Beiträge von Iunia Serrana

    Also doch. Im Grunde war es ja nichts anderes als das, was Serrana ohnehin seit Wochen befürchtet hatte, trotzdem knickten ihr bei den Worten "Götter des Todes", "wahrscheinlich sterben" und "greuliche Omen" die Beine weg und es gelang ihr nur mit Müh und Not, sich noch auf einen Sessel neben Romana zu flüchten. Es dauerte eine ganze Weile, bis auch die hoffnungsvolleren Bestandteile von deren Vortrag in Serranas vor Angst fast gelähmten Verstand ankamen, doch dann setzten sie sofort fieberhafte Überlegungen in Gang. Sie konnte also noch etwas tun, um ihr eigenes Leben zu retten? Wundervoll! Es war zwar keine Rettung im wirklichen Sinne aber doch immerhin eine echte Chance.


    "Also wenn ich...wenn ich alles mache, was du gerade gesagt hast, dann....dann kann ich also vielleicht überleben?" fragte sie sicherheitshalber noch einmal nach und griff nach der Hand der Vestalin. "Sag mir bitte, was ich tun soll, ich mache es sofort. Welche Götter sind es, die ich besänftigen muss? Und was opfere ich ihnen am besten? Und..." Nachdem gerade ein Silberstreif der Hoffnung aufgegangen war, fiel Serrana jetzt etwas ein, was ihr plötzliches Hochgefühl schlagartig wieder zunichte machte. "Oh, Romana, das wird nicht funktionieren. Ich bin doch schwanger und darf gar nicht an Opferungen teilnehmen. Oder ist das bei den etruskischen Göttern etwa anders? Was, wenn ich die Götter mit einem Opfer noch wütender auf mich mache, als sie es ohnehin schon sind?"

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    Pedania Iunor


    Pedania Iunor ließ kurz ihren Blick auf dem jungen Priesteranwärter ruhen und nickte dann zufrieden. Er machte einen durchaus aufgeweckten Eindruck, war aber gleichzeitig höflich und legte den ihr gebührenden Respekt an den Tag, was dieser Tage alles andere als selbstverständlich war. In den vielen Jahren ihrer bisherigen Ausbildertätigkeit hatte sich die alte Priesterin eine recht gute Menschenkenntnis erworben, und dieser Flavier machte auf sie einen vielversprechenden Eindruck.
    "Salve, Flavius Flaccus." erwiderte sie seinen Gruß freundlich. "Du brauchst mir nicht zu danken, die Ausbildung neuer Kräfte für den Cultus Deorum gehört zu den Dingen, die ich immer schon gern übernommen habe. Wir werden uns in ein paar Tagen im Tempel sehen, bis dahin wünsche ich dir, Flavius, und dir, Iunia, alles Gute und den Schutz der Götter. Valete." Mit einem letzten Kopfnicken wandte sich Pedania Iunor um und verließ den Unterrichtsraum.


    "Ich denke, du wirst bei Pedania in sehr guten Händen sein." sagte Serrana, die der alten Dame mit ihrem Blick gefolgt war. "Sie ist sehr erfahren und hat schon viele Discipuli erfolgreich für den Dienst an den Göttern vorbereitet. Wenn du möchtest und bereit bist, können wir dann jetzt wir dann jetzt mit der Ausbildung beginnen." Mit einem kleinen Seufzer ließ sie sich an einem der Pulte nieder und wies einladend auf den benachbarten Stuhl. "Vielleicht sollten wir zunächst ein wenig über die Zusammensetzung des Cultus Deorum sprechen, dem du ja auch schon bald angehören wirst. Kannst du mir ein wenig über die einzelnen Priester-Kollegien und ihre Aufgaben erzählen?"

    Als Romana auf Sabinas Winken reagierte, hob nun auch Serrana die Hand, um die Vestalin zu grüßen, und dann begann auch schon die Darbietung, und ihre ganze Aufmerksamkeit wurde auf die Bühne gelenkt. Mit wachsender Begeisterung folgte sie den vorgetragenen Versen und fand erst wieder ins Hier und Jetzt zurück, als schließlich auch Sedulus in Begleitung von Decimus Verus und einer unbekannten jungen Frau in ihrem Alter zu ihnen stieß, deren Lächeln sie automatisch erwiderte. "Oh, es ist wirklich wunderschön, was meinst du, Sabina?." strahlte sie und rückte ein bisschen näher an Sabina heran, um den Neuankömmlingen Platz zu machen. Dann beugte sie sich zu ihrem Mann und flüsterte so leise, dass nur er es hören konnte. "Wer ist denn das junge Mädchen bei dem Decimer? Ich glaub, ich hab sie noch nie gesehen."

