Timos wollte diesen Kuss. Er wollte ihre Nähe spüren. Er wollte ihren Körper fühlen, seine Fingerspitzen über ihre Haut fahren lassen, ihren Atem auf seiner Haut wahrnehmen. Das Verlangen bemächtigte sich seines Verstandes, klares Denken gehörte plötzlich zur Mangelware.
Timos machte ebenfalls einen kleinen Schritt.
Sie standen nun so dicht beieinander, nicht einmal eine Maus hätte dazwischen her gepasst. Wie von selbst legten sich seine Hände auf Axillas Hüften und sein Kopf bewegte sich auf den ihrigen zu.
"Angst? Vielleicht solltest du eher Angst haben?"
Ein verruchtes Grinsen huschte über Timos' Gesicht, doch ließ er Axilla keine Zeit zu antworten. Seine Lippen wurden von ihren angezogen und Sekundenbruchteile später schmeckte er um ein Weiteres diese wichen rhomäischen Lippen.
Beiträge von Thimótheos Bantotakis
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Thimótheos hatte sich heute an Zopyrus' Schreibtisch breit gemacht und kategorisierte und archivierte Berichte verschiedener Beamte, die Urgulania unterstanden. Den alten Grammateos der Eutheniarche hatte er auf einen mit wolldecken gepolsterten Korbsessel in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes verbannt, wo dieser mal wieder ein Nickerchen hielt.
Es klopfte und Timos ließ ein deutliches "Empros!"* hören. Dann besann er sich auf seine rhomäische Arbeitgeberin und fügte ein "Äh, intra!"* hinzu.
*griech./lat.: "Tritt ein!"
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Timos murmelte etwas zustimmendes und öffnete die Augen wieder. Er atmete den warmen Dampf, der vom Becken aufstieg, ein und genoss noch einen Moment lang die Ruhe, die hier herrschte.
"Es ist eine Menge passiert, seit wir in Alexandria angekommen sind." meinte er dann unvermittelt und mit starr auf die gegenüberliegende Wand gerichtetem Blick.
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Bevor Timos etwas auf die Worte des Gymnasiarchos erwidern konnte, antwortete sein Bruder auch schon. Er nutzte die kurze Pause, um sich sein Gegenüber genauer zu betrachten, während er sich in dem angebotenen Sessel niederließ.
Nikolaos Kerykes schien ein Mann der Maskerade zu sein. Seine Gesichtszüge muteten zart an, er war geschminkt und wirkte auf Timos irgendwie schmächtig. Diesen Umstand machte er jedoch durch selbstbewusstes und erhabenes Auftreten wieder wett.Nachdem Ánthimos geendet hatte, ergriff er nun wieder das Wort.
"Sei dir versichert, für mich kommt selbstverständlich keine Vermählung ohne vorhandenes Bürgerrecht in Frage."
Er machte eine kurze Pause.
"Nun, meinen Namen kennst du ja jetzt, Ánthimos auch, und das dort - er zeigte auf Ilías - ist mein jüngster Bruder Ilías. Es gibt nur wenig über unsere Herkunft zu berichten. Unser dreier Vater besaß das Bürgerrecht. Wir drei Brüder sind alle auf einem periousa* bei Memphis aufgewachsen. Allerdings ist unser Vater nun tot und unser Besitz verloren. Wir hatten außerdem keine Möglichkeit, die Ephebia dort zeitig abzuschließen."
Er fuhr lächelnd fort.
"Allerdings hast du vollkommen recht. Wir werden noch einige Dinge lernen müssen, was die Gesetze dieser Polis und die Pflichten ihrer Polites betrifft."*Anwesen
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Sie kam näher und auch löste sich langsam aus seiner Haltung und ging ein paar Schritte auf sie zu. Beide wirkten ziemlich hiflos, wie sie so da standen und sich ratlos ansahen.
"Ich weiß nicht. Ich will..."
Ja, was wollte er eigentlich? Im Grunde seines Herzens wollte er nur...einen Kuss. Ja, er wollte sie noch einmal küssen...
Timos! Da war schon wieder sein Gewissen.
Er trat noch einen Schritt auf sie zu, so dass sie wieder nah beieinander standen. "Ich will einen Kuss." sagte er schlicht, aber seiner Stimme konnte man das Verlangen, die Sehnsucht nach Axillas Lippen, anhören. -
Timos hatte sich während des Gesprächs mit verschränkten Armen an die Fensterbank gelehnt und zugehört. Seine Miene hatte sich kein Stück verändert, lediglich eine Augenbraue zuckte gelegentlich milimeterweit gen Stirn.
Als der Sklave den Raum wieder verlassen hatte, verharrte Timos weiterhin in dieser Position und fragte skeptisch:
"Und...das war's jetzt? Damit hat sich die Sache gegessen?"
Ungläubig fixierte er Axilla und zog nun seine Augenbraue komplett nach oben. -
Jetzt war Axilla offenbar an der Reihe, mit Zweideutigekeiten um sich zu werfen. Timos grinste nur schelmisch und verneinte.
