehörte, wenngleich er nicht bei allen Herrschaften die gleiche Freude verspürte, wie im Augenblick bei Avianus. ...



    Die Sklaven des Aureliers waren schon müde und hatten in der Zeit der Konversation zwischen Avianus und Leone auch schon eifrig alles abgeladen, was abgeladen werden musste. Sie hatten es eilig, bald in die gute Stube zu kommen und sich ausruhen zu können, weshalb sie in Reih und Glied nun vor dem Haus standen auf die Erlaubnis des Herren warteten, einzutreten. Und weil sie so viel gearbeitet hatten, entließ Avianus sie sofort mit einer kurzen Handgeste.


    "Ich habe zwar einen späten Moment für meine Ankunft gefunden, aber das macht mich hoffentlich nicht weniger willkommen", sprach Avianus zwinkernd, "Es tut gut, wieder hier zu sein. Danke, Leone. Und ich habe keinen Wunsch, außer meine Verwandten wieder zu sehen und eine anständige Mahlzeit zu bekommen.