    Was hatte sie sich in den letzten Minuten nicht alles ausgemalt... Eine Romana, die ihr mit verständnisvoller und mitleidiger Stimme ihr baldiges Ende offenbarte. Oder aber die Variante mit einer Romana, die mit funkelnden Augen, dramatischem Gesichtsausdruck und feurigen Worten über den unausweichlichen Tod sprach. Serrana war sich ziemlich sicher, dass sie beide Alternativen nicht würde überstehen können, aber sie hatte sich fest vorgenommen, soviel Haltung zu bewahren, wie es sich irgendwie einrichten ließ. Erwartet oder besser gesagt befürchtet hatte sie so einiges. Dass sie kein einziges Wort verstehen würde, hatte Serrana allerdings überhaupt nicht erwartet, und doch geschah in diesem Augenblick genau das. Mit leicht geöffnetem Mund und deutlich stärker aufgerissenen Augen folgte die Iunia (falls man das rein akustische Wahrnehmen von Tönen überhaupt so nennen kann) mit wachsender Irritation und Ratlosigkeit dem hervorgesprudelten Vortrag ihrer Freundin, und stieß schließlich das einzige Wort hervor, das sie irgendwie aus dem Wust an völlig fremd klingenden Tönen aufgeschnappt hatte.


    "Antia mun?"

    Bei jeder wütenden Nachfrage aus Axillas Mund schlangen sich nun beide Arme immer enger um Serranas Bauch, als wäre ihr kalt, und sie schüttelte immer wieder heftig mit dem Kopf.
    "Nein...nein, natürlich nicht...Ich glaub dir ja...ich...ich hab einfach nur nicht nachgedacht....wieder nicht..." Kurz schwappte eine erneute Welle der Übelkeit über sie hinweg, und Serrana stöhnte leise auf. Unter normalen Umständen hätte sie sich jetzt nach Hause und in ihr Bett geflüchtet, aber an diesem Tag war nichts mehr normal. Und auf eine seltsame Art und Weise war sie auch dankbar über ihren elenden Zustand, denn der lenkte sie zumindest ein bisschen von den immer quälender werdenden Gedanken und Schuldgefühlen ab, in die sich Serrana immer schon besonders gut hatte hineinsteigern können. Etwas gedankenverloren nickte sie, als ihre Cousine von Archias Verhalten ihrem Leibsklaven gegenüber berichtete. "Ja, das ist wirklich komisch. Quintus macht sich auch Sorgen um meine Sicherheit, aber ihm reicht es völlig aus, wenn Adula mich überall hin begleitet." Ein wenig überrascht und fast hoffnungsvoll hob sie dann den Kopf und sah Axilla an. Archias war also auch auf Leander eifersüchtig gewesen? Vielleicht war diese übertriebene Eifersucht dann ohnehin ein Teil von ihm gewesen und hatte nichts mit ihr und ihrer unseligen Bemerkung zu tun? Die sie, wie ihr jetzt wieder mit neuem Entsetzen einfiel, nur gemacht hatte, um ihren so unsäglich naiven Vortrag über Sitte und Moral zu untermauern? Nein, so einfach waren die Dinge nie, und Serrana ahnte bereits, dass sie diese Frage vermutlich noch lange Zeit verfolgen würde. Mit der Opferrolle hatte sie sich im Laufe ihrer Kindheit und Jugend ganz gut arrangiert, jetzt würde zur Abwechslung wohl eine andere dazu kommen. Und dann war da ja auch noch Axilla.... Natürlich gab es keine Zeugen für jenes verhängnisvolle Gespräch mit Archias, aber Serrana war immer schon eine miserable Schauspielerin gewesen, ganz abgesehen davon, dass ihre Cousine in diesem Punkt Offenheit verdient hatte, nach allem, was sie an diesem schrecklichen Tag vermutlich bereits durchgemacht hatte.