"Nein, hier ist's vollkommen in Ordnung."
Mehr sagte er nicht, das wäre nur in alberne, anzügliche Kommentare ausgeatet. Er trat lieber ans Fenster und schaute nach draußen, als es auch schon an der Tür klopfte. -
Achja, Timos erinnerte sich...sein Gedächtnis änderte seine Form langsam aber sicher zu der eines Siebs...mit zwanzig war man halt schon alt und verbraucht...
"Achja. Gut, dann werd ich Zopyrus mal wieder wecken." grinste Timos fröhlich und verschwand winkend durch die Tür zum Raum des Grammateos. -
*dem kleinen Bruder ausnahmsweise mal zustimmt*
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Die Verblüffung hatte sich in eine breites Grinsen gewandelt und mit gespielter Empörung sagte Timos:
"Gib's zu, du willst mich gleich abstechen und von deinem Sklaven in der Cloaca verschwinden lassen."
Dann sah er sich ein wenig um. Dort standen Lares, die üblichen Kleider- und Schmucktruhen. Die Rüstung hatte er kurz aufblitzen sehen, als Axilla das Schwert zurücklegte.
"Sag, warum empfängst du mich in deinem Cubiculum?" -
Thimótheos Bantotakis und seine Brüder waren nun schon eine ganze Woche in Alexandria. In dieser kurzen Zeit hatte sich bereits viel getan. Ánthimos und Timos hatten Arbeit gefunden. Ánthimos hatte sich verlobt, Timos hatte ebenfalls eine interessante Begegnung mit dem weiblichen Geschlecht und Ilías bemühte sich um eine Anstellung beim Cursus Publicus. Außerdem hatten sie sich zu viert zur Ephebia im Gymnasion angemeldet.
All das wollte Thimótheos nun während eines angenehmen Thermenbesuchs mit seinem Bruder revue passieren lassen.Am Eingang liehen sie sich Sandalen mit dicken Holzsohlen und Handtücher. Ein kurzer Besuch in der Umkleide und wenige Minuten später standen sie schon im mittelwarmen Tepidarium.
"Dann wollen wir mal." schmunzelte Timos. Bis auf einen Greis, der offenbar im Wasser eingenickt war, fanden sie gerade niemanden vor. Timos stellte die Sandalen am Beckenrand ab und legte sein Handtuch auf eine Steinbank daneben, dann betrat er langsam das Becken, um sich an das warme Wasser zu gewöhnen. Dort setzte er sich auf eine Stufe im Becken, so dass nur noch sein Kopf und seine Arme, die er auf dem Beckenrand ablegte, aus dem Wasser ragten.
Er seufzte leicht und schloss die Augen.
"Jaa, das tut gut..." -
"Bei Zeus, denn Eindruck erweckst du wahrlich nicht!" rief Timos lachend aus. Er beruhigte sich wieder und wischte sich eine imaginäre Freudenträne aus dem Augenwinkel.
"So, jetzt aber genug gescherzt." grinste er.
"Ich wette, du hast noch eine ganze Palette voll Arbeit für mich." meinte er mit gespieltem Ernst. (:D) -
Timos hatte am Tor der Basileia seinen Namen genannt und, dass er Grammateos der Eutheniarcha war. Die Wache nickte nur, als er sagte er würde bei seiner Arbeitgeberin zuhause erwartet und geleitete ihn somit ohne Zwischenfälle dorthin. Am Domus Iunia angekommen, klopfte er, woraufhin ein alter Sklave ihm öffnete und auf Nachfrage zu dessen junger Herrin führte.
Erstaunlicherweise wies der Sklave den Weg ins Obergeschoß der Villa. War das nicht gewöhnlich der private Bereich der Hausbewohner? Wortlos folgte Timos dem Mann. Augenblicke später standen sie vor der Tür zu Axillas Cubiculum. Der Sklave klopfte laut an und betätigte einfach die Türklinke, dann verschwand er.Vorsichtig trat Timos ein. Er nahm ein merkwürdiges Geräusch wahr, das ihn an die Schmiede auf dem Gut seines Vaters erinnerte. Das konnte doch nicht?
Huch!
"Axilla? Was zum Kerberos machst du da mit diesem Schwert?"
Verblüfft stand er in der Tür und starrte die junge Rhomäerin an, die ein Gladius an einem Schleifstein schärfte. -
Leander...Notiz an mich selbst: Namen besser merken!
Sein Gesicht hellte sich auf und voller neuer Euphorie nickte er ob Axillas Erklärungen. Nachdem sie auf die Hauptstraße abgebogen waren, deutete er auch schon auf die Mauer, die in mittlerer Entfernung vor ihnen erschien und meinte:
"Dann schlage ich vor, du läufst schon einmal vor und siehst nach dem rechten, stimmts?"
