Beiträge von Marcus Octavius Nauticus

    "Gut."


    Ich ging zur dem Fluss zugewandten Seite der Hermes und bedeutete Latinius, mir zu folgen. Ich zeigte südwärts.


    "Wir werden den Hafen verlassen und uns dann stromaufwärts wenden, Richtung Confluentes. Wir werden immer dem Fahrwasser folgen. Heute Mittag müssten wir da sein. Dann wird entladen und wir fahren die gleiche Strecke wieder zurück. Fragen?"

    Ich erwiderte kurz den Gruß. "Salve Felicia Germanica."


    Dann wendete ich mich wieder Aragis zu.


    "Ich war früher ab und zu in fremden Gegenden unterwegs, auch wenn viele davon zum Imperium gehörten. Das war noch vor meiner Zeit in der Classis. Damals war ich recht froh, wenn ich jemanden fand, der mir geholfen hat. Und nach allen diesen guten Taten, die andere Menschen für mich getan haben, muss ich den Menschen dieser Welt doch etwas zurück geben. Und da Ihr ein weiser Mann zu sein scheint, wäre es mir eine Ehre, Euch zu helfen, wenn Ihr einmal Hilfe benötigt.
    Und was die Frage anbetrifft, ob ich in einem Menschen lesen kann... Als Kapitän habe ich die schäbigsten, aber auch die edelsten Menschen unter meinem Kommando gehabt, nicht nur in der Classis. Nach all den Jahren lernt man, sein Gegenüber einzuschätzen."

    Insgesamt waren drei Probati vorgetreten.


    "So, ihr drei werdet nun dafür sorgen, dass die anderen lernen, wie man Fracht richtig verstaut. Zeitansatz: Zwei Stunden!"


    Kaum hatte ich den Satz beendet, drehte ich eine Sanduhr um.


    "Die Zeit läuft, Bewegung!"

    ===Nächster Tag===


    Ich hatte die Probati bereits früh wecken lassen. Es war noch nicht einmal hell geworden. Nachdem sie alle vor der Hermes angetreten waren, stellte ich mich auf das Achterdeck.


    "Probati, wir werden heute eine kleine Fahrt unternehmen. Einmal nach Moguntiacum und zurück. Die Fahrt wird keine reine Trainingsfahrt, weil wir auch Fracht transportieren werden. Nachschubgüter, um genau zu sein. Und ihr werdet die Fracht verstauen. Und zwar so, dass nichts verrutscht. Alle, die so etwas schon mal gemacht haben, vorteten!"

    "Ich mache Euch einen Vorschlag. Ihr könnt ihn annehmen oder nicht, ich werde es Euch nicht verübeln, wenn Ihr nein sagt. Ich biete Euch an, Euch offiziell unter meinen Schutz zu stellen. Mein Rang ist hoch genug, damit man sich nicht mit mir anlegt, aber mein Leben spielt sich in der Classis ab, so dass Ihr prinzipiell machen könnt, was Ihr wollt, so lange es nichts illegales ist. Was haltet Ihr davon?"

    "Vor langer Zeit, als ich noch jünger war, begegnete ich außerhalb des Imperiums einmal einem Menschen aus einem fernen Reich. Er sagte mir, dass dort die Ansicht herrschte, dass der Kaiser ein himmlisches Mandat zur Herrschaft hätte, doch könne er dies nur behalten, wenn er keine eigenen Vorteile suchte. Ehrlich gesagt, mich interessiert Macht nicht. Ich möchte nur als Kapitän für meine Besatzung da sein und als Nauarchus für meine Kapitäne. Ich liebe die Seefahrt."

    Ich lächelte. "Das unterscheidet Euren Beruf von meinem. Als Kapitän muss ich immer klare Antworten geben, selbst wenn ich keine weiß. Denn der Kapitän muss alles wissen. Das erwartet die Besatzung. Aber Ihr habt Recht, die römische Hybris ist gefährlich, und es gibt genug Römer, die sich für Halbgötter zu halten scheinen. Dabei sind wir alle nur Menschen. Und Ihr seid ein interessanter Mensch."

    "Ihr gebt denen Antworten, die Fragen haben, doch sprecht Ihr in Rätseln. Ich bin ein einfacher Mensch, wenn auch studiert, doch war ich nie ein guter Philosoph. Ich bin pragmatisch. Aber lasst mich raten: Ihr seid Priester oder Heiler oder beides, richtig?"

    Einige Probati wurden aufgeregt, wenige begannen sogar zu tuscheln.


    "Da ist Ruhe drin! Verdammt noch mal, das ist ein Antreten, kein Gesellschaftsnachmittag!"


    Sofort war es still und alle standen stramm.


    "Geht doch. Probati, zum Marsch wegtreten!"

    "Langsam lernt ihr's! Sehr schön! Morgen werden wir eine kleine Fahrt wagen, aber die müsst ihr euch verdienen! Ich erwarte, dass ihr jetzt mindestens 10 Meilen marschiert, sozusagen zum Ausklang des Tages. Ich gestatte euch sogar, ohne Gepäck zu marschieren. Aber mit Rüstung!"