    "Es gibt da etwas, das ich dir sagen muss." sagte sie schließlich und zwang sich, Axilla, die sich inzwischen wieder beruhigt zu haben schien, in die Augen zu sehen. "Wegen Archias, meine ich."

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    Artanes



    Was geschehen war? Das war eine gute Frage, so wirklich darüber im Klaren war sich Artanes nämlich immer noch nicht.
    "Nun...,"begann er nach kurzem Räuspern,"...ich hatte bei den Feierlichkeiten gerade mit dem Opferritus begonnen, als dieses Weib da...." er machte eine Bewegung mit dem Kopf in Richtung der scheinbar immer noch bewusstlosen Frau "...wie am Spieß geschrien und damit die Anrufung unterbrochen hat. Als ich sie zur Rede stellen wollte, fand ich sie halb nackt neben einer blutüberströmten Männerleiche. Für mich sah es so aus, als hätte sie es zuerst mit diesem Kerl getrieben und ihn dann anschließend umgebracht, aber sie behauptet, es nicht gewesen zu sein. Und dann..." jetzt musste der Rex Nemorensis doch schlucken und räusperte sich daher erneut, bevor er mit gewohnt kraftvoller Stimme weiter sprechen konnte,"...dann stürmte plötzliche eine riesige Rinderherde mitten in den Hain und hat alle niedergetrampelt, die nicht schnell genug fliehen konnten. Ich kann dir keine genauen Zahlen nennen, Pontifex, aber ich bin mir sicher, dass dort zwischen den Bäumen Dutzende von Toten liegen."

    "Die beiden waren über dreissig Jahre miteinander verheiratet, da lernt man sich vermutlich ganz gut kennen." sagte Serrana nachdenklich und beugte sich dann ein bisschen vor, um ihren Mann besser betrachten zu können. "Dreissig Jahre, stell dir das nur mal vor. Wir beide sind schließlich gerade mal seit fünf Monaten verheiratet..." Ihr Blick glitt über ihre Hände, Beine und all das, was sie von ihrem eigenen Körper sehen konnte und wanderte dann hinüber zu ihrem Mann. "Weißt du, ich frage mich gerade, wie wir beide wohl in über dreissig Jahren aussehen werden, irgendwie kann ich mir das gar nicht wirklich vorstellen..." In dreissig Jahren würde sie 46 sein, also quasi vergreist, was für eine schier unglaubliche Vorstellung! Allerdings immer noch angenehmer als die Variante, in vier Monaten tot zu sein, aber diesen Gedanken dachte Serrana an diesem Abend lieber doch nicht zu Ende, zumal eine weitere Bemerkung ihres Gatten jetzt ihre Aufmerksamkeit weckte. "Ach, ist das so? Männer wollen Frauen, die ihnen nicht widersprechen?" hakte sie mit erhöhter Wachsamkeit nach. "Ist das bei dir etwa auch so?" Dass ihre Großmutter nicht zu den nachgiebigen und kompromissbereitesten Frauen unter der Götter Sonne gehörte, verstand sich natürlich von selbst, das merkte jeder, der Germanica Laevina kennenlernte, spätestens nach den ersten drei Minuten. Und ausgerechnet die als Gattin eines Pontifex...Serrana stellte sich ihre Großmutter und Tiberius Durus nebeneinander in trauter Eintracht vor und kicherte dann in ihr Kissen.