Ein kurzes Nicken von ihr und sie eilte schon in Richtung Domus Iunia. -
Timos konnte es in Axillas Kopf förmlich arbeiten sehen. Er wartete gespannt auf eine halbwegs realistische Lösung des Problems...und wurde enttäuscht. Themenwechsel. Zum gefühlten hundertsten Mal, seit er sie kannte. Innerlich seufzte er, äußerlich rieb er sich mit Daumen und Zeigefinger gespielt nachdenklich das unrasierte Kinn.
"Ich denke, ich sollte dir wirklich Beistand leisten, falls Urgulania da ist und bescheid weiß. Falls sie weder da ist, noch bescheid weiß...wie sehr kann man deinem Sklaven...äh diesem Leandros...Leandrus...äh...vertrauen? Wo finde ich dich in der Basileia außerdem am einfachsten wieder?"
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Ja, woüber dachte er nach? Darüber, dass er gerade mit Axilla hier entlang marschierte, mit der er sittenwidrigerweise geschlafen hatte, der er Alkohol und Drogen verabreicht hatte und die er eben erst auf ein neues geküsst hatte? Oder darüber, ob er das alles bewerten sollte und wenn ja, ob es schlecht oder gut war und ob es moralisch vertretbar war oder er sich selbst verurteilen sollte?
Er war sich unschlüssig. Timos versuchte, die Situation aus der Distanz heraus zu beobachten, doch wollte ihm das nicht recht gelingen. Ein weiterer Blick auf Axilla...in Axillas leuchtend grüne Augen, die ihn nun fragend löcherten.
"Diese ganze Situation ist viel zu...wirr!"
Er machte einen etwas verzweifelten Gesichtsausdruck und sprudelte - wie es sonst nicht seine Art war - drauflos:
"Es macht mich einfach traurig, dass wir beiden uns so gut verstehen - in seinem Gesicht zeichnete sich ein schelmisches Schmunzeln ab - , die Regeln der Gesellschaft unser Handeln allerdings in jeder Hinsicht verurteilen. Weißt du...wenn es möglich wäre...aber ich bin Grieche ohne Bürgerrecht und du...bist Iunierin und...ich hätte schon längst...also..."
Narf...
"Egal! Du bist eine tolle Frau, das wollte ich nur sagen!" -
Zitat
Original von Iunia Urgulania
..."Hört man das? Nun, mein Bruder wird mir ja bald näheres über ihn erzählen können. Sollten die Gerüchte zutreffen, wird es notwendig sein solchen Misständen Einhalt zu gebieten. Aber da habe ich momentan ja keinen Einfluss drauf."
Er spielte mit seinem Griffel herum und betrachtete nebenbei die Arché, während er Urgulania natürlich aufmerksam zuhörte und antwortete.
"Ich gehe in der Annahme, dass solche Gerüchte selbstverständlich nicht auf dich zutreffen?" scherzte er dann leicht schmunzelnd. -
Er wollte bereits einen anzüglichen Kommentar auf Axillas Worte hin ablassen, als sie ihn erneut überraschte. Er lächelte verlegen und schaute sie unbeirrt an, während sie weitergingen.
"Das fand ich auch..."
Ein Augenblick der Stille...Schritte hallen dumpf in der Gasse wider...ein krächzendes Räuspern...
"Gestern Nacht allerdings...also das war auch gut." murmelte er über beide Ohren grinsend. Das hatte er sich einfach nicht verkneifen können.
"Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich gerade offensichtlich aller Moral und allen Anstandes abschwöre...ich bin definitiv kein sittsamer Mensch."
Er runzelte die Stirn und legte die Hände wieder hinter seinem Rücken ineinander. So ging er zu Boden schauend weiter. -
Verblüfft richtete Timos seinen Blick wieder auf seine Gesprächspartnerin. Was sagte sie da? Heureka! Die war ja mal direkt...
"Nun..." Er war nun stehen geblieben und sammelte kurz seine Gedanken.
"Ich mag dich ebenso sehr und ich weiß, dass wir bereits viel zu viel Unfug angerichtet haben, als gut für uns ist. Die Regeln unserer Gesellschaft schreien förmlich danach, uns beide zumindest zu verbannen und an unterschiedliche Enden der Welt zu schicken."
Oh Gott, er hörte sich bereits an wie sein alter Herr - möge er seinen Platz unter den Göttern gefunden haben.
"Allerdings...etwas in mir sagt mir klar und deutlich, dass ich deine Gesellschaft weiterhin genießen sollte. Und ein Fest wäre natürlich der absolut richtige Ort dafür." -
Timos grinste nur. Dieses Gespräch war viel zu merkwürdig. Als Außenstehender hätte er sich vermutlich schon etliche Male totgelacht.
"Oh ja, die Einladung auf das Fest besteht selbstverständlich immer noch!" antwortete Timos voller Euphorie. Das hatte er ja ganz vergessen. Obwohl er sich sicher war, dass das nach dieser ganzen Geschichte ein ganz blöder Einfall war.