    Und allzuweit entfernt war die Gesuchte auch gar nicht, denn Serrana stand, vor Romanas Blicken verborgen, auf der anderen Seite des Durchgangs zum Atrium an die Wand gepresst und versuchte, sich soweit in den Griff zu bekommen, dass sie den Raum betreten und die Freundin begrüßen konnte. Wirklich schlau war sie aus Quadratas Worten zuerst nicht geworden, aber dann war das schicksalhafte Wort Haruspizin gefallen, und das konnte im Grunde nur eins bedeuten: Romana war hergekommen, um ihr endgültig die Wahrheit über die Leberschau und damit ins Gesicht zu sagen, dass sie, Serrana, in nur wenigen Monaten bei der Geburt ihres Kindes sterben würde. Und damit würde es dann endgültig wahr sein, und das letzte kleine bisschen Hoffnung wäre dahin...Aber warum nur? Warum jetzt doch noch? Wie sollte sie denn nur die letzten Wochen überstehen, wenn es kein Schlupfloch mehr gab? Serrana stieß ein kleines Wimmern aus und presste sich die Hand gegen den Mund, während ihr Herz immer lauter schlug und ihren Brustkorb zu sprengen drohte. Noch nie zuvor in ihrem ganzen Leben hatte sie eine derartige fundamentale und allumfassende Angst verspürt wie in diesem Augenblick. Nachdem Quadrata ihr die Nachricht von ihrer unerwarteten Besucherin gebracht hatte, hatte Serrana eine Weile ernsthaft überlegt sich bei ihrer Freundin verleugnen zu lassen. Aber was würde das schon bringen? Nichts, rein gar nichts, abgesehen von ein paar weiteren Tagen voller Ungewissheit anstelle der grausigen Tatsachen. Nein, was immer ihr Romana auch zu sagen hatte, es würde besser sein, es direkt hinter sich zu bringen. Immer noch mit dem Rücken an die Wand gepresst atmete Serrana ein paar mal tief ein und aus, fuhr sich durch die Haare, um sich dann zu lösen und kurzentschlossen das Atrium zu betreten. Da war Romana ja, und ihr Gesichtsausdruck sah alles andere als glücklich aus. Aber wie hätte er das auch sein können.


    "Salve, Romana. Wie nett von dir, mich hier zu besuchen." brachte Serrana mit reichlich brüchiger Stimme hervor und versuchte sich an etwas, das wie ein Lächeln aussehen sollte.

    Mit nicht geringer Erleichterung beobachtete Serrana, wie ihre Cousine allmählich wieder ruhiger wurde und ihr Körper aufhörte, so entsetzlich zu zittern. Hätte sie doch nur eine Minute nachgedacht, dann hätte sie sich ihre Frage nach Vala vermutlich wohlweislich verkniffen, aber Serrana war durch Axillas elenden Zustand viel zu abgelenkt, um vernünftig denken zu können. Und dann war es auch schon zu spät, ihre Cousine sprang wie von der Tarantel gestochen von der Bank auf und fauchte sie an. Fast wäre Serrana froh gewesen, an Stelle der paralysierten jungen Frau endlich wieder die alte Axilla vor sich zu sehen, aber dann wurde es doch ein wenig zu ungemütlich. "Ich hätte das nicht fragen sollen, das war dumm, verzeih mir bitte." sagte sie schnell und verfluchte sich innerlich für ihre Gedankenlosigkeit und Dummheit. "Ich würde sowas nie von dir denken oder Vala und dir eine Affaire unterstellen, ich hab mich nur gefragt, warum ...." ...warum Axillas Ehemann eine derartige Eifersucht auf den Germanen entwickelt hatte, wenn es doch angeblich gar keinen Grund dafür gab. Serrana, die sich trotz Axillas Wutanfall und gegen besseres Wissen noch nicht geschlagen geben wollte, hatte bereits den Mund geöffnet, um ihren Satz zu Ende zu sprechen, als ihr plötzlich etwas einfiel, das sie schon fast vergessen hatte, und ihr schlagartig entsetzlich übel wurde. Sie....sie selbst hatte Aelius Archias einen Grund geliefert, an seiner Ehefrau zu zweifeln...Sie war es gewesen, die ihm erzählt hatte, Axilla sei in Vala verliebt gewesen...Damals hatte der Aelier ihre Behauptung als lächerlich abgetan, aber was, wenn er ihr schließlich doch geglaubt hatte? Und damit all diese schrecklichen Dinge erst begonnen hatten, von denen ihre Cousine ihr eben erzählt hatte? Serranas Übelkeit verstärkte sich noch, und sie presste sich kurz die Hand gegen den Mund, weil sie Angst hatte sich erbrechen zu müssen. Nach ein paar Sekunden ebbte diese Welle wieder etwas ab, aber Serrana war nach wie vor schneeweiß und auf ihren Wangen bildeten sich hektische rote Flecken, während das Blut in ihren Ohren derart laut rauschte, dass sie nicht sicher war, ob Axilla aufgehört hatte zu sprechen oder nicht.


    "Oh, ihr Götter, warum hab ich das nur gesagt? Warum war ich nur so dumm?" sagte sie schließlich leise und fast mehr zu sich selbst als an Axilla gewandt. Konnte denn eine kleine unbedachte Bemerkung tatsächlich solche ungeahnten Folgen gehabt haben?
    "Wie...wieso glaubst du, dass Archias mit Leanders Tod etwas zu tun hatte?" bekam sie schließlich mit krächzender Stimme heraus, obwohl sie sich nicht sicher war, ob Axilla ihr jetzt überhaupt noch antworten würde.

    "Oh, seit ich mich erinnern kann, hat Großmutter davon gesprochen, wieder nach Rom zurück zu kehren, aber mein Großvater wollte das nicht." Wie immer, wenn sie über Marcilius Lento sprach, nahm Serranas Gesicht einen weichen Zug an und ein Lächeln glitt über ihre Lippen, bevor sie weiter sprach. "Und ja, ich denke sie hatte daheim in Nola einen guten Stand. Sie wurde überall eingeladen, weißt du, und nicht einmal die Duumviri haben sich getraut, ihr zu widersprechen. Zumindest nicht in ihrer Gegenwart..." Serrana kicherte leise wurde dann jedoch wieder nachdenklich. "Ich weiß nicht....manchmal denke ich, aus Großmutter wäre ein viel angenehmerer Mensch geworden, wenn sie einen solchen Mann gefunden und geheiratet hätte." Wieder einmal wurde ihr bewusst, welches Privileg es doch gewesen war, den Mann zu heiraten, den sie auch hatte haben wollen, und Serrana spürte so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil sie sich noch vor wenigen Minuten so über Sedulus geärgert hatte. Ein schlechtes Gewissen, das jedoch nur kurz danach von schierer Fassungslosigkeit überlagert wurde.


    "Tiberius Durus? Der Pontifex? Der und Großmutter? Oh nein, das wäre ja entsetzlich. Der Pontifex ist sicher ein sehr redlicher und frommer Mann, den würde ja der Schlag treffen, wenn er Großmutter reden hören würde."

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    Artanes



    Wer jetzt den Hain bewachte? Artanes starrte den alten Tiberier ungläubig an, bis ihm plötzlich wieder einfiel, dass er den Boten vor der Ankunft der Rinder nach Rom geschickt hatte und der Pontifex somit noch gar nichts von den letzten Ereignissen wissen konnte. Die schonende Vermittlung von Wahrheiten gehörte leider nicht zu den besonderen Fähigkeiten des Rex Nemorensis, und dementsprechend unverblümt fiel auch seine jetzige Berichterstattung aus.


    "Salve, Pontifex Tiberius." begann er mit seiner dröhnenden Stimme, die nicht mehr wirklich daran gewöhnt war, sich an geschlossene Räume anzupassen. "Und verzeih mir meine Offenheit, aber am Lagus Nemi ist kaum noch etwas übrig, was sich zu bewachen lohnen würde. Fast unmittelbar auf den Frevel, von dem ich dir berichten ließ, ist der Zorn der Götter über uns gekommen, und der heilige Hain ist bedeckt von Toten und getränkt von deren Blut."

    "Ach, das glaub ich nicht. Wenn es ihm so schlecht ginge, dann hätte uns längst jemand von den Sklaven dort informiert." behauptete Serrana mit mehr Überzeugung in der Stimme, als sie eigentlich selbst in dieser Sache empfand. Viel eher spürte sie in diesem Moment so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil sie sich im Gegensatz zu Axilla bislang kaum Gedanken über den Gesundheitszusstand ihres in der Ferne weilenden Verwandten gemacht hatte. Irgendwo tat es ihr schon leid, dass es ihm nicht gut ging, aber andererseits war ihr Silanus in der kurzen Zeit des gemeinsamen Zusammenlebens in der Casa Iunia im Grunde fremd geblieben, während Axilla ihn offenbar nicht nur länger sondern auch besser gekannt hatte als sie selbst. Serrana rieb sich ein wenig zerknirscht den Arm, doch dann wurde ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf andere Dinge gelenkt. Leander? Ihr Gesichtsausdruck nahm kurzzeitig einen verwirrten Ausdruck an, denn dieser Name war Serrana zwar irgendwie vertraut, doch es dauerte ein bisschen, bis sie ihn mit Axillas in der Subura ermordetem Sklaven in Verbindung brachte. Seltsamerweise tauchte als erstes dessen entsetzer Gesichtsausdruck in der Nacht, als Axilla beinahe gestorben wäre, vor Serranas innerem Auge auf. Diese grässliche Nacht, in der die dunklen Träume und das Blut wieder zu ihr zurückgekehrt waren.... Auf Serranas Haut bildete sich erneut eine Gänsehaut. Ob Axilla vielleicht doch recht hatte mit diesem Fluch? Nein, das war Unsinn, am besten dachte sie darüber gar nicht mehr nach. Und das was ihre Cousine jetzt erzählte, klang in Serranas Ohren zwar etwas wirr, lenkte sie aber doch recht erfolgreich von dem wesentlich beängstigenderen anderen Thema ab. War Quarto nicht Sedulus' Schwager? Achja, der hatte ja erwähnt, dass seine Schwester mit einem Mitglied der kaiserlichen Familie verheiratet war. So wirklich richtig folgen konnte sie dieser doch recht verwickelt scheinenden Geschichte um gefälschte Siegel, Fallen und Eifersucht nicht, aber ein Detail fiel sogar der unbedarften Serrana bereits nach wenigen Worten auf: Axillas Sorge um das Wohl und die Sicherheit des Germanen war eindeutig genauso groß, wie das, was sie selbst in Sedulus' Fall an den Tag legen würde. "Das hat er getan?" fragte sie aufrichtig schockiert, "ich hab deinen Mann ja kaum gekannt, aber so etwas hätte ich ihm wirklich nicht zugetraut. Und...ähm...versteh mich bitte nicht falsch, aber...ähm...du und Vala...ihr habt doch nicht...also...du weißt schon..."

    Serrana nickte nachdenklich. "Ja, da könntest du recht haben. Ich glaube, Großmutter ist nach all der Zeit endlich an dem Ort angekommen, an dem sie immer mitmischen wollte. Verstellen konnte sie sich immer schon hervorragend, vermutlich wäre sie ein grandioser Politiker geworden." Serranas Kopfschütteln verriet, wie wenig sie selbst sich für diese Dinge interessierte. "Weißt du, eigentlich könnte sie sich in ihrem Alter doch zurücklehnen und die anderen machen lassen, aber scheinbar wird sie jetzt erst richtig wach."Gerade hatte sie sich wieder zurück in ihre Kissen sinken lassen, als sie direkt wieder emporschnellte und Sedulus mit einer Mischung aus Unglaube und Erheiterung anstarrte.


    "Einen Mann? Für Großmutter? Ihr gütigen Götter, sie hat schon zwei überlebt, wer würde sich das denn freiwillig antun? Ausserdem müsstest du erstmal einen finden, der ihrem Geschmack entspricht, Großmutter schwärmt nämlich für harte Männer wie Cornelius Sulla und Kaiser Titus."

    "Begleiten? In die Therme? Ja gern, warum nicht?" nickte Serrana sofort. Sie war immer gern in die Thermae Agrippae gegangen, doch seit Calvena und Septima nicht mehr in Rom lebten, hatte sie es oft vorgezogen, das hauseigene Balneum in der Casa Germanica aufzusuchen, statt allein durch die halbe Stadt zu laufen. Dabei war es schon etwas anderes, in der großen Therme zu sitzen, mit all den anderen Frauen, und ein wenig über die Götter und die Welt zu plaudern und Neuigkeiten aller Art aufzuschnappen.


    "Vielleicht solltest du uns noch einen Tipp geben, damit wir dich besser erraten können." sagte sie dann an ihren Mann gewandt. Sie selbst machte sich da wenig Hoffnung, aber vielleicht kannten sich die beiden Tiberier in der germanischen Mythologie ja besser aus als sie.

    Kaum weniger aufgeregt als ihre Stieftochter saß auch Serrana in der Sänfte und musste sich am Riemen reissen, um nicht ihrerseits ständig den Vorhang zur Seite zu nehmen und sich umzuschauen. Kaum zu glauben, da lebte sie nun schon seit über einem Jahr in Rom und hatte es bislang noch nicht einmal geschafft, sich ein Theaterstück anzuschauen.
    Als die Sänfte der Germanici schließlich aufgrund des allgemeinen Getümmels stehenblieb, stieg sie mit Mann und Kind hinaus in die wogende Menschenmenge und nickte Sedulus auf seinen Vorschlag hin zu.


    "Ja, ist gut, wir setzen uns dann schon. Komm gleich nach, ja?"


    Einige Minuten später hatten Sabina und sie ihre Plätze erreicht, und Serrana folgte mit ihrem Blick dem Fingerzeig ihrer Stieftochter. Sabina hatte richtig gesehen, nicht allzu weit von ihnen entfernt ragte tatsächlich, durch Körpergröße und Gewand weithin sichtbar, Claudia Romana empor. Serrana freute sich, die Vestalin, mittlerweile eine gute Freundin, endlich mal wieder zu sehen, trotzdem erfüllte ihr Anblick sie auch mit einer gewissen Scheu, denn jene rätselhafte Leberschau in der Casa Iunia hing nach wie vor wie eine dunkle Wolke über ihr.


    "Das ist Romana, du hast recht." stimmte sie Sabina zu. "Wink ihr doch mal zu, vielleicht sieht sie uns dann."

    Es gab vermutlich nur wenige Frauen ihres Standes und Alters, die noch schlechter mit Komplimenten umgehen konnten als Serrana. Eine etwas souveränere Geschlechtsgenossin hätte die Situation vermutlich mit einem belanglosen Scherz überspielen können, aber auch dazu fehlte ihr bislang jegliches Talent. Es würde noch ein ganzes Weilchen dauern, bis die ja durchaus sehr schmeichelhafte Botschaft in Umbricius Worten zu ihr durchdrang, doch in diesem Moment erschrak sich Serrana wegen der zum Teil doch recht rüden Sprache einfach nur zu Tode und wich mit geweiteten Augen automatisch ein Stück von dem Verwandten ihres Mannes zurück, wobei sie recht schmerzhaft gegen eine Tischkante stieß.


    "Ich...ähm...ich...also...du ...solltest so etwas nicht zu mir sagen, das...das ist nicht richtig." stieß sie hervor und war beinahe dankbar für den scharfen Schmerz in ihrer Seite, der sie von der überaus peinlichen Situation ablenkte. Sie rieb sich unwillkürlich mit der Hand über die pochende Stelle und nickte dann hektisch, als der junge Germanicus sich bei ihr entschuldigte.


    "Ist schon gut." murmelte sie und starrte sofort wieder in eine andere Richtung, nachdem sie Umbricius kurz in die Augen gesehen hatte. "Vielleicht hast du Recht....Aber zum Militär...dann wärst du 20 Jahre lang gebunden, würdest du das denn wollen?" Wie günstig, dass er selbst das Thema gewechselt hatte, ihr selbst wäre vor lauter Schreck gar nichts eingefallen.


    Sim-Off:

    danke danke^^ den Satz hänge ich mir am besten an meinen Spiegel :D

    Dankbar, dass das Gespräch jetzt endgültig in andere Bahnen gelenkt worden war, griff Serrana die zum Teil recht überrascht klingenden Fragen der anderen Damen nach ihrem geplanten Reiseziel auf, obwohl sie über dieses im Grunde so gut wie nichts wusste.


    "Nun, ähm...der Onkel von Quintus, also Senator Avarus, ist ja bereits dort und er hat vorgeschlagen, dass die gesamte Familie gemeinsam den Sommer auf ihren Ländereien in Mogontiacum verbringt. Sabina war ja noch nie dort, und ich...naja ich auch nicht." Überhaupt erstreckte sich das Serrana bereits persönlich bereiste Gebiet gerade mal von der Campania bis nach Rom, aber das wollte sie in Gegenwart einer Vestalin und der Gattin eines Pontifex und Senators lieber nicht zugeben, damit sie nicht ganz so albern da stand. Allzuviel Zeit sich deshalb zu schämen, blieb ihr jedoch nicht, denn Romana kam erneut auf diese ominöse Sekte der Christianer zu sprechen. Bislang hatte Serrana sich darüber kaum Gedanken gemacht, aber was sie da aus dem Mund der Vestalin hörte (und was aus dem Mund einer solchen kam, war selbstredend immer wahr und zutreffend), jagte ihr erneut einen gehörigen Schrecken ein, verwirrte sie jedoch auch. "Nur ein einziger Gott? Aber das ist doch Unsinn, das weiß jeder." bekam sie schließlich heraus und schüttelte vehement den Kopf. "Dass es diese Hebräer, die du gerade erwähnt hast, nicht besser wissen, mag ja noch nachvollziehbar sein. Aber ein Römer kann doch niemals seine Götter verleugnen, die es schon so lange gibt, das....das geht doch gar nicht. Und sie sind wirklich Kannibalen, sagst du? Aber warum verhaftet man diese Monster dann nicht?"

    Welche anderen Dinge? Davon gab es derart viele, dass Serrana sie gar nicht alle hätte aufzählen können, daher entschied sie sich erstmal nur für eine Sache.


    "Nun, weißt du, Großmutter...sie hat eine Gabe, bei anderen Menschen immer sofort die Dinge zu entdecken, die ihnen aus irgendeinem Grund schwer fallen oder vor denen sie Angst haben. Und die schmeisst sie einem dann ständig an den Kopf und reitet darauf herum, bis man sich nicht mehr traut oder keine Lust mehr hat, in ihrer Gegenwart den Mund aufzumachen. Hier in Rom ist es komischerweise nicht mehr ganz so schlimm wie früher, keine Ahnung woran das liegen könnte."
    Serrana seufzte erneut und erwiderte fast schon instintiv den Kuss ihres Mannes. Sie hatte sich bei der Cena wirklich über seine Art und Weise geärgert, aber der Gedanke an ihr ungeborenes Kind ließ die ungewöhnliche Art und Weise von Axillas Eheschließung im Vergleich nahezu unwichtig werden.
    "Ich danke dir. Vielleicht finden wir ja auch noch etwas, mit dem wir Großmutter beschäftigen können, damit sie sich nicht wie ein Wolf auf unser Baby stürzt."

    Als das Schluchzen schlimmer wurde und allmählich Axillas ganzen Körper zu erfassen schien, legte Serrana ihre Hand schließlich doch vorsichtig auf deren Rücken, blieb auf der Bank jedoch weiterhin auf Distanz, um ihre Cousine nicht erneut zu erschrecken. Was für eine seltsame Erfahrung, zur Abwechslung mal nicht diejenige zu sein, die in Tränen aufgelöst vor sich hinweinte sondern die, die ihr Gegenüber zu beruhigen versuchte. Es war nicht gerade leicht, Axillas Worte durch all das Weinen hindurch richtig zu verstehen, doch je mehr davon bei Serrana ankamen, desto heftiger schüttelte diese ihren Kopf, denn irrationale Denkfehler anderer Leute ließen sich ganz offenbar viel leichter entlarven als die, in die man sich selbst hineingesteigert hatte.


    "Aber nein, das stimmt doch nicht." sagte sie eifrig und schüttelte weiterhin den Kopf, obwohl Axilla das gar nicht sehen konnte. "Schau mal, dein Vater war Soldat, und so traurig es auch ist: er ist im Kampf für Rom gefallen, genau wie so viele andere. Mein Vater wurde auch im Dienst getötet, das war bei beiden einfach nur entsetzliches Pech und Unglück, aber doch kein Fluch. Urgulania ist gestorben, weil irgendjemand ihren Tod wollte und skrupellos genug war, sie umbringen zu lassen. Und was Silanus betrifft...."Serrana seufzte und zuckte dann mit den Achseln. "Er ist krank, ja. Aber tot ist er noch lange nicht, und scheinbar scheint es ihm in Hispania ganz gut zu gehen, sonst hätten wir wohl mehr von ihm gehört. Und ich..." jetzt musste Serrana doch eine kurze Pause machen und ein paar mal ein- und ausatmen, bevor sie in Ruhe weitersprechen konnte. "ich....also, diese Angst, von der ich dir erzählt hab, die war immer schon in mir, schon lange, bevor wir uns überhaupt getroffen haben. Das hat also überhaupt nichts mit dir zu tun und ist noch viel weniger deine Schuld. Und vielleicht geht ja auch alles gut..." Serranas Unterarm schlang sich jetzt ein wenig fester um ihren Bauch, und sie war für einen Moment lang derart von ihren eigenen Gedanken in Anspruch genommen, dass ihr eine von Axillas Bemerkungen fast entgangen wäre. Als deren Bedeutung dann doch schließlich noch in ihr Bewusstsein sickerte, hob sie überrascht den Kopf. "Du wolltest Archias verlassen? Aber...aber wieso denn das?"